Dienstag, 27. Februar 2007

Schatten in Rockfortcastle

Autorin: Ursel Scheffler
Titel: Schatten in Rockfort Castle (1996)
meine Bewertung: 2 von 5

Lady Curzon lebt in Rockfort Castle im kleinen Ort Binocle nahe von London. Erst vor kurzem ist ein entfernter Verwandter aus Amerika zu ihr gekommen, der angeblich ihr Neffe ist. Das beschauliche Leben von Lady Curzon wird jedoch von einem Diebstahl überschattet: Jemand hat das Porträt ihres Vorfahren Casimir Curzon gestohlen. Ein herber Verlust, da das Gemälde von einem alten Meister gemalt wurde und sehr wertvoll war. Doch die Versicherungssumme kann sie ein wenig über diesen herben Verlust hinwegtrösten.
Die alte Dame Sara Robinson hegt einen Verdacht und macht sich daran, das Rätsel um das verschwundene Bild aufzuklären, da Inspektor Higgins, der Polizeibeamte des Ortes, gerade mit einem wichtigen Kunstfälscher-Fall befasst ist und sich auch sonst nicht besonders klug anstellt. Sara zur Seite stehen die beiden kleinen Zwillingsbrüder Tom und Billy (aber nicht Kaulitz!), sowie die kleine Kitty. Gemeinsam schaffen es die alte Dame und die Nachbarskinder, Licht in in diese verworrene Angelegenheit zu bringen.
Dieses Kinderbuch ist sogar als solches nicht besonders anspruchsvoll. Leider sind die Charaktere nicht besonders ausgeprägt ausgefallen, so dass man auf den rund 120 Seiten kaum Sympathien aufbauen kann. Die Handlung ist selbst für die zehnjährigen Leser, für die das Buch vorgesehen ist, vorhersehbar. Schade finde ich vor allem, dass in dem 1996 erschienenen Buch - abgesehen von der Protagonistin - Frauen sehr antiquiert dargestellt werden. Es gibt die Krämersfrau, die Bäckersfrau und die Lehrersfrau. Diese sind nicht etwa Krämerinnen, Bäckerinnen und Lehrerinnen, sondern die Frauen von Krämern, Bäckern und Lehrern. Für Kinder gibt es definitiv spannendere und passendere Geschichten, beispielsweise Thomas Brezinas Knickerbockerbande.


  • Gebundene Ausgabe: 122 Seiten
  • Verlag: Egmont Franz Schneider Verlag (1996)
  • ISBN-10: 3505103217

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    Montag, 26. Februar 2007

