Donnerstag, 27. März 2008

Der alte Mann und das Meer



Autor: Ernest Hemingway
Original: The old Man and the Sea (1952)
meine Bewertung: 5 von 5

Der alte Fischer Santiago ist bereits 84 Tage auf See, ohne einen Fisch gefangen zu haben. Bisher wurde er immer von einem Jungen, der ihn zutiefst verehrt und liebt, begleitet. Doch nachdem den Fischer scheinbar das Glück verlassen hat, bestehen seine Eltern darauf, auf anderen Booten mitzufahren. Der Junge, Manolin, besucht seinen alten Freund jedoch weiterhin jeden Abend, hilft ihm beim Einholen der Netze und besorgt ihm Essen. Am 85. Tag zieht schließlich der alte Mann alleine los. Er fährt weiter hinaus als jemals zuvor.

Zu Mittag des ersten Tages schließlich bekommt Santiago einen riesigen Marlin an die Angel. Ein Kampf zwischen Mann und Natur beginnt. Über drei Tage zieht sich der Kampf, der Fischer fest entschlossen, den riesigen Fisch zu töten, den er mittlerweile als seinen Freund und Bruder betrachtet, der Fisch scheinbar fest dazu entschlossen, nicht einfach so aufzugeben.

Der alte Mann geht an seine körperlichen Grenzen. Da er den Fisch nicht gleich einholen kann, muss er seine gesamten körperlichen Kräfte aufbieten, um den Fisch nicht zu verlieren. Am dritten Tag schließlich ist er seinem Ziel sehr nahe gekommen. Er sieht schon die Küste, muss aber dennoch ohne Fisch zurück kehren, da ihm dieser von der Natur wieder abspenstig gemacht wird. Santiago kehrt heim, bricht zusammen, schleppt sich doch noch in seine Hütte und wird dort von Manolin gefunden, der den Glauben an seinen Freund noch nicht verloren hat.

Hemingways „Der alte Mann und das Meer“ gehört wohl zu den bekanntesten Werken des Schriftstellers, er wurde unter anderem dafür mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Es ist das letzte veröffentlichte Werk von Hemingway vor dessen Tod 1961. Ich persönlich fand die Geschichte sehr berührend. Man schließt Freundschaft mit Santiago, auch den jungen Manolin mag man einfach. Zugegebenermaßen passiert nicht besonders viel in der Geschichte und man könnte ein wenig gelangweilt werden, hält man sich nicht das Wesen der Novelle im Hinterkopf. Es ist die Geschichte über einen verzweifelten Kampf eines Mannes gegen die Natur, nur um schließlich zu erkennen, dass seine eigene Natur seinen Tribut zollt.
Taschenbuch: 144 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 11., Neuausg. (Juli 1999)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499226014
ISBN-13: 978-3499226014

Mittwoch, 26. März 2008

Fremdwörter für Angeber



Autor: Gerald Drews
Original: Fremdwörter für Angeber (1991)
meine Bewertung: 1 von 5

Eigentlich hatte ich mir das Buch gekauft, weil ich eine Affinität für die deutsche Sprache und Fremdwörter aus allen anderen Sprachen hege. Ich hoffte damit meinen Fremdwortschatz ein wenig zu vergrößern. Dies war leider nicht der Fall. So ziemlich alle „Fremdwörter“ (in dem zugegebenermaßen schon in die Jahre gekommenen Werk) sind bekannt und zählen für die meisten wahrscheinlich gar nicht mehr als solche. Oder ist das Wort „Action“ noch für irgendjemanden ein unbekanntes?

Auch die flapsigen Worterklärungen, die mehr als gewollt lustig schon fast mit dem Holzhammer daher kommen, sind mehr als unnötig und alles andere als gelungen. Man könnte sagen, das Buch ist ein Potemkinsches Dorf an sich. Wenn man es geschenkt bekommt, ist es sicherlich einen Blick wert, denn für so manche nette Idee in dem Buch gebe ich doch einen Punkt. So fand ich beispielsweise die etwas anderen Sprichwörter gelungen. Anders als den Rest des Buches.
Gebundene Ausgabe: 159 Seiten
Verlag: Weltbild, Augsburg (1991)
ISBN-10: 3893504818
ISBN-13: 978-3893504817

