Mittwoch, 24. Oktober 2007

Warum folgten sie Hitler?

Autor: Stephan Marks
Original: Warum folgten sie Hitler? (2007)
meine Bewertung: 4 von 5

Laut Wikipedia.de[1] versammelten sich am 15. März 1938 zehntausende Menschen, um am Wiener Heldenplatz Hitler zuzujubeln, der den Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich verkündete. Auch der Einzug der Wehrmachtstruppen drei Tage zuvor wurde von den Österreichern durchaus mit Begeisterung gefeiert. Doch woher kam diese Begeisterung? Was macht die Faszination Adolf Hitler für die Menschen damals aus?

Genau dieser Frage geht der Sozialwissenschaftler Stephan Marks nach. Für sein Buch haben er und sein Team mit zahlreichen ehemaligen HJ-Funktionären, SS-Offizieren, NSDAP-Mitgliedern, BDM-Mitgliedern und Zeitzeugen gesprochen und in umfangreichen Interviews, gestützt von umfassender Recherche, versucht, die psychologischen Grundlagen eines für unsere Begriffe unerklärlichen Phänomens zu ergründen. Im ersten Kapitel beschäftigt sich das Buch mit dem sogenannten magischen Bewusstsein. Marks versteht unter dem magischen Bewusstsein eine Art Bewusstseinszustand, der dem früher Kulturen entspricht, entwicklungspsycho-logisch betrachtet also auf einem sehr niedrigen Verarbeitungsniveau steht. Der Autor geht davon aus, dass die Faszination für die Person Adolf Hitler auf Zuschreibungen und Projektionen besonderer Fähigkeiten, fast magischer Fähigkeiten, beruht. In den Interviews mit den Zeitzeugen wurde oft so von damals gesprochen, als empfände man eine „Heilige Scheu“. Viele der Interviewten scheinen auch eine Art „religiöses Tabu“ in Hitler und den Ereignissen gesehen zu haben – ein Umstand, der zum großen Schweigen damals wie heute beigetragen haben könnte.

Im zweiten Kapitel beschreibt Marks ein Phänomen, das er als Hypnotische Trance bezeichnet. Durch die ausschließliche Fokussierung auf die Person Hitlers, auch durch Kampagnen, und das „Dritte Reich“ wurden Geschehnisse außerhalb ausgeklammert und nicht bewusst wahrgenommen. Reduzierte Kritikfähigkeit und Passivität waren weitere Folgen. Die Interviewten erzählen, „nichts gewusst“ zu haben und „nicht interessiert“ gewesen zu sein. Der Autor geht davon aus, dass Aussagen wie diese nicht unbedingt als praktische Ausreden im Nachhinein darstellen, sondern dass Viele in „lustvollem Unwissen“ und Passivität schon damals alle Verantwortung von sich gewiesen hätten.

Marks geht im dritten Kapitel auf die Scham ein, die mit der Niederlage des Ersten Weltkrieges, des Versailler Vertrags, der Armut, Arbeitslosigkeit und Geldentwertung einher ging. Das NS-Programm bot den Menschen Opfer an (Juden und andere Volksgruppen, Behinderte und Homosexuelle), auf die sie ihre Wut und Scham projizieren konnten. Durch die Beschämung und schließlich auch Ermordung dieser Mitbürger wurde vielfach die eigene Scham abgelegt. Man gehörte zu den „Gewinnern“.

Das vierte Kapitel beschäftigt sich mit Narzissmus und narzisstischer Kollusion. Menschen lechzen nach Bestätigung und Anerkennung, manche mehr und manche weniger, je nachdem wie ausgeprägt der Narzissmus ist. Nicht durch Zufall hatte war jede nationalsozialistische Organisation in viele Untergruppen und Ränge gegliedert, für jeden Rang gab es bestimmte Auszeichnung. So war es für jeden Anhänger relativ einfach, schnell Gratifikationen für seine Bemühungen zu erhalten, was ihn noch näher zur Partei brachte, da ja durch sie die Bestätigung des eigenen Selbst erst möglich wurde.

