Montag, 30. Januar 2006

Dr. Dolittle und seine Tiere



Autor: Hugh Lofting
Original: The Story of Dr. Dolittle (?)
meine Bewertung: 4 von 5

Dr. Dolittle ist ursprünglich ein Arzt für Menschen. Er lebt mit seiner Schwester Sarah gemeinsam in einem Haus in Puddleby in der Marsch. Sarah führt den Haushalt und Dr. Dolittle behandelt seine Patienten. Man kennt den netten Arzt und man schätzt ihn. Der Dr. verdient genug Geld um gut zu leben, macht sich aber nicht besonders viel daraus. Was er wirklich liebt, sind seine Haustiere.

Überall findet man die putzigen Tierchen. Da ist Jib der Hund, Tuh-Tuh die Eule, Polynesia, der Ara, Dab-Dab die Ente und schließlich noch Tschi-Tschi der Affe. Immer wieder geschehen kleinere Zwischenfälle, beispielsweise setzt sich eine der Patientinnen aus Versehen auf einen Igel, der auf der Couch schläft. Den Menschen wird Dr. Dolittle immer suspekter und sie beginnen, ihn zu meiden. Niemand scheint die Tierliebe des Doktors zu verstehen, nicht einmal seine eigene Schwester. Die packt eines Tages ihre Koffer und zieht fort, weil sie nicht mit den Tieren auskommt.

Immer weniger Menschen kommen zum Doktor und bald schon ist das Geld aufgebraucht. Gerade als er sich in einer schwierigen Situation befindet, schlägt ihm der Ara vor, doch die Sprache der Tiere zu lernen und Tierarzt zu werden. Der Doktor beginnt also zu lernen und ist mithilfe des Aras schon bald der einzige Mensch auf der Welt, der mit Tieren sprechen kann. Alte Damen kommen mit ihren Hündchen, die Bauern suchen ihn wegen Krankheiten ihres Viehs auf. Im Tierreich verbreitet sich schon bald die Nachricht über den hervorragenden Arzt und immer mehr Tiere kommen zum Doktor. Weil es ihnen bei ihm so gut gefällt, wollen sie gar nicht mehr weggehen. Der Doktor versteht das, darum ist es ihm auch egal, als er bald wieder ärmer und ärmer wird, weil sich die Damen mit ihren Hündchen nicht mehr zu ihm trauen. Schließlich lebt jetzt sogar schon ein Krokodil bei ihm!

Gerade als kaum mehr Essen im Haus ist, erhält der Doktor die Nachricht, er müsse ins ferne Afrika reisen, um den Affen zu helfen, die alle an einer schlimmen Krankheit leiden. Der Doktor packt seine Tiere zusammen, leiht sich ein Schiff und begibt sich auf große Abenteuerfahrt. Natürlich überstehen sie alle Widrigkeiten des Dschungels und kehren nach einem Jahr als Helden und mit genug Geld zum Leben nach Hause zurück.

Hugh Loftings Buch ist wirklich ideal für Kinder. Es hat alles, was ein gutes Kinderbuch braucht: Tiere, nette Menschen, Abenteuer und ein Happy-End. Außerdem findet man zahlreiche liebenswerte Illustrationen. Allerdings muss man bedenken, dass das Buch 1920 entstand, zu einer Zeit, in der noch nicht auf politische Korrektheit bei der Bezeichnung von Ethnien noch kein Wert gelegt wurde. So findet man mehrmals "Neger", die bis auf einen böse dargestellt werden. Vielleicht sollte man darauf achten, seinen Kindern gegebenenfalls zu erklären, dass es Worte gibt, die man heute nicht mehr sagen sollte, weil sich dadurch Menschen gekränkt fühlen. Ansonsten steht einem vergnüglichen Leseabend nichts im Weg!
Gebundene Ausgabe
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (November 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866151152
ISBN-13: 978-3866151154

