Sonntag, 24. Dezember 2006

Der heilige Erwin



Autorin: Jasna Mittler
Original: Der heilige Erwin (2006)
meine Bewertung: 2 von 5

Es ist nun fast 2000 Jahre her, dass sich Gott und Jesus um den Planeten namens Erde gekümmert haben. Sie wissen nicht, was sich dort jetzt so tut, darum beschließt Gott, einfach mal auf die Erde hinabzufahren und nachzusehen. Er schwebt über Deutschland und sucht sich schließlich einen Körper, in den er einfahren könnte. Gott sucht sich zu diesem Zweck den Körper von Erwin, einem Obdachlosen aus. Dieser fühlt nur, wie er von Wärme umgeben wird und beginnt dann hemmungslos zu schluchzen.
Als Gott es sich im Körper von Erwin so richtig gemütlich gemacht hat, ist er erstmals mit typisch menschlichen Dingen konfrontiert: Er hat Hunger und Durst, er muss auf die Toilette gehen und auf einer Parkbank schlafen. Gott sieht sich die Menschen genau an und ist erstaunt. Er lernt Hass, Grausamkeit und Krieg kennen, aber auch menschliche Wärme, Liebe und Freundlichkeit.
Nachdem Gott sich nun genug auf der Erde  umgesehen hat, kehrt er in den Himmel zurück, wo sein Sohn inzwischen allerhand zu tun hatte. Er liefert seinen Bericht über die Erde ab und feiert erstmal mit seinem Sohn Geburtstag.
Die Geschichte gliedert sich in 24 Kapitel und ist als eine Art Adventskalender gedacht. Es handelt sich um eine nette Adventsgeschichte, die in der Vorweihnachtszeit sicherlich eine schöne Alternative zum Schokoladenkalender sein kann, allerdings nicht gerade Spuren hinterlässt. Pro Tag sind nur rund 3 Seiten zu lesen und irgendwie spürt man den Weihnachtsgeist nicht wirklich dahinter. Eher erkennt man den erhobenen Zeigefinger, mit dem Mittler die Moral ihrer Geschichte alles andere als subtil unterstreicht. Nett, aber nicht unbedingt ein Muss. Lieber "Das Weihnachtsgeheimnis" von Jostein Gaarder lesen, das hat beweitem mehr Tiefgang.


  • Broschiert: 150 Seiten
  • Verlag: List Tb. (November 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 354860689X
  • ISBN-13: 978-3548606897
  • Donnerstag, 21. Dezember 2006

    Spuk in Wien



    Autoren: Christof Bieberger, Alexandra Gruber, Gabriele Hasmann
    Original: Spuk in Wien 
    meine Bewertung: 1 von 5

    Die Autoren Bieberger, Gruber und Hasman haben in ihrem Werk verschiedene Begebenheiten und Geschichten zusammengesammelt, die angeblich "gruselig" sein sollen und sich in Wien abspielten. Das Buch gliedert sich in mehrere Teile, zu jedem Teil werden Geschichten erzählt. Irgendwie tu ich mir mit einer Rezension zu diesem Buch schwer. Es ist spurlos an mir vorübergegangen, obwohl die Autoren ja eigentlich das Gegenteil bezwecken wollten und ein Werk über Spuk in Wien verfassen wollten.

    Warum das nicht wirklich gelungen ist, kann vielleicht auch an der Wiener Mentalität liegen, die halt anders ist als jene der Engländer, die stolz auf ihre Gespenster sind. Allerdings hätte man aus dem Bisschen, das die Autoren zusammengetragen haben, durchaus gruselige Geschichten basteln - das funktioniert aber nicht, wenn mans so macht wie die Autoren. Irgendwie lustlos und banal. Und sie selbst scheinen auch nicht so ganz an das zu glauben, was sie "Spuk in Wien" nennen. Fazit: lieber nicht!




  • Gebundene Ausgabe: 175 Seiten
  • Verlag: Ueberreuter (Januar 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3800070170
  • ISBN-13: 978-3800070176
  • Der Regenmörder



    Autor: Sidney Sheldon
    Original: The Strangler (1997)
    meine Bewertung: 3 von 5

    London ist ein gefährliches Pflaster für die Frauen Großbritanniens geworden. Ein verrückter Serienmörder treibt sich in den Straßen Whitechapels, dort wo einst der berühmte Jack the Ripper seine Opfer tötete, sein Unwesen. Der Killer erwürgt seine Opfer und verschwindet danach spurlos. Scotland Yard steht vor einem Rätsel. Es gibt nur einen einzigen Anhaltspunkt: Der Würger tötet nur bei Regen.

    Inspektor Sekio Yamada wird auf den Fall angesetzt. Der junge Beamte hat sich schon einige Male Lorbeeren verdient, jetzt ist die Chance gekommen, sich im Yard nach oben zu arbeiten. Und er hat Glück: Das letzte Opfer des Würgers hat überlebt, weil der Täter durch ein vorbeifahrendes Taxi davon abgehalten wurde, seine Tat zu vollenden.

    Das Opfer ist die junge Bildhauerin Akiko Kanomori. Sie verspricht dem Inspektor, der ihr natürlich gleich gefällt, einen Tonkopf mit den Zügen des Täters anzufertigen. Die beiden Protagonisten sind sich sofort mehr als sympathisch. Leider hat ein Reporter ein Foto der Überlebenden gebracht und auf einem ungewöhnlichen Weg erfährt der Mörder den Namen und den Wohnort seines Fast-Opfers. Da er sich nicht leisten kann, entdeckt zu werden, beschließt er, sein begonnenes Werk zu vollbringen. Kann Inspektor Yamada noch das Schlimmste verhindern?

    "Der Regenmörder" ist eines der kürzeren Werke von Sidney Sheldon. Es handelt sich um eine nicht besonders umfangreiche und tiefe Story, die allerdings trotzdem spannend ist. Nett, wenn man mal eine Stunde oder zwei Zeit hat und nichts besonders Tiefsinniges erwartet.



  • Gebundene Ausgabe: 147 Seiten
  • Verlag: Goldmann Verlag München (1997)
  • ISBN-10: 3572009677
  • Sonntag, 17. Dezember 2006

    Potilla



    Autorin: Cornelia Funke
    Original: Potilla (1995)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Arthur ist in den Ferien für zwei Wochen zu Besuch bei der Familie seiner Tante. Außer aus einer nervigen Tante und einem kaum anwesenden Onkel besteht die Familie auch noch aus den Zwillingen Benno und Bruno, die stärker und größer als Arthur sind. Es kommt auch noch dazu, dass Arthur nicht gerade ein mutiger Junge ist, deshalb wird er von seinen Cousins auch oft geneckt.

    Eines Tages findet er bei einem Spaziergang im Wald ein seltsames Bündel. Es handelt sich um eine Socke, aus der zwei kleine Beine herausragen und die mit einer Pflanze umwickelt sind. Arthur ist neugierig, was sich in dem Bündel befindet, also nimmt er es mit nach Hause. In der Socke findet er eine Puppe, die ein wunderschönes Kleid anhat und auch sonst sehr hübsch ist. Der Junge staunt nicht schlecht, als die Puppe plötzlich zum Leben erwacht und sich als Potilla, Königin der Feen, vorstellt. Potilla erzählt Arthur eine tragische Geschichte: Ihr Feenhügel ist von einem Monster heimgesucht worden, das alle Feen vertrieben hat und den Hügel besetzt hält, um so an ewiges Leben zu gelangen. Sie bittet Arthur um Hilfe und ist richtig aufgeregt, als sie Esther, die Nachbarstochter, erblickt. Diese hat nämlich rote Haare und kann so dem Unternehmen von Arthur und Potilla nützlich sein. Die beiden Kinder und die Feenkönigin machen sich in der Nacht also auf den Weg in den Wald - ohne zu wissen, dass ihnen auch die Zwillinge noch sehr nützlich sein werden, wenn sie dem Monster gegenüberstehen.

    Cornelia Funke hat ein wirklich sehr schönes Kinderbuch geschaffen. Mit zahlreichen Illustrationen und einer kindgerechten, aber auch schönen und anspruchsvolleren Sprache erzählt sie von einer wunderbaren Welt, in der Wildschweine die Reittiere von Feen sind und Kinder zu Helden werden. Wirklich ein nettes Weihnachtsgeschenk für Kinder zwischen 5 und 8 Jahren.




