Sonntag, 1. Juni 2008

Monod



Autor: Oliver Jungwirth
Original: Monod (2008)
meine Bewertung: 1 von 5
Ein junger Mann kommt in ein Kaffeehaus, setzt sich und bestellt einen Kaffee. Außer ihm sind noch ein älterer Herr, ein jüngerer Mann und die Kellnerin anwesend. Als er seinen Kaffee hat, bittet er die Kellnerin, die er wunderschön findet, ihm drei Wünsche zu erfüllen. Zögernd willigt diese ein. Der junge Mann bittet sie, die Polizei zu rufen, nicht zu erschrecken, wenn er seinen Mantel ablegt, unter dem er eine Waffe trägt, und das Kaffeehaus zuzusperren, so dass er mit den drei bereits Anwesenden alleine sei.

Als abgesperrt ist, beginnt der junge Mann seine Geschichte zu erzählen. Er erzählt davon, wie und warum er einige Menschen kaltblütig ins Jenseits befördert hat. Die drei Anwesenden hören ihm gespannt zu. Sie haben Vertrauen zu diesem Unbekannten und sind neugierig darauf, seine Version der Ereignisse, die er verursacht hat, zu hören.

Nach einiger Zeit kommt schließlich auch Herr Städter, der diensthabende Polizist, dazu. Der junge Mann erzählt weiter, schließlich wird klar, warum es ihn an diesem Tag in dieses Kaffeehaus gezogen hat, worin der Sinn liegt, dass er diese vier Personen getroffen hat. Der junge Mann glaubt nicht mehr an Gott, deshalb nimmt er selbst die Dinge in die Hand und spielt Rächer.

Die Geschichte wirkt leider sehr konstruiert, man hat den Eindruck, nur Fragmente von Gedanken zu lesen, die irgendwie rundherum nicht so ganz zusammenpassen. Als hätte man einen Elefanten in einen Kühlschrank gequetscht. Keine der Personen gewinnt im Verlauf der Handlung an Tiefe, nicht einmal der Protagonist selbst. Was für den Leser erschwerend dazu kommt, ist die Tatsache, dass nur selten Namen genannt werden. Nach einiger Zeit glaubt man schreien zu müssen, wenn man noch einmal „der junge Mann“ liest.

Auch sprachlich lässt das Werk sehr zu wünschen übrig. Das Lektorat hat geschlampt, sehr sogar. Neben Orthografie-Fehlern und grammatikalischen Fautes pas hätte auch der Stil hier und da einer leicht lenkenden Hand bedurft.

Prinzipiell ist die Idee der Geschichte ja nicht neu (Rächer, der das Gesetz selbst in die Hand nimmt, ein bisschen Liebe dazu), doch im Normalfall guter Stoff. Leider wurde hier versucht, ein wahrlich philosophisches Werk daraus zu machen – wohl mit dem Vorschlaghammer. Die Einschübe wiederholen sich und verkommen so zu hohlen Phrasen. Leider ist auch das Ende mehr als platt, man sitzt da und hat Fragezeichen im Kopf – allerdings nicht solche, die zum Nachdenken über das Buch anregen, sondern solche, die die Frage nach dem Warum ausdrücken. Warum hab ich das jetzt überhaupt gelesen, scheinen sie zu bedeuten.

Da die Grundidee (der Mörder erzählt die Geschichte, macht einen auf moralischen Robin Hood etc.) ja nicht schlecht ist und so etwas wie Spannung aufkommt, vergebe ich 1 wackeligen Punkt. Man hätte viel, viel mehr daraus machen können. Etwas Tiefe hätte keiner der „Bag of Bones“ geschadet, ebenso wie dem gesamten Buch.
Taschenbuch: 211 Seiten
Verlag: edition nove (Mai 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3852513340
ISBN-13: 978-3852513348

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