Sonntag, 3. Mai 2009

Die Bibel nach Biff



Autor: Christopher Moore
Original: The Gospel according to Biff (2002)
meine Bewertung: 5 von 5

Jeder glaubt zu wissen, wer Jesus war und was er so in seinem Leben angestellt hat. Hinreichend sind uns die Taten Jesu ab seinem 30. Lebensjahr bekannt, doch was war davor? Kam Jesus praktisch als erwachsener Sohn Gottes auf die Welt? Aber was ist dann mit der Geschichte rund um Betlehem?

Der Engel Raziel wird damit beauftragt, den ehemals besten Freund von Jesus, nämlich Levi, auch bekannt unter „Biff“, wieder von den Toten aufzuerwecken und ihn ein Buch über die Jahre 0 bis 30 zu verfassen. Anfangs ist Biff ein wenig erstaunt, er wird vom Engel mit der Gabe der Zungen versehen und in einem Hotelzimmer gefangen gehalten. Während der Engel sich eine Soap Opera nach der anderen reinzieht, setzt sich Biff also hin und schreibt alles auf, woran er sich erinnern kann.

Begonnen von den allerjüngsten Jahren Joshs, wie Jesus damals genannt wurde, bis zum letzten Tag auf der Erde. Beschrieben wird eine anstrengende Kindheit im Jerusalem unter römischer Herrschaft, die erste Liebe mit ca. zehn Jahren, das Erlernen des Berufs des Vaters mit zwölf und der Erkenntnis, dass er erst noch lernen müsse, wie man der Messias ist mit ungefähr zwölfeinhalb.

Biff und Josh ziehen aus in ferne Länder. Sie suchen nach den drei Weisen aus dem Morgenland, die Josh damals die Geschenke gebracht haben, um von ihnen zu lernen. Jesus, also Josh, will lernen, wie man der Messias ist. Er beschäftigt sich deshalb mit fremden Religionen und gelehrten Schriften, Biff will einfach nur für Josh dasein. Aus diesem Grund und mangels besserer Alternativen beschäftigt sich Biff deshalb mit der Kampfes- und Liebeskunst.

Viele Jahre vergehen, Josh wird älter und beginnt, einige aufsehenerregende Heilungen zu vollbringen. Die Pharisäer und auch die Römer sehen das gar nicht gern und während die Schar der Jünger Jesu umso größer wird, wächst auch die Zahl seiner Feinde beständig. Wie wir wissen, war gerade am Höhepunkt der Karriere Jesu schließlich Schluss – was auch das Ende der Erzählung von Biff bedeutet.

Das Buch von Christopher Moore ist einfach herrlich. Es ist schräg, macht Spaß und verfügt über eine Vielzahl höchst sympathischer und plastischer Figuren. Neben Biff, der sehr vorlaut ist und alles daran setzt, das Leben seines besten Freundes zu retten, treten die Apostel auf, die Mutter Jesu und eine geniale Maria Magdalena, genannt Maggie, und ebenso unsympathische Römer, Legionäre und andere biblische Bösewichte.

Natürlich ist das Buch alles andere als historisch korrekt, doch Moore hat sich große Mühe mit den Recherchen gegeben. Man fühlt sich wahrlich ins Jerusalem der Jahre 0-30 versetzt, man lernt eine Menge Eigenheiten des jüdischen Glaubens kennen und lebt mit der Geschichte mit.

An einigen Stellen hält sich Moore sehr dicht an die biblischen Vorgaben, an den meisten anderen jedoch hat er seiner Fantasie freien Lauf gelassen. Es ist eine witzige, humorvolle Geschichte, die an sich selbst eben genau diesen Anspruch stellt – und dem wird sie gerecht, ohne jemals respektlos zu werden, denn an genau den richtigen Stellen finden sich genügend leise Töne. Ein Mailight!
Taschenbuch: 572 Seiten
Verlag: Goldmann (1. Dezember 2002)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442541824
ISBN-13: 978-3442541829

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