Sonntag, 28. Februar 2010

Im Dschungel verschollen



Autor: Thomas Brezina
Original: Im Dschungel verschollen (1993)
meine Bewertung: 2 von 5

Die Knickerbocker Bande ist im südamerikanischen Dschungel, dieses Mal gemeinsam mit einem Elternpaar, die sich auf einer Forschungsstation befinden. Damit den Kindern nicht langweilig wird, schenken diese ihnen einen Rundflug über den Dschungel in einem kleinen Flugzeug. Die Kinder genießen die Aussicht, doch lang währt ihre Freude nicht.

Das Flugzeug beginnt zu ruckeln und zuckeln und schließlich muss der Pilot eine schwierige Notlandung im Dschungel versuchen. Glücklicherweise gelingt es dem jungen Mann, das Flugzeug heil auf den Boden zu bringen. Dass damit die Schwierigkeiten erst beginnen, ist natürlich typisch Knickerbocker Bande.

Die Kinder und der Pilot werden von seltsamen Menschen entführt, die wie Mayas gekleidet sind und scheinbar unter dem Dauereinfluss von Drogen stehen. Poppi und Axel werden schließlich dazu ausgewählt, einen besonderen Botengang zu machen. Von diesem hängt das Leben der restlichen Knickerbocker Bande ab – werden die beiden Kinder dieser Aufgabe gewachsen sein?

Dieser Band der Serie überrascht einerseits durch die Tatsache, dass auch Poppi eine wesentliche Aufgabe bekommt, die sie natürlich meistert. Andererseits häufen sich in diesem Band (zumindest in meiner 2. Auflage) grammatikalisch falsche Ausdrücke. Ansonsten wieder: ein netter Spaß für die Zielgruppe.
Gebundene Ausgabe: 178 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag; Auflage: 2., Aufl. (1. Februar 2010)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3473471526
ISBN-13: 978-3473471522

Donnerstag, 25. Februar 2010

Mini feiert Geburtstag



Autorin: Christine Nöstlinger
Original: Mini feiert Geburtstag (2002)
meine Bewertung: 4 von 5

Die achtjährige Hermine Zipfel ist sehr dünn und sehr groß – dennoch wird sie von allen nur Mini genannt. Und Minis beste Freundin ist ganz klein, die heißt Maxi. Zusammen haben sie schon viel erlebt, jetzt steht auch noch Minis Geburtstag zur Verfügung. Sie kann aber leider nicht alle Kinder einladen, die sie gerne dabei hätte, weil sonst der Platz in der Wohnung nicht für alle reicht. Also muss eine Idee her. Und die kommt ausgerechnet aus einer ganz unvermuteten Ecke…

Die „Mini-Bücher“ von Christine Nöstlinger sind, als ich ein Volksschulkind war, der absolute Renner gewesen. Und auch jetzt beim Wiederlesen als Erwachsene finde ich die Geschichten sehr nett und einfach optimal für Erstleser oder zum Vorlesen für die Jüngsten. Sehr nett, Kinderbuchklassiker!
Gebundene Ausgabe: 64 Seiten
Verlag: Dachs-Verlag; Auflage: 1 (2002)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3851912705
ISBN-13: 978-3851912708

Dienstag, 23. Februar 2010

Der Fluch der Madame "Q"



Autor: Gary Larson
Original: The Curse of Madame "C" (1994)
meine Bewertung: 5 von 5

In „Der Fluch der Madame ‚Q‘“ hat Gary Larson nicht nur die Geschichte um die Prophezeiung aus dem Gasthaus, das „offenbar irgendeine Art von Wirtshaus“ ist, sondern auch einige Einbilder versammelt. Larsons Humor ist einfach grenzenlos schwarz, dafür umso genialer, wenn man darauf steht. Und ja, das tue ich.
Gebundene Ausgabe: 109 Seiten
Verlag: Goldmann (2001)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442309522
ISBN-13: 978-3442309528

Sonntag, 21. Februar 2010

Nichts anzuziehen



Autorin: Wäis Kiani
Original: Nichts anzuziehen (2006)
meine Bewertung: FLOP!

