Freitag, 20. Februar 2009

Remember Me?



Autorin: Sophie Kinsella
Original: Remember Me? (2008)
meine Bewertung: 5 von 5

London, 2004. Lexi ist mit ihren Arbeitskolleginnen einen drauf machen gegangen. Sie ist eine maushaarige kleine Angestellte mit schiefen Zähnen und einigen Kilos zuviel auf den Rippen, aber sie hat mit ihren Mädels eine Unmenge an Spaß. Sie trinken, tanzen und singen Karaoke. Ihr Freund Loser Dave hat sie gerade sitzen gelassen, aber das ist nur noch mehr Grund zu trinken.

Am Heimweg regnet es, Lexi rutscht aus und verliert das Bewusstsein. Als sie wieder aufwacht, liegt sie im Krankenhaus, außerdem schreiben wir das Jahr 2007. Lexi ist zugegebenermaßen verwirrt. Die Krankenschwester erklärt ihr, dass sie wohl ihre Erinnerung an die letzten drei Jahre verloren hat. Das erscheint Lexi zwar ein wenig seltsam, muss aber so sein. Schließlich haben sich ihre abgekauten Nägel scheinbar über Nacht in manikürte Models von Händen verwandelt, aus ihrem mausgrauen Haar ist eine kastanienbraune, glänzende Mähne geworden, ihre Zähne sind nicht mehr schief wie Grabsteine, sondern wunderschöne Porzellanbeißer. Auch ihre Figur hat sich verändert: plötzlich trägt Lexi zwei Kleidergrößen kleiner. Ihre Figur ist durchtrainiert und perfekt geworden.

Was ihr die Krankenschwester erzählt hat, muss also wahr sein. Sie kann sich an die letzten drei Jahre nicht erinnern, aber sie müssen irgendwann stattgefunden haben. Denn auch aus ihrer kleinen Schwester ist ein Teenager geworden und ihre Mutter scheint gealtert zu sein. Ihre Mom und Schwester kommen sie besuchen und erzählen ihr die wesentlichen Details: Lexi hat Karriere gemacht, ist reich, lebt in einem Penthouse und hat einen wunderbaren Mann geheiratet.

Dieser wunderbare Mann ist Eric. Er holt sie vom Krankenhaus ab und bringt sie in ein atemberaubendes Loft mit herrlichem Ausblick, einem Sofa, das zehntausend Pfund kostet und computergesteuerter Einrichtung. Er erzählt ihr, die Chefin ihrer früherer Abteilung geworden zu sein, einen Haufen Geld zu verdienen und dass ihre beste Freundin Rosalie sei.

Natürlich verwirrt das das ehemalige Mauerblümchen. Ihre beste Freundin seit Kindheitstagen war doch Fi, ihr Ankleidezimmer ist voll mit figurbetonten, teuren Kleidungsstücken, die so gar nicht zum Stil Lexis passen zu scheinen.

Nach und nach versucht sie, wieder in ihr altes Leben hineinzufinden. Sie lernt ihre angeblichen Freunde kennen und versucht, auch in ihrer Abteilung als Chefin wieder Fuß zu fassen. Doch was ist in diesen drei Jahren nur passiert? Woher kam die wunderbare Veränderung vom Schwein zum Schwan – und ist sie wirklich so wunderbar, wie sie anfangs scheint?

Ihre früheren Freunde wollen nichts mit ihr zu tun haben, ihr Mann ist ein Fremder für sie und dann taucht auch noch ein Typ auf, der behauptet, ihr geheimes Verhältnis zu sein. Doch auch an diesen Mann kann sie sich nicht erinnern, ebensowenig wie an alles andere.

Die Idee ist einfach genial. Es ist witzig, Lexi dabei zu beobachten, wie sie vom Aschenbrödel zu Cinderella wird und sich so gar nicht in ihrem neuen Leben zurecht findet. Sie ist eine durch und durch sympathische Protagonistin, der man nur das Beste wünscht, natürlich bekommt sie das schlussendlich auch. Es ist spannend, weil man ebensowenig wie sie weiß, was passiert ist und wie sich die Sache schließlich in Wohlgefallen auflöst.

