Freitag, 28. November 2008

Ich schenk mir täglich rote Rosen



Autorin: Erma Bombeck
Original: Aunt Erma's Cope Book (1979)
meine Bewertung: 5 von 5

Stress im Haushalt, mit den Kindern, mit dem Hund, dem Gewicht, dem Ehemann, dem Rest der Verwandtschaft und und und… Immer wieder raten Erma alle möglichen Bekannten und Freunde zu den neuesten Lebenshilfe- und Ratgeberbüchern. Sowieso schon mit schlechtem Zeitmanagement und erheblichen Selbstzweifeln geplagt, beginnt eine literarische Odysee für die Protagonistin. Für jede Lebenslage das richtige Buch mit den angeblich einzig richtigen Ratschlägen.

Doch was tun, wenn einen die trotz aller akribisch befolgten Tipps nicht weiter helfen können? Wenn „Die unvollkommene Frau“, „Kaufangst“, „Wie erziehe ich meine Eltern?“ und „Billiger Leben“ alles nur noch schlimmer machen? Da bleibt letztlich nur eins: Selbst eins schreiben. Denn das Leben spielt sich nunmal nicht in Büchern ab.

Auf gewohnt humorvolle Weise nimmt Erma Bombeck in diesem Buch die Ratgeberliteratur aus sämtlichen Lebensbereichen auf die Schaufel, sie tut dies witzig und unkompliziert. Bombeck ist immer wieder ein Garant für humorvolle Lektüre, manchmal kann man sogar herzhaft lachen, kennt man doch ähnliche Szenen aus dem eigenen Alltag oder eben nicht mehr weil das Buch eben doch ein Kind seiner Zeit ist.
Broschiert
Verlag: Lübbe; Auflage: N.-A. (Juni 2002)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404104943
ISBN-13: 978-3404104949

B.A.R.F. - Artgerechte Rohernährung für Hunde



Autorin: Barbara Messika
Original: B.A.R.F. - Artgerechte Rohernährung für Hunde (2008)
meine Bewertung: 5 von 5

Lange Zeit lebten unsere Hunde sehr gut ohne Fertigfuttermittelindustrie und auch die Wölfe als direkte Vorfahren der domestizierten Hunde hatten wohl kein Dosen- oder Trockenfutter bei der Hand, wenn sie mal der kleinere oder größere Hunger plagte. Futtermittelallergien, Milben und andere Krankheiten bringen immer mehr Hundehalter auf diese natürliche Art der Hundeernährung zurück.

Schäfer und Messika geben einen guten Einblick in die biologisch artgerechte Rohernährung von Hunden und räumen mit vielen Vorurteilen auf. Hunde können aufgrund ihres verkürzten Verdauungstrakts und der erhöhten Magensäurekonzentration fast nie an Salmonellen erkranken, auch der Mythos, Hunde würden dann wildern, von dem niemand mehr sagen kann, woher er kam und wieso er sich weiterhin so hartnäckig hält, wird widerlegt.

Viele barf-Beginner haben Respekt vor dem Zeitaufwand, dem Zusammenstellen von ausgewogener Ernährung und den gesunden Zutaten, doch auch diese Ängste, Unsicherheiten und Zweifel werden dem Leser genommen. Übersichtliche Tabellen über saisonales Obst und Gemüse, gesundes Fleisch und Futterpläne machen das Büchlein zu einem wertvollen Helfer beim Einstieg. Die wissenschaftliche Richtigkeit kann ich nicht beurteilen, allerdings fühle ich mich damit größtenteils gut beraten. Zusätzliche Informationen kann man sich im Zweifel ja aus dem Internet holen. Das Büchlein lässt sich allerdings praktischer in die Küche und zum Einkaufen mitnehmen.

