Mittwoch, 21. Januar 2009

Das schaurige Spital



Autor: Lemony Snicket
Original: The Hostile Hospital (2002) - A Series of Unfortunate Events (08)
meine Bewertung: 4 von 5

Die Baudelaire-Waisen sind, nachdem sie in Band 7 aus dem düsteren Dorf geflohen sind, vom Regen in die Traufe gekommen. Sie befinden sich am Ende einer langen Wanderung im Kaufhaus „Zur letzten Gelegenheit“, wo allerlei feilgeboten wird, was man so braucht. Rund um sie ist nichts außer flacher Erde, da kommt es ihnen gar nicht recht, dass gerade eben die aktuellste Ausgabe des „Tagespendanten“ geliefert wird, der sie fälschlicherweise als Mörder-Trio betitelt.

Die Kinder werden vom Ladenbesitzer erkannt, der sie stellen möchte. Sie fliehen, doch da rund um das Kaufhaus weit und breit nichts ist, bleibt ihnen nichts anderes übrig, als in den Bus der F. F. zu springen. Sie denken schon, das Geheimnis um F. F., um das sich scheinbar in ihrem Leben alles dreht, entdeckt zu haben, doch die Abkürzung entpuppt sich als Kürzel für „Freiwillige Freudenspender“. Die haben es sich zur Aufgabe gemacht, im nahe gelegenen Krankenhaus den Kranken Freude zu spenden. Cliniclowns in Patch Adams Manier sozusagen.

Die Kinder reisen mit den Freudenspendern und gehen auch mit ihnen ins Krankenhaus. Dort erfahren sie, dass es im Keller ein umfangreiches Archiv gibt. Die Baudelaires wollen mehr über das Feuer erfahren, das ihre Eltern getötet hat und mehr über F. F., das ständig überall auftaucht. Außerdem wollen sie Graf Olaf entlarven, der ihnen seit dem Tod ihrer Eltern ständig auflauert, um an ihr Vermögen zu kommen. Passenderweise werden drei Gehilfen im Archiv benötigt. Die Kinder melden sich freiwillig zu dieser Aufgabe.

Es dauert allerdings nicht lang, bis die Schergen Graf Olafs auftauchen, auch er persönlich ist nicht mehr weit. Wieder einmal geht es für die Geschwister um Leben und Tod. Doch zum Glück hat die Jüngste, Sunny, ihre scharfen Zähnchen, Violet ihren Erfindergeist und Klaus sein umfangreiches Wissen. Wieder einmal wird es knapp. Außerdem erfahren die Kinder mehr über ihre Eltern…

Dieser Teil der Geschichte lässt ein wenig Hoffnung aufkommen, er ist bisher einer der positiveren Teile der Reihe. Genial sind wieder Sunnys Wortschöpfungen, bzw. das, was man für Wortschöpfungen hält. Macht man sich die Mühe, diese Wörter zu googeln, wird man auf Erstaunliches stoßen. Super auch die Patientenliste im Krankenhaus: Da sind Jonah Mapple, der an Seekrankheit leidet (benannt nach dem biblischen Jonas, der in einem Wal lebt), Charley Anderson, Clarissa Dalloway, Emma Bovary, Michael Bulgakow und Haruki Murakami. Doch dem nicht genug: Mittels Anagrammen und Zeichnungen liefert Snicket eine Unmenge an kulturellen Referenzen aus dem Bereich der Musik, Literatur und Kunst.

In einigen Namen im Buch sind Anagramme für Menschen aus dem unmittelbaren Umfeld von Daniel Handler versteckt, beispielsweise sein eigener Name, der Name des Illustrators, des Direktors von Harper Collins und der Name von Daniel Handlers Frau Lisa Brown.

Mit jedem Teil wächst mein Respekt vor der Reihe, auch wenn ich es immer noch verwirrend finde, dass soviele klar auf der Hand liegende Begriffe umständlich und lang erklärt werden, während andere, beispielsweise „Korruption“ als selbstverständlich genommen werden. In mir keimt der Verdacht, dass die Bücher gerade für ältere Leser einen gewissen Mehrwert bringen.

Gebundene Ausgabe: 225 Seiten
Verlag: Manhattan; Auflage: 1 (17. August 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442545919
ISBN-13: 978-3442545919

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