Sonntag, 13. Juli 2008

Fegefeuer der Eitelkeiten



Autor: Tom Wolfe
Original: Bonfire of the Vanities (1987)
meine Bewertung: 4 von 5

Sherman McCoy ist ein selbsternannter Master of the Universe. Er lebt gemeinsam mit seiner Frau Judy, der Tochter Campbell und dem Dackel Marshall in einer riesigen Wohnung in der Park Avenue, ist ein erfolgreicher Wertpapierhändler und verdient so Unsummen an Geld pro Jahr. Das braucht er allerdings auch, da alleine seine Wohnung 21.000 Dollar im Monat kostet. Seine Frau betätigt sich als Innenarchitektin mal hier und mal da, Campbell geht auf die exklusivste Privatschule und auch sonst scheint alles perfekt.

In Wirklichkeit aber ist seine Ehe nur noch eine Zweckgemeinschaft und für seine Tochter hat er viel zu wenig Zeit. Seine körperlichen Bedürfnisse lebt er mit seiner Affaire Maria aus. Doch gerade diese Affaire ist es, die seinem Leben eine abrupte Wendung gibt. Eines Tages holt Sherman Maria in seinem Mercedes vom Flughafen ab, am Heimweg verfährt er sich allerdings und landet so mitten in der Bronx. Sowohl Maria als auch Sherman werden schon leicht panisch, immerhin ist es dunkel, es ist die Bronx und sie sind völlig alleine am Bruckner Boulevard unterwegs.

Und dann bestätigen sich auch noch die schlimmsten Befürchtungen: Plötzlich liegt ein Reifen auf der Fahrbahn. Sherman steigt aus, um ihn weg zu räumen, da wird er von zwei schwarzen Jugendlichen angesprochen. Er wirft mit dem Reifen nach ihnen, Maria rutscht auf die Fahrerseite, Sherman springt ein und die beiden rasen davon. Eigentlich kein Problem – hätten die beiden da nicht diesen dumpfen Aufprall gehört. Sherman beschleicht das Gefühl, dass sie einen der Jugendlichen angefahren haben könnten und will deshalb zur Polizei. Doch Maria redet ihm diese Idee schnell wieder aus und besteht darauf, selbst die Entscheidungen dazu zu treffen, da sie gefahren war.

Für Sherman beginnt eine Zeit der Ungewissheit. Er lebt in der Angst, dass dem Jungen etwas Ernsthaftes passiert sein könnte. Und dann wird diese Angst zur Gewissheit. Der angefahrene Junge liegt im Koma, nach dem Fahrer eines Mercedes wird gesucht, denn kurz bevor der Jugendliche ins Koma fiel, konnte er seiner Mutter noch die Marke und die ersten Buchstaben des Kennzeichens sagen.

Die Polizei macht sich, von der Presse getrieben, an die Arbeit. Der Fall ist von höchster politischer Brisanz, da der Bürgermeister Abe Weiss wieder kandidieren möchte und sich mit der Suche nach dem großen weißen Angeklagten die Wählerstimmen der schwarzen Bevölkerung New Yorks sichern möchte. Und tatsächlich dauert es nicht lange, bis die Polizei im 21.000-Dollar-pro-Monat-Apartment auftaucht und sich nach Shermans Auto erkundigt. Sherman verliert die Nerven und macht sich so verdächtig. Doch wird die Beweislage ausreichen, um ihm etwas anzuhängen? Und was wird Maria tun? Was wird Judy tun, wenn sie von seinem Verhältnis erfährt? Geht er ins Gefängnis oder kann er seine weiße Haut noch einmal retten?

Truman Capote, Norman Mailer, Hunter S. Thompson und Tom Wolfe zählen zu den bekanntesten Vertretern des New Journalism, einer Art der Berichterstattung, die sich vom objektiven, kühl-sachlichen Schreibstil des herkömmlichen Journalismus durch eine lebendigere Sprache, größerer Subjektivität und den Einsatz von literarischen Stilmitteln in der Reportage unterscheidet. Zwar gehört „Fegefeuer der Eitelkeiten“ nicht zu den Reportagen Wolfes und stellt somit auch nicht wirklich ein Werk des New Journalism dar, allerdings kann man sehr gut Wolfes journalistischen Stil wiedererkennen.

Wolfe kommt vom Hundertsten ins Tausendste, beschreibt detailliert und gekonnt, so dass die eigentliche Geschichte dadurch sehr in die Länge gezogen wird, allerdings gekonnt. Die Geschichte wird dadurch nicht langweilig, sondern erhält viele Facetten, es macht sie lebendig. Man muss in Stimmung sein und sich Zeit nehmen für das Buch, ansonsten wird man wohl eher genervt von Wolfes Ausführlichkeit sein. Dennoch lohnt es sich, durchzuhalten. Die Geschichte ist spannend, kritisch und oft auch komisch, auf jeden Fall die investierte Zeit wert.
Taschenbuch: 928 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb. (August 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499236745
ISBN-13: 978-3499236747

1 Kommentar:

  1. dennis schreibt am 03.08.2008 um 21:58 Uhr:
    ich fand das buch einfach nur toll und abwechslungsreich komisch

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