Samstag, 31. Mai 2008

Vom Winde verweht



Autorin: Margaret Mitchell
Original: Gone with the Wind (1936)
meine Bewertung: 5 von 5

Georgia, Südstaaten. Wir schreiben die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Scarlett O’Hara ist gerade im Backfischalter. Sie lebt, gut behütet und von allen geliebt, auf Tara, der elterlichen Farm. Ihr Vater, Gerald O’Hara, kam aus Irland, kaufte die Plantage und wurde durch den Anbau von Baumwolle ein reicher und angesehener Mann. Seine Frau Ellen, die aus einer alten und angesehenen Familie stammt, hat ihm Scarlett, Carreen und Suellen geboren und kümmert sich um die Geschicke der Farm, indem sie für die Sklaven sorgt und gesellschaftliche Verpflichtungen wahrnimmt.

Die hübsche Scarlett wird von jungen Männern regelrecht umlagert, benimmt sich aber meist schicklich, so wie ihre Nanny ihr das gelernt hat. Normalerweise bekommt Scarlett, was sie sich in ihr keckes Lockenköpfchen gesetzt hat, doch der Mann ihrer Träume, Ashley, ist bereits Melanie versprochen. Eine Vernunftehe seitens Scarlett soll Ashley heimzahlen, dass er nicht sie ehelichte. Denn auch Ashley scheint Gefühle zu Scarlett zu haben. Melanie hingegen, mit der Scarlett durch ihre Ehe schließlich verwandt wird, ist Scarlett sehr zugetan, obwohl diese sie am liebsten verfluchen würde.

Rhett Butler, ein etwas zwielichtiger Mann, der von seiner Familie verstoßen wurde und in New Orleans nicht mehr empfangen wird, ist zufällig anwesend, als Scarlett Ashley ihre ungehörigen Gefühle gesteht und kreuzt seit diesem Zeitpunkt immer wieder ihre Wege. Noch ahnt Scarlett nicht, wohin das alles später führen würde.Was schon länger in der Luft lag, wird schließlich die harte Realität. Der Krieg gegen die Yankees bricht aus, die Männer werden eingezogen. Scarlett hofft und bangt um Ashley, nur um schließlich zu erfahren, dass ihr eigener Mann gefallen ist. Sie hat ein Baby von ihm, das sie nicht liebt und mit dem sie nichts anfangen kann, außerdem langweilt sie sich. Also schickt Ellen sie nach Atlanta zu ihrer Tante Pitty. Scarlett taucht in das prickelnde Leben in der Großstadt ein, sie genießt es, obwohl sie eigentlich in Trauer sein sollte. Und wieder ist da Rhett Butler.

Der Krieg wird schlimmer, schließlich erreicht er auch Atlanta. Für Scarlett beginnt eine Zeit voll Arbeit und Entbehrungen, eine Zeit, die sie, die verwöhnte Tochter aus gutem Hause nicht gewöhnt ist. Die schwache Melanie ist außerdem schwanger von ihrem Gatten Ashley, in den Scarlett verliebt ist und um dessen Person sich ihr gesamtes Denken und Tun dreht. Außer Rhett scheint jedoch niemand davon zu wissen. Da der Krieg schrecklicher wütet, machen sich die schwangere Melanie und Scarlett gemeinsam mit Scarletts Kind und Prissy, dem Kindermädchen auf den Weg nach Tara. Dort angekommen, beginnt der Alptraum erst recht.

„Vom Winde verweht“ ist ein wahrlicher Wälzer, der das Leben von Scarlett O’Hara beschreibt. Die Protagonistin ist denkbar unsympathisch. Sie ist stolz darauf, noch nie in ihrem Leben ein Buch gelesen zu haben und alles, was sie tut, tut sie um Ihretwegen. Selbst wenn sie eigentlich mit ihrem Tun auch anderen hilft, ist die Motivation für dieses Tun immer egozentrisch. Selbstlosigkeit ist Scarlett fremd, ebenso wie Skrupel.

Das Werk ist sprachlich faszinierend, ebenso wie die Atmosphäre, die das Buch vom Süden der (schließlich doch) vereinigten Staaten vermittelt. Man sieht die üppige Baumwolle wahrlich vor sich, hört das Ächzen von Mammy und das Singen der schwarzen Sklaven. Mitchell vermittelt ein Bild von Sklavenhaltung, die ein anderes ist, als man es gemeinhin kennt. Die O’Haras (und ihre Nachbarn, Freunde, Verwandten etc.) behandeln ihre Sklaven als Familienmitglieder. Ellen wacht an deren Betten, wenn sie krank sind, es gibt gemeinsame Hausmessen und Geschenke zu Weihnachten. Mammy, die seit drei Generationen für die Kinder der Familie sorgt, hat viel im Haus zu sagen und ist eine Autorität. Mitchell begann den Roman 1926, sie wurde 1900 geboren, erlebte also die Zeit des Krieges und der Sklaverei nicht wirklich mit, bekam aber durch ihre Vorgängergenerationen wahrscheinlich einen recht guten Eindruck davon. Ob das Bild der Sklaverei geschönt ist oder den Tatsachen entspricht, wage ich nicht zu beurteilen. Interessieren würde es mich aber. Wahrscheinlich gab es solche und solche.

