Montag, 26. Januar 2009

Untot lebt sich's auch ganz gut



Autorin: Mary Janice Davidson
Original: Undead and Unreturnable (2005)
meine Bewertung: 4 von 5

Seitdem Betsy gestorben und als Vampir wieder auferstanden ist, hat sie eine Menge erledigt. Sie hat sich damit abgefunden, die Königin der Vampire zu sein, Blut zu trinken und in einem riesigen Herrenhaus zu wohnen. Mehr oder weniger klaglos (eher weniger) hat sie auch akzeptiert, dass sie nach Vampirgesetz mit dem unglaublich gutaussehenden Eric Sinclair, seines Zeichens Supervampir, verheiratet ist. Außerdem ist sie mit einer Bande vampirmordender Jugendlicher klar gekommen und hat nebenher noch ein wenig zur Revolution der verstaubten Vampirpolitik beigetragen.

Doch jetzt wird es richtig ernst. Sie soll ihre bevorstehende Hochzeit mit Eric planen. Zwar sind die beiden laut Vamprigesetz schon verheiratet, doch Betsy hätte das Ganze gerne etwas zeremonieller. Mit Pfarrer und weißem Kleid. Da Selbstorganisation nicht zu ihren Stärken zählt, hat sie mittlerweile die Hochzeit zum dritten Mal verschoben. Und auch dieses Mal scheint etwas dazwischen zu kommen. Betsys Stiefbruder ist geboren und natürlich kommt ihre Stiefmutter Ant mit dem kleinen nicht zu Rande. Außerdem offenbart Betsy Eric ein Geheimnis, das sie eigentlich für immer für sich behalten wollte. Eric ist sauer und wieder scheint die Hochzeit bedroht.

Zu guter Letzt treibt sich in Betsys Gegend auch noch ein wahnsinniger Killer herum, der Blondinen bevorzugt und sie direkt in ihrer Garageneinfahrt entführt und dann tot und nackt auf Parkplätzen wieder los wird. Keine Frage, dass sich Betsy und ihre Schwester Laura, zufälligerweise die Tochter des Teufels, auch darum kümmern werden.

Auch der vierte Teil der Betsy-Reihe ist komisch und sympathisch zugleich. Wieder ist es zwar so, dass Betsy zwar keinen Schmerz zu fühlen scheint, aber sehr wohl Orgasmen erleben kann. Irgendwie seltsam, aber man kann darüber hinweg sehen. Und was diesem Teil zugute kommt: Es geht nicht nur um Schuhe, dafür wird sonst einiges gekauft. Irgendwie hat man auch das Gefühl, dass sich in der Geschichte nicht wirklich was tut. Dennoch ist es eine ganz nette Serie, die zwei Stunden leichte Unterhaltung liefert.

Broschiert: 255 Seiten
Verlag: Egmont Lyx (15. April 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3802581415
ISBN-13: 978-3802581410

Der grausige Jahrmarkt



Autor: Lemony Snicket
Original: The Carnivourus Carnival (2003) - A Series of Unfortunate Events (09)
meine Bewertung: 4 von 5

In Band 9 der „Reihe betrüblicher Ereignisse“ sind die drei Baudelaire-Waisen Violet, Klaus und Sunny auf ungewöhnliche Weise – nämlich im Kofferraum ihres Erzfeindes Graf Olaf – zum Caligari Jahrmarkt gekommen. Sie hoffen, dort Hinweise auf den Tod ihrer Eltern und die geheimnisvolle Organisation „F. F.“ zu erfahren. In Wirklichkeit wird alles nur noch schlimmer.

Die Kinder wissen nicht, wie sie unerkannt im Jahrmarkt auf Spurensuche gehen können, deshalb sehen sie sich im Kofferraum von Graf Olafs Auto um und finden verschiedene Kleidungsstücke. Die drei Kinder verkleiden sich als Jahrmarktsmonstrositäten. Klaus und Violet werden zu einem zweiköpfigen Menschen und Sunny wird zum Wolfskind. So hergerichtet stellen sie sich bei der Chefin des Jahrmarkts vor und werden sogleich angestellt. Gemeinsam mit den anderen Mostrositäten bewohnen die Kinder einen Wohnwagen und warten auf die erste Vorstellung.