Ein wirklich witziges Buch, das einem graue Regentage vertreibt und einfach nur Spaß macht. Die Sprache ist flapsig, Lexi eine Person wie du und ich. Einfach nur toll!
Taschenbuch: 448 Seiten
Verlag: Black Swan (4. Dezember 2008)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0552772763
ISBN-13: 978-0552772761

Sonntag, 15. Februar 2009

Die Farben der Magie



Autor: Terry Pratchett
Original: The Colours of Magic (1983)
meine Bewertung: 4 von 5

Bizarr. Kein anderes Wort als dieses beschreibt die Scheibenwelt wohl besser. In ihrer Zwillingsstadt Ankh Morporg gibt es neben Blutschinken, Zauberern, Trollen, Gnomen und Gnollen ebenso intelligentes Birnbaumholz wie Elfen. Eigentlich könnte man davon ausgehen, dass Ankh Morpork bereits alles gesehen hat, was man sich in seinen kühnsten Träumen ausmalen kann.

Eines Tages jedoch taucht Zweiblum in der Stadt auf. Dies ist insbesondere deshalb bemerkenswert, weil er ein Vertreter einer Rasse ist, die man bis dahin nicht kannte. Er ist Tourist und außerdem Fär-sicher-ungs-berater. Die Ankh Morporker möchten ihren Ruf natürlich wahren, weshalb der Patrizier die Parole ausgibt, auf den Touristen gut acht zu geben. Blöd nur, dass der Tourist eine Truhe aus intelligentem Birnbaumholz mitgebracht hat. Diese Truhe verfolgt ihren Herren Zweiblum auf ihren hunderten kleinen Füßen, ist sehr gefräßig, bissig und außerdem Herberge von schier Unmengen an Gold.

Verständlich, dass sich die Gilde der Diebe und Meuchelmörder nicht lange an die Parole hält und es fast als ihre Pflicht ansieht, den Touristen von seiner Truhe zu befreien. Zweiblum ist ein besonders positiv denkender Mensch und begierig darauf, Abenteuer zu erleben, von denen er zuhause berichten kann. Die wiederholten Anschläge auf sein Leben bekommt er deshalb gar nicht richtig mit. Anders als Rincewind. Der Pechvogel unter den Zauberern begegnet Zweiblum in einer Kneipe. Da er der einzige ist, der sich mit ihm trotz der Sprachbarriere unterhalten kann, wird Zweiblum bald zum Sputnik Rincewinds, der die viele Action, die unzähligen Fluchtversuche und das Bangen um sein Leben so gar nicht positiv sehen kann.

Letztlich passiert etwas, von dem jeder Scheibenwelt-Bewohner in größtem Horror lebt: Rincewind schafft es, über den Rand der Scheibenwelt zu fallen, vorbei an den vier Elefanten, die die Sceibenwelt tragen, die ihrerseits auf der Weltschildkröte Groß A’Tuin ruhen. Doch auch er kann das Geschlecht der Schildkröte nicht wirklich erkennen und so nichteinmal einen wissenschaftlichen Beitrag zur Forschung liefern.

Die Geschichte um Rincewind und Zweiblum ist die erste Pratchetts, die auf der Scheibenwelt spielt. Es handelt sich deshalb um eine ideale Einstiegslektüre, weil man nicht gleich mit einer Riesenlatte an Figuren und deren besondere Eigenschaften konfrontiert wird, sondern langsam eine Art Überblick erhält.

Es ist eine durchwegs komische Erzählung, mit viel Humor und etwas hintergründig. Leider war das Ende für mich ein wenig unbefriedigend, da man mit einigen losen Fäden in der Hand zurück gelassen wird. Dagegen hilft wohl nur, den empfohlenen Nachfolgeband zu lesen: Das Licht der Fantasie. Alles in allem also ein Buch, das Lust auf mehr macht, sympathisch und witzig ist, zwar nicht überragend, aber immerhin.
Taschenbuch: 269 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 7., Aufl. (Juli 2008)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 3492285104
ISBN-13: 978-3492285100

Donnerstag, 12. Februar 2009

Die Therapie



Autor: Sebastian Fitzek
Original: Die Therapie (2006)
meine Bewertung: TOP!!

