Donnerstag, 30. November 2006

Das Salz der Erde und das dumme Schaf



Autorin: Sheila Och
Original: Das Salz der Erde (1995)
meine Bewertung: 5 von 5

Jana hat nichts. Naja, nichts stimmt auch nicht. Sie hat sehr wenig. Beispielsweise hat sie keine Eltern, kein Geld, keine Freunde, keine neue Kleidung. Aber die Sechzehnjährige hat noch ihren Großvater. Der ist etwas schrullig und der Mittelpunkt der Welt (denkt er halt). Jana lebt mit ihm in einer Kellerwohnung und hat sich an das anarchische, chaotische und doch irgendwie geregelte Leben mit ihrem Großvater schon längst gewöhnt, auch weil sie nichts anderes kennt.

Doch langsam wird Jana älter und auch rebellischer. In der Schule gibt es einen Neuen, Jirka heißt er. Der interessiert sich für Jana, was für diese eine komplett neue Erfahrung ist. Aber auch sie findet Jirka nicht gerade grässlich, deshalb geht sie mit ihm aus und lernt dabei eine völlig neue Welt kennen. Es ist eine Welt, zu der sie nicht gehört. Kaffee mit Schlagsahen und Kino - das war ihr bisher verwehrt geblieben. Der  Großvater findet dies natürlich gar nicht gut. Er hat seiner Jana doch immer erklärt, warum es besser ist, nichts zu haben und warum Geld nicht glücklich macht.

Der Großvater war immer schon ein lustiger Kerl, doch eines Tages treibt er seine Scherze zu weit. Er gibt auf dem Hauptplatz vom Stiefel eines Steindenkmals herunter eine Kundgebung. Es versammeln sich immer mehr Menschen, um dem Alten zuzuhören, ein richtiger Aufruhr entsteht, der von der Polizei mit Wasserwerfern beendet werden muss. Der Großvater erhält daraufhin eine Vorladung vors Gericht, worauf er sich tierisch freut. Er liebt Gelegenheiten, bei denen er sich selbst so richtig in Szene setzen kann.

Das Gericht ist von diesem komischen Alten gar nicht begeistert und schickt ihn deshalb ins Altersheim. Jana muss in eine Gymnasium mit Internat, da sie ja noch minderjährig ist und sich jetzt niemand um sie kümmert. Eigentlich ist Jana fest davon überzeugt, dass der Großvater im Heim todtraurig sein würde und auch sie bald wieder heimholen würde, doch als sie ihn mit seinen beiden Freunden eines Tages besucht, merkt sie, welchen Spaß ihr Opa im Altersheim hat und gibt schon fast die Hoffnung auf. Allerdings etwas zu früh - denn der Großvater steckt voller Überraschungen...

Sheila Ochs Buch erzählt von der Pubertät eines Mädchens, dass sich mit dem zunehmenden Frauwerden gegen das System wendet - allerdings ist dies ein wenig schwierig für die Hauptdarstellerin, da sie gegen eine Autorität rebellieren will, die anarchisch und schrullig ist wie sonst niemand: ihr Großvater. Jana möchte mit zunehmenden Alter auch etwas von ihrer Vergangenheit, ihren Eltern und dem Grund, warum sie beim Großvater aufgewachsen ist, erfahren. Doch der Großvater schweigt eisern und tut ihr damit sogar einen großen Gefallen.

Erschwert wird das sowieso schon chaotische Leben eines pubertierenden Teenagers bei Jana noch durch die Tatsache, dass sie aus einem sehr sozialschwachen Umfeld stammt und sie nicht nur gegen Pickel und Hormone, sondern auch gegen ihren knurrenden Magen und ihre löchrigen Strümpfe kämpfen muss. Ein wirklich sehr, sehr empfehlenswertes Buch für Jugendliche!


