Mittwoch, 26. April 2006

Kaltblütig



Autor: Truman Capote
Original: In Cold Blood (1965)
meine Bewertung: 5 von 5

Holcomb ist eine kleine Stadt in Kansas. Ihre Bürger setzten sich durchwegs aus fleißigen und ehrlichen Menschen zusammen, der Großteil unter ihnen sind Farmer. So auch die Familie Clutter. Sie besteht aus 3 Töchtern, einem Sohn, Vater und Mutter. Die ältesten beiden Töchter wohnen nicht mehr auf der Farm, die 17-jährige Nancy und ihr etwas jüngerer Bruder Kenyon leben noch im Haus mit ihren Eltern Herb und Bonnie.

Die Familie ist hoch angesehen, Herb Clutter fleißig und intelligent, die Kinder nett und höflich, die Mutter nervlich etwas labil. Die Familie macht im Großen und Ganzen einen sehr glücklich Eindruck und ist beliebt. Deshalb ist es umso verwunderlicher, als eines Morgens die ganze Familie kaltblütig ermordet im Haus aufgefunden wird. Das Motiv bleibt vorerst im Dunklen. Geraubt wurde nichts, bis auf ein paar Dollar und Feinde hatten die Clutters auch nicht.

Die Stadt ist verstört. Jemand von ihnen ist ein Mörder. Die braven Bürger von Holcomb können einander nicht mehr trauen. Wenn es sogar so unbescholtene und fast vorbildliche Einwohner wie die Clutters treffen kann. Es dauert zum Glück jedoch nicht lang, bis die Polizei durch Zufall den Mördern auf die Schliche kommt und das wahre Motiv herausfindet.

Truman Capote hat einen wahrlich wunderbaren Roman geschaffen. Es handelt sich um einen Tatsachenbericht, der dadurch so spannend und beängstigend wird, da man zeitgleich mit den Clutters auch die Mörder vorgestellt bekommt und fast minutiös Zeuge des Verbrechens wird, das eigentlich nicht hätte geschehen müssen - wären nicht zwei so explosive Charaktere wie die tatsächlichen Täter aufeinander getroffen.

Man erwischt sich dabei, wie man mitfiebert und wider aller Vernunft hofft, die beiden würden sich noch im letzten Moment besinnen und die armen Clutters verschonen. Da man aber auch viel über die Hintergründe der Täter erfährt, lernt man sie quasi besser kennen und auch bis zu einem gewissen Grad verstehen. Ein wirklich gelungener Tatsachenbericht, der sich wie ein Roman liest und gerade durch seine Realität viel an Spannung erhält.
________________________________________
• Taschenbuch: 309 Seiten
• Verlag: Rowohlt Tb. (August 1969)
• Sprache: Deutsch
• ISBN-10: 3499111764
• ISBN-13: 978-3499111761

Montag, 17. April 2006

Todesmarsch



Autor: Stephen King
Original: The Long Walk (1979), als Richard Bachmann
meine Bewertung: 5 von 5


Einmal im Jahr lassen sich genau einhundert amerikanische Jungs auf ein gefährliches Spiel ein. Sie alle begeben sich auf den Langen Marsch, der am 1. Mai in Maine beginnt und so lange dauert, bis alle am Ende sind und nur noch ein Geher sich auf den Beinen halten kann. Und am Ende bedeutet nicht etwa, körperlich und geistig zu erschöpft, um weitergehen zu können - nein, am Ende bedeutet: tot.


Die Regeln sind genauso simpel wie grausam: Der Major, eine aus dem Fernsehen bekannte Figur (vielleicht so etwas wie der Präsident?), eröffnet jedes Jahr am 1. Mai um 9 Uhr vormittags den Marsch. Hundert junge Männer, die zuvor ausgewählt wurden, nehmen daran teil. Jeder hat eine Feldflasche und Nahrungsmittelkonzentrate bei sich. Am Straßenrand werden sie von mehreren Panzerfahrzeugen begleitet, die allesamt mit Radar ausgestattet sind. Die Mindestgeschwindigkeit beträgt 4 mph.