  • Gebundene Ausgabe: 155 Seiten
  • Verlag: Dressler; Auflage: Neuausgabe. (Februar 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3791504665
  • ISBN-13: 978-3791504667
  • Schere, Stein, Papier



    Autorin: Patricia MacLachlan
    Original: Baby (1993)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Als die elfjährige Larkin eines Tages mit ihren Eltern von einem Spaziergang nach Hause kommt, liegt auf ihrer Türschwelle ein seltsames Bündel. Beim Näherkommen stellt sich heraus, dass es sich um ein Baby handelt, das vor ihrer Tür abgestellt wurde. Das kleine Ding hat einen Zettel bei sich, auf dem steht, sie heiße Sophie und werde von ihrer Mutter wieder abgeholt, sobald sich ihre Situation bessert. Die Mutter habe die Familie ein Jahr lang beobachtet und sei der Meinung, sie würde gut für ihre kleine Tochter sorgen.
    Die Familie beschließt, die kleine Sophie aufzunehmen und schon bald wird sie zu sowas wie eine Schwester von Larkin und ein weiteres Kind der Familie. Allerdings gibt es etwas, über das die Eltern nicht sprechen wollen, obwohl es die ganze Familie schwer belastet. Eigentlich hätte Larkin noch einen kleinen Bruder. Der ist aber schon wenige Tage nach seiner Geburt gestorben, weshalb er keinen Namen erhalten hat und Larkin ihn auch nie zu Gesicht bekommen hat. Auf dem Grabstein steht einfach nur "Baby". Gerne würde Larkin mit ihren Eltern darüber sprechen und dem Baby einen Namen geben, die sind allerdings nicht bereit dazu, und vermeiden alle Gespräche in diese Richtung. Außerdem sind sie gerade so glücklich mit der kleinen Sophie.
    Doch ein Jahr vergeht schneller, als man denkt und schon steht die Mutter von Sophie leibhaftig vor der Tür und will das Baby abholen...
    Das Buch ist sehr berührend, die Geschichte geht einem direkt zu Herzen. Man erfährt nur nach und nach, welche Sorgen die Familie bedrücken, das hält die Spannung aufrecht. Gleichzeitig ist man dabei, wie sich die kleine Sophie in die Herzen aller vortastet. Sie wird von der Familie erzogen wie ihr eigenes Kind, obwohl alle wissen, dass das Glück nicht von Dauer sein wird. Ein wirklich sehr schönes Buch!


  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (Oktober 2005)
  • ISBN-10: 3866151071
  • ISBN-13: 978-3866151079
  • Donnerstag, 14. Dezember 2006

    Ausgebremst



    Autor: Wolf Haas
    Original: Ausgebremst (1998)
    meine Bewertung: 2 von 5

    Einen Brenner-Roman darf man sich von diesem Buch nicht erwarten. Der Ich-Erzähler des Romans sitzt im Knast, weil er einen Londoner Taxifahrer erwürgt hat. Aus dieser Perspektive erzählt er dem Leser rückblickend, wie es dazu kommen konnte, dass er, ein eigentlich friedliebender Mensch, die Hände um den Hals des Taxifahrers legt und zudrückt.

    Der Erzähler führt uns in sein vergangenes Leben, in dem er Fanartikelhändler bei der Formel 1 war. Er ist mit seinem Wohnmobil und seinen T-Shirts und Kappen durch ganz Europa getingelt und hat sich sein Geld damit verdient, Formel 1 Fans seine Waren zu verkaufen. Die Fanartikelhändler sind untereinander sowas wie Freunde, oder zumindest gute Kollegen geworden. Doch eines Tages taucht ein großes Unternehmen namens TEXUNO auf und kauft nach und nach die kleinen Händler auf.
    Doch nicht nur das beobachten die Händler mit Sorge. Auf mysteriöse Weise kommen zwei der beliebtesten Männer in ihren Reihen ums Leben. Schon bald deckt der Erzähler immer mehr Ungereimtheiten auf, bis er schließlich selbst seine Sachen packt und mitten in der Saison zurück in seine Wohnung in Wien flieht.
    Klingt spannend. Ist es aber nicht. Man muss den Hut respektvoll vor Haas' Erzählstil ziehen. Handwerklich kann man an der Geschichte wirklich nichts aussetzten. Der Ich-Erzähler beginnt in der Gegenwart, macht eine Rückschau auf die Vergangenheit und nimmt den Leser schließlich in die Zukunft mit. Allerdings muss man schon sagen, dass dieses Buch wohl nur für den wirklichen Hardcore-Formel 1-Fan eine spannende Lektüre ist. Es geht nämlich in Wirklichkeit um nichts anderes, als um Weltmeister, Helme, Unfälle, Rennen und Rennstrecken. Sehr speziell und dadurch auch langatmig. Da Haas wirklich tolle Krimis schreibt, sollte man sich eher an die Brenner-Romane halten.



  • Taschenbuch: 176 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 7., Neuausg. (Februar 2001)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499228688
  • ISBN-13: 978-3499228681
  • Mittwoch, 13. Dezember 2006

    Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins



    Autor: Milan Kundera
    Original: Nesnesitelná lehkost bytí (1982)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Eines Tages lernen sich der Arzt Tomas und die Serviererin Teresa in einer Bar kennen. Die beiden verlieben sich ineinander, doch ist diese Liebe für Teresa mit einem Wermutstropfen behaftet. Tomas weigert sich zunächst, sie bei sich übernachten zu lassen und hat außerdem viele Affären, weil er der Meinung ist, man könne Liebe und Geschlechtsverkehr strikt voneinander trennen. Einige Zeit toleriert Teresa dieses Verhalten, allerdings verletzt es sie zutiefst.

    Nach dem Prager Frühling fliehen Tomas und Teresa aus der Tschechoslowakei in die Schweiz. Dort ist Tomas vor politischer Verfolgung sicher und kan als Arzt praktizieren. Durch Sabina, eine weitere Geliebte von Tomas, kann Teresa als Fotografin arbeiten. Eigentlich sollten die beiden glücklich sein, doch Teresa wird immer unglücklicher. Zwar achtet Tomas peinlich darauf, sich zu waschen, bevor er von seinen Geliebten zu Teresa zurück kommt, allerdings vergisst er dabei sein Haar. Allabendlich muss Teresa mit dem Geruch eines weiblichen Schoßes im Haar von Tomas einschlafen.

    Teresa hält es schließlich nicht mehr an der Seite von Tomas aus. Sie war bisher duldsam, doch dann packt sie ihre Koffer und kehrt zurück in die Tschechoslowakei. Nun steht Tomas vor einer schwierigen Entscheidung. Soll er in der Schweiz bleiben, wo er vor politischer Verfolgung sicher ist, oder soll er Teresa, die er wirklich liebt, nachfolgen?

    Neben dem Tomas-Teresa Handlungsstrang entwickelt sich auch noch eine zweite Handlung. Sabina, die Geliebte von Tomas, hat noch einen weiteren Liebhaber. Dieser ist verheiratet und hat eine ältere Tochter. Als die Ehefrau von Franz hinter dessen Geheimnis kommt, wirft sie Franz raus. Doch wird Sabina bei ihm bleiben?

    Milan Kundera hat ein wunderbares Buch über die Liebe geschaffen. Er schafft es mit seiner Sprache, die Verzweiflung seiner Figuren einzufangen, die alles andere als platt sind. Ungewöhnlich ist auch die Haltung des Erzählers dem Leser gegenüber. Dieser spricht zum Leser und lässt ihn auch nicht im unklaren darüber, dass es sich "nur" um einen Roman handelt. Auch die philosophischen Gedanken,die mit der Handlung verknüpft sind, verhelfen dem Werk zu einer unglaublichen Tiefen und es macht Spaß, den Überlegungen des Autors zu folgen.




  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1 (27. März 2003)
  • ISBN-10: 3937793003
  • ISBN-13: 978-3937793009

  • Timmerbergs Reise-ABC



    Autor: Helge Timmerberg
    Original: Timmerbergs Reise-ABC (2004)
    meine Bewertung: 3 von 5

    Der bekannte Reisejournalist Helge Timmerberg gibt in seinem Reise-ABC eine amüsante Übersicht über alle Phänomene, die einem als Reisenden so zustoßen können. Von A wie Anfängerfehler bis Z wie Zahnarzt gibt er humorvolle Tipps, die einem helfen sollen, aber nicht immer ernst zu nehmen sind. Manchmal schrammt er dabei knapp an der Grenze des klischeehaften vorbei, vermeidet aber größere Fettnäpfchen. Nette Unterhaltung für Zwischendurch.