  • Gebundene Ausgabe: 141 Seiten
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (2006)
  • ISBN: 3866151446
  • Dienstag, 28. November 2006

    O du mörderische



    Autorin: Anne George
    Original: Murder on a bad hair day (1996)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Patricia Anne und Mary Alice sind Schwestern - schon seit mehr als sechzig Jahren. Patricia Anne ist mit sechzig die jüngere der beiden, klein und zierlich. Mary Alice ist wahrlich ihre große Schwester: gut zwei Köpfe größer und viele, viele Kilos schwerer. Doch die beiden haben eins gemeinsam. Sie geraten immer wieder in mysteriöse Mordfälle.

    Es ist kurz vor Weihnachten, als die beiden Schwestern zu einer Galerieeröffnung gehen. Gezeigt werden Folk-Art Werke, die beim Publikum sehr gut ankommen. Die Ausstellung scheint also ein voller Erfolg für die Galeriebesitzerin Mercy Armistead zu sein. Leider kann diese ihren Ruhm aber nicht mehr genießen, sie wird nämlich am nächsten Morgen tot aufgefunden. Sie wurde mit Haarspray vergiftet. Also nicht wirklich mit Haarspray, sondern mit einem Gift, das jemand in das Spray gemixt hatte und das sie über die Haut in ihren Körper aufgenommen hatte. Eigentlich sollte dies Mary Alice und Patricia Anne nicht allzusehr betreffen, allerdings werden sie persönlich in den Fall mit hineingezogen, als die Assistentin der Galeriebesitzerin und eine ehemalige Schülerin von Patricia Anne total verwirrt und verzweifelt auf der Hintertreppe von Patricia Anne hockt. Sie ist völlig geschockt und verwirrt, deshalb wird sie von Patricia Anne ins Krankenhaus eingeliefert.

    Leider verschwindet sie von dort spurlos und ein weiterer Mord passiert. Schon längst haben die Vorkommnisse das Interesse der Schwestern geweckt. Sie finden nach und nach immer mehr Puzzleteile und langsam scheinen die sich zu einem Bild zusammen zu fügen. Allerdings erkennen sie das erst, nachdem Mary Alice angeschossen wird und die Polizeibeamtin Bo Mitchell Einblick die letzten Fragen klärt...

    Anne George hat einen sehr humorvollen Krimi geschrieben, der in der Vorweihnachtszeit spielt. Sie hat Charaktere entworfen, die man ins Herz schließt, die man sogar selbst gerne zur Mutter oder Großmutter hätte. Anders als Miss Marple und Co. klären die beiden zwar den Fall nicht wirklich auf, allerdings sind sie mitten im Geschehen und lassen den Leser an ihren Überlegungen teilhaben. Was die Geschichte so charmant macht, ist auch das Drumherum. Die verrückte Beziehung der beiden Schwestern zueinander, zu ihren Ehemännern und ihr Humor und die Tatsache, dass man an ihren Weihnachtsvorbereitungen teil hat. Für die Vorweihnachtszeit ein humorvoller Krimi, der zwar nicht unbedingt nervenzerreißend spannend ist, dafür aber mit seinem Charme punktet.




  • Broschiert: 320 Seiten
  • Verlag: Dtv (Oktober 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN: 3423244283

  • Donnerstag, 23. November 2006

    Die Wolke



    Autorin: Gudrun Pausewang
    Original: Die Wolke (1987)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Der Tag hat für die 14-jährige Janna-Berta eigentlich ganz normal begonnen. Als jedoch plötzlich eine Sirene zu hören ist, werden die Schüler nach Hause geschickt, mit der Anweisung, sich zu beeilen. In Grafenrheinfeld, das nur 100 Kilometer von Janna-Bertas Wohnort entfernt ist, hat es ein Problem mit dem Kraftwerk gegeben. Das Mädchen wird von einigen älteren Schülern mit nach Hause genommen. Daheim erwartet sie schon ihr kleiner Bruder, die Eltern sind mit dem kleinsten Kind der Familie für einige Tage weggefahren.

    Die verängstigten Kinder erhalten einen Anruf von ihrer Mutter, die sie drängt, sofort nach Norden aufzubrechen, weg von der giftigen Wolke, die auf sie zukommt. Weil die Nachbarn schon alle abgefahren sind, beschließen Janna-Berta und Uli, mit dem Rad zu fliehen. Eine Zeit lang geht das auch ganz gut und sie kommen sogar schneller voran, als die Autos, die sich mittlerweile in einem Riesenstau befinden. Doch dann wird der kleine Bruder müde...