Sonntag, 29. Januar 2006

Karibische Affaire



Autrin: Agatha Christie
Original: A Carribean Mystery (1964)
meine Bewertung: 5 von 5

Die gute alte Miss Marple verträgt den kalten und feuchten Winter in ihrem geliebten englischen Heimatdorf St. Mary Mead nicht mehr so gut, ihr Arzt rät ihr deshalb, einen Klimawechsel vorzunehmen. Miss Marples Neffe Raymond, der sich immer fürsorglich um sie kümmert, beschließt deshalb, ihr einen Aufenthalt in Westindien zu bezahlen, wie das jetzt (1964) ja so modern ist. Miss Marple ziert sich ein wenig, begibt sich dann aber auf die Reise.

Sie residiert in einem wirklich reizenden Bungalow, der zum Hotelkomplex des "Golden Palm" gehört. Dieses Hotel wird von dem jungen Unternehmerpaar Tim und Molly Kendal geführt. Viele reizende Menschen befinden sich unter den Gästen. Da ist der alte Major Pelgrave, der die übrigen Gäste mit langweiligen Geschichten aus seinem Leben zu unterhalten versucht, das "Kleeblatt der Ornithologen", bestehend aus Lucky und Greg Dyson und Evelyn und Edward Hillingdon, der behinderte Mr Rafiel, der sehr cholerisch ist und mit Sekretärin Esther und Masseur Jackson reist, schließlich sind da auch noch Kanonikus Prescott und dessen Schwester Joan.

Anfangs fühlt sich Miss Marple ja recht wohl, doch schon kurz nach ihrer Ankunft beginnt sie sich in der Idylle der westindischen Insel gewaltig zu langweilen. Ihr Leben beginnt wieder ein bisschen interessanter zu werden, als der alte Major Palgrave auf mysteriöse Art und Weise stirbt. Da erinnert sich Miss Marple an eine Geschichte, die ihr der Major erzählt hat: Sie handelte von einem Foto, auf dem sich angeblich ein Mörder befinden soll. Miss Marple wird misstrauisch und beginnt einmal mehr mit ihren Ermittlungen. In dem wenig charmanten Mr Rafiel findet sie einen Verbündeten.

Als ein weiterer Mord geschieht, sind sich Mr Marple und Mr Rafiel einig, dass so schnell wie möglich etwas unternommen werden muss. Sie kommen dem Mörder allerdings erst auf die Schliche, als ein weiterer Mensch daran glauben muss, doch Miss Marple gelingt es, die verworrenen Knoten der Geschichte restlos zu lösen.

Agatha Christie ist zurecht die "Queen of Crime". Dieses 1964 erstmals erschiene Werk ist ein Klassiker. Die sympathische Miss Marple, die sich bestens auf unauffälliges Schnüffeln versteht, verfügt über einen brillianten Verstand, den sie aber gut zu tarnen weiß. Dadurch gelingt es der schrulligen Lady immer wieder, gemeinen Mördern das Handwerk zu legen. Mit Miss Marple hat Christie eine legendäre literarische Figur geschaffen (in den Verfilmungen verkörpert durch Margareth Rutherford), die noch weit sympathischer ist als Hercule Poirot, allerdings mindestens so intelligent wie er und Sherlock Holmes. Christie wird die unangefochtene Meisterin ihres Faches bleiben. Am besten mit Keksen und Tee zu genießen!
Sondereinband
Verlag: Scherz; Auflage: 22., Aufl. (Mai 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3502514879
ISBN-13: 978-3502514879

Donnerstag, 26. Januar 2006

Kalle Blomquist Meisterdetektiv



Autorin: Astrid Lindgren
Original: Mästerdetektiven Blomkvist (1946)
meine Bewertung: 5 von 5

Kalle Blomquist ist 13 Jahre alt und träumt von einer Karriere als großer Meisterdetektiv. Er sieht sich schon als würdiger Nachfolger von Hercule Poirot, Lord Peter Wimsey und Sherlock Holmes, doch seine Freunde Eva-Lotta und Anders kostet dies nur ein Lächeln.

