Freitag, 31. Dezember 2010

11 Bücher für 2011

Folgende 11 Bücher möchte ich bis zum 31.12.2011 gelesen und rezensiert haben:

1. Jane Austen - Stolz und Vorurteil
2. J. R. R. Tolkien - Die zwei Türme
3. Stephen King - Die Arena
4. Heinrich Böll - Ende einer Dienstfahrt
5. John Irving - Lasst die Bären los
6. Charles Dickens - Nicholas Nickleby
7. Alois Brandstetter - Kleine Menschenkunde
8. Erich Hackl - Sara und Simon
9. M. C. Beaton - Death of a Dustman
10. Simon Beckett - Flammenbrut
11. Friedrich Torberg -Der Schüler Gerber

Diese Bücher haben alle eins gemeinsam: Sie liegen schon ewig auf meinem Stapel ungelesener Bücher und 2011 will ich sie endlich gelesen haben. Habt ihr euch auch solche Leseziele gesetzt? Mag wer mitlesen? Oder auch seine Liste posten?

Freitag, 24. Dezember 2010

Wer hat Angst vorm Weihnachtsmann?



Autor: Peter Mathews
Original: Wer hat Angst vorm Weihnachtsmann? (2010)
meine Bewertung: 2 von 5


Zwei kleine und mittelmäßige Ganoven haben sich vorgenommen, das Weihnachtsfest und den damit verbundenen Rummel ganz für sich und für ihr Geschäft zu nutzen. Sie verkleiden sich deshalb als Weihnachtsmann und Elch und begeben sich auf Raubzug durch die dichtgedrängten Geschäfte und klauen alles, was nicht niet- und nagelfest ist.

Blöd nur, dass sie dabei einem ganz großen ihres Geschäfts auf die Füße trampeln: Einem Auftragskiller der Mafia. Und mit denen ist eben nicht gut Kirschen essen. Dadurch kommt es natürlich nicht gerade zum Austausch von Nettigkeiten, als sich deren Wege kreuzen…

„Wer hat Angst vorm Weihnachtsmann“ ist ein Buch, das als Adventkalender verwendet werden kann. Es besteht aus 24 Kapiteln, die einzelnen Seiten sind noch nicht vollständig getrennt, sondern nur perforiert, so kann der Leser an jedem Tag die Seiten trennen und an jedem Advent-Tag ein Kapitel lesen. Die Idee ist nicht schlecht und auf keinesfalls neu, die Geschichte, die sich hinter diesen Seiten verbirgt, ist aber leider eher unterer Durchschnitt.

Die Spannung hält sich mehr als nur in Grenzen, Dialoge sind nur im Prinzip vorhanden, die Hauptfiguren allesamt unsympathisch, auch die Handlung ist eher befremdlich. Es gibt auf diesem Segment weit bessere Lektüre!
Taschenbuch: 123 Seiten
Verlag: Aufbau Taschenbuch; Auflage: 1 (4. Oktober 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3746626714
ISBN-13: 978-3746626710

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Makellose Morde to go



Autorin: Susanne Henke
Original: Makellose Morde to go (2009)
meine Bewertung: 4 von 5


„Makellose Morde to go“ ist eine Sammlung von 25 kurzen Geschichten, die alle eines gemeinsam haben: mindestens eine Leiche. Bis es jedoch zu einer Leiche kommt, versteht es die Autorin meisterhaft, den Leser aufs Glatteis zu führen. Denn der Tote ist nicht immer der, der vom Mörder ausersehen wurde und der Mörder oft nicht der, der er selbst zu sein glaubt.

Henke hat einen schrägen und schwarzen Humor, der abschnittsweise fast ein wenig an Roald Dahls makabere Geschichten erinnert. Da die einzelnen Beiträge kurz und sehr kurzweilig sind, hat man das Buch schnell gelesen – die Geschichten jedoch vergisst man nicht so schnell. Henke hat auf jeden Fall Potential!
Taschenbuch: 130 Seiten
Verlag: Books on Demand; Auflage: 6. Auflage. (18. Dezember 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3839192528
ISBN-13: 978-3839192528

Dienstag, 7. Dezember 2010

The Chocolate Snowman Murders



Autorin: JoAnna Carl
Original: The Chocolate Snowman Murders (2009)
meine Bewertung: 3 von 5

Im kleinen Städtchen Warner Pier in West Michigan leben winters rund 3.500 Menschen, während der Sommermonate wächst diese Zahl rasant an, aufgrund all der Touristen und Menschen, die ihre Sommerresidenz in Warner Pier haben. Um der Flaute in der Weihnachts- und Winterzeit entgegen zu wirken, wurde von findigen Geschäftsleuten das Warner Pier Winter Arts Festival ins Leben gerufen. Zahlreiche Veranstaltungen rund um Kunst und Kultur sollen so auch in den Wintermonaten Touristen und Besucher in den kleinen Ort locken. Bisher ging das auch ganz gut, doch in diesem Jahr läuft alles von Anfang an gänzlich schief.

Nachdem sich der ursprüngliche Juror der Kunstausstellung ein Bein gebrochen hat und nicht kommen kann, wurde schnell Ersatz gesucht. Der Ersatz scheint anfangs ganz würdig zu sein, allerdings entpuppt der Kunstprofessor sich schnell als fettleibiger und lüsterner Trunkenbold. Lee, die sich dazu bereit erklärt hat, den Juror vom Flughafen abzuholen, kann bald nicht mehr. Sie steckt gemeinsam mit ihm im zähflüssigen Verkehr fest. Da sie die Aussicht auf weitere vierzig Minuten gemeinsam mit ihm im Auto nicht besonders reizt, setzt sie ihn kurzerhand in einem Motel ab und fährt nach Hause.

Als nächsten Tag die Polizei bei ihr erscheint, ahnt sie, dass sie in Schwierigkeiten steckt. Der Juror wurde mit eingeschlagenem Schädel in seinem Hotelzimmer aufgefunden. Da Lee scheinbar verdächtigt wird, ihm mit einer Stehlampe das Licht für immer ausgeknipst zu haben (ha, ha!), bleibt ihr nichts anderes übrig, als die Sache selbst zu untersuchen. Sie schnüffelt bei den anderen Mitgliedern des Winter Arts Festivals herum, da dauert es nicht lang, bis sie selbst ins Visier des tatsächlichen Mörders gerät…

Die Geschichte rund um das Winter Arts Festival wird aus der Sicht des Komitee-Mitglieds Lee erzählt und spielt im beschaulichen Warner Pier, das fast ein bisschen an Agatha Christies St. Mary Mead erinnert. Lee ist Angestellte im Schokoladen-Laden von ihrer Tante, die Geschichte hat viel mit Schokolade zu tun und ist hin und wieder mit interessanten Anekdoten aus der Welt der Schokolade und des Kakaos gewürzt. Es ist ein wirklich netter Krimi mit netten Charakteren, ein Buch aus dem relativ neuen Genre „Cozy Mystery“. Ein Buch mit viel Stimmung und ein wenig Mord, könnte man sagen.

Für die Lektüre in der Adventszeit im warmen Wohnzimmer, bei Kerzenschein, Pralinen und Schneesturm draußen einfach ideal. Wahrscheinlich werde ich mir auch nächstes Jahr vor Weihnachten ein Buch von JoAnna Carl gönnen.
Taschenbuch: 240 Seiten
Verlag: Signet; Auflage: Reprint (6. Oktober 2009)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0451226100
ISBN-13: 978-0451226105

Dienstag, 30. November 2010

Rotkäppchen und der böse Wolf



Autorin: Agatha Christie
Original: N or M? (1941)
Übersetzung: k.A.
meine Bewertung: 2 von 5
Wir schreiben das Jahr 1940. Es ist Frühling, Hitler hat Deutschland fest in seiner Hand und befindet sich im erbitterten Krieg auch gegen England. Tommy und Tuppence Beresford, die in früheren Jahren schon mehrere Fälle gelöst haben, sind mittlerweile etwas in die Jahre gekommen, dennoch möchten beide auch ihren Beitrag leisten.

Da kommt es ihnen gerade gelegen, dass beim britischen Militär scheinbar ein Maulwurf untergekommen ist, der für die Gegenseite spioniert. Tommy und Tuppence werden von ihrem früheren Auftraggeber kontaktiert und damit beauftragt, sich auf die Suche nach dem Spion zu machen. Die beiden werden deshalb unabhängig voneinander mit neuen Identitäten versehen im Hotel Sans-Souci einquartiert und sollen dort ihre Fühler ausstrecken.

Es dauert nicht lange, bis die beiden, die vorgeben, sich nicht zu kennen, die Gäste gründlich unter die Lupe genommen haben. Schon bald können die beiden den Kreis der Verdächtigen eingrenzen, doch dann verschwindet Tommy…

„Rotkäppchen und der böse Wolf“ bzw. „N or M?“, wie das Buch im Original heißt, zählt zu den wenigen Spionagegeschichten von Agatha Christie, die für eine kleine Zielgruppe sicherlich spannend sind, mich aber hat das Buch sehr gelangweilt, so dass ich für die nicht einmal 170 Seiten mehrere Wochen gebraucht habe. Als Leser hat man schon sehr früh die Zusammenhänge durchschaut, das Buch ist nicht wirklich spannend und hat so gar nichts von den „typischen“ Agatha Christie Krimis.

Für Sammler und Spionage-Interessierte sicherlich interessant, für Spaß-Leser eher vernachlässigbar.
Broschiert: 208 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 2 (19. Januar 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596168945
ISBN-13: 978-3596168941

Samstag, 27. November 2010

Er sagt & sie sagt



Autoren: Wiebke Lorenz/Christian Clerici
Original: Er sagt & sie sagt (2010)
meine Bewertung: 2 von 5


Die deutsche freie Journalistin Wiebke Lorenz trifft per E-Mail auf den österreichischen Moderator Christian Clerici. Die beiden sollen gemeinsam an einer Kolumne für eine deutsche Zeitschrift schreiben, in der sie unterschiedliche Fragestellungen zur Beziehung zwischen Mann und Frau aus ihrer jeweiligen Sicht diskutieren sollen.

Die beiden nähern sich auch privat ein wenig an und erzählen in ihrer jeweiligen E-Mail Korrespondenz auch ein wenig aus dem Nähkästchen und aus ihrem Privatleben. Clerici dabei ganz charmanter Mann von Welt, die Lorenz gibt sich als hochkarätige Journalistin und femme fatale.

Was das Problem dabei ist: Sie ist dabei sowas von verkrampft und derartig unlustig, dass sie schon nach wenigen E-Mails nervt, überraschenderweise überzeugt der im Fernsehen sehr arrogant und schnöselig rüberkommende Clerici durch seine Natürlichkeit. Er nervt dabei überraschend weniger.

Die Kolumnenthemen, die die beiden behandeln, sind leider abgeschmackt, dafür können aber die beiden E-Mailer wohl nichts. Interessanter ist sowieso das Geplänkel dazwischen. Schade, es hätte ein echt nettes Buch werden können, aber die Lorenz ist einfach ein wenig zu künstlich. An sich müsste man das Buch ja getrennt nach Autoren beurteilen: Clerici 3 von 5, Lorenz 1 von 5.
Broschiert: 253 Seiten
Verlag: Vgs (6. September 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3802537106
ISBN-13: 978-3802537103

Freitag, 26. November 2010

Weihnachten für freche Frauen



Herausgeberin: Nicola Sternfeld
Original: Weihnachten für freche Frauen (2000)
meine Bewertung: 1 von 5


Die Historikerin und Germanistin Nicola Sternfeld hat in diesem kleinen Büchlein Geschichten von 6 Autorinnen gesammelt, die in der Vorweihnachtszeit passieren oder mit Weihnachten zu tun haben. Alle Geschichten haben außerdem gemeinsam, dass in ihnen die Hauptrolle nicht ganz so brave Frauen spielen.

