Mittwoch, 28. Dezember 2005

Colorado Kid



Autor: Stephen King
Original: Colorado Kid (2005)
meine Bewertung: 1 von 5

Stephanie besucht die Journalistenschule und muss deshalb ein viermonatiges Praktikum bei einer Zeitung absolvieren. Sie beschließt, dies beim Weekly Islander auf der kleinen Insel zu tun. Die gesamte Belegschaft der Zeitung besteht aus ihr, dem neunzigjährigen Chefredakteur und dem fünfundsechzigjährigen Journalisten. Eines Tages kommt ein Reporter vom Boston Globe auf die Insel, weil er nach einer Geschichte sucht, die sich in einer achtteiligen Reportage über ungeklärte und rätselhafte Ereignisse abdrucken ließe. Vince Teague und Dave Bowie, die beiden Zeitungsveteranen des Weekly Islander schweigen. Sie haben dem Bostoner Reporter nichts zu erzählen, was in seine Serie passen würde.

Als der Reporter wieder weg ist und die drei Hauptpersonen der Geschichte wieder in den Räumen der Zeitungsredaktion sind, beschließen Vince und Dave, Stephanie eine mysteriöse Geschichte zu erzählen, die sie dem nicht ortsansässigen Reporter hartnäckig verschwiegen hatten. In ihrer Geschichte geht es um eine Leiche, die vor zwanzig Jahren am Strand aufgefunden wurde. Der Mann war an einem Stück Fleisch erstickt und konnte nicht identifiziert werden, weil er außer einem Zigarettenpäckchen nichts bei sich hatte und die ortsansässigen Polizisten nicht gerade ein Ausbund an Intelligenz waren.

Die beiden Journalisten Dave und Vinve, damals noch jünger, nehmen sich der Sache an. Nach sechzehnmonatiger, mühsamer Recherche finden sie heraus, dass es sich bei der Leiche um James Cogan aus Colorado handelt. Was sonderbar ist: am Tage seines Todes um zehn Uhr war James Cogan noch in seinem Büro, um achtzehn Uhr abends war er dann schon in Maine. Unmöglich - vielleicht. Dave und Vince finden noch mehr heraus, aber längst nicht alles.

Bei diesem kurzen Büchlein von Stephen King, seinem neuesten Werk, handelt es sich nicht um eine Horror-Geschichte, sondern einfach um das Gespräch eines Nachmittags von drei Menschen. Das allein wäre nicht so schlimm, da die Dialoge sehr gut gelungen sind und King ja auch schon mit dem "Buick" bewiesen hat, dass so etwas funktioniert. Schlimm ist, dass diese angeblich mysteriöse Geschichte der Leiche von James Cogan keinesfalls mysteriös ist, nur ein wenig interessant. Schade, denn vom Großmeister hätte ich mir mehr erwartet.
Broschiert: 160 Seiten
Verlag: Ullstein Tb; Auflage: 1 (Januar 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 354826378X
ISBN-13: 978-3548263786

Dienstag, 27. Dezember 2005

Lari Fari Mogelzahn



Autor: Janosch
Original: Lari Fari Mogelzahn (1971)
meine Bewertung: 4 von 5

"In der Mottengasse elf, oben unter dem Dach hinter dem siebten Balken in dem Haus, wo der alte Eisenbahnsignalvorsteher Herr Glesiennagel wohnt, steht eine sehr geheimnisvolle Kiste." Mit diesen Worten beginnt Janosch seine Geschichte rund um den Nussknacker Lari Fari Mogelzahn, der in einer Spielzeugkiste mit vielen anderen Spielzeugen lebt. Lari Fari erzählt jeden Abend eine andere Geschichte, wobei der ehrliche Löwe Hans aufpasst, dass Lari Fari nicht lügt. Weil der Löwe Hans aber so dumm wie ehrlich ist, entgeht ihm so manche Flunkerei, was die Geschichten des Nussknackers umso abenteuerlicher und nett macht.

Diese Büchlein ist wunderbar illustriert und wirklich nett für Kinder im Alter zwischen 5 und 8 Jahren, egal ob zum Selberlesen oder zum Vorlesen.
Gebundene Ausgabe: 86 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866151063
ISBN-13: 978-3866151062

Montag, 26. Dezember 2005

Die Schule des Schreckens



Autor: Lemony Snicket
Original: The Austere Academy (2000)
meine Bewertung: 4 von 5

Die drei Baudelaire-Waisenkinder werden in diesem Band (dem fünften) in die Prfufrock Privatschule gebracht - natürlich von ihrem Vermögensverwalter Mr Poe. Zuerst sieht es so aus, als würden die Baudelaires jeder ein schönes Zimmer erhalten, in einem Gebäude mit Bibliothek und Spielzimmer. Doch da die Baudelaires Waisen sind, müssen sie im sogenannten Waisen-Schuppen hausen. In dieser Wellblechhütte wimmelt es von kleinen Krebsen und auf der Decke wächst ein Ekel erregender Pilz. Zu allem Überfluss entpuppt sich der Unterricht als sinnlos und langweilig und der stellvertretende Schulleiter als unangenehmer Mensch.

Ein hochentwickeltes Computersystem soll diesesmal dafür sorgen, dass die Baudelaires nicht von Graf Olaf, der hinter dem Vermögen der Baudelaires her ist, belästigt werden. Natürlich schafft dieser es durch seine einfallsreiche Verkleidung als Trainer Dschingis, das System zu überlisten und sich wieder an die Baudelaires heranzumachen. Die merken natürlich sofort, wer sich hinter der Verkleidung als Sportlehrer versteckt.

Er lässt die Kinder nächtelang Runden laufen, um sie zu erschöpfen, damit ihre Schulleistungen schlecht werden und sie ihm zum Privatunterricht übergeben werden. Anfangs scheint Graf Olaf Erfolg zu haben, doch er hat mal wieder nicht mit Klaus' Intelligenz, den Zähnen von Sunny und dem Einfallsreichtum von Violet gerechnet. Außerdem haben die Baudelaires Freunde gefunden, die sich bedenkenlos für die drei Geschwister in Gefahr begeben.

Der fünfte Band der Lemony Snicket Reihe erhält vier Punkte, vor allem deshalb, weil gegen Ende des Buches endlich etwas Spannung aufkommt und die Lage der Baudelaires nicht von Anfang an trostlos scheint.
Gebundene Ausgabe: 207 Seiten
Verlag: Manhattan; Auflage: 1 (1. Februar 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442545889
ISBN-13: 978-3442545889

Sonntag, 25. Dezember 2005

David und der Weihnachtskarpfen



Autor: David Prochazka
Original: ?
meine Bewertung: 5 von 5

Diese wirklich sehr liebe Weihnachtsgeschichte beginnt an einem kalten Tag in Prag, kurz vor Weihnachten. Es schneit und der kleine David und sein Vater sind am Marktplatz, um einen Weihnachtskarpfen auszusuchen. David hat schon seit längerer Zeit ein besonders prächtiges Exemplar im Auge, das er unbedingt haben will. Der Vater tut ihm diesen Gefallen und kauft den großen Fisch, auch wenn drei Personen vielleicht nicht unbedingt einen Dreikilo-Karpfen zum Fest verspeisen können.

David und sein Vate schleppen ihn nach Hause, wo ihn David in die Badewanne setzt. Er findet Gefallen an dem Tier und möchte auf keinen Fall, dass der Karpfen verspeist wird. Deshalb steht er mitten in der Nacht auf und beginnt eine Rettungsaktion der besonderen Art...

Dieses dünne Büchlein hat zwar nur 74 Seiten, ist aber für Kinder unter 10 Jahren unbedingt zu empfehlen. Die Charaktere sind liebevoll ausgestaltet und außerdem finden sich zahlreiche witzige Illustrationen. Natürlich sollte man "David und der Weihnachtskarpfen" als vorweihnachtliche Lektüre und Einstimmung aufs Fest lesen oder vorlesen.
Gebundene Ausgabe
Verlag:
Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (November 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866151179
ISBN-13: 978-3866151178

Samstag, 24. Dezember 2005

Brennen muss Salem



Autor: Stephen King
Original: Salem's Lot (1975)
meine Bewertung: 4 von 5

Salem's Lot ist eine kleine amerikanische Kleinstadt. Der Schriftsteller Ben Mears hat seine Kindheit in Salem's Lot verbracht, eine glückliche Kindheit, soweit er sich erinnern kann. Als er als erwachsener Mann zurückkehrt, um ein Buch zu schreiben, trifft er in einem Park Susan Norton. Die beiden verlieben sich und verbringen viel Zeit miteinander. Kurz nach Bens Ankunft in Salem's Lot siedelt sich auch der neue Antiquitätenladen "Barlow & Strake" an. Das Leben könnte wirklich idyllisch sein - wären da nicht diese seltsamen Vorkommnisse, die die Stadt in ihren Grundfesten erschüttern.

Zuerst findet der Leichenbestatter einen aufgeschlizten Hund, der am Friedhofstor aufgespießt wurde, dann verschwindet auch noch der kleine Ralphie Glick. Er war mit seinem älteren Bruder Danny auf dem Weg zu Mark Petrie, ihrem Freund. Danny kommt völlig verstört nach Hause, kann sich an nichts erinnern und Ralphie bleibt verschwunden. Kurz nach Ralphies Verschwinden stirbt Danny an akuter Anämie. Natürlich wird der Neue, Ben Mears, verdächtigt, etwas mit diesen mysteriösen Ereignissen zu tun zu haben. Diese seltsamen Dinge geschehen schließlich erst seit seiner Ankunft in Salem's Lot. Und dass Mr Straker von "Barlow & Straker" seine Hände im Spiel haben könnte, glaubt niemand. Schließlich ist er so ein distinguierter und netter Herr. Und seinen Partner Mr Barlow hat sowieso noch niemand gesehen.

Für Ben wirs sehr bald klar, wer wirklich für all das verantwortlich zeichnet. Schließlich sind Mr Barlow und Mr Straker in das alte Marsten-Haus gezogen. In diesem Haus sind schon immer seltsame und vor allem böse Dinge vorgegangen, schon damals, als Ben noch ein Kind war, erzählte man sich die Geschichte von Hubie Marsten, der sich in diesem Haus erhängte und seine Frau erschoss. Ben findet heraus, dass auch damals, während Hubie Marsten noch lebte, Menschen verschwunden sind oder an akuter Anämie verstorben sind.

Ben zieht die nötigen Schlüsse und versucht, auch Susan davon zu überzeugen, dass Vampire in Salem's Lot umgehen. Diese weigert sich zuerst, das zu glauben, doch als auch die Freunde von Ben, der Arzt Jimmy Cody, der Lehrer Matt Burke, Pater Callahan und der kleine Mark Petrie, davon überzeugt sind, etwas tun zu müssen, schließt sie sich widerstrebend an. Jede Nacht verschwinden mehr Menschen, doch Ben und Co. sind wachsam - und auf der Jagd.