Diese fällt genauso aus, wie man das erwartet: Hugo, der Mann mit dem Buckel, wird ausgelacht, ebenso wie die Kinder und der Mann, der mit beiden Händen seinen Namen schreiben kann. Auch die Schlangenfrau erhält nur Spott und Häme. Weil Madame Lulu, die Wahrsagerin, Graf Olaf immer die Wahrheit vorausgesagt hat, möchte er den Jahrmarkt unterstützen. Deshalb besorgt er Löwen und denkt sich eine neue Attraktion aus: Jeden Tag soll eine der Monstrositäten den Löwen zum Fraß vorgeworfen werden. Diese Nachricht spricht sich herum und am nächsten Tag ist der Jahrmarkt voller als je zuvor.

Zum Glück wird Esmé Elend, die Freundin von Graf Olaf, furchtbar eifersüchtig und Madame Lulu, die Wahrsagerin, stellt sich als Mitglied von F. F. heraus, das den Kindern helfen möchte. Gemeinsam entwickeln diese mit der Wahrsagerin einen genialen Plan, der aber durch Graf Olaf durchkreuzt wird. Er möchte ausgerechnet das zweiköpfige Monster den Löwen als Snack servieren. Fast glückt der Plan, doch Esmé und die anderen Mitarbeiter von Graf Olaf verhindern ihn versehentlich. Leider stirbt Lulu, bevor sie gemeinsam mit den Kindern fliehen und das Hauptquartier von F. F. aufsuchen kann.

Wieder einmal hat Lemony Snicket ein Kinderbuch abgeliefert, das geheimnisvoll ist und jetzt im fortgeschrittenen Stadium der Serie schon gehörig Neugierde auf das Ende und die Auflösung der Hintergründe macht. Mittlerweile habe ich mich an den Stil Snickets gewöhnt und lese längst nicht mehr nur die Bücher als Kinderbücher, sondern versuche, soviel wie möglich der Kulturreferenzen zu verstehen, die immer wieder in den Büchern vorkommen.

In diesem Buch ist es zweifellos eine Anspielung auf „Der Glöckner von Notre-Dame“, wenn der Buckelige Hugo (nach dem Autor Victor Hugo) heißt. Außerdem wird der bekannte „Freak“ Merrick erwähnt, auch wenn er in Wirklichkeit Joseph und nicht wie von Klaus erwähnt „John“ heißt. Laut englischer Wikipedia kommen auch noch eine Unmenge an Referenzen auf Filme vor. So sind die Bücher auch für Erwachsene und fürs Immer-wieder-Lesen bestens geeignet.

Gebundene Ausgabe: 261 Seiten
Verlag: Manhattan; Auflage: 1 (August 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442545927
ISBN-13: 978-3442545926

Mittwoch, 21. Januar 2009

Das schaurige Spital



Autor: Lemony Snicket
Original: The Hostile Hospital (2002) - A Series of Unfortunate Events (08)
meine Bewertung: 4 von 5

Die Baudelaire-Waisen sind, nachdem sie in Band 7 aus dem düsteren Dorf geflohen sind, vom Regen in die Traufe gekommen. Sie befinden sich am Ende einer langen Wanderung im Kaufhaus „Zur letzten Gelegenheit“, wo allerlei feilgeboten wird, was man so braucht. Rund um sie ist nichts außer flacher Erde, da kommt es ihnen gar nicht recht, dass gerade eben die aktuellste Ausgabe des „Tagespendanten“ geliefert wird, der sie fälschlicherweise als Mörder-Trio betitelt.

Die Kinder werden vom Ladenbesitzer erkannt, der sie stellen möchte. Sie fliehen, doch da rund um das Kaufhaus weit und breit nichts ist, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als in den Bus der F. F. zu springen. Sie denken schon, das Geheimnis um F. F., um das sich scheinbar in ihrem Leben alles dreht, entdeckt zu haben, doch die Abkürzung entpuppt sich als Kürzel für „Freiwillige Freudenspender“. Die haben es sich zur Aufgabe gemacht, im nahe gelegenen Krankenhaus den Kranken Freude zu spenden. Cliniclowns in Patch Adams Manier sozusagen.