Alles in allem ist die Idee ja ganz nett, aber wenn man sich das Buch kauft, kommt man sich schon ein wenig veräppelt vor. Es handelt sich nämlich um Ausschnitte aus Büchern von Gaby Hauptmann, Sibel Susan Teoman und anderen, allerdings sind es unbearbeitete Ausschnitte (kommt einem beim Lesen vor), was das Verständnis sehr erschwert, da immer wieder Personen und Handlungsstränge auftauchen, von denen man noch nie gehört hat. Außerdem enden die Geschichten jäh. Absolut keine Empfehlung, gerade in der Adventszeit kann man sich diesen Ärger sparen.
Broschiert: 208 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 2 (Oktober 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492262449
ISBN-13: 978-3492262446


Besucht mich auch auf Facebook!
Zweitbuch

Promote your Page too

Sonntag, 21. November 2010

Lieber Weihnachtsmann



Autoren: Federica Lamberti Zanardi, Brunella Schisa
Original: Caro Babbo Natale (1991)
Übersetzung: Linde Birk
meine Bewertung: 5 von 5

In Italien gibt es eine ganz besondere Einrichtung im Postministerium: Eine Abteilung, an die die italienischen Kinder ihre Weihnachtswünsche, Briefe an das Christkind, den Weihnachtsmann oder auch die Befana schicken können. Die Mitarbeiter der Abteilung schicken den Kindern einen kleinen Standardbrief zurück und dazu noch ein kleines Geschenk.

Federica Lamberti Zanardi und Brunella Schisa haben aus der Flut an Einsendungen rund 100 Briefe ausgewählt und in diesem Büchlein abgedruckt. Diese sind oft zu Tränen rührend oder einfach auch nur sehr lustig. Auf jeden Fall haben sie eins gemeinsam: Sie geben einen Einblick in die vielschichtige Welt der Kinder, schließlich sind sie etwas sehr persönliches.

Das Buch ist die ideale Einstimmung für die Adventszeit, es macht Spaß, regt zum Nachdenken an und passt ideal zu kaltem Wetter und warmen Kakao.
Taschenbuch: 176 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 2. A. (November 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257229488
ISBN-13: 978-3257229486

Samstag, 20. November 2010

Lexikon der populären Sprachirrtümer



Autoren: Walter Krämer, Wolfgang Sauer
Original: Lexikon der populären Sprachirrtümer (2001)
meine Bewertung: 2 von 5

Walter Krämer und Wolfgang Sauer haben in ihrem „Lexikon der populären Sprachirrtümer“ zu rund 200 Stichworten aus den Bereichen Essen und Trinken, Menschen und Gefühle, Fauna und Flora, Geld und Gut, Raum und Zeit sowie Wirtschaft und Gesellschaft die Herkunft und die wahre Bedeutung recherchiert.

Das Buch, das dabei heraus gekommen ist, ist ein ganz nettes Nachschlagewerk, in das man immer mal wieder gerne hineinschaut und nachliest. Wer sein Trivialwissen erweitern möchte, ist damit sicher gut beraten. Auf jeden Fall ist man bestens gewappnet für eine Runde Trivial Pursuit oder Wer wird Millionär.
Broschiert: 256 Seiten
Verlag: Piper (April 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492250734
ISBN-13: 978-3492250733

Sonntag, 14. November 2010

Nachtflug



Autor: Antoine de Saint-Exupéry
Original: Vol de Nuit (1932)
Übersetzung: Hans Reisiger
meine Bewertung: 2 von 5

Als Antoine de Saint-Exupéry sein Buch „Nachtflug“ 1932 veröffentlichte, waren Flüge bei Nacht noch ein unglaubliches Wagnis. Er beschreibt in diesem Buch die Erlebnisse des Flugleiters Riviere, der von seinen Piloten mit Strenge und Härte Höchstleistungen verlangt, dabei auch über Leichen geht und das Leben eines Einzelnen dem Gesamtwohl unterordnet.

Es ist eine eher traurige Erzählung, die hin und wieder ganz spannend ist, mit der ich aber ansonsten nicht besonders viel anfangen konnte. Vielleicht ist mir etwas Wesentliches entgangen, aber als bestes Buch Saint-Exupérys würde ich es nicht bezeichnen. Muss man nicht gelesen haben, außer, man interessiert sich für die Anfänge der Fliegerei und das Leben Saint-Exupérys, das er in diesem Buch sehr stark verarbeitet.
Gebundene Ausgabe: 103 Seiten
Verlag: Rauch; Auflage: 1., Aufl. (September 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3792000636
ISBN-13: 978-3792000632

Mittwoch, 10. November 2010

Elf Minuten



Autor: Paulo Coelho
Original: Onze Minutos (2003)
Übersetzung: Maralde Meyer-Minnemann
meine Bewertung: 2 von 5

Die junge Brasilianerin Maria arbeitet in einem Stoffgeschäft. Der Besitzer, ein weit älterer Mann als sie, hat sich unsterblich in sie verliebt, verhält sich aber wie ein Gentleman. Maria hat sich längst daran gewöhnt, dass ihr die bewundernden Blicke der Männer und die neidischen Blicke der Frauen auf Schritt und Tritt folgen. Sie hat schon früh erkannt, dass sie sich besser ihre Verehrer warm hält und sich auf nichts einlässt. Als Maria schließlich angesprochen wird, um als Tänzerin in die Schweiz zu kommen, packt sie sofort ihre Koffer. Im Hinterkopf behält sie schließlich immer die Möglichkeit, zurück zu kehren und den Stoffhändler heiraten zu können.

In der Schweiz arbeitet Maria als Prostituierte im „Copacabana“. Sie besorgt sich Literatur über Sex, findet aber nicht das, was sie sucht. Sie ist nicht mit dem Herzen bei der Sache, es ist ein Job wie jeder andere für sie. Und dennoch wird sie schon bald zu einer der Besten ihrer Zunft. Obwohl sich Maria immer vor Augen hält, dass sie nach spätestens einem Jahr wieder nach Hause zurückkehren wird, werden kurz vor ihrer Abreise ihre Pläne doch noch über den Haufen geworfen. Und das ausgerechnet von Männern.

Einer dieser Männer kommt als „spezieller Freier“ und führt Maria in die Geheimnisse der mit Schmerz verbundenen Lust ein. Maria, die nie durch einen Mann einen Orgasmus erlebt hatte, explodiert fast, als sie von diesem Kunden gedemütigt wird; Maria stößt an ihre Grenzen.

Das komplette Gegenteil dazu ist der Maler Ralf Hart. Dieser verliebt sich in die Prostituierte, will aber im Prinzip nicht ihren Körper, sondern bis zu ihrer Seele vordringen. Maria und er begeben sich auf eine Reise zum wahren Kern des Menschen, die beiden wollen die Seele des anderen finden und entdecken dabei sich selbst.

Coelho hat eine an sich recht lesbare Geschichte geschrieben, in der viel Sex vorkommt, ohne jedoch ins Niveaulose abzugleiten. Er wird dabei sehr spirituell, als Leser versteht man die Beweggründe der Protagonistin nicht immer, hin und wieder fragt man sich auch, ob es vielleicht noch ein bisschen weltfremder ginge, noch ein wenig schwülstiger und noch ein wenig dümmer, aber insgesamt handelt es sich um nette Unterhaltung. Allerdings, und das sei vorweg genommen: man muss sich definitiv auf das Buch einlassen und in Stimmung dafür sein. Ich für mich habe jedenfalls schon weit Besseres gelesen.
Taschenbuch: 284 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 2., Aufl. (Januar 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257234449
ISBN-13: 978-3257234442

Agatha Raisin


Band 1:
Agatha Raisin and the Quiche of Death
Band 2:Agatha Raisin and the Vicious Vet
Band 3:Agatha Raisin and the Potted Gardener
Band 4:Agatha Raisin and the Walkers of Dembley
Band 5:Agatha Raisin and the Murderous Marriage
Band 6:Agatha Raisin and the Terrible Tourist
Band 7:Agatha Raisin and the Wellspring of Death

Montag, 1. November 2010

Der Gefangene



Autor: John Grisham
Original: The Innocent Men (2006)
Übersetzung: Dr. Bernhard Liesen (uA)
meine Bewertung: 5 von 5

„Der Gefangene“ ist die wahre Geschichte der beiden zu Unrecht verurteilten Männer Ron Williamson und Dennis Fritz. Den beiden wird der grausame Mord und die Vergewaltigung der Kellnerin Debbie Sue Carter zur Last gelegt. Obwohl die Polizei von Ada keine Beweise hat, stürzt sie sich auf die beiden, die von einem gewissen Glen Gore angeblich mit Debbie in der Nacht vor dem Mord gesehen wurden.

Die Polizei bemüht sich gar nicht erst, die wahren Schuldigen zu finden, sondern steckt ihre Energien lieber in die Erpressung eines Geständnisses. Dabei schrecken sie vor Psychoterror ebenso wenig zurück wie vor der Anwendung roher Gewalt. Die beiden mutmaßlichen Mörder werden verurteilt – Dennis Fritz bekommt lebenslänglich, während Ron Williamson in der Todeszelle landet. Es dauert 11 Jahre, bis die beiden durch die damals neue Methode der DNA-Analyse endgültig für unschuldig erklärt werden und mit einer nicht allzugroßen Abfindung aus der Haft entlassen werden.

Grisham hat aufgrund eines Nachrufes auf Ron Williamson, der schließlich an einer Zirrhose in einer Pflegeanstalt starb, Nachforschungen angestellt. Er hat die 1988 beginnende Geschichte bis ins Detail rekonstruiert, die Kindheit und Jugend der beiden Angeklagten dabei ebensowenig ausgelassen wie die Ungerechtigkeit, die den beiden widerfuhr, ihre Zeit in Haft und den beginnenden Wahnsinn Rons.

Durch die sachliche Darstellung Grishams ist dem bekennenden Todesstrafe-Gegner etwas gelungen, was das glühendste Pamphlet wohl nicht geschafft hätte: Der Leser, der von Anfang an weiß, dass die beiden Verurteilten unschuldig sind, identifiziert sich mit den beiden und kann nur ungläubig den Kopf über soviel Unfähigkeit von Exekutive und Jurisdiktion schütteln.

Dass die Geschichte gerade nochmal gut ausgeht, ist eigentlich nur ein Zufall und dem Fortschritt in Analyseverfahren zu verdanken. Was elf Jahre unschuldig hinter Gittern aus einem Menschen machen, ist unermesslich schlimm, ansatzweise wird aber verständlich, welche Qualen die unschuldig verurteilten Gefangenen ausstehen müssen.

Es ist ein Buch, das erschüttert, aufrüttelt, gefangen nimmt und spannend ist – ein Effekt, der sich durch die sachliche Schilderung und die Authentizität der Geschichte noch steigert. Warum der deutsche Titel so dermaßen daneben gegangen ist, ist mir allerdings ein Rätsel. Trotzdem: einfach lesenswert!
Gebundene Ausgabe: 464 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (16. Oktober 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453265319
ISBN-13: 978-3453265318

Mängelexemplar



Autorin: Sarah Kuttner
Original: Mängelexemplar (2009)
meine Bewertung: 5 von 5


Karo Herrmann ist jung, arbeitet in einer hippen Werbeagentur, hat einen Freund und scheint eigentlich glücklich zu sein. Gut, da sind diese Wutausbrüche, die sie regelmäßig in die Luft gehen lassen, die Beziehung zu ihrem Philipp ist auch eher eine schale Angelegenheit, die daraus resultiert, dass keiner der beiden sie beenden möchte und der Job – ja, den hat sie gerade verloren.