Brennen muss Salemist eines der bekanntesten King Werke und hat das klassische Thema "Vampirismus" als Grundlage. Auf typische King'sche Manier ist die Handlung spannend und unheimlich und der Leser weiß nie mehr, als die handelnden Figuren. Natürlich muss man sich auf ein paar Verluste gefasst machen, den Abzugspunkt gibt es nur, weil es sehr interessant gewesen wäre, zu erfahren, was mit Pater Callahan letztendlich geschieht. Außerdem kommen sehr viele Personen mit dementsprechend vielen Namen und vielen Hintergründen hinzu, was verwirrend werden kann. Natürlich muss jeder King-Fan dieses Buch gelesen haben, denn soweit ich weiß, ist es sein Einziges mit diesem klassischen Vampir-Leitmotiv.
Taschenbuch: 573 Seiten
Verlag: Heyne (17. Juli 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453125274
ISBN-13: 978-3453125278

Mittwoch, 14. Dezember 2005

Kerzenlicht für eine Leiche



Autor: Ann Granger
Original: Candlelight for a Corpse (1996)
meine Bewertung: 3 von 5

Eunice Gresham ist im hohen Alter eines natürlichen Todes gestorben. Ihr letzter Wille ist es, im selben Grab wie ihre Eltern begraben zu werden. Natürlich schlägt man niemanden seinen letzten Wunsch ab, deshalb öffnen die beiden Bamforder Totengräber Danny und Gordon Lowe das alte Grab wieder - und stoßen dabei auf einen grausigen Fund. Dicht unter der Oberfläche liegen die Knochen einer jungen Frau und seines ungeborenen Kindes begraben. Markby nimmt sich dieses Falles an, auch wenn das bedeutet, dass sein lange geplanter Urlaub am Kanal mit Meredith Mitchell buchstäblich ins Wasser fällt. Schon bald findet der Inspektor heraus, dass es sich bei den Gebeinen um die Überreste der vor zwölf Jahren verschwundenen Kimberley Oates handelt. Seine Nachforschungen führen ihn schon bald auch in das Anwesen des Parlamentsabgeordneten Lars Holden, der eine glänzende Karriere vor sich hat - vorausgesetzt, er hat mit dem Tod seiner ehemaligen Geliebten nichts zu tun.

Meredith ist anfangs etwas verstimmt, schließlich hat sie sich wochenlang Urlaub genommen und fährt jetzt doch nicht weg. Sie beschließt, das Beste aus der Situation zu machen. Auf eigene Faust beginnt sie einmal mehr, sich in Bamford umzuhören. Meredith nutzt die Tatsache, dass sich Menschen nicht gerne mit der Polizei unterhalten, schamlos aus. Sie erfährt so allerhand Geschwätz und stößt recht bald auf eine interessante Spur. Sie ahnt ja nicht, dass sie so einiges falsch verstanden hat und sich so in eine äußert brenzlige Situation manövriert...

Granger schreibt Kriminalromane in guter englischer Manier. Der Vergleich mit Agatha Christie ist jedoch nicht (mehr) zulässig. Granger führt den Aspekt einer sich entwickelnden Liebesbeziehung ihres Inspektors mit seiner ständig schnüffelnden "Miss Marple", allerdings ist Christies Stil ausgefeilter. Ihre Romane haben viel mehr Spitzfindigkeiten und unerwartete Wendungen als die von Granger. Trotzdem kann man mit Mitchell und Markby so manchen spannenden Abend verbringen.
Taschenbuch: 400 Seiten
Verlag: Lübbe; Auflage: 4., Aufl. (25. Februar 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404148657
ISBN-13: 978-3404148653

Mittwoch, 7. Dezember 2005

Mein Urgroßvater und ich



Autor: James Krüss
Original: Mein Urgroßvater und ich (1959)
meine Bewertung: 4 von 5

Der kleine Boy muss für eine Woche zu seinem Großvater, weil seine Schwestern Anneken und Johanneken die Masern haben. Sein Urgroßvater und er finden eine Beschäftigung, die ihre vollste Aufmerksamkeit erfordert. Die beiden setzen sich Tag für Tag zusammen und dichten und erzählen sich Geschichten. Sie haben dabei eine Menge Spaß und der gewitzte Großvater nutzt die Gelegenheit, um seinem Urenkel ein paar Lektionen fürs Leben zu erteilen. Die Geschichten und Gedichte sind wunderbar erzählt, sogar der Zauberer Kori-Kora-Korinthe taucht auf. Natürlich ist das Buch wunderbar illustriert und zeigt eine funktionierende Beziehung über zwei Generationen hinweg. Da beginnt man doch, wieder an seinen eigenen Urgroßvater bzw. Großvater zu denken und daran, wann man sich zum letzten Mal mit ihm unterhalten hat.

Das Buch ist wirklich entz-zück-end und sowohl Jung als auch Alt gefallen.
Gebundene Ausgabe
Verlag:
Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (Oktober 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 386615108X
ISBN-13: 978-3866151086

Donnerstag, 1. Dezember 2005

Angels and Demons



Autor: Dan Brown
Original: Angels and Demons (2003)
meine Bewertung: 5 von 5

Kein Wunder, dass Dan Brown wochenlang der König der Bestsellerlisten war. Dieses Buch ist einfach verblüffend. Der renommierte Harvard-Professor Robert Langdon bekommt mitten in der Nacht einen mysteriösen Anruf vom Chef des berühmten Schweizer Wissenschaftslaboratoriums CERN. Ein grausamer Tod hat sich ereignet, einer der Wissenschafter wurde auf grausame Weise ermordet, sein Auge wurde ihm entfernt und ein Ambigramm auf seine Brust eingebrannt. Langdon traut seinen Augen nicht - es handelt sich um ein Symbol, dass die Brüderschaft der Illuminati der Legende nach benutzt haben soll - und das, obwohl die Illuminaten seit fast 400 Jahren in Wissenschaftskreisen als nonexistent gehandelt werden.

Langdon und die Tochter des Wissenschafters, die hübsche Vittoria, machen sich auf den Weg in den Vatikan, wo ihre Spurensuche beginnt. Schon bald sind sie allerdings nicht nur mit dem Tod des Wissenschafters konfrontiert, sondern auch mit einem Erpresser. Er nennt sich selbst Janus, hat kurz vor der Konklave vier der besten Kandidaten für den Stuhl des Papstes entführen lassen und will jede Stunde einen von ihnen in einer Kirche opfern, bis um Mitternacht ein vom CERN gestohlener Behälter mit Antimaterie - die mehr zerstörerische Kraft besitzt als viele Kilotonnen herkömmlichen Sprengstoffs - hochgeht und den Vatikan, die Wiege des Christentums, zerstört.

Browns Thriller ist in einem unglaublichen Tempo verfasst, die ganze Handlung erstreckt sich praktisch über einen einzigen Tag. Neben dem hervorragenden Erzählstil bietet "Angels And Demons" (deutscher Erscheinungstitel: "Illuminati") eine brisante Mischung aus Verschwörungstheorie, Gesichtlichen Fakten und viel Dichtung. Wie erst kürzlich von "Stern TV" recherchiert, darf man bei weitem nicht alles glauben, was Brown über die Geschichte der Illuminati in sein Werk einarbeitet - aber das ist egal. Schließlich ist es nicht seine Aufgabe, unsere Geschichtskenntnisse aufzufrischen, sondern uns zu unterhalten. Und das ist ihm zweifelsohne meisterhaft gelungen. Und die kleinen Seitenhiebe auf die katholische Kirche seien ihm verziehen - vielleicht sogar honoriert; schließlich hat die katholische Kirche in ihrem 2.000-jährigen Bestehen schon mehr als genug angestellt.
Taschenbuch: 572 Seiten
Verlag: Pocket Books (März 2006)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 1416528652
ISBN-13: 978-1416528654

Der Diamant des Salomon



Autor: Noah Gordon
Original: The Jerusalem Diamond (1963)
meine Bewertung: 4 von 5

Noah Gordon entführt seine Leser wieder einmal in eine Geschichte, die sich über mehrere Jahrhunderte erstreckt. Im Mittelpunkt steht diesesmal der junge Diamantenschleifer Hauptmann, der den berühmten Diamanten "Das Auge des Alexander" wieder in den Besitz des Vatikans bringen, nachdem er entwendet wurde. Was die päpstlichen Abgesandten allerdings nicht wissen, ist die Tatsache, dass der Diamant eine lange Geschichte hat und schon mehrmals von Vorfahren Hauptmanns bearbeitet wurde. Außerdem handelt es sich ursprünglich um einen Diamanten, der Juden gehört hat - weshalb sich etwas in Harry Hauptmann sträubt, den Diamanten dem Vatikan zurück zu bringen. Kein Wunder, sind Harrys Wurzeln doch jüdisch.

Für seine Mission bekommt er eine Expertin zur Seite gestellt, die rassige Tamar Strauss. Gemeinsam fahren sie nach Jerusalem, genießen dort gemeinsam eine aufregende und knisternde Zeit. Den Diamenten finden sie schließlich, auch wenn sie sich dafür nicht wirklich auf die Suche machen hätten müssen...

Gordon versteht es wirklich, wirkliche geschichtliche Tatsachen dem Leser näher zu bringen. Er legt größten Wert auf Exaktheit und eine geradlinige Handlung. Beginnt man einen Gordon, die ja meistens richtige Wälzer sind, ist man trotzdem durch, ehe man sichs versieht.
Taschenbuch: 410 Seiten
Verlag: Goldmann (22. März 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442454840
ISBN-13: 978-3442454846

Stadt aus Glas



Autor: Paul Auster
Original: City of Glass (1985)
meine Bewertung: 4 von 5

Der Schriftsteller Daniel Quinn hat mit einem Existenzproblem zu kämpfen. Er hat unter dem namen William Wilson mehrere gut verkaufte Kriminalromane verfasst, jetzt fählt seinem Leben allerdings etwas. Seine Frau und sein Sohn sind gestorben (wie, erfährt man nicht) und irgendwie ist er ein Suchender. Eines Tages läutet sein Telefon. Es wird nach Mr. Paul Auster verlangt, der angeblich ein Privatdetektiv ist. Quinn legt auf, das Telefon läutet wieder. Der Anrufer gibt nicht auf und beharrt darauf, mit Auster zu sprechen. Irgendwann entschließt sich Quinn einfach dazu, selbst zu Auster zu werden und den Auftrag anzunehmen, auch wenn er ja gar kein richtiger Detektiv ist. Er denkt, er hätte durch das Schreiben seiner Kriminalromane genug Erfahrung gesammelt, um der Aufgabe gewachsen zu sein.

Sein Auftraggeber stellt sich als Mr. Stillmann jr. heraus. Ein Mann Mitte Dreißig, der von seinem Vater im Alter von zwei Monaten in vollkommener Dunkelheit und ohne menschlichen Kontakten eingesperrt wurde, bis er zufälllig im Alter von 9 Jahren entdeckt wird. Stillmann sen. wird vor Gericht gestellt und zu 13 Jahren Haft verurteilt, Stillmann jr. kommt ins Krankenhaus, wo er ersteinmal gehen und sprechen lernen muss. Die 13-jährige Haft seines Vaters sind nun fast abgelaufen, Stillmann jr. hat berechtigten Grund zur Annahme, dass sein Vater zurückkehren und ihn umbringen wird. Er beauftragt deshalb Quinn mit der Beschattung seines Vaters.

Die Geschichte beginnt verwirrend und mysteriös, wird gegen Ende hin aber immer tragischer. Quinn folgt Stillmann sen. lange, schließlich tritt er mit ihm in direkten Kontakt und gerade als er glaubt, kurz vor einem Durchbruch zu stehen, nimmt die Handlung erneut eine unerwartete Wende...

Auster ist zurecht einer der amerikanischen Autoren, die es verdient haben, auch hier in Europa (wieder-)gelesen zu werden. Nicht durchschaubar, dennoch spannend und genial, wie er mit den Erzählpersonen spielt - ein wirklicher walk-through!