    Es muss erst ein Kinderbuch daher kommen, bevor ich wieder mal 5 Sterne vergeben kann. Aber es ist ein gutes Kinder- bzw. eher Jugendbuchh, das Gudrun Pausewang da geschrieben hat. Sehr einfühlsam wird das Leben von Janna-Berta beschrieben, das sich radikal ändert, als das Kraftwerk explodiert. Die Politiker schieben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe, Verantwortung will niemand übernehemen. Es gibt so gut wie keinen Katastrophenplan und mehr als "Keine Panik" bekommen die Bundesbürger nicht zu hören. Diese Stimmung im Buch lässt einem wirklich Gänsehaut bekommen und ich muss zugeben, an so mancher Stelle eine kleine Träne vergossen zu haben.

    Für Kinder unter 13 oder 14 ist die Geschichte wahrscheinlich zu harter Tobak, aber für Jugendliche und auch Erwachsene eine wichtige Lektüre. Ohne mit dem erhobenen Zeigefinger zu predigen, zeigt Pausewang auf, wie gefährlich Atomkraft-werke sein können und lässt aber trotzdem auch Atombefürworter zu Wort kommen (allerdings in Form von arroganten Menschen, die man am liebsten schütteln würde). Unbedingt lesen! Nicht umsonst wurde Pausewang für dieses Werk 1988 mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnet.



  • Gebundene Ausgabe
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (November 2005)
  • ISBN: 3866151128
  • Dienstag, 21. November 2006

    Des Königs dunkle Botin



    Autorin: Vera Chapman
    Original: The King's Damosel (1975)
    meine Bewertung: 1 von 1

    Diesen Monat sind mir einfach keine guten Bücher vergönnt. Vera Chapman bearbeitet in ihren Büchern die Artus-Saga von einer etwas anderen Warte aus. Sie stellt Frauen in den Mittelpunkt und erzählt von deren Schicksal. In diesem Band geht es um die junge Lynett, die nicht als Dame, sondern als Junge erzogen wurde. Der größte Wunsch des jungen Wildfangs ist es, später einmal Ritter zu werden. Nach vielen Schicksalsschlägen, unter anderem einer Vergewaltigung und einer Zwangsehe, wird ihr ihr größter Wunsch endlich erfüllt und sie wird Botin des jungen König Artus.

    Im Auftrag von König Artus reist Lynett in Begleitung von vier Rittern der Tafelrunde durch das Land, um die Botschaften des Königs an seine Untertanen zu verkünden. Sie wird allerdings eines Tages entführt und eingesperrt, dann wieder gerettet, findet schließlich ihre große Liebe und den Heiligen Gral...

    Man mag nun einwenden, dass die Geschichte ja eigentlich recht spannend klingt. Ja, tut sie auch tatsächlich. Allerdings passiert all dies auf gerade mal 156 Seiten, obwohl die Story an sich das Potential zu einem richtigen Wälzer hätte. Allerdings denke ich, dass man sich nicht durch mehr als 156 Seiten von Chapmans emotionsloser Schreibe und die beinahe völlige Abwesenheit von Dialogen quälen würde. Wieder einmal schade ums Geld, denn mehr als ein Punkt für die doch nette Handlung ist wirklich nicht drin. Wenn man sich für geschichtliche Romane interessiert, sollte man lieber zu einem Werk von Noah Gordon oder Iny Lorentz greifen.




  • Broschiert: 160 Seiten
  • Verlag: Dtv (2001)
  • ISBN: 3423204516
  • Sonntag, 19. November 2006

    Die Braut die sich nicht traut



    Autor: Andy Green
    Original: Runaway Bride
    meine Bewertung: 1 von 5

    Maggie Carpenter ist eine hübsche junge Frau, die ein kleines Problem hat: Sie verliebt sich schnell, lässt sich dann einen Heiratsantrag machen, den sie freudig annimmt und läuft dann aber während der Hochzeitszeremonie davon. Dies ist ihr schon dreimal passiert. Noch bevor sie beim Altar ankam, hat sie jedesmal die Flucht ergriffen. Ihre drei Fast-Ehemänner nahmen die Demütigung hin, das Leben im kleinen Städtchen Hale ging immer wieder weiter.

