Samstag, 28. März 2009

Der Hahn ist tot



Autorin: Ingrid Noll
Orignal: Der Hahn ist tot (1999)
meine Bewertung: 4 von 5

Rosemarie ist mittlerweile 52 Jahre alt. Sie führt ein sauberes, geordnetes Leben, ist alleinstehend, hatte eigentlich noch nie so richtig einen Freund und ist ordentlich und zuverlässig wie ein Schweizer Uhrwerk. Freunde hat sie eigentlich auch nicht so wirklich. Sicher, da gibt es ihre Arbeitskollegin Frau Römer und deren Hund Dieskau, außerdem eine Freundin aus längst vergangenen Schulzeiten.

Diese Freundin überredet sie dazu, zu einer Lesung auf der Volkshochschule zu gehen. Rosemarie gibt sich einen Schubs und hört sich die Veranstaltung an. Sie verliebt sich sofort in den Vortragenden und kauft sich dessen Buch, auch wenn es sie nicht interessiert. Und ab diesem Moment beginnt eine Serie untypischer Ereignisse im Leben der prüden und soliden Rosemarie Hirte.

Sie findet heraus, wo ihr angebeteter Rainer wohnt. Das Städtchen ist nicht weit von ihrer eigenen Wohnung entfernt, also macht sich Rosemarie auf den Weg. Sie schleicht sich durch den Garten und beobachtet Rainer, wie er am Schreibtisch sitzt, im Wohnzimmer herumgeht oder telefoniert. Nicht nur einmal, sondern regelmäßig. Mittlerweile hat sie sich bei ihrer Freundin Beate auch schlau über Rainer gemacht. Sie weiß von der zerrütteten Ehe mit seiner alkoholabhängigen Frau und den beiden erwachsenen Söhnen. Dennoch ist Rosemarie überrascht, sie und Rainer wild gestikulierend im Wohnzimmer sieht.

Vom Garten aus beobachtet sie, wie Rainers Frau eine Pistole zückt. Dann geht alles sehr schnell. Rainer kommt an die Waffe, schießt auf seine Frau – und plötzlich steht Rosemarie vor ihm. Noch ein Schuss fällt – und noch einer. Damit beginnt ein Leben, das früher für Rosi undenkbar gewesen wäre. Sie tut alles, um an Rainer heranzukommen und geht dafür wahrlich über Leichen.

Das Buch ist aus der Ich-Perspektive erzählt, was sehr reizvoll ist. Man erlebt die Wandlung der grauen Maus zur liebestollen Mörderin sozusagen hautnah mit. Es ist flüssig zu lesen und ohne Schnörkel, dabei irgendwie locker-flockig und mit einer gewissen zynischen Haltung. Sicher nicht weltbewegend und auch das Ende ist eher vorhersehbar, dennoch unterhaltsame Lektüre – super als Einstiegslektüre der Noll-Krimis zu empfehlen.
Taschenbuch: 265 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag (1993)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 325722575X
ISBN-13: 978-3257225754

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