Die Traumata früherer Generationen greift das fünfte Kapitel auf. Die Väter der jüngeren Nationalsozialisten hatten am eigenen Leib die Geschehnisse des Ersten Weltkriegs miterlebt. Sie gaben diese Traumata an die jüngere Generation weiter. Das NS-Programm idealisierte und heroisierte die Veteranen des Ersten Weltkriegs, Gefühlskälte wurde zum Programm.

Im letzten Kapitel beschreibt Marks das Verhältnis zwischen der NSDAP und seinen Mitgliedern als eine Abhängigkeit oder Sucht, wobei Adolf Hitler und das „Dritte Reich“ die Suchtmittel waren. Durch Gruppenerlebnisse wurde Abhängigkeit geschaffen, die durch psychosoziale Dynamik von Klein- und Großgruppen erzeugt wurde.
Marks versucht keineswegs, mit diesem Buch Erklärungen zu liefern oder gar das Verhalten der Menschen damals zu entschuldigen. Er möchte lediglich aufklären, es ist ihm ein Anliegen, aus der Geschichte zu lernen, und nicht bloß über sie. Über die Geschichte könne man genug in der Schule, in Büchern und alten Akten lernen, damit man aber aus der Geschichte lernen und Erkenntnisse für die Zukunft gewinnen kann, müsse man die NS-Täter und Mitläufer selbst interviewen. Schon Adorno forderte 1966 „die Wurzeln [sind] in den Verfolgern [zu] suchen, nicht in den Opfern.“[2] In einem siebenjährigen Forschungsprojekt ist Marks eben dieser Forderung nachgekommen.

Das Buch liest sich sehr interessant, durch Originalzitate aus den Interviews werden die Gedanken und Thesen des Autoren untermauert und man beginnt tatsächlich, zu verstehen. Wobei „verstehen“ natürlich keinesfalls mit „entschuldigen“ oder „verteidigen“ zu verwechseln ist. Auf diese scharfe begriffliche Trennung legt Marks auch Wert. Zwar behandelt dieses Werk nicht primär den Anschluss Österreichs an Deutschland, doch ist meines Erachtens nach die Behandlung des Nationalsozialismus aus einer psychologischen Sicht eine sehr interessante Überlegung, die tatsächlich zu einem Lernen für die Zukunft führen könnte. Man möchte fast meinen, zehntausende irren nicht. Tun sie aber doch. Das Buch hilft, ansatzweise die Euphorie und Begeisterung der Menschen, auch und vor allem in Österreich nach dem Anschluss zu erklären. Da Marks die Grundlagen der besprochenen psychischen Vorgänge geduldig und mit vielen Beispielen erklärt und seine Gedanken durch die Interviews mit den Zeitzeugen belegt und ihm immer wieder ein Kommentar zu seinen eigenen Feststellungen entschlüpft, der eines gewissen Galgenhumors nicht entbehrt, kann ich das Buch nur wärmstens empfehlen.




[2] Adorno, Theodor: Erziehung nach Auschwitz. In: Stichworte. Kritische Modelle 2. Frankfurt, Suhrkamp 1969. S. 85-101.


  • Verlag: Patmos; Auflage: 1 (2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3491360048
  • ISBN-13: 978-3491360044

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    Freitag, 19. Oktober 2007

    Mit dem Kühlschrank durch Irland

    Autor: Tony Hawks
    Original: Round Ireland with a Fridge (1998)
    meine Bewertung: 3 von 5
    Was bewegt einen Menschen dazu, mit einem Kühlschrank durch Irland zu trampen? Es war einfach nur eine Wette, die Tony Hawks gewinnen wollte und die ihn dazu veranlasste, sich einen Kühlschrank um 130 Pfund zu kaufen und damit durch Irland zu reisen, um bei einer Wette 100 Pfund zu gewinnen. Klingt schräg, ist es auch.

