Montag, 4. Mai 2009

Schauma Mal



Autor: Daniel Glattauer
Original: Schauma Mal (2009)
meine Bewertung: 4 von 5

Der Österreicher hat dem Deutschen gegenüber einen wesentlichen Vorteil. Denn da, wo der Deutsche aktiv sieht oder guckt, schaut der Österreicher nur. Er tut dies passiv, so, als müssten sich seine Augen an einer Szenerie oder einem Gegenstand (respektive einer Person) festsaugen, damit die Gedanken dahinter wandern können – so beobachtet Daniel Glattauer nur eine der Eigenheiten, die er als „typisch Österreichisch“ bezeichnet.

In „Schauma Mal“, der Kolumnensammlung seiner in der (natürlich österreichischen) Tageszeitung „Der Standard“ erschienener Artikel, gibt er außerdem seine Gedanken zum Begrüßungs-Bussi-Trend, dem Wetter und allerlei Belanglosigkeiten von Belang (wer hat nun wirklich die Kaffeekanne der Chronik-Redaktion?) und unwichtigen Wichtigkeiten preis.

Er tut dies mit einer großen Begabung fürs Schauen. Glattauer schaut sich die Welt genau an und bringt seine Beobachtungen sehr humorvoll und positiv zu Papier. Die Kolumnen lassen sich schnell lesen und tragen so zur gesteigerten Erträglichkeit einer Bahnfahrt von Amstetten nach Wien bei. Sehr selten gleitet Glattauer in Schlüpfrigkeiten ab, immer jedoch bleibt die Zuneigung zu seinem Heimatland, dessen strenger Kritiker er ist, vorherrschend.

Einen Abzugspunkt vergebe ich dafür, dass das Büchlein nicht übersichtlicher gegliedert ist. Man kommt schnell durcheinander, wenn man unmittelbar auf eine Kolumne über die Umstellung auf die Sommerzeit über Novembernebel und Regenschirme liest – und auch das Entstehungsjahr der jeweiligen Kolumne bleibt im Dunklen. So mancher Seitenhieb wäre wahrscheinlich besser zu verstehen, wenn man die Jahreszahl und –zeit der Veröffentlichung angegeben hätte.

Wahrscheinlich sind die Kolumnen für Leser in anderen Ländern weniger amüsant, weil Anspielungen auf Politiker, Orte und Ereignisse von höchstens regionalem Interesse dem Leser im Ausland eher nicht geläufig sein dürften. Für alle, die sich trotzdem daran wagen: Tja, wir sind nun mal so!
Gebundene Ausgabe: 144 Seiten
Verlag: Deuticke im Zsolnay Verlag (4. Februar 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3552060944
ISBN-13: 978-3552060944

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen