Freitag, 26. Januar 2007

Der große Bagarozy


Autor: Helmut Krausser 
Original: Der große Bagarozy (1997) 
meine Bewertung: 5 von 5


Cora Dulz ist Psychotherapeutin und denkt eigentlich, ein recht angenehmes Leben zu führen. Freilich, es ist ziemlich ereignislos, ihr Mann und sie haben nur noch dan Sexualverkehr, wenn seine Lust zufällig auf ihre Lust trifft, was selten vorkommt, die Patienten in ihrer Praxis langweilen sie ein wenig und auch sonst ist nicht viel los. Aber es hätte ja schlimmer kommen können - denkt sie.
Eines Tages spaziert Stanislaus Nagy in ihre Praxis. Irgendwie ist Cora von diesem Menschen fasziniert, auch wenn er ein tiefgründiges psychisches Problem zu haben scheint. Er erzählt, Maria Callas zu verehren und dass sie ihm nächtens manchmal erscheine. An sich ja noch nichts besonderes, hat Cora doch schon Patienten mit schlimmeren Wahnvorstellungen behandelt. Aber schlimmer gehts immer, so behauptet Nagy eines Tages, der Teufel zu sein. Er habe die Callas gefördert und zu Grunde gerichtet, sei im Körper eines schwarzen Pudels schon früher ihr Begleiter gewesen und sei überhaupt der Grund, warum die Callas berühmt geworden war.
Cora glaubt Nagy natürlich nicht, im Gegenteil. Sie ist fasziniert und fühlt sich auch auf einer sexuellen Ebene immer mehr zu ihrem Patienten hingezogen. Sie weiß zwar, dass das falsch ist, kann sich aber nicht gegen die schier (dämonische?) Anziehungskraft Nagys wehren. Der hingegen will nichts von Cora, weist sie immer wieder ab und verachtet sie am Ende sogar. Ist er es etwa auch, der Cora zu einer schrecklichen Tat anstiftet?
Angeregt durch einen Tipp eines besonderen Freundes, der den gleichnamigen Film gesehen hatte und davon restlos begeistert war, habe ich "Der große Bagarozy" gelesen - und war voller Erwartungen. Dennoch, also trotz meiner hoch gesteckten Ansprüche an den Humor des Buches, wurde ich nicht enttäuscht. Mit unvergleichlicher Ironie und viel schwarzem Humor schickt Krausser der Psychotherapeutin Cora den Teufel an den Hals. Dieser kann über sich lachen, ist ein böser Bube und trotzdem irgendwie interessant. Die Handlung ist konsequent und spannend, aufgrund des teuflischen Elements auch ein wenig esoterisch - aber auf jeden Fall einen Versuch wert! Danke für den guten Tipp, Chief!



  • Broschiert: 183 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 2., Aufl. (Februar 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499224798

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    Donnerstag, 25. Januar 2007