Dem Hund schmeckts, das Fell glänzt, Blutbild passt und da wir von teurem Nassfutter umgestellt auf Rohfütterung haben, kommts auch noch günstiger. Für jeden empfehlenswert, der noch ein wenig Scheu vor dem Thema hat und ein übersichtliches Buch für den Einstieg sucht.
Broschiert: 104 Seiten
Verlag: Kynos; Auflage: 3 (12. Dezember 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3938071117
ISBN-13: 978-3938071113

Mittwoch, 26. November 2008

Ein Quälgeist kommt selten allein



Autor: Simon Brett
Original: Not another little Sod (1997)
meine Bewertung: 1 von 5

Baby ist mittlerweile zwei Jahre alt und gibt sein Bestes, um seine Eltern auf die Palme zu bringen und immer wieder daran zu erinnern, wer der Boss in der Familie ist. Das Kindermädchen wird beständig zur Weißglut gebracht und auch in der Spielgruppe hat Baby das Sagen.

Doch dann erzählt sie die ganze Zeit von einem neuen Baby. Klar, dass das Baby eins nicht besonders gefällt. Und nach einiger Zeit ist es tatsächlich soweit. Sie kommt mit einem kleinen hässlichen Fleischklops daher und bringt ihn nicht wieder dorthin zurück, wo sie ihn gefunden hat. Und plötzlich dreht sich alles nur noch um dieses hässliche Ding.

Baby merkt, dass es Zeit wird, das Heft wieder selbst in die Hand zu nehmen. Doch auch der Fleischklops gibt sein Menschleinmögliches. Fast ist man versucht, mit den Eltern so etwas wie Mitleid zu haben. Doch dann fällt einem schlagartig wieder ein, dass sie sich das ganz allein eingebrockt haben.

Das Buch ist der Nachfolgeband zu „Wie ich meinen Eltern den letzten Nerv raube“ und behandelt die erste Zeit des älteren Kindes mit einem neuen Baby. Es ist aus der Sicht der beiden Babys abwechselnd geschrieben, hin und wieder auch ganz amüsant. Der Großteil des Buches ist aber ziemlich lächerlich und es nervt einfach, wie sich die kleinen Gören aufführen. Ich weiß nicht, vielleicht findet man diese Art von Humor ganz gut, wenn man gerade am Weg dazu ist, Eltern zu werden oder ein Elternteil von Kleinkindern ist. Ich fands okay, musste zweimal grinsen, aber das wars auch schon.
Taschenbuch
Verlag: Droemer Knaur (1998)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426730677
ISBN-13: 978-3426730676

Dienstag, 25. November 2008

Nichtlustig 4



Autor: Joscha Sauer
Original: Nichtlustig 4 (2008)
meine Bewertung: 4 von 5

Die wahren Helden des Alltags sind nicht Superman, Batman, Spiderman oder Mutti. Nein, es sind Herr Riebmann, Dinosaurier, die jeden Tag aufs Neue aussterben müssen, Yetis, Lemminge, der Tod und sein Pudel. Und sie alle hat Joscha Sauer im vierten Band seiner beliebten und erfolgreichen Nichtlustig-Serie in durchwegs sehr lustigen Comics verewigt.Vielleicht nicht unbedingt für politisch korrekte oder zart besaitete Menschen, für alle anderen dafür ein Garant für komische Comics und gute Unterhaltung! Schade allerdings, dass die Lemminge- und Tod-Comics weniger geworden sind, das waren meine persönlichen Favoriten. Und wer öfters auf http://www.nichtlustig.de/ vorbeigeschaut hat, wird alle Comics außerdem schon kennen.
Gebundene Ausgabe: 64 Seiten
Verlag: Carlsen Verlag; Auflage: 1 (24. September 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3551680078
ISBN-13: 978-3551680075

Von Idioten umgeben



Autor: Jeff Kinney
Original: Diary of a Whimpy Kid (2007)
meine Bewertung: 3 von 5

Greg ist gerade auf die Junior High School gekommen und beginnt, Tagebuch zu schreiben. Obwohl, Tagebuch ist nicht das richtige Wort dafür. Er besteht darauf, es als seine „Memoiren“ zu bezeichnen. Er hat das Ding von seiner Mutter bekommen, schwört sich aber, keine Gefühle oder so reinzuschreiben. Greg macht das sowieso nur, weil er eines Tages reich und berühmt werden will und sich dann nicht auch noch damit herumschlagen will, erstmal seine Memoiren zu schreiben. Er hat sie dann praktisch schon.