Sobald einer der Teilnehmer langsamer als vier Meilen pro Stunde geht, erhält er eine Verwarnung. Insgesamt kann ein Kandidat drei Verwarnungen bekommen. Diese Verwarnungen kann er abbauen, indem er eine ganze Stunde lang keine weitere Verwarnung bekommt.


Nach drei Verwarnungen ist die Sache gelaufen: Lesitet man sich erneut einen Fehltritt oder wird man langsamer als 4 mph wird man ohne weitere Verwarnung erschossen. Der Gewinner ist derjenige, der den Tod 99 anderer überlebt hat. Er darf sich alles wünschen, was er möchte und ist für den Rest seines Lebens ein reicher Mann. Übrigens darf man nicht einmal stehen bleiben, um zu urinieren oder seinen Darm zu entleeren.


Der Held dieser Geschichte ist Ray Garraty. Er findet unter den anderen 99 Teilnehmern schnell einige Freunde. Natürlich fällt einem so das Marschieren anfangs leichter, doch immer wieder holt ihn die Realität ein: es wird ihm klar, dass keine der Freundschaften Bestand haben wird, weil seine Freunde am Ende des Marsches alle tot sein werden, so wie er selbst wahrscheinlich auch.


King hat ein einmaliges Buch geschaffen. Obwohl ihm nicht viel Erzählbreite bleibt, weil er das Geschehen auf den Langen Marsch eingeschränkt hat, wird das Buch an keiner Stelle langweilig. Man fiebert mit den Jungs mit, man fragt sich, wie man so blöd sein kann, so etwas mitzumachen, man hat einfach keine Ruhe, bis die Sache durchgestanden ist.


Bei diesem Werk handelt es sich mehr um einen Psychothriller, eigentlich so gut wie gar nicht um einen Horrorroman. Ursprünglich wurde es unter Stephen Kings Pseudonym Richard Bachmann veröffentlicht und am Beginn der Neuauflage (die bereits mit Stephen King betitelt ist), gibt King ein sehr persönliches Vorwort, das seine Gefühle schildert, die er beim Lüften seines Pseudonyms hatte. Schon alleine deshalb ist die Geschichte lesenswert - allerdings ist auch die Haupthandlung des Romans einfach genial.



Wer "Todesmarsch" nicht kennt, hat definitiv etwas versäumt!


Broschiert: 362 Seiten

Verlag: Ullstein Tb; Auflage: 1 (Januar 2006)

Sprache: Deutsch

ISBN-10: 3548263275

ISBN-13: 978-3548263274

Donnerstag, 13. April 2006

Die Stunde des Wolfs



Autor: Wolfgang Hohlbein
Original: Die Stunde des Wolfs (2004)
meine Bewertung: 3 von 5
Band 5 der Serie "Nemesis"

Mit "Die Stunde des Wolfs" hält man den fünften Teil der sechsteiligen Nemesis-Serie in Händen. Im ersten Band (Die Zeit vor Mitternacht) treffen sechs Personen auf einer Burg in Deutschland aufeinander. Sie alle wurden hinbestellt, weil sie angeblich ein unglaubliches Erbe erwartet, falls sie bestimmte an das Testament eines angeblich entfernten Verwandten geknüpfte Bedingungen erfüllen.

Die weiteren Bände (Geisterstunde, Alptraumzeit, In dunkelster Nacht) beschreiben, was des Weiteren auf Burg Crailsfelden - in einer einzigen Nacht wohlgemerkt, passiert. Anscheinend schleicht sich ein brutaler Mörder in den alten Gemäuern herum - oder ist derjenige, der schon drei Menschen auf dem Gewissen hat, gar einer der sechs potentiellen Erben?

Unheimliche Dinge geschehen und weil die übrigen drei Personen + der Gastwirt des Dorfes keine Möglichkeit haben, die Burg zu verlassen, müssen sie eben nach einer Möglichkeit suchen, diese Nacht zu überstehen - aber wer garantiert ihnen, dass dann alles besser wird?