Die Kinder reisen mit den Freudenspendern und gehen auch mit ihnen ins Krankenhaus. Dort erfahren sie, dass es im Keller ein umfangreiches Archiv gibt. Die Baudelaires wollen mehr über das Feuer erfahren, das ihre Eltern getötet hat und mehr über F. F., das ständig überall auftaucht. Außerdem wollen sie Graf Olaf entlarven, der ihnen seit dem Tod ihrer Eltern ständig auflauert, um an ihr Vermögen zu kommen. Passenderweise werden drei Gehilfen im Archiv benötigt. Die Kinder melden sich freiwillig zu dieser Aufgabe.

Es dauert allerdings nicht lang, bis die Schergen Graf Olafs auftauchen, auch er persönlich ist nicht mehr weit. Wieder einmal geht es für die Geschwister um Leben und Tod. Doch zum Glück hat die Jüngste, Sunny, ihre scharfen Zähnchen, Violet ihren Erfindergeist und Klaus sein umfangreiches Wissen. Wieder einmal wird es knapp. Außerdem erfahren die Kinder mehr über ihre Eltern…

Dieser Teil der Geschichte lässt ein wenig Hoffnung aufkommen, er ist bisher einer der positiveren Teile der Reihe. Genial sind wieder Sunnys Wortschöpfungen, bzw. das, was man für Wortschöpfungen hält. Macht man sich die Mühe, diese Wörter zu googeln, wird man auf Erstaunliches stoßen. Super auch die Patientenliste im Krankenhaus: Da sind Jonah Mapple, der an Seekrankheit leidet (benannt nach dem biblischen Jonas, der in einem Wal lebt), Charley Anderson, Clarissa Dalloway, Emma Bovary, Michael Bulgakow und Haruki Murakami. Doch dem nicht genug: Mittels Anagrammen und Zeichnungen liefert Snicket eine Unmenge an kulturellen Referenzen aus dem Bereich der Musik, Literatur und Kunst.

In einigen Namen im Buch sind Anagramme für Menschen aus dem unmittelbaren Umfeld von Daniel Handler versteckt, beispielsweise sein eigener Name, der Name des Illustrators, des Direktors von Harper Collins und der Name von Daniel Handlers Frau Lisa Brown.

Mit jedem Teil wächst mein Respekt vor der Reihe, auch wenn ich es immer noch verwirrend finde, dass soviele klar auf der Hand liegende Begriffe umständlich und lang erklärt werden, während andere, beispielsweise „Korruption“ als selbstverständlich genommen werden. In mir keimt der Verdacht, dass die Bücher gerade für ältere Leser einen gewissen Mehrwert bringen.

Gebundene Ausgabe: 225 Seiten
Verlag: Manhattan; Auflage: 1 (17. August 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442545919
ISBN-13: 978-3442545919

Montag, 19. Januar 2009

Eine Handvoll Männlichkeit



Autorin: Gaby Hauptmann
Original: Eine Handvoll Männlichkeit (1998)
meine Bewertung: 3 von 5

Der steinreiche Unternehmer Günther ist eben 60 geworden. Nur eine Auswahl handverlesener Gäste wird zu dem rauschenden Fest eingeladen, natürlich nur gesellschaftlich hochgestellte oder andere wichtige Personen. Seine Frau Marion hat dafür gesorgt, dass sich jeder auf dem Fest amüsiert und dass alles reibungslos klappt. Marion möchte Günther eine Stütze sein und ihn stolz machen.

Doch ausgerechnet während des Festes wird Günther klar, dass er alles daran setzen muss, sich eine jüngere, gutaussehende Frau zu suchen, denn er meint, nur so selbst wieder glücklich zu werden. Frischfleisch als Verjüngungskur sozusagen. Passenderweise sucht er sich auch gleich während seiner Party ein passendes Opfer aus und beginnt schon bald, ihr den Hof zu machen.