Gebundene Ausgabe: 176 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1 (24. April 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3937793054
ISBN-13: 978-3937793054

Mittwoch, 9. November 2005

Im Dunkel der Angst



Autorin: Laura Wilson
Original: Hello Bunny Alice (2003)
meine Bewertung: 4 von 5

Alice Jones lebt einsam in ihrem Landhaus, ziemlich abgeschieden von den nächsten Nachbarn und nur in Gesellschaft ihres Hundes Eustace, ihrer Pferde, den Hühnern und den Meerschweinchen. Sie liebt diese Einsamkeit, sie braucht diese Einsamkeit einfach. Vor sieben Jahren hat sich ihr Verlobter Lenny Maxted erhängt und sie hat seine Leiche gefunden. Als sich die beiden kennen lernten, arbeitete Alice als Bunny in einem Club und Lenny war ein landesweit bekannter Komiker. So harmonisch und stürmisch ihre Liebe anfangs war, so kompliziert wird sie schließlich. Nach Lennys Tod bricht Alice auch den Kontakt zu Lennys ehemaligem Partner Jack Flowers ab. Nach einer weiteren gescheiterten Ehe zieht sie schließlich die Gesellschaft der Tiere der Gesellschaft der Menschen vor.

Sie genießt ihre Ruhe, doch sieben Jahre nach Lennys Tod erhält sie mysteriöse Zeitungsausschnitte, die irgendwie mit dem Tod von Lenny und einer seiner Ex-Geliebten in Verbindung stehen und plötzlich steht auch noch Jack vor ihrer Tür. Er quartiert sich bei Alice ein, die sich anfangs über die Gesellschaft freut, aber schon nach wenigen Tagen herausfindet, dass irgendwas nicht stimmen kann. Sie fühlt sich von Jack bedroht, der immer mehr trinkt und ihr Lügen erzählt. Als sie schließlich hinter Jacks Geheimnis kommt, ist es schon fast zu spät, sie muss Stunden voll höllischer Angst durchleben bevor die vermeintliche Rettung naht...

Laura Wilson lässt ihre Hauptperson in der Ich-Form erzählen, was zum einen sehr ungewöhnlich für dieses Metier ist und zum anderen auch interessante erzählerische Effekte liefert. Die Spannung wird dadurch gesteigert, man hat das Gefühl, ständig neben der Erzählerin zu stehen und mit ihr ihre Angst zu erleben und zu hoffen. Die Geschichte ist spannend aufgebaut, es gibt mehr als nur eine unerwartete Wendung und mehrere tragische Einzelschicksale, die sich zu einem Ganzen zusammenfügen. Wilson ist durchaus einen Versuch wert!
Taschenbuch: 313 Seiten
Verlag: Goldmann (Januar 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442456274
ISBN-13: 978-3442456277

Montag, 7. November 2005

Wellen



Autor: Eduard Graf von Keyserling
Original: Wellen (1911)
meine Bewertung: 3 von 5

Schauplatz dieses Romans von Keyserling ist die Kurische Nehrung der vorletzten Jahrhundertwende. Verschiedene Aristokraten haben sich eingefunden, um die Sommerfrische gemeinsam zu verbringen. Darunter sind Generalin von Palikow, ihre Tochter die Gräfin Buttlär mit ihrem Gatten, dem Sohn Wedig und den beiden Töchtern Nini und Lolo.

Außerdem stößt der Verlobte von Lolo, Hilmar, zu den Sommerfrischlern. Die Gesellschaft beginnt sich schnell zu langweilen - nur gut, dass auch Gräfin Doralice und ihr Gatte Hans Grill, ein Maler, am Meer Ferien machen. Doralice, die eigentlich mit einem Grafen verheiratet war, verliebte sich in den Maler, als dieser ein Portrait von ihr anfertigen wollte. Doralice, geschmeichelt von soviel Zuneigung macht sich mit Hans auf und davon, um ihn in London zu heiraten. Natürlich wird sie so zu einer von der adligen Gesellschaft Verstoßenen, als Klatschthema eignet sie sich jedoch allemal.

Nachdem die Gräfin Buttlär den Kindern verbietet, mit Doralice zu sprechen, wird es natürlich zur liebsten Beschäftigung der Jugend, Doralice bei ihren Spaziergängen zu begegnen - rein zufällig natürlich. Wie es kommen muss, lernen sich nach einiger Zeit auch Hilmar und Doralice kennen. Hilmar verliebt sich in die Schöne und küsst sie eines Nachts, als ihr Mann Hans auf dem Meer zum Fischen ist. Lolo sieht dies und beschließt, ihrem Leben ein Ende zu bereiten. Von da an nimmt die Geschichte eine schicksalhafte Wende und natürlich kommt alles wieder anders, als man denkt.

Keyserling hat einen Roman geschaffen, der in einer malerischen Sprache verfasst ist und in die vorletzte Jahrhundertwende entführt. Die Geschichte ist überhaupt nich spannend, dafür für Romantiker sicher das Richtige. Nicht jedermanns Sache, aber sicher einen Versuch wert!
Gebundene Ausgabe: 172 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1 (9. Oktober 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3937793534
ISBN-13: 978-3937793535

Donnerstag, 3. November 2005

Menschenjagd



Autor: Stephen King als Richard Bachmann
Original: Running Man (1982)
meine Bewertung: 3 von 5

Wir schreiben das Jahr 2025. Es gibt Pneumo-Autos, die Luft ist kaum mehr atembar und die Fernsehanstalt ist wichtiger geworden, als die Regierung. Ben Richards lebt mit seiner Frau Sheila und seiner kleinen Tochter Cathy in einer Sozialwohnung in Co-Op-City, einer der vielen Armengegenden. Ben hat seinen Job als Maschinenputzer bei General Atomics aufgegeben, um überhaupt ein Kind zeugen zu können und jetzt ist die kleine krank geworden. Sie hat Lungenentzündung und braucht dringend Medikamente.

Das Geld der kleinen Familie ist knapp und bevor Sheila wieder als Prostituierte arbeiten muss, beschließt Ben, die Sache in die Hand zu nehmen. Er bewirbt sich für eine der vielen grausamen Spielshows, die die große Fernsehanstalt über Free-Vee täglich sendet. Er schafft es, für "Menschenjagd" ausgewählt zu werden. Die Spielregeln sind denkbar einfach: Ben wird vom ganzen Land gejagt, wird er erwischt, wird er umgebracht. Für jede Stunde, die er in Freiheit verbringt, bekommt seine Familie hundert Dollar. Und für jeden Polizisten, den er tötet, gibt es einen extra Bonus. Es dauert nicht lang, da wird der Gejagte selbst zum Jäger, um sein Leben zu retten.

Wie man es von Stephen King, alias Richard Bachman, erwartet, ist die Geschichte spannungsgeladen und voll Action. Mit der Romanvorlage hat der gleichnamige Film mit Arnold Schwarzenegger nicht viel gemeinsam, außer vielleicht der Grundidee. Das Buch ist viel besser und obwohl es ein wenig futuristisch anmutet, kann man doch schon ein wenig zeitkritik herauslesen, die besonders in den heutigen Zeiten von Überwachungsstaat und Big Brother dringend nötig ist. Für den Schluss allerdings, ist mir Mr King eine Erklärung schuldig. Oder kann er es nicht ertragen, einmal eine Story mit Happy End zu schreiben?
Taschenbuch: 226 Seiten
Verlag: Heyne (24. November 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453022912
ISBN-13: 978-3453022911

Mittwoch, 2. November 2005

Pu der Bär



Autor: Alan A. Milne
Original: Pooh the Bear (1987)
meine Bewertung: 5 von 5

Wer kennt sie nicht, die Geschichten um den Bären, der nach eigenen Angaben nicht besonders viel Verstand besitzt und seine Freunde? Winnie der Pu, eigentlich Eduard Bär, ist der beste Freund von Christopher Robin, mit dem er viel aufregende Abenteuer erlebt. Mit von der Partie sind auch Kaninchen, Ferkel, I-Ah, Eule, Känga und Klein Ruh.

In diesem Band sind 10 klassische Geschichten rund um die Freunde gesammelt, die alle mit liebevollen Illustrierungen versehen sind. Es ist ein Buch nicht nur für Kinder, sondern auch für Erwachsene, da sie wahrscheinlich den feinen Humor von Milne entdecken werden. Berührend, amüsant, wundervoll. Diese Buch gehört gelesen, vorgelesen, angeschaut und auf jeden Fall zu den wichtigsten Büchern, die in einer Kinder- und Erwachsenenbibliothek vorhanden sein sollten. Man muss sich nur trauen und sich auf die einzigartige Magie der Geschichten einlassen, einfach vergessen, wie alt man wirklich ist.
Gebundene Ausgabe: 135 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (September 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866151020
ISBN-13: 978-3866151024

Sonntag, 30. Oktober 2005

In feinen Kreisen



Autorin: Anne Perry
Original: The twisted Root (1999)
meine Bewertung: 1 von 5

Im viktorianischen London ist Lucius Stourbridge verzweifelt. Ohne ersichtlichen Grund ist seine Verlobte Miriam Gardiner von einer gesellschaftlichen Veranstaltung in seinem Haus geflohen. Der Kutscher James Treadwell ist ebenfalls unauffindbar. Weil Lucius keinen besseren Ausweg weiß, wendet er sich an den Privatdetektiv William Monk mit der Bitte, ihm bei der Suche nach seiner Verlobten behilflich zu sein. Monk macht sich gleich an die Arbeit, kann aber noch am selben Tag den Stourbridges nur Trauriges berichten. Der Kutscher wurde tot aufgefunden, hinterrücks erschlagen - von Miriam fehlt jede Spur. Da es sich augenscheinlich um Mord handelt, kommt auch Seargent Robb hinzu, der sich ebenfalls bemüht, Miriam zu finden. Allerdings nicht, weil er sich Sorgen um sie macht, sondern weil er davon überzeugt ist, in ihr den Mörder des Kutschers zu finden.

Nach einiger Zeit taucht Miriam tatsächlich wieder auf, sie weigert sich allerdings, zu dem Mord Stellung zu beziehen. Als Monk erfährt, dass Miriams Ziehmutter Cleo Anderson von Treadwell erpresst wurde, muss er feststellen, Miriam ein perfektes Motiv für den Mord zu liefern - was ihn traurig macht, da er felsenfest von der Unschuld der beiden Frauen überzeugt ist. Es dauert nicht lang, da wird auch noch die Mutter von Lucius Stourbridge auf dieselbe Weise ermordet und der Verdacht scheint sich zu erhärten...

Mit Adrian Monk aus der gleichnamigen Fernsehserie hat dieser Inspektor Monk leider überhaupt nichts gemeinsam außer dem Familiennamen. Die Geschichte ist sterbenslangweilig und wird erst auf den letzten 20 Seiten so etwas wie spannend. Das Ende lässt sehr viele Fragen offen und ist einfach zu sehr an den Haaren herbeigezogen. Es scheint, als hätte Perry rund 300 Seiten geschrieben, ohne zu wissen, auf was sie hinauswill. Und dann, als sie sich endlich entschieden hat, passt nichts mehr aufeinander, so dass es gewaltsam zusammengestöpselt wird. Will man gute englische Kriminalromane lesen, sollte man auf die Königin dieses Metiers, Agatha Christie, zurückgreifen oder sich ein paar gemütliche Stunden mit Ann Granger gönnnen.
Taschenbuch: 413 Seiten
Verlag: Goldmann (Juli 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442459575
ISBN-13: 978-3442459575

Dienstag, 18. Oktober 2005

Unterm Rad



Autor: Hermann Hesse
Original: Unterm Rad (1905)
meine Bewertung: 5 von 5

Hans Giebenrath stammt aus einem kleinbürgerlichen Dorf. Er lebt mit seinem rechtschaffenen Vater in einem kleinen Häuschen, die Mutter ist lange verstorben. Eigentlich ist Hans ein lebenslustiges kleines Kerlchen, hält Hasen im Garten und baut mit seinem Freund August am Bach eine kleine Mühle. Hans unterscheidet sich in seinem Äußeren von seinen Mitschülern - er ist von zarter Statur, hat eine Denkerstirn und wissende Augen. Es dauert nicht lang, bis den Lehrern auffällt, welch kluger und begabter Geist sich hinter den blassen Gesichtszügen verbirgt. Die wohlmeinenden Lehrer und der Pfarrer des Dorfes nehmen sich seiner an, sie benutzen den kleinen Jungen als williges Gefäß, in das sie ihr Wissen legen können.