    Anfangs scheint das Unternehmen ja noch zum Scheitern verurteilt, doch dann hört ein irischer Radiosender vom Vorhaben des verrückten Londoners und unterstützt ihn. Jeden Morgen telefoniert Tony mit dem Moderator vom Frühstücksradio. Dieser macht die Autofahrer auf den Tramper mit dem Kühlschrank aufmerksam und so schafft es Tony in etwas weniger als einem Monat die ganze Insel abzuklappern. Und nach und nach wird er eine richtige Berühmtheit. Die Leute bieten ihm Gratisunterkünfte und freie Essen an, ein Surfer geht mit dem Kühlschrank, der mittlerweile sogar getauft wurde, wellenreiten und die Menschen unterschreiben auf dem Kühlschrank.

    Zwar verbringt Tony auf seiner Reise sehr viel Zeit in Pubs und auch einige Zeit in angetrunkenem Zustand, aber er begegnet vielen netten Menschen und nach einigen Seiten ist es gar nicht mehr so befremdlich, dass da ein Mensch mit einem Haushaltsgerät reist.

    Mit sehr trockenem, britischem Humor erzählt Hawks seine Geschichte und man kann durchaus sagen, dass man die Liebe zu seinem Kühlschrank aus jeder Zeile herausliest. Denn was am Anfang angeschafft wurde, um eine Belastung auf der Reise darzustellen entwickelt sich schließlich zu einem Ding das fast schon so etwas wie Berühmtheit erlangt. Und das Beste an der Geschichte ist: Sie ist wahr!


  • Taschenbuch: 248 Seiten
  • Verlag: Goldmann (August 2000)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3442446414
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    Montag, 15. Oktober 2007

    Hard News

    Autor: Jeffery Deaver
    Original: Hard News (2002)
    meine Bewertung: 3 von 5
    Die junge Kamerafrau Rune erhält eines Tages einen Brief aus dem Gefängnis. Der Absender, Randy Boggs, wurde wegen Mordes verurteilt und sitzt nun seine Zeit im Knast ab. Doch Boggs ist verzweifelt. Er wird von einer Gang regelrecht gejagt und der schmächtige, unscheinbare Mann kann sich nicht erklären, womit er den Zorn seiner Mitgefangenen auf sich gezogen hat. Er schreibt an einen New Yorker Fernsehsender einen Brief, in dem er beteuert, unschuldig im Gefängnis zu sitzen. Und eben jener Brief ist auf dem Schreibtisch der ausgeflippten, unscheinbaren Kamerafrau Rune gelandet. Rune liest den Brief und glaubt Boggs, er tut ihr leid. Sie beschließt deshalb, eine Story über Boggs zu machen und ihn aus dem Gefängnis zu holen.

    Sie geht zur Anchorfrau der beliebtesten Nachrichtensendung New Yorks: Piper Sutton von Current Events. Die toughe Karrierefrau versucht zuerst, Rune ihr Vorhaben auszureden, denn der Mann, den Randy Boggs getötet haben soll, war der ehemalige Leiter des Senders: Lance Hopper. Doch irgendwie gelingt es der ungeschickten Rune, in deren Privatleben sich auch allerlei tut und quasi wie eine Jungfrau zu einem kleinen Kind kommt, Piper Sutton umzustimmen und den Beitrag machen zu dürfen. Sie kämpft sich durch Aktenmaterial, findet verschollene Zeugen, führt Interviews und bewegt sich nicht immer in journalistisch-moralisch vertretbaren Bereichen. Doch an der Sache ist irgendetwas faul, spätestens als der erste Zeuge ermordet wird und ihre bisherigen Aufzeichnungen verschwinden, wird die Sache spannend…

    Jeffery Deaver hat mit diesem Buch eine unerwartet spannende Geschichte geschrieben, die zwar mit mindestens zwei absurden Twists endet, aber die handelnden Figuren sind glaubhaft und die chaotische Rune sogar sympathisch. Wenn man einfach nach der Suche nach harmloser, flacher Unterhaltung ist, die keinen Anspruch an irgendetwas stellt, ist dieses Buch nur zu empfehlen. Von dieser Sicht aus also 3 Punkte für Spannung und Unterhaltung.




