Sonntag, 2. November 2008

Chocolat



Autorin: Joanne Harris
Original: Chocolat (1997)
meine Bewertung: 4 von 5

Vianne Rocher und ihre kleine Tochter Anouk kommen am Faschingdienstag in ein kleines Dorf in Frankreich. Die Menschen sind einfach, sie leben in bescheidenen Verhältnissen und glauben an harte Arbeit und die Kirche. Selbst wenn ihnen der Pfarrer des Dorfes, Curé Reynaud, ein wenig suspekt ist. Die fremde Frau in den bunten Kleidern wird nicht nur wegen ihres Äußeren, sondern auch aufgrund der Tatsche, dass sie ohne Mann in das Dorf gekommen ist, eher misstrauisch beäugt.

Doch Vianne und Anouk sind Kämpfer. Sie mieten sich ein kleines Häuschen, in dessen Erdgeschoß sich früher eine Bäckerei befand. Vianne ist eine Meisterin der Confisserie-Kunst, deshalb macht sie aus den Geschäftsräumen La Celeste Praline, eine gemütliche Chocolaterie. Anfangs sind es vor allem die Kinder, die sich etwas scheu in den neuen Laden wagen, doch schon bald werden auch andere Dorfbewohner von den verführerischen Auslagen angelockt. Bald schon kann Vianne eine stolze Anzahl an Stammkunden vorweisen und gewinnt sogar einige Freunde.

Eines Tages gibt sich sogar der Pfarrer die Ehre, das Geschäft zu besuchen. Sein Besuch ist jedoch keine Geste der Höflichkeit. Vielmehr ist ihm die ungezügelte Völlerei seiner Schäfchen ein Dorn im Auge, vor allem, weil doch Fastenzeit herrscht. Vianne, die von ihrer Mutter in einigen hexerischen Künsten unterwiesen worden war, ahnt, dass den Curè ein Geheimnis umgibt, allerdings kommt sie nicht wirklich dahinter, was es ist. Obwohl sie ihm erklärt, dass im Dorf wohl für sie und die Kirche genug Platz sei, bleibt der Priester ihr erbitterter Feind.

Als dann auch noch die fahrenden Leute ins Dorf kommen und sich Vianne mit ihnen anfreundet und außerdem ein großes Schokoladenfest geplant wird, sieht sich der Pfarrer genötigt, andere Saiten aufzuziehen. Wird es dem Priester gelingen, Vianne und ihre kleine Tochter zu vertreiben? Was wird aus der kränklichen Armande, der alten Frau, die Vianne so gut zu kennen scheint? Und welches Geheimnis umgibt den Pfarrer?

„Chocolat“ ist ein wundervoll warmes Buch, eine schöne Erzählung, in der nur so in Schokolade geschwelgt wird. Vianne und ihre Freunde schließt man schnell ins Herz, von Anfang an baut man außerdem eine tiefe Abneigung gegen Reynaud auf, dessen Beweggründe bis zum Ende eher im Dunkeln bleiben. Es ist eine Geschichte über Toleranz, Wertschätzung und Lebensfreude. Sie wird abwechselnd aus der Sicht vom Priester und aus der Sicht Viannes erzählt, wodurch man beide Seiten kennen lernt, obwohl Reynaud eher dichter Nebel zu umgeben scheint, während Viannes Welt in helles Sonnenlicht getaucht ist.

Den Abzugspunkt gibt es dafür, dass das Ende ein wenig schnell kommt, wenngleich es zum Buch passt. Schade ist weiters, dass man über den Curé zwar einige Puzzleteilchen erfährt, die sich aber nicht zu einem gesamten Bild zusammen setzen wollen. Ansonsten ein lesenswertes Buch, das zeitnah gelesen sicher noch mehr Atmosphäre entfaltet. Der ideale Zeitpunkt dafür wäre wohl die Fastenzeit – welch Ironie! Die Verfilmung mit Johnny Depp und Juliette Binoche soll übrigens auch sehr sehenswert sein!
Taschenbuch: 331 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (2001)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 284492039X
ISBN-13: 978-2844920393

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