Hans wird dazu auserkoren, am Stuttgarter Landexamen teilzunehmen. Besteht er die schwere Prüfung, darf er ins Priesterseminar Maulbronn eintreten und weiß sich sein Leben lang gut versorgt. Die Hoffnung des Dorfes, einen Feingeist hervorzubringen, ruht auf ihm. Schon ein Jahr vor dem Examen beginnt sich Hans darauf vorzubereiten. Er tauscht Märchenbuch gegen Grammatiken und die Angelrute gegen Zirkel und Bleistift. Hans arbeitet hart und hat oft Kopfschmerzen, doch dann ist es endlich so weit. Er fährt nach Stuttgart, um zum Landexamen anzutreten. Er tut sich schwer, kehrt des Niederlages sicher nach Hause zurück. Die Erlösung kommt in Form eines Briefes aus Stuttgart: Er hat das Landexamen als Zweiter bestanden.

Die Sommerferien nutzen Pfarrer und Rektor dazu, dem Schüler vorbereitende Lektionen zu geben - nichtsahnend, dass aus Hans ein gänzlich anderer werden wird, wenn er ins Priesterseminar eintritt. Sein Leben verändert sich zum schlechteren. Gerade als es wieder bergauf mit ihm zu gehen scheint, kommt erneut ein Tiefer Fall...

Hesse hat mit dem Buch ein Meisterwerk geschaffen. Obwohl es hundert Jahre alt ist, ist es doch von zeitloser Schönheit. Hesses Sprache entführt in eine andere Welt, die faszinierend und ein wenig abstoßend zugleich ist. Die Geschichte ist voll Wärme und Mitgefühl, die Welt so grausam.
Gebundene Ausgabe: 165 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1 (29. Januar 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3937793178
ISBN-13: 978-3937793177

Montag, 10. Oktober 2005

Harry Potter und der Halbblutprinz



Autorin: Joanne K. Rowling
Original: Harry Potter and the Halfblood-Prince (2005)
meine Bewertung: 4 von 5

Harry kehrt in sein "wahres" Zuhause zurück, nachdem die Sommerferien vorbei sind: Hogwarts, die berühmte Zaubererschule. Es ist keine gute Zeit für die magische Welt, denn Lord Voldemort ist zurück gekehrt und hat schon damit begonnen, seine Gehilfen, die Todesser, um sich zu scharen. Auch für Harry, Ron und Hermine ist nicht gerade eine Zeit der dauernden Hochstimmung angebrochen, denn sie sind in die Pubertät gekommen und zusätzlich zur Schule, und der Angst vor Voldemorts Rückkehr gesellen sich nun auch die Irrungen und Wirrungen der Liebe. Harry bekommt Privatunterricht von Professor Dumbledore, der ihm helfen soll, hinter Voldemorts Geheimnisse zu kommen und für einen finalen Kampf gerüstet zu sein.

Der positivste Aspekt dieses Bandes ist die Tatsache, dass sich die Hauptfiguren um einiges weiter entwickelt haben und nun in die Pubertät gekommen sind. Die Geschichte hat einiges an Spannung hinzugewonnen, doch leider geht der magische Aspekt ein wenig verloren. Der Zauber mit dem Hogwarts und die Bräuche und Gepflogenheiten dort geschildert wurden, ist verloren gegangen. Man könnte fast meinen, diese Magie wurde gegen eine gehörige Portion Action eingetauscht.

Tatsächlich ist der neue Potter erstaunlich blutrünstig geraten. Weiters muss unbedingt erwähnt werden, dass es nicht allzu lange her sein sollte, dass man den fünften Band gelesen hat, weil an viele Dinge einfach angeknüpft wird, ohne auch nur einer Erklärung dazu. Das finale Kapitel rührt zu Tränen und ist in gewohnt illustrativer Sprache gehalten, schade trotzdem, dass das Buch so enden musste. Natürlich ist es immer schwierig, mit Fortsetzungen qualitativ an die ersten Bände anzuschließen, aber vielleicht macht gerade das den Charme der Potter-Bücher aus: Sie wachsen mit ihren Fans mit.
Gebundene Ausgabe: 600 Seiten
Verlag: Carlsen; Auflage: 1 (1. Oktober 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3551566666
ISBN-13: 978-3551566669

Freitag, 7. Oktober 2005

Security



Autor: Dean R. Koontz
Original: Demon Seed (1973)
meine Bewertung: 2 von 5

Susan lebt seit ihrer Scheidung alleine in einem großen, herrschaftlichen Haus. Ein vollautomatisches Sicherheitssystem wacht über ihr Leben. Susan fühlt sich sicher, sie denkt, dass niemand unbefugt ihr Haus betreten kann.

Eines Nachts erwacht Susan von einem kurzen Alarm, der allerdings schnell wieder endet. Sie fragt "Alfred", den Hauscomputer, was geschehen sei. Dieser antwortet ihr immer nur mit "Alles in Ordnung, Susan". Doch irgendjemand - oder irgendetwas hat sich unbemerkt Zutritt zum Haus verschafft und lauert im Dunkeln.

Ich muss zugeben, bis hierher klingt das ja alles recht spannend - ist es auch. Zumindest so lange, bis man erfährt, wer (oder was) sich Zutritt zu ihrem Haus verschafft hat. Dann gleitet die Geschichte ins Lächerliche ab. Etwas sehr weit hergeholt, die Geschichte! Die zwei Punkte erhält es, weil es sehr ironisch geschrieben ist und das Buch viele männliche Chauvinismen karrikiert. Irgendwie hat es Witz. Trotzdem: fantastischer Unsinn
Taschenbuch: 269 Seiten
Verlag: Lübbe; Auflage: 5 (Juli 1999)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404142187
ISBN-13: 978-3404142187

Montag, 3. Oktober 2005

Die Martini-Therapie



Autorin: Liz Maverick
Original: What A Girl Wants (2004)
meine Bewertung: 3 von 5

Alles beginnt damit, dass in der Kabine neben Hayley Jane Smiths Bürokabine in einer Internetfirma die Leiche ihres Redakteurs gefunden wird. Und das einige Tage, nachdem er starb, und auch dann nur zufällig. Der ermittelnde Beamte entpuppt sich als ziemlich süß, weshalb sich Hayley Jane sofort zu ihm hingezogen fühlt, als er in ihr Büroabteil kommt und sie befragt. Während der Beamte noch herauszufinden versucht, wie es kommen konnte, dass niemand den Tod des Redakteurs bemerkte oder roch, macht sich Hayley schon daran, dem Polizisten an die Wäsche zu gehen.

Bevor es allerdings zu Schlimmeren kommen kann, unterbricht er das Gefummle und macht sich aus dem Staub. Für Hayley ist das Grund genug, bei einer Martini-Session mit ihren Freundinnen Audra, Suz und Diane ihr Leben zu analysieren und zu entscheiden, dass es Zeit für Veränderungen ist. Leider schlagen die Tipps der Freundinnen fehl und die erste Veränderung, die Hayley hinnehmen muss, ist ihre Kündigung, nachdem sie um ein höheres Gehalt ansucht. Kein Mann, kein Job, dafür drei Freundinnen, die sich wirklich redlich bemühen, Hayley den Rücken zu stärken und ihr zu helfen, ihre Lebenskrise zu meistern. Es dauert nicht lang, bis Hayley allerdings erkennt, dass sie selbst es ist, die Veränderungen zulassen muss.

Das Buch ist wirklich seltsam. Anfangs denkt man: unrealistisch, doof, typisch. Doch schon nach wenigen Kapiteln schließt man die ein bisschen ungeschickte Hayley ins Herz und wünscht ihr alles Gute, drückt ihr die Daumen. Leider sind der Übersetzerin Catrin Frischer zwei kleine Fautes-pas passiert, die das Lesen manchmal ein wenig holprig machen, das Vergnügen allerdings nicht schmälern. Das Buch ist auf jeden Fall für jede Frau zu empfehlen, die gute Freundinnen hat und kennt, wie es ist, mit ihnen jedes Detail ihres Liebeslebens zu analysieren oder für solche, die gern wissen würden, wie das ist! Ein netter Spaß für sonnige Herbsttage!
Taschenbuch: 283 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb. (September 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499239558
ISBN-13: 978-3499239557

Irisches Tagebuch



Autor: Heinrich Böll
Original: Irisches Tagebuch (1957)
meine Bewertung: 5 von 5

In diesem kleinen Büchlein hat Heinrich Böll seine Reiseerinnerungen an das Irland der frühen 50er Jahre gesammelt. Es handelt sich um einzelne Geschichten, die ein wenig unzusammenhängend sind - Erinnerungen eben. Böll bedient sich einer so schönen Sprache, dass man meint, das irische Gras zu fühlen, Torf zu richen und Guinness die Kehle hinunterrinnen spürt. Böll scheut sich nicht, Schwachstellen dieses so vielseitigen Landes aufzuzeigen, trotzdem merkt man, wie sehr ihn dieses Land fasziniert. Sie waren noch nie in Irland? Lesen Sie das Buch und Sie werden davon überzeugt sein, schon einmal da gewesen zu sein!
Taschenbuch: 137 Seiten
Verlag: Dtv (10. Mai 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423000015
ISBN-13: 978-3423000017

Donna Leon...

...und Kommissario Guido Brunetti

Band 14: Blood from a Stone

Mittwoch, 28. September 2005

Der Mitternachtsdieb



Autor: Sidney Sheldon
Original: Ghost Story (1997)
meine Bewertung: 3 von 5

Als ich dieses dünne Büchlein am Flohmarkt entdeckte, wusste ich gar nicht, welche Rarität ich da in Händen hielt. Man kann "Der Mitternachtsdieb" weder bei Amazon noch im regulären Buchhandel kaufen, deshalb können alle Interessierten bei der ebay-Versteigerung mitmachen; einfach auf den Link klicken!

Sheldon garantiert Spannung - da ist auch dieses Werk keine Ausnahme. Die Familie Yamada zieht aus Japan nach Amerika, genauer gesagt: von Tokio nach New York, weil der Vater ein umwerfendes Jobangebot erhalten hat. In New York angekommen, macht sich die Mutter mit den Kindern Mitsue und Kenji gleich auf die Suche nach einer passenden Wohnung. Die drei können ihr Glück kaum fassen, als sie eine geräumige Wohnung entdecken, deren Miete unglaublich niedrig ist. Auch dem Vater gefällt die Wohnung und so zieht Familie Yamada vom Hotelzimmer schon am nächsten Tag in ihre neue Wohnung. Das Leben in New York scheint einfacher zu sein, als die Yamadas anfangs angenommen hatten. Die Kinder bringen in der Schule gute Leistungen und finden schnell Anschluss.

Eines Nachts allerdings geschieht etwas seltsames: um Mitternacht schwebt der Geist eines Mädchen ins Mitsues Zimmer und bittet sie, ihr zu helfen. Mitsue traut sich nicht, sich ihren Eltern anzuvertrauen, weil ihr die ohnehin nicht glauben würden. Sie wendet sich deshalb an ihren älteren Bruder Kenji. Der glaubt ihr allerdings auch erst, als er den Geist des Mädchens mit eigenen Augen erblickt. Die beiden Kinder finden schnell heraus, dass der Geist Susan Boardman ist, die vor einem halben Jahr in genau dieser Wohnung ermordet wurde. Die beiden zögern nicht lange und entwickeln einen Plan. Sie wollen Susans Mörder überführen, um den Geist zu erlösen...

