Freitag, 29. Februar 2008

Tim und Struppi



Autor: Hergé
Original: Tintin et Milou (1930)
meine Bewertung: 3 von 5

Die beiden Abenteurer und Freunde Tim und Käpitän Haddock erleben gemeinsam so allerlei gefährliche Geschichten, meist betätigen sie sich dabei als Hobbydetektive. Begleitet werden sie immer von Tims kleinen Foxterrier Struppi. Struppi ist Tims Wachhund, treuer Gefährte und Begleiter. Außerdem sind in fast allen Abenteuern die beiden Polizisten Schulz und Schultz anzutreffen, meist allerdings nur als Nebenfiguren, da sie ungefähr den Intellekt eines französischen Croissants mit sich bringen. Dann gibt es da noch Professor Bienlein, der ebenso schrullig wie liebenswürdig und genial ist und dadurch nicht nur einmal in größere Troubles gerät. Doch zum Glück hat er ja seine Freunde, die ihn immer wieder aus brenzligen Situationen retten.

In diesem Band sind die Geschichten „Die sieben Kristallkugeln“, „Der Sonnentempel“ und „Der Fall Bienlein“ versammelt. Es ist wohl als Tatsache bekannt, dass vor allem frühere Arbeiten von Hergé mit vielen Klischees gespickt waren, so dass manche Geschichten aufgrund ihrer Darstellung nativer Völker oder von Religionsgruppen in verschiedenen Ländern verboten sind. „Tim im Kongo“ wurde aufgrund einer Klage eines kongolesischen Studenten im Jahr 2007 sogar in einigen Teilen Südafrikas verboten. Hergé hatte sich außerdem auf gewisse Art und Weise mit dem nationalsozialistischen Regime arrangiert, so dass es kaum verwundert, wenn im Comic ein Polizeioberst auftaucht, der mit Hitler erstaunliche Ähnlichkeit hat. Für spätere Auflagen seiner Comics überarbeitete Hergé einige seiner früheren Geschichten.

Was bleibt, sind auf jeden Fall liebevoll gezeichnete Comics, spannende Geschichten und viel Action, die vielleicht nicht immer ganz logisch sind, so dass man manchmal das Gefühl haben könnte, einige Strips überblättert zu haben. Was jedoch nervt, sind die ständigen Schimpftiraden von Kapitän Haddock, wo es schon mal vorkommen kann, dass ihm ein „Kümmeltürk“ oder „Kanak“ entschlüpft. In der Überarbeitung übersehen? Die „Tim und Struppi“ Comics sind eher geeignet für Erwachsene, die differenzieren können und Kinder ihrer Zeit auch als solche erkennen und nicht ins eigene Klischee-Repertoire aufnehmen.
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Weltbild Buchverlag; Auflage: 1 (19. September 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3898972534
ISBN-13: 978-3898972536

Mittwoch, 27. Februar 2008

Auch die Waschmaschine ist nur ein Mensch



Autor: Ephraim Kishon
Original: Auch die Waschmaschine ist nur ein Mensch (1987)
meine Bewertung: 5 von 5

Die Errungenschaften der modernen Technik – oder doch eher die Knechtschaft der Technik? Ephraim Kishon setzt sich in diesem Sammelband mit allen Arten von Ungemachn verursacht durch technische Geräte, auseinander. Natürlich macht er das auf eine satirische und humorvolle Art, so wie man Kishon liebt und liest. Besonders witzig daran ist, dass die Geschichten alle samt aus verschiedenen Jahrzehnten stammen und demnach auch die technischen Errungenschaften entweder mittlerweile schon wieder überholt (Kassettenrekorder) sind oder so derartig verbessert wurden, dass man sich gar nicht mehr vorstellen kann, wie das früher gewesen sein muss (Telefon). Kishon ist einfach immer lesenswert. Dieses Buch zeigt außerdem noch auf, dass nicht immer alles Fortschritt ist, was Strom benötigt.

Gerade wenn man den Einstieg in die Meisterklasse der Satire und zu Kishon sucht, sollte man sich dieses Buch zu Gemüte führen. Die Geschichten sind witzig, nachdenklich und nicht nur ein Mal wird der geneigte Leser zustimmend mit dem Kopf nicken. Genau so ist es mit unseren Lieblingsmitbewohnern Telefon, Kühlschrank und Auto!
Taschenbuch: 238 Seiten
Verlag: Lübbe; Auflage: 2 (Oktober 2001)
ISBN-10: 3404146239
ISBN-13: 978-3404146239

Immer dieser Pumuckl



Autorin: Ellis Kaut
Original: Immer dieser Pumuckl (1967)
meine Bewertung: 4 von 5

