Freitag, 10. Oktober 2008

Wandelgermanen



Autor: Oliver Uschmann
Original: Wandelgermanen (2007)
meine Bewertung: 3 von 5

Hartmut und der Ich-Erzähler, dessen Namen man nie erfährt, lebten gemeinsam mit ihren Frauen Caterina und Susanne in einer Bochumer WG. Als ihr Haus abgerissen werden soll, müssen sie sich nach einer neuen Bleibe umsehen. Susanne liebt Teiche, Caterina malt beruflich und Hartmut und ich arbeiten sowieso übers Internet. Die vier beschließen also, aufs Land zu ziehen.

Hartmut macht sich auf die Suche nach einer passenden Unterkunft für sich und seine Lieben. Er stöbert bei ebay und schafft es tatsächlich, in letzter Sekunde ein Haus um 8.000 Euro zu ersteigern. Wo der Haken sein könnte, überlegt er dabei nicht. Hartmut und ich packen ihre Frauen, ihr Hab und Gut und Kater Yannick sowie Schildkröte Irmtraud in zwei geborgte VW-Busse und machen sich auf den Weg nach Großbärenweiler. Gerade rechtzeitig, bevor die Abrissbirnen anrollen. Es gibt also kein Zurück.

Die vier sind begeistert von Großbärenweiler. Es ist ein nettes Dorf mit viel Grün und Wald rund herum. Auch Yannick und Irmtraud würden sich hier auf jeden Fall wohl fühlen. Allerdings erleben die vier eine Überraschung, als sie vor ihrem zukünftigen Heim stehen bleiben. Die derzeitige Besitzerin, Frau Kettler, hat schon auf sie gewartet. Das Haus gleicht einer Ruine, es ist feucht, die Wände sind schief, die Böden ebenso. Der Garten ist verwuchert, es gibt keine Kanalisation, sondern nur ein Plumpsklo, die Tapete schält sich von den Wänden und alles ist mit alten Möbeln vollgestellt. Kaum hat Frau Kettler die Hausführung beendet, ist sie auch schon wieder weg.

Genauso wie Susanne und Caterina. Sie fassen es nicht, dass sie in einer Ruine wohnen sollen, deshalb muss ihnen Ich eine Unterkunft besorgen. Die beiden Frauen kriechen bei einer alten, einsamen Witwe unter. Die beiden beauftragen Hartmut und ich damit, zumindest einen Raum bewohnbar zu machen, damit sie überzeugt sein können, dass man in dem Haus wohnen könne.

Hartmut und ich machen uns an die Arbeit. Alleine geht überhaupt nichts weiter, das Haus scheint feindselig eingestellt gegenüber den fremden Städtern zu sein und immer wieder beweist es ihnen, wie unbewohnbar es ist. Doch da schauen Nachbar Ernst und ein paar Freunde vorbei. Die Truppe hilft Hartmut und ich dabei, das Haus innerhalb von drei Wochen zu entkernen. Allerdings bemerken die beiden schon relativ früh, dass sie es mit einer Gruppe Neonazis zu tun haben, die sich selbst „Wandelgermanen“ nennen, durch die Wälder streifen und dem germanischen Brauchtum huldigen. Um jedoch ihre billigen und militärisch organisierten Helfer nicht zu verlieren, beteiligen sich Hartmut und ich an den Aktivitäten der Gruppe. Dazu gehört das wandeln in den Wäldern ebenso wie Wehrsportübungen.

In der Zwischenzeit schlagen sich Hartmut und ich auch mit einem seltsamen Amt herum, das nur aus Herrn Steinbeis und dem Hildchen zu bestehen scheint. Ihnen wird versprochen, dass sich ein gewisser Leuchtenberg, Meister in Renovierungen, um das Haus kümmern wird. Das dauert allerdings. Erst als Hartmut um Hilfe betet, weil er seine Frau endlich wieder zurück gewinnen möchte, erscheint Leuchtenberg. Er schickt Hartmut und ich immer wieder mit seltsamen Aufträgen in den Baumarkt, die ziemlich nerven, doch immer wenn die beiden wieder zurück kommen, ist eine weitere Baustelle im Haus erledigt.

Es geht voran, wenn auch langsam. Doch wird das den Frauen genug sein? Gelingt es den beiden, sie wieder zurück zu bekommen? Und welche Rolle spielt die ständig rauchende Berit in dem ganzen Spiel?

Oliver Uschmanns „Wandelgermanen“ ist ein gut lesbares, stellenweise amüsantes Buch, in dem auch Ekelsequenzen nie zu kurz kommen. Laut gelacht habe ich allerdings während der Lektüre nie, eher öfters den Kopf geschüttelt. Es handelt sich um eine sehr überzogene Erzählung, die oft ins Absurde abstürzt, insgesamt aber recht sympathisch ist, wenn auch nichts Besonderes. Nett finde ich ziemlich am Ende des Buches den Herrn, der das Haus besichtigen kommt. Es handelt sich um einen Autor, der gleich einmal testet, wie sich seine Bücher an der Wand machen würden. Er hält also eines dorthin, wo er ein Regal befestigen will – auf dem Buchcover erkennt Ich ein Verkehrszeichen mit einem Auto drauf, in dem zwei Männchen sitzen. Ein Blick zu Amazon hat meinen Verdacht bestätigt: Es handelt sich um „Hartmut und Ich“ – von Oliver Uschmann.

Fazit: Man kann das Buch gerne testen und lesen, vielleicht werde ich mir sogar ein weiteres der Reihe besorgen. Sie sind nicht umwerfend, aber sympathisch und irgendwie überfiel mich der seltsame Drang, immer weiter zu lesen. Eine gewisse Neugierde auf das Ende sozusagen. Nicht direkt Spannung, aber auch nicht Langeweile pur. Ganz okay also.

Broschiert: 384 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1 (12. August 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596172489
ISBN-13: 978-3596172481

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