Obwohl sich das Buch im Allgemeinen gut lesen lässt, weist es doch durch die Erzählungen vom Krieg einige Längen auf, die man vielleicht besser nutzen hätte können. Schade, dass das Buch wirklich nur Scarletts Leben, Denken und Empfinden schildert. So wird beispielsweise ihr Sohn Wade geboren, dann aber nicht weiter erwähnt – außer als Störquelle für Scarlett.

Die gesamte Geschichte ist irgendwie tragisch, lang, manchmal anstrengend und manchmal möchte man Scarlett in den Hintern treten. Aber andererseits muss man auch bewundern, was sie als Frau in einer Zeit wie dieser geschafft hat und irgendwie versteht man sie, auch wenn man nicht gutheißt, was sie tut. Aus der Lektüre hat sich eine wahre Hassliebe entwickelt, es hat meiner Meinung nach verdientermaßen einen Pulitzer-Preis gewonnen und wurde nicht umsonst der meistgesehene Film überhaupt. Lesenswert, wenn man Durchhaltevermögen hat!
Taschenbuch: 1119 Seiten
Verlag: Ullstein; Auflage: 1. Aufl. (Dezember 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548269338
ISBN-13: 978-3548269337

Die Apothekerin



Autorin: Ingrid Noll
Original: Die Apothekerin (1994)
meine Bewertung: 3 von 5


In einer Heidelberger Frauenklinik sind zwei Frauen Bettnachbarinnen. Eine von ihnen, Hella Moormann, hat das Bedürfnis, sich die Zeit dort zu vertreiben. Also erzählt sie ihrer Leidens-genossin Rosemarie Hirte Szenen aus ihrem Leben. Da Frau Hirte meist schon nach ein paar Minuten schnarcht, wird Hella offener und erzählt auch allerlei Geheimnisse aus ihrem Leben.

Die gelernte Apothekerin Hella hatte immer schon ein Helfersyndrom. Sie hat dies meist dadurch kompensiert, sich absolut gescheiterte Existenzen als Freunde anzulachen. Neben einem Kriminellen und einem Drogensüchtigen gehörten schon allerlei andere zwielichtige Gestalten zu ihren Bettgenossen. Doch jetzt ist sie mit Levin liiert. Dieser ist zwar erheblich jünger als Hella, lässt sich von ihr bekochen und die Doktorarbeit in Zahnmedizin schreiben, aber sonst scheint er halbwegs okay zu sein.

Doch eines Tages erfährt Levin, dass sein Opa, mit dem ihm eigentlich nichts außer einer riesigen zu erwartenden Erbschaft verbindet, im Krankenhaus liegt, weil er einen Herzinfarkt hatte. Hella und Levin besuchen den alten Knochen, als es ihm – zum Leidwesen von Levin – wieder etwas besser geht zuhause in seiner stattlichen Villa.

Hella und der Opa sind sich sofort sympathisch. Fast schon tut es Hella leid, dass sie einem verrückten Plan von Levin zugestimmt hat, der ihn bald schon zum Erben machen würde. Bei der Testamentseröffnung jedoch erleben die Beteiligten einen Schock- alles kommt ganz anders, als sich Dienstmädchen, Enkel und Freundin des Enkels das vorgestellt haben.
Als dann auch noch der Freund vom Dienstmädchen ins Spiel kommt, wird die Sache verrückt – sogar mörderisch. Die Geschichte ist sehr kurzweilig und auch spannend, wenn auch nicht besonders raffiniert. Man würde der Heldin gerne ein paar Mal so richtig in den Hintern treten, weil sie sich nicht besonders rational verhält, aber ansonsten ist das Buch ganz nett.