Es sind Sommerferien und so haben die drei schwedischen Freunde allerhand zu tun. Sie müssen mit ihrer Bande, der Weißen Rose, Kämpfe gegen die Mitglieder der Roten Rose ausstehen, Zimtwecken essen, kurz: viel Spaß haben und die Ferien genießen. Doch da kommt der Cousin von Eva-Lottas Mutter auf Besuch, Onkel Einar. Keiner der Kinder mag ihn besonders, doch Kalle hat ein ganz seltsames Gefühl in der Magengegend. Irgendwie ist etwas an diesem Cousin seltsam, aber so recht weiß Kalle noch nicht, was das sein könnte.

Aus reiner Routine, weil er doch schon üben muss, bis er wirklich ein Privatdetektiv ist, beobachtet Kalle Onkel Einar, beschafft sich dessen Fingerabdrücke heimlich und trägt so eine ganze Menge Indizien zusammen... nur wofür, das weiß Kalle erst, als er eine Perle in einem Schlosskeller findet und heimlich seltsame Leute aus Stockholm belauscht. Für Kalle setzen sich langsam die Teile eines großen Puzzles zusammen. Er verständigt seine Freunde und gemeinsam macht sich das Trio daran, eine verbrecherische Bande dingfest zu machen. Doch die Kinder ahnen noch nicht, in welch große Gefahr sie sich damit begeben.

Dieses Kinderbuch von Lindgren spielt in einer Zeit, in der Kinder noch draußen gespielt haben, es noch keine elektronischen Babysitter in Form von Fernseher und Computer gab und Freunde noch mehr waren als nur ein Nickname in einem Internetforum. Die Kinder in diesem Buch haben Spaß, genießen das Leben und verbringen ihre ganzen Ferien draußen. Eine Kindheit, wie sie die über Fünfzehnjährigen von uns noch selbst erlebt haben. Erwachsene versetzt es, ganz im Stil der "Fünf Freunde"Bücher, in tolle Kindheitserinnerungen und die Kinder unter uns werden vielleicht Lust darauf bekommen, sich ein paar Freunde zu suchen und ein Baumhaus zu bauen.
Gebundene Ausgabe: 140 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (September 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866151039
ISBN-13: 978-3866151031

Dienstag, 24. Januar 2006

Chase



Autor: Dean R. Koontz
Original: Chase (1972)
meine Bewertung: 4 von 5

Benjamin Chase kehrt aus dem Krieg in Vietnam zurück in seine Heimatstadt. Er ist schwer gezeichnet, hat Alpträume, ist in psychiatrischer Behandlung und ernährt sich praktisch von Jack Daniel's. Er kann einfach nicht vergessen, was in Vietnam geschehen ist, wo er eine tiefe Schuld auf sich geladen hat.

Ben wohnt in einer kleinen Dachgeschoßwohnung bei einer älteren Dame und liebt die Ereignislosigkeit. Er kann nichts mit der Welt da draußen anfangen, durch seine Teilnahme am Krieg sieht er keinen Grund mehr, in diese Gesellschaft zurück zu kehren. Ben will nichteinmal mehr leben, findet aber auch nicht den Mut, seinem Dasein ein Ende zu bereiten.

Seine tägliche Routine wird aber schon bald dadurch gestört, dass er vom Präsidenten eine Ehrenmedaille für seine Verdienste um das Land in Vietnam verliehen bekommt. Er wird von der Presse und den Menschen als Held verehrt, was er zutiefst verabscheut. Nach der Verleihung möchte er nur wieder zurück in seine Dachgeschoßwohnung mit der tristen Routine und dem Whiskey, doch ein zweites Ereignis verhindert dies. Durch Zufall beobachtet Ben einen Mann, der sich an das geparkte Auto eines jungen Liebespaares heranschleicht und sofort wittern seine kriegserprobten Sinne Gefahr. Er kann zwar den Mord an Michael Karnes nicht verhindern, nach einem erbitterten Kampf allerdings den an dessen Freundin Louise.

