Dienstag, 6. Oktober 2009

Die Heiratsschwindlerin



Autorin: Madeleine Wickham
Original: The Wedding Girl (1999)
meine Bewertung: 4 von 5

In Millys leben läuft gerade alles perfekt. Sie ist drauf und dran, Simon, den Sohn eines bekannten Millionärs, zu heiraten, die Hochzeitsvorbereitungen laufen, ihr Mann liebt sie und die Welt ist mit rosa Girlanden und Geschenken gepflastert. Doch da kommt der Hochzeitsfotograf, um Aufnahmen von Milly in ihrem Brautkleid zu machen. Milly weiß, dass sie diesen Typen schon einmal gesehen hat. Und auch der Fotograf hat den Verdacht, Milly zu kennen.

Die Erkenntnis trifft Milly wie ein Blitzschlag. Vor zehn Jahren hat sie einem schwulen Pärchen, Freunden von ihr, einen Gefallen getan: Sie hat einen der beiden geheiratet, um ihm so eine Aufenthaltsgenehmigung zu verschaffen. Sie hat danach nie wieder etwas von den beiden gehört und angenommen, es würde schon niemandem auffallen, dass sie von Gesetzes wegen schon einmal verheiratet war. Beziehungsweise noch ist, denn eine Scheidung hat nie stattgefunden.

Noch während der Fotosession fällt auch dem Fotografen wieder ein, wo er Milly schon einmal gesehen hat: Bei ihrer standesamtlichen Hochzeit, wo Fotos gemacht wurden und auch er, damals noch ein Teenager, zu den Schaulustigen gehörte. Der Fotograf zieht Milly ein wenig mit dieser Tatsache auf, Milly wird immer verzweifelter. Schließlich lässt sich der Fotograf nicht davon überzeugen, sie zu verwechseln, außerdem weiß niemand von Millys erster Hochzeit.

Natürlich kann sie Simon nicht beichten, was damals vorgefallen war, schließlich würde damit die sehr teure Hochzeit ins Wasser fallen und ihre Familie todunglücklich. Der einzige Inhalt im Leben ihrer Mutter ist momentan die Vorbereitung auf dieses gesellschaftliche Großevent. Immer mehr unter Druck gesetzt, weiß Milly schließlich nicht mehr, wohin. Sie zieht ihre Schwester ins Vertrauen, die ihrerseits ein Geheimnis hat und wendet sich hilfesuchend an ihre Patentante, nicht wissend, dass auch die mit falschen Karten spielt...

„Die Heiratsschwindlerin“ ist ein amüsantes Buch, dessen Plot mal wieder auf einem Klischee beruht: Im entscheidenden Moment sagt die Heldin nicht die Wahrheit oder ihr fällt einfach keine Notlüge ein, daraufhin beginnt sich die Sache zu verwickeln und lustig zu werden. Anfangs fragt man sich zwar noch, wie man so blond und blauäugig sein kann, eine Hochzeit zu verschweigen beziehungsweise dann auch noch eine Scheidung zu verschwitzen, doch schnell vergisst man diesen Hintergrund und findet die Figuren sympathisch.

Zwar hofft man als Leserin bis zum Ende hin, dass das Buch doch anders ausgeht – schließlich erfährt man viel über das Wesen Millys und das Wesen Simons – doch im Endeffekt ist das Happy End natürlich vorprogrammiert. Kurzweilige Unterhaltung, die oberflächlich dahinsaust, ein bisschen Spannung und ein Happy-End: Typische ChickLit, aber wers mag, sollte Wickham unbedingt eine Chance geben. Ihre Bücher, die unter dem Pseudonym „Sophie Kinsella“ erschienen, sind jedoch witziger und verfügen über smartere und tiefgründigere Charaktere.
Taschenbuch
Verlag: Goldmann (2000)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442441498
ISBN-13: 978-3442441495

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