Viktor Larenz ist ein gefeierter Psychotherapeut mit eigener Praxis, da bricht der pure Horror über ihn herein. Seine kleine Tochter erkrankt an einer mysteriösen Krankheit, die ihr mit Fieberschüben und Infektionen das Leben schwer macht. Ein Arztmarathon beginnt. Doch das ist noch lange nicht das Schlimmste an der Sache. Kurz darauf verschwindet seine Tochter Josy.

Ein Medienrummel bricht los, das ganze Land sucht nach dem entführten Mädchen. Vier Jahre lang gibt es keine Spur von Josy. Larenz Frau flüchtet sich in Arbeit nach New York, er verkauft seine Praxis und verfällt in Depressionen. Nach vier Jahren bekommt Viktor eine Anfrage von einer Zeitschrift. Er soll Fragen für ein E-Mail Interview ausarbeiten. Der ehemalige Psychotherapeut zieht sich auf die deutsche Insel Parkum zurück, weil er meint, dort die nötige Ruhe und den nötigen Abstand zu gewinnen, um über diesen Teil seines Lebens zu sprechen.

Doch kaum ist er auf Parkum angelangt, verirrt sich eine seltsame Frau in sein Leben verirrt. Sie möchte von ihm behandelt werden. Anfangs wehrt sich Larenz dagegen, da er ja seine Praxis aufgegeben hat. Doch dann erzählt ihm die Frau, die sich als Anna Spiegel ausgibt, von ihrer Krankheit. Sie wurde von einem kleinen Mädchen verfolgt, das an einer seltsamen Krankheit litt und ihr zeigte, wer Schuld daran hatte. Schnell erkennt Larenz, dass das Mädchen nur Josy sein kann. Blöd nur, dass es sich dabei um eine Einbildung der schizophrenen Anna Spiegel handelt.

Der befreundete Privatdetektiv der Larenz‘ findet das dunkle Geheimnis der seltsamen Patienten heraus und schafft es gerade noch, Viktor zu warnen, bevor ein Orkan über die Insel hereinbricht und ihn von der Außenwelt abschirmt. Natürlich ist es dabei keineswegs hilfreich, dass auch der Bürgermeister und der Fährmann der Insel Viktor vor der Frau warnen. Sie halten sie für gefährlich.

Beinahe zu spät erkennt Larenz die Wahrheit und ein erbitterter Kampf um die Antwort auf all seine Fragen beginnt. Auf Hilfe kann er dabei nicht hoffen, er muss schon selbst mit seiner Patientin klarkommen.

Sebastian Fitzek hat ein unglaubliches Buch geschaffen, und das schon mit seinem Erstlingswerk. „Die Therapie“ ist verdammt spannend, man kann das Buch einfach nicht beiseite legen. Zu groß ist die Neugier: Was ist mit Josy passiert? Wer hat sie entführt? Und wer ist diese geheimnisvolle Anna Spiegel?

Die Erzählperspektive, die zwischen dem Heute, der Zeit von Josys Verschwinden und der Katastrophe auf der Insel wechselt, tut sein Übrigens zu einer klaren Alltagssprache der Protagonisten. Man schließt Larenz ins Herz, hofft und bangt mit ihm und ist schließlich nur noch erstaunt. Die Auflösung erfolgt klar und schlüssig, ist aber genauso ungewöhnlich wie intelligent.

