Mittwoch, 8. Juli 2009

Die Chemie des Todes



Autor: Simon Beckett
Original: The Chemistry of Death (2006)
meine Bewertung: 4 von 5

David Hunter, der in seinen Kreisen sehr bekannte Rechtsmediziner, flieht nach seiner persönlichen Familientragödie in das kleine englische Dörfchen Manham. Er hat gerade seine Frau und seine Tochter bei einem Autounfall verloren, seiner täglichen Arbeit als Rechtsmediziner möchte er nicht mehr in seinem früheren Job, also mit Leichen, arbeiten. In Manham sucht der praktische Arzt der Gegend einen Nachfolger. Er ist schon etwas älter und außerdem an den Rollstuhl gefesselt.

Schnell merkt David, dass man als Fremder in einem kleinen Dorf immer der Außenseiter bleiben wird, egal wie lang man schon dort lebt. Er freundet sich mit der Lehrerin Jenny an, die ebenfalls ein persönliches Trauma überwinden will und deshalb in das ruhige und abgeschiedene Dorf gekommen ist.

Doch die dörfliche Idylle wird jäh gestört, als zwei Jungs beim Spielen im Wald eine seltsame Entdeckung machen. Ein Strom von Maden kriecht ihnen aus dem sumpfigen Wald entgegen. Neugierig und ahnungslos wie nur Kinder sein können, folgen sie dem Madenstrom bis zu seiner Quelle. Sie machen eine grausige Entdeckung: Eine halb verweste Leiche, in deren Rücken Vogelflügel stecken, wurde im Moor deponiert.

Die Jungs werden von Dr. Hunter nach ihrem Schock behandelt, weshalb er als einer der ersten von der Leiche erfährt. Er hat seine Vergangenheit streng geheim gehalten, niemand soll wissen, dass früher tote Körper ein täglicher Bestandteil seines Lebens waren. Nicht einmal sein Arztkollege Henry ist darüber aufgeklärt. Doch schon bald kommt die Polizei dahinter, welche Koryphäe sich mitten unter ihnen befindet.

Hunter wird gebeten, der Polizei zu helfen. Zwar möchte er das nicht, lässt sich aber nach und nach dazu überreden und weiter hineinziehen. Er untersucht die Leichen, liefert der Polizei wichtige Hinweise und ahnt nicht, dass er einen Wettlauf gegen die Zeit gewinnen muss. Denn der Killer hat sich schon seine nächsten Opfer ausgesucht. Unter ihnen auch Jenny, in die sich David gerade verliebt hat…

Simon Beckett hat einen wirklich spannenden Thriller geschaffen, der neben interessanten Details aus der Rechtsmedizin auch durch die genaue Beobachtung des dörflichen Lebens enorm gewinnt. Er beschreibt, wie irrational Menschen handeln, die sich mit der Tatsache konfrontiert sehen, dass einer von ihnen ein Mörder ist. Ein Mensch, den man vielleicht schon seit seiner Geburt kennt oder mit dem man sogar verwandt ist. Das gegenseitige Misstrauen führt zu Anschuldigungen und einem Eklat, in den auch David Hunter verwickelt wird.

Kennt man noch kein anderes der David-Hunter-Bücher, so bringt dieses erste der Reihe sicherlich viele Stunden guter Unterhaltung und wartet gerade gegen Ende hin mit einem interessanten Twist auf. Aber gerade wenn man im Thriller-Genre sehr bewandert ist, oder schon einen anderen Thriller von Beckett kennt, wird man keine Schwierigkeiten haben, den Killer schon relativ früh zu entlarven.

Beckett folgt in seinen Büchern einem ziemlich fixen Schema, das sogar so weit geht, dass in den beiden Büchern „Die Chemie des Todes“ und „Kalte Asche“ Hunde vorkommen, die jeweils Bess heißen, Frauen namens Janice spielen eine Rolle, ungeborene Kinder spielen eine noch viel größere Rolle und auch die Locked-In Konstellation der Figuren ist klassisch. Aber was solls, manchmal ist einem einfach danach. Und dann kann man ruhigen Gewissens nach einem Beckett-Hunter-Buch greifen.
Taschenbuch: 432 Seiten
Verlag: Rowohlt; Auflage: 9. Auflage (1. August 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499241978
ISBN-13: 978-3499241970

1 Kommentar:

  1. Ich bin eher weniger für Krimi/ Thriller zu haben, aber das Buch habe ich mir vor kurzem ausgeliehen. Leider schaffe ich immer nur paar Seiten, weil es mir dann zu viel wird. Bin wohl zu sensibel dafür *gg*
    Nein, Quatsch, ich sehe schon jetzt (bin noch am Anfang) was das Buch zu einem tollen Werk macht.

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