Und so Memoiren eines Teenies sind gar nicht so uninteressant, vor allem, wenn man bedenkt, dass Greg scheinbar der einzig normale Mensch in seiner unmittelbaren Umgebung zu sein scheint. Sein Bruder Rod ist ein kleiner Tyrann, in der Schule sind nur absolute Loser und überhaupt wähnt er sich von Idioten umzingelt. Die Illustration seiner Memoiren übernimmt er auch gleich selbst: im Comicstil.

Greg muss sich mit der Aufführung des Zauberers von Oz, Mädchen und anderen Teenager-Problemen herumschlagen, hält sich aber wacker und bleibt dabei optimistisch. Immer nach dem Motto: Es kann nur besser werden.

„Diary of a Wimpy Kid“ belegte Platz eins der New York Times Bestsellerliste – sowas macht natürlich neugierig. Ich habe es nicht bereut, das Buch gekauft und gelesen zu haben, dennoch hat es meiner Meinung nach einige Mankos.

So lustig wie die Tagebücher von Bert (Olsson/Jacobsson) ist „Gregs Tagebuch“ bei weitem nicht, humorvoll hingegen schon. Die Illustrationen mit Strichmännchen machen das Buch auch zu nichts Besonderem, auch hier ziehe ich die „Bert Bücher“ vor. Allerdings handelt es sich um einen netten Zeitvertreib, die Bücher sind auch aktueller als die Bert-Bücher. Die Aufmachung ist hochwertig, es handelt sich also nicht um eine unnötige Investition – vorausgesetzt, man kann Kinder-/Jugendbüchern etwas abgewinnen. Für eher lesefaule Kinder vielleicht der ideale Einstieg in die Welt der Bücher, denn das Layout entspricht einem "richtigen" Tagebuch.
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
Verlag: Baumhaus Verlag Frankfurt; Auflage: 1 (24. Januar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3833936320
ISBN-13: 978-3833936326

Dienstag, 18. November 2008

Weihnachtsdetektive



Hrsg.: Daniela Kampa
Original: Weihnachtsdetektive (2008)
meine Bewertung: 3 von 5

In dieser Sammlung von Krimigeschichten hat Daniela Kampa Fälle der berühmtesten Detektive zu einem Weihnachtsbuch zusammengestellt. Eins haben die Fälle gemeinsam: Sie spielen in der Weihnachtszeit. Sehr unterschiedlich ist jedoch die Atmosphäre der Geschichten. Während Agatha Christie und Sir Arthur Conan Doyle wie immer meisterhaft erzählen und die perfekte englische Weihnachtsstimmung vermitteln, gelingt das Rex Stout und Mary Allingham nicht so gut. Dennoch bringt das Buch eine nette Lektüre in der Vorweihnachtszeit.

Die Geschichten sind im Einzelnen folgende: Sir Arthur Conan Doyle lässt Sherlock Holmes in „Der blaue Karfunkel“ einen Edelstein in einer Weihnachtsgans auftauchen, G. K. Chesterton bekehrt in „Die Sternschnuppen“ einen Dieb, George Simenon lässt den Leser Weihnachten mit Maigret erleben. Margery Allingham schickt einen Mann mit Sack (hoho) auf Diebstour und Agatha Christies Miss Marple berichtet von einer Weihnachtstragödie. Hercule Poirot hingegen gelingt es, das Rätsel um den Weihnachtspudding zu lösen. Rex Stouts Detektiv Nero Wolfe schließlich begibt sich als Weihnachtsmann verkleidet auf eine Weihnachtsfeier.

Wie erwähnt, die meisten der Geschichten sind durchaus passend, allerdings bin ich mir sicher, schon in mehreren solcher Anthologien (sogar zu verschiedenen Themen) die Geschichte „Der blaue Karfunkel“ bereits vorkommt, und es beschleicht mich das Gefühl, dass auch die Anthologie „O du schreckliche“ die Geschichte enthält. Besonders ärgerlich daran: Dieser Band ist ebenfalls von Daniela Kampa herausgegeben worden. Blöd, wenn man für die ewig gleichen Geschichten in anderer Verpackung Geld ausgibt.
Broschiert: 368 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (November 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257238851
ISBN-13: 978-3257238853

Sonntag, 16. November 2008

Nackte Angst



Autor: Dean R. Koontz
Original: The Face of Fear (1989)
meine Bewertung: 3 von 5


Graham Harris hat eine seltene Gabe. Seit seinem Unfall wird er von Visionen geplagt, die ihm Gewaltverbrechen voraussagen oder auch beim Berühren der Kleidung Toter Hinweise auf den Mörder geben. Zwar wird er vielfach belächelt, doch hin und wieder konnte er der Polizei schon nützlich sein. Der ehemalige Profi-Bergsteiger macht sich langsam einen Namen als wahrer Hellseher.