  • Broschiert: 324 Seiten
  • Verlag: Aufbau Tb; Auflage: 1 (August 2006)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3746622409
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    Sehr geehrte Herr Firma

    Herausgeber: Emil und Margit Waas
    Original: Sehr geehrte Herr Firma (1976)
    meine Bewertung: 2 von 5
    Emil Waas hat auch in diesem Büchlein Stilblüten aus amtlichen und privaten Schreiben gesammelt, die meisten von ihnen wirklich ganz nett, zumindest zum Schmunzeln. Leider ist auch in diesem Buch dasselbe Problem wie in seinem vorigen festzustellen. Viele der Stilblüten sind Faksimiles, sehen aus wie eingescannte Originaldokumente. Da viele der Schreiben auch weit zurück datieren, teilweise auch bis an den Anfang des Jahrhunderts, muss man bei manchen wirklich rätseln und sich als Codeknacker betätigen, bis man die Schrift entziffert hat. 2 nette Punkte, leicht amüsant...


  • Taschenbuch: 144 Seiten
  • Verlag: Dtv (1976)
  • ISBN-10: 3423200537
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    Sonntag, 14. Oktober 2007

    Ein Puppenheim

    Autor: Henrik Ibsen
    Original: Et Dukkehjem (1879)
    meine Bewertung: 5 von 5
    Eigentlich könnte man ja meinen, Nora Helmer hat alles, was sie sich wünscht. Sie hat eine schöne Wohnung, ein Kindermädchen, einen Dienstboten, drei wunderbare Kinder (um die sich das Kindermädchen kümmert) und einen Mann, der sie verehrt und auf Händen trägt. Doch etwas ist faul im Hause Helmer.

    Noch bevor Torvald seine jetzige Stelle als gutverdienender Bankdirektor angetreten hat, riet ihm der Arzt zu einer Reise in den Süden. Weil aber nicht genügend Geld vorhanden war und Torvald zu stolz war, einen seiner Freunde um einen Kredit zu bitten, sah sich Nora gezwungen, das Geld ohne dem Wissen von Torvald aufzutreiben. Leider hat sich Nora das Geld ausgerechnet von Rechtsanwalt Krogstadt geborgt. Dieser steht nun, kurz vor Weihnachten vor der Tür der Helmers um mit Nora zu sprechen. Weil er nämlich dem Bankdirektor scheinbar nicht mehr zu Gesicht steht, will dieser ihn kündigen. Er bittet Nora, Torvald umzustimmen, da er sich andernfalls gezwungen sähe, Torvald vom Kredit an Nora zu erzählen.

    Diese will unbedingt vermeiden, dass ihr Mann von dieser unehrenhaften Tat erfährt und versucht deshalb, Torvald umzustimmen. Leider gelingt ihr das nicht, hat sie doch vor kurzem erst für Frau Linde, ihre frühere Freundin in der Schule, vorgesprochen und ihr eine Anstellung verschafft. Allerdings ausgerechnet jene, die früher Krogstadt bekleidete. Als Krogstadt schließlich von seiner endgültigen Kündigung erfährt, schreibt er Torvald einen Brief, in dem er ihm erklärt, dass er Nora eine große Summe Geld geborgt hat, allerdings nur, weil jene die Unterschrift ihres Vaters gefälscht hatte. Für Nora ist dies der Alptraum. Sie fürchtet sich davor, was geschehen wird, wenn ihr Mann, der Parademann schlechthin, von dieser unehrenhaften Tat erfährt.

