Donnerstag, 30. Juli 2009

Marsha Mellow und ich



Autorin: Maria Beaumont
Original: Marsha Mellow and me (2005)
meine Bewertung: 4 von 5


Amy Bickerstaff ist ein durchschnittliches Londoner Mädel. Sie sieht recht nett aus, ohne aufzufallen, arbeitet in der Redaktion eines Gratis Stellenanzeigers und wohnt in einer netten kleinen Wohnung. Doch Amy hat ein riesiges Geheimnis. Sie ist momentan die wohl am meisten gesuchte Frau in ganz Großbritannien. Naja, eigentlich nicht sie selbst, sondern Marsha Mellow, das Pseudonym, unter dem sie einen Bestseller geschrieben hat.

Blöd nur, dass der Bestseller ein Glanzstück pornografischer Literatur ist und sie sich unmöglich vor ihren Eltern outen kann. Die einzigen Menschen, die sie eingeweiht hat, sind ihre Schwester und ihre Agentin Mary. Die Daily Mail setzt sogar ein millionenhoches Kopfgeld auf sie aus, denn in einer Schule waren Jugendliche bei einer Orgie in den Umkleidekabinen erwischt worden – als Gebrauchsanleitung verwendeten sie Amys, also Marsha Mellows Buch. Der Skandal ist perfekt. Amy kann unmöglich zu ihrem Werk stehen, ihre Eltern würden sie umbringen.

Amy macht sich Sorgen um ihr Leben, gleichzeitig wird sie aber auch noch von ihrer Mutter arg ins Gebet genommen. Das Verhältnis zwischen der kreuzbraven und religiösen Mutter und den beiden doch eher liberalen Töchtern ist sowieso nicht gerade das beste, aber jetzt soll Amy auch noch als Seelentrösterin herhalten, weil ihre Mutter den Verdacht hat, dass ihr Mann sie betrügt.

Außerdem sind da noch Amys Exlover Jake und ihr Chef Lewis, der ziemlich nett ist und sich ziemlich auffällig um sie bemüht. Doch Amy kann sich jetzt nicht auch noch mit Liebesdingen beschäftigen, sie ist schon ausgefüllt genug damit, die wahre Identität von Marsha Mellow geheim zu halten. Ganz London scheint sich auf die Suche gemacht zu haben und immer mehr Details werden bekannt.

Verzweifelt, weil sie keinen Ausweg mehr sieht, macht sich Amy auf den Weg nach New York. Sie kommt dort bei ihrem besten und natürlich schwulen Freund aus Kindertagen unter. Doch auch der steckt bis zum Hals in den Irrungen und Wirrungen, die das Leben als Besitzer des „Priesterseminars“, dem hippsten Schwulenclub in New York, mit sich bringt. Amy erkennt, dass Flucht nichts mehr bringt, also macht sie sich zurück auf den Weg nach London.

Dort hat die Hetzjagd auf Marsha nicht aufgehört. Es ist sicher, dass die Presse ein Gesicht braucht, zumal der Verleger Amy einen Vorschuss auf die nächsten drei Marsha Mellow Bücher geboten hat, der über 700.000 Pfund beträgt. Es kommt zum Showdown in Amys Elternhaus. Anwesend sind ihre Mutter, die gerade eben eine Nacht im Gefängnis verbracht hat, ihr Vater, dem ein Verhältnis angedichtet wird, ihre Schwester, die gerade einen Heiratsantrag ausgeschlagen hat, Anthony, der Schwule, der von Amys Mutter für einen Priester gehalten wird und eben Amy.

Klingt kompliziert, ist in Wirklichkeit aber eine witzige Geschichte, die zwar einen kleinen Schuss Romanze mit sich bringt und eine Menge Anspielungen, aber keine typische Tussi-trifft-Typen Geschichte. Der Haupthandlungsstrang dreht sich um Amy, die verzweifelt versucht, ihr Doppelleben zu bewahren, obwohl auch alles andere rund um sie in die Brüche geht. Es macht Spaß, die schräge Familie Bickerstaff kennen zu lernen. Sie haben zwar alle einen Knall, sind aber dennoch irgendwie liebenswürdig.

Die Heldin ist eine im Endeffekt starke Frau, die vieles schafft – außer, sich ihrem ärgsten Kritiker zu stellen: ihrer Mutter. Schade nur, dass in fast allen dieser „Chick-Lit“ Büchern die Protagonistin einen schwulen Freund hat. Ich mein, es ist ja legitim, verkommt aber schon zu einem Klischee, genauso wie bellende Hunde in unheimlichen Nächten von Thrillern und langhaarige, muskulöse Helden in Nackenbeißern. Super, dass man mehr von Homosexuellen liest, weniger gut allerdings, wenn sie zu einem Accessoire degradiert und wieder nur so dargestellt werden, wie mans schon viel zu oft in mittelmäßigen Comedyshows gesehen hat.
Taschenbuch: 379 Seiten
Verlag: Lübbe; Auflage: 2., Aufl. (4. Januar 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404153529
ISBN-13: 978-3404153527

Kommentare:

  1. Ich habe das Buch auch gelesen und es gefiel mir sehr gut. Was den schwulen Freund angeht, so muss ich Dir recht geben. Das wird mir mittlerweile auch zu viel.
    Aber in diesem Buch gehts irgendwie und es ist mal keine dieser "Ober-Tussis", ich fand sie sogar sympathisch.
    Da Cover ist örks, aber davon sollte man sich ja eh nie leiten lassen :)

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  2. hallo chil,
    jaa ich lebe noch*g* während des semesters kam ich gar nicht dazu zu bloggen und zu lesen, da ich schludrig nachts gelernt habe*g*
    freut mich, dass dir das buch gefallen hat, für mich war das ein ganz nettes chick-lit buch.

    lg
    booki

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