„Die Therapie“ ist eine absolute Thriller-Empfehlung und obwohl wir erst Februar haben wohl mein Must-Read des Jahres. Die Zeit verfliegt mit diesem Buch nur so, man kann es einfach nicht weglegen, wenn man in der Geschichte drin ist. Und das ist man vom ersten Satz an!
Broschiert: 336 Seiten
Verlag: Knaur; Auflage: 1. Auflage (1. Juni 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426633094
ISBN-13: 978-3426633090

Dienstag, 10. Februar 2009

Polterabend



Autor: Alfred Komarek
Original: Polterabend (2003)
meine Bewertung: 3 von 5

Das Wiesbachtal im Weinviertel, nicht weit entfernt von der tschechischen Grenze. Winter. Einige Tage vor Weihnachten. Gendarmerie-Inspektor Simon Polt halt sich dazu bereit erklärt, dem Wiesbachtaler Winzer Karl Fürnkranz bei der Eiswein-Lese zu helfen. In einer klirrend kalten Vollmondnacht haben sich einige Männer eingefunden. Gearbeitet wird schnell und schweigend, doch als endlich alle Weintrauben gelesen sind, kommt der gesellige Teil.

Die Ernte wird ins Presshaus gebracht, dort wird sie auch gleich in die Presse geschüttet. Anfangs ist der Wein noch grün und ein wenig staubig, so wie er gehört. Doch dann mischt sich eine seltsame rote Farbe in das kleine Rinnsal des Weines. Simon Polt erkennt es sofort als Blut. Natürlich wird der Pressvorgang sofort gestoppt, doch was sich da in den Korb mit den Trauben gemischt hat, ist dennoch längst tot und fast nicht mehr zu erkennen.

Lutzer, zu Lebzeiten ein ortsbekannter Hallodri, ist irgendwie in das verschlossene Presshaus und dann in den Presskorb geraten, dort erfroren und schließlich von der Presse beinahe zerquetscht worden. Simon Polt beginnt sofort mit seinen Ermittlungen. Erschwert werden diese durch den neuen Chef, der sich nach Weihnachten am Gendarmerieposten einfindet und nichts von Polts unorthodoxen Ermittlungsmethoden hält.

Doch Polt ist auf dem richtigen Weg, auch wenn es mittlerweile eine zweite Leiche gibt und Hinweise darauf schließen lassen, dass es sich möglicherweise um ein grenzübergreifendes Verbrechen handeln könnte. Auch Polts Privatleben sieht momentan nicht besonders rosig aus, aber wird er auch das so schnell wieder in Ordnung bringen wie die Irrungen und Wirrungen rund um Lutzers Tod?

Alfred Komarek hat einen sehr ruhigen Krimi über das dörfliche Leben im Waldviertel und die etwas eigenwilligen Bewohner geschrieben. Man schließt Polt auch dann ins Herz, wenn man noch nichts von ihm gelesen hat und ihn erst in diesem Buch kennen lernt, dennoch wäre es wahrscheinlich ratsam, nicht ausgerechnet den letzten Band der Reihe als erstes zu lesen. Ein wenig spannend, viel Lokalkolorit und einiges an sympathischen Protagonisten. Eine nette Lektüre für einen langweiligen Regentag
Taschenbuch: 236 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (September 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257233930
ISBN-13: 978-3257233933

Stand der Dinge

So, vielleicht wissen ja einige, dass dieses Blog hier gerade von einem anderen Anbieter hierher umzieht. Die Beiträge ab Februar sind praktisch in "Originalzeit" erschienen, alle anderen kommen in beliebiger Reihenfolge nach.
Bisher habe ich ca. 100 von rund 390 Rezensionen hierher umgesiedelt. Natürlich braucht diese Siedelei Zeit, aber ich hoffe, so bald wie möglich damit fertig zu werden. Weil ich die alten Kommentare auch mitsiedele kann es sein, dass die Zeit und der Absender der Kommentare nicht übereinstimmen, ich bitte, darüber hinweg zu sehen. Demnächst kommen auch die anderen Tools und Funktionen nach. Ich freue mich also, wenn ihr immer wieder hier vorbei schaut!

Keep on reading
Chil

Sonntag, 8. Februar 2009

Das erstaunliche Ende



Autor: Lemony Snicket
Original: A Series of Unfortunate Events - The End (2006)
meine Bewertung: 3 von 5

Violet, Klaus und Sunny Baudelaire fliehen vom brennenden Hotel Denouement (siehe Band 12) auf einem Boot, das ins offene Meer segelt. Eigentlich könnten sie sich dadurch in Sicherheit fühlen, blöd ist nur, dass sich auf diesem kleinen Schiffchen auch noch der Erzfeind der Weisen befindet: Graf Olaf. Er ist schon seit 12 Bänden hinter dem Vermögen der Baudelaires her, jetzt jedoch scheint er die einzige Rettung der Kinder zu sein.