    Grieche sucht Griechin



    Autor: Friedrich Dürrenmatt
    Original: Grieche sucht Griechin (1995)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Arnolph Archilchos ist eine ziemlich ruhige Erscheinung. Er ist Unterbuchhalter in der Petit-Paysan Fabrik, in der Abteilung Geburtszangen, nicht in der Atomwaffen-fabrik und lebt in einer kleinen Wohnung. Sein Leben verläuft in geordneten Bahnen, er ist Temperenzler, gläubiger Altneupresbyterianer und ein Mensch mit einer sehr genauen Vorstellung einer moralischen Weltordnung. Archilochos gönnt sich wenig, doch regelmäßig verkehrt er im "Chez Auguste", einer kleinen Kneipe, die Madame Bieler und ihr Gatte führen. Dort trinkt er stets ein Glas Milch und isst Nudeln.
    Eines Tages ergreift Madame Bieler Initiative und überredet den stillen, dicklichen Unterbuchhalter eines Unterbuchhalters eine Heiratsanzeige aufzusetzen, da er eine Frau brauche, die sich um ihn kümmere. Archilochos befolgt den Rat Madame Bielers und setzt die Annonce "Grieche sucht Griechin" in die Zeitung. Es dauert nicht lange, da meldet sich wirklich eine Griechin und verabredet sich mit Archilochos im "Chez Auguste".
    Überwältigt von der Schönheit und dem Liebreiz der Griechin Chloé, die erzählt, von einem reichen Archäologen-Ehepaar als Dienstmädchen aufgenommen worden zu sein, kann Archilochos sein Glück kaum fassen. Die beiden verlieben sich auf Anhieb und auch sonst wird der einfache Unterbuchhalter eines Unterbuchhalters schier mit Glück überhäuft. Er wird zum Direktor der Petit-Paysan-Werke befördert, wird von allen Männern auf der Straße sehr freundlich begrüßt, wenn er mit seiner Verlobten - denn Archilochos und Chloé wollen heiraten - in der Stadt spazieren geht. Als er dann noch zum Weltkirchenrat befördert wird, ihm ein kleines Schlösschen überschrieben wird und er in den besten Kreisen verkehrt, kann er sein Glück kaum fassen.
    Erst als Archilochos vor den Altar tritt und seiner Braut das "Ja-Wort" gegeben hat, fällt es ihm wie Schuppen von den Augen. Zu spät bemerkt er, wen er da geheiratet hat...
    Dürrenmatt hat ein vor Ironie triefendes, gesellschaftskritisches Werk geschrieben, das wirklich wert ist, gelesen zu werden. Man fiebert mit der wirklich spannenden Geschichte von Archilochos mit, man weiß, dass da etwas nicht stimmen kann, doch würde mann dem einfachen Griechen sein Glück von Herzen gönnen. Anzumerken ist noch eine Besonderheit dieses Buches: Dürrenmatt hat einen eigenen Schluss für Leihbibliotheken angefügt - einzigartig, meines Wissens, allerdings wieder typisch Dürrenmatt: Publikumsbeschimpfung auf seine Art -gönnt er doch seinem "zartbesaiteten" Leihbibliotheks-Leser ein Happy End. Sprachlich ausgefeilt, gut durchdacht und witzig-ironisch. Was will man mehr von einer guten Geschichte?



  • Broschiert: 155 Seiten
  • Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 10., Aufl. (Januar 1985)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3257225148
  • Donnerstag, 18. Januar 2007

    Morgengrauen - Nemesis Band 6


    Autor: Wolfgang Hohlbein
    Original: Morgengrauen (2005)
    meine Bewertung: 3 von 5
     

    "Morgengrauen" ist bereits der sechste und Gott sei Dank auch letzte Teil von Wolfgang Hohlbeins "Nemesis" Reihe. Nachdem in Zeit vor Mitternacht, Geisterstunde, Alptraumzeit, In dunkelster Nacht und Die Stunde des Wolfes sechs Personen, die sich noch nie zuvor gesehen haben, auf Schloss Crailsfelden bestellt wurden, um dort ein ominöses Erbe anzutreten, allerdings allerlei mysteriöse Unfälle und Morde passieren und am Ende nur noch drei der anfangs sechs Personen übrig sind, wird im letzten Teil der Serie endlich aufgeklärt, was hinter den Ereignissen steckt. Was genau das ist, wird natürlich an dieser Stelle nicht verraten.
    Der letzte Band hebt sich von den anderen Bänden durch spürbare Spannung ab, allerdings ist auch dieser nicht unbedingt ein erzählerisches Meisterwerk. Fast hat man das Gefühl, Hohlbein hätte die fünf Bände geschrieben und abgeschlossen, ohne eine Ahnung oder einen Plan zu haben, wie er seine Hauptfiguren da wieder rausbekommt und womit er das Ganze erklären könnte. Die Erklärung, für die er sich schlussendlich entschieden hat, erscheint einem weit hergeholt und nicht hundertprozentig passend. Hohlbein ist eben ein typischer Vielschreiber und leider erkennt man nur zu gut den Kitt, mit denen er seine Storys verleimt. Am Ende steht man mit seinen sechs dünnen Bändchen da, die jeweils 7,20 Euro gekostet haben und fühlt sich geneppt. Über 40 Euro für eine unterdurchschnittliche Story, die man genausogut in ein Taschenbuch für 10,20 stecken hätte können. Lieber nicht!