Karo fühlt sich schlecht, schlechter, am schlechtesten. Sie hat Panikattacken, sieht aber ihr Problem ein und begibt sich in Therapie. Sie arbeitet mit ihrer Therapeutin akribisch ihre Kindheit, in der es einen seltsamen Onkel gab, auf und findet auch wieder den Weg zu ihrer Mutter, die selbst an Depressionen, Angststörung und Panikattacken litt und wirft gemeinsam mit ihr allmorgendlich Psychopharmaka ein. Es dauert zwar etwas länger, aber als schließlich auch noch Max daher kommt, stabilisiert sich Karos Gefühlsleben etwas, nur um erneut auf eine Achterbahnfahrt zu gehen.

„Mängelexemplar“ ist ein Roman mit ernster Thematik, auf den ersten Blick scheint dies gar nicht so gut zu Sarah Kuttner zu passen. Aber man hat sich schnell mit dem Charakter der Karo angefreundet, fühlt und bangt mit ihr. Kuttner gelingt ein interessanter Spagat: Einerseits ist ihr Roman ernsthaft, andererseits hat er deshalb nicht weniger Tempo und Sprachwitz als Kuttners Kolumnen. Einfach eine Empfehlung!

Broschiert: 272 Seiten
Verlag: Fischer, S., Verlag GmbH; Auflage: 1. (11. März 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3100422058
ISBN-13: 978-3100422057

Sonntag, 31. Oktober 2010

Ein Mord wird angekündigt



Autorin: Agatha Christie
Original: A Murder is Announced (1950)
Übersetzung: ?
meine Bewertung: 4 von 5

„Am Freitag, dem 29. Oktober, 18.30 Uhr, findet in Little Paddocks ein Mord statt. Freunde und Bekannte sind herzlich eingeladen“ – dieser Text findet sich im Anzeigenteil der allseits beliebten „Cleghorn Gazette“. Natürlich wird die Anzeige überall mit gewissem Interesse und Neugier aufgenommen, jedoch sind alle davon überzeugt, dass sich der junge Neffe von Letitia Blacklock, der Hausherrin von „Little Paddocks“, einen verfrühten Halloween Scherz erlaubt hat.

Auf Little Paddocks jedoch sieht die Sache anders aus. Letitia Blacklock hat keine Ahnung von der Verabredung mit einem Mörder, sie tut das Ganze ebenfalls als Scherz ab, obwohl ihr Neffe Stein und Bein schwört, nichts damit zu tun zu haben. Ihre Gesellschafterin macht sich die größten Sorgen, ebenso wie das ausländische Hausmädchen.

Dann naht der Nachmittag des 29. Oktober. Wie erwartet finden sich eine große Zahl an Nachbarn, Freunden und Schaulustigen an diesem Abend ein, die meisten unter Vorspiegelung seltsamer Ausflüchte, nur wenige geben offen zu, dass sie neugierig auf das in der Zeitung angekündigte Spektakel sind. Als die Uhr schließlich halb sieben schlägt, geht plötzlich das Licht aus, eine unbekannte Gestalt erscheint im Türrahmen, gibt zwei Schüsse ab, ein dritter folgt. Tatsächlich wird eine Person getötet, allerdings handelt es sich dabei um den Attentäter selbst.

Die Verwirrung ist groß. Anfangs wird von einem Unfall ausgegangen, die Sache scheint erledigt zu sein, da sich der Mörder selbst ausgeknipst hat. Dann geschieht jedoch ein weiterer Mord und die gute, alte Jane Marple auf den Plan und spätestens da ist sicher: Der wahre Mörder wurde noch nicht gefasst…

Obwohl dem erfahrenen Krimi-Leser schon am Anfang klar ist, dass der Attentäter wohl kaum der wahre Mörder sein kann, ist die Geschichte spannend aufgebaut und die Beweggründe der handelnden Personen bleiben im Verborgenen. Wie bei Agatha Christie eigentlich immer der Fall, handelt es sich um einen Krimi, der knisterndes Kaminfeuer-Feeling verbreitet, eine Atmosphäre von Kölnischwasser und unbeheizten Herrenhäusern aufbaut und in eine Welt längst vergangener Zeiten entführt.

Eigentlich steht bei erfahrenen Christie-Lesern oft nicht mehr der Fall an sich im Vordergrund, sondern die Lust daran, sich in Zeiten zu versenken, in denen beim Klingeln noch der Butler öffnete, um fünf Uhr nachmittags Tee serviert wurde, man sich fürs Essen umzog und es Haushälterinnen und Gesellschafterinnen gab. Einfach nett für gemütliche Lesestunden im gut geheizten Wohnzimmer, während es draußen ruhig regnen, stürmen und schneien darf.
Broschiert: 206 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 3 (7. Januar 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596168872
ISBN-13: 978-3596168873

Montag, 25. Oktober 2010

Elementarteilchen



Autor: Michel Houellebecq
Original: Particules élémentaires, les (1998)
Übersetzung: Uli Wittmann
meine Bewertung: 3 von 5

Michel und Bruno sind zwei grundverschieden Brüder: Michel ist ein überaus intelligenter Wissenschafter, der sein Leben der Forschung gewidmet hat und eine wahre Kapazität auf seinem Gebiet, der Biogenetik, geworden ist. Bruno hingegen hat sein Leben dem Sex verschrieben. Er ist wahrhaft besessen von der fleischlichen Lust und frönt dieser wo und wann er kann. Dennoch verbindet die beiden Brüder mehr, als nur die gemeinsame Mutter. Beide sind sozial betrachtet völlig unfähig.

Obwohl Bruno ständig von Sex redet, träumt, liest, Pornos sieht, in Kommunen Urlaub macht und nimmt, was er bekommt, dauert es dennoch beinahe bis an sein Lebensende, bis er in Christiane endlich eine Frau findet, mit der ihn mehr als nur das Ineinanderpassen der Geschlechtsteile verbindet. Lange ist ihm dieses Glück, das über rein körperliche Gefühle etwas hinausgeht, allerdings nicht beschieden. Christiane erkrankt schwer und stirbt schließlich. Bruno, der eigentlich ständig vom Leben frustriert und seinen Mitmenschen enttäuscht wurde, erliegt seinen Depressionen und flieht in eine Irrenanstalt.

Sein Bruder Michel macht sich um die Grundlagenforschung zur „vollständigen Replikation“ verdient. Er hat eine Fortpflanzungsart gefunden, die mit Sex nichts zu tun hat, aus dem Menschen ein vollkommenes Wesen macht und den derzeit existierenden Menschen zu einer Daseinsform mit Ablaufdatum macht. Für Michel ist Sex sein Leben lang die Wurzel allen Übels, weshalb er ihn unnötig macht. Doch auch er entwickelt zumindest zu einem Menschen eine Art soziale Bindung. Annabelle verliebt sich unerklärlicherweise in ihn und auch er empfindet Zuneigung zu ihr. Schließlich ist es der Krebs, der Annabelle genau dann ereilt, als sie eigentlich von Michel schwanger werden möchte.

„Elementarteilchen“ erschien 1998 und hat damals laut Rückentext die Menschheit bewegt und in zwei Lager gespalten. Das eine hatte sich gänzlich auf Houellebecqs Seite geschlagen und den Untergang der Menschheit prophezeit, die anderen haben sich über die unsägliche Daueranwesenheit von Sex und kopulierenden Körpern aufgeregt. Ein Werk mit Rezeptionsgeschichte also. Möchte man sich eine eigene und wohlüberlegte Meinung über das Buch bilden, muss man es in seine Elementarteilchen (ha, ha!) zerlegen.

Die Geschichte beschreibt im Wesentlichen unsere rein hedonistisch orientierte Gesellschaft, wie sie am besten Wege dazu ist, sich selbst zum Aussterben zu bringen. Die Menschen haben alle Freiheit, sind jedoch vollkommen davon überfordert und nicht mehr in der Lage, soziale Bindungen zu anderen Menschen einzugehen. Eine gehörige Portion Gesellschaftskritik also als Grundaussage, durchaus sehr negativ und eher trist, fast schon verzweifelt auswegslos.

Nun zur äußeren Form. Der Roman kommt sehr wissenschaftlich daher, vieles überliest man als Nicht-Biologe oder Nicht-Philosoph einfach, was dazu führt, dass man das Gefühl hat, der Roman plätschert so dahin, manchmal poetischer, manchmal weniger, besonders dann, wenn Sexszenen unverblümt und schonungslos geschildert werden. Irgendwann kommt dann der Punkt, an dem man wissen möchte, wie das Leben der beiden ungleichen gleichen Brüder weitergeht, dieser kam zumindest bei mir erst relativ spät im Roman, weshalb es anfangs doch nicht unbedingt eine Lust war, diesen in seiner Grundstimmung depressiven und negativen Roman zu lesen.

Was die Rezeptionsgeschichte betrifft: Momentan scheint es eher unverständlich, wieso ein Roman wie dieser aufgrund der Beschreibung von Sex-Szenen 1998 zu solch einem Aufruhr geführt haben soll. Was man allerdings nicht vergessen darf: auch das ist nun schon mehr als zehn Jahre her. Damals hatten Talkshows wie Arabella und Andreas Türk Hochkonjunktur, damals war man noch geschockt, wenn sich jemand als homosexuell geoutet hat oder mit 16 schwanger wurde. Aber: ist nicht genau der Umstand, dass heute niemanden mehr sowas juckt, ein Warnzeichen für den beginnenden Verfall unserer Gesellschaft? Ginge es nach Houellebecq, dann schon.

Dennoch: Die Menschen heiraten noch, es gibt sie noch, die guten, alten Freundschaften, Liebe, Mitgefühl, Altruismus und Einfühlungsvermögen. So schlimm kann es also noch nicht sein. Der Roman hat seine Daseinsberechtigung, weil er in gewissem Maße unterhält und zum Denken anregt, allerdings für mich sicher kein „Geniestreich“, wie er auf Amazon.de in Kundenrezensionen bezeichnet wird. Nur weil ein Buch berühmt ist, muss man es nicht gut finden. Allerdings sollte man es schon gelesen haben, wenn man aus echter Überzeugung darüber diskutieren möchte und beide Seiten dabei verstehen können will.
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: rororo; Auflage: 5 (1. August 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499242559
ISBN-13: 978-3499242557

Samstag, 23. Oktober 2010

Der Fall des Lemming



Autor: Stefan Slupetzky
Original: Der Fall des Lemming (2004)
meine Bewertung: 2 von 5

Leopold Wallisch, von seinen Kollegen bei der Polizei auch „Lemming“ genannt, passiert eines Tages ein kleines Malheur, das mit viel nackter Haut und Alkohol zu tun hat. Aus diesem Grund wird ihm der Dienst bei der Wiener Polizei gekündigt, nicht ganz unschuldig an der ganzen Sache damals war sein unmittelbar Vorgesetzter, der Kotzbrocken Krotznig. Der Lemming hat sich nach einem neuen Brötchengeber umgesehen und ist nun bei einer Privatdetektei gelandet.

Sein aktueller Auftrag beginnt relativ harmlos, hat es aber in sich. Er soll den Lateinlehrer Grinzinger beschatten, es handelt sich um eine Liebesgeschichte, denkt Wallisch. Doch als er seinem Opfer auf den Kahlenberg folgt und ihn kurzzeitig aus den Augen verliert, wird klar, dass der Fall sogar richtig grauslich wird – wie die Wiener sagen.