Sein Vermögensberater Klaus muss in der Zwischenzeit schon mal alles daran setzen, Günthers Vermögen in Sicherheit zu bringen. Denn er hat vor, sich von Marion scheiden zu lassen und ihr nichts von seinem Geld zu lassen. Während die Männerwirtschaft von Römersfeld sich zusammen tut und an den verschiedensten Plänen schmiedet, bleiben auch die Damen nicht untätig. Denn gerade als Günther und Klaus es am wenigsten erwarten, stellen sich die Damen auf die Füße und schlagen zurück.

Die Geschichte ist im Prinzip gelungen, es macht Spaß zu lesen, wie die Frauen sich schließlich rächen und wie sich alles doch zum Guten wendet. Eine Geschichte über starke Frauen für starke Frauen, die auch einiges an Humor mitbringt.

Ein wesentliches Manko ist, dass die vielen Personen nicht ausreichend eingeführt werden. Auch beim aufmerksamen Lesen gelingt es einem nicht, alle Personen immer präzise auseinander zu halten und auch ihre Beziehungsverhältnisse zu behalten. Ein wenig mehr Tiefe hätte den Protagonisten also nicht geschadet.

Was das Buch jedoch wirklich an Unterhaltungswert verlieren lässt, ist die Tatsache, dass es im Präsens verfasst wurde, dies allerdings nicht lückenlos wo es erforderlich gewesen wäre, beibehalten wird. Sehr holprig, da hätte ein gutes Lektorat einiges retten können.
Taschenbuch: 331 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 13., Aufl. (Mai 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492227074
ISBN-13: 978-3492227070

Donnerstag, 15. Januar 2009

Mona Lisas Lächeln



Original: Mona Lisas Lächeln
Original: Mona Lisa Smile (2003)
meine Bewertung: 3 von 5

Amerika, Ende der 50er Jahre: Katherine Watson ist eigentlich ziemlich glücklich mit ihrem Leben. Sie hat einen guten Job als Professorin für Kunstgeschichte, ist glücklich mit ihrem Freund und auch sonst scheint alles in Ordnung zu sein. Doch dann bekommt sie ein interessantes Jobangebot an einer der elitärsten Mädchenuniversitäten des Landes. Die Chance, auf die Katherine gewartet hat. Doch leider befindet sich diese Universität am anderen Ende des Landes. Ihr Freund Paul müsste zurück bleiben.

Dennoch nimmt Katherine das Angebot an. Sie packt ihre Koffer und reist nach Wellesley. Sie ist anders, als alles dort. Die Studentinnen sind reich, kommen aus hervorragenden Verhältnissen und sind klüger als alle anderen. Katherine hat anfangs ein wenig Probleme, ihren Platz in Wellesley zu finden. Sie fühlt, dass sie nicht wirklich dazu gehört. Auch ihre Ideen und Unterrichtsmethoden sind moderner als alles, was Wellesley bisher gesehen hat.

Doch schnell schließt sie mit ihren Studentinnen eine besondere Freundschaft. Sie erkennt sie als die Individuen, die sie sind. Die Mädchen scheinen zwar klug zu sein, haben aber alle nur ein Ziel im Kopf: sie wollen alle schnellstmöglich heiraten und die gebildetsten Ehefrauen von allen werden. Katherine geht das gegen den Strich, sie möchte, dass die Mädchen ihr Hirn einschalten und selbst denken. Einige ihrer Studentinnen sind dafür offen, andere tun sich sehr schwer mit ihr und unternehmen alles, um Katherine vom College entfernen zu lassen. Für Katherine beginnt eine schwere Zeit, erst recht, als sie sich in Bill, den Italienischprofessor, verliebt.

Die Geschichte um das elitäre und reaktionäre Elitecollege Wellesley wurde mit einer hochkarätigen Besetzung verfilmt. Die Rolle der Katherine Watson übernahm Julia Roberts, als ihre drei Lieblingsstudentinnen waren Julia Stiles, Kirsten Dunst und Maggie Gyllenhaal zu sehen. Da das Buch nach dem Drehbuch entstand, hält es sich sehr gut an die Vorlage, es ist keine platte Nacherzählung, sondern schafft eigene Atmosphäre. Da ich den Film noch gesehen hatte, bevor ich das Buch dazu las, waren die Protagonisten für mich natürlich nach dem Film gestaltet, dennoch sind sie auch im Buch sehr plastisch.