    Dracula

    Autor: Bram Stoker
    Original: Dracula (1897)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Jonathan Harker, ein englischer Anwaltsgehilfe, muss in das ferne Transsilvanien reisen, um sich dort mit Graf Dracula auf dessen Schloss zu treffen. Harker soll mit dem Grafen alle nötigen Formalitäten abwickeln, die für den Kauf eines neuen Anwesens für Dracula in London nötig sind. Schon bei seiner Ankunft in Transsilvanien bemerkt der Brite den starken Aberglauben der Bevölkerung, die größtenteils aus einfachen Bauern besteht. Die Menschen bekreuzigen sich, sobald er den Namen "Dracula" erwähnt, schenken ihm Kruzifixe und geben ihm wilden Knoblauch mit auf die Reise zum Schloss des Grafen. Harker, ein Mann von Welt, belächelt die netten Bauern und begibt sich furchtlos auf das Schloss.
    Schon bald jedoch bemerkt er einige Seltsamkeiten. So scheint der Graf beispielsweise kein Spiegelbild zu haben, er isst nicht, ist tagsüber nicht anwesend, riecht unangenehm und kriecht des Nachts eidechsenähnlich an den Mauern des Schlosses hinab. Harker will sich natürlich aus dem Staub machen, bemerkt allerdings, mittlerweile zum Gefangenen des Grafen geworden zu sein, der sich aber als liebenswürdiger Gastgeber erweist und ein anregender Gesprächspartner ist. Als Dracula jedoch nach London abreist, lässt er Harker im Schloss alleine mit drei seltsamen untoten Frauen, die sich seiner annehmen sollen. Harker entkommt und landet erst einmal in einem rumänischen Krankenhaus, bevor er nach Hause nach London in die Arme seiner Verlobten Mina entlassen wird, die er bald darauf ehelicht. Über die Zeit auf Schloss Dracula schweigt er.
    Zur gleichen Zeit beginnt Lucy Westenra, eine enge Freundin von Mina, nachts schlafzuwandeln. Eines Morgens findet ihr treuer Freund Dr. Seward merkwürdige Male an Lucys Hals vor. Weil sie außerdem immer schwächer und blasser wird, schickt er nach seinem ehemaligen Lehrer, Professor Van Helsing, der in allen Bereichen der Wissenschaft mehr als nur bewandert ist. Van Helsing erkennt die Zeichen und erfährt zufällig von Harkers Aufenthalt auf Schloss Dracula. Van Helsing schart Seward, Quincy Morris und Lord Goldalming um sich, um Lucy von ihren Qualen mittels Pfählen zu erlösen. Später stoßen auch noch die Harkers zu den Männern und gemeinsam machen sie sich auf die Jagd nach Graf Dracula. Diese Suche ist umso dringlicher, da auch Mina gebissen wurde und kurz davor steht, sich in einen Vampir zu verwandeln.
    Stoker hat einen faszinierenden Roman geschaffen, der für seine Zeit ungewöhnlich war. Damals war die Literaturszene vom Realismus geprägt, Stokers Werk ist jedoch der Schwarzen Romantik zuzuordnen. Ungewöhnlich ist nicht nur die Thematik, sondern auch die Erzählweise des Werks. Der Leser liest abwechselnd in den Tagebüchern von John Harker, Mina Harker, Lucy Westenra und Doktor Seward, er bekommt also seinen Gesamteindruck aus verschiedenen Perspektiven. Dies ist sehr interessant, da Stoker es versteht, zwischen den Sichtweisen der Personen einen Schalter umzulegen, so dass jeder Bericht nach seiner erzählenden Person klingt. Durch das Fehlen eines zentralen Erzählers verschafft Stoker seinem Werk eine gewisse Seriosität, es klingt wie ein Tatsachenbericht.
    Natürlich muss auch dieser Roman als das betrachtet werden, was er ist: Ein Kind seiner Zeit. Nicht nur die etwas antiquierte Sprache, sondern auch die Haltung gegenüber Ehre und Tapferkeit, sowie Frauen sind geprägt vom damaligen Weltbild. Nicht zu leugnen ist die unterdrückte Erotik, die durch die Zeilen dieser ach so prüden Zeit schimmert.
    "Dracula" war nicht der erste Vampirroman - einige Geschichten rund um Blutsauger reichen bis ins frühe Mittelalter - allerdings einer, der es zu Weltruhm brachte und so oft verfilmt wurde, dass "Dracula" das wohl bekannteste ungelesene Buch aller Zeiten ist. Als Vorlage für Stokers Grafen diente angeblich Vlad III. Drăculea, Fürst der Walachei, der durch seine Grausamkeiten bekannt wurde und um dessen Figur sich bis heute zahlreiche Mythen und Legenden ranken. Stoker hat sich mit der Schilderung der Topografie und des Schlosses nicht an exakte Tatsachen gehalten, dennoch lebt ein Großteil des Tourismus in Rumänien heute vom Vampirglauben.
    Alles in allem ist "Dracula" ein spannender Vampirroman, den man durchaus gelesen haben sollte. Er weckt das Interesse an der realen Person des Vlad Tepes und am Vampirglauben allgemein. Außerdem vermittelt er einen sehr guten Eindruck des damals herrschenden Weltbildes und ist eine interessante Mischung aus Abenteuer-, Liebes- und Horrorroman. Ein paar Längen kann man dadurch leicht verzeichen.


  • Broschiert: 473 Seiten
  • Verlag: Ullstein Tb; Auflage: 2., Aufl. (Oktober 1997)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548243177

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    Donnerstag, 15. Februar 2007

    Leibkoch von Al Capone; der

    Autor: Kinky Friedman
    Original: The Lovesong of J. Edgar Hoover (1996)
    meine Bewertung: 3 von 5

