Donnerstag, 26. Oktober 2006

Komm, süßer Tod




Autor: Wolf Haas
Original: Komm, süßer Tod (1998)
meine Bewertung: 5 von 5

Brenner, der ehemalige Polizeikommissar, arbeitet jetzt bei den Wiener Kreuzrettern als Rettungsfahrer. Eigentlich ist er froh, mit dem detektivischem nichts mehr zu tun zu haben, doch jetzt steckt die Kreuzrettung in der Klemme. Der Rettungsbund macht den Kreuzrettern starke Konkurrenz, das geht sogar so weit, dass den Kreuzrettern die Patienten vor der Nase weggeschnappt werden. Der Chef der Kreuzretter bittet also Brenner, ein bisschen nachzuforschen, woher der Wind weht.
Zur gleichen Zeit beobachtet der Rettungsfahrer Munz ein schmusendes Pärchen vor dem Krankenhaus, das kurz darauf in die Knie geht. Allerdings nicht aus Leidenschaft, sondern durch eine Pistolenkugel. Beide erschossen. Außerdem ist da noch der Rettungsfahrer Bimbo, der eines Tages mit seinem eigenen Goldkettchen erwürgt in seinem Rettungswagen aufgefunden wird. Drei Morde, alle im Umfeld des Wiener Rettungswesens. Zwar hat der Brenner schon lange die Schnüffelei aufgegeben, doch jetzt wird er wieder tätig. Er kommt nach und nach den üblen Machenschaften auf die Schliche, die im erbitterten Kampf rund um den Platz Eins im Wiener Rettungswesen mit sich bringen.
"Komm, süßer Tod" wurde 1999 mit dem Deutschen Krimi-Preis ausgezeichnet - und das zu Recht. Der Erzähler der Geschichte richtet sich direkt an den Leser, duzt ihn sogar. Das verleiht dem ganzen einen sehr eigenwilligen, aber durchaus ansprechenden Charakter. Haas trifft mit seinen Beschreibungen der Wiener den Nagel auf den Kopf - sie sind im Buch ganz genau so, wie ich sie Tag für Tag erlebe. Mit ihren guten und auch schlechten Seiten. Haas hat den Wiener Schmäh und Charme eingefangen und ihn aufs Papier gebracht.
Nicht nur die Sicht, aus der die Geschichte erzählt wird, ist eigenwillig, sondern auch der Satzbau des Autors. Es gibt viele Halbsätze und Austriazismen, wodurch die Geschichte seltsamerweise lebendiger und flüssiger wird. Da hast du das Gefühl, der erzählt dir das am Wirtshaustisch bei ana Haaßn und an Hoiwi. Auch für Nicht-Wiener eine lohnende Lektüre!


  • Taschenbuch: 224 Seiten
  • Verlag: rororo; Auflage: 24 (1. August 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499228149
  • ISBN-13: 978-3499228148

Mittwoch, 25. Oktober 2006

Der Liebhaber



Autorin: Marguerite Duras
Original: L'Amant (1984)
meine Bewertung: 1 von 5

Marguerite Duras hat einen Liebesroman geschrieben, der durch die Erlebnisse ihrer Jugend autobiografisch inspiriert ist. Sie erzählt dabei von der Jugend eines französischen Mädchens in Indochina, ihren beiden Brüdern und ihrer Mutter. Der ältere Bruder ist ein Mörder und Schläger, der jüngere Bruder der Sanftere, dem jedoch ein kurzes Leben beschieden ist. Die Familie ist sich untereinander fremd, so etwas wie Zärtlichkeiten gibt es nicht, man spricht nicht miteinander und sieht sich auch kaum an. Die Geschichte wird von der französischen Schriftstellerin erzählt, die in die Jahre gekommen ist - ihr Gesicht vom Alter und Alkohol gezeichnet.

Auf einer Flussüberquerung lernt das damals 15-jährige Mädchen einen reichen chinesischen Geschäftsmann kennen. Dieser verliebt sich in sie, gegen den Willen seiner Eltern, schließlich ist das Mädchen weiß. Die Mutter des Mädchens toleriert die Liebschaft, weil sie auf Geld aus ist. Diese Liebe ist auch gegen den Willen des Mädchens. Sie möchte nicht als Geliebte, sondern als Prostituierte behandelt werden, weil sie weiß, dass sie nie bei dem Chinesen bleiben kann, sondern wieder nach Frankreich zurück muss. Auf ihr Verlangen hin weiht sie jedoch der Chinese in die Künste der körperlichen Liebe ein. Sie genießt diese Stunden, wonach er sie immer wieder in ihr Mädchenpensionat zurück bringt. Als nun der Tag kommt, an dem sie zurück in ihr Heimatland geht, wird ihr bewusst, dass sie einen Fehler gemacht hat...

