Donnerstag, 30. Oktober 2008

Das düstere Dorf



Autor: Lemony Snicket
Original: The Vile Village - A Serious of Unfortunate Events 7 (2000)
meine Bewertung: 3 von 5

Die drei Baudelaire-Waisen Violet, Klaus und Sunny sind nach einer Reihe betrüblicher Ereignisse wieder zurück bei ihrem Vormund Mr. Poe. Dieser ist schon wieder dabei, ihnen eine neue Bleibe zu suchen. Dieses Mal verschlägt es die drei Kinder in das düstere Dorf F.F. Sie sollen dort an einem Programm teilnehmen, das sich nach dem Grundsatz richtet, „Man braucht ein ganzes Dorf, um ein Kind großzuziehen“.

Die Kinder bekommen ihre Unterkunft bei dem ziemlich netten aber sehr schüchternen Gemeindearbeiter Hektor etwas außerhalb des Dorfes. Das Dorf und seine Einwohner sind seltsam genug. Das gesamte Dorf ist von Krähen bevölkert, die friedlich sind und in Ehren zu halten sind. Die Krähen halten sich vormittags in der Wohngegend auf, nachmittags im Stadtzentrum und abends fliegen sie in den Hinterhof von Hektor, um dort in einem Baum ihre Nachtruhe zu halten. Die Kinder und Hektor müssen sich nach dem Rhythmus der Vögel orientieren, denn sie haben alle Arbeiten des Dorfes zu verrichten.

Außerdem müssen sie darauf achten, alle seltsamen Regeln des Dorfes zu beachten, beispielsweise, dass keine mechanischen Apparate benutzt werden dürfen. Natürlich gestaltet sich so die Arbeit auch nicht gerade einfach. Violet, Klaus und Sunny sind erst froh, weil sie gedacht hatten, dem Geheimnis „F.F.“ schon nah zu sein, doch die Abkürzung entpuppt sich als Abkürzung für Dorf der Federvieh-Freunde. Erst sind die Kinder ein wenig enttäuscht, aber immerhin ist Graf Olaf, der ihnen Böses will, um an das Erbe der Kinder zu kommen, nicht in Sicht.

Natürlich dauert es aber nicht lange, bis er auftaucht. Außerdem finden die Kinder Terzette unter dem Vogel-Baum, die sie stark an ihre Freundin Isadora Quagmeier erinnern und die scheinbar eine Botschaft enthalten, wohin Graf Olaf sie und ihren Bruder – ebenfalls Waisen und Freunde der Baudelaires – verschleppt hat. Sie scheinen ganz in der Nähe zu sein.

Wieder einmal müssen die Kinder ihre Fähigkeiten nutzen, um Graf Olaf und seinen Kumpanen ein Schnippchen zu schlagne. Violet macht sich daran, etwas zu erfinden, Klaus liest in der geheimen Bibliothek Hektors und Sunny setzt ihre Zähnchen gekonnt ein. Gerade als sie kurz davor sind, das Geheimnis zu lüften, werden sie ins örtliche Gefängnis geworfen, um am nächsten Tag auf dem Scheiterhaufen geröstet zu werden. Werden die Kinder aus dieser – im wahrsten Sinne des Wortes – brenzligen Situation entkommen können? Finden sie die Quagmeiers? Und werden sie Graf Olaf entkommen?

Das Buch ist anders als seine Vorgänger nicht ganz so seltsam. Zwar erklärt der Autor immer noch „schwierige“ Wörter nervtötend oft, allerdings jetzt nicht mehr im Sinne eines Wörterbuchs, sondern paraphrasiert auf die jeweilige Situation abgestimmt, was einem doch hin und wieder ein Lächeln auskommen lässt. Es ist ein wenig spannend und auch dieses Mal lässt er das Baby Sunny ein Wort sagen, das gar nicht so richtig aus der Babysprache zu stammen scheint: „Leucophrys“ – es handelt sich dabei um eine Entenart. Fazit: Die Bücher sehen im Regal schön aus, sind halbwegs spannend und für Kinder ab 8 sicher ganz in Ordnung.

Gebundene Ausgabe: 231 Seiten
Verlag: Manhattan; Auflage: 1 (17. August 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442545900
ISBN-13: 978-3442545902

Dienstag, 28. Oktober 2008

Basic Instinct



Autor: Richard Osborne
Original: Basic Instinct (1992)
meine Bewertung: 2 von 5

Das Leben von Nick Curran ist alles andere als einfach. Curran, seines Zeichens Beamter des Morddezernats von San Francisco, hatte erst vor kurzem eine Untersuchung am Hals, da er bei der Verfolgung eines Verdächtigen zwei Touristen versehentlich erschoss. Immer noch muss er regelmäßig das Gespräch mit der Polizeipsychologin Beth Garner suchen, was nicht immer leicht für ihn ist. Vor allem, da er vor kurzem noch ein Verhältnis mit ihr hatte.
Sein nächster Fall bringt ihn wieder ins Gerede.

