Samstag, 17. Juni 2006

Bestien unter sich




Autor: Jerry Cotton (Pseudonym f. div.)
Original: Bestien unter sich (1969)
meine Bewertung: 0 von 5


Dieser Fall des FBI-Geheimagenten Jerry Cotton erzählt von einer Außenseiterbande, der anscheinend der ganz große Coup gelungen ist. Bei einem Überfall auf eine Firma, die Geld instand setzt, konnten 2 Millonen Dollar erbeutet werden. Die alteingesessene Unterwelt brennt natürlich darauf, die Außenseiter in die Finger zu bekommen, um sich ihren eigenen Anteil an der Beute zu sichern.
Spätestens dann, als noch ein Mord passiert, ist für Jerry Cotton klar, dass sich nicht nur das FBI auf die Suche nach den Dieben gemacht hat, sondern auch die Verbrecherbande rund um Dark Oxleygh. Natürlich kommen auch wieder einige der obligatorischen "Girls" vor und es dürfte wohl auch niemanden verwundern, dass Cotton mehr Leben als eine Katze zu haben scheint und noch dazu mehr Glück als Gustav Gans. Er entkommt jeder noch so lebensbedrohlichen Situation und schafft es zum Ende hin schließlich wieder, den ganzen Fall auf zwei Seiten aufzuklären.
Unter dem Pseudonym "Jerry Cotton" schreiben und schrieben verschiedene namhafte und weniger bekannte Autoren des Bastei-Lübbe Verlags ihre Geschichten rund um den Helden des FBI. Man muss keine Leseratte sein, um erkennen zu können, dass die Qualität der Handlung und der Schreibstil der Geschichten sehr stark schwankt, was an den unterschiedlichen Autoren liegt. Immer gleich zu bleiben scheint aber die Bezeichnung "Girl" für Mädchen und die sprachlich eher einfache Schreibweise, sowie das meist gleich ablaufende Handlungsmuster.
Cotton ist ein Macho, für sich selbst einfach der Größte. Menschen, die anspruchsvolle Literatur, gut durchdachte Trivialliteratur, spannende Krimis oder Actionschmöker suchen, sind definitiv mit Cotton nicht gut beraten. Bei genauerem Überlegen könnte man seine Abenteuer vielleicht aber als Klolektüre emfpehlen - den Faden verliert man nämlich auch nicht, wenn man 170 mal ansetzen muss, um die 179 Seiten zu lesen - was vor allem daran liegt, dass außer unglaubwürdigen Actionszenen nicht viel an nennenswerter Handlung passiert.




  • Broschiert: 187 Seiten
  • Verlag: Bastei-Verl. (1965)
  • ASIN: B0000BH8GX
  • Donnerstag, 15. Juni 2006

    Suche impotenten Mann fürs Leben




    Autorin: Gaby Hauptmann
    Original: Suche impotenten Mann fürs Leben (1995)
    meine Bewertung: 2 von 5

    Carmen Legg ist genervt. Genervt von ihrem Freund Peter, der ihr ständig auf die Pelle rückt und sich anscheinend von seinem Penis steuern lässt. Carmen kennt diese Sorte Mann nur zu gut, denn ständig geht es ihr mit den Männern so - wahrscheinlich, weil sie unglaublich hübsch ist. Peter hat das Fass nun aber zum Überlaufen gebracht, deshalb schmeißt ihn Carmen raus.
    Alleine bleiben möchte sie allerdings auch nicht, deshalb überlegt sie, wie ihr Traummann sein müsste. Impotent - das ist es! Kurzerhand gibt Carmen also in der Lokalzeitung eine Anzeige auf, in der sie einen impotenten Mann sucht. Sie verspricht sich davon, Männer kennen zu lernen, die nicht bloß Sex von ihr wollen, sondern die sie als ernsthafte Partnerin sehen. Viele Männer melden sich auf ihre Anzeige, und schon beginnt die Auswahl. Sie tut sich mit ihrer älteren Nachbarin Elvira und ihrer Freundin Laura zusammen, um den richtigen Mann für sie zu finden.
    Carmen muss erst viele Männer treffen, bevor sie endlich den findet, der wirklich perfekt zu ihr passt. Doch plötzlich wird das Auswahlkriterium für ihre Kandidaten zum Problem für sie. Als Carmen nämlich auf David trifft, der sie durch seine Berührungen und Liebkosungen ständig auf den Gipfel treibt, sich selbst aber immer zurückzieht, wenn Carmen ihm näher kommt, möchte sie nichts anderes, als mit David zu schlafen. Sie geht zu einer Kräuterhexe und einer Psychotherapeutin, um das Problem zu lösen.
    Nebenbei tut sich auch noch einiges anderes: Laura ist schwanger, hat aber keinen Mann zum Kind. Deshalb angelt sie sich kurzerhand einen von Carmens verschmähten Kandidaten und Elvira trifft auf das Kind eines befreundeten Paares, dass schon vor 50 Jahren bei einem Flugzeugabsturz ums Leben kam.
    Das Buch ist eines, das nicht besonders viel Spuren hinterlässt, wenn man mal damit durch ist. Es ist zwar kurzweilig geschrieben, aber alles andere als ein Brüller. Sogar Menschen mit geringer Leseerfahrung werden schon ziemlich bald ahnen, wie die Geschichte ausgehen könnte. Witzig ist es bestimmt nicht, humorvoll eventuell. Hauptmann hätte mehr Esprit in das Buch bringen können, hätte sie auch die Figur des David zu einer Hauptfigur gemacht - also auch über seine Gedanken, Gefühle und vor allem "Aktionen" im Zusammenhang mit seiner Impotenz geschrieben.
    Was mich persönlich wirklich sehr gestört hat, waren die vielen verschiedenen Handlungsstränge, die es nicht möglich machten, wirklich eine Art einheitlichen Spannungsbogen aufzubauen und die Tatsache, dass das Buch im Präsens geschrieben ist. Natürlich kann und möchte ich keinem Autor sagen, wie er seine Bücher schreiben soll, allerdings bin ich ein versierter Leser und kann somit klar sagen, was mich beim Lesen stört.
    Das eine ist der Tempus, das andere die oft unglückliche Wahl von Bezeichnungen. Irgendwie stört es schon, dass das Werk mit einer Beschreibung der Beine der Hauptperson beginnt - die dann (un)passender Weise auch noch "Legg" heißt...




