Montag, 8. September 2008

Tod einer roten Heldin



Autorin: Qiu Xiaolong
Original: Death of a Red Heroine (2004)
meine Bewertung: 4 von 5

Ein Beamter der Wasseraufsicht ist gemeinsam mit einem Freund auf dem Boot der Wasseraufsicht unterwegs. Plötzlich stockt das Boot, die Fahrt geht nicht mehr weiter. Der Grund dafür ist ein schwerer Gegenstand, der sich unter dem Boot verfangen hat. Die beiden Chinesen versuchen, das Ding zu entfernen. Was sie finden, haben sie nicht erwartet: Der sperrige Gegenstand entpuppt sich als schwarzer Plastiksack, in den eine Frauenleiche eingewickelt wurde.

Als die Identität der Ermordeten ans Licht kommt, wird der Fall Genosse Oberinspektor Chen übergeben, der Leiter einer Sonderkommission ist. Die Ermordete war niemand geringere als die national bekannte Modellarbeiterin Guan Hongying. Die junge hübsche Frau galt als Vorzeigeparteimitglied, treu ergeben und immer das Wohl der Partei im Sinne. Doch wie kam es zu ihrer Ermordung?

Oberinspektor Chen und sein Gehilfe Yu machen sich auf die Suche nach dem Mörder und stoßen bald auf eine Persönlichkeit hinter der Maske der Modellarbeiterin, die nicht viele Menschen je zu Gesicht bekommen haben. Auch der Mörder rückt in greifbare Nähe. Doch da weht der Sonderkommission eine ziemlich steife Brise von oben entgegen. Oberinspektor Chen riskiert einiges, als er seine Ermittlungen dennoch nicht aufgibt. Erleichtert werden seine Nachforschungen nicht unbedingt durch die kleine Liebesgeschichte, die eben erst im Begriff war, sich anzubahnen.

Eher zufällig (im Rahmen der A-Z Challenge bei „Literaturschock“) bin ich auf dieses Buch gestoßen. Es war mein erstes Buch von einem chinesischen Autor und in chinesischem Milieu, es war eine überaus interessante Erfahrung. Die Geschichte spielt 1990, nach der Kulturrevolution und in einer für die chinesische Bevölkerung noch schwierigeren Zeit als heute. Einer Zeit, die von Arbeit, Armut und Genügsamkeit geprägt ist, in einer Kultur, die komplett anders ist, als die europäische.

Das Rundherum, die atmosphärische Schilderung des Lebens in China fasziniert dermaßen, dass man fast den Krimi dahinter vergisst. Mit Ekeln liest man von den Speisen, die so verzehrt werden, man ist schon fast geneigt, die Genügsamkeit der Chinesen zu bewundern und kann sich das Gewusel in den Städten richtig vorstellen. Der Krimi ist auch interessant, der Ermittler überaus sympathisch – was will man mehr? Das war sicher nicht mein letzter Krimi von Xiaolong Qiu!
Taschenbuch: 464 Seiten
Verlag: Dtv (September 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 342320740X
ISBN-13: 978-3423207409

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