Die Geschichte ist recht nett, allerdings leider eine allzu klassische Geistergeschichte: Geist, weiblich, blutbeflecktes weißes Kleid sucht Erlösung. Seltsam mutet manchmal die Schreibweise der Dialoge an, die etwas zu aufgesetzt für 11- und 15-jährige Kinder wirkt. Es ist eine Geschichte, die man in zwei Stunden gelesen hat und die einen netten Zeitvertreib darstellt, aber nicht wirklich einen tiefen Eindruck hinterlässt. Nichtsdestotrotz sollte man das Buch besitzen, wenn man Sheldon Fan ist. Keine Ahnung, warum es nicht mehr erhältlich ist, ich bin jedenfalls stolz, eines ergattert zu haben - wenn auch nur zufällig!
Gebundene Ausgabe: 185 Seiten
Verlag: Orbis (1997)
ISBN-13: 978-3572009749
ASIN: 357200974X

Dienstag, 27. September 2005

Sex and the City



Autorin: Candace Bushnell
Original: Sex and the City (1996)
meine Bewertung: 1 von 5

Vorneweg: Ich muss zugeben, dass ich noch nie eine Folge der Serie gesehen habe, deshalb habe ich keine Ahnung, wie ähnlich sich Buch und Serie sind. Sind sie sich sehr ähnlich, kann ich den Erfolg der Serie, ehrlich gesagt, nicht verstehen.

Das Buch selbst hat nahezu keine Handlung, die handelnden Personen sind kaum plastisch und auch der teilweise vorhandene Wortwitz muss gesucht werden, bevor man ihn witzig finden kann. Leider geht es fast ausschließlich um frustrierte Frauen, die Drogen nehmen und sich betrinken - als wäre das selbstverständlich. Klar, New York ist anders, aber nicht so! Um es etwas schmerzloser zu machen: sinnlos vergeudete Zeit, wirklich. Die Serie muss fast besser sein, denn anders kann ich mir deren Erfolg nicht erklären.
Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: Warner Books; Auflage: WARNER BOOKS. (September 1997)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0446673544
ISBN-13: 978-0446673549

Samstag, 17. September 2005

Der Coach



Autor: John Grisham
Original: Bleachers (2003)
meine Bewertung: 4 von 5

Mit "Der Coach" hat John Grisham bereits seinen zweiten Roman geschaffen, der so völlig aus der Reiher derer schlägt, mit denen er berühmt wurde - nämlich den Justiz-Thrillern - dass man sich gar nicht so recht vorstellen kann, was man davon erwarten soll.

Das Buch handelt von Neely Crenshaw, einem ehemaligen Spieler der Highschool-Mannschaft "Spartans", der unter Trainer Rake spielte. Der talentierte Quarterback war mit seinen achtzehn Jahren eine Berühmtheit, allerdings nur bis er die Highschool beendet. Wegen einer Knieverletzung kann er nicht mehr spielen. Wenig später bricht er das College ab und treibt ziellos durchs Leben. Im Gedanken ist er immer noch bei jenen Jahren, in denen er für kurze Zeit ein Held war.

Eigentlich hatte er sich ja geschworen, nie wieder nach Messina, in die Stadt seiner Jugend, zurück zu kehren. Doch dann erfährt er, dass sein ehemaliger Coach Rake im Sterben liegt, deshalb beschließt er, nach Jahren wieder einmal nach Messina zu fahren. Dort ist Coach Rake eine Legende und als Neely sich auf den leeren Tribünen einfindet, um endgültig Abschied von seiner Jugend und seinen Träumen zu nehmen, ist er nicht der einzige der ehemaligen Spieler, die melancholisch auf das leere Spielfeld blicken und an all die längst vergangenen Zeiten denken. Einigen gelingt es sogar, Frieden mit sich und der Vergangenheit zu schließen.

Grisham hat erneut ein Meisterwerk abgeliefert. Das Buch hat mit seinen nur knapp 180 Seiten eine erstaunliche Tiefe und wurde wieder einmal in exzellentem Erzählstil verfasst. Jeder hat in seinem eigenen Leben schon einmal "the time of my live" erlebt und genau diese Melancholie die man beim Gedanken an diese verspürt, diese Stimmung in die man verfällt: genau das weiß Grisham in Worte zu fassen. Den Abzugspunkt gibt es für die ca. 15 Seiten umfassende Beschreibung eines Footballspiels - mitsamt allen Spielzügen und Fachbegriffen, die dem Laien nun wirklich fremd sind.
Taschenbuch: 189 Seiten
Verlag: Heyne (1. April 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453430190
ISBN-13: 978-3453430198

Mittwoch, 14. September 2005

Die Herzensbrecherin



Autorin: Susan Elizabeth Phillips
Original: Hot Shot (1991)
meine Bewertung: 3 von 5

Wir schreiben das Jahr 1971, als die Geschichte beginnt. Susannah Faulconer lebt mit ihrem erfolgreichen Vater Joel und ihrer kratzbürstigen Halbschwester Paige zusammen. Sie ist eine junge Frau mit einer schwierigen Vergangenheit, aus der sie Joel wie ein Ritter in strahlender Rüstung gerettet hat. Sie tut seit ihrer frühesten Kindheit alles, um dem Vater eine verantwortungsbewusste Gefährtin zu sein - sehr zum Neid und zum Missfallen ihrer jüngeren Halbschwester Paige. Joel bringt seiner Adoptivtochter all seine Liebe entgegen, während sich Paige vor Sehnsucht nach Anerkennung fast verzehrt. Doch Joel Faulconer, der Gründer der Computergesellschaft FTB zeigt Paige nur die kalte Schulter, während er ohne Susannah aufgeschmissen wäre.

Am Hochzeitstag Susannahs mit Cal Theroux, einem Vertrauten ihres Vaters, taucht jedoch plötzlich Sam Gamble auf seiner Harley Davidson auf und fordert Susannah, die er erst vor kurzem kennen gelernt hat, auf, mit ihm zu kommen und ihre eigene Hochzeit platzen zu lassen. Suzie gibt der Versuchung nach, sie kann sich ein Leben an der Seite von Cal nicht vorstellen - sie möchte nicht länger das artige Mädchen sein, das Dinnerparties organisiert und die perfekte Gastgeberin ist. Sie möchte frei sein und das Leben auskosten. Sam bringt sie zu sich nach Hause, wo er gemeinsam mit seinem Freund Yank - einem Technikfreak an einer Vision bastelt: dem Homecomputer.

Susannah kann sich schnell für die Idee einer eigenen Firma begeistern, so gründet sie mit den beiden Jungs SysVal. Gemeinsam schafft es das Trio, eine Marketingkanone und einen Geldgeber zu finden. Während sie anfangs noch in ihrer Garage herumbasteln, können sie bald in ein eigenes Büro ziehen, das genauso unkonventionell funktioniert, wie sich die jungen Leute das wünschen. Während SysVal expandiert und immer größere Gewinne einfährt, wird Susannah jedoch immer unglücklicher. Ihr Vater weigert sich immer noch standhaft, ihr zu vergeben und ihre Probleme mit ihrem - an diesem Punkt der Geschichte schon Ehemann - Sam beginnen sich im selben Maße zu mehren wie der Gewinn des Unternehmens.

An einem denkwürdigen Tag erwischt sie Sam mit einer der Sekretärinnen in flagranti und türmt daraufhin aus dem Haus. Sie erhält Hilfe von einer Person, auf die sie nie zu zählen gewagt hätte...

"Die Herzensbrecherin" ist einer von Phillips gelungensten Romanen. Natürlich geht es auch hier wieder um Liebe, Romantik, Erotik, Humor und puren Sex. Doch diese Geschichte ist nicht so einfach gestrickt wie ihre Vorgänger und entwickelt sich gegen Ende hin zu einer Überraschung. Die Autorin hat vielschichtige Charaktere erschaffen, die sie mit viel Hintergrundmaterial versorgt und so zu wirklichen Persönlichkeiten erschaffen hat. Wenn man auf Herz-Schmerz-Geschichten steht, sollte man unbedingt zu diesem von Phillips Werken greifen, da hier die Handlung nicht so vorhersehbar verläuft wie in den meisten ihrer anderen Romanen. Außerdem spielt dieser Roman in einem eher ungewöhnlichen Metier: der aufstrebenden Computerbranche.
Taschenbuch: 420 Seiten
Verlag: Blanvalet (24. Juli 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442362903
ISBN-13: 978-3442362905

Samstag, 10. September 2005

Die Wanderhure



Autorin: Iny Lorenz
Original: Die Wanderhure (2004)
meine Bewertung: 5 von 5

Wer mich und meine Rezensionen kennt, weiß, dass ich fünf Punkte nicht so ohne Weiteres verleihe. Auch dieses Buch hat die volle Punktzahl wirklich verdient. Die Geschichte spielt im 15. Jahrhundert in Konstanz und handelt von der Bürgerstochter Marie Schärerin. Die Tochter aus wohlhabendem Haus ist gut erzogen, hübsch und jungfräulich und führt ein gutes Leben. Als ihr Vater Matthis jedoch dem Heiratsantrag von Magister Ruppertus Splendidus zustimmt und den Ehevertrag mit dem Juristen unterschreibt, beginnt Maries Leben eine jähe Wendung zu nehmen. Noch in derselben Nacht wird sie von Utz, einem Fährmann und zwei seiner Spießgesellen beschuldigt, keine Jungfrau mehr zu sein - im Konstanz des Jahres 1410 ein schlimmes Verbrechen.

Marie wird in den Kerker geworfen und dort von ihren Beschuldigern vergewaltigt, so dass diese vor Gericht keinen Meineid zu schwören haben. Als sie am nächsten Tag von einer Matrone untersucht wird, kann diese bestätigen, dass Marie keine Jungfrau mehr ist und so wird sie ausgepeitscht, mit einem Schandkittel versehen und aus Konstanz fortgejagt.

Maries Vater versucht ihr zu folgen, fällt jedoch auch einem heimtückischen Plan zum Opfer. Marie wandert ziellos und von Schmerzen gepeinigt umher, immer noch in der Hoffnung, ihr ehrenwerter Bräutigam oder ihr Vater würden kommen, um sie zu retten. Nichts dergleichen geschieht allerdings, so wandert Marie weiter, bis sie bewusstlos am Straßenrand zusammenbricht. Dort wird sie von Hiltrud, einer netten Wanderhure, aufgelesen und aufgepäppelt. Marie und Hiltrud wandern vier Jahre lang umher, Marie muss um zu überleben auch dem Geschäft der Hübschlerin nachgehen. Die Zeit ihrer Wanderschaft übersteht sie nur durch Hass und Rachegefühle angetrieben und schon bald kehrt sie nach Konstanz zurück, wo ihr Leben abermals eine spannende Wendung nimmt...