Broschiert: 248 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 27., Aufl. (November 1996)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257229305
ISBN-13: 978-3257229301

Donnerstag, 22. Mai 2008

Die zehn Fragen




Autor: Sidney Sheldon
Original: The money tree (1997)
meine Bewertung: 1 von 5

Der steinreiche Samuel Stone ist verstorben, deshalb haben sich seine schöne und junge Witwe, sein Anwalt, sein Neffe und David, der Gründer der Wohltätigkeitsstiftung „Samuel Stone“ in der Bibliothek versammelt. Die vier warten auf die Testamentseröffnung und sind sich sicher, einen ordentlichen Batzen Geld zu bekommen. Doch Samuel war ein boshafter, alter Mann, der seinen Erben nicht einen Dollar vermachen möchte, ohne dass sie dafür etwas tun.

Stone hat eine Videobotschaft hinterlassen. Jeden Montag sollen sich die Erben in der Bibliothek einfinden, wo ihnen der Verstorbene jeweils ein Rätsel aufgibt. Die Lösung jedes Rätsels führt zu einem Schatz. Der Finder darf den jeweiligen Schatz behalten. Die Aufgaben sind alles andere als leicht, so beginnt schon bald eine von Gier getriebene Schatzsuche. Der einzige, der jedoch das Geld nicht für sich will, sondern für seine Wohltätigkeitsstiftung, ist David. Leider waren auch Wohltätigkeiten dem alten Stone ein Dorn im Auge.

Die Geschichte ist seltsam. Man hat nicht das Gefühl, ein Buch von Sheldon zu lesen. Es ist nicht im geringsten spannend, außerdem scheint es ursprünglich als Fortsetzungsroman geplant gewesen zu sein, denn am Beginn jedes neuen Kapitels wird alles vorangegangene noch einmal wiederholt. Außerdem scheint es vom Anspruch und der Sprache her eher ein Kinderbuch zu sein.

Enttäuschend ist das einzige, was mir dazu wirklich einfällt – wenn man einen „typischen“ Sheldon erwartet. Das Buch scheint außerdem eine Rarität zu sein. Kein Wunder, dass es nicht mehr verlegt wird. Soweit ich weiß, sind alle anderen Sheldon-Bücher empfehlenswerter.
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Orbis (1997)
ISBN-10: 3572009685
ISBN-13: 978-3572009688

Mittwoch, 21. Mai 2008

Popeye



Autor: Hy Eismann
Original: Popeye, div. Sammlung (2005)
meine Bewertung: 5 von 5

In diesem Buch sind toll gezeichnete Popeye Comics versammelt, in denen natürlich auch Whimpy, Brutus, Popi, Oma und Olivia Öl nicht fehlen dürfen. Die Comics sind alle einseitig, deshalb eine wunderbare Lektüre für hin und wieder zwischendurch. Ich hab aber gleich alle gelesen, weil ich echt begeistert war und Popeye nicht als ein derartig witziges Comic in Erinnerung hatte. Außerdem sind die Strips liebevoll gezeichnet und coloriert. Es macht wirklich Spaß, in diesem Relikt meiner Kindheit zu lesen.

Norbert Körzdörfer hat ein zweiseitiges Vorwort verfasst, das etwas ausführlicher hätte sein können, aus dem man aber trotzdem Begeisterung für den spinatessenden Seemann heraushört. Dass Popeye in Amerika für eine 30-prozentige Steigerung des Kinder-Spinat-Konsums gesorgt hat, war mir bisher auch neu.
Gebundene Ausgabe: 159 Seiten
Verlag: Weltbild Buchverlag; Auflage: 1 (17. Oktober 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3898972674
ISBN-13: 978-3898972673

Dienstag, 20. Mai 2008

Der Fangschuss



Autorin: Marguerite Yourcenar
Original: Le Coup de Grâce (1939)
meine Bewertung: FLOP!

Erich von Lhomond, früherer Korpsführer, ist in Italien, um sich von seiner Verletzung aus dem Spanischen Bürgerkrieg zu erholen. Er erzählt dabei seine Erlebnisse in Kratovice, kurz nach dem Ersten Weltkrieg. Dabei schildert er die Ereignisse im Schloss von seinem Jugendfreund Konrad, in dem sich er und seine Weißgardisten einquartiert haben.

Im Schloss entsteht eine Art Dreiecksbeziehung. Mit Konrad verbindet Erich eine tiefe und innige Beziehung, die über Freundschaft fast schon hinaus geht. Außerdem ist da noch Konrads Schwester Sophie, die sich ihrerseits in Erich unsterblich verliebt hat. Sie macht den Fehler und gesteht Erich von Lhomond ihre Liebe. Doch der fühlt sich dadurch abgestoßen, dennoch auch wieder auf eine Art angezogen.