  • Taschenbuch: 314 Seiten
  • Verlag: Piper; Auflage: 4., Aufl. (Oktober 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492262198
  • ISBN-13: 978-3492262194

  • Sonntag, 11. Juni 2006

    Geschlossene Gesellschaft




    Autor: Jean-Paul Sartre
    Original: Huis clos (1947)
    Übersetzung: Traugott König
    meine Bewertung: 5 von 5


    Drei Menschen sterben auf der Erde und kommen wegen ihrer früheren Taten in die Hölle. Die Hölle ist aber nicht ganz so, wie man sich das normalerweise vorstellt. Es ist heiß, das stimmt schon, aber von Folterknechten und Fegefeuer ist weit und breit keine Spur. Vielmehr ist es so, dass diese drei Personen - ein Mann und zwei Frauen - gemeinsam in ein Second-Empire-Zimmer gesperrt werden und dort sich selbst überlassen sind.
    Natürlich kommen Garcin, Inés und Estelle ins Gespräch. Sie beichten sich ihre Sünden und reden sich dabei in Rage - "Die Hölle, das sind die Anderen" - Sartres wohl bekanntester Ausspruch. In diesem Werk wird gezeigt, wie sich Menschen in die gegenseitige Abhängigkeit voneinander begeben und dadurch Selbstbestimmtheit und Freiheit aufgeben.
    Gesellschaftskritisch, ein Kind seiner Zeit und trotzdem aktuell: Das ist Sartre. Humorvoll, einfach aber doch tiefsinnig - und so jederzeit lesenswert!


  • Taschenbuch: 80 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 46 (Januar 1986)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499157691
  • ISBN-13: 978-3499157691
  • Freitag, 9. Juni 2006

    Die Angst des Tormanns beim Elfmeter



    Autor: Peter Handke
    Original: Die Angst des Tormanns beim Elfmeter (1970)
    meine Bewertung: 2 von 5

    Eines Tages kommt der ehemalige Tormann und jetzige Monteur Josef Bloch zur Arbeit. Er bemerkt, dass sich sein ganzes Leben verändert hat. Er wurde nämlich gekündigt - zumindest nimmt er das aus dem Verhalten der anderen ihm gegenüber an. Es schaut nämlich nur der Polier von seiner Arbeit auf und die Tür der Bauhütte ist geschlossen.
    Bloch wandert nun durch Wien, bemerkt jede Kleinigkeit, die um sich geschieht. Er sucht sich ein billiges Hotel und übernachtet dort. Die Wirklichkeit scheint ihm plötzlich viel zu intensiv, um wahr zu sein. Er nimmt jedes Detail wahr und benennt es. Bloch wird nach und nach labiler - dann plötzlich passiert ein Mord - Bloch muss fliehen.
    Er findet sich in einem Ort nahe an der Grenze wieder. Sind ihm seine Verfolger bereits dicht auf den Fersen?
    Anstrengend. Sehr anstrengend. So könnte man die Lektüre dieses Werkes von Handke beschreiben. Es stimmt schon, dass seine Sätze wirklichkeitsgetreu und lebendig sind, die Geschichte ist es leider nicht. Sie ist emotionslos und vorhersehbar. Interessant ist aber die Tatsache, dass man während der Lektüre aufschaut, einem die Einrichtung des Wohnzimmers auffällt und man denkt: >Tisch<, >Lampe>.....
    "Die Angst des Tormanns beim Elfmeter" gehört schon seit langem zum Kanon jener Schullektüre, die man gelesen haben sollte, darum ist es auf jeden Fall empfehlenswert, das auch zu tun. Allerdings darf man nicht zuviel erwarten und muss sich in Geduld üben - denn ein spannendes Leseabenteuer ist es nicht unbedingt, das einen erwartet. Auch wenn ein Mord passiert.



