Mittwoch, 14. Januar 2009

Der Winterschmied



Autor: Terry Pratchett
Original: Wintersmith (2003)
meine Bewertung: 5 von 5

Tiffany Weh ist gerade mal dreizehn, aber schon auf dem besten Weg, eine fabelhafte Hexe zu werden. Ihre Ausbildung absolviert sie, so wie es sich für eine werdende Hexe gehört, weit weg von zu Hause bei anderen Hexen. Sie macht ihre Sache gut, doch dann nimmt ihre Lehrhexe, das uralte Fräulein Verrat, sie mit zu einem geheimnisvollen Ritual, dem Moriskentanz. Es handelt sich um ein Ritual, mit dem der Sommer verabschiedet wird und während dessen er mit dem Winter seinen Platz tauscht.

Fräulein Verrat hat Tiffany zwar extra angewiesen, auf jeden Fall einfach nur still zuzusehen, doch diese kann einfach nicht anders. Als sie die Tänzer ihr Ritual vorführen sieht, beginnt es in ihren Beinen zu jucken und sie stürzt sich auf die Tanzfläche. Sie selbst ahnt nicht, was sie damit anrichtet, doch die Folgen sind verheerend.

Naja, anfangs nicht ganz so verheerend. Während des Tanzes hat sich der Winterschmied, die elementare Urkraft des Winters, in Tiffany verliebt. Er hält sie für Frau Sommer. Als Geschenk schickt er ihr tausende von Schneeflocken, die alle geformt sind wie sie. An den Fenstern erscheint in Eisblumen ihr Name und hinter dem Haus wachsen Eisrosen. Außerdem hat Tiffany nun die Macht, mit ihren Füßen Gras und Samen wachsen zu lassen. Und ausgerechnet jetzt hat Fräulein Verrat auch noch vor zu sterben. Neben ihren Sorgen um den Winterschmied muss sich Tiffany jetzt auch noch um das Ausrichten von Fräulein Verrats Beerdigung kümmern.

Als dies erledigt ist und Fräulein Verrats ehemalige Hütte an ihre Nachfolgerin Annagramma übergeben wird, ist Tiffanys Aufgabe getan. Sie landet schließlich bei Oma Wetterwachs, die sich gemeinsam mit Nanny Ogg weiter um das Problem mit dem verliebten Winterschmied kümmert. Inzwischen versucht der Winterschmied, der eigentlich ja nur eine Naturgewalt ist, menschliche Formen anzunehmen, um Tiffany zu seiner Königin zu machen. Während er noch dabei ist, die Bestandteile zu sammeln, aus denen angeblich der Mensch besteht, hält er das Land eisern in seinem kalten Griff.

Wird Tiffany es schaffen, den ewigen Winter abzuwenden? Welche Rolle spielen dabei die kleinen blauen Männchen mit den roten Haaren und der wütende zukünftige Held Roland? Spannung ist bis zum Ende garantiert, das zwar an sich nicht überraschend ist, aber zufrieden stellt.

Pratchetts Geschichte ist so schräg, wie man das von ihm gewohnt ist, in ebenso hoher sprachlicher Qualität und mit viel Humor gewürzt. Besonders Horace ist eine liebenswürdige Neuerscheinung auf der Scheibenwelt, doch auch alle anderen Charaktere sind in ihrer Charakteristik so dicht und sympathisch, dass man schnell in die Geschichte hineinfindet. Zwar handelt es sich nicht, wie man vielleicht vermuten könnte, um einen actionreichen Feldzug gegen den Winterschmied, sondern eine im Grunde traurige Liebesgeschichte und die vielen kleinen Problemchen, die man als Hexe halt so hat.

Auch für LeserInnen, denen es das Fantasy-Genre nicht unbedingt so angetan hat, werden eine Freude an den Geschichten Terry Pratchetts haben. Zwar muss man sich nicht unbedingt an irgendeine Lesereihenfolge halten, bei diesem Band jedoch wäre es vielleicht dennoch nicht schlecht, vorher „Kleine freie Männer“ und „Ein Hut voller Sterne“, die die „eigentlichen“ Vorgängerromane in der Tiffany-Weh-Serie.
Broschiert: 384 Seiten
Verlag: Goldmann (13. Oktober 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442468396
ISBN-13: 978-3442468393

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