Montag, 24. März 2008

Die Kälte des Feuers



Autor: Dean R. Kootnz
Original: Cold Fire (1991)
meine Bewertung: 4 von 5

Jim Ironheart hat eine seltsame Gabe. Der fünfunddreißige wird von einer höheren Macht gelenkt, die ihm Aufträge erteilt. Doch diese Aufträge sind keine normalen Aufträge, sondern stets Missionen, in denen Jim Menschen rettet. Er ist eine Art Superheld, allerdings kann er nicht fliegen, hat keinen Röntgenblick oder gar übermenschliche Kräfte. Er ist jedoch ein Werkzeug, das von einer anderen Macht dorthin dirigiert wird, wo unschuldige Menschen sterben sollen.

Eines Tages überkommt ihn das Bedürfnis, seine Sachen zu packen und nach Portland zu fliegen. Er wandert ziellos umher, bis er plötzlich spürt, dass er zu einer Grundschule muss, weil dort sonst ein Kind stirbt. Bei der Schule angekommen, überkommt ihn Panik. Er hat keine Ahnung, welches der vielen Kinder dort in Lebensgefahr schwebt, also läuft er umher und versucht, rechtzeitig herauszubekommen, welches Kind nun in Lebensgefahr schwebt und wodurch es bedroht wird. In letzter Sekunde schafft er es, einen kleinen Jungen davor zu bewahren, von einem LKW überfahren zu werden.

Zufällig ist auch Holly Thorne, eine mittelmäßige Journalistin, anwesend und wird Zeugin des Vorfalls. Sie schafft es, ein paar Worte mit Jim zu wechseln, bevor dieser sich schnellstmöglich aus dem Staub macht, um seine Privatsphäre zu wahren. Doch Holly ist fasziniert, nicht nur von den intensiven blauen Augen. Sie kehrt in die Redaktion zurück und recherchiert. Sie findet seltsames über Jim Ironheart heraus. In den letzten acht Monaten hat er 24 Menschen gerettet und immer nur seinen Vornamen genannt. Außer ihr ist niemandem der Familienname des Helden bekannt, die meisten Zeugen seiner Taten erinnern sich nur an diese unglaublich blauen Augen.

Holly findet heraus, wo Jim lebt und reist ihm nach. Sie befragt Bekannte und Nachbarn des zurück gezogen lebenden Mannes und schon bald kann sie sich ein Bild des Helden machen. Sie beschließt, Jim zur Rede zu stellen. Längst sind es jedoch nicht mehr die Interessen einer Journalistin, die sie dazu treiben, sondern weit stärkere Mächte. Auch das, was sie noch über Jim erfahren soll, stellt sie auf eine harte Belastungsprobe.

Zuerst nun zu den Schwächen des Buches: das Lektorat der 5. Auflage vom Heyne Verlag hat geschlafen. Ich habe selten ein Buch in Händen gehabt, das vor Fehlern so strotzte, wie dieses. Man liest Wendungen wie „das viel kaum auf“ oder „strich über Holly Rücken“, grammatikalische Fehler, Interpunktionsfehler und einfache Vertipper. Dafür kann natürlich weder der Autor noch die Geschichte was. Man könnte dem Buch ankreiden, die Geschichte sei zu pathetisch. Zu typisch Superman-Lois Lane-mäßig. Mich störte das nicht besonders, weil sich auch die Hauptfiguren darüber im Klaren sind und sich darüber mokieren. Selbstironie also.

Ebenfalls seltsam mutet so manche Anmerkung des Übersetzers (Andreas Brandhorst) an. Auf Seite 412 der 5. Auflage im Heyne-Verlag beispielsweise wird die Alzheimer-Krankheit erwähnt, die auch in unseren Breitengraden so bezeichnet wird und unter der sich eigentlich jeder etwas vorstellen kann. Wenn nicht, soll er halt Freund Google zu Rate ziehen. Doch Brandhorst meint uns zu erklären müssen, was Alzheimer ist. Zitat: „Demenz vom Alzheimer-Typ; progrediente, diffuse Hirnatrophie. Aha, danke. Alles klar.

