Montag, 24. März 2008

Die Kälte des Feuers



Autor: Dean R. Kootnz
Original: Cold Fire (1991)
meine Bewertung: 4 von 5

Jim Ironheart hat eine seltsame Gabe. Der fünfunddreißige wird von einer höheren Macht gelenkt, die ihm Aufträge erteilt. Doch diese Aufträge sind keine normalen Aufträge, sondern stets Missionen, in denen Jim Menschen rettet. Er ist eine Art Superheld, allerdings kann er nicht fliegen, hat keinen Röntgenblick oder gar übermenschliche Kräfte. Er ist jedoch ein Werkzeug, das von einer anderen Macht dorthin dirigiert wird, wo unschuldige Menschen sterben sollen.

Eines Tages überkommt ihn das Bedürfnis, seine Sachen zu packen und nach Portland zu fliegen. Er wandert ziellos umher, bis er plötzlich spürt, dass er zu einer Grundschule muss, weil dort sonst ein Kind stirbt. Bei der Schule angekommen, überkommt ihn Panik. Er hat keine Ahnung, welches der vielen Kinder dort in Lebensgefahr schwebt, also läuft er umher und versucht, rechtzeitig herauszubekommen, welches Kind nun in Lebensgefahr schwebt und wodurch es bedroht wird. In letzter Sekunde schafft er es, einen kleinen Jungen davor zu bewahren, von einem LKW überfahren zu werden.

Zufällig ist auch Holly Thorne, eine mittelmäßige Journalistin, anwesend und wird Zeugin des Vorfalls. Sie schafft es, ein paar Worte mit Jim zu wechseln, bevor dieser sich schnellstmöglich aus dem Staub macht, um seine Privatsphäre zu wahren. Doch Holly ist fasziniert, nicht nur von den intensiven blauen Augen. Sie kehrt in die Redaktion zurück und recherchiert. Sie findet seltsames über Jim Ironheart heraus. In den letzten acht Monaten hat er 24 Menschen gerettet und immer nur seinen Vornamen genannt. Außer ihr ist niemandem der Familienname des Helden bekannt, die meisten Zeugen seiner Taten erinnern sich nur an diese unglaublich blauen Augen.

Holly findet heraus, wo Jim lebt und reist ihm nach. Sie befragt Bekannte und Nachbarn des zurück gezogen lebenden Mannes und schon bald kann sie sich ein Bild des Helden machen. Sie beschließt, Jim zur Rede zu stellen. Längst sind es jedoch nicht mehr die Interessen einer Journalistin, die sie dazu treiben, sondern weit stärkere Mächte. Auch das, was sie noch über Jim erfahren soll, stellt sie auf eine harte Belastungsprobe.

Zuerst nun zu den Schwächen des Buches: das Lektorat der 5. Auflage vom Heyne Verlag hat geschlafen. Ich habe selten ein Buch in Händen gehabt, das vor Fehlern so strotzte, wie dieses. Man liest Wendungen wie „das viel kaum auf“ oder „strich über Holly Rücken“, grammatikalische Fehler, Interpunktionsfehler und einfache Vertipper. Dafür kann natürlich weder der Autor noch die Geschichte was. Man könnte dem Buch ankreiden, die Geschichte sei zu pathetisch. Zu typisch Superman-Lois Lane-mäßig. Mich störte das nicht besonders, weil sich auch die Hauptfiguren darüber im Klaren sind und sich darüber mokieren. Selbstironie also.

Ebenfalls seltsam mutet so manche Anmerkung des Übersetzers (Andreas Brandhorst) an. Auf Seite 412 der 5. Auflage im Heyne-Verlag beispielsweise wird die Alzheimer-Krankheit erwähnt, die auch in unseren Breitengraden so bezeichnet wird und unter der sich eigentlich jeder etwas vorstellen kann. Wenn nicht, soll er halt Freund Google zu Rate ziehen. Doch Brandhorst meint uns zu erklären müssen, was Alzheimer ist. Zitat: „Demenz vom Alzheimer-Typ; progrediente, diffuse Hirnatrophie. Aha, danke. Alles klar.

Ansonsten vergebe ich für das Buch die volle Punktzahl. Es ist sehr spannend und nicht vorhersehbar, gerade das Ende ist ungewöhnlich und stark, außerdem positiv. Koontz hat sympathische Helden geschaffen, die völlig glaubwürdig sind, genauso wie die Geschichte. Man nimmt sie ihm ab und lebt sie mit. Einfach unumschränkt empfehlenswert, auch wenn ich zu einer anderen als meiner Ausgabe greifen würde.
Taschenbuch: 446 Seiten
Verlag: Heyne (Juli 2005)
ISBN-10: 3453770749
ISBN-13: 978-3453770744

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