Iny Lorentz hat einen Roman verfasst, der einem ins Mittelalter entführt. Man lernt die vielen Gebräuche der Menschen damals kennen, Berufe und Begriffe, die längst ausgestorben sind und kann dennoch das Geschrei am Marktplatz fast hören. Man fiebert mit Marie mit und will ihr zu ihrer Rache verhelfen, man fühlt fast ihre Schmach als sie aus Konstanz getrieben wird und man freut sich mit ihr, wenn sie gemeinsam mit Hiltrud allerlei Listen anstellt. Dieses Buch über das älteste Gewerbe der Welt und Maries Schicksal ist mehr als empfehlenswert und sollte im Regal gleich neben Noah Gordons "Der Medicus" stehen!
Taschenbuch: 606 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur (1. April 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426629348
ISBN-13: 978-3426629345

Hannibal



Autor: Thomas Harris
Original: Hannibal (1999)
meine Bewertung: 5 von 5

Wieder einmal habe ich die Höchstwertung vergeben - natürlich nicht leichtfertig. Doch welches Buch hat es verdient, mit der vollen Punktzahl bedacht zu werden, wenn nicht dieses? Zehn Jahre nach seinem berühmten "Das Schweigen der Lämmer" (verfilmt mit Sir Anthony Hopkins und Jodie Foster in den Hauptrollen) folgte "Hannibal" - die Fortsetzung. Dr. Lecter weilt mittlereweile in Florenz und ist dort als Gelehrter unter dem Namen "Dr. Fell" bekannt. Er lebt einigermaßen unauffällig und zufrieden, doch das einzige Opfer, das jemals ein "Zusammentreffen" mit Hannibal dem Kannibalen überlebte, Mason Verger, hat ein Kopfgeld auf ihn ausgesetzt. Verger, selbst arg verstümmelt und die Perversion in Person kann ans Bett gefesselt, wie er ist, seine Rache an seinem Peiniger nicht selbst durchführen. So hat er Schergen abkommandiert, die Lecter aufspüren und ihn schließlich an Wildschweine bei vollem Bewusstsein verfüttern sollen.

Doch da ist auch noch die ehrgeizige Clarice Starling, FBI Agentin. Ihr gelang es früher ("Das Schweigen der Lämmer"), als Dr. Lecter noch im Hochsicherheitstrakt des FBI verwahrt wurde, eine Art respektvolle Beziehung zu ihm aufzubauen. Starling fasziniert Lecter; er bewundert sie und bringt ihr eine gewisse Ehrfurcht entgegen. Als Starling unverschuldet in die Schusslinie des FBI gerät und schließlich auch noch von ihrem chauvinistischen Vorgesetzten Paul Krendler hintergangen wird, wittert Lecter in Florenz Gefahr und flieht. Als er wieder in der Neuen Welt angekommen ist, mittlerweile schon verfolgt von Vergers Häschern, beginnt sich eine Geschichte zu entfalten, die ebenso unvorhersehbar wie spannend ist und seinem Vorgängerwerk in nichts nachsteht. Der Spannungsbogen wird gedehnt und gedehnt, jedoch nie überstrapaziert und das Werk erreicht seinen Höhepunkt eindeutig in der atemlosen Erwartung, die sich da in den letzten Kapiteln zusammenbraut.

Harris hat mit Dr. Hannibal Lecter einen Menschen erschaffen, der in seiner Persönlichkeit so vielschichtig ist, dass es dieses zweiten Werkes bedurfte, ihn einigermaßen in seiner Gesamtheit zu begreifen - dennoch hat Lecter in jedem Kapitel etwas neues für den Leser auf Lager. Genauso lesenswert ist "Das Schweigen der Lämmer" und eigentlich sollte es unbedingt gelesen werden, bevor man sich an diesen zweiten Vorstoß in Lecters Welt wagt.

"Hannibal" ist eine geschmackvolle Komposition der Perversität und des Morbiden - wie Lecter selbst.
Broschiert: 541 Seiten
Verlag: Heyne (14. Dezember 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453431707
ISBN-13: 978-3453431706

Mittwoch, 24. August 2005

Ensel und Krete



Autor: Walter Moers
Original: Ensel und Krete (2002)
meine Bewertung: 5 von 5

Herrlich erfrischend - das sind die beiden Worte, die mir jetzt spontan nach der Lektüre von Walter Moers "Ensel und Krete" einfallen. Und vielleicht noch zauberhaft. Moers entführt den Leser wieder auf den sagenhaften Kontinent Zamonien mit all seinen wunderlichen Bewohnern. Dieses Mal spielt seine Geschichte in der Nähe von Bauming, einem Ort, der von Buntbären betreut mitten im Großen Wald liegt. Dort hin kommen viele Zamonier, um ihren Urlaub zu verbringen, so auch die Familie von Ensel und Krete.

Ensel und Krete sind Fhernhachenzwerge und noch sehr jung. Die beiden sind auf den markierten Wegen im Großen Wald unterwegs, um Beeren zu pflücken. Da packt den kleinen Ensel allerdings plötzlich die Abenteuerlust und obwohl das von den Eltern und den Buntbären mehrmals verboten wurde, verlassen die Geschwister dann doch die markierten Wege. Wie es kommen muss, verlaufen sich die Kinder im Großen Wald.

Sie treffen auf allerlei zwielichtige Gestalten, die es nicht immer gut mit ihnen meinen. Eigentlich nie. So verlaufen sich die beiden immer weiter im Wald und überschreiten dabei auch "die Grenze". Sie kommen in die Gegend, in der die böse Hexe haust. Nachdem Krete in Schwierigkeiten gerät und von einer Orchidee gerettet wird, scheint sich das Blatt zum ersten mal zu wenden - aber dann finden sie ein kleines Häuschen auf einer Lichtung - und sie treffen auf den verrückten Buntbär Boris Boris, der axtschwingend in einem Moment größter Not vor den Fhernhachingern steht. Meint er es gut? Kann er die Kinder retten und nach Hause bringen?

Moers hat eine wirklich fantastische Welt mit Zamonien geschaffen. Wie auch Rumo der Wolpertinger sind Ensel und Krete schon nach kurzer Zeit sehr sympathische Wesen und man zittert bis zum Schluss mit ihnen mit. Der Erzähler der Geschichte, Hildegunst von Mythenmetz, ist ebenfalls eine Figur, die sich oft zu Wort meldet und der Geschichte unheimlich viel Witz verleiht. Natürlich gibt es für so ein gelungenes Werk die Höchstwertung - Moers garantiert einfach, dass das Lesen zum Abenteuer wird. Viele Zeichnungen und optische Stilmittel gehören schon längst zu seinem berühmten und beliebten Stil.
Taschenbuch: 254 Seiten
Verlag: Goldmann (3. September 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442450179
ISBN-13: 978-3442450176

Samstag, 20. August 2005

Botschaften und Zeichen aus dem Universum



Autor: Erich von Däniken
Original: Botschaften und Zeichen aus dem Universum (1994)
meine Bewertung: 3 von 5

So, jetzt habe ich dieses Buch auch beendet - ich weiß, es hat lange gedauert. Der Grund dafür ist allerdings einfach: ich habe mich mit dem Buch wirklich auseinander gesetzt. Viele kennen ja den schrullig anmutenden Schweizer Erich von Däniken, der die Theorie vertritt, Außerirdische seien mit Raumschiffen auf die Erde gekommen, um den Fortgang des Lebens hier zu beeinflussen. Natürlich ist man leicht geneigt, diese Theorie als Unsinn abzutun, wenn man nicht wirklich etwas von Däniken gelesen hat.

Liest man in Däniken hinein, so wundert man sich direkt, mit welcher Genauigkeit er seine Recherchen betreibt. Beispielsweise vergleicht er Schöpfungsmythen aus mehreren Religionen, in denen immer wieder von Wagen am Himmel zu lesen ist. Die Tatsache, dass es solche Geschichten mit erstaunlichen Parallelen über die ganze Welt und über alle Religionen verstreut gibt, ist für Däniken nur ein Beweis für einen Besuch von intelligenteren Wesen in grauer Vorzeit. Viele seiner Behauptungen kann man leicht nachvollziehen, wenn man sich die Mühe macht und die Hausbibel mal wieder entstautbt. Das habe ich gemacht, das hat gedauert, aber ich konnte mich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass Däniken nichts dazuerfindet oder uminterpretiert.

Natürlich zweifelt er die Existenz eines Gottes nicht an, führt aber viele Indizien auf, warum nicht unser alttestamentarischer Gott, der immer mit großem Getöse aus dem Himmel zu den Menschen herniederfuhr, nicht "der" Gott sein kann. Für ihn waren es Wesen, die dem Menschen voraus waren und die ihre Spuren für eine Zukunft hinterließen, in der wir Menschen sie verstehen können. Egal ob das Pyramiden, geheimnisvolle Tempelanlagen oder die Spuren auf den Hochebenen von Nazcar sind.

Däniken gelingt es hervorragend, Fakten aufzulisten, die zum Nachdenken anregen, er versucht nicht, mit missionarischem Eifer seine Theorien unter die Menschen zu bringen. Man liest und liest und beginnt, sich selbst Gedanken zu machen. Wie wurden die Pyramiden wirklich gebaut? Woher wussten Menschen vor hunderten von Jahren von Sternen, die wir erst in den letzten 50 Jahren entdeckt haben? Diese und andere Fragen stellt Däniken jedem, der sich auf das Abenteuer einlässt und die althergebrachte theologische Lehre und die traditionelle Schulweisheit hinterfragen möchte.

Das Werk ist leicht verständlich geschrieben, reich bebildert und teilweise sogar recht amüsant, da Däniken sich nicht scheut, auch die Meinungen seiner eigenen Kritiker festzuhalten. Leider ist dieses Werk ein Sammelband der sechs erfolgreichsten Bücher, weshalb einem viele Dinge wahrscheinlich bekannt vorkommen mögen, hat man schon mehreres von Däniken gelesen - darum der Abzugspunkt. Ansonsten: wertvolle Lektüre für alle jene, die es sich zutrauen, eine Erschütterung des eigenen Weltbildes verkraften zu können.
Taschenbuch: 413 Seiten
Verlag: Goldmann (Mai 1996)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442126886
ISBN-13: 978-3442126880

Sonntag, 14. August 2005

Der und kein anderer



Autorin: Susan Elizabeth Phillips
Original: Heaven, Texas (1995)
meine Bewertung: 3 von 5

Die 30-jährige Gracie Snow ist eigentlich eine biedere Frau. Sie ist immer noch Jungfrau, kleidet sich hausbacken und arbeitet in einem Seniorenheim. Eines Tages bekommt Gracie die Chance, für ein Filmstudio als Produktionsassistentin zu arbeiten. Ihr erster Job besteht darin, den ehemaligen Football Spieler der Chicago Stars Bobby Tom Denton dazu zu bringen, endlich am Set aufzutauchen und mit den Dreharbeiten für seinen ersten Film zu beginnen. Gracie hat so ihre Schwierigkeiten mit dem draufgängerischen und attraktiven Bobby Tom klarzukommen, dem die Frauen nur so zu Füßen liegen, doch irgendwie raufen sich die beiden zusammen.

Während der Dreharbeiten verliebt sich Gracie in Bobby Tom. Da er sich all die Frauen vom Leib halten will, die Annäherungsversuche machen, behauptet Bobby Tom einfach, mit Gracie verlobt zu sein. Um dem ganzen mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen, spielt er ein wenig Pygmalion. Nachdem er ihr eine anständige Frisur und sexy Kleidung besorgt hat, beginnt er, sie sehr süß zu finden und wie das Leben nunmal in Wirklichkeit nicht spielt, verliebt sich auch Bobby Tom in Gracie. Als er ihr seine Liebe gesteht, glaubt Gracie allerdings wieder nur an einen billigen Trick seinerseits...

Wer die Bücher von Susan Elizabeth Phillips kennt, weiß ohnehin schon von Anfang an, wie die Geschichte diesesmal nun wieder ausgehen wird. Obwohl die Handlung immer dieselbe zu bleiben scheint, hat sich das Buch zwei Sterne verdient. Zum einen sind die Charaktere einfach wieder schillernd und lebending gelungen, es tauchen auch wieder viele alte Bekannte auf. Zum anderen ist das Buch humorvoll und konsequent erzählt.

