Mittwoch, 24. August 2005

Ensel und Krete



Autor: Walter Moers
Original: Ensel und Krete (2002)
meine Bewertung: 5 von 5

Herrlich erfrischend - das sind die beiden Worte, die mir jetzt spontan nach der Lektüre von Walter Moers "Ensel und Krete" einfallen. Und vielleicht noch zauberhaft. Moers entführt den Leser wieder auf den sagenhaften Kontinent Zamonien mit all seinen wunderlichen Bewohnern. Dieses Mal spielt seine Geschichte in der Nähe von Bauming, einem Ort, der von Buntbären betreut mitten im Großen Wald liegt. Dort hin kommen viele Zamonier, um ihren Urlaub zu verbringen, so auch die Familie von Ensel und Krete.

Ensel und Krete sind Fhernhachenzwerge und noch sehr jung. Die beiden sind auf den markierten Wegen im Großen Wald unterwegs, um Beeren zu pflücken. Da packt den kleinen Ensel allerdings plötzlich die Abenteuerlust und obwohl das von den Eltern und den Buntbären mehrmals verboten wurde, verlassen die Geschwister dann doch die markierten Wege. Wie es kommen muss, verlaufen sich die Kinder im Großen Wald.

Sie treffen auf allerlei zwielichtige Gestalten, die es nicht immer gut mit ihnen meinen. Eigentlich nie. So verlaufen sich die beiden immer weiter im Wald und überschreiten dabei auch "die Grenze". Sie kommen in die Gegend, in der die böse Hexe haust. Nachdem Krete in Schwierigkeiten gerät und von einer Orchidee gerettet wird, scheint sich das Blatt zum ersten mal zu wenden - aber dann finden sie ein kleines Häuschen auf einer Lichtung - und sie treffen auf den verrückten Buntbär Boris Boris, der axtschwingend in einem Moment größter Not vor den Fhernhachingern steht. Meint er es gut? Kann er die Kinder retten und nach Hause bringen?

Moers hat eine wirklich fantastische Welt mit Zamonien geschaffen. Wie auch Rumo der Wolpertinger sind Ensel und Krete schon nach kurzer Zeit sehr sympathische Wesen und man zittert bis zum Schluss mit ihnen mit. Der Erzähler der Geschichte, Hildegunst von Mythenmetz, ist ebenfalls eine Figur, die sich oft zu Wort meldet und der Geschichte unheimlich viel Witz verleiht. Natürlich gibt es für so ein gelungenes Werk die Höchstwertung - Moers garantiert einfach, dass das Lesen zum Abenteuer wird. Viele Zeichnungen und optische Stilmittel gehören schon längst zu seinem berühmten und beliebten Stil.
Taschenbuch: 254 Seiten
Verlag: Goldmann (3. September 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442450179
ISBN-13: 978-3442450176

Samstag, 20. August 2005

Botschaften und Zeichen aus dem Universum



Autor: Erich von Däniken
Original: Botschaften und Zeichen aus dem Universum (1994)
meine Bewertung: 3 von 5

So, jetzt habe ich dieses Buch auch beendet - ich weiß, es hat lange gedauert. Der Grund dafür ist allerdings einfach: ich habe mich mit dem Buch wirklich auseinander gesetzt. Viele kennen ja den schrullig anmutenden Schweizer Erich von Däniken, der die Theorie vertritt, Außerirdische seien mit Raumschiffen auf die Erde gekommen, um den Fortgang des Lebens hier zu beeinflussen. Natürlich ist man leicht geneigt, diese Theorie als Unsinn abzutun, wenn man nicht wirklich etwas von Däniken gelesen hat.

Liest man in Däniken hinein, so wundert man sich direkt, mit welcher Genauigkeit er seine Recherchen betreibt. Beispielsweise vergleicht er Schöpfungsmythen aus mehreren Religionen, in denen immer wieder von Wagen am Himmel zu lesen ist. Die Tatsache, dass es solche Geschichten mit erstaunlichen Parallelen über die ganze Welt und über alle Religionen verstreut gibt, ist für Däniken nur ein Beweis für einen Besuch von intelligenteren Wesen in grauer Vorzeit. Viele seiner Behauptungen kann man leicht nachvollziehen, wenn man sich die Mühe macht und die Hausbibel mal wieder entstautbt. Das habe ich gemacht, das hat gedauert, aber ich konnte mich mit eigenen Augen davon überzeugen, dass Däniken nichts dazuerfindet oder uminterpretiert.

