Samstag, 30. Mai 2009

Die Doppelgängerin



Autor: Stefan Wolf
Original: Die Doppelgängerin (1980)
meine Bewertung: 3 von 5

Inge ist eine Mitschülerin der TKKG-Mitglieder Tarzan, Karl, Klößchen und Gaby. Ihre Eltern sind arm, doch Inge ist ein guter Kerl. Ihre Familie ist verarmt, weil der Vater krankheitsbedingt nicht mehr arbeiten gehen kann und sein Bruder ihn um das verdiente Erbteil durch den Vater gebracht hat. Inges Onkel ist seither sehr reich, während ihre Familie nur mühsam das Schulgeld für Inge aufbringen kann.

Eines Tages erfährt Inge von sehr seltenen Briefmarken, die ihrem Onkel einst gestohlen wurden und jetzt wieder aufgetaucht sind. Die Kinder schmieden einen Plan, denn sie kennen das Versteck der Briefmarken. Sie wollen sie suchen und an den Onkel zurück verkaufen.

Doch der Plan geht schief. Scheinbar sind die Briefmarken gefälscht und außerdem wird sie aus Versehen entführt. Die Entführer hatten es auf ihre reiche Freundin abgesehen, die ihr unheimlich ähnlich sieht. Zum Glück zählt sie Tarzan, Karl, Klößchen und Gaby zu ihren Freunden, denn die befreien sie aus ihrer misslichen Lage und verhelfen ihrer Familie noch dazu zu einem kleinen Vermögen.

So, nun ist mal wieder eine Zeit lang Schluss mit den TKKG-Büchern, versprochen. Wie immer wieder in diesem Zusammenhang erwähnt: Chauvinismen und Klischees, die durch Eltern aufgeklärt werden sollten und so nicht besonders viel Schaden anrichten sollten. Und natürlich ist Tarzan der alleinige Held, während die anderen Figuren etwas farblos und unbeteiligt bleiben.

Was mich immer wieder fasziniert, ist die Zeit, in der die Bücher entstanden sind. In den frühen 80er Jahren, zu einer Zeit, als von Playstation und iPod noch keine Rede war. Die Bücher erinnern mich an meine Kindheit, unter anderem auch deshalb, weil es mit die ersten Bücher waren, die ich mit meinem eigenen Bibliotheksausweis ausgeliehen habe. Ich werde auch die restlichen geschätzten 100 Bände zusammentragen, aber jetzt brauch ich mal eine Kinderbuch-Pause.
Broschiert: 182 Seiten
Verlag: Omnibus Tb Bei Bertelsmann (7. November 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570215873
ISBN-13: 978-3570215876

Samstag, 23. Mai 2009

Ufos in Bad Finkenstein



Autor: Stefan Wolf
Original: Ufos in Bad Finkenstein (1980)
meine Bewertung: 2 von 5

Tarzan, Karl, Klößchen und Gaby, die vier Mitglieder der legendären TKKG-Bande, haben sich vor dem örtlichen Kino verabredet. Doch diese kommt nicht, obwohl sie als sehr verlässlich gilt. Tarzan, der Held unter den Kindern, macht sich auf die Suche nach ihr. Es ist bereits dunkel, aber Tarzan kann nichts so schnell erschüttern. Und in einer unheimlichen Ecke des verlassenen Parks wird er schließlich fündig.

Katie wurde von einem Unbekannten mit Chloroform betäubt und ihrer langen Haarpracht beraubt. Das Mädchen ist natürlich am Boden zerstört, doch Tarzan begleitet sie nach Hause. Natürlich wird sofort Gabys Vater, der Kriminalkommissar Emil Glockner, eingeschaltet. Denn schon seit geraumer Zeit treibt sich in der Heimatstadt der Kinder ein mysteriöser Haardieb herum, der Frauen überfällt und dann kahl rasiert.