    Der Kinkstah bekommt dieses Mal seinen Auftrag von einer Schönheit namens Polly Price. Diese beauftragt ihn, ihren verschwundenen Ehemann Derrick Price ausfindig zu machen. Zu diesem Zweck durchstöbert er dessen Apartement und sein bisheriges Leben und erkennt, dass Derrick wohl nicht gefunden werden möchte. Sein Detektivkollege und Freund Rambam findet außerdem heraus, dass Derrick Price bereits vor sieben Jahren verstorben sei. Sehr mysteriös - wer verbirgt sich also hinter dem Namen des Verstorbenen? Um das herauszufinden, reist Kinky nach Washington und stolpert dort in eine gefährliche Falle.
    Erschwerend kommt noch hinzu, dass einer von Kinkys "Village Irregulars", McGovern, beschattet wird. McGovern behauptet, sein Verfolger sei Leaning Jesus, der Leibkoch von Al Capone, mit dem ihn früher ein sehr tiefes Verhältnis verbunden hat. Abgesehen davon, dass Leaning Jesus schon in den sehr späten Achtzigern sein müsste, deuten für Kinky auch andere Anzeichen von McGoverns Entdeckung eher dafür, dass McGovern mittlerweile auf einem anderen Planeten kocht, um es mit Kinky zu sagen. Erst spät entdeckt der Kinkstah, dass diese beiden Fälle wohl doch mehr gemeinsam haben könnte, als er auf den ersten Blick gedacht hat.
    Dieser Friedman ist wieder wunderbar witzig und darin wird auch so sparsam mit political incorrectness umgegangen, dass es noch witzig ist. Natürlich macht gerade diese Gratwanderung den Charme der Bücher aus, hier ist sie gelungen. Oft genug schon ist der Kinkstah bei dieser Gratwanderung abgestürzt. Die Story schwächelt dafür, sie ist zwar spannend aber nicht wirklich ein Kriminalfall.
    Als weiteres Manko könnte man die vielen Kinkysms werten. Es ist ja noch lustig, wenn er vom "Schädel-TÜV" spricht, wenn er Psychiater meint, nach dem fünften bis zehnten mal allerdings auch schon abgedroschen. Und solche Kinkysms kommen en masse vor - sie treten so gruppenweise auf, dass man meinen könnte, man liest ein Kapitel schon das zweite Mal. Trotz dieser Minuspunkte verdient das Buch durch seinen unvergleichlichen Witz drei Punkte.


  • Broschiert: 238 Seiten
  • Verlag: Hoffmann und Campe (Mai 2002)
  • ISBN-10: 3455103731

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    Mittwoch, 14. Februar 2007

    Wie eine Hecke voll Himbeeren

    Autorin: Gunnel Linde
    Original: 1977
    meine Bewertung: 3 von 5

    Sylvia und Pelle sind ein Paar, schon seit sie dreizehn Jahre alt sind. Jetzt sind sie vierzehn und plötzlich beginnt das Leben, problematisch zu sein. Pelle soll von seinen Eltern aus eine Klasse überspringen, dafür muss er viel lernen und kann Sylvia nicht mehr so oft sehen. Sylvia ist darüber ganz unglücklich und weiß nicht, was sie tun soll. Sie hat eine Freundin, Maggan, aber die ist ihr keine große Hilfe. Die weint viel und darf sich von ihrer Mutter aus nicht mit Sylvia treffen, sie versteht das Leben von Sylvia einfach nicht. Die einzige wahre Stütze sind dem Mädchen ihre drei Geschwister, ihre Mutter und ihr Vater, die ihr noch einiges über das Leben und das Lieben beibringen können.
    Pelle schafft es in die höhere Klasse, er hat neue Freunde und sieht Sylvia nur noch selten. Außerdem ist da noch Anja, die jetzt auch in seine Klasse geht. Nicht nur, dass sich Pelle und Sylvia nur noch selten sehen, sondern auch, dass Pelle umziehen soll, machen Sylvia große Sorgen, die das Leben plötzlich überhaupt nicht mehr lebenswert findet...
    Die Geschichte ist aus der Sicht von Sylvia erzählt, die für ihr Alter (14 Jahre) etwas frühreif zu sein scheint. Sie besorgt sich in der Mädchenberatung ein Rezept für die Pille, denkt daran, mit Pelle zu schlafen und ist doch noch ganz Mädchen. Sie durchlebt alle Höhen und Tiefen einer Teenie-Liebe, die am Ende doch nicht gut geht, allerdings kommt sie am Ende zur wertvollen Erkenntnis, dass das Leben trotz allem lebenswert ist. Das Buch ist nett zu lesen und humorvoll, allerdings finde ich es seltsam, dass schon 13-, 14-Jährige sich ernsthaft mit dem Gedanken tragen, sich umzubringen oder miteinander zu schlafen, weiters findet man einen Querverweis auf Anna Karenina. Kennt man die mit 14 schon?