  • Taschenbuch: 124 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 2 (Januar 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492245188
  • ISBN-13: 978-3492245180
  • Mittwoch, 6. Dezember 2006

    Wir alle für immer zusammen



    Autor: Guus Kuijer
    Original: Voor altijd samen, amen (1999)
    meine Bewertung: 2 von 5

    Polleke ist elf Jahre alt, doch sie sieht sich auf ihre jungen Jahre schon mit einigen Problemen konfrontiert. Zum einen ist da Mimun. Mimun ist Marokkaner und geht schon seit zwei Jahren mit Polleke, allerdings haben da seine Eltern ziemlich was dagegen. Er soll nämlich ein marokkanisches Mädchen heiraten. Abgesehen davon, dass Polleke Niederländerin ist und eben keine Marokkanerin, hat sie auch noch keinen Glauben und möchte später Dichterin werden. Neben diesen Problemen, die sie mit der Familie von Mimun hat, hat sie auch noch welche mit ihrer eigenen Familie.
    Pollekes lebt bei ihrer Mutter, die geschieden ist. Ihre Mutter hat sich jedoch wieder neu verliebt, und das ausgerechnet in den Lehrer von Polleke, den Walter. Der ist zwar nett,  aber nicht so toll wie Spiek, der wirkliche Vater von Polleke. Dieser hat mit seinen eigenen Problemen zu kämpfen, den Drogen, weshalb er nicht viel Zeit für seine Tochter hat, doch diese liebt ihn einfach.
    Etwas Trost findet die kleine Polleke bei ihren Großeltern am Land. Der Nachbarsbauer hat nämlich ein Kälbchen, das findet Polleke ganz toll. Ganz schön viele Probleme also für eine Elfjährige.
    Die Geschichte ist mit ca. 90 Seiten sehr kurz, weshalb nicht unbedingt eine erzählerische Tiefe entsteht. Irgendwie spurlos geht das Büchlein an einen vorüber, ohne irgendwelche pädagogischen Spuren zu hinterlassen. Hätte man die Thematik mit Mimun etwas ausgebaut, hätte man eventuell noch einen antirassistischen Anspruch entdecken können. Für Kinder im Alter von ca. zehn bis zwölf Jahren gibt es eindeutig bessere Bücher, denn das vorliegende ist weder spannend noch sonstirgendwas. Außer halt kurz.




  • Gebundene Ausgabe: 89 Seiten
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (Juni 2006)
  • ISBN-10: 3866151438
  • ISBN-13: 978-3866151437

  • Donnerstag, 30. November 2006

    Das Salz der Erde und das dumme Schaf



    Autorin: Sheila Och
    Original: Das Salz der Erde (1995)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Jana hat nichts. Naja, nichts stimmt auch nicht. Sie hat sehr wenig. Beispielsweise hat sie keine Eltern, kein Geld, keine Freunde, keine neue Kleidung. Aber die Sechzehnjährige hat noch ihren Großvater. Der ist etwas schrullig und der Mittelpunkt der Welt (denkt er halt). Jana lebt mit ihm in einer Kellerwohnung und hat sich an das anarchische, chaotische und doch irgendwie geregelte Leben mit ihrem Großvater schon längst gewöhnt, auch weil sie nichts anderes kennt.

    Doch langsam wird Jana älter und auch rebellischer. In der Schule gibt es einen Neuen, Jirka heißt er. Der interessiert sich für Jana, was für diese eine komplett neue Erfahrung ist. Aber auch sie findet Jirka nicht gerade grässlich, deshalb geht sie mit ihm aus und lernt dabei eine völlig neue Welt kennen. Es ist eine Welt, zu der sie nicht gehört. Kaffee mit Schlagsahen und Kino - das war ihr bisher verwehrt geblieben. Der  Großvater findet dies natürlich gar nicht gut. Er hat seiner Jana doch immer erklärt, warum es besser ist, nichts zu haben und warum Geld nicht glücklich macht.

    Der Großvater war immer schon ein lustiger Kerl, doch eines Tages treibt er seine Scherze zu weit. Er gibt auf dem Hauptplatz vom Stiefel eines Steindenkmals herunter eine Kundgebung. Es versammeln sich immer mehr Menschen, um dem Alten zuzuhören, ein richtiger Aufruhr entsteht, der von der Polizei mit Wasserwerfern beendet werden muss. Der Großvater erhält daraufhin eine Vorladung vors Gericht, worauf er sich tierisch freut. Er liebt Gelegenheiten, bei denen er sich selbst so richtig in Szene setzen kann.

    Das Gericht ist von diesem komischen Alten gar nicht begeistert und schickt ihn deshalb ins Altersheim. Jana muss in eine Gymnasium mit Internat, da sie ja noch minderjährig ist und sich jetzt niemand um sie kümmert. Eigentlich ist Jana fest davon überzeugt, dass der Großvater im Heim todtraurig sein würde und auch sie bald wieder heimholen würde, doch als sie ihn mit seinen beiden Freunden eines Tages besucht, merkt sie, welchen Spaß ihr Opa im Altersheim hat und gibt schon fast die Hoffnung auf. Allerdings etwas zu früh - denn der Großvater steckt voller Überraschungen...

    Sheila Ochs Buch erzählt von der Pubertät eines Mädchens, dass sich mit dem zunehmenden Frauwerden gegen das System wendet - allerdings ist dies ein wenig schwierig für die Hauptdarstellerin, da sie gegen eine Autorität rebellieren will, die anarchisch und schrullig ist wie sonst niemand: ihr Großvater. Jana möchte mit zunehmenden Alter auch etwas von ihrer Vergangenheit, ihren Eltern und dem Grund, warum sie beim Großvater aufgewachsen ist, erfahren. Doch der Großvater schweigt eisern und tut ihr damit sogar einen großen Gefallen.

    Erschwert wird das sowieso schon chaotische Leben eines pubertierenden Teenagers bei Jana noch durch die Tatsache, dass sie aus einem sehr sozialschwachen Umfeld stammt und sie nicht nur gegen Pickel und Hormone, sondern auch gegen ihren knurrenden Magen und ihre löchrigen Strümpfe kämpfen muss. Ein wirklich sehr, sehr empfehlenswertes Buch für Jugendliche!


  • Gebundene Ausgabe: 141 Seiten
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (2006)
  • ISBN: 3866151446
  • Dienstag, 28. November 2006

    O du mörderische



    Autorin: Anne George
    Original: Murder on a bad hair day (1996)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Patricia Anne und Mary Alice sind Schwestern - schon seit mehr als sechzig Jahren. Patricia Anne ist mit sechzig die jüngere der beiden, klein und zierlich. Mary Alice ist wahrlich ihre große Schwester: gut zwei Köpfe größer und viele, viele Kilos schwerer. Doch die beiden haben eins gemeinsam. Sie geraten immer wieder in mysteriöse Mordfälle.

    Es ist kurz vor Weihnachten, als die beiden Schwestern zu einer Galerieeröffnung gehen. Gezeigt werden Folk-Art Werke, die beim Publikum sehr gut ankommen. Die Ausstellung scheint also ein voller Erfolg für die Galeriebesitzerin Mercy Armistead zu sein. Leider kann diese ihren Ruhm aber nicht mehr genießen, sie wird nämlich am nächsten Morgen tot aufgefunden. Sie wurde mit Haarspray vergiftet. Also nicht wirklich mit Haarspray, sondern mit einem Gift, das jemand in das Spray gemixt hatte und das sie über die Haut in ihren Körper aufgenommen hatte. Eigentlich sollte dies Mary Alice und Patricia Anne nicht allzusehr betreffen, allerdings werden sie persönlich in den Fall mit hineingezogen, als die Assistentin der Galeriebesitzerin und eine ehemalige Schülerin von Patricia Anne total verwirrt und verzweifelt auf der Hintertreppe von Patricia Anne hockt. Sie ist völlig geschockt und verwirrt, deshalb wird sie von Patricia Anne ins Krankenhaus eingeliefert.

    Leider verschwindet sie von dort spurlos und ein weiterer Mord passiert. Schon längst haben die Vorkommnisse das Interesse der Schwestern geweckt. Sie finden nach und nach immer mehr Puzzleteile und langsam scheinen die sich zu einem Bild zusammen zu fügen. Allerdings erkennen sie das erst, nachdem Mary Alice angeschossen wird und die Polizeibeamtin Bo Mitchell Einblick die letzten Fragen klärt...