Natürlich tappt die Polizei im Dunklen, doch dann kommt TKKG: Eine Spur führt sie nach Bad Finkenstein, einem benachbarten Kurort. Auch dort ist nicht alles eitel Sonnenschein, denn seit kurzem werden Ufo-Landungen beobachtet. Seriöse Menschen berichten immer wieder von seltsamen Erscheinungen, mittlerweile ist sogar ein Filmteam vor Ort.

Ehrensache, dass sich TKKG auch darum annimmt und schließlich sowohl die Geschichte um den Haarräuber als auch die Geschichte mit den Ufos aufklärt. Praktischerweise haben die beiden Gaunerbanden auch noch miteinander zu tun.

Solide Unterhaltung für die jüngsten Leser, erfrischend bodenständig und Bücher aus einer Zeit, in der Kinder noch etwas mit sich selbst anzufangen wussten. Als erwachsener Leser wird man sich an den vielen Klischees und Chauvinismen stoßen, die immer wieder auftreten, aber mit ein bisschen elterlicher Intervention bzw. Gespräch über die Bücher nicht besorgniserregend. Schade finde ich aber immer wieder, dass Karl viel zu kurz kommt. Außer, dass er in brenzligen Situationen die Fahrräder hält, hat er keine großen Aufgaben und bleibt sogar gegen Klößchen und Gaby farblos.
Broschiert: 183 Seiten
Verlag: Omnibus Tb Bei Bertelsmann (7. November 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570215857
ISBN-13: 978-3570215852

Freitag, 22. Mai 2009

Gucci, Glamour und große Liebe



Autorin: Carmen Reid
Original: The Personal Shopper (2007)
meine Bewertung: 3 von 5

Annie schuftet hart, seit dem ihr Mann Roddy verunglückt ist. Sie hat zwei halbwüchsige Kinder zu ernähren, von denen die ältere gerade im Teenager Alter ist und verrückt spielt und der jüngere kaum je ein Wort über die Lippen bringt, weil er so schüchtern ist. Außerdem liebt Annie die schönen Dinge des Lebens, nämlich Designer-Kleidung. Und auch die muss irgendwie finanziert werden.

Sie arbeitet deshalb als persönliche Einkaufsberaterin in einem Nobelkaufhaus, betreibt eine Handelsbörse auf eBay und möbelt nebenher auch noch Wohnungen auf, um sie mit einem gehörigen Gewinn weiterzuverkaufen. Und alles, was Annie macht, macht sie gut. Zumindest was die Arbeit betrifft. Sie hat zahlreiche gut betuchte Kundinnen und auch ihre Internetbörse läuft nicht so schlecht.

Doch im Privatleben tut sich einiges, das nicht so ganz nach Plan verläuft. Ihr Sohn möchte Musikunterricht bei dem etwas schmuddeligen neuen Lehrer nehmen, der nebenher ein Auge auf Annie geworfen hat, Lana ist schwerst pubertierend und macht in der Schule so ziemlich alles, was verboten ist. Und außerdem hat sich Annie dazu entschlossen, einen reichen Mann zu ehelichen.

Blöd nur, dass die Kinder Gray – eben diesen reichen Mann – nicht leiden können und er eine sehr große Abneigung gegen Lärm und Unordnung hegt. Die denkbar schlechtesten Voraussetzungen, um zusammen zu ziehen. Dennoch wagt Annie das Experiment. Sie wünscht sich einfach ein sicheres Nest, denn als ihre Chefin herausfindet, dass sie während ihrer regulären Arbeitszeit zusätzlich ihre Handelsbörse betreibt und dort auch noch eine aus dem Nobelkaufhaus gestohlene Handtasche anbietet, feuert sie ihre beste Verkäuferin.

Annie weiß, wer die Tasche gestohlen hat und wie sie in ihre Handelsbörse gekommen ist, aber alles passiert so schnell und rund um sie scheint die Welt zusammen zu brechen. Doch immer wieder ist da eine verlässliche Schulter. Viel zu lange bemerkt Annie nicht, dass genau diese Schulter vielleicht das ist, was sie in ihrem Leben braucht.

