Samstag, 18. Juli 2009

Polt muss weinen



Autor: Alfred Komarek
Original: Polt muß weinen (1998)
meine Bewertung: 3 von 5


Es ist Herbst geworden, in Brunndorf, dem kleinen Dörfchen im Norden des niederösterreichischen Weinviertels, knapp vor der Tschechischen Grenze. In den Weinbergen ringsum wird der junge Wein in die Fässer abgefüllt und in die Keller zum Vergären gebracht. Das Leben ist nicht besonders einfach, es muss viel gearbeitet werden und keiner hat besonders viel. Natürlich ist da niemand auf den Wiener Großkotz Albert Hahn neugierig. Dass niemand besonders traurig ist, als dessen Leiche in seinem eigenen Weinkeller gefunden wird, ist klar.

Simon Polt, seines Zeichens Gendarmerie-Inspektor und in Brunndorf heimisch, mochte ihn auch nicht besonders. Gerade deshalb lässt ihm der seltsame Unfall des Zugreisten nicht in Ruhe. Gärgas steht als Unfallursache im Totenschein, doch kann man dieses natürliche Nebenprodukt des Weingärungsprozesses nicht auch absichtlich in einen Weinkeller leiten? Polt gibt keine Ruhe und stellt Nachforschungen an.

Schnell wird er sich wieder bewusst, welch besondere Rolle er in der dörflichen Gemeinschaft spielt. Einerseits ist er zwar mit vielen Bewohnern befreundet und hat ein halbwegs gutes Ansehen, doch immer wenn in Brunndorf oder der Umgebung etwas passiert, rücken die Dörfler enger zusammen, auch wenn sie sich sonst nicht ausstehen können, so dass Polt automatisch eine Außenseiterrolle einnimmt. Sein Leben macht das natürlich keinesfalls leichter, doch wie immer siegt Polts Gerechtigkeitssinn. Und da ist ja auch noch Karin Walter, die Lehrerin, die ihm besonders gut gefällt und ihm das Leben etwas versüßt.

Dieser Polt-Krimi spielt im Herbst, Komarek hat es wieder einmal geschafft, nicht nur die Dorfbewohner farbig zu illustrieren, sondern auch die herbstliche Stimmung in den nebelverhangenen Weinbergen perfekt wiederzugeben. Man fröstelt beim Lesen, schmeckt quasi den jungen Wein (bei uns in Niederösterreich auch „Sturm“ genannt) und begleitet Polt durch sein nachdenklich-melancholisches Leben in Brunndorf.

Der Fall selbst ist weder aufregend noch besonders ungewöhnlich, dafür lohnt sich die Lektüre für alle, die ein wenig weinviertlerisches Lokalkolorit erleben möchten, egal, ob sie aus der Gegend kommen, weit weg davon leben oder sie einfach mal besuchen möchte. Zwar ist Brunndorf ein fiktives Dörfchen, das Leben, die Leute und die Atmosphäre dafür umso echter.
Taschenbuch: 183 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 12., Aufl. (März 2000)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257231296
ISBN-13: 978-3257231298

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