Freitag, 13. März 2009

Das Spiel



Autor: Stephen King
Original: Gerald's Game (1992)
meine Bewertung: 4 von 5

Eine Ehe wird mit den Jahren nicht frischer, deshalb hat sich der erfolgreiche Anwalt Gerald Burlingame für sich und seine Frau ein neues Spiel ausgedacht. Er kauft Handschellen und erfreut sich daran, mit seiner Frau zu schlafen, während diese ans Bett gefesselt ist. Seine Frau Jessie findet das Spiel anfangs auch noch interessant und eher amüsant und freut sich, ihren Mann als stählernen Hengst zu erleben, wo es doch unübersehbar ist, dass auch er langsam in die Jahre kommt, sein Bauch sich immer weiter über den Hosenbund wölbt und er dem Alkohol in größerem Maße zuspricht.

An einem sonnigen Wochenende im Oktober beschließen die beiden, ihr Ferienhaus am Kashwakamak Lake aufzusuchen und dort ein wenig Spaß zu haben. Es ist früher Nachmittag, als das Spiel beginnt. Jessie ist nur mit einem Seidenhöschen bekleidet mit zwei Handschellen der Marke Kreig ans Bett gefesselt, Gerald macht sich über sie gebeugt ans Werk. Doch dann passiert etwas, das Jessie dazu bringt, es sich anders zu überlegen. Da sind diese Stimmen in ihrem Kopf, sie fleht Gerald an, das Spiel abzubrechen. Aber der ist erst recht von ihrer Bettelei angeturnt und macht weiter. Jessie hat die Nase voll.

Sie tritt Gerald in seinen dicken Bauch und seine Kronjuwelen, Gerald röchelt und fällt vom Bett. Dort bleibt er tot liegen. Und Jessie ist ans Bett gekettet, weit und breit befindet sich kein einziges Haus, es ist Oktober, die Badesaison längst vorbei. Das Bellen eines Streuners und eine Motorsäge zeigen ihr, dass es da draußen noch Menschen geben muss, doch genauso gut könnten diese sich auf dem Mond befinden, so unglaublich unerreichbar sind diese Reste der Menschheit für sie.

Für Jessie beginnt ein Alptraum. Die Stimmen in ihrem Kopf lassen nicht nach, sie versucht, sich aus den Handschellen zu befreien, die an den Querpfosten des Bettes befestigt sind. Außerdem bekommt sie während ihrer Zeit am Bett Besuch von einem grauenerregenden Monster und dem streunenden Hund, den der Hunger ins Haus gelockt hat. Der verzweifelte Kampf um Leben und Tod bringt in Jessie die schlimmen Erinnerungen ihrer Kindheit am Tag, als die Sonne erlosch, wieder an die Oberfläche ihres Bewusstsein, wo sie doch Sorge dafür getragen hatte, diese Erinnerungen tief zu vergraben. Werden ihr am Ende die Stimmen und ihre Vergangenheit das Leben retten? Und wer oder was ist dieses Monster, das sich in der Ecke neben dem Schreibtisch verborgen hält?

„Das Spiel“ ist ein erstklassiger Psychothriller von King, der gänzlich ohne science fiction Elemente auskommt, auch wenn es anfangs nicht so scheint. In dieser Hinsicht ist er zahm, denn es scheint so, als würde trotz der widrigsten Umstände die Geschichte von Jessie auf ein mehr oder weniger glückliches Ende hinauszulaufen. Zahm auch, weil es schließlich für das Monster eine logische Erklärung gibt, mit der nochmal eine ziemlich gruselige Geschichte verbunden ist.

Andererseits handelt es sich um eine Geschichte, die viele Längen aufweist, einfach weil King detailliert den Überlebenskampf Jessies schildert, die ja nicht viel tun kann, ist sie doch ans Bett gefesselt. Gerade dieses Detailreichtum in der Erzählung führt aber ab der Mitte des Buches dazu, dass man es nur schwer aus der Hand legt und wissen möchte, wie es ausgeht. Außerdem kann es schon sein, dass man sich dabei erwischt, manche Beschreibungen zwar zu lesen, sich diese Beschreibungen aber nicht wirklich vorstellen zu wollen. Als würde sich das Gehirn einfach weigern.

Witzig finde ich als Detail am Rande, dass der streunende Hund „Prinz“ heißt und im Buch die Rede von „einem Hund, der früher als Prinz bekannt war“ die Rede ist. Da denkt man doch an einen Künstler, dessen Name früher einmal Prince war – nicht? „Das Spiel“ ist eine spannende, nicht immer kurzweilige Geschichte, die einem Schauer über den Rücken laufen lässt und doch irgendwie gut ausgeht. Sollte man als King-Fan unbedingt lesen, vielleicht aber nicht als Einstiegslektüre wählen.
Broschiert: 412 Seiten
Verlag: Heyne (1. Juli 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453433971
ISBN-13: 978-3453433977

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