Wer kennt ihn nicht: Der Kobold Pumuckl lebt in der Schreinerwerkstatt vom Meister Eder, einem alleinstehenden und gutmütigen Mann in den besten Jahren. Der Meister Eder kann den Pumuckl nur sehen, weil der einst an einem Leimtopf kleben blieb und vom Meister Eder gerettet wurde. Für alle anderen Menschen ist der Kobold mit dem roten Haar und den Sommersprossen unsichtbar. Die liebste Beschäftigung des Klabautermanns ist das Dichten, gleich danach kommt Unsinn machen und Sachen verstecken – und darin ist er wirklich gut. Er bringt den Schreinermeister oft in Verlegenheit und kann schwerer zu hüten sein als ein Sack Flöhe.

In dieser Sammlung findet man die Geschichten „Pumuckl und der Schmutz“, „Pumuckl und die Ostereier“, „Der erste April“, „Pumuckl und die neugierigen Buben“, „Pumuckl und der Geist des Wassers“ und „Der geheimnisvolle Hund“. Alle Geschichten sind auch als Hörspiele erschienen und waren außerdem Folgen in der beliebten Serie mit Gustl Bayrhammer. Nachdem ich den Pumuckl in meiner Kindheit von den Hörspielen und der Fernsehserie kenne, stelle ich mir natürlich den Pumuckl und den Meister Eder so vor, wie sie in der Serie dargestellt wurden – schade, dass die Zeichnungen in meiner Ausgabe so unglaublich hässlich sind. Denn die Geschichten sind nett (und altbekannt), doch man hätte ein wirklich schönes Kinderbuch daraus machen können, wenn man sich mit der Illustration ein wenig mehr Mühe gegeben hätte.
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: Lentz (Januar 1991)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3880102244

Pumuckl spukt weiter



Autorin: Ellis Kaut
Original: Pumuckl spukt weiter (1967)
meine Bewertung: 4 von 5

Die Geschichten vom Kobold Pumuckl ist schon fast Kult. Der Kobold, der normalerweise für Menschen unsichtbar ist, verirrt sich eines Tages in die Werkstatt vom Schreinermeister Eder. Dort versteckt er Sachen und spielt dem Meister Eder Streiche, ganz so, wie es sich für einen richtigen Kobold gehört. Dann bleibt er aber an einem Leimtopf kleben und wird für den Eder sichtbar. Von da an kann ihn der Schreiner sehen, für andere Menschen bleibt der kleine Kerl mit dem roten wuscheligen Haar jedoch unsichtbar. Gemeinsam mit dem Meister Eder hat er so einige Abenteuer zu bestehen und nicht selten bringt der Pumuckl seinen Eder in unangenehme Situationen.

In diesem Band sind die Geschichten „Pumuckl und der Schnupfen“, „Der Wollpullover“, „Pumuckl und der erste Schnee“, „Das Weihnachtsgeschenk“, „Die geheimnisvolle Schaukel“ und „Der Gartenzwerg“ gesammelt. Humorvoll und putzig, harmlos und auch für jene Kinder geeignet, die eigentlich schon vor 10 Jahren mit Begeisterung die Fernsehserie mit Gustl Bayrhammer gesehen oder die Hörspiele auf Musik-Kassette gesammelt haben. Eine Reise in die eigene Kindheit allemal wert und sicher auch für die Kindergeneration von Heute gute Unterhaltung.
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: Lentz (Juli 1991)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3880102252

Mittwoch, 20. Februar 2008

Der Fänger im Roggen



Autor: Jerome David Salinger
Original: The Catcher in the Rye (1951)
meine Bewertung: 5 von 5

Die Geschichte wird vom 17-jährigen Holden Caulfield erzählt, der wegen Tuberkulose in einem Sanatorium ist. Sie handelt von Samstag, Sonntag und Montag vor dem letzten Weihnachtsfest. Holden ist bereits zum vierten Mal von einer Schule geflogen, dieses Mal von der Pencey Prep, wo er es geschafft hat, in vier von fünf Fächern negativ abzuschließen. Am Mittwoch beginnen die Weihnachtsferien, danach soll Holden nicht mehr an die Schule zurückkommen. Doch ihm passiert ein Missgeschick: Als Manager der Fechtmannschaft vergisst er vor einem wichtigen Kampf die gesamte Ausrüstung der Mannschaft in der U-Bahn, weshalb er von allen ignoriert wird. Außerdem ist er von seinem Zimmergenossen Stradlater und seinem Nachbarn Ackley genervt. Sie sind ihm zu verlogen und zu piefig. Holden beschließt daraufhin, seine Abreise nicht länger zu verzögern. Er packt seine Koffer und macht sich auf den Weg nach New York.