Als der Lemming auf die Lichtung kommt und den Grinzinger das nächste Mal sieht, ist der nämlich tot. Und die Polizei bereits auf dem Weg, denn der Lateinlehrer hat sie selbst noch vor seinem grausamen Tod verständigt. Da der Lemming am Tatort gefunden wird, ist er der Hauptverdächtige. Ein seltsames Gefühl für ihn, schließlich kennt er die Menschen, die ihm seine Rechte erklären ganz gut: Krotznig gehört zu seinen Hauptanklägern. Als der Lemming jedoch aus dem Kreis der Verdächtigen scheidet, beginnt ein Wettrennen zwischen dem Lemming und Krotznig. Beide wollen den Mord aufklären und geben dafür alles.

Dem Lemming kommt ein riesengroßer, mit Kokain gefüllter Hund auf ungeahnte Art und Weise zu Hilfe. Die Ermittlungen führen in die Vergangenheit, in die aktive Zeit des Lateinlehrers und zu seinen ehemaligen Schülern, die alle nichts Gutes über ihn zu berichten haben – dafür sind die Mordmotive umso vielfältiger.

„Der Fall des Lemming“ ist der erste Band von mehreren Lemming-Fällen aus der Feder von Stefan Slupetzky. Er hat seinen Ermittler in Wien angesiedelt und schafft es tatsächlich, die Wiener Mentalität einzubauen, seine Figuren sind tatsächlich glaubhaft. Der Fall ist teilweise spannend und hat durchaus auch romantische Anklänge, insgesamt allerdings erinnert der Aufbau sehr stark an die Bücher von Wolf Haas – Slupetzky kommt jedoch weder in Spannung noch im Ausdruck an Haas heran. Zwar bemüht er sich, doch dessen Figurenkomplexität sowie die Wiener Stimmung bleiben bei Slupetzky eher oberflächlich – vom Humor Haas‘ ist er meilenweit entfernt.

An sich ist es ein netter Krimi, der sich jedoch nicht mit Haas messen kann – was nicht schlimm wäre, würde er es nicht so offensichtlich versuchen. Momentan muss ich die Serie nicht unbedingt fortsetzen, denn auch Komarek schreibt ähnlich und dabei aber auch viel besser. Vielleicht irgendwann mal wieder.
Taschenbuch: 256 Seiten
Verlag: rororo; Auflage: 9 (1. Juni 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499239787
ISBN-13: 978-3499239786

Dienstag, 19. Oktober 2010

Die Mörder-Maschen



Autorin: Agatha Christie
Original: Miss Marple's Last Cases (1953)
Übersetzung: Traudl Weiser (u.A.)
meine Bewertung: 3 von 5

„Mörder-Maschen“ versammelt acht kurze Krimis, die sich anfangs als ziemlich unlösbar darstellen, meist mit der tatkräftigen Unterstützung der rüstigen alten Dame Jane Marple doch noch gelöst werden. „Miss Marple erzählt eine Geschichte“, „Ein seltsamer Scherz“, „Die Stecknadel“, „Die Hausmeisterin“, „Die Perle“, „Die Uhr war Zeuge“, „Der Stein des Anstoßes“ und „Ein guter Freund“ sind die Geschichten, die aus dem eher schmalen Bändchen nach guter alter Krimimanier eine kurzweilige Lektüre für verregnete Nachmittage macht, auch wenn man die ein oder andere Geschichte als wahrer Christie-Fan schon kennt.
Broschiert: 152 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1 (4. März 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596182190
ISBN-13: 978-3596182190

Samstag, 2. Oktober 2010

Der Räuber Hotzenplotz



Autor: Otfried Preußler
Original: Der Räuber Hotzenplotz (1962)
meine Bewertung: 3 von 5

Der böse Räuber Hotzenplotz, der in seiner Räuberhöhle im Wald lebt, hat Großmutters neue Kaffeemühle gestohlen. Es handelt sich dabei um eine besondere Kaffeemühle, denn immer, wenn man sie benutzt, spielt sie eine schöne Melodie. Kasperl und Seppel haben der Großmutter dieses Gerät geschenkt, weshalb es für sie doppelt schlimm ist, als sie vom Diebstahl hören.

Mit einer List möchten die beiden den Räuber in seiner Höhle aufspüren. Sie füllen eine leere Kiste mit Sand, in die sie ein Loch bohren. Der Räuber stiehlt die Kiste und trägt sie in seinen Unterschlupf, der Sand, der aus der Kiste rieselt, ist die perfekte Spur für Kasperl und Seppel. Doch ganz so dumm ist der Räuber auch nicht. Er bemerkt von dem Schwindel und versucht, sich an Kasperl und Seppel zu rächen. Wird er am Ende siegen oder bekommt Großmutter ihre Kaffeemühle zurück?

„Der Räuber Hotzenplotz“ ist eine Räuber-und-Gendarm-Geschichte für Kinder, allerdings spielt in diesem Fall der Gendarm Dimpfelmoser eine eher untergeordnete Rolle, sein Part wird von Kasperl und Seppel übernommen. Die Geschichte macht Spaß, ist spannend und beschert den Kindern der Zielgruppe keine schlaflosen Nächte. Kasperl gehört als Hörkassette, Vorlesegeschichte, Buch oder Fernsehsendung einfach zumindest einmal in jedes Kinderzimmer.
Gebundene Ausgabe: 124 Seiten
Verlag: Thienemann Verlag; Auflage: 58., Aufl. (1. Januar 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3522105907
ISBN-13: 978-3522105903

Donnerstag, 30. September 2010

Vater unser



Autorin: Jilliane Hoffman
Original: Plea of Insanity (2007)
Übersetzung: Nina Scheweling/Sophie Zeitz
meine Bewertung: 3 von 5

Julia Valenciano kann es nicht fassen. Eigentlich ist sie B-Anwältin und spielt daher noch in der untersten Liga der Staatsanwaltschaft, doch da kommt ein ebenso unvor-hergesehenes wie unverhofftes Angebot: Sie soll in einem wichtigen Mordfall die zweite Staatsanwältin neben Rick Bellido sein und dem Staat dabei helfen, den mutmaßlichen Vierfachmörder David Marquette anzuklagen und hinter Schloss und Riegel zu bringen. Dass sie erst kürzlich ein Verhältnis mit dem wesentlich älteren Rick Bellido begonnen hat, ist nicht der Grund, weshalb man sie ins Boot, zu dem auch noch die beiden amüsanten Detectives Latarrino und Brill gehören, wie sich Julia selbst immer wieder versichert.

Anfangs läuft auch alles halbwegs gut. Sie kommt gut mit dem Team klar, trifft sich weiterhin in unregelmäßigen Abständen auch privat mit Rick und arbeitet wie ein Tier, da sie ihre eigenen Pflichten als Staatsanwältin auch nicht vernachlässigen darf. Doch nach und nach wird immer klarer, dass der Grund für ihre zunehmende Nervosität nicht alleine mit Arbeits- oder Beziehungsstress zu tun hat. Ihre Sorgen reichen weit in die Vergangenheit zurück, in der ein Killer ihre Eltern auf grausame Weise abschlachtete, während sie bei einer Freundin übernachtete und so dem tödlichen Massaker entging.

Als der Fall weiter voranschreitet und sich immer mehr Parallelen zwischen ihrem Leben und den vier Opfern des Angeklagten auftun, brechen die Erinnerungen wie ein Tsunami über ihrem Kopf zusammen, Teile lang verdrängter Puzzlesteine der Erinnerung fügen sich plötzlich nahtlos aneinander, Julia merkt, dass sie so nicht weiter machen kann. In ihr schlummert eine tickende Zeitbombe, sie hat außer ihrem Onkel und ihrer Tante keine Verwandten mehr – denkt sie.

Der Medienrummel rund um den Fall, ihre Vergangenheit sowie die wackelige Zukunft mit Rick Bellido werden einfach zuviel. Hilfe naht von unerwarteter Seite, doch wird diese rechtzeitig eintreffen, um sie aufzufangen und vor dem Totalabsturz zu bewahren?

„Vater unser“ ist das zweite Buch von Jilliane Hoffman, das ich gelesen habe. Die Parallelen zu „Cupido“ sind so verblüffend, dass man sich als Leser anfangs schon ein wenig – äh – in seiner Intelligenz gering geschätzt fühlt, schließlich handeln beide Bücher von einer hübschen, jungen und aufstrebenden Staatsanwältin, die mit einem Mordfall zu tun bekommt, der grausam ist und gleichzeitig eine Saite in ihr zum Klingen bringt, die bislang schwieg. Hier wie da haben die Mordfälle Ähnlichkeit mit Episoden aus ihrem Leben, ein bisschen Romantik kommt ebenso vor wie falsche Namen und Identitäten.

Dennoch schafft Hoffmann es irgendwie, dass man diese Ähnlichkeiten der Bücher nicht krumm nimmt und sogar mit Spannung den Ausgang des Prozesses und der persönlichen Misere der Staatsanwältin erwartet. Gut, zwar ist in meinem Fall die Ähnlichkeitsquote 100 % , da es sich dabei aber nur um zwei Bücher der Autorin handelt und ich die restlichen noch nicht kenne, kann man wohl schwerlich von einer Serientäterin sprechen.

Als Fazit kann man sagen, dass das Buch ganz gute Unterhaltung liefert, auch wenn die Geschwister-Situation des Angeklagten soviel mehr Stoff für einen interessanten Twist gegeben hätte, der erst auf den letzten Seiten des Epilogs kommt und dadurch irgendwie fehl am Platz wirkt. Für weibliche John Grisham Fans vielleicht eine Empfehlung wert – viel weniger tiefsinnig, viel weniger moralisch, viel weniger spannend, dafür aber mit einer kleinen Portion Liebe, einem Schuss Erotik und ein bisschen menscheln tut’s auch.
Taschenbuch: 576 Seiten
Verlag: rororo; Auflage: 6 (1. November 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 349924456X
ISBN-13: 978-3499244568

Dienstag, 28. September 2010

Das kleine Frau. Mein Tagebuch



Autorin: Christine Nöstlinger
Original: Das kleine Frau. Mein Tagebuch (1991)
meine Bewertung: 3 von 5

Christine Nöstlinger versammelt im Büchlein „Das kleine Frau. Mein Tagebuch“ humoristische Geschichten rund um Alltagssituationen der Frau in den 90ern. Natürlich ist das Buch ein Kind seiner Zeit, dennoch verwundert es, wie sie heute, fast zwanzig Jahre nach Erscheinen der Geschichtensammlung, immer noch den Nerv der Zeit trifft. Viel hat sich nicht verändert, leider muss man wohl sagen. Nöstlinger schreibt flott und amüsant, hintergründig und tiefsinnig und als kleinen Zusatzbonus sozusagen streut sie immer wieder typisch österreichische Wörter ein, die selbst Original-Österreicher wenn, dann wohl von ihrer Oma gehört haben.
Broschiert: 145 Seiten
Verlag: Dtv (1991)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423114525
ISBN-13: 978-3423114523

Schneesturm im Frühling



Autorin: Rosamunde Pilcher
Übersetzung: Christiane Buchner
Original: Snow in April (1972)
meine Bewertung: 4 von 5

Die gerade mal zwanzigjährige Caroline und ihr elfjähriger Bruder Jody leben in einem Londoner Haus in einer wohlhabenden Familie, die im Grunde genommen aber nicht ihre eigene ist. Die beiden Kinder lebten ursprünglich mit ihren Eltern und dem älteren Bruder Angus auf der Insel Aphros, als ihnen eine Schicksalsschlag ihre Mutter schon früh nahm. Ihr Vater lernte daraufhin Diana kennen und lieben. Die beiden heirateten, Diana wurde von den Kindern in ihr Herz geschlossen – auch umgekehrt entwickelte sich eine enge Bindung.