    Anne George hat einen sehr humorvollen Krimi geschrieben, der in der Vorweihnachtszeit spielt. Sie hat Charaktere entworfen, die man ins Herz schließt, die man sogar selbst gerne zur Mutter oder Großmutter hätte. Anders als Miss Marple und Co. klären die beiden zwar den Fall nicht wirklich auf, allerdings sind sie mitten im Geschehen und lassen den Leser an ihren Überlegungen teilhaben. Was die Geschichte so charmant macht, ist auch das Drumherum. Die verrückte Beziehung der beiden Schwestern zueinander, zu ihren Ehemännern und ihr Humor und die Tatsache, dass man an ihren Weihnachtsvorbereitungen teil hat. Für die Vorweihnachtszeit ein humorvoller Krimi, der zwar nicht unbedingt nervenzerreißend spannend ist, dafür aber mit seinem Charme punktet.




  • Broschiert: 320 Seiten
  • Verlag: Dtv (Oktober 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 3423244283

  • Donnerstag, 23. November 2006

    Die Wolke



    Autorin: Gudrun Pausewang
    Original: Die Wolke (1987)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Der Tag hat für die 14-jährige Janna-Berta eigentlich ganz normal begonnen. Als jedoch plötzlich eine Sirene zu hören ist, werden die Schüler nach Hause geschickt, mit der Anweisung, sich zu beeilen. In Grafenrheinfeld, das nur 100 Kilometer von Janna-Bertas Wohnort entfernt ist, hat es ein Problem mit dem Kraftwerk gegeben. Das Mädchen wird von einigen älteren Schülern mit nach Hause genommen. Daheim erwartet sie schon ihr kleiner Bruder, die Eltern sind mit dem kleinsten Kind der Familie für einige Tage weggefahren.

    Die verängstigten Kinder erhalten einen Anruf von ihrer Mutter, die sie drängt, sofort nach Norden aufzubrechen, weg von der giftigen Wolke, die auf sie zukommt. Weil die Nachbarn schon alle abgefahren sind, beschließen Janna-Berta und Uli, mit dem Rad zu fliehen. Eine Zeit lang geht das auch ganz gut und sie kommen sogar schneller voran, als die Autos, die sich mittlerweile in einem Riesenstau befinden. Doch dann wird der kleine Bruder müde...

    Es muss erst ein Kinderbuch daher kommen, bevor ich wieder mal 5 Sterne vergeben kann. Aber es ist ein gutes Kinder- bzw. eher Jugendbuchh, das Gudrun Pausewang da geschrieben hat. Sehr einfühlsam wird das Leben von Janna-Berta beschrieben, das sich radikal ändert, als das Kraftwerk explodiert. Die Politiker schieben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe, Verantwortung will niemand übernehemen. Es gibt so gut wie keinen Katastrophenplan und mehr als "Keine Panik" bekommen die Bundesbürger nicht zu hören. Diese Stimmung im Buch lässt einem wirklich Gänsehaut bekommen und ich muss zugeben, an so mancher Stelle eine kleine Träne vergossen zu haben.

    Für Kinder unter 13 oder 14 ist die Geschichte wahrscheinlich zu harter Tobak, aber für Jugendliche und auch Erwachsene eine wichtige Lektüre. Ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu predigen, zeigt Pausewang auf, wie gefährlich Atomkraft-werke sein können und lässt aber trotzdem auch Atombefürworter zu Wort kommen (allerdings in Form von arroganten Menschen, die man am liebsten schütteln würde). Unbedingt lesen! Nicht umsonst wurde Pausewang für dieses Werk 1988 mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.



  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (November 2005)
  • ISBN: 3866151128
  • Dienstag, 21. November 2006

    Des Königs dunkle Botin



    Autorin: Vera Chapman
    Original: The King's Damosel (1975)
    meine Bewertung: 1 von 1

    Diesen Monat sind mir einfach keine guten Bücher vergönnt. Vera Chapman bearbeitet in ihren Büchern die Artus-Saga von einer etwas anderen Warte aus. Sie stellt Frauen in den Mittelpunkt und erzählt von deren Schicksal. In diesem Band geht es um die junge Lynett, die nicht als Dame, sondern als Junge erzogen wurde. Der größte Wunsch des jungen Wildfangs ist es, später einmal Ritter zu werden. Nach vielen Schicksalsschlägen, unter anderem einer Vergewaltigung und einer Zwangsehe, wird ihr ihr größter Wunsch endlich erfüllt und sie wird Botin des jungen König Artus.

    Im Auftrag von König Artus reist Lynett in Begleitung von vier Rittern der Tafelrunde durch das Land, um die Botschaften des Königs an seine Untertanen zu verkünden. Sie wird allerdings eines Tages entführt und eingesperrt, dann wieder gerettet, findet schließlich ihre große Liebe und den Heiligen Gral...

    Man mag nun einwenden, dass die Geschichte ja eigentlich recht spannend klingt. Ja, tut sie auch tatsächlich. Allerdings passiert all dies auf gerade mal 156 Seiten, obwohl die Story an sich das Potential zu einem richtigen Wälzer hätte. Allerdings denke ich, dass man sich nicht durch mehr als 156 Seiten von Chapmans emotionsloser Schreibe und die beinahe völlige Abwesenheit von Dialogen quälen würde. Wieder einmal schade ums Geld, denn mehr als ein Punkt für die doch nette Handlung ist wirklich nicht drin. Wenn man sich für geschichtliche Romane interessiert, sollte man lieber zu einem Werk von Noah Gordon oder Iny Lorentz greifen.




  • Broschiert: 160 Seiten
  • Verlag: Dtv (2001)
  • ISBN: 3423204516
  • Sonntag, 19. November 2006

    Die Braut die sich nicht traut



    Autor: Andy Green
    Original: Runaway Bride
    meine Bewertung: 1 von 5

    Maggie Carpenter ist eine hübsche junge Frau, die ein kleines Problem hat: Sie verliebt sich schnell, lässt sich dann einen Heiratsantrag machen, den sie freudig annimmt und läuft dann aber während der Hochzeitszeremonie davon. Dies ist ihr schon dreimal passiert. Noch bevor sie beim Altar ankam, hat sie jedesmal die Flucht ergriffen. Ihre drei Fast-Ehemänner nahmen die Demütigung hin, das Leben im kleinen Städtchen Hale ging immer wieder weiter.

    Nur Fast-Ehemann Nummer drei kommt über diese Demütigung scheinbar nicht hinweg. Er betrinkt sich in einer Bar in New York und erzählt dort die Geschichte seiner gescheiterten Hochzeit dem Journalisten Ike Graham, der für seine frauenfeindlichen Kolumnen stadtbekannt ist. Ike wittert eine wunderbare Story und bringt deshalb die Geschichte von Maggie Carpenter, der "männermordenden Bestie" in seine Zeitung. Er hat nicht mit der Reaktion der Leser gerechnet, die sich durch und durch über das Verhalten des Journalisten empören. Vor allem die Menschen in Hale, die ihre Maggie gern haben, bestärken diese in ihrem Vorhaben, eine Richtigstellung zu verlangen. Die Chefredakteurin von Ikes Blatt erhält die Aufforderung, Ike zu entlassen, was sie auch tut.

    Ike bekommt daraufhin ein Angebot für die "wahre Geschichte" der Maggie Carpenter. Er reist nach Hale, wo schon die Hochzeitsvorbereitungen für Maggies Hochzeit Nummer vier laufen. Ike stößt zuerst auf Ablehnung, doch während seiner Recherchen lernt er die faszinierende Frau näher kennen und verliebt sich selbst in sie...

    Die Geschichte ist eigentlich ganz nett, allerdings ist die Ausführung mehr als mies. Nachdem der Film mit Julia Roberts und Richard Gere nicht auf dem Buch beruht, sondern das Buch erst nach dem Film erschien, hat man das Gefühl, Green hat sein Büchlein im Kino verfasst. Es ist nicht viel mehr als eine Beschreibung der Dinge, die passieren. Gefühl, Humor oder Leben vermisst man zu Recht. Abgesehen von einigen typografischen Fehlern findet man auch viele Ungenauigkeiten im Handlungsstrang. Angeblich soll der Film nicht so schlecht sein - das Buch dazu von Andy Green ist es leider schon! Man hätte eine wirklich nette und feinsinnige Geschichte daraus machen können.