Natürlich zweifelt er die Existenz eines Gottes nicht an, führt aber viele Indizien auf, warum nicht unser alttestamentarischer Gott, der immer mit großem Getöse aus dem Himmel zu den Menschen herniederfuhr, nicht "der" Gott sein kann. Für ihn waren es Wesen, die dem Menschen voraus waren und die ihre Spuren für eine Zukunft hinterließen, in der wir Menschen sie verstehen können. Egal ob das Pyramiden, geheimnisvolle Tempelanlagen oder die Spuren auf den Hochebenen von Nazcar sind.

Däniken gelingt es hervorragend, Fakten aufzulisten, die zum Nachdenken anregen, er versucht nicht, mit missionarischem Eifer seine Theorien unter die Menschen zu bringen. Man liest und liest und beginnt, sich selbst Gedanken zu machen. Wie wurden die Pyramiden wirklich gebaut? Woher wussten Menschen vor hunderten von Jahren von Sternen, die wir erst in den letzten 50 Jahren entdeckt haben? Diese und andere Fragen stellt Däniken jedem, der sich auf das Abenteuer einlässt und die althergebrachte theologische Lehre und die traditionelle Schulweisheit hinterfragen möchte.

Das Werk ist leicht verständlich geschrieben, reich bebildert und teilweise sogar recht amüsant, da Däniken sich nicht scheut, auch die Meinungen seiner eigenen Kritiker festzuhalten. Leider ist dieses Werk ein Sammelband der sechs erfolgreichsten Bücher, weshalb einem viele Dinge wahrscheinlich bekannt vorkommen mögen, hat man schon mehreres von Däniken gelesen - darum der Abzugspunkt. Ansonsten: wertvolle Lektüre für alle jene, die es sich zutrauen, eine Erschütterung des eigenen Weltbildes verkraften zu können.
Taschenbuch: 413 Seiten
Verlag: Goldmann (Mai 1996)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442126886
ISBN-13: 978-3442126880

Sonntag, 14. August 2005

Der und kein anderer



Autorin: Susan Elizabeth Phillips
Original: Heaven, Texas (1995)
meine Bewertung: 3 von 5

Die 30-jährige Gracie Snow ist eigentlich eine biedere Frau. Sie ist immer noch Jungfrau, kleidet sich hausbacken und arbeitet in einem Seniorenheim. Eines Tages bekommt Gracie die Chance, für ein Filmstudio als Produktionsassistentin zu arbeiten. Ihr erster Job besteht darin, den ehemaligen Football Spieler der Chicago Stars Bobby Tom Denton dazu zu bringen, endlich am Set aufzutauchen und mit den Dreharbeiten für seinen ersten Film zu beginnen. Gracie hat so ihre Schwierigkeiten mit dem draufgängerischen und attraktiven Bobby Tom klarzukommen, dem die Frauen nur so zu Füßen liegen, doch irgendwie raufen sich die beiden zusammen.

Während der Dreharbeiten verliebt sich Gracie in Bobby Tom. Da er sich all die Frauen vom Leib halten will, die Annäherungsversuche machen, behauptet Bobby Tom einfach, mit Gracie verlobt zu sein. Um dem ganzen mehr Glaubwürdigkeit zu verleihen, spielt er ein wenig Pygmalion. Nachdem er ihr eine anständige Frisur und sexy Kleidung besorgt hat, beginnt er, sie sehr süß zu finden und wie das Leben nunmal in Wirklichkeit nicht spielt, verliebt sich auch Bobby Tom in Gracie. Als er ihr seine Liebe gesteht, glaubt Gracie allerdings wieder nur an einen billigen Trick seinerseits...

Wer die Bücher von Susan Elizabeth Phillips kennt, weiß ohnehin schon von Anfang an, wie die Geschichte diesesmal nun wieder ausgehen wird. Obwohl die Handlung immer dieselbe zu bleiben scheint, hat sich das Buch zwei Sterne verdient. Zum einen sind die Charaktere einfach wieder schillernd und lebending gelungen, es tauchen auch wieder viele alte Bekannte auf. Zum anderen ist das Buch humorvoll und konsequent erzählt.