Das Boot gerät in einen fürchterlichen Sturm, doch die Kinder und Graf Olaf überstehen ihn. Sie werden auf ein Schelf in der Nähe einer einsamen Insel gespült. Es dauert nicht lange, da machen sie bereits Bekanntschaft mit einem der Inselbewohner. Es handelt sich um ein kleines Mädchen namens Freitag. Sie bietet den Baudelaires an, sie mit auf die nahe Insel zu nehmen, während sie Olaf verbietet, mitzukommen, weil er sich unhöflich ihr gegenüber benimmt.

Auf der Insel lernen die Kinder das Oberhaupt der kleinen Kolonie kennen: Es handelt sich um Ishmael, der viel Wert auf Herzlichkeit legt und darauf, dass die Insel von aller Heimtücke auf der Welt ferngehalten wird. Alle Dinge, die von der Außenwelt auf der Insel angespült werden, werden von ihm begutachtet. Ishmael entscheidet, was damit passieren soll. Meistens landen die Dinge im Arboretum am anderen Ende der Insel. Ishmael gibt vor, dadurch die Insel schützen zu wollen.

Auf der Insel geht es dementsprechend friedlich, aber auch langweilig zu. Alle Einwohner sind als Schiffbrüchige an die Insel gespült worden und geblieben. Das ganze Jahr über bauen die Bewohner an einem Outrigger und einmal im Jahr, wenn das Schelf überflutet wird, haben die Bewohner die Möglichkeit, die Insel damit zu verlassen. Die meisten Kolonialisten entscheiden sich gegen diese Möglichkeit. Zwar gibt es auf der Insel nicht besonders viel zu tun, das Essen schmeckt fade und ist immer gleich und auch sonst ist es beschaulich-langweilig, dafür aber auch friedlich.

Schnell erkennen die Baudelaires jedoch die Unzufriedenheit unter der Bevölkerung. Einige lernen anderen heimlich das Lesen oder Jodeln, manche behalten Dinge, die sie am Schelf gefunden haben und schließlich bemerken die Kinder, dass an Ishmael etwas faul sein muss.
Die Kinder sind mittlerweile auch in Sicherheit vor Graf Olaf. Ishmael hat dafür gesorgt, dass er in einem Vogelkäfig eingesperrt am Schelf ausharren muss. Das Oberhaupt der Insel weiß allerdings nicht, welch grausiges Geheimnis Graf Olaf unter seiner Kleidung verborgen hält. Er hat den Taucherhelm mit dem Medusen Myzel (siehe Band 11) mitgebracht. Eine tödliche Waffe, falls er die Möglichkeit hat, sie einzusetzen.

Eines Tages wird auf einem seltsamen Floß, das aus zusammengebundenen Büchern zu bestehen scheint, eine alte Bekannte angeschwemmt: Die hochschwangere Kit Snicket liegt mit einem gebrochenen Knöchel auf den Büchern. Die Kinder bitten die Inselbewohner um Hilfe, doch die haben ganz andere Pläne. Sie wollen eine Meuterei anzetteln. Schnell wird ein Deal ausgehandelt: Die Kinder gehen ins Arboretum am anderen Ende der Insel und besorgen Waffen für eine Meuterei, dafür helfen sie der Schwangeren.

Die Baudelaires gehen also zu dem großen verbotenen Baum am anderen Ende der Insel und entdecken dort viele Antworten auf ihre Fragen und schier Unglaubliches. Doch Ishmael entdeckt sie. Außerdem haben die Kinder in diesem Band erneut gegen das Medusen Myzel zu kämpfen und auch Graf Olaf entflieht aus seinem Vogelkäfig. Welchen Ausgang wird die Reihe betrüblicher Ereignisse schlussendlich nehmen? Man darf gespannt sein bis zum Schluss.