Johnny Boz, ein alternder und reicher Rockstar, wurde mit einem Eispickel ermordet in seinem Schlafzimmer aufgefunden. Der Verdacht fällt sofort auf Catherine Tramell, eine junge und betörende Frau, die bezeichnenderweise vor einiger Zeit ein Buch veröffentlicht hat, in dem ein Rockstar mit einem Eispickel von seiner Geliebten ermordet wurde. Curran und sein Partner Moran müssen nun herausfinden, ob das Buch eine Prophezeihung und damit das perfekte Alibi für Tramell darstellt oder ob jemand absichtlich nach dem Buch vorgegangen ist, um Catherine zur Verdächtigen zu machen. Die Sache gestaltet sich als sehr schwierig, da sich Curran sofort Hals über Kopf in die Schönheit verliebt.

Curran beobachtet Catherine und kommt ihr dabei auch ziemlich nahe, dennoch geht das Morden weiter. Während Moran von der Schuld der gar nicht trauernden Geliebten überzeugt ist, kämpft Curran für seine Liebe. Als sein persönlicher Rivale ermordet aufgefunden wird, fällt der Verdacht schließlich auf Curran, weshalb er von der Polizei suspendiert wird und so noch mehr Zeit hat, die er Catherine Tramell widmen kann.

Er findet einige unbekannte Tatsachen aus dem Leben der Verdächtigen heraus, die schließlich in eine ganz andere Richtung weisen. Doch was hat die Polizeipsychologin mit der scheinbar ziemlich irren und gefährlichen Tramell gemeinsam? Curran und Moran begeben sich in große Gefahr, aus der schließlich nur einer lebend hervorgeht – und selbst der scheint es nicht mehr lang zu machen.

Das vorliegende Buch ist das Buch zum Film, dh. es entstand nach dem Film. Man merkt, dass ca. 230 Seiten viel zu wenig für eine Geschichte sind, die eigentlich auch einen Wälzer füllen könnte. Dementsprechend kommen viele Dialoge, Charakteristika und Beschreibungen viel zu kurz, außerdem wurde bei der Übersetzung ziemlich geschlampt. Manchmal meint man, ein Computer hätte diese vorgenommen. Die Wörter mögen zwar entsprechende Übersetzungen aus dem Englischen sein, doch passen tun diese nicht immer. Und außerdem: hundertzehn Millionen Dollar ist eine Elf mit sieben Nullen – und nicht wie im Buch angegeben mit sechs Nullen!

Die beiden Punkte vergebe ich nur deshalb, weil das Büchlein ein bisschen spannend ist und besonders die letzten beiden Sätze einen ziemlichen Twist bergen, den man so nicht unbedingt erwartet hätte.
Broschiert: 204 Seiten
Verlag: Lübbe (1992)
ISBN-10: 3404134443
ISBN-13: 978-3404134441

Weihnachtswimmelbuch



Autorin: Anne Suess
Original: Weihnachtswimmelbuch (2007)
meine Bewertung: 4 von 5

Anne Suess hat auf 4 Doppelseiten das Leben vor Weihnachten versammelt. Man findet in diesem Wimmelbuch eine Doppelseite zum Thema Christkindlmarkt, eine zum Thema Vorbereitungen in der Weihnachtszeit, eine Doppelseite ist dem Weihnachtsabend gewidmet und eine dem winterlichen Wald. Alle Szenen verfügen über viele liebevolle Details, zu denen sich gut Gutenachtgeschichten erfinden lassen.

Was leider ein wenig stört, ist die Verarbeitung des Buches. Es handelt sich um ein dünnes Pappbilderbuch, das ich bisher zweimal angesehen habe. Und schon jetzt merkt man an den Bugstellen, dass sich die Farbe ablöst. Das ist schade, denn oftmaliges Ansehen durch tapsige Kinderhändchen übersteht das Buch dann wohl nicht besonders gut.

Gebundene Ausgabe: 10 Seiten
Verlag: Schwager & Steinlein; Auflage: 1., Aufl. (September 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3896009877
ISBN-13: 978-3896009876

Sonntag, 26. Oktober 2008

Ahoi



Autorin: Ellen Prinz
Original: Ahoi (2005)
meine Bewertung: 1 von 5

Hella aus Papenburg, Halbtagsfriseuse und alleinerziehende Mutter zweier Kinder, kann ihr Glück kaum fassen. Sie hat soeben eine Reise auf einer Luxusyacht im Indischen Ozean gewonnen. Das Beste an der Sache ist: Sie wird nicht allein reisen, sondern das ganze Boot wird vollbesetzt mit Stars sein.

Die Reise wird von Kameras begleitet, sie ist damit Gastdarstellerin in einer TV-Reality Serie. Hella freut sich, denn was sind ein paar Kameras schon für ein Preis, wenn man dafür mit Prominenten eine Yacht teilen darf? Außerdem wird auch Tommy Bergmann, der Moderator der Show und ihr absoluter Liebling, mit an Bord sein.