Der Roman von Carmen Reid erinnert sehr an ein schlechtes Plagiat der Shopaholic-Reihe von Sophie Kinsella. Allerdings nur auf den ersten Blick. Denn Annie ist nicht wirklich shopping-süchtig, außerdem ist der Ausgangspunkt ein ganz anderer. Im Mittelpunkt steht eigentlich die Frau, die hart arbeitet, um ihre Kinder auf eine gute Schule schicken zu können und die alles tut, um ihr Leben als Familie aufrecht zu erhalten, auch wenn der geliebte Vater nicht mehr Teil der Familie ist.

Die Story liest sich ganz nett, allerdings gibt es weit lustigere Frauenromane. Für mich war die Geschichte sehr – fast zu sehr – voraussehbar, außerdem ist die Geschichte anfangs ein wenig verwirrend, denn erst auf Seite 140 wurde klar, dass Roddy, der Vater, die Familie nicht einfach nur verlassen hat, sondern gestorben ist. Und der obligatorische schwule Freund der Protagonistin darf natürlich auch nicht fehlen.

Ganz nette Unterhaltung mit sehr leichtem Tiefgang, wenn man allerdings genial-witzige Frauenromane bevorzugt, sind beispielsweise die Bücher von Susan Elizabeth Philipps oder Sophie Kinsella die bessere Wahl.
Broschiert: 464 Seiten
Verlag: Droemer/Knaur (1. Dezember 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3426639637
ISBN-13: 978-3426639634

Mittwoch, 20. Mai 2009

Nachts, wenn der Feuerteufel kommt



Autor: Stefan Wolf
Original: Nachts, wenn der Feuerteufel kommt (1980)
meine Bewertung: 3 von 5

Die vier Freunde von der TKKG-Bande, Tarzan, Karl, Klößchen und Gaby, sind von einem Ausflug auf dem Rückweg, brauchen jedoch dringend eine Pause. Sie finden eine Scheune und schmeißen sich ins duftende Heu. Doch lang währt die Ruhe nicht, sie hören jemanden kommen und verstecken sich. Was sie nun beobachten, lässt sie nicht schlecht staunen.

Ein Bauer, wahrscheinlich der Besitzer der Scheune, stellt eine brennende Kerze ins Heu und macht sich eilig aus dem Staub. Die Kinder blasen die Kerze aus, sobald die Luft wieder rein ist und alarmieren natürlich Gabys Vater, den Polizeikommissar Glockner. Dieser berichtet der Bande von einem Feuerteufel, der in letzter Zeit in der Umgebung sein Unwesen treibt. Allerdings scheint der Bauer nur ein Trittbrettfahrer zu sein und der wahre Feuerteufel immer noch auf freiem Fuß.

Ehrensache, dass sich die Freunde der Sache annehmen und auf eigene Faust Ermittlungen anstellen. Sie stoßen schon bald nicht nur auf einen Verdächtigen, sondern gleich auf drei. Ein etwas schrulliger Wünschelrutengänger ist in der Umgebung unterwegs, ein schmieriger Versicherungsvertreter scheint seine Finger im Spiel zu haben und auch ein schon mehrmals sitzengebliebener Mitschüler der Bande hat keine ganz saubere Weste.

Wie immer bei den TKKG-Büchern: Sie strotzen vor Klischees und Chauvinismen, stellenweise von Moral triefend. Aber meist ganz solide Unterhaltung für 8 bis 10 Jährige. Nähere Ausführungen zu den Kritikpunkten siehe auch Rezensionen der anderen Bände. Zur Verteidigung der Tatsache, dass die TKKG-Bände hier jetzt gehäuft auftreten muss ich sagen: Ich bin gerade dabei, die Bücher meiner Kindheit zusammen zu sammeln und auf ein Sonderangebot gestoßen…
Gebundene Ausgabe: 184 Seiten
Verlag: Cbj (28. Juli 2004)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570150119
ISBN-13: 978-3570150115