Für mich ein angenehm zu lesendes Buch, das natürlich keine Überraschungen mehr birgt, wenn man den Film erstmal gesehen hat, aber dennoch schön zu lesen. Ein Badewannenbuch sozusagen.
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur (Januar 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426626225
ISBN-13: 978-3426626221

Mittwoch, 14. Januar 2009

Der Winterschmied



Autor: Terry Pratchett
Original: Wintersmith (2003)
meine Bewertung: 5 von 5

Tiffany Weh ist gerade mal dreizehn, aber schon auf dem besten Weg, eine fabelhafte Hexe zu werden. Ihre Ausbildung absolviert sie, so wie es sich für eine werdende Hexe gehört, weit weg von zu Hause bei anderen Hexen. Sie macht ihre Sache gut, doch dann nimmt ihre Lehrhexe, das uralte Fräulein Verrat, sie mit zu einem geheimnisvollen Ritual, dem Moriskentanz. Es handelt sich um ein Ritual, mit dem der Sommer verabschiedet wird und während dessen er mit dem Winter seinen Platz tauscht.

Fräulein Verrat hat Tiffany zwar extra angewiesen, auf jeden Fall einfach nur still zuzusehen, doch diese kann einfach nicht anders. Als sie die Tänzer ihr Ritual vorführen sieht, beginnt es in ihren Beinen zu jucken und sie stürzt sich auf die Tanzfläche. Sie selbst ahnt nicht, was sie damit anrichtet, doch die Folgen sind verheerend.

Naja, anfangs nicht ganz so verheerend. Während des Tanzes hat sich der Winterschmied, die elementare Urkraft des Winters, in Tiffany verliebt. Er hält sie für Frau Sommer. Als Geschenk schickt er ihr tausende von Schneeflocken, die alle geformt sind wie sie. An den Fenstern erscheint in Eisblumen ihr Name und hinter dem Haus wachsen Eisrosen. Außerdem hat Tiffany nun die Macht, mit ihren Füßen Gras und Samen wachsen zu lassen. Und ausgerechnet jetzt hat Fräulein Verrat auch noch vor zu sterben. Neben ihren Sorgen um den Winterschmied muss sich Tiffany jetzt auch noch um das Ausrichten von Fräulein Verrats Beerdigung kümmern.

Als dies erledigt ist und Fräulein Verrats ehemalige Hütte an ihre Nachfolgerin Annagramma übergeben wird, ist Tiffanys Aufgabe getan. Sie landet schließlich bei Oma Wetterwachs, die sich gemeinsam mit Nanny Ogg weiter um das Problem mit dem verliebten Winterschmied kümmert. Inzwischen versucht der Winterschmied, der eigentlich ja nur eine Naturgewalt ist, menschliche Formen anzunehmen, um Tiffany zu seiner Königin zu machen. Während er noch dabei ist, die Bestandteile zu sammeln, aus denen angeblich der Mensch besteht, hält er das Land eisern in seinem kalten Griff.

Wird Tiffany es schaffen, den ewigen Winter abzuwenden? Welche Rolle spielen dabei die kleinen blauen Männchen mit den roten Haaren und der wütende zukünftige Held Roland? Spannung ist bis zum Ende garantiert, das zwar an sich nicht überraschend ist, aber zufrieden stellt.

Pratchetts Geschichte ist so schräg, wie man das von ihm gewohnt ist, in ebenso hoher sprachlicher Qualität und mit viel Humor gewürzt. Besonders Horace ist eine liebenswürdige Neuerscheinung auf der Scheibenwelt, doch auch alle anderen Charaktere sind in ihrer Charakteristik so dicht und sympathisch, dass man schnell in die Geschichte hineinfindet. Zwar handelt es sich nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, um einen actionreichen Feldzug gegen den Winterschmied, sondern eine im Grunde traurige Liebesgeschichte und die vielen kleinen Problemchen, die man als Hexe halt so hat.