Der Vertrag ist schnell unterschrieben, die Reue kommt bereits im Flugzeug. Während sich die Stars und Sternchen affektiert und blasiert geben, vermisst Hella ihre beiden Kinder unheimlich. Aus dem vermeintlichen Luxustrip wird außerdem schnell ein Himmelfahrts-Kommando. Seltsame Dinge passieren an Bord der Yacht und sämtliche Mitglieder der Besatzung, auch die Stars, verschwinden nach und nach. Während die Besatzung dies in einem unbeobachteten Moment tut, sterben die Stars vor laufender Kamera.

Was ist da bloß los? Hella fürchtet um ihr Leben und beginnt, die Sache in die Hand zu nehmen. Schließlich möchte sie ihre beiden Kinder so schnell wie möglich wieder in die Arme schließen können. Doch wer spielt ein falsches Spiel?

Die Idee des Buches ist zweifellos ganz nett, birgt außerdem einiges an Spannungspotential. Die Ausarbeitung jedoch lässt zu wünschen übrig. Schon viel zu früh hat man den richtigen Verdacht, auch wenn die Geschichte allzu inkonsequent auf diese Aufklärung hinausläuft. Sprachlich sehr flapsig, da wollte jemand wohl einen spannenden Frauenroman schreiben, der vor platter Romantik nur so trieft. Außerdem hat das Lektorat nicht aufgepasst und die Autorin ebenso wenig. Bis zum Ende konnte man sich scheinbar nämlich nicht darüber einigen, ob Hellas Freundin, die auf die Kinder aufpasst, nun Kiki oder Kitty heißt.

Einen Punkt gibt es dafür, dass Schuhe keine wichtige Rolle spielen, obwohl sie neuerdings scheinbar zu jedem „Frauenbuch“ zu gehören scheinen und auch sonst auf einige Klischees verzichtet wird. Die Hauptfigur ist weiters sympathisch und kompetent angelegt, was man auch positiv anrechnen kann. Ansonsten: Es gibt weit Besseres auf diesem Gebiet!
Taschenbuch: 285 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur (Januar 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426628945
ISBN-13: 978-3426628942

Samstag, 25. Oktober 2008

Ich hab mein Herz im Wäschekorb verloren



Autorin: Erma Bombeck
Original: I lost everything in the post-natal depression (1969)
meine Bewertung: 5 von 5

Die berühmteste Hausfrau der Welt schlägt sich durch Berge von Wäsche, durch den Dschungel, der mal ihre Küche war und findet dennoch immer wieder Zeit, von ihrem Alltag zu berichten und launisch die amerikanische Gesellschaft zu kommentieren. Sie tut dies auf amüsante Art und Weise, man kann sogar teilweise herzlich lachen, beispielsweise wenn sie sich über Phänomene lustig macht, die jeder kennt, nicht nur die Hausfrau an sich, sondern einfach jede Frau.

Erma Bombecks Geschichten sind zwischendurch immer wieder für ein paar nette Stunden bestens geeignet und sollten von jedem Mann gelesen werden, der es wagt, seine Frau zu fragen: „Und Schatz, was hast du heute eigentlich den ganzen Tag so gemacht?“

Taschenbuch
Verlag: Lübbe; Auflage: 16., Aufl. (28. Februar 1983)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404102320
ISBN-13: 978-3404102327

Donnerstag, 23. Oktober 2008

Elvis, Jesus und Coca-Cola



Autor: Kinky Friedman
Original: Elvis, Jesus & Coca-Cola (1993)
meine Bewertung: 3 von 5

Als eines Abends Downtown Judy zum alten Kinkstah ins Apartement kommt, obwohl gerade eine bestimmte Zeit im Monat ist, hätte Kinky Friedman, seines Zeichens jüdischer Cowboy aus Texas und Detektiv in New York, bereits ahnen müssen, dass die Nacht noch was für ihn bereit hält. Als dann das leicht feminine Telefon in Pink auf seinem Nachtkästchen zu läuten beginnt, schwant ihm Böses. Er nimmt das Gespräch deshalb an seinem Schreibtisch an, hätte sich aber lieber setzen sollen.

Sergeant Cooperman vom Polizeipräsidium ordert ihn an einen Tatort. Kinkys Freundin Uptown Judy ist verschwunden, hinterlassen hat sie nur eine Schleifspur am Boden ihrer Wohnung und Kinkys Namen und Telefonnummer auf einem Block neben dem Bett. Blöd, dass kurz darauf auch noch Legs ermordet aufgefunden wird. Neben ihm die Telefonnummer und der Name des Kinkstahs. Er scheint in ernsten Schwierigkeiten zu stecken.

Kinky ruft also seine Freunde, die Village Irregulars, zusammen, um den Fall aufzuklären. Irgendwie scheint es damit zusammen zu hängen, dass der kürzlich verstorbene Tom Baker, Freund der Irregulars, eine Dokumentation über Elvis gemacht hat. Der Fall scheint verrückt zu werden, aber das sind die Irregulars ja auch.