Aufgrund dieser Ablehnung stürzt sich die verzweifelt Verliebte in eine Unmenge rein körperlicher Beziehungen. Sie möchte dadurch Erich eifersüchtig machen, was ihr mit nur sehr mäßigem Erfolg gelingt. Erst als sie sich eines Tages aus dem Schloss aufmacht, Konrad bereits tot ist und sie Erich zum letzten Mal unter tragischen Umständen wiedersieht, regt sich Bewunderung in Erich. Doch Sophie hat sich mittlerweile dem feindlichen Lager angeschlossen, weshalb den Weißgardisten nichts anderes übrig bleibt, als sie zu erschießen. Als letzten Wunsch äußert Sophie jedoch, die tödliche Kugel von Erich zu bekommen.

Die Geschichte könnte so spannend sein, so tragisch und so wunderschön traurig. Doch in Wirklichkeit ist sie mehr als langweilig. Der Protagonist und Ich-Erzähler Erich ist ein selbstgefälliger, egoistischer und einfach nur kaltherziger Typ, der keine Minute lang sympathisch rüber kommt.

Das Buch hat nur lächerliche 96 Seiten und doch habe ich ewig gebraucht, um es zu lesen. Ständig bin ich dabei eingeschlafen. Man hätte ein wunderbares Buch aus dem Stoff, der angeblich auf einer wahren Begebenheit beruht, machen können und sich die 96 langweiligen Seiten sparen können. Genauso wie das Nachwort, das kein Mensch braucht, weil es nur eine schlechte Geschichte schlecht rechtfertigt.
Gebundene Ausgabe: 96 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek; Auflage: 1 (26. Juni 2004)
ISBN-10: 3937793119
ISBN-13: 978-3937793115

Montag, 19. Mai 2008

Wie man leben soll



Autor: Thomas Glavinic
Original: Wie man leben soll (2004)
meine Bewertung: 4 von 5

Charlie Kolostrum ist nicht nur mit seinem Namen geschlagen, sondern auch mit seinem Äußeren. Er ist dick, hat schlechte Haut und macht auch sonst nichts her. Vom Charakter her ist er eher ein „Sitzer“, wie ihm einer der zahlreichen Ratgeber versichert, die er immer wieder liest. Das bedeutet, er ist jemand, der sich fast apathisch alles gefallen lässt. Für jede Lebenssituation haben seine Ratgeber einen Tipp, dennoch gerät er immer wieder in unangenehme Situationen, während er heranwächst.

Man verfolgt Charlies Entwicklung vom pickligen Jugendlichen zum schließlich ziemlich fetten Taxifahrer, erlebt, wie er drei Menschen um die Ecke bringt und immer wieder verliebt ist. Man wird Teil seiner Tagträume, die sich nur darum drehen, wie er vom „Sitzer“ zum Helden avanciert. Erschwert wird sein Leben durch zahlreiche Angebetete, eine saufende Mutter und ziemlich gestörte Verwandte.

Der Hauptdarsteller Charlie ist ein sympathischer Typ, allerdings hat man ständig das Gefühl, ihn mal kräftig schütteln zu müssen oder ihm einen ordentlichen Tritt in den Hintern zu versetzen. Soviel Schlappheit macht einen ganz verrückt. Doch die vielen komischen Szenen der tragischen Figur lassen einen dann Charlie doch eher bemitleiden. „Wie man leben soll“ ist ein Entwicklungsroman, ähnlich wie J. D.Salingers „Der Fänger im Roggen“ oder Charles Bukowskis „Das schlimmste kommt noch“, allerdings mit einem großen Unterschied: Das Buch ist im Ratgeberstil verfasst, erzählt in der dritten Person Einzahl im neutrum.

Anfangs wirken die vielen „man“ eigentlich ein wenig irritierend, doch schon nach ca. 5 Seiten hat man (!) sich daran gewöhnt und es stört einen nicht weiter. Der 36-jährige Österreicher Glavinic hat eine komische Geschichte geschrieben, die dennoch trauriger und tragischer nicht sein könnte. Man darf auf die anderen Werke Glavinics gespannt sein, dieses stellt auf jeden Fall eine Empfehlung dar.
Taschenbuch: 238 Seiten
Verlag: Dtv (April 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423243929
ISBN-13: 978-3423243926