Zwar ist die Geschichte sehr spannend und enthält wieder unendlich viele Referenzen und hintergründigen Humor, allerdings sollte das Buch eher „Der schlechte Schluss“ heißen. Aufgeklärt wird leider gar nichts, ein sehr unbefriedigendes Gefühl bleibt, genauso wie viele offene Fragen. So seltsam die Reihe angefangen hat, so endet sie auch. Die Bände dazwischen steigern sich kontinuierlich an Spannung, nach insgesamt einhundertsiebzig Kapiteln erwartet man allerdings eine Art Lohn für sein Durchhaltevermögen, den man nicht bekommt. Sehr schade.

Neben offensichtlichen Referenzen auf Figuren, die mit Inseln und Meer zu tun haben (Ishmael, Kalypso, Freitag, Robinson), kommen wieder Anspielungen Poeten bzw. Schriftsteller (Tolkien, Shakespeare, Cleary) oder deren Figuren (Caliban, Alonso, Ferdinand, Ariel) und Werke (Referenzen auf die Odyssee wie Schafe, Kokoskordial als Anspielung auf die Lotusesser) en masse vor. Auch die Bibel bleibt in diesem Band nicht außen vor. So liefert Sunny einen Hinweis auf Genesis 3:5 als sie „Gentreefive“ sagt oder die Idee des Apfelbaumes (als Baum der Erkenntnis sozusagen) ein zentrales Thema darstellt.

Über die Reihe betrüblicher Ereignisse könnte man tatsächlich eine Diplomarbeit verfassen, denn die Geschichte der Baudelaires scheint nur vordergründig und unwichtig zu sein. Viel wichtiger, interessanter und lustiger ist es, die versteckten Hinweise und Referenzen entdecken zu wollen. Allein deshalb lohnt sich eine zweite Lektüre wohl. Wie versprochen werde ich mich in meinem nächsten Urlaub wohl der Aufgabe widmen, auf meinem Blog eine kleine Liste der Referenzen zu verfassen.
Gebundene Ausgabe: 320 Seiten
Verlag: Manhattan; Auflage: 1 (13. August 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442545951
ISBN-13: 978-3442545957

Das haarsträubende Hotel



Autor: Lemony Snicket
Original: The Penultimate Peril - A Series of Unfortunate Events (2006)
meine Bewertung: 3 von 5

In Band 12 der Reihe betrüblicher Ereignisse sind die Baudelaire-Waisen gerade der Grimmigen Grotte entflohen. Die hochschwangere Kit Snicket hat sie in einem Taxi gerettet und bringt sie zum Hotel Denouement. Das Hotel soll der letzte sichere Zufluchtsort von F. F. sein, außerdem steht ein wichtiges Treffen an.

Da sich scheinbar alle beiden Parteien des Schismas einfinden werden, ist es die Aufgabe der Baudelaires, die wohlgesinnten Mitglieder von den heimtückischen zu unterscheiden. Zu diesem Zweck verkleiden sich die Kinder als Concierges und beobachten die Situation.

Bald schon treffen sie auf einige Menschen, die sie bereits eindeutig zuordnen können: Esmé Elend, Carmelita Späts und Graf Olaf mit seinen Kumpanen auf der einen Seite und Richterin Strauss und Jerome Elend auf der anderen Seite. Insgesamt tut sich in Band 12 nicht besonders viel, das die Geschichte vorantreibt. Wie immer geraten die Kinder in ernsthafte Gefahr, es gibt einige Verluste zu beklagen und am Ende sind die Kinder erst wieder auf der Flucht. Nach diesem Band auf einem kleinen Boot, an Bord außerdem noch die Person, die man am wenigsten als Kapitän erwarten würde.