Mit viel Alkohol, Zigarren und der Hilfe seiner Freunde schafft Kinky es dann natürlich wieder, das Geheimnis um die Elvis-Dokumentation und die beiden Judys zu lösen. Er tut dies auf seine eigene höchst ungewöhnliche aber auch amüsante Weise.

Man muss bei jedem Kinky-Buch darauf gefasst sein, auf seine kinky-ismen zu stoßen, die mit der Zeit etwas langweilig werden. Als Paradebeispiel dafür: „Ich war so high, dass ich eine Leiter brauchte, um mir in den Arsch zu treten“. Dieser Satz kommt in jedem Buch vor – manchmal sogar mehrmals. Und es ist nicht der einzige seiner Gemeinplätze. Beim ersten Mal noch kreativ, beim zweiten Lesen vielleicht noch amüsant, dann aber nervend.

Wie an anderer Stelle schon erwähnt, darf man auch nicht gerade zart besaitet sein, wenns um die Schilderung von Körperausscheidungen oder Mordopfern geht, außerdem kanns doch auch vorkommen, auf ein paar Vorurteile des Kinkstahs zu stoßen. Wer meine schräge Art von Humor teilt, wird immer wieder ein paar Stunden Amüsement und geringfügige Spannung damit erleben, ideal für eine zweistündige Bahnfahrt. Zuviele von Friedmans Krimis in kurzen Abständen nacheinander verderben den Spaß allerdings gewaltig.
Broschiert
Verlag: Rotbuch Verlag (2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3434540644
ISBN-13: 978-3434540649

Donnerstag, 16. Oktober 2008

Weiblich, ledig, untot



Autorin: Mary Janice Davidson
Original: Dead and Unwed (2004)
meine Bewertung: 4 von 5

Betsy Taylor hat echt einen Scheißtag hinter sich, als sie an diesem Abend aufwacht. Sie wurde gefeuert, hatte einen Autounfall und starb. Und als sie jetzt aufwacht und an sich runterblickt, hat sie einen entsetzlich billigen Fummel in pink an, der ihr überhaupt nicht steht und ihre Füße stecken in hässlichen Fake-Pumps.

Erst nach und nach wird ihr klar, was in dieser Nacht passiert ist: Sie wurde von einem Auto überfahren und ihr Kopf wurde zerquetscht. Sie liegt in einem Sarg. Betsy wäre nicht Betsy, wenn sie sich davon unterkriegen lassen würde. Sie macht sich auf den Weg zu ihrer Wohnung, teilt ihrer besten Freundin Jessica, ihrer Mutter, ihrem Stiefmonster und ihrem Vater die tolle Neuigkeit mit: Sie ist nicht tot. Die meisten ihrer Angehörigen sind darüber so erleichtert, dass sie völlig ausblenden, was das bedeuten könnte. Doch Betsy wird durch Eric Sinclair, einem ungeheuer gutaussehenden Typen, und Nostro, einem widerlichen Ekelpaket auf die Sprünge geholfen: Sie ist ein Vampir.

Nach und nach stellt sich allerdings heraus, dass sie keine gewöhnliche Vampirin sein kann. Das Sonnenlicht kitzelt sie nicht einmal, sie spricht Worte wie „Gott“ oder „Jesus“ aus, ohne mit der Wimper zu zucken, hängt sich ein Kreuz um, ohne sich in Asche zu verwandeln und sucht sogar eine Kirche auf, um mit dem Priester zu sprechen. Dennoch genießt sie alle Vorzüge eines echten Vampirs: Sie ist unglaublich stark, sieht auch im Dunklen, hat ein Gehör wie ein Luchs und kann Wände hochklettern.

Eigentlich fände sie das Leben – oder besser: den Untod – ganz okay so. Ein bisschen Leid tut es Betsy allerdings, dass sie keine feste Nahrung mehr zu sich nehmen kann. Aber ansonsten scheint alles okay zu sein. Wären da nicht der unheimlich gutaussehende Eric Sinclair, ein ziemlich mächtiger Vampir, der sich in den Kopf gesetzt hat, sie sei die Königin der Verdammten (oder so ähnlich) und Nostro, der für sich beansprucht, Chef der Untoten zu sein. Irgendwie lässt sich Betsy schließlich doch bequatschen und rettet auf hochhackigen Pumps mal so nebenher die Vampirschaft.

„Weiblich, ledig, untot“ ist in vielerlei Hinsicht ein ungewöhnliches Buch. Es handelt sich um eine Vampirromanze, die besonders spaßig durch die Tatsache wird, dass die Protagonistin so gar nicht akzeptieren will, dass sie anders tot sein soll, als sie gelebt hat. Viele witzige Szenen ergeben sich durch die Widerlegung gängiger Vampir-Klischees und die Kombination aus typischem Frauenroman mit dem Blutsauger-Genre. Was aber tatsächlich nervt und was ich nie verstehen werde: Wieso müssen Schuhe in allen Chick-Lit Büchern eine derart große Rolle spielen? Oder bin ich tatsächlich die einzige Frau auf diesem Planeten, die neue Schuhe dann kauft, wenn die alten durchgelatscht sind? Übrigens finden sich auf den ersten 50 Seiten ein Grammatik- und ein Orthografiefehler. Für die kann Mary Janice Davidson zwar nichts, darauf hinweisen wollte ich trotzdem.