Freitag, 16. Mai 2008

50s Fashion



Autor: Jim Heimann
Original: 50s Fashion (2007)
meine Bewertung: 3 von 5

In dieser Ausgabe der Icons-Serie von Taschen geht es um die Mode der 50er Jahre. Es sind – obwohl im Titel auch „Beauty Ads“ versprochen werden – hauptsächlich Werbeanzeigen für Kleidung. Ein kurzes Vorwort auf Englisch, Französisch und Deutsch von Laura Schooling gibt einen sehr kurzen, dafür aber übersichtlichen Einblick in die Trends der Mode dieser Zeit. Die Anzeigen sind leider fast hauptsächlich für Hemden, Krawatten und Mieder, gerne hätte ich auch einige alltägliche Produkte der 50er, beispielsweise Waschpulver oder Campbell‘s Tomato Soup (gut, die war zwar ein paar Jährchen später, aber es sollte klar sein, was ich damit meine) dabei gehabt. Gegen ein paar erklärende Worte zwischendurch wäre auch nichts einzuwenden gewesen. So ist das Buch ein netter Bildband, der aber durchaus verbesserungswürdig ist.
Taschenbuch: 192 Seiten
Verlag: Taschen Verlag; Auflage: Vintage Serie. (August 2007)
Sprache: Englisch, Deutsch, Französisch
ISBN-10: 3822849332
ISBN-13: 978-3822849330

Donnerstag, 15. Mai 2008

Straßenpizza



Autor: Kinky Friedman
Original: Roadkill (1997)
meine Bewertung: 3 von 5

Der ehemalige Countrysänger und jetzige Privatdetektiv Kinky Friedman erlebt eines Morgens den Schock seines doch recht bescheidenen Lebens: Aus dem Badezimmerspiegel blickt ihm ein Zigeuner entgegen, der ihm rät, auf Achse zu gehen. Natürlich ist Kinky ob der beginnenden Midlife-Crisis ein wenig angesäuert, doch dann kommt ein Angebot, das er fast nicht abschlagen kann. Sein alter Freund und ziemlich erfolgreicher Countrysänger Willie Nelson bittet ihn, ihn auf seiner Tour zu begleiten.

Kinky macht sich auf den Weg und ist bald darauf mit Willie Nelson und dessen Band im Honeysuckle Rose – Tourbus unterwegs. Kinky merkt, dass da etwas nicht stimmt und streckt seine nicht gerate zarten Antennen aus. Nach und nach erfährt er, dass Gator, der Chauffeur des Torubusses, vor einiger Zeit mit dem Tourbus einen Indianer überfahren hat. Seither ist Willie sich sicher, dass er verflucht ist und als nächstes daran glauben muss.

Der Kinkstah recherchiert weiter und bittet schließlich auch Rambam, ihm mit dessen Methode zu unterstützen. Doch die Maschinen arbeiten nicht schnell genug. Eines Nachts wird der persönliche Butler von Willie, der ihm außerdem unglaublich ähnlich sieht, angeschossen. Die Suche nach dem Täter geht weiter. Im Verlaufe der Ermittlungen trifft Kinky auf weitere Indianer, Exfrauen und Mafiabosse. Und als der Fall gelöst ist, ist schließlich der Klient verschwunden.

Friedman ist einfach herrlich politisch unkorrekt, er erzählt auf eine Art, die einem liegen muss. Vom Hundertsten kommt er aufs Tausendste und verliert sich manchmal in Kleinigkeiten, dabei beweist er eine außerordentliche Intelligenz, auch was seinen Witz betrifft. Anfangs und bei flüchtigem Lesen kommt einem sein Humor vielleicht etwas platt vor, doch bei genauerem Hinlesen erkennt man die literarischen, musikalischen und politischen Anspielungen. Etwas, das man von einem texanischen, jüdischen, countrysingenden Cowboy vielleicht nicht erwarten würde.

Schade dabei ist, dass in diesem Fall die Geschichte zwar spannend, aber irgendwie substanzlos ist und seine Wortkreationen im Verlaufe selbiger zu Plattitüden verkommen. Es ist vielleicht beim ersten Mal lustig, wenn er schreibt „er hatte ein Gehirn von der Größe eines walisischen Bergarbeiterdorfes“, aber wenn das im Buch ständig so weiter geht, erlebt der Witz dadurch eine gewaltige Inflation. Dennoch: Wer sich manchmal über schwarzen Humor und politische Unkorrektheit amüsieren kann, ist mit den Werken Friedmans gut bedient.
Taschenbuch
Verlag: Heyne (2002)
ISBN-10: 3453198948
ISBN-13: 978-3453198944

Sonntag, 11. Mai 2008

Die Schattenuhr



Autor: Alfred Komarek
Original: Die Schattenuhr (2005)
meine Bewertung: 2 von 5

Daniel Käfer war Redakteur beim Magazin IQ, das allerdings eingestellt wurde. Also kommt er arbeitslos ins Salzkammergut, um auf den Spuren seiner Kindheit und Jugend zu wandeln. Einquartiert ist er bei der Schlömmer Mirz im Ausseer Land, immer wieder besucht wird er von seiner Freundin Sabine. Daniels Midlife-Crisis beginnt, sich dem Ende zu nähern, als er einige Vorstellungsgespräche in Wien antreten soll. In seiner 2 CV ist er gerade auf dem Weg in die Hauptstadt Österreichs, als er am Bahnhof an Gerd Gamsjäger vorbei fährt. Noch kennen sich die beiden nicht, doch Gerd ist mit einem Kanu unter dem Arm unterwegs, die beiden kommen ins Gespräch und sind sich sympathisch.