Ansonsten kommen in der Geschichte wieder Anspielungen und Referenzen vor, mir scheint allerdings, dass diese weniger offensichtlich sind, als in anderen Bänden. Henri Bergson und „La forza del destino“ sind die auffälligeren. Tatsächlich werden einige Geheimnisse gelüftet, aber immer noch unbefriedigend wenige, so dass die Spannung und die Neugierde auch noch nach diesem Band ungebrochen sind – und das trotz des sprechenden Namens „Denouement“.
Gebundene Ausgabe: 309 Seiten
Verlag: Manhattan; Auflage: 1 (29. Januar 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442545943
ISBN-13: 978-3442545940

Donnerstag, 5. Februar 2009

Die Grimmige Grotte



Autor: Lemony Snicket
Original: The Grim Grotto (2004) - A Series of unfortunate events (11)
meine Bewertung: 4 von 5

Die drei Baudelaire Waisen Klaus, Sunny und Violet sind gerade wieder einmal dem bösen Graf Olaf entflohen, der hinter ihrem Vermögen her ist und nebenher auch noch den Tod der Eltern der Kinder verschuldet hat, da tut sich ein kleiner Hoffnungsschimmer auf. Sie stoßen auf ein U-Boot, in das sie eingeladen werden. Zwar wissen die Kinder nicht so recht, ob sie der forschen Stimme folgen sollen, aber sie geben sich schließlich einen Ruck und steigen in das U-Boot.

Dort lernen die Kinder Kapitän Widdershins und dessen Stieftochter Fiona kennen. Die beiden scheinen auch zu F. F. zu gehören, einer Geheimorganisation, bei der auch die Eltern der Baudelaires Mitglieder waren. Auch der Kapitän und seine Stieftochter sind auf der Suche nach der Zuckerdose, um die sich seit einiger Zeit alles zu drehen scheint. Gemeinsam mit Kapitän Widdershins und Fiona finden die Kinder heraus, wo sich dieses Objekt der Begierde befinden könnte. Jedoch handelt es sich um eine Höhle unter Wasser, die ausgesucht gefährlich ist.

Die Kinder zaudern nicht lang, sondern werfen sich in Taucherklamotten (mit dem aufgestickten Bild Melvilles) und suchen nach der Höhle. Dort angekommen finden sie zwar nicht die Zuckerdose, dafür stoßen sie auf einen hochgiftigen Pilz, der Sunny befällt und ihr nur noch eine Stunde zu leben lässt. Die Kinder kehren schnell in das U-Boot zurück, doch mittlerweile ist Käptn Widdershins verschwunden und kurz darauf wird ihr U-Boot auch noch vom U-Boot Graf Olafs entführt.

Mittlerweile geht es also um Leben und Tod. Denn wenn Sunny nicht innerhalb einer Stunde ein hochwirksames Gegengift verabreicht wird, muss sie sterben. Außerdem haben Graf Olaf und seine schrecklich modebewusste Verlobte Esmé einen grausigen Plan ausgeheckt – wieder einmal. Wie werden die Kinder diesem Debakel bloß wieder entkommen können?

Auch dieser Band strotzt nur so von Referenzen und kleinen Hinweisen auf Literatur, Kunst und Kultur. Das Selbstporträt von Brett Hellquist zeigt ihn beispielsweise als Käptn Ahab (aus „Moby Dick“ von Herman Melville), die Taucheranzüge der Kinder tragen das Porträt des berühmten Autors, Klaus macht sich ständig über die völlige Talentfreiheit Edgar Guests lustig, Thomas Hobson mit seiner „Hobson’s choice“ kommt vor, Sunny verwendet hebräische Wörter und wieder deutet ein Bild im Buch schon auf die Ereignisse im nächsten Band voraus. Da die Hälfte des Spaßes darin besteht, diese Referenzen zu finden und zu entschlüsseln, möchte ich hier nicht näher darauf eingehen. In meinen Blog werde ich nach Abschluss der Serie einen eigenen Menüpunkt für Goofs und Referenzen einrichten und dort näher darauf eingehen. So nehme ich niemandem den Spaß vorweg.