Als dann auch noch der leibliche Vater von Caroline und Jody stirbt und sich ihre Stiefmutter Diana mit ihrem neuen Mann zurück nach London begibt, ist Angus bereits volljährig. Er geht als schwarzes Schaf der Familie nach Indien, während Caroline und Jody ihrer Stiefmutter und deren neuen Mann nach London folgen. Immer an ihrer Seite ist dabei Hugh, Dianas Bruder – also genau genommen der Stiefonkel der beiden Kinder. Wie es das Schicksal, oder besser: Diana, so will, verlieben sich Hugh und Caroline nach Carolines Teenagerzeit und beschließen zu heiraten.

Kurz nach der Hochzeit möchten Diana und ihr neuer Mann nach Kanada gehen und Jody mitnehmen, da in Carolines neuem Heim mit Hugh kein Platz für den Jungen sein wird. Doch als es immer ernster zu werden beginnt und es nur noch eine Woche bis zur Hochzeit und zur Abreise nach Kanada ist, bekommt Jody kalte Füße. Er hat erfahren, dass der ältere Bruder der beiden in Schottland in einem Hotel arbeitet. Jody möchte nicht mehr nach Kanada, er hat sich in den Kopf gesetzt, Angus zu suchen und bei ihm in Schottland zu bleiben. Caroline lässt sich dazu breit schlagen, nach Schottland zu fahren.

Die beiden Geschwister brechen also auf, ohne ihren Stiefeltern und Hugh etwas von ihrem Plan zu erzählen. Die Fahrt entpuppt sich als schwierig und lang, doch die beiden schaffen es bis kurz vors Ziel. Da werden sie von einem Schneesturm überrascht – mitten in April, in den schottischen Highlands allerdings keine Seltenheit. Es ist Nacht und es ist kalt, als Caroline die Kontrolle über den Wagen verliert. Sie schlittern in eine Schneewehe, in der das Auto stecken bleibt. Ihnen bleibt nichts anderes übrig, als auszusteigen und Hilfe zu suchen.

Glücklicherweise sind sie nicht weit vom nächsten Anwesen gestrandet. Es handelt sich um das riesige Anwesen Cairney. Sie läuten – ihnen wird tatsächlich geöffnet und vom Hausherren Oliver Cairney ohne viel Fragen auch noch geholfen. Oliver ist ganz froh über die Ablenkung, die die beiden in sein trauriges Heim bringen, das eigentlich seinem eben verstorbenen Bruder gehörte. Während er sich mit einer Verehrerin und seinen Sorgen um das Anwesen herumschlägt, tut ihm die Gesellschaft der beiden unerwarteten Besucher sichtlich gut.

Bis die Straßen zum Hotel von Angus wieder vom Schnee befreit sind, vergehen einige Tage – genügend Zeit allerdings für Caroline, um ihre Heiratspläne ernsthaft zu hinterfragen und sich näher mit dem überaus charismatischen Oliver Cairney zu beschäftigen. Dabei bleibt das Interesse nicht nur einseitig und auch für den kleinen Jody scheint sich die Zukunft überaus prächtig zu entwickeln…

Ich muss gestehen, dass die Romane von Rosamunde Pilcher eher zufällig auf meinen Leselisten gelandet sind, ich mittlerweile aber hin und wieder sehr gerne auf eines ihrer überaus romantischen Bücher zurück greife. Sie sind keineswegs tiefsinnig oder anspruchsvoll, aber Pilcher schafft es, aus einer Realistin wie mir für die Dauer der Lektüre eine heißblütige Schottin, eine hübsche Farmerin, eine betrogene Ehefrau oder ein ungeliebtes Stiefkind zu machen.

Pilchers Romane sind voll Leben und Atmosphäre, sie sind die idealen Begleiter für warme Bäder an kalten Herbsttagen, für die Lektüre am kuscheligen Sofa, während draußen der Schnee fällt oder für herrliche Altweibersommer. Hin und wieder kann man sich gute Unterhaltung mit einem Schuss Romantik und viel Landidylle schon mal gönnen. „Schneesturm im Frühling“ ist einer der kürzeren Pilcher Romane, etwas mehr Länge hätte der Tiefe der Charaktere vielleicht ganz gut getan.
Taschenbuch: 192 Seiten
Verlag: rororo; Auflage: 18 (1. März 1993)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499129981
ISBN-13: 978-3499129988

99 heiße Spuren



Autor: Thomas Brezina
Original: 99 heiße Spuren (1991)
meine Bewertung: 3 von 5

„99 heiße Spuren“ ist ein Knickerbocker Bande Ratekrimi-Buch. In 99 kleinen Geschichten zum Mitraten und Tüfteln erwerben die kleinen Leserdetektive Punkte, die am Ende des Buches Aufschluss darüber geben, ob man ein echter Knickerbocker ist. Die Ratekrimis sind dabei mal leichter und mal wieder etwas kniffliger, für Kinder zwischen 8 und 10 Jahren bietet das Buch allerlei Spaß und Spannung. Dieser Band stellt ein weiteres Stück meiner Kindheitserinnerungen dar, den ich nun wieder aufgetrieben habe und das meine Sammlung vervollständigt.
Gebundene Ausgabe: 310 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag; Auflage: 1 (1. Juni 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3473345504
ISBN-13: 978-3473345502

Dienstag, 21. September 2010

Ein Fremder im Spiegel



Autor: Sidney Sheldon
Original: A Stranger in the Mirror (1971)
Übersetzung: Egon Strohm
meine Bewertung: 4 von 5


Die Mutter des kleinen Toby Temple ist schon bei dessen Geburt davon überzeugt, dass ihr Sohn einmal ein Star wird, sie ist deshalb streng, aber liebevoll zu ihm. Sie fordert ihn immer wieder, kümmert sich um die Geschäfte ihres Mannes, weil sich dieser nach der Hochzeit als Schlappschwanz entpuppt hat und sorgt so für das Auskommen der Familie. Als Toby alt genug ist, geht er fort von daheim, um die Bretter der Welt als Komiker zu bereisen. Er beginnt dabei seine Karriere ganz unten. Toby tritt in heruntergekommenen Bars auf, lässt sich von biertrinkenden Arbeitern beschimpfen und ausbuhen, behält dabei aber immer das Kinn oben. Seine Mutter ist überzeugt davon, dass ihr Sohn es schafft. Und seine Mutter hat sich bisher noch nie geirrt.

Viele tausend Meilen von ihm entfernt lebt Josephine, die Tochter einer polnischen Näherin. Als Kind hat sie viele Freundinnen unter den reichen Kindern, obwohl sie selbst in ärmlichen Verhältnissen aufwächst. Sie ist hübsch und nett, die anderen Kinder haben sie gern. Und sie hat sich unsterblich in David verliebt, einen ebenfalls sehr reichen Jungen. Als sie gerade vierzehn geworden ist, ereignet sich jedoch ein traumatisches Erlebnis für die junge Polin, das sie dazu veranlasst, den Kontakt mit den reichen Kindern abzubrechen. Mit achtzehn jobbt sie schließlich in einem Fastfood Restaurant als Kellnerin, als sie nach langer Zeit David wieder einmal begegnet. In all der langen Zeit hat auch er sie nicht vergessen.

Die beiden treffen sich regelmäßig und wollen schließlich heiraten. Doch dazu sollte es nicht kommen, dafür sorgt seine reiche Mutter, die es nicht zulassen kann, dass ihr Sohn mit einer Arbeitertochter liiert ist. Wieder hat Josephine ein traumatisches Erlebnis, an dem sie beinahe zerbricht. Sie packt ihre Koffer und geht nach Hollywood, weil auch sie ein Star werden möchte.

In der Zwischenzeit ist aus dem einst so erfolglosen Toby Temple der berühmteste und beliebteste Komiker Amerikas geworden. Man liebt und bewundert ihn. Toby hat allerdings ein Problem. Je berühmter er wird und je mehr Menschen sich um ihn scharen und ihn bewundern, desto einsamer fühlt er sich. Und da trifft er eines Tages auf die junge Jill Castle, vormals Josephine Cszinski und schon nimmt das Schicksal seinen Lauf. Ein Schicksal, das am Ende jedem zuteil werden lässt, was er verdient hat.

„Ein Fremder im Spiegel“ ist interessant aufgebaut. Im Prinzip beginnt das Buch mit dem Vorwort, das den Leser verwirrt zurück lässt, weil es sich um das Ende der Geschichte handelt. Zur Erklärung des vorangestellten Schlusses wird die ganze Geschichte der Hauptdarsteller von Kindesbeinen an aufgerollt, man erlebt, wie sich die Charaktere entwickeln und wie oft sich das Schicksal in verschlungenen Pfaden zeigt.

Es ist eine unterhaltsame und teilweise auch spannende Geschichte, zum Großteil handelt es sich allerdings um eine mehr als tragische Liebesgeschichte. Wenn man zum Ende kommt und die bereits aus dem Vowort bekannten Worte liest, wird alles klar, man ist direkt ein wenig überrascht, weil man diesen Aspekt ja schon längst wieder verdrängt hatte…
Broschiert: 272 Seiten
Verlag: Goldmann Wilhelm GmbH; Auflage: N.-A. (Dezember 1995)
ISBN-10: 3442063140
ISBN-13: 978-3442063147

Freitag, 17. September 2010

Ich und Klara und der Dackel Schnuffi



Autor: Dimiter Inkiow
Original: Ich und Klara und der Dackel Schnuffi (1978)
meine Bewertung: 5 von 5

Ich und Klara und der Dackel Schnuffi erleben so Einiges, und ihre Eltern gezwungenermaßen mit ihnen, denn Klara geht gerade erst in die erste Klasse Volksschule und ihr Bruder ist sogar noch im Kindergarten. Da kann es schon passieren, dass der Dackel Schnuffi gebadet wird, der Staubsaugervertreter dazu überredet wird, die Wohnung schnell mal durchzusaugen und mit Schwimmärmelchen schlafen gegangen wird.

In kurzen, nett illustrierten Geschichten, die durchwegs humorvoll und von großer Geschwisterliebe geprägt sind, erfährt der Leser, was der kleine „Ich“ im Alltag beobachtet, anstellt und erlebt. Erzählt werden diese Episoden in einer sehr kindlich-sympathischen Art, es handelt sich um ein sehr nettes Vorlesebuch für Kinder im Alter der Protagonisten oder für Erstleser.
Broschiert: 96 Seiten
Verlag: Dtv; Auflage: N.-A. (Juli 2000)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423074183
ISBN-13: 978-3423074186

Agatha Christie Lesebuch



Autorin: Agatha Christie
Original: ?
Übersetzung: ?
meine Bewertung: 2 von 5

In diesem Agatha Christie Lesebuch finden sich kurze Szenen aus einigen ihrer berühmtesten Krimis, ein Steckbrief von Poirot und Miss Marple, Kurzgeschichten, Texte von Christie über sich selbst – die Inhalte sind natürlich sehr toll, da sie ja von der Grand Dame stammen. Allerdings ist dieses Lesebuch für echte Fans wohl eher vernachlässigbar, da darin eigentlich nichts Neues vorkommt, zwei Sterne gibt es aber trotzdem, weil man einiges von ihr einfach nicht oft genug lesen kann.
Taschenbuch
Verlag: Scherz Verlag, Frankfurt (1986)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3502510547
ISBN-13: 978-3502510543

Mittwoch, 15. September 2010

Erntedank



Autoren: Volker Klüpfel, Michael Kobr
Original: Erntedank (2006)
meine Bewertung: 5 von 5

Im beschaulichen Allgäu gehen schreckliche Dinge vor sich. Eine männliche Leiche wird gefunden – an sich ist das selbst im Allgäu nichts Ungewöhnliches, allerdings wurde die Leiche gar grausig zugerichtet. Ein Rabe wurde kunstvoll auf der Brust des Opfers drapiert, ein Auge wurde ihm ausgehackt und den Tod fand der ehemalige Kaffee-Fahrten-Veranstalter mittels eines gekonnt geführten Schnittes einer Sense.