  • Gebundene Ausgabe: 173 Seiten
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (Juni 2006)
  • ISBN-10: 3866151411

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    Sonntag, 11. Februar 2007

    Fünf Freunde auf geheimnisvollen Spuren

    Autorin: Enid Blyton
    Original: Five run away together (1944)
    meine Bewertung: 2 von 5

    Die Geschwister Anne, Richard und Julius dürfen die Sommerferien wieder bei ihrer Cousine Georgina, Tante Fanny und Onkel Quentin im Felsenhaus am Meer verbringen. Sie haben dort immer viel Spaß und erleben eine Menge Abenteuer. Georgina möchte gerne ein Junge sein und benimmt sich auch so, deshalb besteht sie darauf, Georg genannt zu werden. Der Hund Tim darf natürlich auch nicht fehlen.
    In dieser Geschichte der berühmten Fünf Freunde muss Tante Fanny ins Krankenhaus, Onkel Quentin begleitet sie dabei. Weil ihre langjährige Köchin Johanna ihre Schwester besucht, wird Frau Stock als neue Köchin eingestellt. Sie bringt ihren Hund "Tinker" mit, der von den Freunden nur "Stinker" genannt wird, sowie ihren seltsamen Mann und ihren Sohn Edgar - auch "Dreckspatz" genannt, freilich nur von den Fünf Freunden. Die Kinder und die Stocks mögen sich überhaupt nicht, genauso wenig wie sich die Hunde mögen.
    Um doch noch eine schöne Zeit zu verbringen, beschließen die Kinder, weg zu laufen. Sie packen Lebensmittel und alles, was sie sonst noch brauchen ein und fahren hinaus auf Georgs Insel, auf der sogar ein verfallenes Schloss steht. Die Kinder richten sich ihr Lager in einer Höhle ein und haben viel Spaß. Doch dann entdecken sie etwas Seltsames: Beim alten Schiffswrack scheinen sich regelmäßig Menschen herumzutreiben. Die Kinder denken zuerst an Schmuggler, werden dann aber dadurch überrascht, dass es die Stock sind, die auf die Insel kommen. Was geht hier vor? Natürlich wollen die Kinder das Geheimnis aufdecken und beginnen mit ihren Ermittlungen...
    Diese Geschichte der Fünf Freunde habe ich in der Originalfassung gelesen und ich muss sagen, ich war ein wenig enttäuscht vom Stil des Buches. Ich bin mir nicht sicher, ob mir das als Kind gefallen hätte - freilich, die Geschichte ist spannend, die Charaktere sympathisch und es gibt ein Happy End. Allerdings kommen viele veraltete Ausdrücke vor, die zwar einerseits den Charme des Buches ausmachen, andererseits für "moderne" Kinder irritierend sein kann. Vielleicht ist die Neuauflage für die heutige Zeit für Kinder empfehlenswerter.


  • Gebundene Ausgabe: 188 Seiten
  • Verlag: Cbj (1997)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3570033139

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    Samstag, 10. Februar 2007