Auch für LeserInnen, denen es das Fantasy-Genre nicht unbedingt so angetan hat, werden eine Freude an den Geschichten Terry Pratchetts haben. Zwar muss man sich nicht unbedingt an irgendeine Lesereihenfolge halten, bei diesem Band jedoch wäre es vielleicht dennoch nicht schlecht, vorher „Kleine freie Männer“ und „Ein Hut voller Sterne“, die die „eigentlichen“ Vorgängerromane in der Tiffany-Weh-Serie.
Broschiert: 384 Seiten
Verlag: Goldmann (13. Oktober 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442468396
ISBN-13: 978-3442468393

Sonntag, 11. Januar 2009

SLW 09

Das Literaturschock-Forum, in dem ich viel Zeit verbringe, veranstaltet jedes Jahr einen SLW. Darunter versteht man einen Stapel-ungelesener-Bücher (SUB)-Wettbewerb. Es geht darum, aus seinem SUB 10 Bücher auszusuchen, die man in diesem Jahr lesen möchte. Hat man ein Buch gelesen, wird dazu eine Rezension im Forum geschrieben. Unter allen Teilnehmern, die bis zum 31.12.2009 alle zehn Bücher gelesen und rezensiert haben, werden Preise verlost. Meine zehn Bücher sind heuer:


Monalisas LächelnDeborah ChielRezension, 14.01.09
Das letzte ProtokollChuck PalahniukRezension, 20.03.09
Eine Handvoll MännlichkeitGaby HauptmannRezension, 19.01.09
Ich und die AnderenMatt RuffRezension, 12.12.09
Fever PitchNick HornbyRezension, 17.08.09
Firmin. Ein RattenlebenSam SavageRezension, 15.03.09
WinterschmiedPratchett, TerryRezension, 14.01.09
Roter EngelTess GerritsenRezension, 10.01.09
Mrs DallowayVirginia WoolfRezension, 11.03.09
Der kleine HeldWalter v. MoloRezension, 21.10.09

Die schönsten Geschichten von Winnie Puuh



Autoren: Janet Campbell & Teddy Slater
Original: Winnie Puuh - Die schönsten Geschichten (2007)
meine Bewertung: 5 von 5

Dieser Band enthält die beiden Geschichten „Der Honigbaum“ (Text von Janet Campbell und Illustrationen von John Kurtz) und „I-aahs besonderer Tag“ (Text von Teddy Slater und Illustrationen von Bill Langley & John Kurtz). Beide Geschichten sind gewohnt süß, in der Hauptrolle der tollpatschige und nicht gerade sehr gescheite Winnie Puuh, seines Zeichens dicker und honigsüchtiger Bär. Gemeinsam mit seinen Freunden I-aah, Ruh, Kanga, Rabbit, Tigger und Christopher Robin besteht er einerseits das Abenteuer mit dem Honigbaum (Puuh bleibt in Rabbits Haustür stecken, weil er zuviel Honig genascht hat) und bereitet seinem Freund, dem dauerdeprimierten Esel, eine Freude, indem er ihm ein Geburtstagsfest organisiert.

Die Zeichnungen sind so, wie man die Disney-Version von Winnie Puuh kennt: rosa Ferkel, gelber Puuh mit rotem, viel zu kurzem Shirt und Paddel-Armen. Das tut der Freude an den Geschichten keinen Abbruch, denn diese Art der Illustrationen kommt bei Kindern wahrscheinlich besser an, als die Orginalzeichnungen in den Milne-Büchern. Jedoch muss man schon sagen, dass die Geschichten von A. A. Milne, dem Erfinder von Winnie Puuh, viel mehr Tiefgang und Humor haben. Dennoch sind diese beiden Geschichten wohl hervorragend als Vorlesebuch geeignet, da die Schrift groß ist und die Zeichnungen seitenfüllend sind, so dass Kinder beim Mitschauen sicher auch Spaß haben.
Gebundene Ausgabe: 96 Seiten
Verlag: Xenos; Auflage: 1 (2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 382122455X
ISBN-13: 978-3821224558

Samstag, 10. Januar 2009

Roter Engel



Autorin: Tess Gerritsen
Original: Life Support (1997)
meine Bewertung: 5 von 5

Während einer Nachtschicht wird in die Notaufnahme des Springer Hospitals ein alter Mann eingeliefert, der verwirrt ist und nackt durch die Kälte irrte. Die gängigen Untersuchungen ergeben keine eindeutige Diagnose. Der Mann wird deshalb an einer Bahre festgeschnallt und ein Röntgen angeordnet. In dieser Nacht geht alles Schlag auf Schlag, so dass niemand bemerkt, wie sich der Mann wieder aus dem Staub macht.