Die (selbsternannte) Modeexpertin Wäis Kiani gibt in diesem schmalen Büchlein Tipps, wie Frau sich richtig zu kleiden hat. Neben typischen No-Gos wie Partner Look und Jogging-Anzügen werden Frauen mit nicht perfekten Maßen ebenso Opfer ihres Amusements wie Normalverdienerinnen, die sich eben nicht das Täschchen von Chanel leisten können.

Abgesehen davon, dass Kiani sich abfällig über Nicht-Model-Frauen äußert, hängt sie auch noch dem längst vergangenen und nebenbei auch grausamen Trend des Pelzes an und propagiert diesen noch. Sie widerspricht sich in ihren Empfehlungen und schafft es kein einziges Mal, mir ein Lächeln zu entlocken.

Die einzige Gefühlsregung, zu der mich die Lektüre des Buches verleitet hat, war Aggression und ungläubiges Kopfschütteln. Zwar ist jedes Buch ein Kind seiner Zeit, doch auch vor drei Jahren war die zunehmende Zahl an Frauen und Jugendlichen mit Essstörungen erschreckend, durch Bücher und Frauen wie diese wird sich das Leben vieler Frauen sicher nicht verbessern. Der positive Trend hin zu Selbstbewussten, mündigen Frauen sollte eher unterstützt werden, nicht das ewig gleiche Vorkauen vermeintlicher Modetrends, die viel Geld kosten und viele Frauen unglücklich machen.

Das beste an diesem Buch war eigentlich, dass es kurz war und auf chlorfrei gebleichtem Papier gedruckt wurde. Kann – nein, muss – man sich sparen!
Taschenbuch: 160 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag (19. Juni 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442462444
ISBN-13: 978-3442462445

Freitag, 19. Februar 2010

Death of a Hussy



Autorin: M. C. Beaton
Original: Death of a Hussy (1988)
meine Bewertung: 3 von 5

Alison Kerr hat gerade erfolgreich den Krebs besiegt und muss sich nun von den Strapazen ihrer Therapie erholen. Sie ist dankbar dafür, dass sich ihre reiche Tante Maggie Baird um sie kümmert, sie hat nämlich sonst keine Verwandten mehr. Alison ist noch relativ jung, hat selbst keinen Führerschein und lässt sich von ihrer sehr lauten und sehr präsenten Tante Maggie vereinnahmen.

Zwar fühlt sich Alison halbwegs wohl in Maggies Bungalow, doch schon bald lässt deren Gastfreundschaft nach und sie beginnt damit, ihre Nichte zu schikanieren. Da kommt es Alison nur gelegen, als ihre Tante Maggie, mittlerweile nicht mehr die strahlende Schönheit von früher, sondern eine eher in die Breite gegangene, abgehalfterte Lady mit viel Geld, beschließt, sich auf Kur zu begeben.

Alison nutzt die neu gewonnene Freiheit und beschließt, das Autofahren zu lernen. Natürlich muss der örtliche Polizist her und ihr Fahrstunden geben. Dies ist der wohlbekannte Highland-Officer Hamish Macbeth. Während der Fahrstunden beginnt Alison Gefühle für Hamish zu entwickeln, auch wenn diese auf taube Ohren beim Officer stoßen – schließlich liebt der immer noch Lady Priscilla.

Als Tante Maggie von ihrer Kur zurück kommt, ist sie nicht wiederzuerkennen. Sie ist erschlankt, ihr Gesicht ist neu geglättet und der Busen wieder dort, wo er ursprünglich einmal war. Um ihr neues Leben zu feiern, hat Maggie vier ihrer ehemaligen Verehrer in ihren Bungalow eingeladen, mit der Absicht, sich aus ihnen einen letzten Ehemann zu erwählen.