Ansonsten vergebe ich für das Buch die volle Punktzahl. Es ist sehr spannend und nicht vorhersehbar, gerade das Ende ist ungewöhnlich und stark, außerdem positiv. Koontz hat sympathische Helden geschaffen, die völlig glaubwürdig sind, genauso wie die Geschichte. Man nimmt sie ihm ab und lebt sie mit. Einfach unumschränkt empfehlenswert, auch wenn ich zu einer anderen als meiner Ausgabe greifen würde.
Taschenbuch: 446 Seiten
Verlag: Heyne (Juli 2005)
ISBN-10: 3453770749
ISBN-13: 978-3453770744

Wunschloses Unglück



Autor: Peter Handke
Original: Wunschloses Unglück (1974)
meine Bewertung: 4 von 5

Die junge Maria, Peter Handkes Mutter, ist eine begabte und wissbegierige Schülerin. Gerne möchte sie mehr lernen, als nur das Stricken und Haushalten, doch ihr Vater lässt sie nicht länger als notwendig zur Schule gehen. Sie geht also von zu Hause weg in die Großstadt. Dort beginnt sie eine Lehre als Köchin und Zimmermädchen. Maria genießt das Leben und ihre Freiheit.

In der Großstadt lernt sie einen Parteigenossen kennen. Sie verliebt sich in ihn und wird von ihm schwanger. Noch bevor ihr Kind Peter das Licht der Welt erblickt, heiratet sie jedoch einen Unteroffizier, um Anspruch auf ein Ehestandsdarlehen zu erwerben. Es ist eine reine Zweckehe, die beiden Eheleute haben sich nichts zu sagen. Maria folgt ihrem Mann nach Berlin, in dessen Heimatstadt.

Ihr Ehemann, den sie sowieso nicht liebt, zieht in den Krieg. Sie bleibt alleine auf dem Land und erfüllt ihre Pflichten. Nach dem Krieg kommt ihr Ehemann zurück, der zwischenzeitlich eine Freundin hatte. Maria hasst ihn – scheinbar nicht nur ihn, sondern die Männerwelt an sich. Maria treibt zwei Kinder ab, bevor sie mit den bereits geborenen zwei und ihrem Mann Berlin verlässt und nach Österreich geht.

Die unglückliche Familie lebt wieder bei Marias Leuten, ihr Ehemann findet eine kurzzeitige Anstellung in der Werkstatt ihres Bruders. Doch schon bald erliegt er dem Alkohol, Maria hingegen wird immer selbstsicherer und hasst dafür den Säufer, den sie zum Mann hat, immer mehr. Tägliche Aufgaben sind nur noch lästige Pflichten, die lustlos erfüllt werden. Sie bekommt unerträgliche Kopfschmerzen und wird auf Kur nach Jugoslawien geschickt.

Als sie wieder zurück kommt, hat sie nur noch Kontakt mit ihrem Ältesten, Peter. Sie zieht sich immer mehr von der Welt zurück, bis sie schließlich beschließt, mit einem Mix aus Antidepressiva und Schlaftabletten Selbstmord zu begehen.

Sieben Wochen nach dem Selbstmord seiner Mutter hat Handke diese Erzählung geschaffen. Er hat sich mit dem Tod seiner Mutter auf eine sachliche Art auseinander gesetzt, die dennoch stark berührt. Handke beschreibt das Leben seiner Mutter als ein Hin und Her zwischen Liebe und Hass, Beständigkeit und Unbeständigkeit, Selbstsicherheit und absoluter Selbstaufgabe. Gerade wegen dieser Klarheit und Sachlichkeit ein einzigartiges Werk, das man doch mal lesen könnte.
Taschenbuch
Verlag: Suhrkamp (1974)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3518366467
ISBN-13: 978-3518366462

Samstag, 22. März 2008

Was liest der Hund am Laternenpfahl?