Fazit: Ein spaßiges Buch, das durchaus überrascht, in vielen Punkten aber auch dem Klischee eines Frauenbuchs gerecht wird. Es ist der erste Band einer Reihe, weshalb es auch ganz okay ist, dass gewisse Handlungsstränge nicht restlos aufgeklärt werden und einige Fragen offen bleiben. Auch die Nachfolgebände werden Eingang in mein Bücherregal finden, das ist sicher.

Broschiert: 314 Seiten
Verlag: Egmont Lyx; Auflage: 1 (15. September 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3802581237
ISBN-13: 978-3802581236

Mittwoch, 15. Oktober 2008

Krabat



Autor: Otfried Preußler
Original: Krabat (1980)
meine Bewertung: 4 von 5

Seit dem Tod seiner Eltern ist Krabat ein Vollwaise. Der Junge hat einige Zeit lang im Haushalt vom Dorfpastor gewohnt. Das war ihm aber zu anstrengend, also hat er sich des Nächtens aus dem Staub gemacht und lebt fortan mit einigen Waisenjungen auf der Straße. Mit Betteln und seiner Gewitztheit schlägt er sich recht gut.

Eines Nachts hat er allerdings einen seltsamen Traum. Er sieht darin Raben, die ihm zukrächzen, doch in die Mühle am Koselbruch zu kommen. Der Traum ist so überzeugend, dass sich Krabat auf den Weg macht.

In der Mühle wird erlebt er seltsames. Er kommt mitten in der Nacht an, der Meister der Mühle, ein seltsamer Mann, bringt ihn zum Schlaflager. Dort wird er nächsten Morgen von den elf anderen Mühlenknappen geweckt. Seine Arbeit als Lehrjunge in der Mühle beginnt. Anfangs ist die Arbeit hart, doch das Essen ist gut und ausreichend, und unter den Kollegen findet er bald gute Freunde. Besonders Tonda, Michal und Juro erweisen sich als wahre Freunde.

Nach und nach fallen Krabat die ungewöhnlichsten Dinge auf, die in der Mühle passieren und langsam wird auch er mit diesen Vorgängen vertraut und erweist sich sogar als gelehriger Schüler in der schwarzen Schule. Doch jedes Jahr am Neujahrstag finden die Knappen einen der ihren tot auf. Krabat ahnt, dass auch er bald an der Reihe sein wird. Er beschließt allerdings, um sein Leben und das seiner Freunde zu kämpfen. Und ausgerechnet ein Mädchen spielt dabei eine große Rolle…

Die Geschichte von Krabat hat alles, was ein gutes Kinderbuch braucht: Sie ist spannend, sie hat Helden und Bösewichte und die Welt ist geheimnisvoll und phantastisch. Doch auch Erwachsene werden ihren Spaß dabei haben, denn die Sprache ist doch anspruchsvoll und das Buch insgesamt nicht kindisch. Was zum Abzugspunkt führt, ist die Tatsache, dass auf doch relativ wenigen Seiten eine Geschichte abgehandelt wird, die insgesamt sehr viel mehr hergeben würde. Aber auch so auf jeden Fall ein Klassiker, den man gleich neben den „Fünf Freunden“ und „Momo“ stehen haben sollte!

Unbekannter Einband: 349 Seiten
Verlag: Dtv - großdruck (April 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423252812
ISBN-13: 978-3423252812

Dienstag, 14. Oktober 2008

Den Göttern kommt das große Kotzen



Autor: Charles Bukowski
Original: The Captain is out for Lunch (1998)
meine Bewertung: 3 von 5

Bukowskis Hauptfigur dieses Buches ist ein einundsiebzigjähriger Schriftsteller, der seine Tage auf der Rennbahn verbringt, sich abends betrinkt und seine Nächte vor dem gerade erst angeschafften Computer verbringt, wo er gleich einem Süchtigen Worte aufs Papier bzw. den Bildschirm bringen muss. Sein Protagonist lebt mit Linda zusammen, meidet aber sonst den Kontakt zu anderen Menschen, vor allem zu schreibenden Kollegen, Journalisten, Fotografen und Fans. Schließlich kann er sich nicht aussuchen, von wem er gelesen wird.

In Tagebuchform erzählt er von seinen Tagen und Nächten, die sich nicht großartig voneinander unterscheiden. Der Protagonist sinniert über den Sinn des Lebens und einen möglichen bevorstehenden Tod, lässt in Rückblicken an seinem bisherigen Leben teilhaben und gibt selbst zu, eine gestrauchelte Person zu sein, die wohl bis zu seinem Tod ein Außenseiter bleiben wird. Und nach seinem Tod wird sich jeder um seine Werke reißen.