Die Presse ist natürlich wieder zur Stelle, Fotos von Ben werden landesweit in den Zeitungen veröffentlicht. Natürlich beginnt es den Mörder, der gerade noch fliehen konnte, ein wenig unangenehm zu werden, dass es einen Zeugen für seine Tat gab. Der Mörder beschließt deshalb, dass sein nächstes Opfer Ben sein muss. Er ruft Ben in seiner Wohnung an, stellt sich als "der Richter" vor und bereitet Ben regelrechten Psychoterror. Da es keine Beweise für die Anrufe gibt, glaubt die Polizei dem jungen Helden nicht, schließlich ist dieser in psychiatrischer Behandlung und hat ganz offensichtlich ein gewisses Problem mit Jack. Jack Daniel's.

Ben muss also die Sache selbst in die Hand nehmen. Während seiner Nachforschungen findet er auch einen Grund, der ihn dazu veranlasst, für sein Leben zu kämpfen: er verliebt sich in eine sanftmütige und kluge Frau. Schritt für Schritt tasten die beiden sich vor, stoßen auf einen Geheimbund und schon bald auf den wahren Mörder des jungen Mannes. Ein ungleicher Kampf entfacht, als sich Ben und er schließlich Auge um Auge gegenüber stellen.

Dieses Buch ist Koontz' Erstlingswerk, was aber keine Bewertung darstellen soll. Es ist spannend, ein wenig mysteriös und hat alles, was eine wirklich gute Geschichte braucht. Es ist ziemlich kurz (ca. 160 Seiten), aber trotzdem bringt der Autor Gesellschaftskritik, eine romantische Geschichte und einen Krimi darin unter, nicht schlecht! Man sollte sich wirklich die zwei Stunden Zeit nehmen, diese Buch zu lesen. Die Charaktere entwickeln sich, vor allem Chase, im Laufe der Geschichte weiter und Koontz lässt alle unnötigen Schnörkel weg. Den Abzugspunkt gibt es für die Tatsache, dass meiner Meinung nach am Ende einige Fragen offen bleiben und dieses Ding mit der Bruderschaft ein wenig weiter entwickelt hätte werden können.
Taschenbuch: 175 Seiten
Verlag: Heyne; Auflage: Vollst. überarb. Ausgabe. (September 1996)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453108159
ISBN-13: 978-3453108158

Samstag, 21. Januar 2006

Danse Macabre



Autor: Stephen King
Original: Danse Macabre (1981)
meine Bewertung: 2 von 5

In diesem Werk entführt uns Stephen King in die Welt des Horrors. Er hat versucht, eine Art Sachbuch zu verfassen, das sich mit dem Phänomen Horrorliteratur und Horrofilm auseinander setzt.

Das Resultat ist ein 650 Seiten umfassendes Buch, das uns einen Einblick in die Welt von King gibt. Natürlich ist sein Stil charmant und man hat das Gefühl, er wende sich direkt an den Leser. Weiters enthält dieses Buch, nach eigenen Angaben Kings, die wohl längste Fußnote der Welt - und trotzdem kann es selbst einen eingefleischten King-Fan wie mich nicht zu Begeisterungsstürmen hinreißen.

Es handelt sich um eine Abhandlung über Filme und Bücher "der letzten dreißig Jahre" - allerdings ist das Buch 1981 veröffentlicht worden und für einen Menschen wie mich, der damals noch nicht geboren wurde, sind vor allem die Filme dieser Zeitspanne weitgehend unbekannt. Bei den Büchern ist das anders, denn Klassiker wie Bram Stokers Dracula werden immer noch gerne gelesen.