  • Broschiert: 191 Seiten
  • Verlag: Ullstein Tb; Auflage: 1 (Januar 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548259804

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    Mittwoch, 17. Januar 2007

    Der talentierte Mr. Ripley


    Autorin: Patricia Highsmith
    Original: The talented Mr. Ripley (1955)
    meine Bewertung: 4 von 5


    Nachdem seine Eltern bei einem Schiffsunglück ums Leben kamen, wuchs Tom Ripley bei seiner Tante Dottie in Boston auf. Diese behandelte ihn nie besonders gut und ließ Tom immer spüren, dass er eigentlich unerwünscht war. Das liegt zwar lang hinter Tom, denn mittlerweile lebt er bei einem Bekannten in New York, allerdings plagen ihn seit damals tiefe Selbstzweifel. Tom arbeitet nicht, sondern hält sich mit kleineren Betrügereien über Wasser. Glücklich macht ihn das nicht besonders und reich schon gar nicht.
    Eines Tages wird er in einer Bar von einem wohlhabenden Werftbesitzer, Mr. Greenleaf, angesprochen. Mr. Greenleaf hat in Tom einen alten Freund seines Sohnes Dickie wiedererkannt. Dickie weilt zur Zeit in einem kleinen Dorf in Italien, wo er seine Zeit malend verbringt. Dies ist dem reichen Werftbesitzer ein Dorn im Auge, denn am liebsten würde er seinen Sohn als seinen Nachfolger in der familieneigenen Firma sehen. Er hofft nun auf Tom und überredet ihn dazu, auf seine Kosten nach Italien zu reisen, um Dickie zur Rückkehr zu bewegen.
    Dieses Angebot kommt Tom gerade recht und er nimmt es an. In dem kleinen Dorf in Italien, in dem Dickie wohnt, ist es nicht schwer, seinen alten Bekannten ausfindig zu machen. Zuerst sind Dickie und seine Freundin Marge nicht besonders begeistert vom Auftauchen des Amerikaners, doch als dieser ihnen den wahren Grund seines Besuches verrät, sind sie amüsiert und langsam beginnt das Eis zwischen ihnen zu tauen. Marge bleibt zwar immer noch sehr skeptisch, Dickie und Tom hingegen werden richtige Freunde.
    Tom richtet sich bei Dickie häuslich ein, denn es ist klar, dass dieser nicht zu einer Rückkehr nach Amerika zu bewegen ist. Schon bald erlebt er das aufregende Leben an Dickies Seite. Er beginnt ihn zu beneiden, er möchte sein wie Dickie. Auf einer Reise nach San Remo sieht er dann eine Möglichkeit, wie er sich Dickies entledigen und seine Identität annehmen kann. Fortan baut sich Toms Leben auf Lügen auf, er ist ständig auf der Flucht, durchlebt Zeiten zwischen höchster Euphorie und Verfolgungswahn. Bald schon beginnt sich die Polizei für Mr. Greenleaf zu interessierern, woraufhin eine Art Verfolgungsjagd quer durch Italien und Europa beginnt.
    Dieses Buch von Patricia Highsmith ist ein wirklich genialer Thriller. Obwohl man von Anfang an mitkriegt, auf welchem Lügengerüst Tom Ripleys Leben aufgebaut ist, findet man ihn doch sympahtisch, zumindest ein wenig, und verfolgt voll Spannung und Interesse das Geschehen rund um ihn. Tom Ripley ist eine faszinierende Persönlichkeit, obwohl man weiß, dass er ein gravierendes Problem hat - spannend, brilliant erzählt und gut durchdacht. Wirklich ein Lesetipp!