Die Hauptfigur des Buches ist niemand anderer als Charles Bukowski selbst. Die Einträge stammen von den Jahren 1990 bis 1992 und haben alle einen fast misanthropischen Grundton gemeinsam. Tatsache ist, dass die Erzählung stark autobiografisch, wenn auch mit vielen Übertreibungen, ist und einen kleinen Einblick in die letzten Jahre Bukowskis zu bekommen.
Man muss Bukowski entweder lieben oder hassen, weil er eben nichts anderes kann, als der zu sein und darüber zu schreiben, wer er ist. Doch dieses Buch schafft es tatsächlich, mir eine neutrale Grundstimmung abzugewinnen. „Das Schlimmste kommt noch“ war mein erster Bukowski, ich war fasziniert von ihm und seiner realistischen Schreibweise und atmosphärischen Schilderung.

Dieses Buch kommt mir allerdings so vor, als würde auf 160 Seiten immer wieder dasselbe wiedergekäut. Beim ersten Lesen dieser Gedanken interessant, auf den restlichen 100 Seiten nicht mehr so richtig. Dennoch ist das Buch gut, vor allem für jene, die sich immer als Außenseiter der Gesellschaft und nie so richtig zugehörig fühlen. Super auch für die Hardcore-Bukowski-Fans. Als Einstiegslektüre würde ich dennoch ein eher romanhaftes Werk wie „Das Schlimmste kommt noch“ empfehlen.

Broschiert: 158 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch (22. Oktober 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3462039474
ISBN-13: 978-3462039474

Sonntag, 12. Oktober 2008

Mörderische Aussichten



Autorin: Ann George
Original: Murder gets a Life (1999)
meine Bewertung: 4 von 5

Die beiden Schwestern Patricia Anne und Mary Alice schaffen es einfach immer wieder, über Leichen zu stolpern. Dieses Mal sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Ray, der Sohn von Mary Alice, der auf Bora Bora als Tauchlehrer arbeitet, hat geheiratet – ziemlich spontan und ohne seine Familie. Die Geehelichte stammt aus der Nachbarstadt der Schwestern und kündigt ihren Besuch bei Mary Alice, ihrer Schwiegermutter, an.

Natürlich möchte Mary Alice ihre Schwester Patricia Ann dabei haben, denn sie hat ja den dringenden Verdacht, dass die neue Schwiegertochter namens Sunshine es nur auf Rays Geld abgesehen hat. Davon hat Ray zwar noch nicht besonders viel, seine Mutter allerdings umso mehr. Natürlich kommen Patricia Ann und ihr Mann Fred sowie Tochter Haley gerne als seelische Stütze zu einem Abendessen.

Doch auch die Schwiegertochter, die von ihrem Urlaub auf Bora Bora wieder zurück gekehrt ist und ihren frisch angetrauten Ehegatten vorerst dort gelassen hat, ist nicht ohne Unterstützung gekommen. Sie hat ihre Großmutter Meemaw mitgebracht, die so gar nicht aussieht, wie ihre Enkelin Sunny. Denn Sunny scheint die fleischgewordene Barbiepuppe zu sein.

Sunny erweist sich als nettes Mädchen, Meemaw als etwas seltsame alte Dame, die aber auch sehr liebenswürdig ist. Der Gegenbesuch bei den Turketts erweist sich jedoch als äußerst seltsam. Die Turketts wohnen in einem Wohnwagenlager, obwohl ein Sohn sehr erfolgreicher Truthahnfarm-Besitzer ist und Pawpaw, der Mann von Meemaw, als Raketentechniker tätig war. Kerrigan, Sunnys Mutter, ist gut verdienende Pornodarstellerin. Etwas harter Tobak, doch es kommt noch schlimmer.

Beim nächsten Besuch stolpern die beiden Schwestern über eine Leiche. Ein indianisch aussehender Mensch wurde mit einem Schweineschlachtmesser am Boden von Meemaws Wohnwagen aufgespießt. Außerdem ist Sunny verschwunden. Natürlich wird sofort auch Ray verständigt, der sich auf den Weg von Bora Bora nach Alabama zu seiner Mutter Mary Alice macht.

Die beiden Schwestern haben mit ihren 61 bzw. 64 Jahren schon viel Erfahrung in Sachen Krimis, Leichen, Mörder und Verbrechen gesammelt und stellen auch in diesem Buch ihr Geschick als Hobbyermittlerinnen unter Beweis und finden Dinge über die angeheiratete Verwandtschaft heraus, die sie niemals wissen wollten.

Was die Krimis von Ann George so lesenswert macht, ist vor allem die Tatsache, dass die Detektivinnen zwei völlig normale alte Damen sind, die noch dazu Schwestern sind und unterschiedlicher nicht sein könnten. Patricia Ann ist klein und wiegt 48 kg. Sie ist ehemalige Lehrerin und die ruhigere der beiden. Mary Alice wiegt 113 kg und ist laut und unverschämt. Dennoch verstehen sich die beiden blendend, auch wenn der Ton manchmal etwas rauer ist.