Trotz Kings leichter Art und dem hintergründigen Humor ist das Buch keines, das man zum Vergnügen lesen sollte. Es handelt sich um ein Muss, wenn man sich ernsthaft für Horror und seinen Wandel im Laufe der Zeit interessiert, für Kings Motivation , Horror zu schreiben oder seine persönlichen Ansichten über Kollegen.
Taschenbuch: 687 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (2000)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548362591
ISBN-13: 978-3548362595

Mittwoch, 11. Januar 2006

Karlas Umweg



Autorin: Hera Lind
Original: Karlas Umweg (2005)
meine Bewertung: 2 von 5

Karla Umweg ist 24 Jahre alt, lebt bei ihren Eltern in Bad Orks und ist Klavierlehrerin in der dort ansässigen Musikschule. Eines Tages wird die graue, aber talentierte Maus vom Rektor der Musikschule dazu überredet, nach Berlin zu fahren und am dortigen Konservatorium vorzuspielen. Karla träumt von einer Karriere als Pianistin, deshalb sagt sie zu und fährt zum Vorspielen.

Dort läuft alles bestens für sie. Die Juroren sind begeistert und Karla erhält ein Hochbegabtenstipendium. Es dauert nicht lang, bis sich Karla in ein Studentenwohnheim einquartiert und der ganz normale Wahnsinn des Studentenlebens für sie beginnt. Täglich steht sie lange Schlange, um einen Übungsraum zu ergattern, kämpft um einen Sitzplatz in der Mensa und versucht, Freundschaften zu schließen.

Eines Tages sitzt sie während des Essens neben einem schmuddeligen Studenten, der sich als Matthäus vorstellt. Obwohl sich die beiden nicht kennen, bitten Matthäus sie, einen Gefallen für ihn zu tun. Er hätte zugesagt, beim Konzertexamen von Marie von Otten für den Pianisten die Noten umzublättern, allerdings sei er anderweitig verhindert. Karla sagt spontan zu und so findet sie sich am selben Abend auf einer Bühne wieder. Sie ist zwar nur die Blätterfrau, trotzdem lernt sie die fabelhafte und wunderschöne Sängerin Marie kennen.

Man ist sich sympathisch, deshalb wird Karla nun des öfteren gebeten, die Noten für Maries Pianisten umzublättern. Nach einiger Zeit wird Karla sogar in die Villa von Marie gebeten. Sie zieht in die luxuriöse Mansardenwohnung der imposanten Villa und wird schon bald Mädchen für alles. Unbezahlt passt sie auf den eineinhalbjährigen, sehr fetten Sohn von Marie auf, gibt Maries Mann Willem Tennisstunden, führt Dogge Olga aus und ist die private Butlerin von Marie. Karla beschwert sich nicht wirklich, auch wenn sie in ihrem Studium dadurch überhaupt nicht voran kommt und sie keine Zeit zum Üben hat.

Schließlich geht Marie, die von Karla über alles bewundert wird, auf Tournee. Karla kommt mit und lernt so auch die Liebschaften von Marie kennen. Da hat Karla gar kein schlechtes Gewissen, als sie sich in den so oft betrogenen Ehemann von Marie, Willem, verliebt. Es kommt natürlich wies kommen muss: Von einer Minute auf die andere bemerkt Willem, dass Karla mehr als nur ein Tennislehrer, Kindermädchen und Blätterfräulein ist und er verliebt sich in sie. Nebenbei wird Karla auch noch berühmt und Marie versauert im städtischen Chor.

Das Buch ist in Form eines Tagebuchs aus der Sicht von Karla verfasst. Es ist leider überhaupt nicht gegliedert und 430 Seiten lang nur langweilig. Man liest Huldigungsreden auf Marie, wie sich Karla selbst herunterstellt und dass Willem sie überhaupt nicht bemerkt. Auf den letzten 20 Seiten wird Karla plötzlich zum Opernstar, die eine fehlerfreie Carmen-Arie bei den Salzburger Festspielen schmettert und die von Willem geküsst wird. Schließlich 2 Seiten lang, was 20 Jahre später geschah. Natürlich sind Willem und Karla verheiratet, haben Kinder und Marie singt nur noch im städtischen Chor.