Nachdem alle vorigen Bände durchwegs als uninteressant und sehr konstruiert zu bezeichnen sind, wird man von diesem Teil endlich positiv überrascht. Hohlbein scheint sich im vorletzten Teil endlich dafür entscheiden zu können, was wirklich auf der Burg vorgeht. Der fünfte Teil ist spannender, als seine Vorgänger (keine Kunst, selbst "Bambi" ist spannender) und auch endlcih ein wenig gruselig.

Natürlich kommt das um fünf Teile zu spät und über die sehr unglaubwürdige Sprache Hohlbeins und die misslungene Erzählperspektive mag ein wenig Spannung auch nicht hinweghelfen. Außerdem wird wahre Horror-Fans sehr stören, dass der Name des Großmeisters Stephen King am Rande mal auftaucht - und dann nochdazu falsch geschrieben ist.


  • Broschiert: 155 Seiten
  • Verlag: Ullstein Tb; Auflage: 1 (Dezember 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548259731
  • ISBN-13: 978-3548259734
  • Das Leben ist kurz



    Autor: Jostein Gaarder
    Original: Vita Brevis (1996)
    meine Bewertung: 4 von 5

    Jostein Gaarder stöbert in einem Anitquariat in Buenos Aires und findet prompt ein paar in lateinischer Sprache beschriebene Bögen Pergament. Die ersten Zeilen übersetzt er mit "Floria Aemilia grüßt Aurel Augustin, Bischof von Hippo". Sofort ist er von dem Schriftstück in seinen Bann geschlagen worden. Er hegt den Verdacht, dass es sich um einen Brief von Floria, der Geliebten vom später heilig gesprochenen Augustinus, an eben jenen handelt. Unsicher, ob es sich wirklich um diese Floria handelt, erwirbt er die Bögen und macht sich an eine Übersetzung.


    Es geht tatsächlich um eben jenen Augustinus, der in seinem Werk "Bekenntnisse" ("Confessiones") über sein Leben und darüber schreibt, wie er Gott huldigen möchte. Er will dies tun, indem er jeder körperlichen Lust entsagt und sein Leben ganz Gott widmet. Zu diesem Zweck hatte er seine Geliebte Floria verlassen, mit der er auch einen gemeinsamen Sohn hatte.


    Der Brief, den der Leser nun in Händen hält, wendet sich an Augustinus und ist sozusagen eine Antwort, beziehungsweise eine Gegendarstellung aus der Sicht einer sehr gebildeten und modern denkenden Frau. Floria lässt sich nichts gefallen, sie zeigt Denkfehler in Augustinus' kirchlicher Lehre auf und scheint in ihrer Argumentation sehr schlüssig vorzugehen.


    Das Büchlein liest sich sehr flott, man sieht Floria förmlich vor sich, wie sie mit vor Erregung glühenden Wangen zeitweise wütend, zeitweise melancholisch, aber immer sachlich, ihren Brief verfasst. Ein wirklich empfehlenswertes Buch! Den Abzugspunkt gibt es dafür, dass man das Buch wahrscheinlich noch mehr genießen kann, wenn man die "Confessiones" von Augustinus und dessen Lehren kennt.


    Taschenbuch: 130 Seiten

    Verlag: Dtv (Dezember 1999)

    Sprache: Deutsch

    ISBN-10: 3423127112

    ISBN-13: 978-3423127110

    Dienstag, 11. April 2006

    Drei Männer im Schnee



    Autor: Erich Kästner
    Original: Drei Männer im Schnee (1931)
    meine Bewertung: 3 von 5

    Der Millionär Tobler nimmt an einem Preisausschreiben teil und gewinnt auch prompt den ersten Platz: einen Aufenthalt im Grandhotel Bruckbeuren, einer Nobelabsteige für Skifans der oberen Gesellschaftsschicht aus aller Welt. Da Tobler aber etwas eigenwillig ist, beschließt er, sich als armer Mann zu verkleiden und so die Reise anzutreten. Er möchte erfahren, wie sich die Leute ihm gegenüber verhalten, wenn sie in ihm nicht den Millionär, sondern einen armen Mann sehen.

    Da der Geheimrat allerdings nicht alleine reisen möchte, nimmt er seinen Butler Johann Kesselhuth mit. Dieser soll sich allerdings als millionenschwerer Reeder ausgeben.