Als in New York ein Serienkiller sein Unwesen treibt, der „der Schlächter“ genannt wird, wird Graham Harris zu Hilfe gerufen. Er kann zwar nicht viel über den Täter, der bereits zehn Frauen auf bestialische Weise um die Ecke gebracht hat, sagen, aber er kommt ihm doch so gefährlich nahe, dass sich dieser veranlasst fühlt, sich Harris zu entledigen. Dabei soll auch seine Freundin dran glauben. Doch wird dem Schlächter diese Tat gelingen? Was ist mit der Vision, die Graham von sich selbst, in einer Blutlache liegend, hat?

Koontz ist einfach ein Garant für Spannung. Zwar kann man von seinen Werken keinen Tiefgang erwarten, allerdings sind sie spannend und temporeich. Auch für „Nackte Angst“ hat er keine Seite zu viel verschwendet, was der Spannung gut tut, das Ende aber ein wenig schnell und etwas zu kurz kommen lässt. Dennoch werden alle Fragen beantwortet und obwohl die Geschichte mitten drin mal sehr vorhersehbar scheint, kommt dann doch alles anders, als man denkt.

Ein paar Abzüge gibt’s allerdings schon, obwohl ich mich ein paar Stunden gut unterhalten gefühlt habe. Was mich am meisten gestört hat, ist, dass ständig von dem orkanartigen Schneesturm gesprochen wird, der sogar eine der Kugeln des Schlächters abzulenken vermag, auf die beiden Helden und ihre Kletterpartie aber keine gröberen Einflüsse zu haben scheint. Etwas unglaubwürdig und ein paar Momente hat man wohl auch das Gefühl, dass einiges zu zufällig passiert. Dennoch und wie schon gesagt: solide, spannende Lektüre!
Taschenbuch
Verlag: Heyne (1996)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453097742
ISBN-13: 978-3453097742

Samstag, 15. November 2008

Der Meister und Margarita



Autor: Michail Bulgakow
Original: Master i Margarita (1966)
meine Bewertung: 4 von 5

An einem Frühlingsnachmittag sitzen ein Dichter und ein Redakteur im Park und unterhalten sich über den Auftrag, den der Dichter gerade bekommen hat. Er soll ein satirisches Gedicht auf Jesus schreiben. In diesem Moment gesellt sich ein seltsam aussehender Ausländer zu ihnen. Er hat ein schwarzes und ein grünes Auge, trägt einen Gehstock mit Pudelkopf und mischt sich sogleich in das Gespräch der beiden. Er erzählt ihnen von den „wahren Ereignissen“ rund um die Kreuzung Christi und behauptet, deshalb so gut darüber Bescheid zu wissen, weil er selbst dabei gewesen sei. Außerdem prophezeit er ihnen, dass einer der beiden die Nacht nicht mehr erleben würde. Er selbst stellt sich als Voland, ausländischer Konsulator, vor.

Tatsächlich dauert es nicht lange, bis einer der beiden auf seltsame Art und Weise ums Leben kommt. In Moskau ereignen sich allerhand unheimliche Dinge, die drohen, die Stadt ins Chaos zu stürzen. Die Hauptbeteiligten der chaotischen Zustände sind immer ein dicker Kater, ein langer Typ, eine nackte Rothaarige und Voland. Was bezwecken die seltsamen Gestalten in Moskau? Wer ist Voland, den niemand zu fassen bekommt, in Wirklichkeit?