Diese Panne wird der diensthabenden Ärztin, Dr. Toby Harper, angelastet. Sie muss sich dafür verantworten, dass ein scheinbar kranker Mann aus einem Krankenhaus verschwindet. Auch sonst ist ihr Leben im Moment nicht gerade rosig. Bryan, der Sanitäter, der sich während ihrer Nachtschichten um Dr. Harper salzheimerkranke Mutter kümmert, wird abgeworben, gute Nachfolger sind rar. Schließlich findet sie eine Bewerberin, die ideal erscheint. Dr. Harper ahnt nicht, dass sie sich damit das Böse ins Haus holt.

Außerdem wird ein weiterer Patient eingeliefert, der dieselben Symptome zeigt, wie der zuvor verschwundene Mann. Harper ordnet eine rechtsmedizinische Untersuchung an, gegen den enormen Widerstand von Dr. Wallenberg, dem Oberarzt des Altenheims, aus dem beide Männer stammen. Und was sie da findet, kostet nicht nur einem Freund von ihr, sondern beinahe auch ihr selbst das Leben.

Tess Gerritsen, selbst Internistin, hat einen spannenden Roman geschrieben, von dem man beinahe atemlos jede Seite verschlingt. Es handelt sich dabei nicht um platte Unterhaltung oder plumpe Effekthascherei, sondern um einen intelligenten Thriller einer Autorin, die sich in ihrem Metier auskennt. Gerritsen schreckt dabei auch nicht davor zurück, lieb gewonnene Figuren um die Ecke zu bringen. Sehr empfehlenswert und sicher nicht mein letzter Thriller von ihr!
Taschenbuch: 412 Seiten
Verlag: Blanvalet (4. Januar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442352851
ISBN-13: 978-3442352852

Donnerstag, 8. Januar 2009

Maigret und der Gehängte von Saint Pholien



Autor: Georges Simenon
Original: Le pendu de Saint Pholien (1931)
meine Bewertung: 3 von 5

Kommissar Maigret von der französischen Polizei hat während seiner Dienstreise nach Brüssel einen Mann beobachtet, der ihm irgendwie seltsam vorkam. Er verfolgt ihn in ein Café und tauscht dort den Koffer des Mannes gegen einen identisch aussehenden, einfach, weil er neugierig ist. Nach seinem Cafébesuch begibt sich der Mann, auf dessen Fersen sich immer noch Maigret befindet, in ein Hotel. Als er dort seinen Koffer öffnet, ist er entsetzt. Der Koffer ist leer. Der Mann fackelt nicht lange, steckt sich eine Pistole in den Mund und drückt ab. Maigret beobachtet alles durch das Türschloss.

Maigret öffnet den Koffer des Toten, den er ihm ja zuvor abgenommen hatte, und ist erstaunt. Im Koffer befindet sich nichts außer einem alten Anzug. Wer würde sich aus welchen Gründen umbringen, wenn ihm diese Dinge abhanden kommen? Natürlich sieht Kommissar Maigret es als seine heilige Pflicht an, der Sache auf den Grund zu gehen. Er stellt Nachforschungen an und begegnet dabei immer wieder denselben Männern. Als er schließlich das Geheimnis gelüftet hat, sieht er sich mit der Gewaltbereitschaft der Verzweifelten konfrontiert, außerdem muss er sein Gewissen erforschen und eine moralische Entscheidung treffen.