Die Geschichte Duras' ist verwirrend. Durch viele Zeitsprünge und das Einführen von Personen, die nicht weiter erklärt werden, wird der Lesefluss aufgehalten und umgeleitet, was meiner Meinung nach auch dem sprachlichen Talent der Erzählerin Einiges nimmt. Eigentlich ist die Geschichte sehr stimmungsvoll, man sieht direkt den Mekong vor sich hinplätschern. Aber eben jene untalentiert (Wiener würden sagen "patschert") ausgeführten Zeitsprünge legen eher den Schluss nahe, eine geistig verwirrte Erzählerin vor sich zu haben, die sich selbst nicht im Klaren ist, wie alt sie eigentlich ist und was sie erzählen möchte. Nichtmal die Geschichte selbst kann begeistern - obwohl das Potential dazu durchaus da wäre.

1984 wurde das Buch ein Bestseller, erhielt sogar den "Prix Grancourt". Nicht nachvollziehbar für mich. Wahrscheinlich hat man sich saftige Sex-Szenen erwartet und das Buch deshalb gekauft. Die kann man aber lang suchen.




  • Gebundene Ausgabe: 193 Seiten
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1 (19. Februar 2005)
  • ISBN-10: 3937793488
  • ISBN-13: 978-3937793481

  • Montag, 23. Oktober 2006

    Die Stadt der träumenden Bücher




    Autor: Walter Moers
    Original: Die Stadt der träumenden Bücher (2004)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Der junge Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz hat - wie jeder Bewohner der Lindwurmfeste, die Hochburg der Dichtung - einen Dichtpaten. Sein Pate ist Danzelot von Silbendrechsler, ein zamonischer Dichter, der sein Leben vor allem dem Blumenkohl gewidmet hat. Dieser Dichtpate gibt nun sein Bestes, um dem jungen Lindwurm alles beizubringen, was er über Dichtung weiß. Schon im zarten Alter von 77 Jahren allerdings muss Hildegunst einen schweren Schicksalsschlag hinnehmen. Sein verehrter Dichtpate stirbt in seinem Beisein - natürlich nicht, ohne ihm eine weitere wichtige Lektion in Dramaturgie zu erteilen. Auf dem Totenbett nämlich teilt ihm Danzelot mit, was sein Leben verändert hat.

    Eines Tages hat ihm ein junger Dichter ein Manuskript zur Beurteilung gebracht. Danzelot hat den Text gelesen und daraufhin beschlossen, die Dichtkunst an den Nagel zu hängen. Das Manuskript des Jünglings war nämlich so unbeschreiblich gut, dass Danzelot sicher war, niemals an diese Perfektion heranreichen zu können. Danzelot hat daraufhin das getan, was wohl jeder in seiner Situation getan hätte: Er schickte den jungen Dichter nach Buchhaim, eine Stadt, die nur aus Dichtern, Literaten, Antiquariaten, Bibliotheken, Verlagen, Rezensenten, Kritikern, Lesungen, Lebenden Zeitungen und allem, was mit Büchern zu tun hat, besteht. Seit dem aber hat Danzelot nichts mehr vom Verfasser des Manuskripts gehört. Im Sterben liegend verrät er seinem Dichtpatenkind Hildegunst, wo er das Manuskript versteckt hat.