    Nur Fast-Ehemann Nummer drei kommt über diese Demütigung scheinbar nicht hinweg. Er betrinkt sich in einer Bar in New York und erzählt dort die Geschichte seiner gescheiterten Hochzeit dem Journalisten Ike Graham, der für seine frauenfeindlichen Kolumnen stadtbekannt ist. Ike wittert eine wunderbare Story und bringt deshalb die Geschichte von Maggie Carpenter, der "männermordenden Bestie" in seine Zeitung. Er hat nicht mit der Reaktion der Leser gerechnet, die sich durch und durch über das Verhalten des Journalisten empören. Vor allem die Menschen in Hale, die ihre Maggie gern haben, bestärken diese in ihrem Vorhaben, eine Richtigstellung zu verlangen. Die Chefredakteurin von Ikes Blatt erhält die Aufforderung, Ike zu entlassen, was sie auch tut.

    Ike bekommt daraufhin ein Angebot für die "wahre Geschichte" der Maggie Carpenter. Er reist nach Hale, wo schon die Hochzeitsvorbereitungen für Maggies Hochzeit Nummer vier laufen. Ike stößt zuerst auf Ablehnung, doch während seiner Recherchen lernt er die faszinierende Frau näher kennen und verliebt sich selbst in sie...

    Die Geschichte ist eigentlich ganz nett, allerdings ist die Ausführung mehr als mies. Nachdem der Film mit Julia Roberts und Richard Gere nicht auf dem Buch beruht, sondern das Buch erst nach dem Film erschien, hat man das Gefühl, Green hat sein Büchlein im Kino verfasst. Es ist nicht viel mehr als eine Beschreibung der Dinge, die passieren. Gefühl, Humor oder Leben vermisst man zu Recht. Abgesehen von einigen typografischen Fehlern findet man auch viele Ungenauigkeiten im Handlungsstrang. Angeblich soll der Film nicht so schlecht sein - das Buch dazu von Andy Green ist es leider schon! Man hätte eine wirklich nette und feinsinnige Geschichte daraus machen können.




  • Broschiert: 190 Seiten
  • Verlag: Burgschmiet (Juni 2002)
  • ISBN: 3933731216
  • Donnerstag, 16. November 2006

    Ohrensausen



    Autor: Kinky Friedman
    Original: Blast from the Past (1953)
    meine Bewertung: 4 von 5

    Der Kinkstah, seines Zeichens Countrysänger und selbsternannter Privatdetektiv will mal eben zu seiner Nachbarin Stephanie DuPont rauf gehen, um sich die 7 Millionen Dollar Honorar aus dem letzten Fall abzuholen. Das trifft sich verdammt gut, denn er ist wiedermal pleite. Doch als er seine Wohnung verlässt, befördert ihn ein gezielter Schlag auf den Schädel in eine zweistündige Ohnmacht.

    Kinky nützt diese Ohnmacht, um sein Leben in den 70ern wieder zu durchleben. Das Buch erzählt, wie er seine Bande Freunde, die er liebevoll Village Irregulars nennt, um sich geschart hat, wie er zum Privatdetektiv wurde und was sein erster Fall war. Dieser Fall war zwar nur klein, trotzdem wichtig, denn schließlich ging es um das Leben des höchstpersönlichen Kinkstahs. Angefangen hat ja alles damit, dass Abbie Hoffman, ein Revoluzzer, bei ihm auftaucht und ihn bittet, ihm doch Unterschlupf zu gewähren, weil er verfolgt würde. Zunächst schieben Kinky und sein Freund Ratso, der Kinky gern als Holmes und sich selbst gern als Watson bezeichnet, diese Paranoia auf das unstete Leben von Abbie, doch dann fliegt Kinkys Loft in der Vandam Street in die Luft, seine beischlaftechnische Assistentin Judy behauptet, ihren in Vietnam gefallenen Freund Tim in New York gesehen zu haben, auf Kinky werden Schüsse abgefeuert... So kommt Kinky zu seinem ersten Fall.