Mit Kennermine stellt Gerd sofort fest, was dem leicht angeschlagen wirkenden, arbeitslosen Journalisten wieder aufrichten könnte: etwas Abenteuer. Und er, Gerd, ist genau der Richtige für solche Touren. Er quartiert Käfer bei sich und seiner Mutter unter dem Dach ein, wo er im Schlafsack nächtigt. Außerdem begeben sich die beiden auf eine Paragliding-Tour, bei der Daniel zu sterben vermeint, dann machen sie einen Trip durch jene Höhlen, in denen Stifters „Bergkristall“ spielt. Und da passiert dann das echte Unglück: Gerd stürzt ab und wird schwer verletzt.

Lange Zeit ist nicht sicher, ob Gerd durchkommt und wie. Daniel fühlt sich schuldig, wird auch von den Ausseer Zeitungen als Sündenbock hingestellt. Doch Daniel will helfen, auch wenn er von Gerds Mutter alles andere als freundlich aufgenommen wird und wieder bei der Schlömmer Mirz unterkriechen muss. Seine Gedanken drehen sich nur darum, wie er der nicht gerade reichen Gamsjägerin helfen kann und ob Gerd wieder gesund wird.

Almosen nimmt die Gamsjägerin keine, doch sie hat eine alte Reliquie, die sie gerne zu Geld machen würde. Daniel übernimmt, vom schlechten Gewissen und Schuldgefühlen getrieben, die Aufgabe des Hehlers. Als das Kultbeil sich als Fälschung herausstellt, übergibt ihm die Gamsjägerin noch einen Plan für einen Stollen im Salzbergwerk, in dem angeblich etwas sehr wertvolles zu finden sei. Die Suche beginnt und wird mit einem Riesenmedienhype begleitet – doch was werden die Archäologen vor laufenden Kameras ans Tageslicht befördern?

Es handelt sich bei „Die Schattenuhr“ um den zweiten Roman der Daniel-Käfer-Serie. Der erste Band („Die Villen der Frau Hürsch“) steht zwar auch bei mir herum, allerdings ist spurlos an mir vorbei gegangen, dass es sich um eine jener Serien handelt, bei denen man keinen Plan hat, worums eigentlich geht, wenn man sie nicht in der „vorgeschriebenen“ Reihenfolge liest. Bis zum Schluss war ich also ziemlich aufgeschmissen, wer denn nun die vielen Frauen in Käfers Leben sein sollen (Sabine, Anna…) und was sie untereinander und miteinander zu tun haben. Einige, nicht alle Dinge, werden im Laufe des Buches zwar nochmal klar, wären aber weit lesbarer, würde man entweder den ersten Teil kennen oder für „Quereinsteiger“ nochmal eine Art „Zusammenfassung“ einbauen, so wie viele Serien das machen.

Das Buch ist geprägt von viel Lokalkolorit, die Ausseer Landschaft wird dermaßen schön beschrieben, dass man das Gefühl hat, da unbedingt mal hin zu müssen. Und die, die das Ausseer Land kennen, werden mir beipflichten, dass es ein wunderschönes Fleckchen Erde ist. Leider fand ich die Geschichte ziemlich langweilig, es tut sich praktisch nichts, außer dass der Hauptdarsteller mit einer leichten Identitätskrise zu kämpfen hat. Wirklich spannend wird sie eigentlich nie. Schade, vielleicht waren aber auch meine Erwartungshaltungen zu groß (durch die Polt-Serie, die wirklich gut sein soll).
Gebundene Ausgabe: 206 Seiten
Verlag: Haymon Verlag; Auflage: 1 (August 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3852184835
ISBN-13: 978-3852184838

Freitag, 9. Mai 2008

Gevatter Tod



Autor: Terry Pratchett
Original: Mort (1987)
meine Bewertung: 5 von 5

Mort ist eine eher tragische Figur der Scheibenwelt. Mit seinem Äußeren, das ihn wirken lässt, als hätte er einige Knie und Ellenbogen zuviel, ist er nicht gerade eine blendende Erscheinung. Niemand nimmt ihn ernst, nicht einmal die Krähen auf dem Feld machen sich die Mühe, vor ihm davon zu fliegen. Morts Vater hat sich zwar inzwischen an ihn gewöhnt, trotzdem wäre es ihm lieber, er würde eine Lehrstelle annehmen. Also packt er eines Tages Mort und dessen Sachen und reist mit ihm in die Stadt.

