Donnerstag, 30. April 2009

Drei



Autor: Stephen King
Original: The Drawing of the Three (1987) - The Dark Tower 2
meine Bewertung: 5 von 5

„Drei“ ist der zweite Band von Stephen Kings legendärer „Der Dunkle Turm“-Saga. Im ersten Band („Schwarz“) jagt die Hauptfigur, Roland, einem ominösen Schwarzen Mann hinterher, er verfolgt ihn quer durch eine Wüste in einem Land, dass dem unseren zwar ähnelt, das sich aber „weitergedreht“ hat. Schließlich holt er den Schwarzen Mann ein. Dieser prophezeit ihm, dass er für seinen Weg Gefährten braucht.

Und genau diese Gefährten holt sich Roland, der letzte Revolvermann, in diesem Band an seine Seite. Das Buch beginnt mit Roland, der an einem Strand gelandet ist. Er folgt seinem Plan, nach Norden zu gehen und hofft, auf diese Weise zum Dunklen Turm zu gelangen oder auf seine Gefährten zu treffen.

Tatsächlich tut sich nach einer Weile und einem ziemlich hässlichen Aufeinandertreffen mit einem Monsterhummer eine Tür vor ihm auf. Roland merkt, dass er durch die Tür in den Körper eines anderen Menschen gelangen kann. Tritt er gänzlich durch die Tür, kann er die Gedanken und den Körper des Menschen, in dem er sich befindet, steuern. Roland ahnt, dass dieser Mensch sein erster Gefährte sein wird.

Es handelt sich um Eddie, einer gescheiterten Existenz im New York der 80er Jahre. Er befindet sich im Flugzeug und hat enorme Angst vor der Landung. An seinem Körper trägt er mehrere Kilogramm Drogen spazieren, die er ins Land schmuggeln möchte. Gerade als es brenzlig wird, übernimmt Roland das Kommando und rettet ihm praktisch den Hintern. Nach einiger Überzeugungsarbeit bringt Roland schließlich Eddie dazu, ihm in seine Welt zu folgen. Eddie hat nichts mehr, was ihn an seine alte Welt bindet – er folgt Roland.

Die beiden wandern gemeinsam am Strand entlang weiter, immer Richtung Norden. Sie hoffen, bald wieder auf eine Tür zu stoßen, denn seit dem kleinen Intermezzo mit dem Monsterhummer breitet sich eine gefährliche Infektion im Körper Rolands aus und er braucht dringend ein Gegenmittel.

Doch besonders erfreulich ist das nicht, was hinter der zweiten Tür am Strand auf die beiden wartet. Roland findet sich in einer Frau wieder, die im Rollstuhl sitzt und eben dabei ist, wertlosen Modeschmuck zu klauen. Wieder übernimmt Roland die Kontrolle, doch Odetta, so der Name der Frau, in deren Kopf und Körper er sich befindet, lässt das nicht so ohne weiteres zu. Sie flucht, beißt und kratzt, doch schließlich kommt auch sie mit auf die andere Seite. Dort angekommen, offenbart sich das Problem. In der Frau leben zwei Persönlichkeiten: Odetta und Detta. Eine lieb und nett und sofort das Objekt Eddies Begierde, die andere ein wahres Biest.

Roland und Eddie fürchten sich vor dem Biest, das schier menschenunmögliche Kräfte entwickeln kann und trotz Rollstuhl zu einer wahren Gefahr für die beiden Männer werden kann. Der Revolvermann selbst wird immer schwächer, Eddie muss sich um O/Detta kümmern und ihren Rollstuhl durch den Sand entlang des Strandes schieben, außerdem kann sich Roland auch nicht mehr wirklich auf den Beinen halten. Er fühlt, dass die letzte Tür seine und O/Dettas Rettung bedeuten kann – oder ihrer beider Verderben.

So wenig es zum Inhalt von „Schwarz“ zu sagen gab, so viel könnte man über „Drei“ schreiben. Eddie kommt aus dem New York 1986, O/Detta aus dem New York der Fünfziger Jahre. Es ist genial zu lesen, wie Roland die Dinge interpretiert, die ihm in den beiden Welten fremd sind, King spart nicht mit Anspielungen auf wahre Begebenheiten, Firmen etc.

Bisher kann man sagen, dass sich vieles in den Romanen um Zeit dreht. Die Zeit scheint in Rolands Welt zwar nicht zu existieren, aber dennoch schafft sie es, die Wunden Rolands und die Gespaltenheit O/Dettas zu heilen und sie spielt eine Rolle, vor allem für die beiden Menschen aus „unserer“ Welt.

Es werden einige Fragen beantwortet, die im ersten Band aufgeworfen wurden, aber ebenso viele Fragen entstehen aufs Neue. Im Gegensatz zu Band 1 hat sich King hier viel Mühe gegeben, die Welt, die sich weitergedreht hat, zu illustrieren und ein wenig zu bevölkern. Es dauert nicht lang und man ist mitten drin.

Was jedoch schon ziemlich interessant ist: Einige Dinge stimmen nicht so ganz. Beispielsweise wird beschrieben, dass Roland nach Norden geht, allerdings geht die Sonne rechts von ihm, über dem Meer, unter. Ist er dann nicht eigentlich Richtung Süden unterwegs?

Eine Reihe wie diese ist natürlich prädestiniert für Bloops, Goofs und Kontinuitätsfehler. Es macht einfach Spaß, diese Fehler zu entdecken und zu sammeln, meiner Meinung nach tut das aber der wunderbaren Welt, die King geschaffen hat, keinen Abbruch in den Neuauflagen sind wahrscheinlich die meisten dieser Fehler sowieso bereits ausgemerzt. „Drei“ ist auf jeden Fall eine Steigerung, die neugierig auf den weiteren Verlauf der Serie macht.
Taschenbuch: 575 Seiten
Verlag: Heyne (4. Juni 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453875575
ISBN-13: 978-3453875579

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