Es ist denkbar, dass Lind zwei verschiedene Strategien verfolgte: Entweder, die letzten 25 Seiten sind Träumereien von Karla, oder Karla hat gezielt versucht, Marie mit Beruhigungsmittel aus dem Weg zu räumen, so dass sie selbst die Carmen singen kann. Trifft ersteres zu, ist dieser Teil zu subtil, als dass er der Mehrheit auffallen könnte. Bei zweiterem ist es auch schade, dass dieses etwas kriminelles Element so im Verborgenen bleibt. Wenn keine der beiden Theorien zutrifft, war das Buch nur langweilig und hat trotz der manchmal etwas humorvollen Szenen und des sparsamen Wortwitzes nur einen Punkt verdient.

Wer Lind-Fan ist/war, sollte dieses Buch auslassen, wer sie noch nicht kennt, erst recht. Sie hat viel mehr drauf als dieses langweilige Zeug. Wer sie von ihrer wirklich talentierten Seite kennenlernen möchte, sollte "Hochglanzweiber", "Die Zauberfrau" oder "Der doppelte Lothar" lesen.
Broschiert: 320 Seiten
Verlag: Ullstein Tb; Auflage: 1 (Oktober 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548262864
ISBN-13: 978-3548262864

Donnerstag, 5. Januar 2006

Konrad



Autor: Christine Nöstlinger
Original: Konrad (1975)
meine Bewertung: 5 von 5

Frau Berti Bartolotti lebt alleine in ihrer Wohnung. Sie ist sehr chaotisch und liebt es bunt. Nichts hasst sie mehr, als Konventionalität. Frau Bartolotti hat auch einen Tick: Sie bestellt oft irgendwelchen Kram, den sie gar nicht gebrauchen kann. So ist sie auch nicht verwundert, als ihr der Paketbote eines Tages in gut 20 kg schweres Paket bringt, in dem sich nichts anderes befindet als eine überdimensionale Blechdose.

Erstaunt ist sie dann aber schon, wenn sie die Büchse öffnet und ein kleines, runzeliges Männlein daraus hervorspringt. Sie muss eine beigelegte Nährlösung über den Kleinen gießen, dann wird aus dem Männlein ein siebejähriges Kind. Ein beigelegter Brief informiert sie, dass das Kind Konrad heißt und sieben Jahre alt ist. Die Frau Bartolotti beschließt, den kleinen Kerl zu behalten, auch wenn sie sich nicht mehr daran erinnern kann, ein Kind bestellt zu haben. Außerdem entpuppt sich Konrad als sehr artiges Kind, ganz zur Freude von Herrn Egon, dem Freund von Frau Bartolotti.

Konrad ist ein wirklich außergewöhnliches Kind. Er ist folgsam, artig, klug und zuvorkommend. Ein richtiger Musterknabe. Das ist es auch, was ihn in der Schule sehr unbeliebt macht. Er verhält sich so, wie es die Lehrer für angemessen halten, darum verpetzt er seine Mitschüler, lässt sie nicht abschreiben und ist in allem der Beste. Die einzige, die seine Freundin wird, ist Kitt Rusika, die in der Wohnung unter Frau Bartolotti wohnt.

Gerade als sich alle an die Situation gewöhnt haben, bekommt Frau Bartolotti einen Brief, der sie darüber informiert, dass ihr Konrad versehentlich zugestellt wurde und er demnächst wieder abgeholt würde. So nicht mit Kitti, Konrad, Frau Bartolotti und dem Herrn Egon. Die vier hecken einen genialen Plan aus...

Christine Nöstlinger ist wohl die mit am meisten Humor gesegnete österreichische Schriftstellerin. Sie erzählt auf spannende Art und Weise eine Geschichte, die Kinder amüsiert und in der Erwachsene unschwer eine Menge Gesellschaftskritik entdecken können. Sehr empfehlenswert!
Gebundene Ausgabe: 141 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (September 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866151055
ISBN-13: 978-3866151055