  • Broschiert: 190 Seiten
  • Verlag: Burgschmiet (Juni 2002)
  • ISBN: 3933731216
  • Donnerstag, 16. November 2006

    Ohrensausen



    Autor: Kinky Friedman
    Original: Blast from the Past (1953)
    meine Bewertung: 4 von 5

    Der Kinkstah, seines Zeichens Countrysänger und selbsternannter Privatdetektiv will mal eben zu seiner Nachbarin Stephanie DuPont rauf gehen, um sich die 7 Millionen Dollar Honorar aus dem letzten Fall abzuholen. Das trifft sich verdammt gut, denn er ist wiedermal pleite. Doch als er seine Wohnung verlässt, befördert ihn ein gezielter Schlag auf den Schädel in eine zweistündige Ohnmacht.

    Kinky nützt diese Ohnmacht, um sein Leben in den 70ern wieder zu durchleben. Das Buch erzählt, wie er seine Bande Freunde, die er liebevoll Village Irregulars nennt, um sich geschart hat, wie er zum Privatdetektiv wurde und was sein erster Fall war. Dieser Fall war zwar nur klein, trotzdem wichtig, denn schließlich ging es um das Leben des höchstpersönlichen Kinkstahs. Angefangen hat ja alles damit, dass Abbie Hoffman, ein Revoluzzer, bei ihm auftaucht und ihn bittet, ihm doch Unterschlupf zu gewähren, weil er verfolgt würde. Zunächst schieben Kinky und sein Freund Ratso, der Kinky gern als Holmes und sich selbst gern als Watson bezeichnet, diese Paranoia auf das unstete Leben von Abbie, doch dann fliegt Kinkys Loft in der Vandam Street in die Luft, seine beischlaftechnische Assistentin Judy behauptet, ihren in Vietnam gefallenen Freund Tim in New York gesehen zu haben, auf Kinky werden Schüsse abgefeuert... So kommt Kinky zu seinem ersten Fall.

    Man muss schrägen Humor mögen, um die Bücher von Kinky Friedman zu lieben. Ich liebe schrägen Humor und vergöttere somit die Bücher vom ollen Kinkstah. An diesem Werk hat mich allerdings die Tatsache gestört, dass Drogen nahezu zu einer Religion erhoben werden. Dass der Autor Minderheiten wie Homosexuelle, Juden und Schwarze zeitweise auf dem Kieker hat, stört nicht weiter, wenn man weiß, dass er selbst der wohl größten Minderheit überhaupt angehört: Kinky Friedman ist ein jüdischer Cowboy. Ihm steht es also zu, geschmacklose Jesus- und Hitlerwitze zu reißen. Meint zumindest Kinky selbst. Ob man das mag oder nicht, ist letztlich Geschmackssache, allerdings muss wohl jeder zugeben: Schreiben kann er, der Friedman.




  • Broschiert
  • Verlag: Heyne (Februar 2003)
  • ISBN: 3453865057
  • Dienstag, 14. November 2006

    Abbott



    Autor: Jeff Abbott
    Original: Panic (2005)
    meine Bewertung: 2 von 5

    Evan Casher bekommt spät in der Nacht einen Anruf von seiner Mutter. Sie klingt besorgt und aufgebracht, als sie ihn bittet, sich sofort auf den Weg zu machen und zu ihr zu kommen. Sie fordert dies so bestimmt, dass Evan nur noch schnell seinen Laptop und eine Tasche packt und die Musikfiles, die ihm seine Mutter vor kurzem für einen Film gemailt hat, auf seinen mp3-Player zu spielen, bevor er sich ins Auto setzt und losfährt.
    Als der junge und erfolgreiche Dokumentarfilmer in seinem Elternhaus ankommt, macht er eine grauenhafte Entdeckung, die sein Leben schlagartig verändert: Seine Mutter liegt erwürgt in der Küche. Doch die Mörder sind noch irgendwo im Haus, denn gerade als Evan sich über seine tote Mutter beugt, wird ihm eine Tüte über den Kopf gestülpt und eine Schlinge um den Hals gelegt. Der sich heftig währende Evan wird am Seil aufgehängt und erst in letzer Minute von einem Unbekannten gerettet, der mit einem sicheren Schuss das Seil durchschießt und Evan so befreit. Dieser rettet sich aus dem Haus in einen bereits angekommenen Polizeiwagen. Von dort wird er allerdings entführt: von einem Glatzkopf, der sich selbst Gabriel nennt und während der Fahrt Evan eine haarsträubende Geschichte erzählt, von der er behauptet, sie sei die Wahrheit über seine Eltern und über sein eigenens Leben. Seine Mutter sei ermordet worden, weil sie etwas besäße, das sowohl alle Geheimdienste der Welt, sowie eine geheime Organisation, die sich "The Deeps" nennt, haben wollen. Und da seine Mutter jetzt tot ist und sein Vater unauffindbar, wird angenommen, Evan hätte dieses Stück der Begierde - woraufhin er zum Gejagten wird. Er muss um sein Leben kämpfen...
    Eigentlich hab ich das Buch gekauft, weil es ein wirklich tolles Cover hat und der Satz "One of the year's best books" von Harlan Coben zitiert wird. Allerdings war das Buch ein wahrer Reinfall. Es handelt sich um eine Art Spionage- bzw. Verschwörungstheorie-Roman, in dessen Mittelpunkt Evan Casher steht, der auf der Flucht ist, aber ständig irgendwem in die Hände fällt. Jede Seite behauptet dabei von sich, die Guten zu vertreten, jede Seite erzählt im eine andere Geschichte.
    Die Handlung wird dadurch immer verwirrender, die Hauptfiguren bleiben sehr flach und verhalten sich sehr konstruiert. Man nimmt Abbotts Figuren einfach nichts ab - ich zumindest nicht. Die Geschichte hat durchaus interessante und spannende Sequenzen, allerdings ist sie auch sehr reißerisch. Ich hab mich eher gelangweilt, bei der Lektüre des "One of the year's best books" und auch nur sehr schwer in die Handlung hineingefunden, weil ich mich ständig darüber ärgern musste, wie schlecht erzählt die Geschichte ist, die durchaus Potential hat - auch wenn sich alles um das altbekannte Schema Agent-schöne Frau-Liebe-Verfolgung dreht. Schade um das Geld.



  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Little, Brown (8. Juni 2006)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 0751538310
  • ISBN-13: 978-0751538311
  • Mittwoch, 8. November 2006

    Lone Star



    Autor: Kinky Friedman
    Original: A case of Lone Star (1987)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Der Countrysänger Kinky Friedman hat seinen Beruf an den Nagel gehängt, als er eine Geisel aus den Händen eines Bankräubers rettete und danach als Held gefeiert wurde. Er beschloss, von nun an Detektiv zu sein. Der Amateurdetektiv, der sich selbst gern "Kinkster" nennt, lebt mit seiner Katze in einem Loft in der Vandam Street, über ihm eine lesbische Tanzschule, unter ihm die Straßen New Yorks und abwechselnd bei ihm seine Freundinnen Uptown Judy und Downtown Judy. Eigentlich wollte er es gerade ein bisschen ruhiger in seinem Leben angehen, als er einen Telefonanruf aus seiner Stammkneipe, dem "Lone Star" bekommt.

    Ein mysteriöser Mordfall hatte sich ereignet: Nach einem Auftritt wurde ein Countrysänger und Freund Kinkys mit einer Gitarre erschlagen und seinem eigenen Cowboytüchlein erwürgt in seiner Garderobe aufgefunden. Der Killer hat nur eine einzige Spur hinterlassen: Einen Songtext eines alten Hank Williams Songs, dessen Zeilen interessante Aufschlüsse zulassen. Der Kinkster nimmt sich um den Fall an, allerdings müssen noch zwei weitere Morde passieren, ehe er unter Einsatz seines eigenen Lebens den Fall lösen kann und den Hank-Williams-Mörder, wie der Serientäter in den New Yorker Klatschblättern mittlerweile  genannt wird, dingfest zu machen.

    Dass es schließlich ein Fleck auf einer Landkarte sein würde, der seinen texanischen Arsch gerade noch vor dem Killer in Sicherheit bringen würde, hätte er sich wahrscheinlich in seinen wildesten Träumen (die ohnehin nur von Miniatur-Babys mit Sonderbriefmarken als Windeln handeln) nicht ausgemalt. Zum Glück denkt der Kinkster etwas schräg und hat eine Ahnung von Countrymusik...