Ein wenig verwirrend mögen die Verwandtschaftsverhältnisse in den Südstaaten sein, doch auch das tut dem Lesevergnügen nur wenig Abbruch. Man sollte allerdings keinen klassischen Krimi erwarten, sondern eher eine Geschichte um zwei Schwestern und deren Familien, in der zufällig ein Mord passiert und schließlich auch mehr oder weniger zufällig aufgeklärt wird. Spannung oder Action wird man nicht finden, dafür umso nettere Hauptfiguren und eine teilweise auch witzige Handlung.
Broschiert: 299 Seiten
Verlag: Dtv (Oktober 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423210893
ISBN-13: 978-3423210898

Freitag, 10. Oktober 2008

Wandelgermanen



Autor: Oliver Uschmann
Original: Wandelgermanen (2007)
meine Bewertung: 3 von 5

Hartmut und der Ich-Erzähler, dessen Namen man nie erfährt, lebten gemeinsam mit ihren Frauen Caterina und Susanne in einer Bochumer WG. Als ihr Haus abgerissen werden soll, müssen sie sich nach einer neuen Bleibe umsehen. Susanne liebt Teiche, Caterina malt beruflich und Hartmut und ich arbeiten sowieso übers Internet. Die vier beschließen also, aufs Land zu ziehen.

Hartmut macht sich auf die Suche nach einer passenden Unterkunft für sich und seine Lieben. Er stöbert bei ebay und schafft es tatsächlich, in letzter Sekunde ein Haus um 8.000 Euro zu ersteigern. Wo der Haken sein könnte, überlegt er dabei nicht. Hartmut und ich packen ihre Frauen, ihr Hab und Gut und Kater Yannick sowie Schildkröte Irmtraud in zwei geborgte VW-Busse und machen sich auf den Weg nach Großbärenweiler. Gerade rechtzeitig, bevor die Abrissbirnen anrollen. Es gibt also kein Zurück.

Die vier sind begeistert von Großbärenweiler. Es ist ein nettes Dorf mit viel Grün und Wald rund herum. Auch Yannick und Irmtraud würden sich hier auf jeden Fall wohl fühlen. Allerdings erleben die vier eine Überraschung, als sie vor ihrem zukünftigen Heim stehen bleiben. Die derzeitige Besitzerin, Frau Kettler, hat schon auf sie gewartet. Das Haus gleicht einer Ruine, es ist feucht, die Wände sind schief, die Böden ebenso. Der Garten ist verwuchert, es gibt keine Kanalisation, sondern nur ein Plumpsklo, die Tapete schält sich von den Wänden und alles ist mit alten Möbeln vollgestellt. Kaum hat Frau Kettler die Hausführung beendet, ist sie auch schon wieder weg.

Genauso wie Susanne und Caterina. Sie fassen es nicht, dass sie in einer Ruine wohnen sollen, deshalb muss ihnen Ich eine Unterkunft besorgen. Die beiden Frauen kriechen bei einer alten, einsamen Witwe unter. Die beiden beauftragen Hartmut und ich damit, zumindest einen Raum bewohnbar zu machen, damit sie überzeugt sein können, dass man in dem Haus wohnen könne.

Hartmut und ich machen uns an die Arbeit. Alleine geht überhaupt nichts weiter, das Haus scheint feindselig eingestellt gegenüber den fremden Städtern zu sein und immer wieder beweist es ihnen, wie unbewohnbar es ist. Doch da schauen Nachbar Ernst und ein paar Freunde vorbei. Die Truppe hilft Hartmut und ich dabei, das Haus innerhalb von drei Wochen zu entkernen. Allerdings bemerken die beiden schon relativ früh, dass sie es mit einer Gruppe Neonazis zu tun haben, die sich selbst „Wandelgermanen“ nennen, durch die Wälder streifen und dem germanischen Brauchtum huldigen. Um jedoch ihre billigen und militärisch organisierten Helfer nicht zu verlieren, beteiligen sich Hartmut und ich an den Aktivitäten der Gruppe. Dazu gehört das wandeln in den Wäldern ebenso wie Wehrsportübungen.

In der Zwischenzeit schlagen sich Hartmut und ich auch mit einem seltsamen Amt herum, das nur aus Herrn Steinbeis und dem Hildchen zu bestehen scheint. Ihnen wird versprochen, dass sich ein gewisser Leuchtenberg, Meister in Renovierungen, um das Haus kümmern wird. Das dauert allerdings. Erst als Hartmut um Hilfe betet, weil er seine Frau endlich wieder zurück gewinnen möchte, erscheint Leuchtenberg. Er schickt Hartmut und ich immer wieder mit seltsamen Aufträgen in den Baumarkt, die ziemlich nerven, doch immer wenn die beiden wieder zurück kommen, ist eine weitere Baustelle im Haus erledigt.