  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1 (12. Juni 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3937793143
  • ISBN-13: 978-3937793146

  • Donnerstag, 8. Juni 2006

    Das war der Hirbel



    Autor: Peter Härtling
    Original: Das war der Hirbel (1973)
    meine Bewertung: 5 von 5


    Der Hirbel heißt eigentlich gar nicht wirklich Hirbel. Wie er wirklich heißt, das hat er schon lange vergessen. Irgendwo in seinen Akten steht das sicher, die werden immer von einem Heim ins nächste mit ihm mitgeschickt.
    Als der Hirbel auf die Welt kam, musste eine Zange verwendet werden und seitdem ist der Hirbel ein bisschen anders als andere Kinder. Er hat oft Kopfschmerzen und manchmal bekommt er Anfälle. Weil ihn seine Mutter nicht haben möchte, kommt er in ein Heim. Er ist oft in Schwierigkeiten und viele Mneschen haben Angst vor dem Hirbel. Aber er ist nicht wirklich dumm und auch ein ganz lieber Zeitgenosse, wenn man sich nur Mühe macht, um ihn zu verstehen.
    Härtling hat ein Büchlein für Kinder geschaffen, das eine pädagogisch wertvolle Botschaft zu vermitteln hat. Nämlich: Wenn man sich nur Mühe gibt, kann Integration funktionieren und nur weil jemand nicht so ist, wie man selbst, ist er nicht anders, sondern doch ein Mensch. Härtling hat aus dem Hirbel einen sympathischen Charakter gemacht, den man einfach ins Herz schließt. Christa aus dem Siepen hat außerdem einige nette Illustrationen beigesteuert.



  • Gebundene Ausgabe: 79 Seiten
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (März 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3866151284
  • ISBN-13: 978-3866151284
  • Dienstag, 6. Juni 2006

    Der dritte Mann



    Autor: Graham Greene
    Original: Der dritte Mann (1950)
    meine Bewertung: 2 von 5


    Der Brite Rollo Martins wird von seinem Freund Harry Lime in das besetzte Wien der Nachkriegszeit gerufen. Martins folgt diesem Ruf, nur um dann als er in Wien angekommen ist, feststellen zu müssen, dass sein Freund Harry Lime in der Zwischenzeit gestorben ist.
    Man berichtet ihm, er sei auf die Straße vor seiner Wohnung getreten, als er auf der anderen Seite einen guten Freund entdeckt habe. Er habe dabei nicht nach links oder rechts geblickt und sei von einem Auto erfasst worden. Zwei Männer hätten ihn dann ins Haus getragen und der Arzt, den man gerufen hatte, hätte nur noch den Tod Harrys feststellen können.
    Martins, der unter dem Pseudonym Buck Dexter billige Westernromane schreibt, hört sich ein wenig um. Er glaubt einfach nicht daran, dass ein Mensch wie Harry so unvorsichtig auf die Straße tritt und dann das Opfer eines Verkehrsunfalls wird. Martins hört sich um. Er spricht mit vielen Menschen, schließlich auch mit der Polizei. Er erfährt, dass sein Freund Lime in Schiebergeschäfte größerer Ordnung eingestiegen sei.
    Außerdem erzählt der ehemalige Nachbar von Harry, dass er den Unfall beobachtet habe. Seinen Angaben nach war noch ein dritter Mann in die ganze Sache verwickelt, den er aber von seinem Standpunkt aus nicht erkennen konnte. Martins macht sich auf die Suche nach dem geheimnisvollen Dritten Mann, doch Koch muss für sein Wissen mit dem Leben bezahlen. Martins ist immer mehr davon überzeugt, dass sein Freund Harry Lime einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen ist, doch was er schließlich entdeckt und wie die Geschichte endet, ist tragischer, als er es angenommen hatte...
    Teilweise hat Greene eine spannende Kriminalgeschichte verfasst, die die Spannung über kurze Strecken auch wirklich aufrecht erhalten kann. Leider ist das Buch etwas schwach, insgesamt betrachtet. Die Figuren sind alle ziemlich flach, auch die Stimmung des zerstörten Wiens kommt nicht wirklich zur Geltung. Wie Greene selbst im Vorwort schreibt, ist der Film weit besser, als das Buch, auf dem es beruht. Die Geschichte wurde nämlich von Anfang an als Film konzipiert, und das merkt man beim Lesen. Hier zahlt es sich wirklich aus, sich den Film zu besorgen!


  • Gebundene Ausgabe: 122 Seiten
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1 (2. Oktober 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3937793305
  • ISBN-13: 978-3937793306
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