Zu seinen Eltern will er nicht, weil er weiß, dass diese ihn umbringen würden, eben weil er schon wieder von einer Schule geflogen ist. Er checkt also in einem billigen Hotel ein und will sich dort mit einem Callgirl vergnügen, doch irgendwie wird daraus nichts, also geht er in eine Bar. Dort tanzt er mit drei älteren Damen, doch die sind irgendwie viel mehr an angeblichen Filmstars als an Holden interessiert. Also zieht dieser alleine weiter und betrinkt sich.

Am nächsten Tag schläft Holden erst einmal, dann bringt er seine Sachen zum Bahnhof in ein Schließfach. Dort frühstückt er außerdem in einem billigen Café. Er trifft zwei Nonnen, die ihm sympathisch sind und redet eine Zeit lang mit ihnen. Er spendet ihnen zehn Dollar, bevor er sich wieder auf den Weg macht. Holden legt einen Zwischenstopp in einem Plattenladen ein, wo er für seine heißgeliebte zehnjährige Schwester Phoebe eine Platte kauft. Den Nachmittag verbringt er mit Sally Hayes, einer Freundin, bei einem „verlogenen, echt piefigen“ Theaterbesuch, abends geht er dann alleine ins Kino, bevor er sich mit einem ehemaligen Mitschüler trifft. Doch auch dieses Treffen verläuft nicht nach Holdens Vorstellungen. Schon von Beginn an sorgt Holden mit seinen indiskreten Fragen für eine angespannte Stimmung, sein Gesprächspartner verabschiedet sich bald wieder und Holden verbringt wieder einen Abend beim Trinken in irgendwelchen Bars.

Er beschließt später, noch bei seiner kleinen Schwester Phoebe reinzuschauen. Holden schleicht sich in die Wohnung seiner Eltern, doch die sind Gott sei Dank nicht da. Er weckt Phoebe, um mit ihr zu sprechen. Die Kleine ist ziemlich schlau und Holden vergöttert sie. Natürlich merkt Phoebe schnell, dass er mal wieder von der Schule geflogen ist. Als sie die Eltern heimkommen hören, schleicht sich Holden wieder aus der Wohnung.

Unterschlupf für diese Nacht findet er bei seinem ehemaligen Englischlehrer. Am nächsten Tag trifft er sich mit Phoebe, um sich von ihr zu verabschieden. Er will abhauen. Als sich Phoebe standhaft weigert, zu Hause zu bleiben, weil sie ihren großen Bruder begleiten will, denkt Holden um und beschließt in letzter Sekunde, seine Pläne doch noch zu ändern.

„Der Fänger im Roggen“ wurde schon ausgiebig analysiert und interpretiert, deshalb soll an dieser Stelle darauf verzichtet werden. Es handelt sich um ein Werk, dessen Erfolg und Rezeptionsgeschichte für sich sprechen. Die Geschichte ist in flüssigem Tempo erzählt, man lebt mit Holden mit und schließt ihn ins Herz – ich jedenfalls fand ihn richtig sympathisch. Er entwickelt sich von einem Jugendlichen – fast noch Kind – zu einem Erwachsenen, man kann diese Entwicklung nachvollziehen und merkt es daran, welche Gedanken ihn bewegen und wie er sich verhält. Beim Lesen hatte ich das Gefühl, jemand hätte manche der Gedanken, die mich während meiner Jugendzeit bewegten, aufgeschrieben. Die Sprache ist jugendlich, aber nicht übertrieben, man nimmt Salinger seinen Antihelden einfach ab. Er ist eine komplexe Persönlichkeit mit einem sehr weichen Kern, den er jedoch (meist vergeblich) hinter vielen Flüchen versteckt. Außerdem hat Holden einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn und ist gegen alles Verlogene. Vielleicht ist der Antiheld vielleicht doch weniger ein Anti als ein heimlicher Held. Mit hat das Buch jedenfalls tief beeindruckt und ich konnte es kaum mehr weglegen.

