Samstag, 31. Oktober 2009

Lipstick Jungle



Autorin: Candace Bushnell
Original: Lipstick Jungle (2005)
meine Bewertung: 4 von 5

New York: Schmelztigel von Kulturen, Hochburg der Eitelkeiten, aber auch Mekka der drei besten Freundinnen Nico Reilly, Victory Ford und Wendy Healy. So unterschiedlich die drei Frauen jenseits der 40 auch sind, eins haben doch gemeinsam: alle drei sind erfolgreiche Geschäftsfrauen mit einem Jahreseinkommen in Millionenhöhe. Doch gerade an der Spitze der High Society wird die Luft manchmal sehr dünn und Freundschaften besonders stark auf die Probe gestellt.

Nico ist verheiratet und hat eine Tochter. Während ihr Mann sich darin übt, ihr zu sagen, wie sie sich zu benehmen hat und welche Partys zu besuchen sind, ist sie die Herausgeberin des renommierten Hochglanzmagazines „Bonfire“. Es reicht ihr jedoch längst nicht, die Chefin nur einer Zeitschrift zu sein. Sie möchte an die Spitze der Verlagssparte des Medienkonzerns Splatch-Verner. Doch dieser Platz ist heiß umkämpft.

Ebenfalls bei Splatch-Verner tätig ist Wendy. Sie widmet sich ihrem Job als Filmproduzentin mit der größten Hingabe. Eine Menge Blockbuster und Auszeichnungen gingen bereits auf ihr Konto, fehlt nur noch der Oscar – und auch an dem wird fleißig gearbeitet. Ihr Mann ist für die Kindererziehung und –versorgung verantwortlich, was dieser wirklich mit Bravour meistert.

Victory Ford, der Freigeist unter den Busenfreundinnen, ist Modedesignerin. Sie hat sich gerade frisch verliebt, unpassenderweise in den exzentrischen Multimillionär Lyn Bennet. Ihre Marke trudelt ein wenig, fängt sich aber schnell wieder. Sie steht kurz davor, ihre Marke an ein namhaftes französisches Modehaus zu verkaufen und damit selbst zur mehrfachen Millionärin zu werden.

Betrachtet man das Leben der drei Business-Ladys so oberflächlich wie das ganze New York letztlich ist, scheint alles perfekt zu sein. In Wahrheit jedoch brodelt es im Privatleben der Freundinnen massiv. Wendy wird von ihrem Mann verlassen, der sich praktischerweise auch noch am gemeinsamen Konto, in das sowieso nur sie eingezahlt hatte, bedient. Die Kinder nimmt sie ihm weg, doch diese wollen nicht wirklich bei ihrer Mutter bleiben, schließlich ist sie wie eine Fremde.

Nico schläft schon mehrere Jahre nicht mehr mit ihrem Mann. Er hat einfach keine Lust darauf, etwas zu tun, was er nicht wirklich will. Also wird einfach darauf verzichtet. Dann lernt Nico allerdings das unglaublich fantastische und vor allem sehr junge Männermodel Kirby Atwood kennen. Schnell entwickelt sich eine knisternde Romanze, die ihr fast ihren Job und Kopf kostet.

Victory hingegen betrinkt sich in Frankreich anlässlich der Filmfestspiele so sehr, dass sie fast ohne Gedächtnis an den vorigen Abend aufwacht, aber sie das dumpfe Gefühl plagt, etwas sehr Schlimmes getan zu haben. Als sie Lyn, mit dem sie gerade eine Beziehungspause hat, im Hotelrestaurant trifft und dieser eine gebrochene Nase hat, dämmert es ihr langsam…

„Lipstick Jungle“ stammt aus der Feder von Candace Bushnell, die schon mit „Sex and the City“ einen Welterfolg landete – vor allem im Fernsehen (das Buch war von vernachlässigbarer Qualität). Momentan sorgt auch die Serie zu „Lipstick Jungle“ für angenehme Mittwochabend-Stunden, das Buch jedoch weicht in vielerlei Hinsicht von der Serie ab. Was nicht wirklich schlimm ist.

Der Vorteil ist: sowohl das Buch als auch die Folgen der Serie haben zwar dieselben Protagonistinnen und dieselbe Idee, allerdings wurde das Buch für die Serie einfach tauglicher gemacht, das Buch ist genauso unterhaltsam. Die Unterschiede sorgen außerdem für Spannung bei denen, die das Buch schon gelesen haben. Es ist humorvoll, verfügt über Romanze, Intrige, Spannung und ist ereignisreich. Langeweile kommt nicht auf, im Gegenteil.

Man brennt darauf, zu erfahren, wie es nun weiter geht, wie sich die Mädels aus der Affäre ziehen oder selbst Intrigen schmieden. Außerdem macht es sowieso Spaß, von Frauen zu lesen, die durch ihre eigene Leistung in die High Society aufgestiegen sind und sich dort behaupten können. Zwar werden Männer doch sehr häufig als „der Feind“ abgestempelt, was im Endeffekt ja auch stark pauschalisierend ist, allerdings zeigt es auch, dass sich die Geschlechter nunmal ergänzen und das Leben seine Würze durch die Mischung erhält.

Was mich an „Sex and the City“ so sehr gestört hat und elementar in vielen anderen Frauenbüchern zu sein scheint, hat hier gefehlt: Dieser unerträgliche Schuhfetischismus, Markenwahn, Sexhunger und Gossip – und das war gut so. Ach, und auch der obligatorische schwule beste Freund, der sich fantastisch mit Mode auskennt – auch der wurde diesmal weggelassen. Nichts gegen Schuhe, Sex oder schwule Freunde, im Gegenteil. Aber sehr viel gegen 0815 Klischees.

„Lipstick Jungle“ ist zwar ein klassisches Frauenbuch, aber wenigstens kein plattes und dummes Machwerk, sondern wohltuende Lektüre für verregnete Herbsttage. Sich die Serie anzusehen ist auch kein Fehler.
Broschiert: 544 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (April 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548266967
ISBN-13: 978-3548266961

1 Kommentar:

  1. Klingt wirlich spannend. Ehrlich gesagt höre ich zum ersten Mal von dieser Serie. Muss sie mir unbedingt anschauen.

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