Abzugspunkte gibt es, wie gesagt, für die ewig gleiche Handlung Phillips Bücher und für die grottenschlechte Übersetzung durch Inez Meyer. Ständig findet man Satzkonstruktionen, die kein Mensch, der Deutsch spricht, verwendet. Ein Beispiel dafür: ..., doch meinte er es nicht so/..., doch hatte er gute Gründe dafür. Das Prädikat im Nebensatz vor das Subjekt zu stellen mag zwar theoretisch richtige Grammatik sein, sie wirkt aber unglaubwürdig, wenn ein jungenhafter Football Spieler sie in den Mund gelegt bekommt. Außerdem nervt es, dass man ständig "Herr Denton" und "Frau Snow" lesen muss. Warum kann man es nicht einfach beim originale "Mister" (das nun wirklich jeder versteht) belassen?

Philipps Geschichten sind nette Liebesromane, die wirklich humorvoll geschrieben und zügig zu lesen sind, sofern man es nicht mit einer Übersetzung von Meyer zu tun hat.
Taschenbuch: 445 Seiten
Verlag: Goldmann (24. April 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442356695
ISBN-13: 978-3442356690

Samstag, 6. August 2005

Das nackte Gesicht



Autor: Sidney Sheldon
Original: The naked Face (1973)
meine Bewertung: 3 von 5

Sheldons Erstlingswerk "Das nackte Gesicht" lässt schon viel von seiner späteren Erzählkunst erahnen. In der Geschichte geht es um den Psychoanalytiker Dr. Judd Stevens.

Eines Tages wird einer seiner Mandanten ermordet, kurz darauf auch noch seine Sekretärin. Dr. Stevens wird von der Polizei verdächtigt, die Morde begangen zu haben, deshalb wendet er sich an einen Privatdetektiv. Als auch dieser auf brutalste Weise ermordet aufgefunden wird, lässt die Polizei nicht mehr locker und Dr. Stevens beginnt schon daran zu glauben, selbst an einer Paranoia erkrankt zu sein. Schließlich findet Dr. Stevens jemand, dem er meint, vertrauen zu können, doch auch dies erweist sich als beinahe tödlicher Irrtum...

Der Roman ist sehr spannend aufgebaut und die Handlung folgt nur einem roten Faden. Die Abzugspunkte gibt es deshalb, weil manches zu offensichtlich scheint (zumindest, wenn man schon andere Werke Sheldons kennt) und die Spannung noch nicht das Niveau erreicht, das sie in seinen späteren Werken hat. Trotzdem ist das Büchlein jedem zu empfehlen, der sich für Sheldon interessiert - ein paar verregnete Sonntagnachmittagsstunden können so auf jeden Fall auf angenehme Art und Weise verbracht werden.
Taschenbuch: 191 Seiten
Verlag: Goldmann (April 2001)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442552109
ISBN-13: 978-3442552108

Freitag, 5. August 2005

Die Zeit vor Mitternacht



Autor: Wolfgang Hohlbein
Original: Die Zeit vor Mitternacht - Nemesis Band 1 (2004)
meine Bewertung: 3 von 5

Der erste Band der Nemesis-Reihe von Hohlbein spielt in Deutschland, genauer gesagt in einem alten Internat in Crailsfelden. Drei Männer und drei Frauen werden in ein Gasthaus bestellt, weil sie eine Erbschaft antreten sollen - zumindest zwei von ihnen. An das Erbe sind nämlich Bedingungen geknüpft, die erfüllt werden müssen, was aber keineswegs einfach zu bewerkstelligen ist. Die sechs Personen (drei Männer und drei Frauen) verbringen eine Nacht in einem alten und baufälligen Internat, die sie so schnell nicht vergessen werden. Es passieren allerlei unheimliche Dinge, die die Erben (die sich noch nie zuvor gesehen haben) auf eine harte Probe stellen.

Hohlbein wird es bei mir immer ein wenig schwerer haben, gute Bewertungen zu erzielen, weil mich seine Geschichten meistens stark an die Geschichten von anderen, namhafteren Autoren erinnern. Man entdeckt leider oft Parallelen zu Büchern von Stephen King oder John Saul. Diese Geschichte hat für mich doch sehr viel von den "Blackstone Chroniken" - was ich zumindest bisher sagen kann. Die Handlung ist logisch aufgebaut und auch durchaus interessant, was aber meiner Meinung nach das Bild zusätzlich stört, ist die Erzählsicht des Autors. Gerade bei Büchern, die spannend sein sollen, scheint es mir ein wenig seltsam, in der Ich-Form zu schreiben. Ansonsten bleibt mir nur noch zu sagen: natürlich werde ich auch die weiteren Bände genauestens unter die Lupe nehmen.
Broschiert: 200 Seiten
Verlag: Ullstein Tb; Auflage: 1 (August 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548258786
ISBN-13: 978-3548258782

Mittwoch, 27. Juli 2005

Machen Sie das Beste aus Ihrem Typ



Autorin: Lynda Chater
Original: Makeover (2002)
meine Bewertung: 2 von 5

"Als Carmen ihren untreuen Ehemann aus Versehen tötet, entwickelt Juliet einen genialen Plan..." liest man am Einband dieses zweiten Romans von Lynda Chater. So weit klingt die Geschichte ja ganz gut; ist sie zugegebenermaßen auch. Es geht um den beliebten TV-Star Carmen Bird, die ihren Mann Guido erschießt und sich in ihrer Not an Juliet, eine flüchtige Bekannte wendet. Die beiden entwickeln einen fast perfekten Plan, um Guidos Leiche verschwinden zu lassen.

Schade. Eigentlich klingt die Geschichte wirklich amüsant, ist sie leider aber nicht. Der Schreibstil lässt zu wünschen übrig und was wirklich schade ist: es gibt viele Handlungsstränge, die nicht zu Ende geführt werden und am Ende bleiben zu viele Fragen offen. Neben dem Verschwindenlassen der Leiche verliebt sich Juliet, Carmen erkennt ihre Oberflächlichkeit, Duncan entdeckt seine Liebe zu Juliet, es kommt auf, dass Guido in Wirklichkeit ein Mörder war.... Das Buch ist nicht wirklich fesselnd, spannend oder interessant. Die beiden Punkte gibt es nur für die eigentlich ganz gute Idee. Potential hat die Autorin auf jeden Fall - auch wenn ich mich nicht gerade darum reiße, ihr Erstlingswerk zu lesen.
Taschenbuch: 412 Seiten
Verlag: Lübbe; Auflage: 2., Aufl. (Juli 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404153502
ISBN-13: 978-3404153503

Donnerstag, 14. Juli 2005

Zehn kleine Negerlein



Autorin: Agatha Christie
Original: Last Weekend (?)
meine Bewertung: 5 von 5

Dieses Buch muss man einfach verschlingen, wenn man einmal begonnen hat, es zu lesen. Dass Agatha Christie für hervorragende Kriminalromane steht, ist spätestens seit den Verfilmungen der Miss Marple-Romanen (und einer hinreißenden Margaret Rutherford in der Hauptrolle) oder den Hercule Poirot-Abenteuern (mit Sir Peter Ustinov in der Titelrolle) auch in der nicht literarischen Welt hinlänglich bekannt.

In diesem Roman aber spielen weder Miss Marple noch Hercule Poirot eine Rolle. Zehn Personen machen Urlaub auf einer einsamen Insel. Nach und nach wird jede der Personen ermordet. Das unheimliche daran ist, dass jede der Personen genau so stirbt, wie eines der "Zehn kleinen Negerlein" im gleichnamigen Kinderlied. Das Buch ist spannend und wirklich undurchschaubar, denn am Ende sitzt man da, und alle Personen, die auf dieser Insel waren, sind tot. Wer der Mörder war, erfährt man erst, wenn man den Epilog liest, genauso, was diese zehn Personen alle für dunkle Geheimnisse hatten, für die sie den Tod fanden.

Jeder Krimi-Fan muss unbedingt dieses Buch gelesen haben! Es gehört zu den Besten, die Agatha Christie jemals geschrieben hat, wenn nicht sogar zu den Besten, die jemals geschrieben wurden. Sehr, sehr empfehlenswert, denn es ist unvorhersehbar, spannend, geheimnisvoll und lebendig!
Broschiert: 193 Seiten
Verlag: Scherz;
Auflage: N.-A. (August 1999)
ISBN-10: 3502510040
ISBN-13: 978-3502510048

Montag, 27. Juni 2005

Ich mache Urlaub!

Liebe Leser!

Ich danke euch dafür, dass ihr bei mir vorbeischaut! Ich werde ab 2. Juli im Urlaub sein und natürlich fleißig Bücher lesen, damit ich wieder viel Stoff für Rezensionen habe. In meinem Urlaub werde ich nur sehr selten Gelegenheit haben, ans Internet zu kommen, darum: bitte haltet mir die Treue und vergnügt euch inzwischen damit, ältere Rezensionen zu lesen, bis ich wieder da bin!

Schönen Juli wünscht euch

Chil

Montag, 20. Juni 2005

Die Abtei



Autor: Alois Brandstetter
Original: Die Abtei (1997)
meine Bewertung: 4 von 5

Wieder einmal benutzt Brandstetter den Monolog eines Ich-Erzählers dazu, um sämtliche Missstände dieser Welt anzuprangern. Er tut dies mit einem unvergleichelichem Humor, der es dem Leser leicht macht, seinen langen Monologen zu folgen. Aber das ist nichts Neues, denn dafür ist Brandstetter bekannt und geschätzt.

In dieser Geschichte geht es um einen oberösterreichischen Polizisten, der erklärt, wie es ihm während der Zusammenarbeit mit jenen Wiener Polizisten ging, die den Diebstahl des Arnulfkelchs aus dem Benediktinerkloster aufklären sollten. Der Inspektor nützt den Anlass, um über die gymnasiale Schulbildung, das Wallfahrtstum, Religion, Politik, Psychologie, Philosophie, Kommunikation etc. Klage zu führen. "Berechtigte Klage", wie der Inspektor klar macht. Wieder einmal kann ich das Buch sehr empfehlen, den Abzugspunkt gibts allerdings dafür, dass es (wie meistens bei Brandstetter) wieder keine Einteilung in Kapitel gibt, was zur besseren Übersicht beitragen würde.

"Kommunikation ist, wenn sich inkompetente Ignoranten gegenseitig anstottern." (Alois Brandstetters Inspektor)
Taschenbuch: 313 Seiten
Verlag: Dtv (April 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423251603
ISBN-13: 978-3423251600

Montag, 6. Juni 2005

Auf Ehre und Gewissen



Autorin: Elizabeth George
Original: Well-schooled in Murder (?)
meine Bewertung: 4 von 5

Bredgar Chambers ist eine angesehene Privatschule in der Nähe von London. Hinter den ehrwürdigen Mauern des über 500 Jahre alten Gebäudes gehen allerdings Dinge vor, von denen viele ahnen, gegen die aber trotzdem niemand was unternimmt.

Eines Tages wird der erst 13-jährige Stipendiant Matthew Whaterley tot aufgefunden. Er liegt nackt unter einem Baum auf einem Friedhof, sein Körper ist übersät mit Brandwunden und zeigt Spuren von Folterung. Inspector Lynley und seine Kollegin Seargent Havers begeben sich auf die spannende Suche nach dem Mörder, die sich als schwieriger entpuppt, als anfangs erwartet. Sie stoßen auf einen Verhaltenskodex unter den Schülern, der äußerst bedenklich ist, doch am Ende siegt die Gerechtigkeit und der Mörder des kleinen Matt wird gefunden.