    Neben Tobler, der unter dem Namen Schulz reist, hat noch ein Anderer beim Preisausschreiben gewonnen: Fritz Hagestolz, ein arbeitsloser Werbetexter. Auch er macht sich auf den Weg ins Grand Hotel, um dort seinen gewonnen Aufenthalt zu genießen. Vor Ankunft der beiden Gäste erhält man im Hotel einen Anruf von Fräulein Hilde, Toblers Tochter. Diese macht sich große Sorgen um ihren Vater, deshalb warnt sie den Portier vor, indem sie ihm mitteilt, ein als armer Mann verkleideter Millionär würde sich im Hotel einfinden, da er beim Preisausschreiben gewonnen hat.

    Dass zur selben Zeit zwei ärmlich gekleidete Männer sich im Hotel einquartieren, konnte sie ja nicht wissen. Da allerdings Hagenstolz um einige Minuten vor Schulz (Tobler) eintrifft, hält man ihn für den verkleideten Millionär und behandelt ihn natürlich mehr als zuvorkommend. Den wirklichen Millionär hingegen quartiert man in einer ungeheizten Dachkammer ein und möchte ihn so schnell wie möglich wieder vergraulen.

    Die drei Herren Schulz, Kesselhuth und Hagestolz freunden sich trotz aller Verschiedenheiten an und haben so viel Spaß im Hotel. Richtig verwirrend wird die Geschichte, als Toblers Tochter sich im Hotel einquartiert, Hagestolz sich in sie verliebt und auch noch beim Tobler Konzern eine Stelle bekommt. Trotz aller Verwechslungen findet die Geschichte natürlich ein Happy-End und Tobler ist um einige Erfahrungen, was die Menschen betrifft, reicher.

    Kästner hat eine leicht amüsante Verwechslungsgeschichte geschrieben, die zu einigen netten Lesestunden verhilft. Er hat einiges an Gesellschaftskritik hinein verpackt und mit seiner Hauptfigur bewiesen, dass Geld nicht unbedingt den Charakter des Besitzers, sondern vielmehr der Umgebung des Besitzerts, verdirbt. Trotz der netten und sympathischen Hauptfiguren ist es ein ziemlich langatmiges Werk, das nur hier und da Kästners Humor durchscheinen lässt.


  • Taschenbuch: 208 Seiten
  • Verlag: Dtv (Januar 1988)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3423110082
  • ISBN-13: 978-3423110082
  • Freitag, 7. April 2006

    Dennis



    Autor: Jordan Horowitz
    Original: Dennis the Menace (1993)
    meine Bewertung: 2 von 5

    Gerade haben die großen Ferien begonnen und vor dem kleinen Dennis liegt ein Sommer voller Abenteuer. Doch nicht nur für ihn werden die Ferien aufregend, sondern auch für seine Eltern, Nachbarn, Freunde - kurz: für alle, die mit ihm zu tun haben.

    Dennis ist nämlich kein normaler Junge. Dennis ist außergewöhnlich. Er ist ein außergewöhnlicher Quälgeist. Wenn er auf seinem klapprigen Fahrrad durch die Straßen seiner Stadt fährt, fliehen Katzen und selbst Eichhörnchen suchen das Weite. Das ist auch das, was Mr Wilson, der ältere Nachbar der Mitchells, gerne machen würde: Weit, weit weg sein, wenn Dennis kommt. Leider mag seine Frau Martha den kleinen Jungen sehr und Dennis hingegen vergöttert Mr Wilson. Da ist es kein Wunder, dass er viel Zeit bei den Wilsons verbringt und auch dementsprechend viel Chaos anrichtet.

    Eines Tages müssen die Eltern von Dennis auf eine wichtige Reise gehen, deshalb muss jemand gefunden werden, der auf Dennis aufpasst. Jeder Babysitter legt den Telefonhörer auf, wenn er nur den Namen "Dennis" hört, doch Martha Wilson erklärt sich nur allzu gern dazu bereit, Dennis für eine Nacht in ihrem Haus aufzunehmen. Natürlich ist Mr Wilson alles andere, als begeistert. Er hat sogar richtig Angst.