    Und er erfährt schließlich auch davon. Es geschieht das Erwartete: Er will vor allem sich selbst davor schützen, dass diese Schmach öffentlich wird, er macht sich hauptsächlich Sorgen um sich selbst. Und in einem zweiten Schritt auch noch um seine drei Kinder. Er geht sogar so weit, Nora zu verbieten, sich um die Kinder zu kümmern. Um sie vor Schlechtigkeit zu bewahren, wie er meint. Nora jedoch fasst einen für sie ganz untypischen Entschluss. Sie beschließt, ihren Mann und ihre Kinder zu verlassen, um sich erst einmal auf die Suche nach ihr selbst zu begeben.

    Das wohl bekannteste Theaterstück von Henrik Ibsen hat schon für viel Aufsehen und viel Kontroverse gesorgt. Nora lebt in einer Ehe, die so typisch für viele ist. Sie und ihr Mann leben nebeneinander her, beide spielen ihre Rollen perfekt. Torvald steht für „den“ Mann, er bevormundet Nora, sagt ihr, was sie zu denken und tun hat und behandelt sie wie seine Puppe. Doch an der Situation ist Nora nicht ganz unschuldig. Sie lässt sich bevormunden, weil sie sich nicht die Mühe macht, selbst zu denken. Sie spielt lieber das kapriziöse Dummchen und lässt sich von ihrem Mann auf Händen tragen.

    Nach und nach wird klar, dass Torvald vor allem eines liebt: Den Mann, als den er sich geben kann, indem er vorgibt, Nora zu lieben. Oft wurde versucht, Ibsen anzuhängen, er würde sich für die Sache der Frauen einsetzen. Doch er selbst hat diese Ansicht mehrmals heftig bestritten. Mit den Worten „ Ich… muss aber die Ehre von mir weisen, bewusst für die Sache der Frau gewirkt zu haben […]. Für mich hat sie sich als eine Sache des Menschen dargestellt...“ (siehe Nachwort zu „Ein Puppenheim“, Insel Verlag S. 150) wies er den Gedanken entschieden von sich.

    Widersprüchlich dazu ist, dass er sich sehr oft wohl bewusst doch für die „Sache der Frau“ eingesetzt hatte, zum Beispiel, als er sich dafür einsetzte, dass auch Frauen im Skandinavischen Verein, in dem er Mitglied war, zu den Generalversammlungen und Ämtern zugelassen wurden (womit er aber keinen Erfolg hatte). Ibsen selbst hat das Stück übrigens immer nur „Ein Puppenheim“ genannt. Der vermeintliche Titel „Nora“ stammt nicht von ihm, sondern vom Herausgeber des Taschenbuchs zum Stück.

    Die Rezeption des Werkes hat sich von der Uraufführung 1879 bis heute drastisch geändert. Weil viele Theaterintendanten das Ende zu unbefriedigend empfanden, wurden zahlreiche „andere Schlüsse“ geschrieben und aufgeführt, doch eines ist geblieben: Damals wie heute möchte man beide Protagonisten am liebsten an den Schultern packen und kräftig durchschütteln. Man möchte ihnen zurufen, doch endlich vernünftig zu werden. Ein „sapere aude“ aus dem Publikum rufen. Doch es ist zwecklos. Nora geht, wohin werden wir nie erfahren. Als „aktuell“ könnte man das Stück auch in unserer Zeit noch nennen. Denn oft genug sind viele Ehescheidungen genau das, was Nora getan hat: eine Flucht vor der Realität, Verantwortung und der Aufgabe „miteinander“ zu leben.


  • Taschenbuch: 159 Seiten
  • Verlag: Insel, Frankfurt; Auflage: 11., Aufl. (Oktober 2002)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3458320237
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    Sonntag, 7. Oktober 2007

    Taubenjagd

    Autor: Jerry Spinelli
    Original: Wringer (1997)
    meine Bewertung: 1 von 5

    Jedes Jahr im August findet in der kleinen amerikanischen Stadt ein Volksfest statt. Es beginnt an einem Montag und endet an einem Sonntag und hat alles, was man auch von jedem anderen Volksfest kennt: Riesenräder, Achterbahnen, Süßigkeiten und Brathähnchen. Am Ende dieser Feierlichkeiten steht aber ein grausames Spektakel: Der Taubentag. Fünftausend Tauben werden dafür zuvor eingefangen und dann am Spielplatz wieder ausgelassen. Alle Männer, die zuvor ein Startgeld bezahlt haben, dürfen dann mitmachen und die Tauben mit Gewehren abschießen.

