Freitag, 22. August 2008

Draußen vor der Tür



Autor: Wolfgang Borchert
Original: Draußen vor der Tür (1956)
meine Bewertung: 4 von 5

Beckmann ist gerade vom Krieg heimgekehrt, doch alles hat sich verändert. Er war in Sibirien, hat dort die Hölle durchgemacht und möchte eigentlich nur heim zu seiner Frau. Doch da ist schon einer, der seinen Platz eingenommen hat. Beckmann will sich in die Fluten der Elbe werfen, um sein Leben zu beenden, die Elbe wehrt sich aber und möchte sein Leben nicht. Also muss er wohl weiterleben. Ein Mädchen beginnt sich für ihn zu interessieren, es sieht so aus, als gäbe es noch ein Leben nach dem Krieg. Beckmann vergisst aber, dass auch er schnell zum Anderen werden kann.

Neben dieser Geschichte sind in meiner Ausgabe auch noch „Stimmen in der Luft – in der Nacht“, „An diesem Dienstag“, „Mein bleicher Bruder“, „Nachts schlafen die Ratten doch“, „Die lange lange Straße lang“, „Lesebuchgeschichten“, „Die Hundeblume“, „Schischyphusch“, „Die Küchenuhr“, „Das Brot“, „Die drei dunklen Könige“, „Generation ohne Abschied“, „Dann gibt es nur eins“ und „Das ist unser Manifest“ zu finden.

Die Geschichten haben alle eine sehr traurige, melancholische und düstere Stimmung gemeinsam, mal sind die Protagonisten aller Hoffnungen und Illusionen beraubt, mal kommt doch eine Art Hoffnung zustande, allerdings nur, um letztlich wieder zerstört zu werden. Das Büchlein ist mit seinen 120 Seiten sehr dünn, allerdings kann man es nicht wirklich gut auf einmal lesen. Die Stimmung und Thematik erfordert zwischen den einzelnen Erzählungen Nachdenkpausen, sprachlich sind sie ausgetüftelt, manchmal sogar ein wenig humoristisch, zB dann, wenn von „vielfältigen Tränensäcken“ die Rede ist.

Gerade nachgeborenen Generationen schadet es nicht, einmal aus einer Welt voll Überfluss und Dauerbespaßung zu entfliehen und sich auch einmal auf Ernsteres einzulassen. Man darf ruhig auch einmal über Gelesenes nachdenken. Nicht nur als Schullektüre empfehlenswert.
Taschenbuch: 128 Seiten
Verlag: Rowohlt Tb.; Auflage: 89 (1. Januar 1956)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 349910170X
ISBN-13: 978-3499101700

Kommentare:

  1. AngelInChains schreibt am 22.08.2008 um 22:57 Uhr:
    Ich habe das Buch zum ersten Mal gelesen, als ich 13 war. Danach noch eine Vielzahl von Malen. Dabei habe ich den ernsten Inhalt nie als der Vergangenheit zugehoerig empfunden. Krieg haben wir in Deutschland zwar aktuell zum Glueck nicht mehr, Einsamkeit und Hoffnunglosigkeit gibt es trotzdem noch.

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  2. leo14 schreibt am 12.09.2008 um 16:04 Uhr:
    sehr deprimierend, diese Texte ... und doch habe ich den Einruck, dass sie von den heutigen Jugendlichen zumindest im Ansatz verstanden werden.

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  3. zitierenleo14 schreibt am 12.09.2008 um 16:04 Uhr:
    sehr deprimierend ... diese Texte

    leo

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  4. AngelInChains schreibt am 22.09.2008 um 15:28 Uhr:
    Schade, dass Menschen nach ihrem Alter beurteilt werden.

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