  • Gebundene Ausgabe: 428 Seiten
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1 (3. Juli 2004)
  • ISBN-10: 3937793135

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    Sonntag, 14. Januar 2007

    Wenn die Katze weg ist

    Autor: Kinky Friedman
    Original: When the Cat's away (1988)
    meine Bewertung: 2 von 5

    Im Madison Square Garden findet eine Katzenschau statt. An sich ist das ja nichts Ungewöhnliches, zumindest nichts, was den Kinkster, seines Zeichens selbsternannter Detektiv und Countrysänger, irgendwie beunruhigen müsste. Allerdings verschwindet bei dieser Schau die Katze von Kinkys Freundin Jane und als diese ihn bittet, nach ihrem verschwundenen Liebling zu fahnden, macht sich der Kinkster auf die Socken - oder in die Cowboystiefel.
    Als dann noch ein Bekannter von Jane ermordet in seinem Hotelzimmer aufgefunden wird, gemeinsam mit einem Brief, der mit "Fred Katz" unterschrieben ist, glaubt der gestiefelte Detektiv nicht mehr an einen Zufall, kann aber den Tod einer weiteren Person aus Janes Freundeskreis nicht verhindern. Kinky verstärkt seine Ermittlungen, er wird dabei von seinen Freunden Ratso, Rambam und Mc Govern unterstützt. Und gemeinsam schaffen sie es, auch noch einem internationalen Drogenring in die Quere zu kommen. Mit viel Glück kommt Kinky gerade noch davon und löst am Ende auch noch den Fall der verschwundenen Katze und der Morde.
    Eigentlich sind die Krimis von Kinky Friedman immer zumindest genial-komisch, skurril und auch einigermaßen spannend, mit diesem hier verhält es sich ein bisschen anders. Obwohl es der dritte Krimi von Friedman ist, wirkt er ein wenig unbeholfen, das Vorgängerwerk "Lone Star" ist dagegen brilliant. Es fehlt der typische Witz, außerdem hat er in diesem Buch nicht mit allerlei politischen Unkorrektheiten gespart - an sich ja nicht wirklich schlecht, da es - wohldosiert - zu einem Markenzeichen des Kinksters geworden ist, aber was zuviel ist, ist zuviel. Wo Humor fehlt findet man Klischees. Schade eigentlich.


  • Broschiert: 216 Seiten
  • Verlag: Heyne (Februar 2002)
  • ISBN-10: 3453169689

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    Donnerstag, 11. Januar 2007