    Am Spielplatz warten schon die Halsumdreher. Das sind jene Jungen, die schon 10 Jahre alt sind und jenen Tauben den Hals umdrehen, die nur verletzt vom Himmel gefallen sind. Palmer ist neun Jahre alt. Aber seit er das erste Mal mit vier Jahren beim Halsumdrehen am Taubentag zugesehen hat, packt ihn jedes Jahr kurz vor dem Ereignis das kalte Grauen. An seinem neunten Geburtstag findet der sanfte Junge, der zuvor immer nur mit Dorothy, der Nachbarstochter gespielt hatte, drei Freunde und wird in die Bande dieser Rüpel aufgenommen. Er beachtet Dorothy nicht mehr und piesakt sie gemeinsam mit den anderen Jungs. Richtig stark fühlt er sich. Dann, eines Tages im Januar vor seinem zehnten Geburtstag, wird er von einem Klopfen am Fenster seines Zimmers geweckt.

    Eine Taube blickt zu ihm ins Zimmer. Ausgerechnet eine Taube! Palmer gefällt das Tier, er füttert sie regelmäßig und nennt sie Picker. Picker wird fester Bestandteil seines Lebens, sein treues Haustier. Und das ausgerechnet in einer Stadt, in der jährlich fünftausend seiner Artgenossen vom Himmel geholt werden. Palmer weiß nicht, was er tun soll, er wendet sich schließlich an Dorothy. Von seinen Rüpel-Freunden, die alle schon ganz heiß darauf sind, endlich Halsumdreher zu werden, beginnt er sich zunehmend zu fürchten. Und das Ereignis rückt unaufhaltsam auch dieses Jahr näher…

    Meiner Meinung nach kann man sich das Buch gerne sparen. Für ein Kinderbuch finde ich es irgendwie sinnlos grausam und die Moral, die Spinelli vielleicht rüberbringen möchte, kommt irgendwie nicht so ganz durch. Freundschaft ist wichtig, ok. Aber um das rüber zu bringen, gibt es „schönere“ Geschichten. Dieses Urteil beruht auf rein ästhetischen Empfindungen meinerseits. Das Buch ist spannend, die Handlung stringent. Dennoch würde ich meinen Kindern das Buch nicht vorlesen. Sinnloser Gewalt an Tieren kann ich nunmal nichts abgewinnen.


  • Gebundene Ausgabe: 179 Seiten
  • Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (Juni 2006)
  • ISBN-10: 386615142X
  • ISBN-13: 978-3866151420

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    Samstag, 6. Oktober 2007

    Harry Potter and the Deathly Hallows

    Autorin: Joanne K. Rowling
    Original: Harry Potter and the Deathly Hollows (2007)
    meine Bewertung: 5 von 5

    Wieder ist ein Sommer vergangen, wieder steht das neue Schuljahr bevor und Harry kann es kaum erwarten, bis er aus dem Haus der Dursleys verschwinden kann. Dieses Mal allerdings wird er von einem ganzen Komitee abgeholt, das ihn sicher vom Privet Drive wegbringen soll. Natürlich sind die wichtigsten Personen mit von der Partie, beispielsweise Mad-Eye Moody, Lupin und Tonks. Durch einen geschickten Trick wollen sie Harry in Sicherheit bringen, da ja Lord Voldemort und seine Todesser auf der Jagd nach ihm sind. Doch in den Reihen befindet sich ein Verräter und so beginnt der siebte und letzte Teil der Harry-Potter Romane mit einer action- und verlustreichen Verfolgungsjagd.