Nun ist Kommissar Kluftinger an sich schon nicht mit dem stärksten Magen ausgerüstet, was den Anblick von Leichen betrifft. Allerdings ist ihm das nun fast zuviel. Dennoch funktioniert sein fast fotografisches Gedächtnis und er entdeckt, als er sich schon längst von dem Fund weggedreht hat, ein wichtiges Detail: In der Halswunde des Opfers steckt ein kleines Zettelchen.

Der Mord hat etwas Ritualhaftes an sich und als eine weitere Leiche, dieses Mal von der Abtreibungsärztin Heiligenfeld, gefunden wird, hat die Polizei es auch noch mit einem Serientäter zu tun. Die Ärztin wurde ebenfalls mit einer Sense hingerichtet, auf ihrer Stirn wurde die Zahl elf eingeritzt. Bei sich trägt sie das Foto einer Kirchenfigur. Kluftinger und seine Kollegen stehen nicht nur vor dem Problem, einen Mörder finden zu müssen, sondern auch noch, weitere Morde verhindern zu müssen.

Hilfe bekommt Kluftinger dieses Mal aus einer eher unerwarteten Ecke. Sein Sohn Markus, seines Zeichens Psychologie-Student, und seine Frau Erika erweisen sich als wertvolle Hilfe. So kommt es, dass das gesamte Kommissariat schließlich damit beschäftigt ist, alte Sagenbücher zu wälzen.

Schon bald hat man auch einen Verdächtigen, auf den alle Hinweise nur zu gut passen. Da verschwindet plötzlich der Bruder von Staatsanwalt Möbius. Nun zählt jede Sekunde, der Mörder muss gefasst werden, bevor er sein irres Werk fortsetzt. Wird Kluftinger noch rechtzeitig kommen?

Ich oute mich hiermit als Kluftinger-Fan. Für mich hat er etwas von Kommissar Kugelblitz, den ich als Kind schon verehrt habe (und der in meiner Phantasie sowieso aussieht wie Altmeister Hercule Poirot). Ein wenig brummelig, dicklich, unbeholfen und gemütlich. Lustig nur unabsichtlich und umgänglich auch nur zufällig. Kluftinger ist ein griesgrämig-sympathischer Ermittler, der nicht nur im Job ziemlich viel um die Ohren hat, sondern auch immer wieder sein Auskommen mit Doktor Lodenbacher finden muss, dessen Ehefrau die beste Freundin von Kluftingers Erika ist. In diesem Band sind die Kluftingers sogar dazu gezwungen, kurzzeitig bei den Lodenbachers zu wohnen. Und dass das nicht gut geht, kann man sich leicht vorstellen.

Der Fall ist spannend konstruiert und als Leser hat man schon ca. 100 Seiten vor Kluftinger ein Aha-Erlebnis und den Mörder dingfest gemacht, dann allerdings kann man mitfiebern, wie lange es noch dauern wird, bis auch Klufti auf den Trichter kommt und wie er ihn schließlich fassen wird. Für Fans von Lokalkolorit, niederbairischen Einwürfen und klassiche Krimihandlungen ist Kluftinger wirklich empfehlenswert. Dieses Buch sollte der Stimmung halber Mitte Oktober/Anfang November lesen.
Taschenbuch: 384 Seiten
Verlag: Piper; Auflage: 17 (Oktober 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3492245110
ISBN-13: 978-3492245111

Dienstag, 14. September 2010

Das Geheimnis der Schnallenschuhe



Autorin: Agatha Christie
Original: One, Two, Buckle my Shoe (1940)
Übersetzung: ? (Donauland-Ausgabe)
meine Bewertung: 3 von 5


Eigentlich wollte Hercule Poirot nur zum Zahnarzt gehen. Aber selbst da wird er mit einem Mord konfrontiert. Sein Besuch bei Dr. Morley verläuft Ereignislos, beschwingt und erleichtert verlässt er nach seinem Termin das Haus. Er hat wieder einmal seinen halbjährlichen Vorsorgetermin ohne wesentliche Schmerzen überstanden. Als Poirot sich vom Doktor verabschiedet, lebte dieser noch. Doch kurz darauf wird der Zahnarzt tot in seinem Behandlungszimmer aufgefunden.

Morley hat sich scheinbar erschossen, die Polizei glaubt an einen Selbstmord, vor allem auch deshalb, weil niemand ein Motiv für den Mord am Arzt hat, keine Fremden im Haus gesehen wurden und er an diesem Tag einen folgenschweren Fehler gemacht hat: Ein Patient starb in seinem Hotelzimmer nach seinem Zahnarztbesuch, aufgrund einer überdosierten Beruhigungsspritze, wie sie beim Zahnarzt verabreicht wird.

Obwohl Inspektor Japp, ein persönlicher Freund des kleinen belgischen Detektivs, fest an seine Selbstmord-Theorie glaubt, ist Poirot nicht ganz seiner Meinung. Zu viele Ungereimtheiten hat er entdeckt, außerdem taucht eine weitere Leiche auf – macht insgesamt drei. Eine Frau wird eindeutig ermordet in der Wohnung einer anderen Frau aufgefunden, eindeutig ermordet. Und ebenso wie der ausländische Mann, der tot in seinem Hotelzimmer aufgefunden wurde, war auch diese Dame eine Patientin des Zahnarztes.

Der Kreis der Verdächtigen ist nicht groß, eigentlich ist er gar nicht vorhanden. Poirot stochert deshalb im Dunklen, auf die Unterstützung Japps ist er glücklicherweise nicht angewiesen, denn der weigert sich lange, eine Morduntersuchung einzugestehen. Der Fall ist verwirrend, doch vor Poirots kleine grauen Zellen ist kein Mörder sicher…

Tatsächlich ist diese Geschichte mit dem belgischen Detektiv Hercule Poirot eine sehr verwirrende, für den Leser ist es nahezu nicht möglich, den Mörder noch vor dem Superschnüffler zu identifizieren. Insgesamt kommt etwas sehr viel Spionage vor, die Auflösung ist weniger schlüssig als man dies von Christie gewohnt ist. Dennoch ist es eine unterhaltsame und spannende Lektüre, die sich ein Christie-Fan natürlich nicht entgehen lassen darf, um Christie kennen zu lernen gibt es wohl weit geeignetere (und auch bekanntere) Werke.
Broschiert: 206 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 2., Aufl. (16. November 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596173094
ISBN-13: 978-3596173099

Das unvollendete Bildnis



Autorin: Agatha Christie
Original: Five Little Pigs (1942)
Übersetzung: ?
meine Bewertung: 5 von 5


Der berühmte belgische Detektiv Hercule Poirot konnte noch nie jungen Mädchen widerstehen – so kommt es, dass er sich eines sehr verzwickten Falles annimmt. Eine junge Dame möchte heiraten, sie hat allerdings vor kurzem erst erfahren, dass ihre leibliche Mutter hingerichtet werden sollte, weil sie angeblich ihren leiblichen Vater, einen berühmten Maler, vergiftet haben soll. Ihre Mutter ist dem Tod durch den Strang entkommen, aber im Gefängnis verstorben. Ihre letzte Nachricht an ihre mittlerweile in einem anderen Land lebende Tochter war die Beteuerung, nicht am Tod ihres Vaters Schuld zu sein.

Da die junge Miss Carla den Worten ihrer Mutter glaubt, bittet sie Hercule Poirot inständig, die Wahrheit ans Licht zu bringen, schließlich will sie ohne diesen verwandtschaftlichen Makel in die Ehe übertreten. Poirot nimmt sich des Falles an, der sich als besonders schwierig und verzwickt erweist, da er schon mehr als sechzehn Jahre zurückliegt.

Zuerst befragt Poirot persönlich all jene Menschen, die damals im Haus des Malers anwesend waren, pikanterweise auch die Geliebte des Künstlers, die die vermeintliche Mörderin ihres Geliebten immer noch hasst und verflucht, mit all der Leidenschaft, zu der sie nach so langer Zeit noch fähig ist. Die Nachbarn, das Kindermädchen – niemand entkommt der Vergangenheit.

Nach der Befragung erhält Poirot von allen Augenzeugen einen schriftlichen Bericht, angefertigt von jedem angeblich nach bestem Wissen und Gewissen. Und schließlich versammelt er nach alter Manier die Verdächtigen – nun ja, dieses Mal nicht in einer Bibliothek rund um einen knackenden Kamin, aber doch – um schließlich bis ins kleinste Detail auszuführen, wer den Mord an Amyas Crale begangen hat.

Christie entführt, egal wie oft man ihre Bücher schon gelesen hat, immer wieder in ein längst vergangenes England voller Geheimnisse, reicher Menschen, Bibliotheken, Herrenhäuser, Dienstmädchen und Köchinnen. Die Gärtner streunen durch riesige Anwesen und Mord hat Hochkonjunktur. Poirot ist ein witziger Detektiv, der nichts davon hält, sich zu bücken, wenn er genauso gut seine kleinen grauen Zellen anstrengen kann.

In diesem Buch verwendet Christie eine recht unübliche Erzählform. Das Buch ist dreigeteilt. Im ersten Abschnitt erfährt man die Hintergründe der Tochter und die Tatsachen, im zweiten liest man von jedem Verdächtigen den Bericht – was schließlich dazu führt, dass man im Prinzip ständig dieselben Fakten und Abläufe liest, seltsamerweise stört man sich aber nicht daran, wahrscheinlich, weil man weiß, dass irgendwo in diesen Berichten und Erzählungen der Schlüssel zum Geheimnis liegen muss. Ich zumindest habe versucht, schneller als Poirot zu sein – ein scheinbar unmögliches Unterfangen.

„Das unvollendete Bildnis“ gehört zu meinen Lieblingsbüchern von Agatha Christie, es ist spannend, die Auflösung nachvollziehbar und irgendwie die ganze Zeit so offensichtlich, dass man sie nicht sieht. Poirot wie immer sympathisch arrogant und unsympathisch und England immer noch das Zentralheizungsfreie Königreich.
Broschiert: 220 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 1 (20. Juni 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596175844
ISBN-13: 978-3596175840

Montag, 13. September 2010

Der Schatz in der Drachenhöhle



Autor: Stefan Wolf
Original: Der Schatz in der Drachenhöhle (1982)
meine Bewertung: 3 von 5

Endlich sind die Sommerferien angebrochen! Die vier Freunde Tim, Karl, Klößchen und Gaby haben sich schon so lange darauf gefreut, schließlich haben die vier Kinder, die gemeinsam unter dem Namen TKKG-Bande bekannt ist, etwas Besonderes vor: Sie möchten mit einem Kanu den nahe an der Stadt vorbei führenden Fluss bereisen. Ihre Eltern haben es erlaubt, die Vorräte sind bereits gepackt und lediglich ein paar Einkäufe müssen noch gemacht werden.

Als sich Tim, der auch Tarzan genannt wird, weil er so gut klettern kann und auch sonst eine wahre Sportskanone ist, gerade darum kümmert, die wasserfesten Gummisäcke für ihre Kleidung zu besorgen, kommt er einem Polizeieinsatz beinahe in die Quere. Ein fliehender Mann wird von Kommissar Lukas, den der Junge nicht besonders gut ausstehen kann, verfolgt. Tarzan macht sich ebenfalls an die Verfolgung und sieht gerade noch, wie der Fliehende im Park einen Zettel entsorgt, bevor er von der Polizei verhaftet wird.