Insgesamt also wieder ein höchst betrübliches Lesevergnügen, man fiebert schon richtig auf den Schluss hin und fragt sich, wie die Kinder aus diesem Schlamassel bloß wieder heil heraus kommen sollen. Empfehlung!
Gebundene Ausgabe: 288 Seiten
Verlag: Manhattan; Auflage: 1 (26. Februar 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 344254596X
ISBN-13: 978-3442545964

Mittwoch, 4. Februar 2009

Der Finstere Fels



Autor: Lemony Snicket
Original: The Slippery Slope - A Series of Unfortunate Events (10)
meine Bewertung: 4 von 5

Nachdem Band 9 der Serie betrüblicher Ereignisse („Der grausige Jahrmarkt“) mit einem Cliffhanger im wahrsten Sinne des Wortes endete, beginnt der zehnte Band dieser Serie genau dort. Die jüngste der drei Baudelaire-Waisen ist immer noch mit Graf Olaf, Esmé Elend und seinen schauderhaften Kumpanen auf den Weg zum Gipfel der Montmain, während sich Klaus und Violet in einem Wohnwagen befinden, der sich in rasantem Tempo dem Abgrund nähert.

Violet überlegt fieberhaft und wieder einmal rettet ihre Erfindergabe und Klaus‘ Wissen ihnen das Leben. Es gelingt ihnen, den Wohnwagen zu stoppen und sich aus ihm zu retten, doch immer noch ist ihre jüngste Schwester in den Fängen von Graf Olaf, dem habgierigen und heimtückischen Menschen, der sich das Vermögen der Baudelaires unter die schmutzigen Nägel reißen möchte. Leider scheint ihr Geschwisterchen in unerreichbarer Ferne zu sein, doch Violet und Klaus zögern nicht lange und machen sich auf den Weg nach oben.

Nach kurzer Zeit treffen sie auf eine Gruppe Schneepfadfinder, die ausgerechnet von Carmelita Späts angeführt werden, jenem kleinen, grausamen Mädchen, das sie bereits in einem früheren Band in der Prufrock Privatschule getroffen haben. Klaus und Violet schaffen es, unerkannt zu bleiben und sich den Schneepfadfindern anzuschließen, die sich ebenfalls auf dem Weg zum Gipfel befinden. Zwar bleiben die beiden Kinder für Carmelita unerkannt, dafür erkennt sie jemand, von dem sie eigentlich gedacht hatten, er sei tot.

Diese Person macht gehörigen Eindruck auf einen Teil der Geschwister und hilft ihnen außerdem, schnell zum ehemaligen Hauptquartier von F. F. zu gelangen. Immer noch haben die Kinder keine Ahnung, wofür die immer wiederkehrenden Initialen stehen. Das Geheimquartier liefert keine wirklichen Hinweise, da die Kinder zu spät gekommen sind. Doch werden sie schnell genug zum Gipfel gelangen, um Sunny zu retten?

Snickets Bücher werden im zunehmenden Fortschreiten der Serie immer spannender und wenn man einmal bemerkt hat, wieviele versteckte Hinweise sich in den Texten und Illustrationen finden lassen, wird die Lektüre auch für etwas ältere Leser, sprich Erwachsene, amüsant und interessant.

In diesem Band ist bereits der englische Titel eine Referenz an das „wahre“ Leben, außerdem findet man Hinweise auf Monty Python, Camus, Kornbluth, Dick Cheney, Mata Hari, Bush und den Film Citizen Cane. Und das sind nur die paar Dinge, die mir aufgefallen sind. Besser allgemeingebildete Leser finden sicher noch mehr interessante Anspielungen.

Auf jeden Fall lohnt sich die Lektüre der Snicket-Bücher für Kinder wie Erwachsene gleichermaßen. Der Spaß daran scheint exponentiell mit dem Grad der Bildung zu steigen, außerdem fiebert man dem letzten Band entgegen, von dem man sich eine umfassende Aufklärung erwartet. Es macht Sinn, nicht zu viel Zeit zwischen den einzelnen Bänden verstreichen zu lassen, da mittlerweile die Geschichte nahtlos von einem Band in den anderen über geht. Absolute Empfehlung, auch wenn man am Beginn der Serie vielleicht noch nicht allzu viel damit anfangen kann. Duchhalten lohnt sich!
Gebundene Ausgabe: 308 Seiten
Verlag: Manhattan; Auflage: 1 (1. Februar 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442545846
ISBN-13: 978-3442545841