„Der Meister und Margarita“ vereint zwei Haupthandlungsstränge in einem Buch. Zum einen dreht sich das Werk immer wieder um die Geschehnisse in Jerusalem rund um Pontius Pilatus und die Kreuzigung Jesu, zum anderen tauchen zwei Menschen auf, die einen Pakt mit dem Teufel eingehen. Margarita willigt ein, Voland auf seinen unheimlichen Ball zu begleiten, um dadurch ihren Geliebten, den sie nur „Meister“ nennt, zurück zu bekommen. Dieser war zuvor in eine Nervenheilanstalt eingewiesen worden, weil er ein als konterrevolutionär eingestuftes Werk rund um die historische Figur des Pilatus verfasst hatte.

Insgesamt ist Bulgakows Roman eine irrwitzige Odyssee ins Reich des Fantastischen. Einerseits mit vielen politischen Anspielungen auf das kommunistische Russland und dessen Regime, andererseits mit einer subtilen Art von Humor. Man schließt Berlioz, den Meister, Margarita und selbst den Teufel und seine Gefolgsleute direkt ins Herz, schließlich passiert das Unglück, das sie verursachen, nur jenen Menschen, die abgrundtief schlecht, gierig und falsch sind. Der Witz kommt vor allem dadurch zum Tragen, dass Voland ständig auf sich selbst anspielt, indem er flucht und auf „des Teufels Großmutter“ anspielt. Selbst sein Name ist eine Anspielung auf den Teufel (siehe „Faust“). Und scheinbar geht vom Teufel selbst nicht das Gegenteil des Himmels aus, also nicht die Hölle, sondern ewige Ruhe.

Bemerkenswert an „Der Meister und Margarita“ ist, dass es in einer Zeit entstand, in der der Autor wahrscheinlich mit der Regierung die ärgsten Probleme bekommen hätte, obwohl er Stalins bevorzugter Stückeschreiber war. Erschienen ist es deshalb erst rund 30 Jahre nach Bulgakows Tod und wurde zu einem der bekanntesten Romane Russlands. Viele Aussprüche des Werks sind in die russische Sprache eingegangen und werden gleichsam als Redewendungen noch heute verwendet.

Zugegebenermaßen habe ich wohl nicht den gesamten Sinn und die gesamte Aussage des Romans verstanden, was vor allem dadurch zu begründen ist, dass meine Kenntnis historischer und politischer Ereignisse der damaligen Sowjetunion betrifft. Dennoch hat man auch als historisch-politisches Nackedei seinen Spaß an der Geschichte. Zwar mag sie an einigen Stellen über Längen aufweisen, allerdings ist die Geschichte es Wert, darüber hinweg zu sehen und weiter zu lesen. Wer Spaß an Werken hat, die nicht streng einem Handlungsstrang folgen und sich auch nicht an eine strikte Chronologie halten, ist mit dem Buch gut beraten. Etwas Zeit sollte man jedoch schon mitbringen, genauso wie einen Sinn für hintergründigen Humor. Und eins muss selbst ein negativer Kritiker der Geschichte zugeben: handwerklich ist an dem Buch nichts auszusetzen!
Broschiert: 510 Seiten
Verlag: Luchterhand Literaturverlag (16. Januar 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3630620930
ISBN-13: 978-3630620930

Mittwoch, 12. November 2008

Geschichten von Advent und Weihnachten



Autorin: Edith Meyendorff
Original: Geschichten von Advent und Weihnachten (1992)
meine Bewertung: 2 von 5

Edith Meyendorff, Herausgeberin dieses dünnen Bändchens, hat Geschichten rund um das Warten, den Advent und Weihnachten zusammengetragen. Namhafte AutorInnen, beispielsweise Gudrun Pausewang, sind darin ebenso vertreten wie Alfons Schweiggert. Die kurzen Geschichten eben genannter Autoren gehören zu den eher besseren Geschichten, insgesamt ist das Büchlein ein wenig altbacken und auch nicht unbedingt festlich. Außerdem eignet es sich nicht dafür, Kindern vorgelesen zu werden, die noch ans Christkind glauben. Wenigstens bringt in den Geschichten noch das gute alte Christkind die Geschenke. Zum richtigen Einstimmen auf das Fest würde ich illustrierte Bücher mit einer etwas feinfühligeren Auswahl empfehlen.
Broschiert: 91 Seiten
Verlag: Gütersloher Verlagshaus; Auflage: N.-A. (März 2002)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3579015079
ISBN-13: 978-3579015071