Autorinnen: Nicole Hoefs, Petra Führmann
Original: Was liest der Hund am Laternenpfahl? (2007)
meine Bewertung: 4 von 5

Nicole Hoefs und Petra Führmann, laut Buch beide erfahrene Hundetrainerinnen, haben in diesem Buch 140 Fragen und Antworten rund um den Hund gesammelt. Jeder Hundebesitzer kann beim Großteil der Fragen zustimmend nicken und findet sich und sein Flohtaxi wieder. Behandelt werden die Themengebiete Intelligenz und Fähigkeiten der Hunde, seltsame Ticks unserer Vierbeiner, das Ausdrucksverhalten, Freizeit und Bespaßung eines Hundes, Geschichte, Statistik, Rechtssprechung, Ernährung und Gesundheit, Mischlingen und Rassehunde, Erziehung, Wölfe, Hunde und ihr Zusammenspiel mit Artgenossen und Fragen rund um die Auswahl und Anschaffung eines Hundes.

Hoefs und Führmann stellen interessante Fragen, die sie dann beantworten – meist zwar auch amüsant, aber leider etwas kurz und oberflächlich. Gerade, wenn man hofft, etwas mehr zu erfahren, wird man enttäuscht und mit nur einem Absatz abgespeist. Das ist schade, denn das Buch liest sich flott und witzig, da würden ein paar Seiten mehr und ein paar wissenschaftliche Fakten oder Tipps kaum ins Gewicht fallen. Sie würden im Gegenteil das Buch um Einiges bereichern. Auf jeden Fall komisch sind die Cartoons zur Illustration, geschaffen von Heinz Grundel.

Das Buch ist für Hundefreunde auf jeden Fall empfehlenswert und seis nur, um zu bemerken, dass der eigene, vermeintlich total durchgeknallte Hund doch ein ganz normaler Vertreter seiner Art ist. Eine kurzweilige Lektüre, die leider den Nachgeschmack von Fast Food hinterlässt – mit dem Nebeneffekt, doch ein bisschen was dabei zu lernen und behalten.
Gebundene Ausgabe: 192 Seiten
Verlag: Kosmos (Franckh-Kosmos); Auflage: 1 (2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 344011063X
ISBN-13: 978-3440110638

Freitag, 21. März 2008

Alarm im Zirkus Sarani



Autor: Stefan Wolf
Original: Alarm im Zirkus Sarani (1976)
meine Bewertung: 2 von 5

Es ist November geworden. Nebel liegt über der Stadt und dem Internat. Die Schüler der Internatsschule haben ein paar Tage frei, deshalb lädt Klößchen seinen Budenkumpel Tarzan zu sich nach Hause ein. Natürlich stolpern die Kinder wieder einmal in ein Abenteuer, aus dem sie als Helden hervorgehen. In der Stadt ist ein Zirkus und sie werden vom Lehrer der Zirkusschule eingeladen, an seinem Unterricht teilzunehmen, damit er eine Vergleichsmöglichkeit zwischen seinen Schülern und den Internatsschülern hat. Tarzan, Karl, Klößchen und Gaby geben ihr Bestes und freunden sich mit den Zirkuskindern an.

Eines Abends werden sie Zeuge, wie jemand sich beklagt, im Zirkus hätte man ihm seine Brieftasche mit 22.000 Mark gestohlen. Der Typ ist irgendwie zwielichtig und mysteriös, deshalb heftet sich Tarzan auf seine Spuren. Außerdem wird ein nahegelegener Supermarkt von einem Giftmischer erpresst, der Zyankali in Gurkengläser gekippt hat. Und ein weiterer – oder etwa derselbe Verbrecher – bedroht außerdem die Stadt. Er will Acetil Nitrit verteilen, das hochgiftig ist und viele Menschenleben fordern kann. Wenn die Stadt dem Verbrecher eine Million Mark zahlt, wird er von einem Giftanschlag absehen.

Eigentlich sind es also drei Fälle, die die Kinder von TKKG zu lösen haben. Und natürlich machen sie das mit Bravour und gelegentlicher Hilfe von Kommissar Glockner, Gabys Vater. Der Zufall kommt den Kindern auch wieder mehr als einmal zu Hilfe. Sie haben nämlich das Glück, alle Verbrecher schon am Beginn des Buches kennen zu lernen und dass die Verbrecher aussehen, wie Verbrecher.