Zusätzlich lesenswert machen das Buch auch diverse Hintergrundinformationen, beispielsweise die Tatsache, dass der John Lennon Attentäter Mark David Chapmann eine Ausgabe des „Fängers“ bei sich hatte. Außerdem besaßen Charles Manson, John Hinckley und Theodore Kaczynski das Buch – übrigens alle Gewaltverbrecher. Warum gerade auf diese Art von Menschen ein Protagonist wie Holden, der ja eigentlich ein Softie ist, solch eine Faszination ausübt, ist mir schleierhaft. Vielleicht war es damals auch einfach Pflichtlektüre in der Schule, ein Buch, das man halt daheim hat. Motive aus dem Werk verarbeiten auch die Filme „Flechters Visionen“ und eine Anime-Serie, außerdem findet man Anspielungen darauf auch in Büchern von Siegfried Lenz und Ulrich Plenzdorf. So komplex wie Holdens Charakter scheint auch die Rezeptionsgeschichte rund um das Buch zu sein. Einmal sollte sich jeder an der Lektüre von „der Fänger im Roggen“ versuchen – empfehlen würde ich allerdings eine eingehende, mehrmalige Lektüre. In diesem Jahr eines meiner Lesehighlights!
Taschenbuch: 269 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 5 (Januar 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499235390

Sonntag, 17. Februar 2008

Emma



Autorin: Jane Austen
Original: Emma (1816)
meine Bewertung: 3 von 5

Emma Woodhouse lebt mit ihrem Vater in einem Anwesen in der Nähe von London. Ihr Bekanntenkreis ist auserwählt, so wie es sich für eine Tochter aus sehr gutem Hause gehört. Zu ihren Freunden gehört zuerst einmal ihre ehemalige Gouvernante, die von Highbury wegging, um die Frau von Mr. Weston zu werden. Außerdem ist da ihre neue Freundin Harriet, die von nicht ganz so guter Herkunft ist. Dennoch gibt sich Emma mit ihr ab, das Mädchen tut ihr Leid. Emma möchte Harriet in die gute Gesellschaft einführen. Außerdem ist da noch ihr alter Freund Mr. Knightley, der Schwager ihrer Schwester Isabella. Dann gibt es noch Mr. Elton, den Gemeindepfarrer und Jane Fairfax, eine junge Dame im selben Alter wie Emma. In den sogenannten guten Kreis wird außerdem noch Mr. Frank Churchill aufgenommen.

Der Inhalt von Austens „Emma“ lässt sich meiner Meinung nach schwer zusammenfassen. Eigentlich geht es um lauter Kleinigkeiten, das Hauptmotiv ist jedoch die Liebe. Und genau diese geht in diesem Werk verschlungene Wege bis sich am Ende dann doch alles in Wohlgefallen auflöst, gibt es einige Missverständnisse zu überwinden. Ich persönlich habe das Werk, das als „Jane Austens literarisch bedeutendster Roman“ bezeichnet wird, als sehr anstrengend und streckenweise auch als langweilig empfunden. Von der „Komödie der Irrungen und Wirrungen“ konnte ich wenig entdecken, amüsant fand ich das Buch nicht.

Es kommt mir so vor, als hätte Austen einen Roman über Lappalien geschrieben, über Dinge, die im „normalen“ Leben keine Bedeutung haben und von denen ich nicht einsah, wieso der Leser damit belästigt wurde. Als Kandidaten für die Kategorie „too stupid to live“ würde ich gerne Emmas Vater vorschlagen, der beim kleinsten Lufthauch schon eine Lungenentzündung bekommt. Dennoch muss man Austen eins zugute halten: Sie hat die Stimmung des viktorianischen Lebens in einem Herrenhaus perfekt eingefangen, man fühlt sich tatsächlich ein wenig in diese Zeit versetzt. Dafür und für die handwerkliche Qualität vergebe ich 3 Punkte. Vielleicht eins der Bücher, die man öfter lesen sollte, um es würdigen zu wissen.
Taschenbuch: 527 Seiten
Verlag: Dtv (August 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423133570

Auf der Spur der Vogeljäger



Autor: Stefan Wolf
Original: Auf der Spur der Vogeljäger (1979)
meine Bewertung: 3 von 5

Der achte Fall der TKKG-Bande, benannt nach den Anfangsbuchstaben ihrer Mitglieder Tarzan, Karl, Klößchen und Gaby, führt die Kinder ins Vogelschutzgebiet. Tarzan, der eigentlich Peter heißt, aber wegen seiner dunklen Locken und der affenartigen Geschwindigkeit, mit der er Seile hinaufklettern kann, und sein dicklicher Freund Willi Sauerlich, genannt Klößchen, probieren Klößchens neues Fernglas im Vogelschutzgebiet aus. Die beiden beobachten nicht nur Vögel, sondern auch einen Wilderer, der den unter Naturschutz stehenden Mäusebussard abschießt. Schon seit einiger Zeit treiben Wilderer ihr Unwesen, in den Zeitungen ist von der „Trophäen-Bande“ die Rede. Natürlich ist es für TKKG Ehrensache, den Fall aufzuklären und die Wilderer zu überführen.