    Man muss schrägen Humor mögen, um die Bücher von Kinky Friedman zu lieben. Ich liebe schrägen Humor und vergöttere somit die Bücher vom ollen Kinkstah. An diesem Werk hat mich allerdings die Tatsache gestört, dass Drogen nahezu zu einer Religion erhoben werden. Dass der Autor Minderheiten wie Homosexuelle, Juden und Schwarze zeitweise auf dem Kieker hat, stört nicht weiter, wenn man weiß, dass er selbst der wohl größten Minderheit überhaupt angehört: Kinky Friedman ist ein jüdischer Cowboy. Ihm steht es also zu, geschmacklose Jesus- und Hitlerwitze zu reißen. Meint zumindest Kinky selbst. Ob man das mag oder nicht, ist letztlich Geschmackssache, allerdings muss wohl jeder zugeben: Schreiben kann er, der Friedman.




  • Broschiert
  • Verlag: Heyne (Februar 2003)
  • ISBN: 3453865057
  • Dienstag, 14. November 2006

    Abbott



    Autor: Jeff Abbott
    Original: Panic (2005)
    meine Bewertung: 2 von 5

    Evan Casher bekommt spät in der Nacht einen Anruf von seiner Mutter. Sie klingt besorgt und aufgebracht, als sie ihn bittet, sich sofort auf den Weg zu machen und zu ihr zu kommen. Sie fordert dies so bestimmt, dass Evan nur noch schnell seinen Laptop und eine Tasche packt und die Musikfiles, die ihm seine Mutter vor kurzem für einen Film gemailt hat, auf seinen mp3-Player zu spielen, bevor er sich ins Auto setzt und losfährt.
    Als der junge und erfolgreiche Dokumentarfilmer in seinem Elternhaus ankommt, macht er eine grauenhafte Entdeckung, die sein Leben schlagartig verändert: Seine Mutter liegt erwürgt in der Küche. Doch die Mörder sind noch irgendwo im Haus, denn gerade als Evan sich über seine tote Mutter beugt, wird ihm eine Tüte über den Kopf gestülpt und eine Schlinge um den Hals gelegt. Der sich heftig währende Evan wird am Seil aufgehängt und erst in letzer Minute von einem Unbekannten gerettet, der mit einem sicheren Schuss das Seil durchschießt und Evan so befreit. Dieser rettet sich aus dem Haus in einen bereits angekommenen Polizeiwagen. Von dort wird er allerdings entführt: von einem Glatzkopf, der sich selbst Gabriel nennt und während der Fahrt Evan eine haarsträubende Geschichte erzählt, von der er behauptet, sie sei die Wahrheit über seine Eltern und über sein eigenens Leben. Seine Mutter sei ermordet worden, weil sie etwas besäße, das sowohl alle Geheimdienste der Welt, sowie eine geheime Organisation, die sich "The Deeps" nennt, haben wollen. Und da seine Mutter jetzt tot ist und sein Vater unauffindbar, wird angenommen, Evan hätte dieses Stück der Begierde - woraufhin er zum Gejagten wird. Er muss um sein Leben kämpfen...
    Eigentlich hab ich das Buch gekauft, weil es ein wirklich tolles Cover hat und der Satz "One of the year's best books" von Harlan Coben zitiert wird. Allerdings war das Buch ein wahrer Reinfall. Es handelt sich um eine Art Spionage- bzw. Verschwörungstheorie-Roman, in dessen Mittelpunkt Evan Casher steht, der auf der Flucht ist, aber ständig irgendwem in die Hände fällt. Jede Seite behauptet dabei von sich, die Guten zu vertreten, jede Seite erzählt im eine andere Geschichte.
    Die Handlung wird dadurch immer verwirrender, die Hauptfiguren bleiben sehr flach und verhalten sich sehr konstruiert. Man nimmt Abbotts Figuren einfach nichts ab - ich zumindest nicht. Die Geschichte hat durchaus interessante und spannende Sequenzen, allerdings ist sie auch sehr reißerisch. Ich hab mich eher gelangweilt, bei der Lektüre des "One of the year's best books" und auch nur sehr schwer in die Handlung hineingefunden, weil ich mich ständig darüber ärgern musste, wie schlecht erzählt die Geschichte ist, die durchaus Potential hat - auch wenn sich alles um das altbekannte Schema Agent-schöne Frau-Liebe-Verfolgung dreht. Schade um das Geld.