Am Handwerksmarkt stehen alle arbeitswilligen jungen Männer und lassen sich wie Pferde begutachten und von ihren zukünftigen Lehrherren mitnehmen. Mort ist die Sache etwas peinlich, denn mittlerweile ist es kurz vor Mitternacht und er steht immer noch Lehrherren-los herum. Doch dann, kurz vor dem letzten Glockenschlag taucht eine Gestalt vor ihm auf, die tatsächlich eine Lehrstelle für Mort hat: Tod.

Mort geht bei Tod in die Lehre, der sich eigentlich als ganz guter Meister erweist. Er lernt das Handwerk des Seelenbegleitens und macht seine Sache derart gut, dass Tod beschließt, ein wenig Urlaub zu machen und Mort seine Aufgaben zu übertragen. Anfangs geht’s auch halbwegs, doch dann soll er die Seele von Prinzessin Keli ins Jenseits befördern. Allerdings unterläuft Mort dabei ein Missgeschick. Er verliebt sich in Prinzessin Keli und anstatt seinen Job zu erfüllen, rettet er sie vor einem Attentäter. Blöd, denn so hat Mort keine Seele, die er begleiten könnte.

Prinzessin Keli lebt also, obwohl sie tot sein sollte. Die reale Realität kümmert sich darum wenig, sie versucht, die Geschichte wieder gerade zu biegen. Doch gemeinsam mit Tods Tochter und Tods Koch entwickelt er einen Plan, die immer näher rückende reale Wirklichkeit aufzuhalten. Tod ist inzwischen auf Urlaub. Doch können sich die Helden der Geschichte ohne dessen Hilfe aus der Affäre ziehen?

Die Geschichte rund um den ungelenken Lehrling Tods ist sehr witzig, alleine schon die Idee, dass Tod einen Lehrling ausbildet, ist genial. Pratchett hat sich viele, viele Gedanken rund um die Details der Geschichte gemacht und diese konsequent einfließen lassen. Die Scheibenwelt ist sehr komplex, doch auch Neulinge finden leicht den Weg nach Ankh Morpork und nur schwer wieder heraus. Einfach die Lektüre zum Lachen und auch für Fans nicht-klassischer Fantasy nach dem Muster von Herr der Ringe oder Krieg der Sterne.

Wer sich die Mühe macht, genauer hinzulesen, wird außerdem nicht nur genial verpackte Philosophie entdecken, sondern auch intelligente Anspielungen auf sozialkritisch betrachtete Themen unserer Zeit. Mehr als nur ein witziger Zeitvertreib, Pratchett lohnt sich immer.

Mein Lieblingszitat aus dem Buch (S. 225):„Mir scheint, du hast weder besondere Fähigkeiten noch irgendwelche speziellen Talente. Vielleicht solltest du dich als Lehrer versuchen.“
Taschenbuch: 329 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 7., Aufl. (August 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 349228504X
ISBN-13: 978-3492285049

Dienstag, 6. Mai 2008

Fünf Freunde verfolgen die Strandräuber



Autorin: Enid Blyton
Original: Five go down the sea (1953)
meine Bewertung: 3 von 5

Anne, Georg, Richard und Julius machen Ferien an der Küste Cornwalls. Natürlich darf ihr Freund Tim, der Hund, auch nicht fehlen. Als die Kinder mit der Bahn anreisen, beschließen sie, dieses Mal allen Abenteuern fern zu bleiben. Der eher ängstlichen Anne ist das nur recht. Doch wir kennen die Fünf Freunde und wissen, dass es dabei nicht bleibt.

Anfangs bleiben ihre Ferien ruhig und geruhsam. Frau Wigand, ihre Wirtin, versorgt sie mütterlich mit allerlei Leckerein und der kleine Enkel des Schafhirten, Jan, geht den Kindern gewaltig auf die Nerven. Doch das nächste Abenteuer ist nicht weit und spätestens, als der Junge seltsame Lichter an der Küste sieht und von Strandräubern berichtet, wird er für die Kinder interessant. Als diese sich auf den Weg machen, die Küste zu erforschen, stoßen sie auf das Versteck von Schmugglern und begeben sich dadurch in eine gefährliche Situation. Können sie aus ihrer misslichen Lage entkommen?

