Freitag, 4. Juli 2008

Eine Insel im Meer



Autorin: Annika Thor
Original: En ö i havet (1996)
meine Bewertung: 4 von 5

Kurz vor dem Ausbruch des zweiten Weltkrieges schicken die jüdischen Eltern ihre beiden Töchter Nelli und Steffi nach Schweden. Die Mädchen haben zuvor miterlebt, wie ihre eigentlich wohlhabenden Eltern ihre große Wohnung verlassen mussen, ihr Hund erschossen wurde und wieviel Angst und Schrecken in der jüdischen Bevölkerung in Wien herrscht. Die beiden Mädchen versuchen tapfer zu sein, dabei wissen sie doch gar nicht, was auf sie zukommt.

In Schweden, einem Land, dessen Sprache die beiden nicht wirklich sprechen, kommen die beiden zu ihren Gasteltern. Obwohl sie unbedingt zusammen bleiben wollten, werden sie getrennt. Die jüngere Nelli erwischt es ganz gut. Sie kommt zu Tante Alma, lernt schnell die schwedische Sprache und findet viele Freunde. Der älteren Steffi geht es nicht ganz so gut. Sie kommt zu Tante Märta, einer sehr verschlossenen und strengen Frau. Es wird selten geredet, weshalb sie sich wesentlich schwerer tut, die Sprache zu lernen. Freunde findet sie auch keine.

Doch die Zeit vergeht und anstatt der vorgesehenen drei Monate sind die Kinder jetzt schon fast ein Jahr auf der Insel. Mit der Zeit findet auch Steffi Freunde, in der Schule ist sie so gut, dass die Lehrerin vorschlägt, sie aufs Gymnasium nach Göteborg zu schicken. Doch Tante Märta und ihr Mann Onkel Evert haben einfach kein Geld dafür. Erst als im Sommer die Sommergäste kommen und sich Steffi um deren Hund rührend kümmert, scheint sich eine Lösung aufzutun. Doch die Heimat bleibt vorerst fern.

Die Geschichte rund um Nelli und Steffi ist traurig und berührend, aber dennoch hoffnungsvoll. Steffi findet man anfangs zwar nicht so besonders sympathisch, doch auch mit ihr fiebert man mit und möchte den Mädchen gerne helfen. Man ärgert sich darüber, wie sie sich benimmt und möchte ihr gerne einen Tritt in den Hintern geben, doch dann erfährt man, warum sie sich wie benimmt. Eine wichtige Geschichte, vor allem für Kinder zwischen zwölf und fünfzehn.
Gebundene Ausgabe: 206 Seiten
Verlag: Süddeutsche Zeitung / Bibliothek (April 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866151322
ISBN-13: 978-3866151321

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