    Um nicht zuviel vom Inhalt zu verraten, nur soviel dazu: Harry hatte in Band 6 vom sterbenden Dumbledore den Auftrag bekommen, sich auf die Suche nach den Horkruxen von Lord Voldemort zu machen und sie zu zerstören. Voldemort hatte seine Seele in mehrere Teile aufgeteilt und in geheimen Behältern, den Horkruxen eben, versteckt, um so unsterblich zu werden. Niemand weiß von dieser Mission, mit Ausnahme von Ron und Hermine, die auch in Band 7 loyal hinter Harry stehen und ihn unterstützen. Naja, meistens zumindest.

    Das Buch ist sehr spannend und wie schon erwähnt, gleich zu Beginn actionreich. Leider sterben bis zum finalen Showdown am Ende ziemlich viele liebgewonnene Figuren aus dem Potter-Universum, die erste gleich auf Seite 50 und die nächste kaum 20 Seiten danach. Das ist sehr schade und traurig, doch Rowlings meisterhafte Erzählung schafft es, dass nach einem absoluten Tiefpunkt die Achterbahn weiter fährt und man sich schon bald darauf wieder kichernd über die Seiten beugt.

    Im Prinzip gibt es an dem Buch nicht viel auszusetzten, außer vielleicht, dass es nicht „einfach so“ gelesen werden kann. Man muss auf jeden Fall die Vorgänger-Bände kennen, noch besser wäre es, sie gut zu kennen oder vor dem siebten Teil eine Zusammenfassung der anderen Teile zu lesen. Alles, was bisher noch ein bisschen unverständlich war, wird komplett aufgeklärt, beispielsweise der Grund, warum Dumbledore Snape immer vertraut hatte, und schließlich doch von ihm getötet wurde. Es ist erstaunlich, wie viele Details aus den ersten sechs Bänden schon in diese Richtung weisen. Das Potter-Universum ist komplex, aber mit Ende des siebten Bandes total logisch und konsequent strukturiert. Hut ab!

    Anmerken muss man, dass man gewisse Elemente wahrscheinlich aus der Geschichte oder aus anderen Büchern kennt. So erinnert die Suche nach den Horkruxen und den „Deathly Hallows“, die ich hier mal als „Relikte des Todes“ übersetze, doch sehr an die Suche nach dem Heiligen Gral erinnert. Außerdem wird ein „Muggle-born Register“ eingeführt, was nicht das einzige Detail des Buches ist, das mich an SS-Methoden und NS-Zeiten erinnert. Dahinter steckt wahrscheinlich eine moralische Absicht, angenehm ist, dass es keine Belehrung mit dem erhobenen Zeigefinger darstellt. Als kleine Anmerkung am Rande: Ich habe ja die englische Ausgabe gelesen, und da kommen tatsächlich einige deutsche Sätze vor. Ich bin ja mal gespannt, wie das in der deutschen Übersetzung gelöst wird.

    Als Fazit bleibt zu sagen, dass „Harry Potter and the Deathly Hallows“ und somit die Geschichte um das Potter-Universum schon viel mehr ist, als „nur“ eine Kindergeschichte. Auf Seite 334 meiner Ausgabe entwickelt sich sogar ein kurzer Positivismus-Streit zwischen Xenophilius Lovegood und Hermine. Ideal also für alle, die mitgewachsen sind, die schon erwachsen sind, oder Jugendliche. Für Kinder, also Leser unter 12 Jahren, fände ich die Geschichte zu komplex und brutal. Ansonsten gibt es wohl keinen würdevolleren Abschied von Harry als diesen Band. Obwohl sich Rowling das Nachwort sparen hätte können. Denn damit bleibt einem nicht mal mehr die Hoffnung, dass es vielleicht eventuell möglicherweise doch noch einen Band geben wird.


  • Gebundene Ausgabe: 608 Seiten
  • Verlag: Bloomsbury (21. Juli 2007)
  • Sprache: Englisch
  • ISBN-10: 0747591059
  • ISBN-13: 978-0747591054

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