Mittlerweile ist das der zehnte Band der TKKG-Kinderbuchserie aus den 70ern, von der es bisher über 150 Bände gibt. Alle beinhalten eine spannende Detektiv-Geschichte, die von den vier Freunden gelöst wird. Meistens ist es aber ihr Anführer Tarzan, der brenzlige Situationen mit Gewaltanwendug löst. Auch bei diesem Band kann man wieder alle Kritikpunkte anführen, die auch auf die anderen zutreffen: Klischees werden fast schon überstrapaziert, der Autor versucht, Wertvorstellungen zu vermitteln (er tut dies allerdings nicht besonders subtil, so dass es ein wenig nervig wirkt), Gaby, das einzige Mädchen der Bande, wird von den Jungs bevormundet und verhätschelt.

Speziell in diesem Band fällt außerdem noch auf, dass Gaby, die Tierliebhaberin und Tierschützerin, ein wenig inkonsequent handelt, wenn gerade sie die (gefangenen) Tiere im Zirkus bestaunt, die Kunststücke aufführen und wenn gerade sie Lammfell-Hausschuhe trägt. Und sonst: recht spannende Kinderunterhaltung.
Broschiert: 184 Seiten
Verlag: Omnibus Tb Bei Bertelsmann (Oktober 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570215806
ISBN-13: 978-3570215807

Montag, 17. März 2008

Abenteuer im Ferienlager



Autor: Stefan Wolf
Original: Abenteuer im Ferienlager (1976)
meine Bewertung: 2 von 5

Karl, das Genie der TKKG Bande hat bei einem Preisausschreiben Geld gewonnen und daraufhin seine Freunde ins Ferienlager an der Nordsee eingeladen. Zu seinen Freunden gehören Tarzan, der eigentlich Peter heißt und ein Judo-As ist, Klößchen, der eigentlich Willi heißt und ziemlich verfressen ist, und als einziges Mädchen Gaby Glockner. Gaby ist blond, schlank und wunderschön. Kein Wunder, dass Tarzan heimlich ein wenig in sie verknallt ist. Der Cockerspaniel der tierlieben Gaby, Oscar, darf natürlich auch mitkommen.

Überall, wo die vier Freunde auftauchen, gibt es natürlich Action. So auch im Ferien. Die Kinder sind noch kaum eine Woche da, als sie schon einen Dieb entlarven. In der Woche darauf helfen sie einer alten Oma, damit sie ihre Villa nicht verkaufen muss. In ihrer dritten Woche lassen sie gemeine Erpresser auffliegen. Kurz darauf machen sie eine Rockerbande dingfest, die die Kinder im Ort terrorisiert. In ihrer letzten Woche stellen die Kinder sogar einen Diamantendieb.

Der Held der Geschichten ist natürlich wieder Tarzan, der durchtrainierte, sportliche und kluge Junge, der fast schon ekelhaft perfekt ist. Auch dieser Band der Reihe kommt wieder mit allerlei moralischen Inhalten daher, allerdings wird jeder Konflikt der Bande mit Handgreiflichkeiten durch den Anführer Tarzan geregelt. Dennoch bleibt die Reihe ein harmloser Spaß für etwas ältere Kinder, wenn man als Elternteil dafür sorgt, dass so manche Klischees nicht unbedacht übernommen werden, die von den Büchern transportiert werden.
Broschiert: 185 Seiten
Verlag: Omnibus Tb Bei Bertelsmann (November 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570215792
ISBN-13: 978-3570215791

Sonntag, 16. März 2008

Das ewige Leben



Autor: Wolf Haas
Original: Das ewige Leben (2004)
meine Bewertung: 5 von 5
Jetzt ist schon wieder das passiert. Und das mitten in Graz. Nach vielen Jahren der Wanderschaft ist der ehemalige Kriminalkommissar Simon Brenner in seine Heimatstadt Graz zurück gekehrt. Doch anstatt dort zur Ruhe zu kommen, verfolgen ihn die alten Geschichten von früher, von der Polizeischule noch. Es kommt sogar soweit, dass er in der Sigmund-Freud Klinik aus dem Koma aufwacht, weil er sich angeblich umbringen wollte. Mit einem Schuss in den Kopf.