Die „Fünf Freunde“ muss man einfach mögen, auch wenn sie in dieser Geschichte sehr ungerecht Jan gegenüber sind und die Mädchen einfach zu sehr wie Mädchen behandelt werden, auch wenn sie das selbst gar nicht wollen. Die Bücher sind halt Kinder ihrer Zeit, allerdings gewaltfrei, spannend und für Kinder ab 8 Jahren sicher zu empfehlen.
Gebundene Ausgabe: 184 Seiten
Verlag: Cbj (22. Oktober 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570033244
ISBN-13: 978-3570033241

Sonntag, 4. Mai 2008

Hengstparade



Autorin: Gaby Hauptmann
Original: Hengstparade (2004)
meine Bewertung: 3 von 5

Karin hat sich verliebt. In Harry. Das Problem ist nur, dass sie jenseits der 30 ist und einfach keine Zeit mehr hat – und vor allem keine Lust – zuerst in die Beziehung zu investieren und dann doch nur wieder enttäuscht zu werden. Harry kommt ihr auch einfach viel zu gutaussehend vor, um es bei einer Freundin zu belassen, außerdem fährt er regelmäßig alleine in den Urlaub. Karin kommt das alles spanisch vor, deshalb beschließt sie, seine Exfreundin anzurufen. Die beiden treffen sich zum Kaffeeklatsch und Karins schlimmste Befürchtungen werden wahr: Christiane erzählt ihr von den ständigen Ausflügen auf einen Reiterhof.

Karin möchte der Sache auf den Grund gehen und schickt deshalb ihre 58-jährige, geschiedene Mutter auf einen Urlaub am Reiterhof. Natürlich ausgestattet mit einer Beschreibung von Harry und mit dem Auftrag, jedes etwaige Techtelmechtel ihres Angebeteten zu melden. Hella packt also ihre Sachen und fliegt nach Niedersachsen auf den Reiterhof der Familie Lex. Sie begegnet dort vielen netten Menschen, die sie gerne in ihre Runde aufnehmen und auch mit Harry freundet sie sich an. Nur Barbara Lex, die Chefin, bleibt ihr ein Rätsel.

Auf die Pferde wagt sich Hella nicht, nur auf die Kutsche, die vom gutmütigen Dschingis Khan gezogen wird, der seinen Weg alleine kennt. Doch eines Tages beschließt Hella, Harry und einer anderen Reiterin zu folgen. Da sie keine Ahnung von Pferden, geschweige denn von Kutschen hat, verletzt sie sich bei diesem Ritt so sehr, dass sie bewusstlos wird. Als sie wieder aufwacht, befindet sie sich in der Hütte von Kurt Schleyer, einem verdammt gut aussehenden Naturburschen.

Es kommt wies kommen muss. Hella verliebt sich in Kurt, ohne von seiner Vergangenheit und seiner Verbindung zur Familie Lex zu wissen. Dabei wird gerade diese interessant, als Marga Lex einen Reitunfall hat und nicht mehr lebend davon zurück kehrt. Marga war Kurts Exfrau und noch dazu scheint es, als wäre ihr Tod kein Unfall gewesen. Hatte Kurt einen Grund, seiner Exfrau nach dem Leben zu trachten? Hella geht auf Spurensuche und findet eine verzwickte, intrigante Familiengeschichte dabei.

Und zu allem Überfluss hat Harry auch noch seine Freundin angerufen, weil er sie gerne in dieser tragischen Zeit mit am Reiterhof hätte. Karin lässt sich überreden, packt ihre Sachen und reist also auch auf den Reiterhof. Dort wird sie natürlich ihrer eigenen Mutter vorgestellt, was die Situation für die Zukunft ein wenig haarig macht.

Die Geschichte ist spannend und doch einigermaßen interessant, leider fehlt aber der rote Faden. Anfangs scheint es darum zu gehen, dem Liebesleben von Harry, dem vermeintlichen Fremdgänger, nachzuspüren. Doch kaum ist Hella auf dem Reiterhof angekommen, stößt sie auf eine intrigante Familie, nur um sich dann zu verlieben, ein Liebesabenteuer zu verleben und sich schließlich auf eine Detektivgeschichte einzulassen. Und was ist mit Harry und Karin passiert? Die sind inzwischen schon längst abgereist.

Sprachlich ist das Buch zwar einfach, jedoch um Welten besser, als andere Hauptmanns. Die Geschichte wirkt leider konstruiert, dafür ist der Hauptcharakter der Hella wenigstens sympathisch. Außerdem bleiben gegen Ende noch viel zu viele Fragen offen, die aufzuklären der Geschichte nicht geschadet hätte. Schade, dabei wäre die Grundidee tatsächlich gut gewesen.
Taschenbuch: 318 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 3., Aufl. (Januar 2004)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 3492241263
ISBN-13: 978-3492241267