    Supergute Tage




    Autor: Mark Haddon
    Original: The curious Incident of the Dog in the Night-Time (2003)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Die Welt von Christopher Boone ist ein wenig anders, als die jener Menschen, die gemeinhin als "normal" bezeichnet werden. Er liebt Primzahlen über alles, ist mathematisch überdurchschnittlich begabt (und interessiert), liebt Hunde, hasst die Farben Braun und Gelb und geht in eine Spezialschule. Christopher muss immer ganz genau wissen, wie spät es ist und es beunruhigt ihn, wenn Dinge von ihrem gewohnten Platz entfernt oder verrückt werden.
    Eines Tages findet er nun im Garten der Nachbarin, Mrs Sheavers, deren toten Pudel. Irgend jemand hat ihn regelrecht mit einer Mistgabel durchbohrt und in den Rasen gepinnt. Da dies nun mal keine natürliche Todesursache ist, an der Pudel so im Allgemeinen sterben, ist Christopher klar, dass jemand Wellington, also den Hund, ermordet haben muss. Der Junge orientiert sich an seinem Lieblingsroman von Sir Arthur Conan, nämlich "Der Hund der Baskervilles" und beschließt, den Mörder von Wellington aufzuspüren.
    Da gibt es allerdings ein Problem: Christophers Vater verbietet ihm, sich in die Angelegenheit anderer Leute zu mischen und Detektiv zu spielen und außerdem hat der Junge große Probleme damit, mit fremden Menschen zu sprechen. Aber all diese Hindernisse überwindet er dem toten Pudel zuliebe. Als er dann eines Tages auch noch vier rote Autos hintereinander sieht, weiß er, dass das wohl ein superguter Tag werden würde und er durchaus Chancen hat, den Täter ausfindig zu machen. Christopher überwindet ein paar seiner engen Grenzen und stößt so auf Tatsachen, die dem Jungen schwer zu schaffen machen. Nicht nur über seinen Vater, sondern auch über seine tote Mutter erfährt er Dinge, die schon für "normale" 15-Jährige schwer zu verkraften sind. Auch den Mörder des Pudels macht er ausfindig.
    Mark Haddons Roman erzählt die Welt aus der Sicht des am Asperger-Syndrom erkrankten 15-jährigen Christopher Boone. Beim Asperger-Syndrom handelt es sich um eine leichte Form des Autismus, Christopher hat außerdem eine sehr ausgeprägte Inselbegabung in den Bereichen Mathematik und Physik - ist also auch auf diesem Gebiet außergewöhnlich. Sein Hauptdarsteller leidet an den typischen Symptomen: Er ist unfähig, Emotionen zu erkennen, mit Gleichaltrigen angemessen zu interagieren, neigt zu Aggressivität, hat Angst vor Menschen und tut sich schwer mit nonverbalen Ausdrucksformen. Die Welt ist für ihn also komplizierter, doch er findet sich in ihr zurecht. Dabei wird er tatkräftig von seiner Lehrerin und seinem Vater unterstützt.
    Die Handlung des Romans ist durchdacht, Christopher ein sehr sympathischer Protagonist, den man irgendwie einfach mag, und so blöd es klingt: streckenweise auch versteht. Dem Autor wird oft vorgeworfen, seine Nebenfiguren zu eindimensional darzustellen, allerdings muss an dieser Stelle angemerkt werden, dass das Buch schließlich von Christopher selbst erzählt wird und Autismus sich nunmal (unter anderem) durch extreme Ich-Bezogenheit äußert. Dadurch sollte klar sein, warum nicht auch geschildert wird, wie schwer das Leben mit einem autistischen Kind sein kann.
    Als Manko wird auch manchmal angeführt, die Krankheit würde zu "seicht" dargestellt und die typischen Verhaltensweisen à la "Rainman" klischeehaft verwendet. Aus eigener Erfahrung (mein Cousin ist gerade 16 und ein Asperger-Kind) kann ich sagen, dass eine Persönlichkeitsstörung wie diese so vielschichtig ist, dass sie in ihrer ganzen Tiefe einfach nicht dargestellt werden kann. Den Autisten fehlen meist die sprachlichen Mittel, um ihre Welt zu beschreiben, viele Symptome hängen zusammen und auch Umweltfaktoren spielen eine wichtige Rolle. Meiner Meinung nach sollte man es dem Autor also nicht vorwerfen, wenn er sich einiger Klischees bedient, da diese dazu beitragen, eine so komplizierte Krankheit wie den Autismus nicht noch weiter zu komplizieren.
    Das Buch wurde sowohl als Kinder-, als auch als Erwachsenenbuch vermarktet. Bei beiden Zielgruppen landete Haddon einen großen Erfolg, was nicht verwunderlich ist. Christopher ist einfach sympathisch, trotz allem lebenslustig, ernsthaft und dadurch auch oft komisch, er bekommt im Buch die Chance über sich hinauszuwachsen und öffnet dem Leser auf eine liebenswürdige Art und Weise die Augen.

  • Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
  • Verlag: Blessing; Auflage: 1 (13. Februar 2004)
  • ISBN-10: 3896672282


  • Mittwoch, 10. Januar 2007

    Weihnachtsgeschichten aus aller Welt

    Herausgeber: Johannes Thiele  
    Original: Weihnachtsgeschichten aus aller Welt (2006)
    meine Bewertung: Flop

    Die wohl hässlichsten, langweiligsten und unweihnachtlichsten Weihnachts-gesschichten hat Johannes Thiele in diesem Buch versammelt. Was er sich bei der Auswahl gedacht hat, ist sehr fraglich, wahrscheinlich sowas wie: "Hm, welche Geschichten schaffen es, dem Leser auch nachträglich noch alle Freude am Fest zu nehmen?"
    Wahrscheinlich hat Thiele die Geschichten selbst nicht gelesen, denn sonst wüsste er, dass ein Großteil alles andere ist als "zauberhaft", wie auf dem Buchrücken angekündigt. Traurig, ohne Weihnachtsstimmung und deprimierend, so könnte man das Buch mit den 22 Geschichten kurz, aber durchaus treffend beschreiben. Lediglich Gaby Hauptmann, O. Henry und Peter Rosegger lieferten Geschichten, die die Ausnahme bilden und wahrlich die Weihnachtsstimmung einfangen und auf das Fest einstimmen können. Lieber die Finger davon lassen!