Abzugspunkte gibt es, wie gesagt, für die ewig gleiche Handlung Phillips Bücher und für die grottenschlechte Übersetzung durch Inez Meyer. Ständig findet man Satzkonstruktionen, die kein Mensch, der Deutsch spricht, verwendet. Ein Beispiel dafür: ..., doch meinte er es nicht so/..., doch hatte er gute Gründe dafür. Das Prädikat im Nebensatz vor das Subjekt zu stellen mag zwar theoretisch richtige Grammatik sein, sie wirkt aber unglaubwürdig, wenn ein jungenhafter Football Spieler sie in den Mund gelegt bekommt. Außerdem nervt es, dass man ständig "Herr Denton" und "Frau Snow" lesen muss. Warum kann man es nicht einfach beim originale "Mister" (das nun wirklich jeder versteht) belassen?

Philipps Geschichten sind nette Liebesromane, die wirklich humorvoll geschrieben und zügig zu lesen sind, sofern man es nicht mit einer Übersetzung von Meyer zu tun hat.
Taschenbuch: 445 Seiten
Verlag: Goldmann (24. April 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442356695
ISBN-13: 978-3442356690

Samstag, 6. August 2005

Das nackte Gesicht



Autor: Sidney Sheldon
Original: The naked Face (1973)
meine Bewertung: 3 von 5

Sheldons Erstlingswerk "Das nackte Gesicht" lässt schon viel von seiner späteren Erzählkunst erahnen. In der Geschichte geht es um den Psychoanalytiker Dr. Judd Stevens.

Eines Tages wird einer seiner Mandanten ermordet, kurz darauf auch noch seine Sekretärin. Dr. Stevens wird von der Polizei verdächtigt, die Morde begangen zu haben, deshalb wendet er sich an einen Privatdetektiv. Als auch dieser auf brutalste Weise ermordet aufgefunden wird, lässt die Polizei nicht mehr locker und Dr. Stevens beginnt schon daran zu glauben, selbst an einer Paranoia erkrankt zu sein. Schließlich findet Dr. Stevens jemand, dem er meint, vertrauen zu können, doch auch dies erweist sich als beinahe tödlicher Irrtum...

Der Roman ist sehr spannend aufgebaut und die Handlung folgt nur einem roten Faden. Die Abzugspunkte gibt es deshalb, weil manches zu offensichtlich scheint (zumindest, wenn man schon andere Werke Sheldons kennt) und die Spannung noch nicht das Niveau erreicht, das sie in seinen späteren Werken hat. Trotzdem ist das Büchlein jedem zu empfehlen, der sich für Sheldon interessiert - ein paar verregnete Sonntagnachmittagsstunden können so auf jeden Fall auf angenehme Art und Weise verbracht werden.
Taschenbuch: 191 Seiten
Verlag: Goldmann (April 2001)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442552109
ISBN-13: 978-3442552108

Freitag, 5. August 2005

Die Zeit vor Mitternacht



Autor: Wolfgang Hohlbein
Original: Die Zeit vor Mitternacht - Nemesis Band 1 (2004)
meine Bewertung: 3 von 5

Der erste Band der Nemesis-Reihe von Hohlbein spielt in Deutschland, genauer gesagt in einem alten Internat in Crailsfelden. Drei Männer und drei Frauen werden in ein Gasthaus bestellt, weil sie eine Erbschaft antreten sollen - zumindest zwei von ihnen. An das Erbe sind nämlich Bedingungen geknüpft, die erfüllt werden müssen, was aber keineswegs einfach zu bewerkstelligen ist. Die sechs Personen (drei Männer und drei Frauen) verbringen eine Nacht in einem alten und baufälligen Internat, die sie so schnell nicht vergessen werden. Es passieren allerlei unheimliche Dinge, die die Erben (die sich noch nie zuvor gesehen haben) auf eine harte Probe stellen.

Hohlbein wird es bei mir immer ein wenig schwerer haben, gute Bewertungen zu erzielen, weil mich seine Geschichten meistens stark an die Geschichten von anderen, namhafteren Autoren erinnern. Man entdeckt leider oft Parallelen zu Büchern von Stephen King oder John Saul. Diese Geschichte hat für mich doch sehr viel von den "Blackstone Chroniken" - was ich zumindest bisher sagen kann. Die Handlung ist logisch aufgebaut und auch durchaus interessant, was aber meiner Meinung nach das Bild zusätzlich stört, ist die Erzählsicht des Autors. Gerade bei Büchern, die spannend sein sollen, scheint es mir ein wenig seltsam, in der Ich-Form zu schreiben. Ansonsten bleibt mir nur noch zu sagen: natürlich werde ich auch die weiteren Bände genauestens unter die Lupe nehmen.
Broschiert: 200 Seiten
Verlag: Ullstein Tb; Auflage: 1 (August 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548258786
ISBN-13: 978-3548258782