Sonntag, 9. November 2008

Fahrenheit 9/11



Autor: Michael Moore
Original: The Fahrenheit 9/11 Reader (2004)
meine Bewertung: 2 von 5

Kein anderes Ereignis hat die amerikanische Welt wohl mehr getroffen, als die Anschläge des 11. September. Eine ganze Nation trauerte, war wütend und verlangte nach Antworten. Viele dachten, Hilfe und Antwort von ihrem gewählten Volksvertreter, dem 43. Präsidenten der Vereinigten Staaten, George W. Bush, zu bekommen. Schuldige fanden er und seine Gefolgsleute in Osama bin Laden, der Al Quaida und im Irak.

Michael Moore deckte in seinem Film „Fahrenheit 9/11“ die seltsamsten Verbindungen zwischen Präsidenten Bush und den bin Ladens auf, er zeigt, wie systematisch die Bevölkerung getäuscht wurde und ein Krieg gegen ein Land begann, das dem amerikanischen Volk nie etwas Böses wollte.

Moore, der für „Fahrenheit 9/11“ die Goldene Palme in Cannes gewann, erregte damit nicht nur in den Vereinigten Staaten großes Aufsehen, sondern auch in Europa. Hüben wie drüben spalteten sich die Geister an der Frage nach der Authentizität des von ihm produzierten Dokumentarfilms. In diesem Buch nun hat er die Filmszenen transkribiert, im zweiten Teil seine Quellen (zumindest teilweise) offengelegt und im dritten Teil Reaktionen der Seher gesammelt. Der vierte Teil widmet sich Artikeln und Kritiken zum Film. Teil fünf befasst sich mit weiteren Artikeln zu Themen aus dem Film, während in Teil sechs Bilder und Karikaturen dazu angeführt sind.

Zwar gehört Bush mittlerweile der Geschichte an, unumstritten ist wohl, dass er nicht gerade eine glorreiche Vergangenheit für die Welt brachte. Der Film war schon berührend, dann aber auch noch dummdreiste Kommentare Bushs schwarz auf weiß zu lesen, verstärkt diese Wirkung noch. Vielfach wurde Moore vorgeworfen, Fakten zu seinem Gunsten zu verdrehen und keinen wirklichen Dokumentarfilm gedreht zu haben.

In seinem Buch legt er Quellen offen, die jedermann zugänglich und leicht selbst nachzuprüfen sind. Wie lückenlos diese Offenlegung ist, vermag ich nicht zu beurteilen, aber selbst wenn alles andere reine Erfindung sein sollte, reichen die von ihm angeführten Quellen aus, um zu erkennen, wie die Amerikaner an der Nase herum geführt wurden – von einem Präsidenten, den sie nicht gewählt hatten.

Zum Thema Dokumentarfilm lässt sich nur sagen, dass Dokumentarfilme eben nicht immer langweilig sein müssen, sondern sich durchaus auch beißender Satire als Stilmittel bedienen dürfen. Dem Film entsprechend ist auch das erste Kapitel des Buches so aufgebaut und lässt sich flüssig und schnell lesen, obwohl durchaus auch nicht offensichtliche Tatsachen erklärt werden. Als Sachbuch kann man das Werk dennoch nicht bezeichnen, immerhin wurde es von einem bekennenden Demokraten verfasst, der damit auch eine Menge Geld verdient hat. Von Neutralität keine Spur.

Leider hat Moore auch für die Darlegung von Publikumsreaktionen (Teil drei) und Pressereaktionen (Teil vier) gänzlich darauf verzichtet, auch negative Leserbriefe abzudrucken oder schlechte Kritiken zu veröffentlichen. Nicht besonders mutig oder gar ausgewogen. Teil fünf ist außerdem etwas langatmig geraten und einem Nicht-Amerikaner teilweise nicht besonders eingängig. Was „Fahrenheit 9/11“ betrifft, sollte man sich wohl eher den Film ansehen. Eine aufschlussreiche Diskussionsgrundlage – egal welche Meinung man nun vertritt – bietet dieser allemal.
Taschenbuch: 460 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 4., Aufl. (Januar 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 349204736X
ISBN-13: 978-3492047364