Sonntag, 17. Mai 2009

Nur über meine Leiche



Autorin: Mary Janice Davidson
Original: Undead and unpopular (2006)
meine Bewertung: 3 von 5

„Nur über meine Leiche“ ist bereits der fünfte Band aus der Serie rund um die Vampirkönigin Betsy, die viel zu früh gestorben – und wieder auferstanden – ist. Eigentlich macht sie sich wie zu Lebzeiten auch nicht besonders viel Gedanken um ein Dasein als Königin, blöd nur, dass sie es tatsächlich ist. Die täglichen Pflichten fallen ihr lästig und sie würde viel lieber shoppen oder mit Freunden herumhängen. Doch ihr Geburtstag steht bevor.

Zwar wird sie dieses Jahr kein bisschen älter, genauso wie die nächsten paar hundert Jahre, aber freuen kann sie sich trotzdem nicht so richtig. Eine Delegation sehr alter Vampire aus Europa reisen an, um der Königin ihre Aufwartung zu machen. Deren Verobter Eric warnt sie mehrmals davor, die diplomatisch delikate Situation zu unterschätzen, also gibt sie sich redlich Mühe. Blöd nur, dass einer der Europäer einer Freundin Leid angetan hat. Betsy wird natürlich stinksauer und würde ihm am liebsten den Kopf von den Schultern reißen.

Doch nichtmal um ihre Rache kann sie sich richtig kümmern, denn George, das Biest aus dem Keller, hat sich nach oben begeben und entwickelt ein erstaunliches Interesse an einer neuen Mitbewohnerin in der riesigen Villa von Jessica, der besten Freundin von Betsy. Die reiche Jess beherbergt neben Betsy, Eric, dem Biest George und dem Arzt Marc auch Tina, Erics persönliche Assistentin sozusagen, einen Geist, den nur Betsy sehen kann und nun auch noch eine neue Mitbewohnerin. Kein Wunder, dass man da schonmal den Überblick verliert.

Als einer der Mitbewohner und somit engeren Freunde Betsys dann auch noch unheilbar krank wird, steht ihre Welt erst recht Kopf. Betsy muss alles daran setzen, ihr Leben wieder auf die Reihe zu kriegen. Doch immer wieder tun sich neue Abgründe auf, schließlich sogar ein Zombie auf dem Dachboden…

Die Betsy-Serie ist sympathisch, hat seit dem ersten Band aber ein wenig an Witz und Spannung verloren. Zwar möchte man immer noch wissen, wie die Sache mit Betsy und Eric ausgeht, ob es jemals zur ersehnten Hochzeit kommt, wie sich die Figuren weiterentwickeln und was noch weiter geschieht, aber den sehr hohen Erwartungen, die der erste Band weckt, wird Band fünf halt nicht mehr gerecht.

Dazu kommt, dass sich im Anhang eine Geschichte („Untot in Not“) findet, die zwar nur periphär mit den Geschehnissen in Betsys Leben zu tun hat, von der aber immerhin empfohlen wird, sie vor der eigentlichen Geschichte zu lesen. Das sollte man tatsächlich tun – aber warum hat man sie dann nicht einfach vor die Hauptstory gestellt? Es ist dennoch ein netter Zeitvertreib, die nächsten Bände werden also auch noch folgen.
Broschiert: 256 Seiten
Verlag: Egmont Lyx; Auflage: 1 (15. September 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3802581776
ISBN-13: 978-3802581779

Donnerstag, 14. Mai 2009

Die Falschmünzer vom Mäuseweg



Autor: Stefan Wolf
Original: Die Falschmünzer vom Mäuseweg (1979)
meine Bewertung: 3 von 5


Die Großstadt, in der die vier Helden der TKKG-Bande, nämlich Tarzan, Karl, Klößchen und Gaby, wohnen, ist nicht mehr sicher. Handtaschenräuber treiben ihr Unwesen, sie reißen wehrlosen Passantinnen Handtaschen von der Schulter, während sie auf einem Motorrad an ihnen vorüber brausen. Meist passieren die Überfälle in den dunklen Abendstunden. Außerdem taucht eine größere Menge Falschgeld auf. Die Polizei ermittelt bereits.