    Natürlich kommt alles so, wies kommen muss: Der Aufenthalt bei den Wilsons artet in Chaos aus, Mr Wilson verliert fast die Nerven und jagt deshalb Dennis von Dannen. Der kleine Junge flieht in den Wald, wo er auf einen Räuber stößt, den er allerdings auf erstaunliche Art und Weise beinahe um den Verstand und für einige Zeit hinter Schloss und Riegel bringt.

    "Dennis" von Jordan Horowitz ist das Buch zum gleichnamigen Film mit dem legendären Walter Matthau in der Rolle des griesgrämigen, doch am Ende reumütigen, Mr Wilson und Mason Gamble in der Rolle des Titelbalgs - äh... Titelhelden. Der Film ist wirklich sehr empfehlenswert für die ganze Familie und kein bisschen "alt", obwohl er schon vor mehr als 13 Jahren seine Premiere feiert. Das Buch hingegen ist wohl eher für die jüngere Generation gedacht und außerdem nur dann wirklich komisch, wenn man auch den Film gesehen hat.

    Kennt man nur das Buch und den Film nicht, passiert einem sicherlich zu viel an Unglaubwürdigem und Zufällen auf den rund 160 Seiten des Büchleins. Zu bemängeln ist außerdem die ständige Wortwiederholung "Switchblade Sam" und ein ziemlich nachlässiges Lektorat, was die Orthografie betrifft. Ansonsten ist das Buch für jedes Kind, das den Film kennt, sicherlich ein ziemlicher Spaß.


  • Broschiert: 171 Seiten
  • Verlag: Lübbe (1993)
  • ISBN-10: 3404121562
  • ISBN-13: 978-3404121564
  • Donnerstag, 6. April 2006

    In dunkelster Nacht



    Autor: Wolfgang Hohlbein
    Original: In dunkelster Nacht (2004)
    meine Bewertung: 1 von 5
    Serie: Nemesis; Band 4

    "In dunkelster Nacht" ist der vierte Teil der "Nemesis"-Reihe von Wolfgang Hohlbein. Aus den Vorgängertiteln (Die Zeit vor Mitternacht, Geisterstunde und Alptraumzeit) wissen wir bereits, dass sechs Personen auf Burg Crailsfelden eingesperrt sind. Die sechs Personen haben etwas gemeinsam: Sie alle sind angeblich Nachfahren von Klaus Sänger, einem reichen und bereits verstorbenen Verwandten. Sie haben sich zur Testamentseröffnung auf der Burg eingefunden, doch irgendwie kommt alles anders, als sie erwartet hatten.


    An das Testament sind unverschämte Bedingungen geknüpft, außerdem scheint ein brutaler Mörder unter ihnen zu sein. Zu Anfang des vierten Bandes ist außer den drei potentiellen Erben Judith, Ellen und Frank noch der Hausmeister der Burg, Carl, am Leben.


    Der vierte Teil ist komplett unnötig. Zumindest kommt es mir jetzt noch so vor, weil ich den fünften Teil bis jetzt ja noch nicht kenne. Es passiert nichts Neues, man erfährt nichts Neues und verfolgt statt dessen 168 Seiten lang öde, konstruierte Dialoge, die unwirklicher nicht sein könnten. Hohlbein scheint ein Meister darin zu sein, Sätze mit möglichst vielen Adjektiven und Adverben bilden zu können.


    Den fünften Teil habe ich schon daheim, natürlich werde ich auch diesen lesen. Ich will ja schlussendlich wissen, wie und ob Hohlbein es noch schafft, diesen Karren aus dem Dreck zu holen. Bislang der enttäuschendste Teil der "Nemesis"-Quintologie!