    Love

    Autor: Stephen King
    Original: Lisey's Story (2006)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Lisey Landon ist die Witwe des verstorbenen Bestsellerautors Scott Landon. Sie denkt, nach zwei Jahren genug getrauert zu haben, und beschließt, den Nachlass ihres Mannes zu ordnen und sein Büro, das in der Scheune ein wenig abseits des Hauses lag, aufzulösen. Hilfe bekommt sie dabei von ihrer ältesten Schwester Amanda. Die Arbeit ist zermürbend und wird durch die Hitze und das etwas getrübte Verhältnis zwischen den Schwestern nicht gerade erleichtert. Lisey verliert sich immer wieder in Gedanken an die Zeit mit ihrem geliebten Ehemann Scott und merkt, dass sie noch nicht über dessen plötzlichen Tod hinweggekommen ist.
    Sie und Amanda kommen nicht besonders weit damit, Scotts Nachlass zu sichten. Amanda fährt nach Hause, Lisey hängt ihren Erinnerungen nach und so wird die Geschichte der Landon-Ehe nach und nach erzählt. Der Leser erfährt einiges von früher, wie Blitzlichter tauchen dazwischen aber immer wieder Gedanken von Lisey auf, die sich an eine Zeit zu erinnern scheinen, die vor allem für Scott alles andere als schön war. Liseys Erinnerungsorgie wird jedoch jäh gestoppt, als ihre andere Schwester Darla sie anruft und darüber informiert, dass ihre Schwester Amanda wieder einmal in einen katatonischen Zustand verfallen ist, nachdem sie sich tiefe Schnittwunde zugefügt hatte, um darüber hinwegzukommen, dass ihre frühere Liebe eine neue Frau gefunden hat.
    Lisey fährt zu Amanda nach Hause, wo sie die total erschöpfte Darla und eine völlig reaktionslose, vor sich hinstarrende Amanda antrifft. Lisey schickt Darla weg und erklärt sich dazu bereit, die Nachtschicht zu übernehmen und Amanda zu versorgen. Gemeinsam bringen die beiden Schwestern Amanda zu Bett. Darla fährt, Lisey legt sich zu ihr und verbringt eine unruhige Nacht. Gegen Morgen wacht sie auf, weil Amanda zu ihr zu sprechen scheint. Amanda liegt zwar mit dem Rücken zu ihr im Bett, doch Lisey erkennt sofort, dass es Scotts Stimme ist, die durch Amanda zu ihr spricht. Scotts Stimme schickt sie auf eine Art Schatzsuche, an deren Ende Lisey eine Belohnung finden soll. Mehr intuitiv sorgt Lisey dafür, dass ihre katatonische Schwester in die nahegelegene Nervenheilanstalt gebracht wird, sie selbst begibt sich wieder in Scotts Büro, wo sie mit ihrer Schatzsuche beginnt.
    Diese Schatzsuche führt sie in die Kindheit Scotts, in eine geheime, wunderschöne und genauso gefährliche Welt namens Boo'ya Mond, in die Vergangenheit ihrer Liebe und zu einem Schatz. Die Suche wird allerdings durch einen Verrückten erschwert, der in Liseys Anwesen einbricht und sie schwer verletzt. Der Typ will Scotts Nachlass und droht Lisey damit, wieder zu kommen und sie noch schwerer zu verletzten, wenn er nicht bekommt, was er will. Lisey hat Angst, aber Scotts Stimme leitet sie und zeigt ihr Lösungen auf. Bevor sie sich selbst retten und den Schatz finden kann, muss sie aber erst noch ihre Schwester Amanda aus der Katatonie holen - denn nur sie scheint ihr in ihrem finalen Kampf beistehen zu können.
    Die Horror-Elemente in diesem King-Werk sind eher subtil eingesetzt, ein Monster kommt allerdings auch vor; wie das Amen im Gebet. Das Hauptmotiv ist die Liebe zwischen Scott und Lisey, die vieles überstanden hat und sehr tief ist, außerdem geht es um das Gespür, das man im Lauf der Ehe füreinander entwickelt und die geheimen Witzchen und Ausdrücke, die man sich als Ehepartner aneignet. Kings Roman ist spannend und irgendwie schön - einfach gute Unterhaltung. Was will man also mehr? Vielfach wird das Werk für seine King untypische Art kritisiert. Doch nur weil ein Werk mal anders als seine Artgenossen ausgefallen ist, sollte man es nicht gleich als "schlecht" abtun. Und so anders ist das Werk gar nicht, man muss sich halt nur die Mühe machen, genau hinzusehen. Dann sieht man King in jeder Zeile. Gönnt dem Großmeister zu seinem 60. Geburtstag (im April) doch, alte Schema mal kurz hinter sich lassen zu können.
    Natürlich findet man auch in "Love" (die Übersetzung des englischen Titels ist wirklich kein besonderer Glücksgriff) zahlreiche Verwandtschaften ins King-Universum. So liest Lisey beispielsweise ein Werk von Michael Noonan - Noonan war die Hauptfigur in Kings Roman "Sara". Der Ort der Handlung ist einmal mehr Castle View. Das Buch ist außerdem voll von Anspielungen auf andere Autoren und Musiker, welche genau wird im Nachwort von Stephen King persönlich kommentiert.
    Alles in allem lässt sich sagen, dass Kings Werk wieder einmal erreicht hat, was ein gutes Buch sollte: es hält den Leser gefesselt und führt einen in ein anderes Universum. Die Länge wirkt wahrscheinlich ein wenig abschreckend, aber wenn man erst mal drin ist, kommt man so leicht da nicht mehr heraus. Diversen Motzern sei gesagt: zuerst lesen, dann kritisieren. Und nur weil ein Autor kommerziell erfolgreich ist, sollte sein Werk nicht als Schund abgetan werden.