Die Geschichte rund um den geheimnisvollen Selbstmörder und seine seltsamen Bekannten ist kein wirklicher Krimi, spannend ist sie aber dennoch. Leider sind für mich die Beweggründe Maigrets nur sehr selten nachvollziehbar. Warum klaut ein Polizeikommissar einem Menschen, der nichts angestellt hat, den Koffer? Warum verfolgt er ihn? Maigret wurde für mich im Laufe der Geschichte einfach kein greifbarer Mensch. Persönlich bevorzuge ich Krimis im Stile von Agatha Christie und Donna Leon, mit sympathischen, facettenreichen Ermittlern. Vielleicht muss man auch mehr als ein Maigret-Buch gelesen haben, um mit ihm warm zu werden.
Gebundene Ausgabe: 173 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: Revidierte Übersetzung. (April 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257238037
ISBN-13: 978-3257238037

Samstag, 3. Januar 2009

Fahrenheit 451



Autor: Ray Bradbury
Original: Fahrenheit 451 (1953)
meine Bewertung: 4 von 5

Guy Montag hat einen angesehenen Beruf: Er arbeitet bei der Feuerwehr und ist dafür verantwortlich, Bücher zu verbrennen. Bücher gelten als gefährlich für die Volksgesundheit, deshalb müssen sie vernichtet werden. Eines Tages lernt Guy jedoch ein junges Mädchen kennen, das seltsame Fragen stellt, das sich Gedanken um andere macht und nicht nur an sich selbst denkt. Zwar verschwinden das Mädchen und ihre Familie kurz nachdem sie in Guys Viertel gezogen sind, doch Guy wird nachdenklich, sie geht ihm nicht mehr aus dem Kopf. Er zweifelt an der Richtigkeit seines Tuns.

Seine Frau, die sich prinzipiell nur für sich selbst und das Unterhaltungsprogramm auf den TV-Wänden interessiert, deshalb bemerkt sie lange nicht, wie es um ihn steht. Seinen Kollegen und vor allem seinem Chef bleibt Guys Unruhe jedoch nicht verborgen. Guys Chef ahnt, dass Guy zumindest eines der zu verbrennenden Bücher gerettet hat und daheim verbirgt.

Tatsächlich hat Guy schon eine kleine Sammlung angehäuft. Ihm ist zwar Angst und Bange, doch trennen möchte er sich von seinen Schätzen auch nicht. Guy schreckt nicht einmal davor zurück, den Freundinnen seiner Frau das Gedicht „Dover Beach“ vorzulesen, obwohl er weiß, dass er dafür wahrscheinlich denunziert wird.

Er lernt den alten Faber kennen, der eine Idee hat, wie man einiges ändern könnte. Doch als schließlich der Befehl kommt, Guys Haus anzuzünden, sind Faber und Montag gezwungen, zu fliehen. Sie tun dies unabhängig voneinander. Guy trifft während seiner Flucht auf eine Gruppe Gelehrter, die von der Gesellschaft verstoßen leben und sich zur Aufgabe gemacht haben, Bücher auswendig zu lernen, um sie vor dem Vergessen zu retten.

Bradburys Werk ist ein Klassiker unter den Dystopien. Er zeigt, was mit Menschen passiert, die sich der Technik hingeben und einer Diktatur unterworfen sind, die absolut regiert. Das Buch erschien erstmals 1953, der Titel „Fahrenheit 451“ (232°C) bezieht sich auf die Temperatur, bei der angeblich Bücherpapier Feuer fängt und verbrennt. Die Gesellschaft und auch zwischenmenschliche Beziehungen werden als abgestumpft und eintönig dargestellt, umso auffälliger und anders ist das Nachbarmädchen, das lebhaft die Welt betrachtet und auch in Frage stellt.

Das Buch liest sich trotz der bedrückenden Stimmung sehr gut, die Geschichte ist spannend. Leider kam mir der Held in seinen Entscheidungen und Beweggründen nicht besonders real vor, dh. ich konnte nicht immer nachvollziehen, warum er etwas wie gemacht hat und die ganze Sache nicht schlauer angegangen ist. Das Buch gibt jedoch viele Hinweise darauf, dass die Menschen dieser Zeit und dieser Welt nicht daran gewöhnt sind, eigenständig zu denken, was vermutlich auch eine Erklärung für diese Unnachvollziehbarkeit sein könnte. Zusammengefasst ein wichtiges Buch, das man ruhig eine Weile sickern lassen kann. Wieder einmal wird klar: Wehret den Anfängen!

Taschenbuch: 186 Seiten
Verlag: Heyne; Auflage: Überarb. Neuausgabe. (8. September 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453164121
ISBN-13: 978-3453164123