    Broschiert: 168 Seiten

    Verlag: Ullstein Tb; Auflage: 1 (November 2004)

    Sprache: Deutsch

    ISBN-10: 3548259650

    ISBN-13: 978-3548259659

    Dienstag, 4. April 2006

    Katz und Maus



    Autor: Günter Grass
    Original: Katz und Maus (1961)
    meine Bewertung: 3 von 5

    Der Erzähler von Günter Grass' Novelle "Katz und Maus" ist Pilenz, doch nicht er spielt die Hauptrolle in der Geschichte, sondern dessen Freund Joachim Mahlke. Die Erzählung von Pilenz beginnt mit einer Beschreibung Mahlkes. Mahlke war immer eine Art Außenseiter, vor allem dann, als ihm in der Pubertät ein gewaltiger Adamsapfel wächst, der von Pilenz "die Maus" genannt wird. Als Mahlke eines Tages rücklings im Gras liegt, kommt Pilenz auf die Idee, eine Katze auf Mahlkes Adamsapfel anzusetzen. Tatsächlich bemerkt das Tier den hüpfenden Adamsapfel und springt Mahlke deshalb an die Gurgel. Dieser wird zwar nicht ernsthaft verletzt, trägt aber schon einige Kratzer davon.


    Mahlke wird aufgrund dieses Vorfalles bewusst, dass er mit dem Adamsapfel einen Makel an sich trägt. Deshalb lässt er sich immer wieder neue Strategien einfallen, um davon abzulenken. Im ersten Sommer hängt er sich einen riesigen Schraubenzieher an einem Schnürsenkel um den Hals, er trägt Schals, Puscheln, Krawatten und später einen Orden.


    Den Orden stiehlt er von einem Kriegsheimkehrer, der auf ihrer ehemaligen Schule einen Vortrag hält. Von Anfang an wird Mahlke von seinen Mitschülern verdächtigt, das Abzeichen gestohlen zu haben. Er wird aber erst bestraft, als er sich selbst stellt. Die Folge ist ein Rauswurf aus seiner alten Schule.


    Freunde hatte Mahlke nie wirklich. Es gelingt ihm zwar, von einer Gruppe Jugendlicher, zu der auch Pilenz gehört, Anerkennung zu bekommen, dennoch wird er nicht wirklich in die Gemeinschaft integriert. Vor allem durch seine gewagten Tauchgänge in ein versunkenes Marinesuchboot erhält er einige Bewunderung, zumindest Respekt, von seinen Altersgenossen. Er bevorzugt die Isolation, dennoch hat er viel mit Pilenz zu tun, der Mahlke fast hörig ist.


    Nachdem er einen Sommer in einem Wehrertüchtigungslager verbracht hat, geht Mahlke selbst zum Militär, um sich seinen eigenen Orden zu verdienen. Es gelingt ihm, doch wird ihm untersagt, auf seiner alten Schule eine Rede zu halten - aufgrund seiner Vergangenheit. Mahlke geht daraufhin nicht zum Militär zurück, sondern verschwindet ganz in die Isolation. Er zieht sich in einen Raum des gesunkenen Minensuchbootes zurück und ward dann nie wieder gesehen.


    Der Ich-Erzähler Pilenz erzählt vor allem aus der Jugendzeit Mahlkes. Die Geschichte spielt mitten im Zweiten Weltkrieg. Es ist eine Zeit, in der rationiert wird, Schule einer militärischen Ausbildung gleicht und die Messen in der Kirche noch auf Latein gehalten werden. Es scheint eine Art schlechtes Gewissen zu sein, die Pilenz dazu treibt, von Mahlke zu erzählen.


    "Katz und Maus" ist der zweite Teil der sogenannten "Danziger Trilogie" von Günter Grass (weitere Teile sind "Die Blechtrommel" und "Hundejahre"). Das Buch beschreibt einen Außenseiter, der hin und her gerissen ist zwischen der Hoffnung, auf Anerkennung und Freundschaft zu stoßen und dem Bedürfnis, allein zu sein. Der Ich-Erzähler bleibt eher emotionslos in seiner Beschreibung, dennoch - oder gerade deswegen - bekommt man einen guten Eindruck von der damaligen Zeit und der verzweifelten Person des Joachim Mahlke.


    Gebundene Ausgabe: 142 Seiten

    Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1 (3. April 2004)

    Sprache: Deutsch

    ISBN-10: 393779302X

    ISBN-13: 978-3937793023