Die Hobbydetektive begeben sich dabei in allerlei gefährliche Situationen, die oft nur durch die Judo-Künste ihres Anführers Tarzan geregelt werden können. Auch Oskar, Gabys Cockerspaniel, spielt wieder eine entscheidende Rolle. Diesesmal jedoch kommen die Kinder ohne der Hilfe von Gabys Vater aus. Dieser ist Kriminalkommissar und sonst den Kindern immer bei der Lösung ihrer Fälle behilflich.

Wie schon die Vorgängerwerke ist auch dieses Buch spannend. Im Gegensatz zu den bisherigen Fällen ist dieser jedoch ein bisschen trauriger, denn viele Tiere, auch die geliebte Siamkatze „Paulinchen“, deren Besitzerin eine nette alte Dame ist, müssen ihr Leben lassen, bis der Fall gelöst ist. Dafür verzichtet Wolf in diesem Buch auf den allzu hoch erhobenen moralischen Zeigefinger, auch seine berühmten Anzüglichkeiten kommen praktisch nicht vor. Wolf arbeitet immer mit Klischees, dieses Mal sind sie aber nicht allzu ausgeprägt ausgefallen. Eine nicht hundertprozentig harmlose Geschichte, ich hasse es immer, wenn Tieren Leid angetan wird. Selbst, wenn es nur in einem Kinderbuch ist.
Broschiert: 185 Seiten
Verlag: Omnibus Tb Bei Bertelsmann (November 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570215784

Freitag, 15. Februar 2008

Gullivers Reisen



Autor: Jonathan Swift
Original: Gulliver's Travels (1726)
meine Bewertung: 3 von 5

Den Seefahrer Gulliver verschlägt es auf seinen Reisen eigentlich in vier verschiedene Länder, in dieser Ausgabe sind seine Reisen in das Land der Riesen und das Land der Liliputaner gesammelt. Im Land der Liliputaner ist er der Riese, er wird zuerst als Feind behandelt und eingesperrt, wird dann aber ein Günstling des Königs und besonderer Freund. Schnell stellt sich heraus, dass der König mit dem Riesen, in dem er eine besondere Waffe sieht, vor hat, das Nachbarland zu unterwerfen. Doch Gulliver will nicht Schuld daran haben, dass ein Land in Sklaverei geführt wird, er weigert sich und flieht.

Zuerst macht er kurz in England, seiner Heimat Halt, doch dann verschlägt es ihn in das Land der Riesen. Dort ist er der Kleine, doch auch dort nimmt man ihn freundlich auf. Er ist eine Besonderheit, deshalb baut ihm der Tischler des Riesen, der ihn gefunden hat, eine Kiste, ausgestattet mit allem, was er braucht. Dort lebt Gulliver und wird bald zum Freund der Tochter des Riesen. Sie bringt ihm die Sprache der Riesen bei und begleitet ihn ständig. Doch eines Tages lässt sie die Schachtel mit Gulliver am Strand stehen und entfernt sich davon. So bemerkt sie nicht, dass sich ein Adler nähert und die Kiste in seinem Schnabel wegträgt. Doch der Adler lässt die Kiste fallen, mitten ins Meer.

Gulliver wird von Seefahrern gerettet, die sich natürlich über das schwimmende Haus sehr wundern und Gulliver seine Geschichten anfangs nicht abnehmen. Doch der Held hat riesige und winzig kleine Beweisstücke von seinen Reisen mitgebracht.

Jonathan Swift hat mit diesem Werk keineswegs eine Kindergeschichte geschrieben. Sie wurde nur als solche verkauft, um der Zensur seiner Zeit aus dem Weg zu gehen. Denn eigentlich steckt mehr als nur ein wenig Gesellschaftskritik in Swifts Werk, der Misanthrop war, aber eigentlich Bischof werden wollte. Er beschreibt spannend und auch ironisch die Abenteuer des einmal sehr großen und einmal sehr kleinen Held Gulliver. Gehört nicht in jedes Kinderzimmer, dafür aber in den Bücherschrank Erwachsener.
Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Insel, Frankfurt; Auflage: 15., Aufl. (Januar 1996)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3458317589

Freitag, 8. Februar 2008

Phantomias



Autor: Walt Disney
Original: Phantomias (diese Ausgabe: 2005)
meine Bewertung: 2 von 5

Donald Duck ist nicht immer nur der schlaffe Verlierertyp, denn in ihm schlummert noch viel mehr. Seit er eines Nachts in der Villa Rosa in der Nähe von Rosenheim das ehemalige Versteck des Superhelden Phantomias, seine Ausrüstung und sein Tagebuch gefunden hat, tummelt er sich selbst des Nächtens als Gesetzeshüter durch Entenhausen, um Verbrecher zu fassen und hinter schwedische Gardinen zu bringen.