    314 Seiten, 13 x 19 cm, gebunden.
    Weltbild
    ISBN-10: 3898975037
    ISBN-13: 9783898975032

    Montag, 8. Januar 2007

    Black Coffee

    Autorin: Agatha Christie
    Original: Black Coffee (Theaterstück; als Roman bearbeitet von Charles Osborne)
    meine Bewertung: 3 von 5


    Der berühmte Naturwissenschafter Sir Claud Amory hat sozusagen "aus Versehen" einen Sprengstoff erfunden, der alles bisher dagewesene in den Schatten stellen könnte. Da diese Formel zweifellos sehr viel Geld wert ist, hat er Angst, man könnte ihm die Formel stehen. Er verdächtigt jemanden aus seinem Haushalt, bereits diebische Absichten zu hegen, so wendet er sich an den berühmten belgischen Meisterdetektiv Hercule Poirot.
    Doch als Poirot und sein langjähriger Freund Hastings im Anwesen von Sir Claud ankommen, ist das Unglück bereits geschehen. Jemand hat die Formel aus dem Safe gestohlen und auch noch Sir Claud vergiftet. Hercule Poirot macht sich an die Arbeit und hat schon bald eine Person in Verdacht. Doch ist die Person, die die Formel gestohlen hat auch die Person, die Sir Claud vergiftet hat? Der Kreis der in Frage kommenden Täter ist groß, doch der brilliante Detektiv findet schon bald die Wahrheit heraus...
    Ursprünglich war "Black Coffee" ein Theaterstück, das erst nach dem Tod Agatha Christie bearbeitet und in einen Roman verwandelt wurde. Dementsprechend spürt man zwar den Geist von Agatha Christie, allerdings merkt man auch, dass nicht sie selbst den Roman geschrieben hat. Den Figuren mangelt es an Tiefe, lediglich Hercule Poirot und sein Freund Hastings sind etwas dreidimensionaler dargestellt. Im Falle von Poirot nicht unbedingt ein Vorteil, da dieser sehr überzeichnet und hochnäsig, herablassend und unsympathisch wie nie erscheint.
    Zum Glück bleibt dem Buch wenigstens die Spannung und die typisch englische Herrenhaus-Atmosphäre erhalten, die die Krimis der 1976 verstorbenen "Queen of Crime" so beliebt gemacht haben. Nicht nur über 100 Romane, sondern auch eine Vielzahl an Bühnenstücken sind das Erbe, das Agatha Christie ihren Fans hinterlassen hat.


  • Broschiert: 192 Seiten
  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1 (1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 359616950X

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    Sonntag, 7. Januar 2007

    Notting Hill

    Autor: Philip O'Connor
    Original: Notting Hill (1999)
    meine Bewertung: 4 von 5