Als ein Mitschüler der jugendlichen TKKG-Bande eine große Menge des Falschgeldes findet, schalten sich die Hobby-Detektive rund um den 13-jährigen Judomeister Peter, genannt Tarzan, ein. Sie begeben sich auf die Fährte der Falschmünzer. Als diese sich mit den Handtaschenräubern zusammen tun und ein großes krummes Ding planen, wird die Sache gefährlich. Werden die Kinder es wieder einmal schaffen, eine Verbrecherbande dingfest zu machen?

Wie schon öfter erwähnt, gibt es einige grundsätzliche Kritikpunkte an den Büchern der Serie, kurz zusammengefasst sind dies: Stereotype Ende nie (die Verbrecher sind meist schon an körperlichen Merkmalen erkennbar, beispielsweise durch ihre Figur, Narben, ein besonders hässliches Gesicht, einer Vorliebe zu Alkohol etc.), eine kleine Portion Chauvinismus (Gaby muss als Mädchen immer daheim bleiben, wenn es brenzlig wird) und ein immer gleiches Handlungsmuster (Tarzan verkloppt die Bösewichte, die anderen halten sich im Hintergrund und begnügen sich damit, den etwas dicklichen Willi zu necken). Außerdem werden Moralvorstellungen ziemlich offensichtlich und überspitzt transportiert.

Bei all den Kritikpunkten haben die Bücher aber auch gemeinsam, dass sie von einer Kindheit und Jugend erzählen, wie sie sich sicher der ein oder andere gewünscht hätte, sie erzählen etwas nostalgisch von einer Zeit ohne Computer, Handy, Playstation und iPod. Es sind solide Geschichten für Kinder unter zehn Jahren, die ihre Freude damit haben werden und vielleicht auch mal lieber in die realen Wälder als die virtuellen Realms ziehen möchten.
Broschiert: 185 Seiten
Verlag: Omnibus Tb Bei Bertelsmann (2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3570215814
ISBN-13: 978-3570215814

Sonntag, 10. Mai 2009

Ladylike



Autorin: Ingrid Noll
Original: Ladylike (2006)
meine Bewertung: 4 von 5

Lore und Anneliese sind zwei besondere Exemplare der Gattung Single. Sie sind beide Witwen und beide jenseits der siebzig. Doch die beiden wollen noch was vom Leben haben, sie zählen sich noch lang nicht zum alten Eisen und in einem Altersheim einen ruhigen Lebensabend zu verbringen, kommt beiden nicht in die Tüte. Also beschließen die Sandkistenfreundinnen, zusammen zu ziehen und eine ungewöhnliche WG zu gründen.

Lore ist eher eine zierliche Person, zurückhaltend und stets geschmackvoll gekleidet und im Alter noch zu einem bescheidenen Vermögen mit dem Verkauf ihres Schmuckgeschäftes gekommen. Anneliese hingegen war immer pummelig und schräg, laut und fröhlich. Und ist es auch im Alter noch. Das Leben in der WG muss sich erst noch einspielen, aber an und für sich sind die beiden recht zufrieden mit ihrem Arrangement.

Das einzige, was die Freude doch ein wenig trübt, ist die Tatsache, dass sich die beiden verlieben. Zwar nicht ineinander, aber dafür in denselben Mann, Ewald. Blöd auch, dass Ewald noch verheiratet ist, zwar mit einer Alkoholikerin, aber immerhin gebunden. Und als dann auch noch der Mann in Schwierigkeiten gerät, der Lore einst ihr Geschäft abgekauft hat, werden die beiden erst recht aktiv.

Sie suchen sich ein nettes Studentenpaar, das die beiden quer durch ganz Deutschland kutschiert, Lore und Anneliese hecken Pläne aus und helfen zusammen, wenn es wirklich wichtig wird. Dennoch gönnt keine der anderen die ungeteilte Aufmerksamkeit von Ewald, und schon gar nicht dessen eigener Ehefrau.