    Nach dem traurigen Tod Danzelots macht sich Hildegunst daran, das Manuskript zu suchen. Als er es findet, ist auch er von dem Stoff schier überwältigt. Perfekt, das ist das wohl passende Wort für dieses Manuskript. Beim Lesen durchlebt er eine solche Vielfalt von Gefühlen, dass er beschließt, den Verfasser des Manuskripts zu suchen. Hildegunst begibt sich also auf den Weg in die Stadt der Bücher - nach Buchhaim. Der Lindwurm ist von der Stadt hingerissen. Neben allen möglichen zamonischen Daseinsformen gibt es da noch Lebende Bücher, Gefährliche Bücher, Träumende Bücher, Lebende Zeitungen... alles dreht sich in dieser Stadt um das gedruckte Wort. Zuerst genießt Hildegunst die vielen Eindrücke, die auf ihn einströmen, dann trifft er allerdings eines Tages auf den Literaturagenten Phistomefel Smeik. Er hofft, der gebildete und sympathische Mann kann ihm dabei helfen, den Verfasser des Manuskripts zu finden, deshalb zeigt er ihm den Text. Smeik geht es beim Lesen nicht anders, als zuvor schon Hildegunst. Doch in Buchhaim ist nicht alles so, wie es zu sein scheint. Ist Smeik etwa gar nicht der, der er vorgibt zu sein? Wer ist der Schattenkönig? Sind die Buchlinge so gefährlich wie ihr Ruf? Für Hildegunst beginnt eine abenteuerliche Reise unter Buchhaim, in die weitverzweigten und von gefährlichen Lebewesen bevölkerten Katakomben, aus denen es keinen Ausweg zu geben scheint. Außerdem nähert sich der Schattenkönig immer mehr...

    Die Werke von Walter Moers leben unter anderem von einer Art Überraschungs-effekt. Nicht alles ist wirklich so, wie es scheint. Deshalb soll an dieser Stelle von der Handlung der Geschichte nicht viel mehr verraten werden. Sicher ist jedoch, dass Moers auch hier wieder einen wunderbaren Abenteuer-Fantasy-Roman geschrieben hat, der von unzähligen teuflisch bösen und herzensguten zamonischen Daseinsformen bevölkert wird. Auch in diesem Werk, das den ersten Teil der Biografie des großen Dichters Hildegunst von Mythenmetz darstellt, wurde nicht an Illustrationen gespart. Auch die von anderen Werken bekannten verschiedenen Typografien kommen hier wieder zum Einsatz - allerdings weit sparsamer als etwa in "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" oder "Rumo".

    Mittlerweile ist wahrscheinlich weithin bekannt, dass Moers es liebt, in seinen Romanen Anagramme einzubauen. In "Die Stadt der träumenden Bücher" kommen beispielsweise Edgar Allen Poe (Perla la Gadeon), Rainer Maria Rilke (Alia Aria Ekmirrner), Oscar Wilde (Orca de Wils) und sogar Walter Moers selbst (Werma Tosler) vor. Man kann das Buch also in doppelter Hinsicht nutzen: lesen, mitfiebern und genießen, aber auch Anagramme suchen. Rund 20 bis 30 Literaten werden es schon sein, die man so entdecken kann.

    Doch nicht nur Literaten, sondern auch Stellen aus Filmen werden geschickt in die Handlung eingebaut. So gibt es eine Menge "Filmzitate", wenn man so will. Beispielsweise verbrennt der Schattenkönig, sobald er der Sonne ausgesetzt wird. Eine Eigenschaft, die einen an Vampire bzw. Graf Dracula erinnert (allerdings nicht an das Original von Bram Stoker, denn da hatte Dracula diese Eigenschaft nicht. Erst in der Verfilmung von Murnau ["Nosferatu"] wird Vampiren diese Lichtempfindlichkeit nachgesagt). 

    Natürlich liest man ein Buch nicht vorranging, um auf solche Details zu achten. Doch wenn man das Werk durch hat, lohnt es sich, einen zweiten Gedanken darauf zu verwenden. Der einfach gestrickte Leser kann sich mit dieser ersten Funktion begnügen, Filmfans und Literaturbewanderte haben aber sicherlich ihren Spaß daran, diese Anspielungen sowie die Literaten-Namen zu entdecken. Man merkt, dass Moers ein intelligenter (oder zumindest belesener) Mensch sein muss - eine Eigenschaft, die man ihm durch den niveaulosen Comic-Film "Das kleine Arschloch" gar nicht zutrauen würde.

    Vielleicht ist man anfangs ein wenig genervt, dass der eigentliche Handlungsstrang so langsam an Tempo gewinnt und einige Zeit überhaupt nicht weitergeführt wird, allerdings gibt sich dieser Eindruck ab der Stelle, an der Hildegunst das Trompaunen-Konzert verlässt. Zu kritisieren gibt es meiner bescheidenen Meinung nach am Ende nichts mehr - naja, vielleicht kommt das Ende etwas abrupt, jedoch tut dies dem Lesegenuss nicht wirklich einen Abbruch. Vielleicht schadet es nicht, zuerst andere Werke der Zamonien-Bücher zu lesen, um ein bisschen mit dieser Welt vertraut zu sein. Dieses Buch bildet eine Rückblende auf das Leben von Mythenmetz, der in den anderen Büchern ("Ensel und Krete", "Rumo und die Wunder im Dunklen" und "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär") schon mehrmals vorkommt.