    William Thacker ist ein ziemlich erfolgloser Buchhändler. Im hippsten Touristenviertel Londons, Notting Hill, betreibt er einen Reisebuch-Shop und bewohnt mit seinem seltsamen Mitbewohner Spike eine Wohnung, nachdem ihn seine Frau verlassen hat. Obwohl er nicht unbedingt Kundenanstürme auf seinen Laden verzeichnen kann, ist er doch irgendwie ganz glücklich. Er liebt seine Arbeit, Notting Hill und alles was dazu gehört und kann von sich behaupten, eine loyale Freundeschar um sich zu haben.
    Etwas wirklich Außergewöhnliches passiert in seinem Leben, als die weltberühmte amerikanische Filmschauspielerin Anna Scott in London weilt, um ihren neuesten Film zu bewerben. Die wunderschöne Frau verirrt sich eines Tages in den kleinen Buchladen von William. Nachdem sie dort einen wirklich schlechten Reiseführer für die Türkei gekauft hat, will es das Schicksal, dass die beiden sich zufällig auf der Straße wieder begegnen. Zwischen dem einfachen Londoner Junggesellen und der berühmten Schauspielerin, die noch dazu verlobt ist, knistert es ziemlich gewaltig...
    Im Jahr 1999 landete "Notting Hill" einen Kinoerfolg, verfilmt mit Julia Roberts und Hugh Grant. Das Buch erschien erst nach der Verfilmung, weshalb man eigentlich allen Grund zur Skepsis haben könnte. Nach dem Debakel mit "Die Braut die sich nicht traut", einer wirklich sehr schlechten Romanadaption, war ich anfangs auch misstrauisch, jedoch völlig unbegründet, wie sich schon nach den ersten paar Seiten herausstellte. O'Connor hat den ganzen Charme des Films eingefangen, die Stimmung im quirligen Notting Hill vollständig erfasst und die Charaktere der Haupt- und Nebenfiguren so angelegt, dass man sie einfach mögen muss. Überraschenderweise kommt auch der Humor nicht zu kurz, der nicht irgendwie gewollt wirkt, sondern sich aus der Komik der Situationen ergibt.
    "Notting Hill" ist ein Buch zum Film, das scheinbar die Ausnahme darstellt und wirklich lesenswert ist - auch wenn man den Film schon kennt und vor allem dann, wenn man ihn noch nicht kennt.

     

  • Broschiert: 218 Seiten
  • Verlag: Goldmann (Juli 1999)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442445434
  • Samstag, 6. Januar 2007

    Lullaby

     
    Autor: Chuck Palahniuk
    Original: Lullaby (2002)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Carl Streator ist Journalist und als solcher soll er eine Reihe über den plötzlichen Kindstod in einer Zeitung veröffentlichen. Sein Redakteur hat von Anfang an von ihm verlangt, immer auf alle Details zu achten, so dauert es auch nicht lang, bis der Journalist dahinter kommt, was diesen plötzlichen und ohne Verletzungen auftretenden Tod verursacht haben könnte. In jedem Kinderzimmer, in dem vor kurzem erst ein Kind gestorben ist, findet er das Buch "Gedichte und Lieder aus aller Welt". Und seltsamerweise ist das Buch immer auf Seite 27 aufgeschlagen. Auf dieser Seite befindet sich ein Gedicht, eigentlich ein Schlaflied, das Carl mehr als nur bekannt vorkommt. Er hat es nämlich vor rund 20 Jahren seinem Sohn und seiner Frau vorgelesen - am Abend, bevor diese starben.
    Das Lied scheint aus Afrika zu stammen, es handelt sich um ein sogenanntes "Merzlied". Ein Lied, das töten kann, wenn man es einem Menschen vorliest oder auch nur an ihn denkt, während man es aufsagt. So ganz kann der Journalist noch nicht an die Wirkung des Liedes, in dem es eigentlich um Tiere geht, die schlafen gehen, glauben, deshalb testet er die Wirkung an seinem Redakteur. Als dieser am nächsten Tag nicht zur Arbeit kommt, ist für Streator alles klar.
    Er forscht ein bisschen nach und stößt auf die Maklerin Helen Hoover Boyle, deren Sekretärin Mona Sabbat und deren Freund Oyster. Alle drei wissen über das Merzlied Bescheid, Helen ist jedoch außer Carl die einzige, die auch den Inhalt des Liedes kennt und anscheinend erfolgreich einsetzt. Die Truppe macht sich auf den Weg quer durch Amerika, um alle Exemplare von "Geschichten und Lieder aus aller Welt" aus dem Verkehr zu ziehen, bevor es in falsche Hände gerät. Auf der Suche nach den Büchern hinterlassen sie eine Spur von Leichen, geraten sich hin und wieder in die Haare, verlieben sich, haben Spaß, denken über den Unterschied von Gut und Böse nach und von etwas begleitet, das unglaubliche Macht besitzt.
    Der Amerikaner mit der französisch-russischen Abstammung wurde 1962 geboren, wollte schon immer Autor werden. Erst nach einem einschneidenden Erlebnis verwirklichte er diesen Traum und landete mit "Fight Club" gleich einen Bestseller. Auch "Lullaby" hat durchaus das Zeug dazu, Kultstatus zu erlangen. Der Roman wird aus Sicht des Reporters Carl Streator erzählt. Streator ist eine verzweifelte Figur, genauso wie seine drei Begleiter. Palahniuk hat es geschafft, diese Verzweiflung einzufangen. Durch die Plastizität, über die seine Figuren verfügen, schafft er es sogar, dass man ihm als Leser abnimmt, dass Worte töten können.
    Man erwischt sich bei der Lektüre dabei, darüber nachzudenken, wie gerechtfertigt im jeweiligen Fall die Anwendung des Merzliedes nun war und was passieren würde, würde man das Lied per Massenmedien verbreiten. "Phobiker der Stille", so nennt Palahniuk die Menschen unserer Zeit, da wir ständig von einer Geräuschkulisse umgeben sind. Stille, das könnte das Merzlied  der Welt bescheren. Man könnte die Überbevölkerung abschaffen, Terroristen, Massenmörder, Diktatoren von der Bildfläche verschwinden lassen - und würde sich dazu selbst in einen machthungrigen Diktator, Terroristen, Massenmörder verwandeln.
    Ein wirklich genial-beängstigendes Buch, schräg und komisch, aber vor allem nachdenklich und irgendwie düster. Ein Must-Read!