Lore hat ja schon länger den Verdacht, dass Annelieses Ehemann nicht ganz freiwillig von dieser Welt geschieden ist und als sich schließlich auch noch das Problem mit Ewalds Ehefrau löst, ist sie fest von Annelieses Mitschuld überzeugt, allerdings nicht im geringsten überrascht oder gar entsetzt. Doch wer ist diese junge Frau, mit der sich Ewald plötzlich trifft?

Ingrid Noll hat einen amüsanten Roman mit einfach bezaubernden Protagonistinnen geschrieben. Ein wenig erinnern sie ja an Ann Grangers „Southern Sisters“, auch wenn der Humor Nolls um Vieles trockener und subtiler ist. Für einen verregneten Nachmittag eine ideale Lektüre, leicht spannend und trotz des leicht makaberen Touchs sehr positiv. Das pralle Leben in den besten Jahren, sozusagen. Und alles andere als ladylike.
Taschenbuch: 336 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 1 (Juli 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257235968
ISBN-13: 978-3257235968

Dienstag, 5. Mai 2009

200 Rezensionen online!

Liebe Leser und Zufällig-Vorbeischauer,
mittlerweile sind 200 Rezensionen auf diesem Blog online. Für mich ein Grund, eine Runde virtuelles Bier auszugeben!

Danke und schaut wieder vorbei,
Chil

Montag, 4. Mai 2009

Schauma Mal



Autor: Daniel Glattauer
Original: Schauma Mal (2009)
meine Bewertung: 4 von 5

Der Österreicher hat dem Deutschen gegenüber einen wesentlichen Vorteil. Denn da, wo der Deutsche aktiv sieht oder guckt, schaut der Österreicher nur. Er tut dies passiv, so, als müssten sich seine Augen an einer Szenerie oder einem Gegenstand (respektive einer Person) festsaugen, damit die Gedanken dahinter wandern können – so beobachtet Daniel Glattauer nur eine der Eigenheiten, die er als „typisch Österreichisch“ bezeichnet.

In „Schauma Mal“, der Kolumnensammlung seiner in der (natürlich österreichischen) Tageszeitung „Der Standard“ erschienener Artikel, gibt er außerdem seine Gedanken zum Begrüßungs-Bussi-Trend, dem Wetter und allerlei Belanglosigkeiten von Belang (wer hat nun wirklich die Kaffeekanne der Chronik-Redaktion?) und unwichtigen Wichtigkeiten preis.

Er tut dies mit einer großen Begabung fürs Schauen. Glattauer schaut sich die Welt genau an und bringt seine Beobachtungen sehr humorvoll und positiv zu Papier. Die Kolumnen lassen sich schnell lesen und tragen so zur gesteigerten Erträglichkeit einer Bahnfahrt von Amstetten nach Wien bei. Sehr selten gleitet Glattauer in Schlüpfrigkeiten ab, immer jedoch bleibt die Zuneigung zu seinem Heimatland, dessen strenger Kritiker er ist, vorherrschend.

Einen Abzugspunkt vergebe ich dafür, dass das Büchlein nicht übersichtlicher gegliedert ist. Man kommt schnell durcheinander, wenn man unmittelbar auf eine Kolumne über die Umstellung auf die Sommerzeit über Novembernebel und Regenschirme liest – und auch das Entstehungsjahr der jeweiligen Kolumne bleibt im Dunklen. So mancher Seitenhieb wäre wahrscheinlich besser zu verstehen, wenn man die Jahreszahl und –zeit der Veröffentlichung angegeben hätte.