  • Taschenbuch: 464 Seiten
  • Verlag: Piper Verlag GmbH; Auflage: 8 (Oktober 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3492246885
  • ISBN-13: 978-3492246880
  • Samstag, 7. Oktober 2006

    Der Rabbi



    Autor: Noah Gordon
    Original: The Rabbi (1965)
    meine Bewertung: 3 von 5

    Dieses Werk von Noah Gordon erzählt die Geschichte von Michael Kind, einem jüdischen Rabbi. Wie gewohnt, springt die Erzählung in der Zeit hin und her. Man beginnt seine Zeitreise in der Gegenwart, bzw. in den 1960er Jahren - die Zeit, in der das Buch entstand. Michael Kind ist bereits Rabbi, allerdings lasten persönliche Probleme zur Zeit schwer auf seiner Seele. Seine Frau Leslie befindet sich seit einiger Zeit im Krankenhaus, weil sie in tiefste Depressionen verfallen ist. Rabbi Kind fühlt sich einsam, außerdem fehlt die Mutter auch den beiden Kindern Max und Rachel.

    Gerade zu dieser Zeit kommt die Einladung zum Klassentreffen seines College-Abschlussjahrganges. Er wird darin gebeten, kurz über sein Leben zu berichten. Michael setzt sich also hin und beginnt zu schreiben. Er beginnt dabei mit seiner Kindheit, die geprägt von seinem Großvater ist. Der kleine Junge verehrt den streng gläubigen Juden und verbringt viel Zeit mit ihm, da der alte Mann bei seiner Familie wohnt. Allerdings gibt es seinetwegen immer Streit. Michaels Mutter ist zwar Jüdin, allerdings nicht orthodox. Dem Großvater ist dies ein Dorn im Auge - was schließlich dazu führt, dass ihn Michaels Eltern ins Altersheim umsiedeln und ihm so seinen geliebten Großvater nehmen.

    Als Michael Physik zu studieren beginnt, sieht er seinen Großvater immer seltener, auch seine Familie. Er geht weg, um als Küchenhilfe zu arbeiten, lernt dort ein Mädchen kennen, erfährt dann vom Tod des Großvaters und geht wieder zurück zu seiner Familie. Michael, der schon längst bemerkt hat, dass das Studium der Physik nicht das ist, was ihn ausfüllt, steht vor der schwierigen Situation, seinen Eltern klar zu machen, dass er Rabbi werden möchte. Was er auch wird.

    Das Erwachsenenleben von Rabbi Kind gestaltet sich kompliziert. Die Welt ist antisemitischer als je zuvor eingestellt, er wird außerdem als Wanderprediger durch die Staaten geschickt, um abgelegene Dörfer zu besuchen und als seelischer Beistand zu fungieren. Auf einer dieser Touren lernt er ein katholisches Mädchen kennen - die Tochter eines Pfarrers. Fatalerweise verliebt er sich in dieses Mädchen, wissend, dass sein Großvater sich im Grabe umdrehen würde, wüsste er von Michaels Verhältnis mit einer schiksse...

    Auch dieses Werk von Noah Gordon widmet sich dem Judentum, zeigt die Probleme der jüdisch-gläubigen Menschen auf, die sich einer immer feindseliger werdenden Welt gegenübersehen und übt nicht zu geringe Gesellschaftskritik. Gordon versteht es außerdem wie kein anderer, Einblick in eine so komplexe und alte Religion zu geben. Erzählerisch ist die Geschichte makellos, auch die Charaktere der Personen sind dreidimensionale Akteure, nicht nur Namen. Leider liegt die Schwäche dieses Werkes für mich in der Handlung selbst. Es mangelt ihr an jeder Spannung, jeder Überraschung. Es ist ein Buch, von dem leider nicht besonders viel übrig bleibt, sobald man erst einmal die letzte Seite umgeblättert hat.

    Anders als in anderen Büchern von Noah Gordon hat man außerdem darauf verzichtet, ein Glossar mit der Erklärung der wichtigsten jiddischen Ausdrucke und Feste anzuhängen. Dies ist schade, denn als Christ, Moslem, Buddhist etc. kann man sich in der Regel zwar unter Begriffen wie Chanukka oder Jom Kippur aus Schulzeiten noch etwas vorstellen, anders verhält es sich allerdings mit ganzen Gebeten oder Redwendungen. An Werke wie "Der Medicus" oder "Der Diamant des Salomon" kann "Der Rabbi" also nicht herannreichen, trotzdem ist es keine Zeitverschwendung, auch dieses Buch von Gordon zu lesen.