Aus reiner Neugier schnappt sich Tarzan den Zettel, der sich schnell als Plan zur Beute des Diebes entpuppt. Tarzan wird beobachtet, wie er den Plan an sich nimmt, weshalb er schnell den Zorn des Komplizen des Verhafteten auf sich zieht. So wird die gemütliche Kanufahrt zu einem Spießrutenlauf. Die Kinder werden von einer ganzen Schar Rocker auf Motorrädern verfolgt, die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken. Wird der nette Ferienausflug zu einem Höllentrip?

Wie schon öfter angemerkt, ist die Lektüre als erwachsener Mensch mit vielen Ambivalenzen verbunden. Einerseits werden „die Bösen“ immer auch mit körperlichen Makeln versehen beschrieben (fleischige Nase, buschige Augenbrauen, Tätowierungen, Motorräder etc.), Zugehörige anderer Volksgruppen kommen meist nicht besonders gut weg („die brutalen Zigeuner“ in diesem Band), ebenso wie Mädchen meist als das sehr schwache Geschlecht dargestellt werden. Auch in diesem Band haben Klößchen und Karl so gut wie keine Funktion, außer eben auch dabei zu sein.

Andererseits kann ich mich noch sehr gut daran erinnern, wie es war, als Kind die Bücher der TKKG Bande zu lesen. Damals faszinierten sie mich und unterhielten mich gut. Und was auch heute noch wirklich nett zu lesen ist: Es gab mal eine Zeit ohne Computer, Handy und Apps. Und die hatte auch ihre Vorzüge. Das Fazit wie immer bei den Büchern der TKKG Bande: angeleitetes und besprochenes Lesen ist für Kinder hier wichtig.
Broschiert: 181 Seiten
Verlag: Omnibus Tb Bei Bertelsmann (7. November 2005)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 357021589X
ISBN-13: 978-3570215890

Das Leben und Sterben im Uncle Sam Hotel



Autor: Charles Bukowski
Übersetzung: Carl Weissner
Original: Erections, Ejaculations, Exhibitions... (1972)
meine Bewertung: 4 von 5

Sex, saufen, Schwerenöter sein – Bukowski in Reinkultur erlebt man in diesen Kurzgeschichten. Sie erzählen aus dem nahezu verzweifelt lebensfrohen Leben von Charles Bukowski und zeigen nicht nur, wie kaputt er selbst ist, sondern auch, wie kaputt der amerikanische Traum ist.

An Bukowski fasziniert seine Zartheit, die er in wilden und boshaften Worten meisterlich versteckt, in den Szenen, in denen er seine Zuneigung zu Linda beschreibt, blitzt diese andere Seite Bukowskis jedoch durch.

Was Bukowski von Kritikern gehalten hat, ist ja bekannt. Darum sei hier nur gesagt: Man kann den alten Hank lieben oder hassen, aber mögen kann man ihn nicht. Etwas mehr Gefühlsregung hat er sich schon verdient.
Broschiert: 118 Seiten
Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt; Auflage: 12 (1. Dezember 1990)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3596104793
ISBN-13: 978-3596104796

Sonntag, 12. September 2010

Wo fahren wir hin, Papa?



Autor: Jean-Louis Fourniere
Original: Où on va, papa? (2008)
Übersetzung: Nathalie Mälzer-Semlinger
meine Bewertung: 5 von 5

Jean-Louis Fournier, Schriftsteller, Humorist und Fernsehregisseur, hat zwei körperlich und geistig schwer behinderte Kinder, Mathieu und Thomas. Er hat sich immer Kinder gewünscht, natürlich hätte er es in vielen, fast allen, Situationen vorgezogen, gesunde Kinder zu haben, aber er hat die beiden ins Herz geschlossen – schließlich sind sie seine Kinder und können am wenigsten dafür, dass sie so sind, wie sie sind.

Schonungslos ehrlich beschreibt Fournier die Gedanken und Gefühle eines Vaters, der seinen Kindern gerne auch einmal ein Buch vorgelesen hätte oder mit ihnen Türme aus Bauklötzen gebaut hätte, der gerne mit den Kindern Fußball gespielt hätte oder einfach nur reden hätte wollen. Doch all das blieb ihm verwehrt, stattdessen hat er zwei Söhne in den Körpern von Teenagern und mit dem Gemüt von Kleinstkindern.

Fournier beschönigt absolut nichts, er stellt sich als sehr realer Mensch dar, der seinen Kindern ein Denkmal in Form eines humorvollen, liebevollen und erschreckenden Buches gewidmet hat. Episodenhaft erzählt er von Begebnissen aus dem Leben mit seinen beiden Söhnen, die ihm oft Grund zum Lachen gegeben haben, oft aber auch Grund zum Heulen.


Taschenbuch: 160 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. November 2009)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423247452
ISBN-13: 978-3423247450

The Graveyard Book



Autor: Neil Gaiman
Original: The Graveyard Book (2009)
meine Bewertung: 3 von 5


Kaltblütig und grausam verrichtet „The man Jack“ seinen Auftrag. Er beseitigt eine gesamte Familie eines Nachts in deren Haus. Lediglich der Säugling der Familie schafft es, zu entkommen. Er flieht ausgerechnet auf den nahegelegenen Friedhof, wo sich die beiden Geister Owens um ihn annehmen und für ihn eintreten. Sie möchten den Säugling gerne behalten und versorgen. Die gesamte Gemeinde der bereits Verstorbenen versammelt sich, um zu entscheiden, wie es mit dem Kleinen weitergehen soll. Als sich schließlich die Graue Frau ebenfalls für ihn einsetzt, ist es beschlossene Sache: Das Baby bleibt bei den beiden Owens-Geister, die zu Lebzeiten nie ein Kind hatten, aber immer eines wollten.

Die beiden nennen den Kleinen Nobody, abgekürzt auch „Bod“. Bod wird von allen Bewohnern des Friedhofes geschätzt und beschützt, sie ahnen, dass der Junge in Gefahr schwebt, sobald er sich außerhalb der Friedhofsmauern bewegt. Da die Geister Bod nicht berühren können oder den Friedhof verlassen können, um Essen für den Jungen zu besorgen, übernimmt der Vampir Silas, der sich unter den Lebenden ebenso bewegen kann wie unter den Toten, die Patenschaft für den Jungen.

Verschiedene Geister werden zu Bods Lehrern, der Junge entwickelt sich prächtig und hat viele – wenn auch tote – Freunde. Zwischenzeitlich wagt er das Experiment, in eine Schule zu gehen, aber das wird eher zu einem Debakel. Schließlich ist es wichtig für Bod, dass er unauffällig lebt. „The man Jack“ ist ihm nämlich schon gefährlich nah. Dieser möchte seinen Auftrag, der sich aus einer alten Prophezeiung ergibt, endlich vollständig erfüllen und auch Bod beiseite schaffen.

Allerdings hat Bod durch sein Leben am Friedhof einige der Fähigkeiten von Geistern angenommen und genießt den speziellen Schutz des Friedhofes. Als eine alte (lebendige) Freundin aus Kindertagen plötzlich wieder auftaucht, fasst Bod einen Entschluss. Er will sein Leben unbedroht leben, weshalb er „The man Jack“ zuvor kommen möchte. Er muss ihn aus der Welt schaffen, um selbst weiterleben zu können. Zu diesem Zeitpunkt weiß Bod noch nicht, dass er sich nicht mit einem einzelnen Gegner, sondern mit einer ganzen Organsation von „Jacks“ anlegt…

„The Graveyard Book“ ist eine fantasievolle Geschichte, die man als Erwachsener genauso gut lesen kann wie als Kind. Die Figuren sind halbwegs komplex, die Welt der Geister wird einen vertraut und auch die Idee ist zumindest für mich doch eher eine ungewöhnliche. Was meine Lesefreude allerdings getrübt hat, war die Tatsache, dass viele Dinge Schlag auf Schlag passieren und nicht wirklich umfassend abgehandelt werden. Für mich also durchaus eine Geschichte, die man auf etwas mehr als 290 Seiten ausbreiten hätte können.
Taschenbuch: 304 Seiten
Verlag: Bloomsbury Publishing; Auflage: Children's ed (5. Oktober 2009)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0747594805
ISBN-13: 978-0747594802

Dienstag, 7. September 2010

The Lost Symbol



Autor: Dan Brown
Original: The Lost Symbol (2009)
meine Bewertung: 5 von 5

Der berühmte Symbologe Professor Robert Langdon erhält einen Anruf vom Sekretär seines besten Freundes. Dieser befindet sich in der Bedrouille, denn am Abend soll eine Tagung stattfinden, für die der Redner kurzfristig ausgefallen ist. Der Sekretär bittet also Robert, statt diesem Redner einzuspringen und einen Vortrag zu halten. Der Vortrag soll das Capitol behandeln, da die Tagung in den Räumen des berühmten Washingtoner Capitols stattfinden soll. Robert sagt zu, schnappt sich seine Notizen und macht sich auf den Weg nach Washington.

Als er jedoch im Vortragssaal ankommt, erlebt er eine herbe Enttäuschung: er ist leer. Als in der Rotunde des Capitols genau an dem Augenblick eine abgetrennte menschliche Hand auftaucht, die der von Roberts Freund Peter verblüffend ähnlich sieht, ist Langdon klar, dass er wieder einmal mitten in das Auge eines Hurricanes geraten ist. Sofort wird die Rotunde abgeriegelt, verblüffenderweise ist auch die CIA sofort zur Stelle, als hätte es nur darauf gewartet, einzugreifen.

Direktor Inoue Sato und Langdon scheinen zwar am selben Strang zu ziehen, aber die beiden geraten sich immer wieder in die Haare. Für Langdon ist die Sorge um seinen Freund Peter Solomon vorrangig, welche Ziele Sato verfolgt, wird lange nicht klar. Sicher ist, dass sich Peter Solomon in höchster Gefahr befindet, ebenso wie dessen Schwester Katherine, die gerade dabei ist, wichtige Durchbrüche in der Noetik zu verzeichnen – Ergebnisse, die Welt in Atem versetzen und keinen Stein auf dem anderen lassen würden, würden sie an die Öffentlichkeit geraten.

Es entbrennt eine Schnitzeljagd. Peters unbekannter aber gefährlicher Entführer erwartet von Peter Langdon, die Zeichen zu entschlüsseln, die ihn zu geheimen Pyramide der Freimaurer führen soll, die angeblich die Treppe zu einem Portal erhält. Langdon hielt diese Legende immer für ein Gerücht, doch vor langer Zeit hatte ihm Peter Solomon, einer der höchsten Freimaurer in seiner Loge, ein kleines Paket anvertraut, das laut seiner Aussagen unglaublich wertvoll sein soll und den Weg zum Portal weisen kann. Langdon hat dieses Paket auf Anordnung des Sekretärs mitgebracht – und schwebt nun ebenfalls in höchster Lebensgefahr, da er für den Entführer nur so lange von Wert ist, wie die Jagd nach Hinweisen zum Portal andauert.

Brown hat wieder einmal einen absolut spannenden Roman geschaffen, der Tatsachen und Fiktion ebenso gekonnt miteinander verwebt wie subtile Liebesgeschichten, urbane Legenden und Verschwörungstheorien. Dieses Mal sind es die Freimaurer, die Brown mit Hilfe der Figur des Symbologen Langdon auseinanderpflückt. Es ist dabei egal, wie „wahr“ seine Aussagen sind, einfach deshalb, weil es sich um einen Roman handelt, dessen Handlung man Brown abnimmt. Mir persönlich ist es auch egal, wie sehr Brown behauptet, sich mit seinen Romanen auf Tatsachen zu stützen – schließlich ist das ja auch nichts anderes als ein literarischer Kunstgriff (man denke nur an die „Zeitungsberichte“ in Stephen Kings „Carrie“).