    Die Krimis von Kinky Friedman sind vor allem deshalb auch über die Grenzen Amerikas hinaus bekannt, weil es sich bei ihnen um eine sehr charmante Mischung aus Realität und Fiktion handelt. So hat der Autor (und gleichzeitig Hauptdarsteller seiner eigenen Krimis) tatsächlich eines Tages eine Geisel aus einem Banküberfall gerettet, lebt wirklich mit seinen drei Katzen und einem Opossum in New York und Texas und war Countrysänger in der Band "Kinky Friedman and the Texas Jewboys".  (Für ein ausführliches Autorenportrait Link oben klicken!) Im November 2006 trat er außerdem als Gouverneur von Texas bei den Mid-Term Elections in den Vereinigten Staaten an, leider landete er mit nur 12% der Wählerstimmen auf Platz 3.

    Was seine Bücher so fantastisch macht, ist der zuweilen fast britische, meist schwarze Humor und der schnodderige Ton, in dem das Buch verfasst ist. Eine Abgeklärtheit mit dem Leben ist sicherlich auch vonnöten, um so satirisch, ironisch und genial-komisch zu schreiben. Wer etwas für schrägen Humor übrig hat, sollte sich unbedingt einen "Kinkster"-Roman zulegen!


    Broschiert: 191 Seiten
    Verlag: Rotbuch Verlag (Februar 2006)
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 343454061X

    Donnerstag, 26. Oktober 2006

    Komm, süßer Tod




    Autor: Wolf Haas
    Original: Komm, süßer Tod (1998)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Brenner, der ehemalige Polizeikommissar, arbeitet jetzt bei den Wiener Kreuzrettern als Rettungsfahrer. Eigentlich ist er froh, mit dem detektivischem nichts mehr zu tun zu haben, doch jetzt steckt die Kreuzrettung in der Klemme. Der Rettungsbund macht den Kreuzrettern starke Konkurrenz, das geht sogar so weit, dass den Kreuzrettern die Patienten vor der Nase weggeschnappt werden. Der Chef der Kreuzretter bittet also Brenner, ein bisschen nachzuforschen, woher der Wind weht.
    Zur gleichen Zeit beobachtet der Rettungsfahrer Munz ein schmusendes Pärchen vor dem Krankenhaus, das kurz darauf in die Knie geht. Allerdings nicht aus Leidenschaft, sondern durch eine Pistolenkugel. Beide erschossen. Außerdem ist da noch der Rettungsfahrer Bimbo, der eines Tages mit seinem eigenen Goldkettchen erwürgt in seinem Rettungswagen aufgefunden wird. Drei Morde, alle im Umfeld des Wiener Rettungswesens. Zwar hat der Brenner schon lange die Schnüffelei aufgegeben, doch jetzt wird er wieder tätig. Er kommt nach und nach den üblen Machenschaften auf die Schliche, die im erbitterten Kampf rund um den Platz Eins im Wiener Rettungswesen mit sich bringen.
    "Komm, süßer Tod" wurde 1999 mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet - und das zu Recht. Der Erzähler der Geschichte richtet sich direkt an den Leser, duzt ihn sogar. Das verleiht dem ganzen einen sehr eigenwilligen, aber durchaus ansprechenden Charakter. Haas trifft mit seinen Beschreibungen der Wiener den Nagel auf den Kopf - sie sind im Buch ganz genau so, wie ich sie Tag für Tag erlebe. Mit ihren guten und auch schlechten Seiten. Haas hat den Wiener Schmäh und Charme eingefangen und ihn aufs Papier gebracht.
    Nicht nur die Sicht, aus der die Geschichte erzählt wird, ist eigenwillig, sondern auch der Satzbau des Autors. Es gibt viele Halbsätze und Austriazismen, wodurch die Geschichte seltsamerweise lebendiger und flüssiger wird. Da hast du das Gefühl, der erzählt dir das am Wirtshaustisch bei ana Haaßn und an Hoiwi. Auch für Nicht-Wiener eine lohnende Lektüre!


    • Taschenbuch: 224 Seiten
    • Verlag: rororo; Auflage: 24 (1. August 2000)
    • Sprache: Deutsch
    • ISBN-10: 3499228149
    • ISBN-13: 978-3499228148

    Mittwoch, 25. Oktober 2006

    Der Liebhaber



    Autorin: Marguerite Duras
    Original: L'Amant (1984)
    meine Bewertung: 1 von 5

    Marguerite Duras hat einen Liebesroman geschrieben, der durch die Erlebnisse ihrer Jugend autobiografisch inspiriert ist. Sie erzählt dabei von der Jugend eines französischen Mädchens in Indochina, ihren beiden Brüdern und ihrer Mutter. Der ältere Bruder ist ein Mörder und Schläger, der jüngere Bruder der Sanftere, dem jedoch ein kurzes Leben beschieden ist. Die Familie ist sich untereinander fremd, so etwas wie Zärtlichkeiten gibt es nicht, man spricht nicht miteinander und sieht sich auch kaum an. Die Geschichte wird von der französischen Schriftstellerin erzählt, die in die Jahre gekommen ist - ihr Gesicht vom Alter und Alkohol gezeichnet.

    Auf einer Flussüberquerung lernt das damals 15-jährige Mädchen einen reichen chinesischen Geschäftsmann kennen. Dieser verliebt sich in sie, gegen den Willen seiner Eltern, schließlich ist das Mädchen weiß. Die Mutter des Mädchens toleriert die Liebschaft, weil sie auf Geld aus ist. Diese Liebe ist auch gegen den Willen des Mädchens. Sie möchte nicht als Geliebte, sondern als Prostituierte behandelt werden, weil sie weiß, dass sie nie bei dem Chinesen bleiben kann, sondern wieder nach Frankreich zurück muss. Auf ihr Verlangen hin weiht sie jedoch der Chinese in die Künste der körperlichen Liebe ein. Sie genießt diese Stunden, wonach er sie immer wieder in ihr Mädchenpensionat zurück bringt. Als nun der Tag kommt, an dem sie zurück in ihr Heimatland geht, wird ihr bewusst, dass sie einen Fehler gemacht hat...

    Die Geschichte Duras' ist verwirrend. Durch viele Zeitsprünge und das Einführen von Personen, die nicht weiter erklärt werden, wird der Lesefluss aufgehalten und umgeleitet, was meiner Meinung nach auch dem sprachlichen Talent der Erzählerin Einiges nimmt. Eigentlich ist die Geschichte sehr stimmungsvoll, man sieht direkt den Mekong vor sich hinplätschern. Aber eben jene untalentiert (Wiener würden sagen "patschert") ausgeführten Zeitsprünge legen eher den Schluss nahe, eine geistig verwirrte Erzählerin vor sich zu haben, die sich selbst nicht im Klaren ist, wie alt sie eigentlich ist und was sie erzählen möchte. Nichtmal die Geschichte selbst kann begeistern - obwohl das Potential dazu durchaus da wäre.

    1984 wurde das Buch ein Bestseller, erhielt sogar den "Prix Grancourt". Nicht nachvollziehbar für mich. Wahrscheinlich hat man sich saftige Sex-Szenen erwartet und das Buch deshalb gekauft. Die kann man aber lang suchen.




  • Gebundene Ausgabe: 193 Seiten
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1 (19. Februar 2005)
  • ISBN-10: 3937793488
  • ISBN-13: 978-3937793481

  • Montag, 23. Oktober 2006

    Die Stadt der träumenden Bücher




    Autor: Walter Moers
    Original: Die Stadt der träumenden Bücher (2004)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Der junge Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz hat - wie jeder Bewohner der Lindwurmfeste, die Hochburg der Dichtung - einen Dichtpaten. Sein Pate ist Danzelot von Silbendrechsler, ein zamonischer Dichter, der sein Leben vor allem dem Blumenkohl gewidmet hat. Dieser Dichtpate gibt nun sein Bestes, um dem jungen Lindwurm alles beizubringen, was er über Dichtung weiß. Schon im zarten Alter von 77 Jahren allerdings muss Hildegunst einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen. Sein verehrter Dichtpate stirbt in seinem Beisein - natürlich nicht, ohne ihm eine weitere wichtige Lektion in Dramaturgie zu erteilen. Auf dem Totenbett nämlich teilt ihm Danzelot mit, was sein Leben verändert hat.

    Eines Tages hat ihm ein junger Dichter ein Manuskript zur Beurteilung gebracht. Danzelot hat den Text gelesen und daraufhin beschlossen, die Dichtkunst an den Nagel zu hängen. Das Manuskript des Jünglings war nämlich so unbeschreiblich gut, dass Danzelot sicher war, niemals an diese Perfektion heranreichen zu können. Danzelot hat daraufhin das getan, was wohl jeder in seiner Situation getan hätte: Er schickte den jungen Dichter nach Buchhaim, eine Stadt, die nur aus Dichtern, Literaten, Antiquariaten, Bibliotheken, Verlagen, Rezensenten, Kritikern, Lesungen, Lebenden Zeitungen und allem, was mit Büchern zu tun hat, besteht. Seit dem aber hat Danzelot nichts mehr vom Verfasser des Manuskripts gehört. Im Sterben liegend verrät er seinem Dichtpatenkind Hildegunst, wo er das Manuskript versteckt hat.