Wahrscheinlich sind die Kolumnen für Leser in anderen Ländern weniger amüsant, weil Anspielungen auf Politiker, Orte und Ereignisse von höchstens regionalem Interesse dem Leser im Ausland eher nicht geläufig sein dürften. Für alle, die sich trotzdem daran wagen: Tja, wir sind nun mal so!
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: Deuticke im Zsolnay Verlag (4. Februar 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3552060944
ISBN-13: 978-3552060944

Sonntag, 3. Mai 2009

Die Bibel nach Biff



Autor: Christopher Moore
Original: The Gospel according to Biff (2002)
meine Bewertung: 5 von 5

Jeder glaubt zu wissen, wer Jesus war und was er so in seinem Leben angestellt hat. Hinreichend sind uns die Taten Jesu ab seinem 30. Lebensjahr bekannt, doch was war davor? Kam Jesus praktisch als erwachsener Sohn Gottes auf die Welt? Aber was ist dann mit der Geschichte rund um Betlehem?

Der Engel Raziel wird damit beauftragt, den ehemals besten Freund von Jesus, nämlich Levi, auch bekannt unter „Biff“, wieder von den Toten aufzuerwecken und ihn ein Buch über die Jahre 0 bis 30 zu verfassen. Anfangs ist Biff ein wenig erstaunt, er wird vom Engel mit der Gabe der Zungen versehen und in einem Hotelzimmer gefangen gehalten. Während der Engel sich eine Soap Opera nach der anderen reinzieht, setzt sich Biff also hin und schreibt alles auf, woran er sich erinnern kann.

Begonnen von den allerjüngsten Jahren Joshs, wie Jesus damals genannt wurde, bis zum letzten Tag auf der Erde. Beschrieben wird eine anstrengende Kindheit im Jerusalem unter römischer Herrschaft, die erste Liebe mit ca. zehn Jahren, das Erlernen des Berufs des Vaters mit zwölf und der Erkenntnis, dass er erst noch lernen müsse, wie man der Messias ist mit ungefähr zwölfeinhalb.

Biff und Josh ziehen aus in ferne Länder. Sie suchen nach den drei Weisen aus dem Morgenland, die Josh damals die Geschenke gebracht haben, um von ihnen zu lernen. Jesus, also Josh, will lernen, wie man der Messias ist. Er beschäftigt sich deshalb mit fremden Religionen und gelehrten Schriften, Biff will einfach nur für Josh dasein. Aus diesem Grund und mangels besserer Alternativen beschäftigt sich Biff deshalb mit der Kampfes- und Liebeskunst.

Viele Jahre vergehen, Josh wird älter und beginnt, einige aufsehenerregende Heilungen zu vollbringen. Die Pharisäer und auch die Römer sehen das gar nicht gern und während die Schar der Jünger Jesu umso größer wird, wächst auch die Zahl seiner Feinde beständig. Wie wir wissen, war gerade am Höhepunkt der Karriere Jesu schließlich Schluss – was auch das Ende der Erzählung von Biff bedeutet.

Das Buch von Christopher Moore ist einfach herrlich. Es ist schräg, macht Spaß und verfügt über eine Vielzahl höchst sympathischer und plastischer Figuren. Neben Biff, der sehr vorlaut ist und alles daran setzt, das Leben seines besten Freundes zu retten, treten die Apostel auf, die Mutter Jesu und eine geniale Maria Magdalena, genannt Maggie, und ebenso unsympathische Römer, Legionäre und andere biblische Bösewichte.

Natürlich ist das Buch alles andere als historisch korrekt, doch Moore hat sich große Mühe mit den Recherchen gegeben. Man fühlt sich wahrlich ins Jerusalem der Jahre 0-30 versetzt, man lernt eine Menge Eigenheiten des jüdischen Glaubens kennen und lebt mit der Geschichte mit.

An einigen Stellen hält sich Moore sehr dicht an die biblischen Vorgaben, an den meisten anderen jedoch hat er seiner Fantasie freien Lauf gelassen. Es ist eine witzige, humorvolle Geschichte, die an sich selbst eben genau diesen Anspruch stellt – und dem wird sie gerecht, ohne jemals respektlos zu werden, denn an genau den richtigen Stellen finden sich genügend leise Töne. Ein Mailight!
Taschenbuch: 572 Seiten
Verlag: Goldmann (1. Dezember 2002)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442541824
ISBN-13: 978-3442541829