Doch der Brenner bleibt beharrlich bei seiner Geschichte: Der Polizeichef hätte versucht, ihn umzubringen. Warum dem so ist, kann er sich auch nicht recht erklären, darum macht er sich daran, die losen Enden seiner Jugend zu verknüpfen. Er trifft dabei seinen ehemaligen Polizeischulfreund, den Köck. Blöd nur, dass ihn vor ihm schon jemand getroffen hat. Genau über dem linken Ohr. Damals haben der Brenner, der Köck, der derzeitige Kripochef Aschenbrenner und der Saarinen einen sehr dummen Streich gespielt und mehr als 30 Jahre danach, droht diese Dummheit sie alle umzubringen.

In diesem, dem wohl letzten, Teil der Brenner-Krimis lernt man endlich auch einmal den Erzähler der Geschichten kennen, der sich schließlich als Held erweist, außerdem erfährt man so einiges über die unrühmliche Vergangenheit vom Brenner. Er schwebt selbst mehrmals in Lebensgefahr und sieht demnach auch die Sigmund-Freud-Klinik öfter als einmal von innen, das macht die Geschichte spannend und man brennt sozusagen darauf, das Ende zu erfahren. Die Frage, die man sich bis zum Schluss stellt sich die Frage: Wird der Brenner das überleben?

Da ich bekanntermaßen ja schon längst zu den Haas-Fans zähle, empfehle ich dieses Buch gerne weiter. Allerdings sollte man es wohl als letztes der insgesamt sieben Bücher lesen. Zwar macht die Reihenfolge nicht wirklich einen Unterschied, allerdings ist dieser Band als letzter gedacht und auch ein logischer Schlusspunkt in der Reihe.
Taschenbuch: 220 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 9., Aufl. (September 2003)
ISBN-10: 349224095X
ISBN-13: 978-3492240956

Samstag, 15. März 2008

Das Schlimmste kommt noch



Autor: Charles Bukowski
Original: Ham on Rye (1983)
meine Bewertung: 5 von 5

Henry Chinaski ist ein seltsamer Junge. Er ist sich sicher, seine Eltern hätten ihn nur adoptiert, anders kann er sich nicht vorstellen, warum er sie so dermaßen hasst und sie ihn im Gegenzug dazu auch. Seine Kindheit und Jugend verbringt er im Amerika der Zwischenkriegszeit, wo die Menschen um ihre Arbeit bangen und Armut alltäglich ist. In der Schule hat er keine Freunde, wird sogar regelmäßig von den stärkeren Jungs verprügelt. Ausgerechnet die Loser sind es, die sich immer wieder an ihn hängen und ihn zum Freund haben wollen. Doch Henry will keine Freunde, er will und kann scheinbar nicht glücklich sein.

Eines Tages verliert auch Henrys Vater seinen Job. Doch damit die Nachbarn nichts merken, fährt er jeden Tag zur selben Zeit von zu Hause weg und kommt erst abends wieder. Henry hat inzwischen so starke Akne bekommen, dass er sich wünscht, sich den ganzen Tag in einer Höhle verkriechen zu können. Er schämt sich seiner und beginnt, Geschichten zu schreiben. Inzwischen ist er im Sport etwas besser geworden und es gibt ein paar Jungs, mit denen er sich abgibt. Doch sein Vater unterbindet dies schnellstmöglich. Prügel sind an der Tagesordnung, auch Henrys Mutter fürchtet sich vor ihrem Mann.

Als Henry älter geworden ist, findet sein Vater seine Geschichten und droht, ihn umzubringen. Dabei wünscht sich Henry schon lange nichts sehnlicher, als seinen Vater zu ermorden. Doch soweit kommt es nicht, Henry schnappt seine Sachen und macht sich auf in die Welt. Er bleibt erfolglos, ergibt sich vollends dem Alkohol. Gewalt ist nach wie vor an der Tagesordnung, jedoch ist es jetzt er, der austeilt. Bukowskis Roman ist wie ein Autounfall. Man will nichts davon wissen, man will es nicht sehen, und trotzdem kann man sich nicht abwenden.