    Nach dem traurigen Tod Danzelots macht sich Hildegunst daran, das Manuskript zu suchen. Als er es findet, ist auch er von dem Stoff schier überwältigt. Perfekt, das ist das wohl passende Wort für dieses Manuskript. Beim Lesen durchlebt er eine solche Vielfalt von Gefühlen, dass er beschließt, den Verfasser des Manuskripts zu suchen. Hildegunst begibt sich also auf den Weg in die Stadt der Bücher - nach Buchhaim. Der Lindwurm ist von der Stadt hingerissen. Neben allen möglichen zamonischen Daseinsformen gibt es da noch Lebende Bücher, Gefährliche Bücher, Träumende Bücher, Lebende Zeitungen... alles dreht sich in dieser Stadt um das gedruckte Wort. Zuerst genießt Hildegunst die vielen Eindrücke, die auf ihn einströmen, dann trifft er allerdings eines Tages auf den Literaturagenten Phistomefel Smeik. Er hofft, der gebildete und sympathische Mann kann ihm dabei helfen, den Verfasser des Manuskripts zu finden, deshalb zeigt er ihm den Text. Smeik geht es beim Lesen nicht anders, als zuvor schon Hildegunst. Doch in Buchhaim ist nicht alles so, wie es zu sein scheint. Ist Smeik etwa gar nicht der, der er vorgibt zu sein? Wer ist der Schattenkönig? Sind die Buchlinge so gefährlich wie ihr Ruf? Für Hildegunst beginnt eine abenteuerliche Reise unter Buchhaim, in die weitverzweigten und von gefährlichen Lebewesen bevölkerten Katakomben, aus denen es keinen Ausweg zu geben scheint. Außerdem nähert sich der Schattenkönig immer mehr...

    Die Werke von Walter Moers leben unter anderem von einer Art Überraschungs-effekt. Nicht alles ist wirklich so, wie es scheint. Deshalb soll an dieser Stelle von der Handlung der Geschichte nicht viel mehr verraten werden. Sicher ist jedoch, dass Moers auch hier wieder einen wunderbaren Abenteuer-Fantasy-Roman geschrieben hat, der von unzähligen teuflisch bösen und herzensguten zamonischen Daseinsformen bevölkert wird. Auch in diesem Werk, das den ersten Teil der Biografie des großen Dichters Hildegunst von Mythenmetz darstellt, wurde nicht an Illustrationen gespart. Auch die von anderen Werken bekannten verschiedenen Typografien kommen hier wieder zum Einsatz - allerdings weit sparsamer als etwa in "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" oder "Rumo".

    Mittlerweile ist wahrscheinlich weithin bekannt, dass Moers es liebt, in seinen Romanen Anagramme einzubauen. In "Die Stadt der träumenden Bücher" kommen beispielsweise Edgar Allen Poe (Perla la Gadeon), Rainer Maria Rilke (Alia Aria Ekmirrner), Oscar Wilde (Orca de Wils) und sogar Walter Moers selbst (Werma Tosler) vor. Man kann das Buch also in doppelter Hinsicht nutzen: lesen, mitfiebern und genießen, aber auch Anagramme suchen. Rund 20 bis 30 Literaten werden es schon sein, die man so entdecken kann.

    Doch nicht nur Literaten, sondern auch Stellen aus Filmen werden geschickt in die Handlung eingebaut. So gibt es eine Menge "Filmzitate", wenn man so will. Beispielsweise verbrennt der Schattenkönig, sobald er der Sonne ausgesetzt wird. Eine Eigenschaft, die einen an Vampire bzw. Graf Dracula erinnert (allerdings nicht an das Original von Bram Stoker, denn da hatte Dracula diese Eigenschaft nicht. Erst in der Verfilmung von Murnau ["Nosferatu"] wird Vampiren diese Lichtempfindlichkeit nachgesagt). 

    Natürlich liest man ein Buch nicht vorranging, um auf solche Details zu achten. Doch wenn man das Werk durch hat, lohnt es sich, einen zweiten Gedanken darauf zu verwenden. Der einfach gestrickte Leser kann sich mit dieser ersten Funktion begnügen, Filmfans und Literaturbewanderte haben aber sicherlich ihren Spaß daran, diese Anspielungen sowie die Literaten-Namen zu entdecken. Man merkt, dass Moers ein intelligenter (oder zumindest belesener) Mensch sein muss - eine Eigenschaft, die man ihm durch den niveaulosen Comic-Film "Das kleine Arschloch" gar nicht zutrauen würde.

    Vielleicht ist man anfangs ein wenig genervt, dass der eigentliche Handlungsstrang so langsam an Tempo gewinnt und einige Zeit überhaupt nicht weitergeführt wird, allerdings gibt sich dieser Eindruck ab der Stelle, an der Hildegunst das Trompaunen-Konzert verlässt. Zu kritisieren gibt es meiner bescheidenen Meinung nach am Ende nichts mehr - naja, vielleicht kommt das Ende etwas abrupt, jedoch tut dies dem Lesegenuss nicht wirklich einen Abbruch. Vielleicht schadet es nicht, zuerst andere Werke der Zamonien-Bücher zu lesen, um ein bisschen mit dieser Welt vertraut zu sein. Dieses Buch bildet eine Rückblende auf das Leben von Mythenmetz, der in den anderen Büchern ("Ensel und Krete", "Rumo und die Wunder im Dunklen" und "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär") schon mehrmals vorkommt.




  • Taschenbuch: 464 Seiten
  • Verlag: Piper Verlag GmbH; Auflage: 8 (Oktober 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492246885
  • ISBN-13: 978-3492246880
  • Samstag, 7. Oktober 2006

    Der Rabbi



    Autor: Noah Gordon
    Original: The Rabbi (1965)
    meine Bewertung: 3 von 5

    Dieses Werk von Noah Gordon erzählt die Geschichte von Michael Kind, einem jüdischen Rabbi. Wie gewohnt, springt die Erzählung in der Zeit hin und her. Man beginnt seine Zeitreise in der Gegenwart, bzw. in den 1960er Jahren - die Zeit, in der das Buch entstand. Michael Kind ist bereits Rabbi, allerdings lasten persönliche Probleme zur Zeit schwer auf seiner Seele. Seine Frau Leslie befindet sich seit einiger Zeit im Krankenhaus, weil sie in tiefste Depressionen verfallen ist. Rabbi Kind fühlt sich einsam, außerdem fehlt die Mutter auch den beiden Kindern Max und Rachel.

    Gerade zu dieser Zeit kommt die Einladung zum Klassentreffen seines College-Abschlussjahrganges. Er wird darin gebeten, kurz über sein Leben zu berichten. Michael setzt sich also hin und beginnt zu schreiben. Er beginnt dabei mit seiner Kindheit, die geprägt von seinem Großvater ist. Der kleine Junge verehrt den streng gläubigen Juden und verbringt viel Zeit mit ihm, da der alte Mann bei seiner Familie wohnt. Allerdings gibt es seinetwegen immer Streit. Michaels Mutter ist zwar Jüdin, allerdings nicht orthodox. Dem Großvater ist dies ein Dorn im Auge - was schließlich dazu führt, dass ihn Michaels Eltern ins Altersheim umsiedeln und ihm so seinen geliebten Großvater nehmen.

    Als Michael Physik zu studieren beginnt, sieht er seinen Großvater immer seltener, auch seine Familie. Er geht weg, um als Küchenhilfe zu arbeiten, lernt dort ein Mädchen kennen, erfährt dann vom Tod des Großvaters und geht wieder zurück zu seiner Familie. Michael, der schon längst bemerkt hat, dass das Studium der Physik nicht das ist, was ihn ausfüllt, steht vor der schwierigen Situation, seinen Eltern klar zu machen, dass er Rabbi werden möchte. Was er auch wird.

    Das Erwachsenenleben von Rabbi Kind gestaltet sich kompliziert. Die Welt ist antisemitischer als je zuvor eingestellt, er wird außerdem als Wanderprediger durch die Staaten geschickt, um abgelegene Dörfer zu besuchen und als seelischer Beistand zu fungieren. Auf einer dieser Touren lernt er ein katholisches Mädchen kennen - die Tochter eines Pfarrers. Fatalerweise verliebt er sich in dieses Mädchen, wissend, dass sein Großvater sich im Grabe umdrehen würde, wüsste er von Michaels Verhältnis mit einer schiksse...