Die Geladenen treffen ein. Maggie schikaniert Alison weiterhin und verbietet ihr, das Auto zu benutzen, die vier Männer sind sowieso nur gekommen, weil jeder von ihnen Maggies Geld ziemlich nötig hätte. Kein Wunder also, dass es gleich fünf Verdächtige gibt, als Maggie in ihrem Auto in die Luft gejagt wird. Doch Hamish Macbeth ist nicht weit…

Auch dieser Band aus der Hamish-Macbeth-Schottland-Krimiserie ist einfach nur nett. Die Charaktere sind trotz des eher geringen Umfangs halbwegs plastisch gezeichnet, die Hauptfiguren kennt man sowieso schon. Wie immer ist der Fall an sich nicht wahnsinnig spektakulär, ausgetüftelt oder spannend, dafür aber die Rahmenhandlung umso netter. Nichts aufregendes – sozusagen ein Krimi für schwache Nerven. Aber irgendwie sympathisch. Vielleicht wie ein Nachmittag mit der Oma.
Taschenbuch: 151 Seiten
Verlag: Fawcett; Auflage: Ballantine Book. (23. September 1991)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0804107688
ISBN-13: 978-0804107686

Mittwoch, 17. Februar 2010

Briefmarken



Autor: Hans Reichardt
Original: Briefmarken (2001)
meine Bewertung: 3 von 5

Band 52 der „Was ist was“ Reihe beschäftigt sich mit dem Thema Briefmarken. In gewohnt kindgerechter Sprache werden die Anfänge der Briefmarken und der Post ebenso erklärt wie die Gründe, warum die Postwertzeichen zu den teuersten Materialien überhaupt gehören können.

Gegen Ende des Buches erfährt der junge Leser auch, wie er sich selbst eine Briefmarkensammlung aufbauen kann, was er dazu braucht und worauf er achten muss. Es ist ein wirklich nettes Erklär-Buch, dessen Lektüre auch Eltern nicht schadet, denn aus so mancher Erklärungsnot hilft es heraus, wenn die berühmten Kinderfragen kommen.
Gebundene Ausgabe: 48 Seiten
Verlag: Tessloff Verlag Ragnar Tessloff GmbH & Co. KG; Auflage: Veränd. Nachauflage (1. Januar 2001)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3788629207
ISBN-13: 978-3788629205

Freitag, 12. Februar 2010

Der Sumpf



Autor: John Katzenbach
Original: Just Cause (1992)
meine Bewertung: 4 von 5

Matthew Cowart, angesehener Reporter des Miami Journal, beginnt seinen Tag wie jeden Tag in der Redaktion. Doch dann ändert sich mit einem Brief sein Leben schlagartig. Ein junger, scheinbar sehr gebildeter, Farbiger namens Robert Earl Ferguson hat ihm seine Lebensgeschichte geschrieben und behauptet, im Gefängnis zu sitzen, für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat. Anfangs legt Cowart den Brief noch kopfschüttelnd zur Seite, schließlich kommt es oft vor, dass sich zum Tode Verurteilte an die Medien wenden. Doch irgendwas an dem Brief geht dem Reporter nicht mehr aus dem Kopf, weshalb er sich daran macht, ein wenig zu recherchieren.

Schnell beschließt Cowart, Ferguson zu besuchen. Dieser tritt selbstbewusst und sehr kultiviert auf und überzeugt Cowart schnell von seiner Unschuld. Um Fergusons Geschichte einer falschen Verurteilung zu überprüfen, begibt sich Cowart an den Ort des Verbrechens. Eine kleine Stadt im tiefen Florida an den Grenzen zu den Everglades. Ferguson soll dort ein kleines Mädchen entführt, vergewaltigt und ermordet haben und schließlich in den Everglades entsorgt haben.