Es ist eine ungeschminkte Geschichte, die die Verzweiflung der arbeitslosen Menschen in der Zwischenkriegszeit widerspiegelt. Die Sprache ist derb, grob, echt – genauso wie das Großwerden in einer Familie, die alles andere als harmonisch ist. Unbedingte Leseempfehlung!
Broschiert: 342 Seiten
Verlag: Dtv (Januar 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423209631
ISBN-13: 978-3423209632

Dienstag, 11. März 2008

Inspektor Jury küsst die Muse



Autorin: Martha Grimes
Original: The Dirty Duck (1984)
meine Bewertung: 2 von 5

Inspektor Jury bekommt es in dem gemütlichen Shakespeare-Städtchen Stratford-upon-Avon mit einer amerikanischen Touristengruppe zu tun. Zuerst wird er mit der Suche nach dem kleinen Jimmy betraut, der verschwunden ist. An sich ist das ja nichts Ungewöhnliches, denn der Neunjährige unternimmt öfter Extratouren. Doch als er mehrere Tage abgängig ist, macht man sich dann doch Sorgen. Außerdem beginnt zeitgleich eine grausame Mordserie. Drei Mitglieder der reichen amerikanischen Touristengruppe werden abgeschlachtet und ihre Körper richtiggehend verstümmelt. Gemeinsam mit seinem Freund Melrose Plant macht sich Inspektor Jury auf die Suche nach dem Schlächter und dem scheinbar entführten Jimmy.

Die Geschichte gestaltet sich für Nichtkenner der Serie ziemlich anstrengend. Es kommen Personen mit einer Selbstverständlichkeit und ohne Erklärungen darin vor, die man wahrscheinlich nur dann kennt und richtig zuordnen kann, wenn man auch den Rest der Serie kennt. Die Handlung an sich ist nicht unbedingt spannungsgeladen und warum Martha Grimes als „die neue Agatha Christie“ gehandelt wird, bleibt mir völlig unverständlich, da man die Amerikanerin in ihr viel zu deutlich herauslesen kann. Es mangelt an sprachlicher Eleganz und Atmosphäre. Jedoch sei dem Buch zu Gute gehalten, dass mit Shakespeare-Verweisen gearbeitet wurde. Vielleicht sollte man die Inspektor-Jury Bücher in der dafür vorgesehenen Reihenfolge lesen, um ihr wahres Potential zu erfassen. Als Einzelgeschichte allerdings eher eine schwache Leistung.
Taschenbuch: 250 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 14., Aufl. (November 1990)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 349912176X
ISBN-13: 978-3499121760

Der magische Kreis



a.V.: Alfred Hitchcock
Original: The Mystery of the magic Circle
meine Bewertung: 2 von 5

Justus, Bob und Peter, die drei Detektive, die sich selbst die drei Fragezeichen nennen, arbeiten in diesem Sommer in der Poststelle eines Verlages, um sich ihr Taschengeld ein wenig aufzubessern. An einem Nachmittag machen die drei Überstunden und werden dabei beinahe Opfer eines Brandanschlages. Jemand hat im Verlag Feuer gelegt, um den Diebstahl eines wertvollen Manuskripts einer alternden Filmdiva zu vertuschen. Blöd nur, dass sich das Manuskript gar nicht im Verlag befunden hat, sondern beim Verleger zu Hause war.

Doch auch dort wird eingebrochen, das Manuskript wird gestohlen, ebenso wie alle Negative mit den Filmen des ehemaligen Superstars. Natürlich machen sich die drei Fragezeichen auf die Suche nach dem Schuldigen – oder gibt es etwa mehrere Schuldige? Obwohl sich die Schauspielerin schon vor längerer Zeit aus dem öffentlichen Leben zurückgezogen hat, schaffen es die drei Jungdetektive dennoch, zu ihr vorzustoßen und ihr auf den Zahn zu fühlen. Was sie jedoch in ihrem Haus erfahren, hätten sie nicht gedacht…

Harmlose, nette Unterhaltung für Kinder, an der es kaum etwas auszusetzen gibt, die aber auch keinen Mehrwert für Erwachsene bringt. Die Geschichte ist halbwegs spannend und flott geschrieben und kommt beinahe komplett ohne Gewalt aus. Bedenkenlos für Kinder zu empfehlen.
Taschenbuch: 157 Seiten
Verlag: Omnibus Tb Bei Bertelsmann (September 2001)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570204995
ISBN-13: 978-3570204993