Es geht voran, wenn auch langsam. Doch wird das den Frauen genug sein? Gelingt es den beiden, sie wieder zurück zu bekommen? Und welche Rolle spielt die ständig rauchende Berit in dem ganzen Spiel?

Oliver Uschmanns „Wandelgermanen“ ist ein gut lesbares, stellenweise amüsantes Buch, in dem auch Ekelsequenzen nie zu kurz kommen. Laut gelacht habe ich allerdings während der Lektüre nie, eher öfters den Kopf geschüttelt. Es handelt sich um eine sehr überzogene Erzählung, die oft ins Absurde abstürzt, insgesamt aber recht sympathisch ist, wenn auch nichts Besonderes. Nett finde ich ziemlich am Ende des Buches den Herrn, der das Haus besichtigen kommt. Es handelt sich um einen Autor, der gleich einmal testet, wie sich seine Bücher an der Wand machen würden. Er hält also eines dorthin, wo er ein Regal befestigen will – auf dem Buchcover erkennt Ich ein Verkehrszeichen mit einem Auto drauf, in dem zwei Männchen sitzen. Ein Blick zu Amazon hat meinen Verdacht bestätigt: Es handelt sich um „Hartmut und Ich“ – von Oliver Uschmann.

Fazit: Man kann das Buch gerne testen und lesen, vielleicht werde ich mir sogar ein weiteres der Reihe besorgen. Sie sind nicht umwerfend, aber sympathisch und irgendwie überfiel mich der seltsame Drang, immer weiter zu lesen. Eine gewisse Neugierde auf das Ende sozusagen. Nicht direkt Spannung, aber auch nicht Langeweile pur. Ganz okay also.

Broschiert: 384 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1 (12. August 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596172489
ISBN-13: 978-3596172481

Montag, 6. Oktober 2008

Die namenlosen Töchter



Autorin: Xinran
Original: Miss Chopsticks (2007)
meine Bewertung: 5 von 5

Drei, Fünf und Sechs sind Schwestern. Sie sind die Töchter einer großen Familie im bäuerlichen China. Auch Eins, Zwei und Vier sind Mädchen, weshalb der Vater der Familie an Achtung gewaltig verloren hat. Er ist nur in der Lage, „Essstäbchen“, also Töchter zu zeugen, während ein „Dachbalken“, also ein Sohn, die Ehre der Familie aufrecht halten hätte können. Die Arbeit ist hart, das Leben ärmlich. Die Töchter sind es gewohnt, ebenso zu arbeite, wie die Männer des Dorfes. Sie lieben ihre Mutter über alles und haben fast demütigen Respekt vor den Männern.

Eines Tages kommt Onkel Zwei wieder in das Dorf. Er errettet Drei vor ihrem Schicksal, mit einem Mann verheiratet zu werden, den sie noch nichteinmal kennt. Er nimmt Drei mit sich nach Nanjing, die nächstgelegene Stadt. Dort geht er mit ihr zur großen Weide, unter der den Landmädchen seriöse Arbeit in der Stadt verschafft wird.

Drei bekommt eine Anstellung in einem Restaurant, wo sie das Gemüse und Obst fantasievoll arrangiert und so das Geschäft belebt. Nach einiger Zeit kommen auch Fünf und Sechs in die Stadt. Fünf, die in ihrem Dorf und ihrer Familie immer als etwas dümmlich angesehen wurde, bekommt eine Stelle im Wasserkulturzentrum. Sie erweist sich als sehr gelehrig in der Anwendung von Heilbädern und gewinnt großen Respekt. Sie verdient gut und die Leute sind nett zu ihr.

Auch Sechs hat Glück. Sie wird von einem gelehrten Mann und seiner Frau aufgenommen, die ein Teehaus betreiben, in dem auch Bücher gelesen werden. Sechs liebt Bücher und ist glücklich über ihre Stelle. Sechs lernt viele Menschen aus vielen verschiedenen Ländern kennen, lernt Englisch und wird immer gebildeter. Als einzige bemerkt sie, was ihre Schwestern nicht wahrhaben wollen: Die drei Mädchen in der Stadt werden immer Landmädchen bleiben.

Als die drei zum Frühlingsfest wieder zurück ins Dorf fahren und ihrem Vater und ihrer Mutter wertvolle Geschenke sowie einen Packen Geld überreichen, gewinnt die Familie am Dorf wieder an Ansehen, der Vater bekommt sogar ein Lächeln zustande.

Die Geschichte um die drei Schwestern ist sehr schön zu lesen, die Mädchen sind sympathisch und die Sitten und Gebräuche am ländlichen China sind streng und für uns anfangs wahrscheinlich eher unverständlich. Doch die drei Mädchen machen ihren Weg und ihr Glück. Dies war zwar erst das zweite Buch, das ich über China lese, es macht aber definitiv Lust auf mehr. Für ein westliches Mädchen wie mich liegt die Faszination wahrscheinlich auch in der Andersartigkeit, die so anschaulich geschildert wird.
Gebundene Ausgabe: 352 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur (21. September 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426197723
ISBN-13: 978-3426197721