  • Taschenbuch: 541 Seiten
  • Verlag: Goldmann (November 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442448425
  • ISBN-13: 978-3442448425
  • Donnerstag, 5. Oktober 2006

    Die Farbe Lila



    Autorin: Alice Walker
    Original: The Color Purple (1983)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Celie ist vierzehn, als sie damit beginnt, Briefe an Gott zu schreiben. Sie hat kein besonders gutes Leben, allerdings auch niemanden, dem sie sich sonst anvertrauen könnte. Das Briefeschreiben hilft ihr, ähnlich einem Tagebuch, damit klar zu werden. Es ist prinzipiell keine besonders gute Zeit in den amerikanischen Südstaaten für die Menschen mit dunkler Hautfarbe, aber die Tatsache, dass Celie nicht besonders klug oder hübsch ist, machen ihr das Leben noch schwerer. Nach dem Tod ihrer Mutter kümmert sich Celie um ihre Geschwister und den Haushalt.

    Zusätzlich erschwert wird ihr Leben durch die sexuellen Übergriffe ihres Vaters auf sie, die sie erträgt, in der Hoffnung, damit ihre Schwester Nettie  vor diesem Unheil zu bewahren. Lang kann sie diese Beschützerfunktion allerdings nicht ausüben. Ihr Vater verheiratet sie mit einem Mann, der jemanden braucht, um seine Kinder zu versorgen. Obwohl die Kinder frech und widerspenstig sind, versucht Celie all ihren Aufgaben nachzukommen. Das einzige, was ihrem trostlosen Leben noch Hoffnung gibt und sie am Leben hält, ist ein Foto der Sängerin Shug Avery. Sie bewundert diese starke Frau, die ihren Weg gemacht hat, sich ncihts von Männern und schon gar nicht von den Weißen sagen lässt.

    Als Shug, eine frühere Geliebte ihres Mannes, schließlich in die Stadt kommt und Unterkunft braucht, weil sie krank ist, kümmert sich Celie rührend um sie. Und das Starlet, das sich anfangs sehr kratzbürstig verhält, entwickelt ihrerseits eine tiefe Zuneigung diesem etwas naiven, aber liebenswürdigem Geschöpf. Sie nimmt Celie unter ihre Fittiche und hält deren Mann davon ab, sie weiter zu schlagen. Langsam, Schritt für Schritt, findet Celie dadurch Gott in sich selbst und zu einem besseren Leben.

    Alice Walker hat für dieses Werk, das von den Problemen, Ängsten, Sorgen und Nöten der Menschen mit dunkler Hautfarbe erzählt, den Pulitzer Preis erhalten, das Buch wurde mit Whoopi Goldberg und Danny Glover in den Hauptrollen verfilmt. Man mag die kleine Celie von Anfang an, man wünscht ihr von Herzen nur das Beste und vegießt vielleicht die eine oder andere Träne auf den letzten Seiten der Geschichte und schüttelt den Kopf über so manche Ungerechtigkeit.

    Das, was diese Geschichte wirklich ausmacht, ist ihr Potential, etwas zu verändern und Menschen zu sensibilisiern. Alice Walker schafft es - im Gegensatz zu Harriet Beecher-Stowe - ihre Protagonisten zum Leben zu erwecken und sie real darzustellen. Sie verfällt nicht in den Stow'schen Romantismus vom "Wilden", wahrscheinlich, weil Walker selbst dunkle Haut hat, Beecher-Stowe hingegen hellhäutig war und ihre Bücher ("Onkel Toms Hütte") aus einer anderen Perspektive heraus verfasste.

    "Die Farbe Lila" sollte auf jeden Fall zur Pflichtlektüre in der Schule erhoben werden, um Jugendlichen einen Blick sozusagen von innen heraus auf Thematiken wie Gewalt, Missbrauch und Diskrimination zu ermöglichen. Aber auch für jeden anderen auf jeden Fall eine wertvolle Leseerfahrung.