  • Taschenbuch: 416 Seiten
  • Verlag: Little, Brown (8. Juni 2006)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 0751538310
  • ISBN-13: 978-0751538311
  • Mittwoch, 8. November 2006

    Lone Star



    Autor: Kinky Friedman
    Original: A case of Lone Star (1987)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Der Countrysänger Kinky Friedman hat seinen Beruf an den Nagel gehängt, als er eine Geisel aus den Händen eines Bankräubers rettete und danach als Held gefeiert wurde. Er beschloss, von nun an Detektiv zu sein. Der Amateurdetektiv, der sich selbst gern "Kinkster" nennt, lebt mit seiner Katze in einem Loft in der Vandam Street, über ihm eine lesbische Tanzschule, unter ihm die Straßen New Yorks und abwechselnd bei ihm seine Freundinnen Uptown Judy und Downtown Judy. Eigentlich wollte er es gerade ein bisschen ruhiger in seinem Leben angehen, als er einen Telefonanruf aus seiner Stammkneipe, dem "Lone Star" bekommt.

    Ein mysteriöser Mordfall hatte sich ereignet: Nach einem Auftritt wurde ein Countrysänger und Freund Kinkys mit einer Gitarre erschlagen und seinem eigenen Cowboytüchlein erwürgt in seiner Garderobe aufgefunden. Der Killer hat nur eine einzige Spur hinterlassen: Einen Songtext eines alten Hank Williams Songs, dessen Zeilen interessante Aufschlüsse zulassen. Der Kinkster nimmt sich um den Fall an, allerdings müssen noch zwei weitere Morde passieren, ehe er unter Einsatz seines eigenen Lebens den Fall lösen kann und den Hank-Williams-Mörder, wie der Serientäter in den New Yorker Klatschblättern mittlerweile  genannt wird, dingfest zu machen.

    Dass es schließlich ein Fleck auf einer Landkarte sein würde, der seinen texanischen Arsch gerade noch vor dem Killer in Sicherheit bringen würde, hätte er sich wahrscheinlich in seinen wildesten Träumen (die ohnehin nur von Miniatur-Babys mit Sonderbriefmarken als Windeln handeln) nicht ausgemalt. Zum Glück denkt der Kinkster etwas schräg und hat eine Ahnung von Countrymusik...

    Die Krimis von Kinky Friedman sind vor allem deshalb auch über die Grenzen Amerikas hinaus bekannt, weil es sich bei ihnen um eine sehr charmante Mischung aus Realität und Fiktion handelt. So hat der Autor (und gleichzeitig Hauptdarsteller seiner eigenen Krimis) tatsächlich eines Tages eine Geisel aus einem Banküberfall gerettet, lebt wirklich mit seinen drei Katzen und einem Opossum in New York und Texas und war Countrysänger in der Band "Kinky Friedman and the Texas Jewboys".  (Für ein ausführliches Autorenportrait Link oben klicken!) Im November 2006 trat er außerdem als Gouverneur von Texas bei den Mid-Term Elections in den Vereinigten Staaten an, leider landete er mit nur 12% der Wählerstimmen auf Platz 3.

    Was seine Bücher so fantastisch macht, ist der zuweilen fast britische, meist schwarze Humor und der schnodderige Ton, in dem das Buch verfasst ist. Eine Abgeklärtheit mit dem Leben ist sicherlich auch vonnöten, um so satirisch, ironisch und genial-komisch zu schreiben. Wer etwas für schrägen Humor übrig hat, sollte sich unbedingt einen "Kinkster"-Roman zulegen!


    Broschiert: 191 Seiten
    Verlag: Rotbuch Verlag (Februar 2006)
    Sprache: Deutsch
    ISBN: 343454061X