  • Broschiert: 254 Seiten
  • Verlag: Goldmann (August 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442542197
  • ISBN-13: 978-3442542192
  • Mittwoch, 3. Januar 2007

    Auferstehung der Toten

    Autor: Wolf Haas
    Original: Auferstehung der Toten (1996)
    meine Bewertung: 4 von 5
    Der erste Fall von Simon Brenner führt ihn nach Zell am See, im österreichischen Salzburg. Eines Morgens werden auf einem Lift zwei Amerikaner entdeckt - erfroren. Die Liftwarte sind sich sicher, dass die beiden nicht dort vergessen worden sind, sondern in der Nacht den Lift bestiegen haben müssen, dann hat man den Lift abgestellt und die beiden Touristen ermordet. Tiefgekühlt sozusagen.
    Die Polizei und mit ihr Simon Brenner tappt lange Zeit im Dunklen. Nach einem Dreivierteljahr ist die Polizei zwar in ihren Ermittlungen nicht weiter, allerdings auch nicht mehr in Zell. Der einzige, der dortgeblieben ist, ist der Brenner, der mittlerweile von der Polizei ausgeschieden ist und im Auftrag eines privaten Detektivbüros weiterermittelt.
    Die Hauptfiguren in diesem Heimattheater sind der Vergolder Antretter, der als verrückt geltende Lorenz, eine Deutsche ohne Hände, der Fux Andi von der Tankstelle und ein paar seltsame Drohbriefe. Aber alles scheint nicht wirklich zu passen, auch Brenner kommt einfach nicht voran. Doch dann geht plötzlich alles Schlag auf Schlag: Erst nach einem Tankstellenbrand, bei dem scheinbar zwei Menschen zu Tode kommen, wird Brenner klar, wer mit wem und warum.
    Dieser Roman ist Wolf Haas' erster und somit auch der erste der Brenner-Serie. Man sieht schon sehr gut das Potential des österreichischen Autors, allerdings weist die Geschichte, anders als ihre Nachfolgerinnen, einige Längen auf, die man sich sparen hätte können. Die Handlung selbst ist wohldurchdacht und trotz aller Verstrickungen löst sie sich am Ende logisch auf. Der Humor und das Lokalkolorit, das die nachfolgenden Bücher auszeichnet, sind ebenfalls schon vorhanden, allerdings noch nicht so ausgeprägt wie in den späteren Bänden. Haas hat eine fantastische Beobachtungsgabe und einen wunderbaren Sinn für Humor.


  • Taschenbuch: 152 Seiten
  • Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: Nachdruck 2000. (September 1996)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3499228319
  • ISBN-13: 978-3499228315

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