Montag, 27. Februar 2006

Geisterstunde



Autor: Wolfgang Hohlbein
Original: Geisterstunde - Nemesis Band 2 (2004)
meine Bewertung: 3 von 5

Da es sich hier um einen Fortsetzungsroman handelt, hier noch einmal kurz zur Erinnerung, was bisher geschah: Sechs potentielle Erben (drei Männer und drei Frauen) halten sich in einem alten Schloss/Internat/Kloster auf, das unheimlich wirkt und von der Außenwelt nahezu abgeschlossen ist. Im ersten Band erfahren die um viele Ecken Verwandten, dass zwei von ihnen nach dieser Nacht das Gebäude als reiche Erben verlassen werden. Das Erbe ist allerdings an seltsame Bedingungen geknüpft, die vor Erbantritt erfüllt werden müssen.

Im ersten Band erleben die Verwandten, die sich allesamt nicht besonders sympathisch sind, einen gemeinen Angriff von Fledermäusen, außerdem sterben zwei Personen, die nichts mit dem Erbe zu tun haben, sich aber trotzdem auf Crailsfelden (wie das Kloster/Internat bzw. die Burg heißt) aufhalten. Zwei der Erben wollen hinunter ins Dorf fahren, um Hilfe zu holen, allerdings passiert ein gefährlicher Unfall, kurz bevor die beiden das Gelände verlassen können.

Genau an dieser Stelle beginnt der zweite Band der Reihe. Der Ich-Erzähler berichtet von den weiteren Vorkommnissen, die immer mysteriöser werden. So stirbt eine weitere Person, die Visionen, die Déjà-vus sehr ähnlich sind, werden immer stärker und die Truppe der Erben stößt auf seltsame Fotos, auf denen sie selbst abgebildet zu sein scheinen. Allerdings handelt es sich um Bilder aus den 50er Jahren, die am Gelände des damaligen Klosters aufgenommen wurden. Alle Erben sind sich sicher, nie zuvor auf Crailsfelden gewesen zu sein. Außerdem ist da noch diese Geschichte um den Lebensborn e.V. aus der Zeit der Nazi-Herrschaft und das verschwundene Zahngold der Juden...

Wie schon zur Rezension des ersten Teils möchte ich hier nochmal anmerken, dass eine Ich-Erzählung in diesem Genre etwas seltsam anmutet, allerdings scheint diese Erzählperspektive für den Spannungsaufbau der Geschichte wichtig zu sein, denn so bleibt bis zum Ende die Frage offen, wer der potentiellen Erben ein Mörder sein könnte. Die Spannung ergibt sich aus der Tatsache, dass man immer nur genau soviel weiß wie der Erzähler und sich quasi mit ihm solidarisiert.

Drei Punkte gibt es wegen der netten Unterhaltung, die das Büchlein darstellt, allerdings muss ich das Lektorat heftigst kritisieren. Man kann nicht selten Wortwiederholungen entdecken, die einfach störend wirken, zumal sie meist direkt aufeinander folgen.

Die Geschichte selbst geht bis zu diesem Zeitpunkt in sehr viele Richtungen, wodurch die 175 Seiten recht überladen wirken: Da ist zum einen die "übersinnliche" Richtung mit Fledermäusen, Visionen und huschenden Schatten, dann gibt es die klassische Whodunnit-Richtung mit manipulierten Brunnenschächten und einem Dolch im Rücken, es gibt die Geschichte um Verwandte, die sich um ein Erbe streiten und dann noch die Ränke ums Dritte Reich - dafür gibts die Abzugspunkte.

Natürlich werde ich weiterlesen und sehen, was sich aus diesem Potential noch entwickelt, auch wenn die Geschichte sehr an die "Blackstone-Chroniken" von Saul angelehnt scheint. Für Interessierte: hier gehts zur Rezension des ersten Teils.
Broschiert: 175 Seiten
Verlag: Ullstein Tb; Auflage: 1 (August 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548258891
ISBN-13: 978-3548258898

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