Wahrscheinlich handelt es sich bei Browns Werken tatsächlich um trivialste Trivialliteratur, die mit viel Halbwissen angereichert ist, um sich den Anschein intelligenter Lektüre zu geben; das kann durchaus sein. Allerdings stellt sich hier schon die Frage: Was erwartet man? Liest man Brown im Bewusstsein um dessen Unterhaltungscharakter, so ist es ein durchaus sinnvoller Zeitvertreib. Besonders dumm kann Brown auch nicht sein – immerhin liefert der Mann einen Bestseller nach dem anderen ab. Und selbst wenn diese, wie von Jeffrey Eugenides behauptet, immer nach dem selben Muster funktionieren: Auch das Prinzip von Sex ist im Grunde immer gleich – was aber niemanden davon abhält, es immer wieder zu tun und immer wieder mit den Möglichkeiten der vorgegebenen Grenzen zu experimentieren.

Was ich mit Sicherheit behaupten kann: Die Geschichte war spannend, obwohl mir viel zu früh ein wesentliches Detail aufgefallen ist, das einen wichtigen Punkt in der Geschichte schon lange vorweg genommen hat. Aber nichts destotrotz eine unterhaltsame, kurzweilige Lektüre. Schade, dass der Tätowierte der Böse ist – das ist nun doch ein wenig viel Klischee. Robert Langdon Fans werden ihren Spaß daran haben. Für 2012 (oh, welch symbolhaftes, schicksalhaftes Jahr!) ist eine Verfilmung geplant, in der Hauptrolle soll wieder Tom Hanks zu sehen sein. Dieser hat seine Sache in „DaVinci Code“ und „Illuminati“ gut gemacht, seither trägt Langdon für mich unweigerlich Hanks Gesichtszüge, sodass man sich auch auf die Verfilmung freuen kann.
Broschiert: 670 Seiten
Verlag: Transworld Publishers (Juli 2010)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0552161233
ISBN-13: 978-0552161237

Montag, 30. August 2010

Jenseits von Mitternacht



Autor: Sidney Sheldon
Original: The Other Side of Midnight (1973)
meine Bewertung: 2 von 5

Noelle, einst ein armes Mädchen aus Marseille, hat es geschafft. Sie hat sich mit viel Raffinesse, mit Männern und ihrer unvergleichlichen Schönheit ganz an die Spitze gearbeitet. Sie ist eine erfolgreiche Schauspielerin geworden und mit dem mächtigsten Mann Griechenlands – wenn nicht sogar Europas – liiert.

Catherine ist, im Gegensatz zu ihr, nur von mäßiger Schönheit. Sie hat sich einen Job in New York gesucht, wird erfolgreich auf dem Gebiet der Werbung und verliebt sich schon bald in ihren Chef, nur um dann dessen gerade eben aus dem Zweiten Weltkrieg zurück gekehrten besten Freund zu heiraten und mit diesem durchzubrennen.

Und genau dieser Mann ist es, der die beiden Frauen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, miteinander verbindet. In Noelles frühem Erwachsenenalter hatten die beiden ein folgenschweres Intermezzo, nach dem sich der Mann – Larry Douglas mit Namen – aus dem Staub machte. Noelle hat ihn über die Jahre hinweg nicht aus den Augen verloren und jeden seiner Schritte überwachen lassen. Larry hingegen hat Noelle schnell vergessen und landete schließlich bei Catherine.

Als Larry, Cathrines Ehemann, eine Stelle als Privatflieger beim reichsten Mann Griechenlands angeboten bekommt, kann er nicht nein sagen. Er und seine Frau ziehen nach Griechenland. Lange Zeit kann sich Larry nicht erklären, weshalb die Freundin seines Chefs derart unhöflich und abweisend ihm gegenüber ist. Aber schon bald sorgt Noelle dafür, dass Larry sich erinnert.

Auch diese Begegnung bleibt nicht ohne Folgen und auch diese Begegnung fordert – wie schon beim ersten Mal – einen Toten. Der sensationelle Mordprozess, der daraufhin folgt, lockt alle ehemaligen Verbündeten Noelles in den Gerichtssaal. Der Showdown entpuppt sich schließlich als ausgeklügeltster und grausamster Racheplan schlechthin…

Was in einer Zusammenfassung kurz dargestellt durchaus sehr spannend klingen kann, ist in Wirklichkeit ein 450 Seiten umfassender Roman, der während des Lesens keine sonderlichen Höhen oder Spannungsbögen aufweist. Die Hauptfiguren sind einem großteils unsympathisch und verhalten sich irrational, es handelt sich um einen der für mich eher schwächeren Sheldon-Romane.
Taschenbuch: 429 Seiten
Verlag: Ullstein Tb (1998)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3548245250
ISBN-13: 978-3548245256

Sonntag, 29. August 2010

Geist der Venus



Autor: Wolfgang A. Gogolin
Titel: Geist der Venus (2010)
meine Bewertung: 4 von 5

„Never judge a book by its cover“ – dieser Satz trifft beinahe immer zu, aber im vorliegenden Fall von Gogolins „Geist der Venus“ ist es umso wichtiger, den ersten (nicht so prickelnden) Eindruck zu ignorieren, den Cover und Titel vermitteln. Das eher altmodisch geratene Cover verschleiert die Tatsache, dass in dem schmalen Bändchen moderne, heitere, amüsante, traurige, melancholische und nachdenkliche Kurzgeschichten versammelt sind.

Der Schreibstil ist locker und gespickt mit Wortspielen, die in ihrer Eleganz an Brandstetter erinnern. Die Themen reichen vom Leben übers Sterben, sinnliche Genüsse werden besonders wirkungsvoll eingesetzt und man ist wahrlich überrascht ob der Qualität der Geschichten. Als Anlesetipp sei die Geschichte „Blumen der Sünde“ erwähnt, die einem mehr als nur ein Lächeln entlockt.

Der Autor, von Berufs wegen Rechtspfleger, macht mit seinen Kurzgeschichten richtig neugierig darauf, wie es wäre, auch einmal einen Roman von ihm zu lesen. Sicher ist jedoch, dass ich bei Gelegenheit auch noch seine anderen bereits erschienenen Kurzgeschichtenbände lesen werde.
Broschiert: 93 Seiten
Verlag: Mohland Verlag (1. März 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3866751176
ISBN-13: 978-3866751170

Montag, 23. August 2010

Von Mäusen und Menschen



Autor: John Steinbeck
Original: Of Mice and Men (1932)
Übersetzung: Georg Hofer
meine Bewertung: 5 von 5

Kalifornien, in irgendeinem Sommer der 1920er Jahre. Die beiden Freunde Lennie Small und George Milton ziehen gemeinsam durchs Land und verdienen sich ihre Brötchen als Wanderarbeiter. Sie sind ein eher seltsam anzusehendes Paar. Lennie ist groß und ungeschlacht, er verfügt aber leider über einen ziemlich niedrigen IQ, ist kindlich und naiv. Deshalb besorgt George meistens das Reden und Denken für die beiden. George gibt auf Lennie acht, weil er das Lennies Tante versprochen hatte, bevor diese starb. Und dieses Versprechen nimmt George ernst.

Trotz all der Schwierigkeiten, in die die beiden ständig geraten, weil Lennie nunmal so ist, wie er ist, nimmt George Lennie immer noch unter seine Fittiche und träumt gemeinsam mit ihm sogar von einem besseren Leben auf einer eigenen kleinen Farm. Obwohl George das Aufpassen auf Lennie als ziemliche Bürde empfindet und dies Lennie immer wieder sagt, weiß er doch, dass die beiden nicht mehr haben, als sich selbst. Keine Familie und keine Freunde und nichts Erspartes. Bevor sie sich bei ihrem nächsten Arbeitgeber vorstellen, muss Lennie George versprechen, sich im Hintergrund zu halten und nicht viel zu sagen – und vor allem: keine Schwierigkeiten zu machen. Sollte er doch wieder Probleme bekommen, soll er zu einer verabredeten Stelle kommen, sich verstecken und dort auf George warten.

Von ihrem letzten Job mussten die beiden fliehen, weil sich George in den Kopf gesetzt hatte, den schönen Stoff eines Mädchenkleides zu berühren. Blöd nur, dass das Mädchen noch drin steckte und wie am Spieß zu brüllen begann. Lennie wurde panisch und packte noch fester zu, zum Glück kam aber George, schnappte seinen minderbemittelten Freund und machte sich erneut auf die Socken mit ihm. Solche Unfälle sollen dieses Mal nicht passieren.

Leider entpuppt sich Curley, der Sohn des Chefs, als Boxfan. Er schlägt gerne Krawall und sucht häufig körperliche Auseinandersetzungen. Von Anfang an hat es Lennie nicht besonders leicht mit ihm, obwohl er ihm immer wieder aus dem Weg geht. Die beiden Männer verstehen sich mit dem Vorarbeiter Slim, dem alten Candy und dem Arbeiter Carlson ganz gut, obwohl es unter den Arbeitern rau zugeht. Weil Carlson den Gestank des alten Hundes von Candy nicht mehr aushält, überredet er Candy, seinen Hund erschießen zu dürfen. Candy gibt nach, ist aber danach nicht mehr derselbe. Er möchte ebenso wie Lennie und George sesshaft werden und sein Leben nicht damit beenden, für Fremde gearbeitet zu haben. Er bietet George und Lennie an, mit seinem ersparten Geld in ihre Farm zu investieren.

Lennies Leben wird ein wenig aufgeheitert, als ihm Slim einen Hundewelpen schenkt, um den er sich rührend kümmert. Diese Freude hält jedoch nicht allzu lange an, denn Lennie streichelt den kleinen Welpen so ausgiebig und fest, dass er ihm dabei das Genick bricht. Er ahnt schon, dass George das nicht besonders gut finden wird, beschließt aber, den toten Welpen im Stroh zu verstecken und George nichts davon zu erzählen.

Da taucht aber die Frau von Curley auf, die schon vorher immer wieder für Ärger gesorgt hat, indem sie mit den Arbeitern anbändelte – was natürlich ihrem streitsüchtigen Mann Curley nicht besonders gut in den Kram passte und ihm immer wieder Grund für Streit gibt. Und nun hat die ehemalige Prostituierte beobachtet, wie Lennie das tote Hundebaby versteckt. Sie rückt Lennie ziemlich auf die Pelle und lässt ihn schließlich ihr samtiges Haar berühren. Als Lennie etwas gröber wird, beginnt sie zu schreien. Lennie ahnt, dass er es mal wieder versiebt hat und bittet die Frau, doch nicht zu schreien. Er verleiht seiner Bitte Nachdruck, indem er ihr den Mund zuhält. Es kommt, wie es kommen muss: Lennie hat soviel Kraft, dass er ihr unabsichtlich das Genick bricht.

Er flieht zur verabredeten Stelle und wartet auf George. Und der kommt auch, begleitet von der fuchsteufelswilden Meute der Arbeiter und Curley. Was dann passiert, damit rechnet der Leser nicht – und er glaubt es auch kaum.

„Von Mäusen und Menschen“ ist eine unglaublich gefühlvolle Geschichte, die trotz ihrer Kürze aus den handelnden Personen für den Leser Freunde macht, die trotz ihrer Kürze es vermag, den Leser auf die Seite der beiden Wanderarbeiter zu ziehen und viele Gefühl zu vermitteln. Ein wunderbares Buch, das zeigt, wie beharrlich man den American Dream verfolgen und verfehlen kann. Sehr, sehr empfehlenswert. Steinbeck gehört sowieso mittlerweile zu meinen Favourites.
Taschenbuch: 128 Seiten
Verlag: Deutscher Taschenbuch Verlag (1. Oktober 1987)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3423107979
ISBN-13: 978-3423107976