  • Gebundene Ausgabe: 730 Seiten
  • Verlag: Heyne; Auflage: 1 (Oktober 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3453265327

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    Freitag, 2. Februar 2007

    Schade, dass du nicht tot bist

    Autorin: Rita Mae Brown
    Original: Wish you were here (1991)
    meine Bewertung: 4 von 5

    Crozet ist ein kleinens Dorf in Virginia. Man kennt sich untereinander und weiß größtenteils über die Marotten der Einwohner Bescheid, so stört es auch niemanden, dass die Postmeisterin Mary Minor Harristeen, kurz "Harry" genannt, ihre beiden liebsten Freundinnen mit ins Postamt bringt: die Corgi-Hündin Tee Tucker und die Katze Mrs. Murphy. Es tut sich nicht viel im Dorf, deshalb ist Harrys Scheidung von ihrem Ehemann Fair das Thema des Dorfklatsches. Doch Harrys persönliche Tragödie wird schon bald von einem grausamen Mord überschattet.
    Der Bauunternehmer Kelly Craycroft wird völlig zerstückelt in einem Betonmischer aufgefunden, kurz nach ihm findet man die Leiche der Einzelunternehmerin Maude, die von einem Zug überrollt und in drei Stücke zerteilt wurde. Angst und Misstrauen senkt sich über die kleine Dorfgemeinde und Harry beginnt, private Ermittlungen aufzunehmen. Ihr ist nämlich aufgefallen, dass alle Opfer kurz vor ihrem Tod eine Postkarte mit der Aufschrift "Schade, dass du nicht hier bist" und dem Bild eines Friedhofs erhalten haben. Die Postmeisterin wird in ihren Ermittlungen tatkräftig von ihrer menschlichen Freundin Susan und ihren beiden tierischen Freunden Tucker und Mrs. Murphy unterstützt. Doch sie kommt dem Mörder zu nahe und muss nun selbst um ihr Leben bangen...
    Der erste Fall für Mrs. Murphy ist wirklich gelungen. Man muss sich zwar daran gewöhnen, dass gleich zu Anfang viele Personen erwähnt und charakterisiert werden (zum Glück gibt es ein Personenregister), außerdem ist es irgendwie bemerkenswert, dass manche der Tiere "richtigere" Namen haben, als die menschlichen Protagonisten (zB Mrs. Murphy die Katze und Boom Boom die Unternehmersgattin) und Harry Harry heißt, obwohl sie eine Frau ist und Kelly Kelly heißt, obwohl er ein Mann ist.
    Lässt man diese klitzekleinen Mankos außer acht, bleibt eine wundervoll charmante Geschichte voll Lokalkolorit und sympathischer Tiere, die einiges wissen und verzweifelt versuchen, den Menschen die Dinge zu zeigen, die von einiger Bedeutung sein könnten. Sehr nette Geschichte ohne allzu überraschendes Ende, dafür aber mit Spannung und Tier-Inputs (die schon mal ein wenig übertrieben sind, aber was solls).


  • Broschiert: 281 Seiten
  • Verlag: Ullstein Tb; Auflage: 1 (März 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3548259669

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    Donnerstag, 1. Februar 2007

    Die dunkle Allee

    Autor: Lemony Snicket
    Original: The Ersatz Elevator (2001)
    meine Bewertung: 3 von 5
    Band 6 der Reihe betrüblicher Ereignisse 