Sonntag, 2. November 2008

Chocolat



Autorin: Joanne Harris
Original: Chocolat (1997)
meine Bewertung: 4 von 5

Vianne Rocher und ihre kleine Tochter Anouk kommen am Faschingdienstag in ein kleines Dorf in Frankreich. Die Menschen sind einfach, sie leben in bescheidenen Verhältnissen und glauben an harte Arbeit und die Kirche. Selbst wenn ihnen der Pfarrer des Dorfes, Curé Reynaud, ein wenig suspekt ist. Die fremde Frau in den bunten Kleidern wird nicht nur wegen ihres Äußeren, sondern auch aufgrund der Tatsche, dass sie ohne Mann in das Dorf gekommen ist, eher misstrauisch beäugt.

Doch Vianne und Anouk sind Kämpfer. Sie mieten sich ein kleines Häuschen, in dessen Erdgeschoß sich früher eine Bäckerei befand. Vianne ist eine Meisterin der Confisserie-Kunst, deshalb macht sie aus den Geschäftsräumen La Celeste Praline, eine gemütliche Chocolaterie. Anfangs sind es vor allem die Kinder, die sich etwas scheu in den neuen Laden wagen, doch schon bald werden auch andere Dorfbewohner von den verführerischen Auslagen angelockt. Bald schon kann Vianne eine stolze Anzahl an Stammkunden vorweisen und gewinnt sogar einige Freunde.

Eines Tages gibt sich sogar der Pfarrer die Ehre, das Geschäft zu besuchen. Sein Besuch ist jedoch keine Geste der Höflichkeit. Vielmehr ist ihm die ungezügelte Völlerei seiner Schäfchen ein Dorn im Auge, vor allem, weil doch Fastenzeit herrscht. Vianne, die von ihrer Mutter in einigen hexerischen Künsten unterwiesen worden war, ahnt, dass den Curè ein Geheimnis umgibt, allerdings kommt sie nicht wirklich dahinter, was es ist. Obwohl sie ihm erklärt, dass im Dorf wohl für sie und die Kirche genug Platz sei, bleibt der Priester ihr erbitterter Feind.

Als dann auch noch die fahrenden Leute ins Dorf kommen und sich Vianne mit ihnen anfreundet und außerdem ein großes Schokoladenfest geplant wird, sieht sich der Pfarrer genötigt, andere Saiten aufzuziehen. Wird es dem Priester gelingen, Vianne und ihre kleine Tochter zu vertreiben? Was wird aus der kränklichen Armande, der alten Frau, die Vianne so gut zu kennen scheint? Und welches Geheimnis umgibt den Pfarrer?

„Chocolat“ ist ein wundervoll warmes Buch, eine schöne Erzählung, in der nur so in Schokolade geschwelgt wird. Vianne und ihre Freunde schließt man schnell ins Herz, von Anfang an baut man außerdem eine tiefe Abneigung gegen Reynaud auf, dessen Beweggründe bis zum Ende eher im Dunkeln bleiben. Es ist eine Geschichte über Toleranz, Wertschätzung und Lebensfreude. Sie wird abwechselnd aus der Sicht vom Priester und aus der Sicht Viannes erzählt, wodurch man beide Seiten kennen lernt, obwohl Reynaud eher dichter Nebel zu umgeben scheint, während Viannes Welt in helles Sonnenlicht getaucht ist.

Den Abzugspunkt gibt es dafür, dass das Ende ein wenig schnell kommt, wenngleich es zum Buch passt. Schade ist weiters, dass man über den Curé zwar einige Puzzleteilchen erfährt, die sich aber nicht zu einem gesamten Bild zusammen setzen wollen. Ansonsten ein lesenswertes Buch, das zeitnah gelesen sicher noch mehr Atmosphäre entfaltet. Der ideale Zeitpunkt dafür wäre wohl die Fastenzeit – welch Ironie! Die Verfilmung mit Johnny Depp und Juliette Binoche soll übrigens auch sehr sehenswert sein!
Taschenbuch: 331 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (2001)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 284492039X
ISBN-13: 978-2844920393