Dieses Buch war das erste, das ich von Elizabeth George gelesen habe, und ich muss ehrlich zugeben, dass ich es vor allem gekauft hab, weil es bei einem gewissen Buchclub schon mal wieder Zeit war, einer Zwangsbeglückung zu entgehen. Bei diesem Werk wurde das Lesen wieder zu einem Laster, weil ich es nicht weglegen konnte, bevor es zu Ende war. Die Handlung ist genial konstruiert und auch die Charaktere wirken natürlich. Den Abzugspunkt gibt es für die zu vielen Handlungsstränge, die neben den Ermittlungen von Havers und Lynley noch herlaufen, die zwar ganz nett sind, aber nicht unbedingt nötig.

Taschenbuch: 467 Seiten
Verlag: Goldmann (7. Oktober 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442413508
ISBN-13: 978-3442413508

Donnerstag, 2. Juni 2005

Dear Goddess



Autorin: Sophie Parkin
Original: Dear Goddess (2000)
meine Bewertung: Flop!

Ich muss zugeben, ich habe jetzt längere Zeit nichts von mir hören lassen. Das hat auch seinen Grund, nämlich dieses Buch von Sophie Parkin. Es hat sooo lang gedauert, bis ich mich durchgekämpft hatte! Zugegeben, der Klappentext hört sich wunderbar an, demnach geht es um May Knott, die beschließt, in einer Zeitschrift eine Kontaktanzeige schaltet und vielerlei erlebt, wenn es darum geht, die Männer die hinter den Briefen stecken, kennen zu lernen.

Klingt doch nicht so schlecht, oder? Dachte ich auch. Das Buch ist ziemlich niveaulos geschrieben und eigentlich geht es nur um Sex, allerdings in vollkommen oberflächlicher, ordinärer und uninteressanten Weise. Leider gelang es mir nicht, May sympathisch zu finden, außerdem scheint mir das Buch nicht wirklich eine Handlung zu haben. May trifft Typen, hat Sex mit ihm, obwohl sie ihn scheiße findet, May trifft nächsten Typen, hat wieder Sex mit ihm, obwohl sie ihn noch mieser findet, als ihr letztes Date...

Mein Fazit lautet also: nicht wirklich viel Handlung und nur sehr, sehr selten ein Ansatz von Humor, der dann aber dafür so genial verpackt ist, dass er dem Buch immerhin noch einen Bewertungspunkt einbringt.
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Headline Book Publishing (7. September 2000)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0747264066
ISBN-13: 978-0747264064

Freitag, 27. Mai 2005

Rumo & Die Wunder im Dunklen



Autor: Walter Moers
Original: Rumo & Die Wunder im Dunklen (2004)
meine Bewertung: 5 von 5

Walter Moers, der Erfinder des "kleinen Arschlochs" hat mit Rumo, dem süßen Wolpertinger, eine Figur geschaffen, die einem sicher schnell ans Herz wachsen wird. Wolpertinger sind Hunde, die zwei Hörner haben, auf zwei Beinen gehen, sprechen können und wahre Meister der Kampfkunst sind. Rumo ist ein Wolpertinger, der bei Fhernhachenzwergen aufwächst und dort behandelt wird, wie ein dahergelaufener Haus-und-Hof-Hund.

Er zieht von seinem Hof in Fhernhachen los, um die Welt zu entdecken. Er trifft während seiner Reise auf allerlei böse Gestalten, aber schon während seiner Abentuer auf den Teufelsfelsen findet er in Smeik, der Haifischmade einen guten Freund, der ihn ein Stück seines Weges begleitet. Rumo hat den silbernen Faden in der Nase, dem er unbedingt folgen muss. Nachdem er sich von Smeik nach einem Teil des Weges trennt, gelangt er nach Wolperting, wo er zum ersten Mal einen Wolpertinger der "anderen" trifft - ein Wolpertingerweibchen namens Rala, in das er sich verliebt.

Eines Tages wacht Rumo auf und findet Wolperting verlassen vor. Nach und nach findet er heraus, wohin seine Freunde verschwunden sind und natürlich zögert er keine Sekunde, bevor er sich auf die Suche nach seinen Gefährten macht.

Moers hat eine Welt geschaffen, in die man sehr leicht hineinfindet, aber nur schwer wieder herauskommt. Hat man sich erst einmal in die Geschichte eingelesen, fiebert man mit den Helden mit, man freundet sich mit Riebesehl und anderen Gestalten an und drückt dem kleinen Wolpertinger die Daumen. Der Humor von Moers besticht einfach und alleine schon die Zeichnungen zu seiner Geschichte sind sehenswert. Nicht nur für Fantasy-Fans empfehlenswert!
Taschenbuch: 704 Seiten
Verlag: Piper Verlag GmbH; Auflage: 6 (22. Juli 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492241778
ISBN-13: 978-3492241779

Montag, 23. Mai 2005

Barry Trotter und die schamlose Parodie



Autor: Michael Gerber
Original: Barry Trotter and the unauthorized Parody (2002)
meine Bewertung: FLOP!

Ich hab ja eigentlich lange überlegt, ob ich mir das Buch kaufen soll, hab es aber dann doch getan, obwohl ich schon mehrere Rezensionen dazu gelesen hatte, die eindeutig davon abrieten. Ich wollte dem Buch eine Chance geben und hab es mir gekauft. Zugegebenermaßen bin ich ein Fan der "Harry Potter"-Bücher, aber ich traue mir trotzdem zu, die Parodie darauf neutral zu bewerten. Zum Inhalt ist zu sagen, dass die Geschichte extrem lahm ist.

Der Erzählfluss ist zäh wie Kaugummi und die Handlung macht absolut keinen Sinn. Barry, Hermeline und Lon machen sich auf, um zu verhindern, dass ein "Barry Trotter"-Film gedreht wird. Sie wurden von Alpo Bumblebore dazu gezwungen, denn da der geldgierige Barry die Wegbeschreibung zum Schloss Hogwash an die Presse verraten hat, belagern Tag für Tag tausende Fans die Schule und randalieren wie wild. Während ihrer Reise nach Hollywood begegnen sie natürlich einigen absurden Gestalten, die sie aber nicht von ihrem Plan abbringen können.

Gerade liest man noch, dass Barry vom "Doofen Lord" bedroht wird und in einem Kerker gefangen ist, doch schon auf der nächsten Seite kann man lesen, dass eigentlich alles, was man bisher schon gelesen hat, der Film ist, der davon handelt, wie Barry und seine Freunde versuchen, einen Barry-Film zu verhindern... und hat man sich erst einmal mit dieser Idee angefreundet, muss man entdecken, dass eigentlich Barry eine Biografie über sich selber schreibt, in der es darum geht, wie er einen Film darüber drehte, dass er einen Film verhindern wollte - klingt verwirrend, ist es auch.

Leider strotzt die Parodie vor Perversitäten und Obszönitäten. Manchmal waren die Beschreibungen derart ekelhaft, dass ich versucht war, das Buch wegzulegen. Es wird mir immer ein Rätsel bleiben, warum Darmgeräusche auf manche Menschen eine so erheiternde Wirkung haben, dass sie in jedem Kapitel ausführlichst beschrieben werden. Man muss schon die Harry Potter Bücher oder zumindest einen Film kennen, damit man die Personen erkennt, die sich hinter den (manchmal sogar recht humorvollen) Namen verstecken. Für jüngere Leser ist das Buch absolut nicht zu empfehlen, eben wegen der vielen Obszönitäten. Ich bin der Meinung, man kann eine Parodie auch mittels Wortwitz und Situationskomik schreiben, man muss sich nicht platter Kalauer bedienen, die man dem Leser fast wie mit einem Holzhammer näher bringen will.

Den einen Punkt erhält Gerbers Parodie dafür, dass der Autor streckenweise selbst einsieht, welchen Mist er verzapft hat und dass die Geschichte keinen wie auch immer gearteten Sinn hat. Einen Goof habe ich auch entdeckt - wer den Fehler findet, darf sich melden!
Taschenbuch: 320 Seiten
Verlag: Goldmann (5. Februar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442458153
ISBN-13: 978-3442458158

Kirschblüten und Coca-Cola



Autor: Sidney Sheldon
Original: The Chase (1981)
meine Bewertung: 5 von 5

Wer Sidney Sheldon kennt, weiß, dass er einer der bedeutendsten Schriftsteller im Genre der Abenteuer-Unterhaltungsliteratur ist. Der Leser wird auch nicht enttäuscht, wenn er "Kirschblüten und Coca-Cola" liest. Es geht darin um den jungen Masao Matsumoto, dessen Eltern ein Elektronik-Imperium besitzen, aber eines Tages auf unerklärliche Weise bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kommen. Der gerade einmal 18-jährige Masao ist nicht bei seinen Eltern an Bord der Maschine nach Amerika, sondern in Tokyo, seiner Heimatstadt bei seiner Tante und seinem Onkel. Masao mochte seinen Onkel nie, und als dieser ihm auch noch gefühlskalt die Nachricht vom Tod seiner geliebten Eltern überbringt, fällt er in tiefe Trauer.

Er lässt sich von seinem Onkel dazu überreden, mit ihm nach Amerika zu fliegen, um die Asche seiner Eltern heimzuholen. Masao stimmt zu und findet sich bald in einem einsamen Bergchalet wieder. Er belauscht heimlich ein Gespräch zwischen seinem Onkel und seiner Tante und plötzlich wird ihm schlagartig klar, welch teuflischen Plan sein Onkel verfolgt: nachdem zwischen dem Matsumoto-Imperium und ihm nur noch sein Neffe steht, ist klar, dass dieser beseitigt werden muss. Masao zögert nicht lange und flieht in die Nacht, doch seine Verfolger sind ihm dicht auf den Fersen...

Wieder einmal gelang es Sheldon, eine geniale und doch plausible Geschichte zu konstruieren, die sich von ihren Vorgängern unterscheidet. Einziges Manko: leider ist das Buch ziemlich kurz...
Taschenbuch: 153 Seiten
Verlag: Goldmann; Auflage: N.A. (April 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442091446
ISBN-13: 978-3442091447

Donnerstag, 19. Mai 2005

Vom Schnee der vergangenen Jahre



Autor: Alois Brandstetter
Original: Vom Schnee der Vergangenen Jahre (1982)
meine Bewertung: 5 von 5

Alois Brandstetter erzählt in diesem Büchlein seine Kindheitserinnerungen - und das mit einem ausgezeichneten Sinn für Humor. Der aus Pichl in Oberösterreich stammende Autor mixt seine Erinnerungen an frühere Bräuche mit so manchen Wörtern aus der Mundart, die sogar ich längst vergessen habe - und das, obwohl ich nicht weit von ihm entfernt geboren und aufgewachsen bin. In seinen Kurzgeschichten behandelt er vor allem Bräuche rund um die Weihnachtszeit, weshalb dieses Werk als ideale Begleitlektüre für den hektischen urbanen Advent betrachtet werden kann.

Brandstetters Witz kommt hier noch viel besser zum Vorschein als beispielsweise im Werk "Zu Lasten der Briefträger", weshalb ich es unbedingt jedem ans Herz legen möchte, der ein paar unbeschwerte Stunden erleben möchte und sich für zeitgenössische Autoren interessiert. Brandstetters Kindheit spielte sich ja vor allem während der Zeit des Zweiten Weltkriegs ab, darum erfährt man auch an so manchen Stellen, wie er den Krieg erlebte und was er über Hitler dachte. Unbedingt lesen!
Gebundene Ausgabe: 131 Seiten
Verlag: Residenz; Auflage: 1 (30. September 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3701713588
ISBN-13: 978-3701713585