In dieser Ausgabe sind die drei Geschichten „Der Zeitpirat“, „Xadhoom!“ und „Gefahr von der Venus“ versammelt. Die Geschichten hängen zusammen, weshalb die Auswahl an sich nicht so schlecht ist. Allerdings sind alle drei Science Fiction Geschichten, die dementsprechend gezeichnet sind. Vom Entenhausen, so wie man es aus dem Lustigen Taschenbuch“ kennt, ist nichts mehr übrig. Oft sind die Perspektiven der Zeichnung so verwirrend, dass man nicht einmal erkennt, was die Bilder darstellen sollen. Diese Art von Geschichten muss man mögen – ich mag sie nicht.
Gebundene Ausgabe: 200 Seiten
Verlag: Weltbild Buchverlag; Auflage: 1 (26. September 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3898972321
ISBN-13: 978-3898972321

Bert und die Bazillen



Autoren: Sören Olsson, Anders Jacobsson
Original: Bert och bacinellen (1997)
meine Bewertung: 3 von 5

Bert ist zwölf Jahre alt und steht total auf Nadja. Die beiden sind sogar irgendwie zusammen und Bert durfte sie schon zweimal küssen. Jetzt hat er aber viel ärgere Probleme. Sein Freund Arne Nordin hat ihm erzählt, dass man keine Weihnachtsgeschenke bekommt, wenn man an Weihnachten krank wird. Das ist natürlich blöd, denn gerade jetzt steht Weihnachten vor der Tür und Berts Heimatstadt Öreskoga wird von einer Grippewelle heimgesucht. Bert tut natürlich alles dafür, nicht krank zu werden. Und auch sonst passiert in seinem Leben einiges, das er seinem Tagebuch mitteilt.

Der Leser liest das Tagebuch von Bert Ljung, der total auf Mädchen steht und jetzt schön langsam in die Pubertät kommt. Er möchte erwachsen sein, erwachsene Dinge tun und ist dennoch so sehr Kind. Olsson und Jacobsson haben es geschafft, einen Blick in die zwölfjährige Seele eines Jungen am Weg zum Teenager zu tun und die Leser daran teilhaben zu lassen. Alle Bert-Bücher sind amüsant, leider werden in diesem viele alte Witze, die man halt kennt, wenn man schon ein wenig älter ist, verarbeitet. Dadurch wird das Buch manchmal ein wenig platt, für Kinder allerdings ist es sicher empfehlenswert.
Gebundene Ausgabe: 155 Seiten
Verlag: Oetinger; Auflage: 2., Aufl. (August 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3789144282
ISBN-13: 978-3789144288

Die Geschichte von Herrn Sommer



Autor: Patrick Süskind
Original: Die Geschichte von Herrn Sommer (1991)
meine Bewertung: 4 von 5

In dieser klassischen Novelle erzählt ein Erwachsener die Geschichte seiner Kindheit. Einer Kindheit, die schon einige Jahre zurück liegt, die aber einfach wundervoll gewesen sein muss. Er erzählt von seinem Klavierunterricht, zu dem er mit dem viel zu großen Fahrrad seiner Mutter fuhr, von der Zeit, als er noch auf Bäume kraxeln und fliegen konnte. Doch ein Motiv durchzieht die gesamte Erzählung: Herr Sommer. Irgendwann sind die Sommers, bestehend aus Herrn und Frau Sommer, nach Unterndorf gekommen. Keiner weiß, woher sie kamen, wer sie waren und dennoch kannte jeder Herrn Sommer.

Jahraus, jahrein, egal welches Wetter herrscht: Herr Sommer marschiert eiligen Schrittes durch die Gegend, scheinbar ohne irgendwann Rast zu machen und ohne bestimmtem Ziel. Der Erzähler beobachtet eines Tages, wie Herrn Sommer endlich seinen Weg zu Ende geht und schweigt darüber, tief beeindruckt von der Nichtigkeit seiner eigenen Problem im Vergleich zu denen von Herrn Sommer.