  • Taschenbuch: 250 Seiten
  • Verlag: Lübbe; Auflage: 4., Aufl. (Juni 2003)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 340492133X
  • ISBN-13: 978-3404921331
  • Der satan... Wunschpunsch



    Autor: Michael Ende
    Original: Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch (1989)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Beelzebub Irrwitzer, der böse Zauberer und seine Tante, die Hexe Tyrannia, bekommen beide am Silvesterabend einen unerfreulichen Besuch. Maledictus Made, der Pfänder vom Fürst der Unterwelt persönlich, ist gekommen, um sie daran zu erinnern, dass sie nur noch wenige Stunden Zeit haben, um ihr vertraglich festgelegtes Jahressoll an Bösartigkeiten abzuleisten. Irrwitzer und Tyrannia geraten leicht in Panik. Tyrannia hat allerdings eine Idee. Sie ist im Besitz des Rezeptes für den satanarchäolügenialkohöllischen Wunschpunsch - allerdings hat sie nur eine Hälft, die andere hat Irrwitzer.
    Tyrannia macht sich also auf den Weg, um ihrem Neffen einen Besuch abzustatten undi hm den zweiten Teil des Rezeptes abzuschwatzen. Zur selben Zeit kommt auch ihr Rabe Jakob mit in die Villa Alptraum, um dort den Kater von Irrwitzer zu besuchen. Jakob und Kater Maurizio sind beide Spione des hohen Rates der Tiere, die dazu ausgesandt wurden, um größere Unglücke zu verhindern. Als die beiden von der Wirkung des Wunschpunsches hören, stockt ihnen beinahe der Atem.
    Ist der Wunschpunsch erst einmal gebraut, muss er noch  vor dem ersten Glockenschlag, der das neue Jahr einleitet, getrunken werden. Außerdem muss man das Gegenteil seiner Wünsche vorbringen, um seine Wünsche erfüllt zu bekommen. Wünscht man sich also Gutes, passiert Böses. Und genau das haben Irrwitzer und Tyrannia vor. Allerdings müssen sie ihre Wünsche eben gesagt haben, bevor der erste Glockenschlag ertönt, ansonsten passiert genau das, was man sich gewünscht hat. Maurizio und Jakob müssen etwas unternehmen, schließlich steht das Gute auf der ganzen Welt auf dem Spiel...
    "Der satanarchäolügenialkohöllische Wunschpunsch" (irgendwann merkt man sich das Wort tatsächlich) ist eine wundervolle Geschichte von Michael Ende. Sie zeigt, welche guten Dinge eine ungewöhnliche Freundschaft bewirken kann, ist spannend  und unterhaltsam. Außerdem sind sogar die Bösewichte charmante Charaktere. Kinder werden auf jeden Fall ihren Spaß an diesem Buch haben, aber auch Erwachsene können ein paar nette Stunden damit verbringen. Am besten in der Zeit zwischen den Jahren, also zwischen Weihnachten und Silvester, lesen!



  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (November 2005)
  • ISBN-10: 3866151187
  • ISBN-13: 978-3866151185
  • Sonntag, 1. Oktober 2006

    Sarah-Kuttner Lesung

    Wie schon früher versprochen, werde ich kurz berichten, wie die Sarah Kuttner Lesung am Montag, 25. September 2006, im WUK in Wien so war. Es war zwar ein wenig nervig, dass die Veranstaltung mit ziemlicher Verspätung begonnen hat, allerdings gestaltete sich der Rest des Abends sehr gemütlich und unterhaltsam.
    Sarah hat aus ihrem Buch "Das oblattendünne Eis des halben Zweidrittelwissens" ausgewählte Kolumnen gelesen. Da diese Kolumnen als Frage-Antwort Bögen von der SZ-Zeitung abgedruckt wurden, wählte Sarah drei Leute aus dem Publikum aus, die zu ihr auf die Bühne durften, um ihr die Fragen zu stellen. Als dank dafür, bekamen die Freiwilligen eine Krankheit von der Kuttner (in Form von Kuscheltieren).
    Außerdem konnte das Publikum Fragen auf Zettel schreiben, die dann von ihr beantwortet wurden. Auch für diese Fragen hatte sie sich jemanden aus dem Publikum auf die Bühne geholt. Zwar war diese junge Dame (14 oder so) sehr nervig, die Kuttner allerdings hat alles richtig gemacht. Sie war auch spontan sehr witzig, stieg ganz aufs Publikum ein und brachte ihre Kolumnen wirklich gut rüber. Natürlich hat sie danach auch noch ihre Bücher signiert. Ein gelungener Abend also - und wenn sich die Gelegenheit ergeben sollte, sicher wert, angeschaut zu werden.