    Im Band 6 der "Reihe betrüblicher Ereignisse" verschlägt es die drei Baudelaire-Waisen, deren Eltern bei einem Brand ums Leben gekommen sind, in die dunkle Allee. Die drei Kinder Sunny, Klaus und Violet sollen im 66. Stockwerk eines Hochhauses bei Jerome und Esmé Elend wohnen. Die Wohnung ist einfach riesengroß, jedes der Kinder hat sein eigenes Zimmer und Jerome ist wirklich nett. Esmé hingegen ist die sechstwichtigste Finanzberaterin der Stadt und als solche interessiert es sie nur, was gerade in ist und was nicht.
    Als Esmé eines Tages eine In-Auktion veranstalten will und deshalb einige Tage zuvor der Auktionator im Penthaus vorbei schaut, ist es vorbei mit dem halbwegs ruhigen Leben der Baudelaires. Denn Autkionator Gunther ist niemand anderer als Graf Olaf, ein Betrüger, der es auf das Vermögen der Baudelaires abgesehen hat. In seiner Verkleidung erkennt ihn natürlich niemand der Erwachsenen, egal wieviel Lärm die Baudelaires schlagen. Und dann entdecken sie auch noch das Geheimnis der zweiten Aufzugstür in ihrem Stockwerk...
    Ich gebe zu, es fällt mir zuenhmend schwer, mir ein Urteil oder eine halbwegs aussagekräftige Meinung über die "Reihe betrüblicher Ereignisse" zu bilden. Denn einerseits erklärt der Autor seinen Lesern ständig so schwierige Wörter und Dinge wie den Unterschied zwischen "aufgeregt" und "nervös" - und das gleich seitenweise - und andererseits ist das Buch voller intelligenter und nicht-kindgerechter Anspielungen. So lässt Snicket eine Dame beispielsweise sagen: "Dann sollen sie halt Kuchen essen!", eine Anspielung auf das berühmte Zitat, das fälschlicherweise Marie Antoinette zugeschrieben wird. Dann verwendet das Kleinkind das vermeintliche Fantasiewort "Akrophil" - ein Wort, das es so zwar nicht gibt, aber dessen Gegenteil: Akrophobie - Höhenangst. In dieser Situation durchaus passend. Weiters wird der - real existierende - Schriftsteller Junichiro Tanizaki ("Lob des Schattens") erwähnt. Irgendwie zwar interessant, aber auch widersprüchlich. Man ist geneigt, sich verarscht vorzukommen...



  • Gebundene Ausgabe: 228 Seiten
  • Verlag: Manhattan; Auflage: 1 (Februar 2005)
  • ISBN-10: 3442545897

  • Das Strandhaus

    Autor: R. L. Stine
    Orginial: Beach House (1992)
    meine Bewertung: 1 von 5

    Die Geschichte beginnt im Sommer 1956. Die Freunde Amy, Maria, Ronnie und Stuart verbringen im malerischen Dunehampton ihre Sommerferien. Die Teenager haben viel Spaß und schon bald ergeben sich die Pärchen Amy-Ronnie und Maria-Stuart. Doch dann lernen sie Buddy kennen. Er ist von der stilleren, ernsthafteren Sorte und Maria beginnt, sich für ihn zu interessieren. Die Jungs erlauben sich einen Streich mit Buddy: Sie nehmen ihm die Badehose weg und lassen den Jungen einfach im Meer zurück. Buddy nimmt den Jugendlichen diesen Streich krumm und rächt sich an ihnen.
    Im Sommer 1995 wiederholt sich die Geschichte. Diesesmal sind es Ashley und ihr eifersüchtiger Freund Ross, sowie Kip und Lucy, die ihre Ferien in Dunehampton verbringen. Und sie lernen den stillen, ernsthaften Brian kennen. Die Geschichte wiederholt sich also, wieder müssen einige Teenager ihr Leben lassen. Doch Ashley und die seltsame Haushälterin von Brian, Mary, gelingt es, das Geheimnis um Brian und das verlassene Strandhaus zu lüften und Brian unschädlich zu machen. Gleichzeitig kommen sie auch hinter das Geheimnis, wie Buddy 1956 seiner gerechten Strafe entfliehen konnte und was er mit Brian zu tun hat.
    Die Geschichte ist nicht besonders originell, sondern eher stine-mäßig vorhersehbar und sehr flach. Was macht außerdem der Charakter Denny in der Geschichte? Irgendwie kommt es einen vor, als hätte Stine im Laufe der Geschichte einfach darauf vergessen, dass es ja Denny auch noch gibt. Leider nicht empfehlenswert, lieber die Finger davon lassen.


  • Broschiert
  • Verlag: Heyne (2002)
  • ISBN-10: 3453199030

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