Erwartungsgemäß schlägt dem Journalisten eine Welle von Misstrauen entgegen, schließlich war das kleine (weiße) ermordete Mädchen allseits beliebt und noch dazu die beste Freundin der Tochter des Polizeibamten, der Ferguson dann auch verhaftet hat. Womit er nicht gerechnet hätte: Tanny Brown, der Polizist, ist schwarz. Eine Verhaftung aus rein rassistischen Gründen scheint wegzufallen. Trotzdem bleibt Cowart von der Unschuld des jungen Schwarzen überzeugt.

Als er wieder in der Redaktion angekommen ist, schreibt er dementsprechende Storys und schafft es so, den Fall wieder aufzurollen. Ferguson wird schließlich frei gesprochen. Doch damit ist die Sache längst nicht erledigt. Berechtigte Zweifel an der Unschuld des nunmehr frei gelassenen Todestrakt-Häftlings keimen in Cowart – was natürlich sehr dumm ist .Schließlich kann Ferguson nach amerikanischem Recht nicht mehr für dasselbe Verbrechen angeklagt werden.

Eine Jagd und Spurensuche beginnt, lange bleibt unklar, wie der ehemalige Zellennachbar und bekennende Serienmörder Scully von Beweismaterial des Mordes wissen kann und wer wem einen Dienst in der Gefängnislandschaft erwiesen hat. Wird der wahre Mädchenmörder zur Rechenschaft gezogen?

John Katzenbachs „Der Sumpf“ ist ein spannender Thriller, der Mitte der Neunziger spielt. Kleinstädte, die immer noch mit Vorbehalten und Vorurteilen Schwarzen gegenüber behaftet sind und deren Mentalität werden beschrieben, auch was Lokalkolorit betrifft, scheint Katzenbach wirklich talentiert zu sein. Man meint fast, die drückende Hitze der Everglades zu spüren.

Es ist ein temporeicher und sehr spannender Roman mit Twists in Richtungen, die man nicht erwartet. Was wirklich sehr zu bemängeln ist, ist der Waschzettel am Buchrücken. Nicht nur, dass dort wichtige Details zum Verlauf der Geschichte bereits bekannt gegeben werden – nein, manche dieser Details sind auch noch falsch. Besser also den Waschzettel (Ausgabe Bastei Lübbe 1993, Erstauflage) ignorieren und einfach fesseln lassen.

Natürlich kommt man um ein wenig Action nicht herum, um einige Klischees auch nicht. Wirklich schade ist ,dass aus einem eigentlich moralischen Konflikt, der in Wahrheit ja auch die Todesstrafe in Frage stellt, am Ende nicht mehr herausgeholt wurde. Die persönlichen Gefühle und Schicksale der Protagonisten wären da vielleicht noch ein, zwei Seiten wert gewesen. Alles in allem aber ein durchaus lesbares Buch.
Taschenbuch
Verlag: Bastei Lübbe
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404119215
ISBN-13: 978-3404119219

Mittwoch, 3. Februar 2010

Salz der Erde



Autor: Ernst Hinterberger
Original: Salz der Erde (1966)
meine Bewertung: 5 von 5

Edmund Sackbauer ist das Zentrum seiner Familie – zumindest glaubt er das, darum setzt der Choleriker und Freizeit-Gewichtestemmer alles daran, dass das so bleibt. Er hat die Hosen an, das demonstriert er mit seinen wortgewaltigen Wutausbrüchen seiner Familie, bestehend aus seiner Frau Toni, seinem Sohn Karl und seiner Tochter Hanni, immer wieder. Mundl, Bewohner einer Gemeindebauwohnung in Wien, ist eigentlich Maurer, verbringt seine Freizeit aber im Gewichtheber-Verein und hat sonst nicht besonders viele Interessen.

Er ist ein sehr traditionsbewusster Mensch und freut sich natürlich, als sein ältester Sohn Karl ein wahrlich fesches Mädel als Freundin mit nach Hause bringt. Als seine Tochter jedoch, fast erwachsen, sich in den Franzi verliebt, sieht der Patriarch rot. Franzi möchte unbedingt Schriftsteller werden und kommt aus einer Akademiker-Familie, ganz im Gegensatz zu den Sackbauerischen.