Mit leiser Wehmut hört man einen Erwachsenen über die geheimnisvolle Zeit seiner Kindheit erzählen und man hört ihm dabei gerne zu. Es ist eine leichte, spannende Novelle, die mit Bildern von Sempé farbig und liebevoll illustriert ist. Jeder, der von Süskind nur „Das Parfum“ kennt, sollte unbedingt auch „Die Geschichte von Herrn Sommer“ lesen.
Taschenbuch: 127 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 13., Aufl. (Januar 1994)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257226640
ISBN-13: 978-3257226645

Donnerstag, 7. Februar 2008

Mindfreak



Autor: Criss Angel
Original: Mindfreak. Secret Revelations (2006)
meine Bewertung: 4 von 5

Gerade in Zeiten von peinlichem Herumgetrickse à la „The next Uri Geller“ kommt das Buch von Criss Angel gerade recht. Criss Angel wurde durch seine MTV-Show „Mindfreak“ zum neuen Star in der Zauberer-Welt. Er schwebt von einem Häuserdach auf ein anderes, lässt ahnungslose Zuschauer schweben, verbringt 24 Stunden eingesperrt in einem Wassertank und geht über Wasser – und das auf spektakuläre Weise. Sympathisch dabei macht ihn die Tatsache, dass er nie behauptet, übersinnliche Fähigkeiten zu haben, sondern seine Vorstellungen auf ausgeklügelter Technik beruhen. Seine Shows bezeichnet er als „Illusions“, jedoch weist er darauf hin, dass es sich um keine Kameratricks handle und das Publikum nicht eingeweiht sei.

Man merkt vielleicht, dass ich sehr begeistert von seiner Show (und von seinem Äußeren) bin, dennoch werde ich versuchen, zum Buch eine ausgewogene Meinung abzugeben. Obwohl der Untertitel „Secret Revelations“ lautet, darf man nicht erwarten, darin die Auflösung zu seinen spektakulären Tricks zu lesen. Es ist eine Autobiografie, in der er erzählt, wie er zur Zauberei kam, wer ihn unterstützte und die Einflüsse, die seinen Stil noch heute ausmachen. Das faszinierende dabei ist, dass er sein Handwerk von der Pike auf gelernt hat. Er wollte nie etwas anderes machen, als Menschen in seinen Bann zu ziehen. Dafür hat er einige Schwierigkeiten auf sich genommen, verteilt sogar die Flugzettel für seine Show selbst, hilft beim Bühnenaufbau und sorgt für sein Outfit selbst. Seine Familie stand immer hinter ihm, auch in der Zeit, als „Angel Productions“, das Unternehmen, das er gründete, noch dunkelrote Zahlen schrieb.

Obwohl keine seiner Tricks enttarnt werden – trotz des Untertitels „Secret Revelations“ – wird doch einiges enthüllt, nämlich der Charakter und die Denkweise des Menschen, der sich hinter der Maske des Criss Angel versteckt, Christopher Sarantos. Er tut dies auf eine höchst amüsante und dennoch faszinierende Weise. Der Rockstar der Zauberer, der Ville Valo der Magie – er hat Humor. Am Ende des Buches sind noch 40 kleine Taschenspieler-Tricks, die man mit ein wenig Übung selbst erlernen kann und die am Stammtisch Eindruck machen werden.

Das Buch ist wundervoll verarbeitet und von hoher Qualität. Viele Fotos und Schwarz-Weiß-Abbildungen illustrieren nicht nur die Shows von Criss Angel, sondern zeigen auch persönliche Momente im Kreis seiner Familie und aus seiner Kindheit. Jede Seite ist mit verschiedenen Motiven als Wasserzeichen gestaltet und man merkt, wieviel Mühe der Mindfreak, Perfektionist und teilweise Egoist in seine Biografie gesteckt hat. Denn dass er sie selbst verfasst (korrekturgelesen von Laura Morton) hat, daran sollte nach der Lektüre kein Zweifel bestehen. Das Buch ist für alle uneingeschränkt empfehlenswert, die seine Show kennen (auf YouTube findet man übrigens einige seiner Illusions) oder sich für ihn aus anderen Gründen (er ist auch Sänger) interessieren. Den Abzugspunkt gibt’s für den ein wenig irreführenden Titel und dafür, dass das Buch auf Deutsch noch nicht erhältlich ist.
Gebundene Ausgabe: 304 Seiten
Verlag: William Morrow (Mai 2007)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0061137618
ISBN-13: 978-0061137617

Freitag, 1. Februar 2008

Catch me if you can



Autor: Frank Abagnale
Original: Catch me if you can (1980)
meine Bewertung: 4 von 5


Frank Abagnale ist gerade mal fünfzehn, als seine Karriere als Betrüger beginnt. Mit der Mobil-Karte seines Vaters dreht er allerhand krumme Dinger, um seine größte Lust und somit sein einziges Laster finanzieren zu können: Frauen. Sein Vater verzeiht ihm gnädigerweise die 3.400 Dollar, die er an Mobil zahlen muss, doch Frank hat Lust an der Sache bekommen. Er geht nach New York, wo er erst einen respektablen Weg einschlagen will, doch dann entdeckt er endgültig seine Leidenschaft und sein Talent für das Verbrechen. Der Teenager, der zehn Jahre älter aussieht, als er ist, beginnt mit seinen Recherchen. Durch geschicktes Aushorchen und Telefonieren gelangt er schnell an eine Pilotenuniform der Pan Am, auch seine Fluglizenz und seinen Pilotenausweis sind Marke Eigenbau.