    Auch dieses Werk von Noah Gordon widmet sich dem Judentum, zeigt die Probleme der jüdisch-gläubigen Menschen auf, die sich einer immer feindseliger werdenden Welt gegenübersehen und übt nicht zu geringe Gesellschaftskritik. Gordon versteht es außerdem wie kein anderer, Einblick in eine so komplexe und alte Religion zu geben. Erzählerisch ist die Geschichte makellos, auch die Charaktere der Personen sind dreidimensionale Akteure, nicht nur Namen. Leider liegt die Schwäche dieses Werkes für mich in der Handlung selbst. Es mangelt ihr an jeder Spannung, jeder Überraschung. Es ist ein Buch, von dem leider nicht besonders viel übrig bleibt, sobald man erst einmal die letzte Seite umgeblättert hat.

    Anders als in anderen Büchern von Noah Gordon hat man außerdem darauf verzichtet, ein Glossar mit der Erklärung der wichtigsten jiddischen Ausdrucke und Feste anzuhängen. Dies ist schade, denn als Christ, Moslem, Buddhist etc. kann man sich in der Regel zwar unter Begriffen wie Chanukka oder Jom Kippur aus Schulzeiten noch etwas vorstellen, anders verhält es sich allerdings mit ganzen Gebeten oder Redwendungen. An Werke wie "Der Medicus" oder "Der Diamant des Salomon" kann "Der Rabbi" also nicht herannreichen, trotzdem ist es keine Zeitverschwendung, auch dieses Buch von Gordon zu lesen.




  • Taschenbuch: 541 Seiten
  • Verlag: Goldmann (November 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442448425
  • ISBN-13: 978-3442448425
  • Donnerstag, 5. Oktober 2006

    Die Farbe Lila



    Autorin: Alice Walker
    Original: The Color Purple (1983)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Celie ist vierzehn, als sie damit beginnt, Briefe an Gott zu schreiben. Sie hat kein besonders gutes Leben, allerdings auch niemanden, dem sie sich sonst anvertrauen könnte. Das Briefeschreiben hilft ihr, ähnlich einem Tagebuch, damit klar zu werden. Es ist prinzipiell keine besonders gute Zeit in den amerikanischen Südstaaten für die Menschen mit dunkler Hautfarbe, aber die Tatsache, dass Celie nicht besonders klug oder hübsch ist, machen ihr das Leben noch schwerer. Nach dem Tod ihrer Mutter kümmert sich Celie um ihre Geschwister und den Haushalt.

    Zusätzlich erschwert wird ihr Leben durch die sexuellen Übergriffe ihres Vaters auf sie, die sie erträgt, in der Hoffnung, damit ihre Schwester Nettie  vor diesem Unheil zu bewahren. Lang kann sie diese Beschützerfunktion allerdings nicht ausüben. Ihr Vater verheiratet sie mit einem Mann, der jemanden braucht, um seine Kinder zu versorgen. Obwohl die Kinder frech und widerspenstig sind, versucht Celie all ihren Aufgaben nachzukommen. Das einzige, was ihrem trostlosen Leben noch Hoffnung gibt und sie am Leben hält, ist ein Foto der Sängerin Shug Avery. Sie bewundert diese starke Frau, die ihren Weg gemacht hat, sich ncihts von Männern und schon gar nicht von den Weißen sagen lässt.

    Als Shug, eine frühere Geliebte ihres Mannes, schließlich in die Stadt kommt und Unterkunft braucht, weil sie krank ist, kümmert sich Celie rührend um sie. Und das Starlet, das sich anfangs sehr kratzbürstig verhält, entwickelt ihrerseits eine tiefe Zuneigung diesem etwas naiven, aber liebenswürdigem Geschöpf. Sie nimmt Celie unter ihre Fittiche und hält deren Mann davon ab, sie weiter zu schlagen. Langsam, Schritt für Schritt, findet Celie dadurch Gott in sich selbst und zu einem besseren Leben.

    Alice Walker hat für dieses Werk, das von den Problemen, Ängsten, Sorgen und Nöten der Menschen mit dunkler Hautfarbe erzählt, den Pulitzer Preis erhalten, das Buch wurde mit Whoopi Goldberg und Danny Glover in den Hauptrollen verfilmt. Man mag die kleine Celie von Anfang an, man wünscht ihr von Herzen nur das Beste und vegießt vielleicht die eine oder andere Träne auf den letzten Seiten der Geschichte und schüttelt den Kopf über so manche Ungerechtigkeit.

    Das, was diese Geschichte wirklich ausmacht, ist ihr Potential, etwas zu verändern und Menschen zu sensibilisiern. Alice Walker schafft es - im Gegensatz zu Harriet Beecher-Stowe - ihre Protagonisten zum Leben zu erwecken und sie real darzustellen. Sie verfällt nicht in den Stow'schen Romantismus vom "Wilden", wahrscheinlich, weil Walker selbst dunkle Haut hat, Beecher-Stowe hingegen hellhäutig war und ihre Bücher ("Onkel Toms Hütte") aus einer anderen Perspektive heraus verfasste.

    "Die Farbe Lila" sollte auf jeden Fall zur Pflichtlektüre in der Schule erhoben werden, um Jugendlichen einen Blick sozusagen von innen heraus auf Thematiken wie Gewalt, Missbrauch und Diskrimination zu ermöglichen. Aber auch für jeden anderen auf jeden Fall eine wertvolle Leseerfahrung.




  • Taschenbuch: 250 Seiten
  • Verlag: Lübbe; Auflage: 4., Aufl. (Juni 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 340492133X
  • ISBN-13: 978-3404921331
  • Der satan... Wunschpunsch



    Autor: Michael Ende
    Original: Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch (1989)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Beelzebub Irrwitzer, der böse Zauberer und seine Tante, die Hexe Tyrannia, bekommen beide am Silvesterabend einen unerfreulichen Besuch. Maledictus Made, der Pfänder vom Fürst der Unterwelt persönlich, ist gekommen, um sie daran zu erinnern, dass sie nur noch wenige Stunden Zeit haben, um ihr vertraglich festgelegtes Jahressoll an Bösartigkeiten abzuleisten. Irrwitzer und Tyrannia geraten leicht in Panik. Tyrannia hat allerdings eine Idee. Sie ist im Besitz des Rezeptes für den satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch - allerdings hat sie nur eine Hälft, die andere hat Irrwitzer.
    Tyrannia macht sich also auf den Weg, um ihrem Neffen einen Besuch abzustatten undi hm den zweiten Teil des Rezeptes abzuschwatzen. Zur selben Zeit kommt auch ihr Rabe Jakob mit in die Villa Alptraum, um dort den Kater von Irrwitzer zu besuchen. Jakob und Kater Maurizio sind beide Spione des hohen Rates der Tiere, die dazu ausgesandt wurden, um größere Unglücke zu verhindern. Als die beiden von der Wirkung des Wunschpunsches hören, stockt ihnen beinahe der Atem.
    Ist der Wunschpunsch erst einmal gebraut, muss er noch  vor dem ersten Glockenschlag, der das neue Jahr einleitet, getrunken werden. Außerdem muss man das Gegenteil seiner Wünsche vorbringen, um seine Wünsche erfüllt zu bekommen. Wünscht man sich also Gutes, passiert Böses. Und genau das haben Irrwitzer und Tyrannia vor. Allerdings müssen sie ihre Wünsche eben gesagt haben, bevor der erste Glockenschlag ertönt, ansonsten passiert genau das, was man sich gewünscht hat. Maurizio und Jakob müssen etwas unternehmen, schließlich steht das Gute auf der ganzen Welt auf dem Spiel...
    "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" (irgendwann merkt man sich das Wort tatsächlich) ist eine wundervolle Geschichte von Michael Ende. Sie zeigt, welche guten Dinge eine ungewöhnliche Freundschaft bewirken kann, ist spannend  und unterhaltsam. Außerdem sind sogar die Bösewichte charmante Charaktere. Kinder werden auf jeden Fall ihren Spaß an diesem Buch haben, aber auch Erwachsene können ein paar nette Stunden damit verbringen. Am besten in der Zeit zwischen den Jahren, also zwischen Weihnachten und Silvester, lesen!



  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (November 2005)
  • ISBN-10: 3866151187
  • ISBN-13: 978-3866151185
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