Dienstag, 10. März 2009

Die unendliche Geschichte



Autor: Michael Ende
Original: Die unendliche Geschichte (1987)
meine Bewertung: 3 von 5

Bastian Balthasar Bux ist ein zwölfjähriger Junge mit einer Menge Probleme. Er ist klein und dicklich, seine Mutter ist gestorben und er lebt mit seinem Vater zusammen, der für ihn so eine Art Fremder ist und sich in die Arbeit vergräbt.

Als Bastian eines Tages auf dem Schulweg von einigen Jungs davon läuft, die ihn hänseln wollen, verirrt er sich in ein Antiquariat. Der Antiquar ist unhöflich und beachtet Bastian nach einem kurzen Gespräch nicht weiter. Doch Bastian hat etwas Spannendes entdeckt. Das Buch, in dem der Antiquar gelesen hat, liegt noch da, nachdem der Antiquar nach hinten in den Laden verschwunden ist. Es ist seltsam, aber Bastian wird von dem Buch wie magisch angezogen. Es sieht seltsam aus, die Seiten sind kupferfarben und die Schrift ist auf einigen Seiten grün und auf anderen rot. Außerdem ist eine Art Medaillon auf dem Umschlag abgebildet.

Ehe sichs Bastian versieht, hat er das Buch auch schon eingesteckt und ist aus dem Laden gelaufen. Er weiß, dass er um diese Zeit nicht nach Hause kommen kann, ohne seinen Vater misstrauisch zu machen. Also läuft er in die Schule und versteckt sich dort auf dem Dachboden. Bastian findet einige Kerzen, zündet sie an und macht sich an die Lektüre des Buches.

Es ist unheimlich, denn was Bastian da liest, ist eine wunderschöne, spannende Geschichte und schon bald wünscht sich der Junge nichts sehnlicher, als Teil dieser Geschichte zu werden. Einer Geschichte über einen starken Jungen namens Atreju, der Fantasien und die Kindliche Kaiserin retten soll, in dem er jemanden findet, der der Kindlichen Kaiserin einen neuen Namen geben kann. Bald wird Bastian klar, dass damit nur er gemeint sein kann.

Anfangs wehrt er sich noch, in die Geschichte einzutauchen, doch schon bald wird die Zeit für Fantasien knapp. Also gibt der ängstliche Bastian seinem Herzen einen Ruck und folgt dem Ruf. In Fantasien angekommen, ist er ziemlich erstaunt: Von dem ängstlichen, dicklichen Jungen, der er einmal war, ist nicht viel übrig geblieben. Bastian hat eine Mission und gemeinsam mit Atreju und dem Glücksdrachen Fuchur macht er sich auf, um Fantasien zu retten.

Als ich noch klein war, habe ich nur einmal ca. fünf Minuten des Films gesehen, und das waren genau jene paar Minuten, in denen Atreju mit seinem geliebten Pferd Artax in den Sümpfen herumirrt – eine Szene, die damals zu viel für meine kindliche Seele war. Lange Zeit habe ich mich geweigert, das Buch zu lesen, auch den Film habe ich nie ganz gesehen.

Nun habe ich mich nach ca. 20 Jahren Wartezeit doch endlich daran gemacht. Was übrig bleibt, ist ein gemischter Eindruck. Ich kann die Begeisterung um die „Unendliche Geschichte“, die ich vor allem als eine unendlich langweilige Geschichte empfunden habe, nicht teilen. Natürlich ist sie streckenweise spannend und eine schöne Ode an die Poesie und Literatur. Aber eben nur streckenweise.

Was für mich den eher bleibenden Eindruck hinterlassen hat, ist die Empfindung der Unwirklichkeit. Ja, ist ja auch eine Fantasy-Geschichte, kann man nun einwerfen. Darin liegt für mich aber nicht die Problematik. Ich nehme Ende die Figuren und Namen einfach nicht ab, sie sind irgendwie zu schwerfällig und wirken auf mich so konstruiert. Nichts kommt irgendwie natürlich rüber, was wahrscheinlich auch daran liegt, dass Ende einen Erklärungsbedarf für die Existenz der Figuren sieht und diesen auch im Buch befriedigt. So, als müsste er sich selbst überzeugen. Etwas, das man in „glaubwürdigen“ Fantasy-Geschichten nicht findet (siehe Pratchett oder Tolkien).

Weiters hinterlässt die Erkenntnis „Ah, wenn Bastian dick und käsig ist, hat er keine Freunde und wird gehänselt, aber wenn er in Fantasien plötzlich schlank ist, ist er auch mutig und hat Freunde“ einen bitteren Beigeschmack.

Schön hingegen irgendwie diese Meta-Ebene, die man als Leser einnimmt. Man liest über einen Leser, der über sich liest. Verwirrend, aber irgendwie eine interessante Erfahrung (besonders an der Stelle, an der Auryn beschrieben wird – man klappt tatsächlich genauso wie Bastian das Buch zu und betrachtet die Illustration am Umschlag). Außerdem muss positiv auf die Gestaltung des Buches hingewiesen sein. Die rote und grüne Schrift sowie die Gestaltung der Kapitelanfänge verstärken das Leseerlebnis des Lesens über den Leser.

Insgesamt bleibt für mich ein gemischter Eindruck, das Buch empfand ich als sehr konstruiert und steif, ich kann die Euphorie vieler anderer Leser nicht teilen. Vielleicht auch ein Buch, das später noch einmal gelesen werden sollte. Für Kinder sowie Fans des Films jedoch wahrscheinlich ein tolles Buch.
Gebundene Ausgabe: 475 Seiten
Verlag: Thienemann Verlag (1. Juli 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3522176847
ISBN-13: 978-3522176842

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