Schnell eignet er sich den Jargon der Flieger an, um in Gesprächen mithalten zu können, stellt sich seine eigenen Gehaltsschecks aus, die er im ganzen Land einlöst, sonnt sich im Ansehen eines Piloten und fliegt als Mitglied einer Fluglinie um die ganze Welt. Doch nicht nur als angeblicher Pilot versucht sich Frank. Er wird in seiner Karriere außerdem Kinderarzt, Universitätsprofessor und Schriftsteller. Längst hat er sich das nötige Geld beschafft, um ein sorgenfreies Leben führen zu können, doch das Verbrechen reizt ihn einfach zu sehr. Er ist ständig auf der Flucht, weil ihm mittlerweile alle möglichen Staatsbehörden auf den Fersen sind, doch dann beschließt er, sich in Frankreich zu verkriechen.

Doch ausgerechnet da wird er schließlich gefasst und nach Perpignan ins Gefängnis gebracht. Ausgerechnet eine Frau wurde ihm zum Verhängnis. Die ehemalige Stewardess hatte ihn wiedererkannt und ihn angezeigt. In Perpignan verbringt Abagnale 5 Monate unter unmenschlichen Bedingungen, bevor er schließlich nach Schweden ausgeliefert wird. Dort ergeht es ihm besser. Eigentlich haben fast alle Staaten der Welt Abagnales Auslieferung beantragt, doch ein milde gesinnter Richter in Schweden schickt ihn zurück nach Amerika, wo er von den Bundesbehörden am Flughafen in Empfang genommen werden soll. Doch Abagnale schafft es, durch die Flugzeugtoilette zu fliehen…

Die Geschichte ist wahrscheinlich vielen von der Verfilmung mit Leonardo DiCaprio in der Rolle des Frank Abagnale und Tom Hanks in der Rolle des FBI-Agenten O’Reilly geläufig, doch das Buch wurde von Abagnale selbst geschrieben, es liest sich wie eine humorvolle, actiongeladene Autobiografie… na gut, ist sie ja auch. Gerade wenn man denkt: „Nein, das gibt’s jetzt nicht. Damit kommt der nie und nimmer durch“, fällt einem ein, dass es sich um die wahre Lebensgeschichte von Frank Abagnale handelt, der nach seiner Verbrecherkarriere zum gefragten Fachmann für Dokumentensicherheit avancierte.

Zwischen dem Buch und dem Film gibt es eklatante Unterschiede, auf die Abagnale auch in einem Epilog am Ende seines Buches hinweist. Zum ersten das Äußere Abagnales: Dieser war ein großer, dunkelhaariger Mann, der leicht um zehn Jahre älter aussah, als er tatsächlich war. Nun wird im Film Abagnale von Leonardo DiCaprio gespielt, der seine Sache zwar gut macht, aber ein eher kleingewachsener, heller Typ ist, der immer mindestens zehn Jahre jünger wirkt, als er tatsächlich ist. Einige Szenen werden im Film weggelassen, da sich das Buch über fünf Jahre hinzieht und ein Kinofilm eben in seiner Zeit auf 180 Minuten beschränkt ist.

Auch der Vater-Sohn Konflikt kommt im Film viel stärker vor, als er tatsächlich war. Abagnale beschreibt in seinem Buch seinen Vater sehr liebevoll, als einen Menschen, den er respektiert und liebt. Spielberg interpretierte in diese Beziehung mehr Drama rein, als scheinbar tatsächlich war. Außerdem unterscheiden sich manche Orte und Zeitangaben im Film von denen im Buch, der Aufenthalt im Malmöer Gefängnis wird im Film beispielsweise gar nicht erwähnt, ebenso wie seine Flucht aus dem Staatsgefängnis.

Alles in allem eine sehr spannende Geschichte, deren Authentizität sie umso lesenswerter macht. Es kommt zwar nie vor, dass ein Film das Buch genau so wiedergibt, wie es gemeint war, dennoch trifft die Verfilmung von „Catch me if you can“ nach Abagnales Angaben 80% des Buches und der wahren Ereignisse. Wer sich gerne in die bunte Kinowelt der 60er Jahre entführen lässt, sollte sich auch den Film ansehen.
Taschenbuch
Verlag:
Heyne; Auflage: 1 (Februar 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453188713
ISBN-13: 978-3453188716