Freitag, 7. März 2008

Das Hotel New Hampshire



Autor: John Irving
Original: The Hotel New Hampshire (1982)
meine Bewertung: 5 von 5

Die Familie Berry, wohnhaft in Maine, ist keine gewöhnliche Familie. Im Wesentlichen besteht sie zu Beginn des Buches aus dem Großvater Iowa-Bob, Vater und Mutter, State-o’Maine (wie der Bär der Familie heißt) und den Kindern Frank, Franny, John, Lilly und Egg. Neben dem Bären gibt es außerdem noch den Labrador Kummer, der ständig furzt und ein elender, aber liebenswerter Stinker ist. Zu Beginn der Geschichte sind die Kinder wirklich noch Kinder, keines älter als 12 Jahre alt. Der Vater, Win Berry, verdient das Geld für die Familie mit Auftritten des Bären State-o’Maine, ist selten daheim und eigentlich ein Träumer. Die Kinder versuchen, ihre Kindheit unbeschadet hinter sich zu bringen, dabei sind alle unterschiedliche Charaktere. Frank lebt in seiner eigenen Welt, Lilly ist einfach unglaublich klein und Egg ist fast noch ein Baby. Nur Franny und John verbindet etwas, das über reine Geschwisterliebe schon hinaus geht.

Eines Tages beschließt der Vater, eine leerstehende Mädchenschule zu kaufen und aus ihr ein Hotel zu machen. Niemand ist sonderlich begeistert von der Idee, das gewohnte Heim aufzugeben und in ein Hotel zu ziehen, dem man die ehemalige Schule noch derartig ansieht und das allenfalls als letztklassig zu bezeichnen ist. Doch Vater setzt sich durch und so wird aus dem Internat das erste „Hotel New Hampshire“. Übermäßig viele Gäste gibt es nicht, doch dafür passiert im Leben der Kinder so einiges. Franny und John werden durch einen schrecklichen Vorfall an Halloween noch enger zusammengeschweißt, ein totes Familienmitglied tötet unabsichtlich ein anderes und John entdeckt, was käufliche Liebe ist.

Eines Tages kommt dann Post aus Österreich. Der ehemalige Besitzer des Familienbären meldet sich aus dem Nachkriegswien, um die Familie in sein Hotel einzuladen. Er möchte, da er selbst schon alt ist, Win als Partner. Die Familie beschließt, das erste Hotel New Hampshire zu verkaufen und nach Wien zu gehen. Natürlich passiert dies mit höchst gemischten Gefühlen. Während der Vater voller Zuversicht in die Zukunft blickt, büffelt Frank Deutsch und Wiens Geschichte, Franny und John sind skeptisch, Lilly will in Wien wachsen, Egg ist immer noch fast ein Baby und Mutter… sie verzeiht Vater. Es werden also Sachen gepackt, Flüge gebucht und Arrangements getroffen. Die Familie startet in eine ungewisse Zukunft, sie ahnt noch nicht, dass sie mit zwei weitern Toden konfrontiert werden, mit radikalen und Nutten ein Hotel teilen werden, eines Tages reich und berühmt sind – ja noch nicht einmal von der Vergewaltigung durch einen Bären hat sie den leisesten Schimmer…

„Das Hotel New Hampshire“ ist im Wesentlichen ein Familiendrama, erzählt vom mittleren Kind John. Man begleitet die Familie über die Jahre hinweg, so dass man auch von einem Entwicklungsroman sprechen könnte, der immer wieder gespickt von tragischen Wendungen ist. Ein Großteil der Charaktere ist sehr ausgereift, selbst den furzenden Familienhund schließt man so ins Herz. Seite um Seite fiebert man mit den Berrys mit, man meint fast, der Autor gönne der Familie einfach kein Happy End.

Oft witzig, oft traurig, lang, aber nicht langweilig – so präsentiert sich das Buch, das man einfach ins Herz schließen oder hassen muss. Nachdem ich mich entschlossen habe, zu ersterer Gruppe zu gehören, lege ich es hiermit allen Fans von ausgereiften, gewachsenen Büchern ans Herz. In diesem Sinne: Bleibt immer weg von offenen Fenstern.
Sondereinband: 596 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 33., Aufl. (1984)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257211945
ISBN-13: 978-3257211948