Dienstag, 2. Juni 2009

Digital Fortress



Autor: Dan Brown
Original: Digital Fortress (1998)
meine Bewertung: 4 von 5

Die junge und hübsche Kryptographin Susan Fletcher hat es geschafft. Sie ist Mitglied einer Elite-Truppe der National Security Agency, kurz NSA, der geheimsten Geheimorganisation der Vereinigten Staaten. Die NSA macht selten auf sich aufmerksam, rund 40% der Amerikaner wissen nicht einmal, dass es sie gibt. Die Aufgaben der NSA sind vielfältig, beschäftigen sich aber vor allem mit Daten.

Zu ihren Aufgaben zählt es unter anderem, fremde Daten auszuspionieren, Pläne von Terroristen zu durchkreuzen, wenn diese gerade im Entstehen sind und Daten zu sammeln und zu speichern. Natürlich hört es niemand gern, aber Tatsache ist, dass auch Privatpersonen ausspioniert werden. Susan Fletcher ist unter den Kryptographen ein Genie. Ihr umfangreiches Wissen und ihre mathematischen Fähigkeiten erlauben es ihr, Codes aller Art zu brechen. Kein Wunder, dass Commander Strathmore, Chef der Kryptographen, sie in dieser Männerdomäne beschützen will, ist sie doch sein bestes Pferd im Stall.

Unterstützt werden die Code-Entschlüssler von einer gigantischen Maschine, genannt TRANSLTR. Der Mega-Computer schafft es praktisch alle Codes zu brechen, einfach, weil er der mathematischen Regel folgt, nach der jeder Code entschlüsselt werden kann, wenn man nur alle Alternativen schnell genug ausprobiert. Genau das schafft TRANSLTR – zumindest hat die Maschine es bisher immer wieder geschafft.

Doch dann fängt sich TRANSLTR einen Code ein, der scheinbar nicht gebrochen werden kann. Mehr als 20 Stunden arbeitet der Supercomputer daran, ohne jedoch nennenswerte Ergebnisse zu liefern. Strathmore ruft Susan zu sich, die sich gerade für ein Wochenende mit ihrem Verlobten David Becker vorbereitet. Natürlich ist diese nicht gerade glücklich über die Unterbrechung und glaubt auch einfach nicht, dass es soetwas wie einen unentschlüsselbaren Code geben kann. Doch dann muss sie mit eigenen Augen mitansehen, wie TRANSLTR langsam heiß läuft.

Schließlich erfährt sie einige der Hintergründe des Codes. Die Firewall der NSA hatte ihn zunächst als Virus abgewiesen, doch Strathmore hat ihn manuell in TRANSLTR eingeschleust. Strahtmore ist fest davon überzeugt, dass es sich um den legendären Code von Ensei Tankado handelt. Dieser hatte vorausgesagt, einen Algorithmus zu entwickeln, der nicht entschlüsselt werden kann, es sei denn, man hat einen Pass-Key. Für die NSA wäre es schrecklich, wenn die Welt an einen Algorithmus käme, mit der alle Nachrichten praktisch für niemanden als den Empfänger verschlüsselt übermittelt werden können. Es würde das Ende der NSA bedeuten.

Auch Susan ist klar, was der Code für die Menschheit bedeutet, doch als sie erfährt, dass ihr Verlobter David, ein Zivilist, mit der heiklen Aufgabe nach Spanien geschickt wurde, den Schlüssel von Ensei Tankado zu beschaffen. Er schwebt in Lebensgefahr, doch zum Glück weiß Susan vorerst noch nichts davon.

Als innerhalb des Crypto-Domes, der Zentrale der Kryptographen, höchst gefährliche Dinge vor sich gehen und sogar zwei Menschen ums Leben kommen, muss auch Susan um ihr eigenes Leben bangen. Außerdem weiß sie bald nicht mehr, wem sie trauen kann und nach und nach erfährt sie die Wahrheit hinter den zahlreichen Lügen, die einst ihr Leben waren.

Dan Brown ist einfach ein Garant für spannende Thriller, das muss man ihm lassen. Jedes Kapitel endet mit einem Cliffhanger, drei bis vier verschiedene Handlungsstränge wechseln sich ab, so dass die Spannung konstant aufrecht erhalten bleibt. Was man bei allen Dan Brown Büchern auf keinen Fall vergessen sollte, ist, dass es sich schlicht um gute, alte Fiction handelt.

Natürlich kann man auf Spurensuche gehen, geographische Ungereimtheiten aufdecken, anführen, wie die Geschichte des Computers wirklich abgelaufen ist und welche Ungereimtheiten dem mathematisch hochbegabten aber sicher nicht durchschnittlichem Leser auffallen könnten. Aber: Wo bleibt dann der Spaß? Es sind nunmal keine Sachbücher.

Was aber auch dem durchschnittlichen Leser auffallen wird: Man hat schon von Anfang an einen Verdacht, wer in Wahrheit der Bösewicht ist und selbst, als alle superintelligenten Hirne der NSA noch rätseln, was der Pass-Key sein könnte, weiß man als Leser schon längst, was der Tipp Tankados bedeutet – es ist einfach zu offensichtlich.

Kurz und knapp: Ein spannender Thriller, wenn man über Kleinigkeiten hinwegsieht und keine Flöhe sucht. Auch wenn einem klar ist, wie der Hase läuft, bleibt die Spannung erhalten. Und als nettes kleines Gadget hat Brown (zumindest in die englische Originalausgabe, die ich gelesen habe), einen Code eingebaut, den man als Leser knacken kann.
Taschenbuch: 512 Seiten
Verlag: Random House UK (5. Juli 2004)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0552151696
ISBN-13: 978-0552151696

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