Der Schani-Onkel jedoch setzt sich für die jungen Leute ein, ist er selbst doch schon alt und ein Kriegsrückkehrer, der in seinem Leben viel Leid gesehen und seinen Sohn an den Krieg verloren hat. Gemeinsam mit seiner Schwägerin Toni schafft der Schani-Onkel es, Mundl die Erlaubnis abzuringen, dass auch Franzi in den Sommerurlaub mitkommen darf, der dieses Mal nach Jesolo geht – ganz so, wie es Mode in den sechziger Jahren war – in denen die Geschichte spielt.

Franzi wehrt sich und bleibt zuhause, natürlich ist Hanni tieftraurig, aber dem gemeinsamen Familienurlaub in Jesolo kann sie nicht entrinnen. Während die anderen also Spaß haben und sich in der „Fremde“ amüsieren, sitzt Hanni abseits und denkt nur an ihren Franzi. Schani fühlt sich zunehmend bedrückt. Er schiebt dies auf das ungewohnte Wetter, ahnt aber nicht, dass da noch mehr dahinter steckt. Und auch zwischen Mundl und Toni verändert sich so einiges – im Bett ist alles anders als zuhause.

Aber auch zurück in Wien ist alles andere als rosig. Zwar versöhnen sich Franzi und Hanni durch das Zutun des gütigen Schani-Onkels, doch die Folgen sind kaum abzuschätzen. Hanni wird nämlich schwanger. Und dass das dem Mundl nicht passt, ist allen Beteiligten von Anfang an klar.

Auch auf andere Weise wird Mundl seiner Vormachtstellung beraubt: er ist impotent geworden. Seit Italien hat er zwar Lust auf seine Toni, doch sein Körper macht da nicht mit. Als Toni dann auch noch ihre Erleichterung darüber Ausdruck verleiht, ist die Welt des „echten Wieners“ schon sehr stark am schwanken, stürzt aber noch nicht in sich zusammen.

Das kommt erst noch, als er auch von seinem Karli überflügelt wird und nicht einmal eine Gewerbsmäßige es schafft, ihn auf Hochtouren zu bringen. Dazu kommt noch, dass er auch im Verein nicht mehr zur Kampfmannschaft gehört, sondern zu den Senioren verfrachtet wird. Ob das ein gutes Ende nimmt?

„Salz der Erde“ ist die Romanvorlage zur ORF-Serie „Ein echter Wiener geht nicht unter“. Zwischen der Serie und dem Roman bestehen erhebliche Unterschiede. So geht in den Filmen die Tiefgründigkeit und Tragik der Familie, besonders der Figur des Schani und des Mundl, komplett verloren, statt dessen rückt die cholerische Art in den Vordergrund. Längst sind Mundls Sprüche, Flüche und Verwünschungen weltberühmt (in Österreich). Dialoge wurden zumindest in der ersten Folge allerdings fast identisch übernommen. In den späteren Folgen gehen Film und Roman jedoch immer weiter auseinander.

Das Buch ist eine wunderbare Zeitreise in das Wien der sechziger Jahre, es ist tiefgründig und tragisch und dennoch streckenweise komisch. Teilweise wird das Buch auch in Gedanken der handelnden Personen geschildert, weshalb manchmal die Perspektive des Lesers wechselt. Dadurch wird die Problematik der einzelnen Figuren noch deutlicher. Zwar haben sowohl Karli, Hanni, Toni und Schani ihre eigenen Geschichten, doch sie alle vereinen sich wie Fäden im Knäuel beim Familienoberhaupt Mundl, der durch die Ereignisse, beziehungsweise des Älterwerdens viel seiner Stellung verliert und darunter fast zu zerbrechen droht.

Man könnte „Salz der Erde“ als Entwicklungsroman bezeichnen, der ähnlich Bukowskis „Fast eine Jugend“ die Geschichte des Erwachsenwerdens erzählt, allerdings übertragen auf einen Mittsechziger, der den Lauf der Zeit nicht aufhalten kann und schon bald zu den Senioren abgeschoben wird. Gerade für die Kenner der Serie und auch für „unechte Wiener“ eine Empfehlung, man gewöhnt sich schnell an die verwendeten Mundartwendungen und zur Not gibt’s ein Glossar.
Broschiert: 318 Seiten
Verlag: Echomedia Verlag Gmbh (2. Mai 2007)
ISBN-10: 3901761691
ISBN-13: 978-3901761690

Montag, 1. Februar 2010

Extra Scha(r)f



Autorin: Maria Beaumont
Original: MissFit (2006)
meine Bewertung: 4 von 5

Charlie arbeitet in einem Fitnesstempel, zu dem nur die sowieso schon Schönen und die (noch) Reichen Zutritt haben. Die Stars und Sternchen geben sich abwechselnd mit den Bankern und Managern die Klinke in die Hand. Die herrische Studiomanagerin Lydia wird von den Trainern und Angestellten gleichermaßen gehasst, Charlie hat wenigstens ihren besten (und natürlich schwulen) Freund Daniel, der mit ihr gemeinsam am Empfang arbeitet. Ohne ihn würde sie keinen Tag in „The Zone“, wie sich die protzige Muckibude nennt, aushalten.

Doch dann wird Lydia gekündigt, weil sie die Frechheit besaß, zu schielen – nun soll an ihre Stelle Charlie rücken. Die schlagfertige und sympathische Charlie gelobt sich, alles besser zu machen, als ihre Vorgängerin. Dennoch wird ihr Leben sehr kompliziert. Einerseits ist da ihre Familie. Ihr Vater, ein waschechter Grieche, hat nichts anderes im Sinn, als seine noch unverheiratete Singletochter unter die Haube zu bringen. Ihre Schwester verhält sich total komisch und hat ein Riesenproblem, um das sich auch noch Charlie kümmern soll.

Ist sie erst einmal dem Chaos ihrer Familie entflohen und im „The Zone“ angekommen, wartet dort der nächste Sack voll Flöhe auf sie. Die Angestellten verhalten sich Charlie gegenüber plötzlich anders. Ihre Freundin Sasha hat sich in einen schrägen Kerl verliebt und deshalb auf Wolke sieben, was Charlie nicht weiter stören würde, wäre Sasha nicht mit jenem Typen liiert, der auch mit ihr hin und wieder heißen Sex hat.

Aber nicht nur mit ihr, sondern auch mit dem berühmtesten Teenie-Star Englands. Charlie entdeckt heißes Beweismaterial dafür und kann es leider nicht vermeiden, dass diese pikanten Details an die Öffentlichkeit dringen. Der Skandal ist garantiert. Ihre Welt zerbricht in tausend Scherben, sie weiß ganz genau, dass nur einer Gelegenheit und Motiv hatte: ihr bester Freund Daniel.

„Extra Scharf“ ist ein wirklich komisches Buch aus dem Chick-Lit Genre, das einfach Spaß macht und ohne besonders viel Tiefgang ein paar Stunden gute Unterhaltung bereitet. Ein bisschen störend sind die schon oft wiedergekäuten Klischees, die auch hier erneute Verwendung finden: der schwule beste Freund, Haar Extensions und die Suche nach Mr. Perfect. Ein wenig Spannung erhält die Geschichte dann aber doch, weil bis zum Ende die Frage offen bleibt, wer ihr Böses wollte. Außerdem finde ich den Titel ein wenig unglücklich übersetzt. Der englische Originaltitel „MissFit“ passt da viel besser.
Broschiert: 432 Seiten
Verlag: Bastei Lübbe; Auflage: 6., Aufl. (8. April 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404154940
ISBN-13: 978-3404154944