Freitag, 12. Februar 2010

Der Sumpf



Autor: John Katzenbach
Original: Just Cause (1992)
meine Bewertung: 4 von 5

Matthew Cowart, angesehener Reporter des Miami Journal, beginnt seinen Tag wie jeden Tag in der Redaktion. Doch dann ändert sich mit einem Brief sein Leben schlagartig. Ein junger, scheinbar sehr gebildeter, Farbiger namens Robert Earl Ferguson hat ihm seine Lebensgeschichte geschrieben und behauptet, im Gefängnis zu sitzen, für ein Verbrechen, das er nicht begangen hat. Anfangs legt Cowart den Brief noch kopfschüttelnd zur Seite, schließlich kommt es oft vor, dass sich zum Tode Verurteilte an die Medien wenden. Doch irgendwas an dem Brief geht dem Reporter nicht mehr aus dem Kopf, weshalb er sich daran macht, ein wenig zu recherchieren.

Schnell beschließt Cowart, Ferguson zu besuchen. Dieser tritt selbstbewusst und sehr kultiviert auf und überzeugt Cowart schnell von seiner Unschuld. Um Fergusons Geschichte einer falschen Verurteilung zu überprüfen, begibt sich Cowart an den Ort des Verbrechens. Eine kleine Stadt im tiefen Florida an den Grenzen zu den Everglades. Ferguson soll dort ein kleines Mädchen entführt, vergewaltigt und ermordet haben und schließlich in den Everglades entsorgt haben.

Erwartungsgemäß schlägt dem Journalisten eine Welle von Misstrauen entgegen, schließlich war das kleine (weiße) ermordete Mädchen allseits beliebt und noch dazu die beste Freundin der Tochter des Polizeibamten, der Ferguson dann auch verhaftet hat. Womit er nicht gerechnet hätte: Tanny Brown, der Polizist, ist schwarz. Eine Verhaftung aus rein rassistischen Gründen scheint wegzufallen. Trotzdem bleibt Cowart von der Unschuld des jungen Schwarzen überzeugt.

Als er wieder in der Redaktion angekommen ist, schreibt er dementsprechende Storys und schafft es so, den Fall wieder aufzurollen. Ferguson wird schließlich frei gesprochen. Doch damit ist die Sache längst nicht erledigt. Berechtigte Zweifel an der Unschuld des nunmehr frei gelassenen Todestrakt-Häftlings keimen in Cowart – was natürlich sehr dumm ist .Schließlich kann Ferguson nach amerikanischem Recht nicht mehr für dasselbe Verbrechen angeklagt werden.

Eine Jagd und Spurensuche beginnt, lange bleibt unklar, wie der ehemalige Zellennachbar und bekennende Serienmörder Scully von Beweismaterial des Mordes wissen kann und wer wem einen Dienst in der Gefängnislandschaft erwiesen hat. Wird der wahre Mädchenmörder zur Rechenschaft gezogen?

John Katzenbachs „Der Sumpf“ ist ein spannender Thriller, der Mitte der Neunziger spielt. Kleinstädte, die immer noch mit Vorbehalten und Vorurteilen Schwarzen gegenüber behaftet sind und deren Mentalität werden beschrieben, auch was Lokalkolorit betrifft, scheint Katzenbach wirklich talentiert zu sein. Man meint fast, die drückende Hitze der Everglades zu spüren.

Es ist ein temporeicher und sehr spannender Roman mit Twists in Richtungen, die man nicht erwartet. Was wirklich sehr zu bemängeln ist, ist der Waschzettel am Buchrücken. Nicht nur, dass dort wichtige Details zum Verlauf der Geschichte bereits bekannt gegeben werden – nein, manche dieser Details sind auch noch falsch. Besser also den Waschzettel (Ausgabe Bastei Lübbe 1993, Erstauflage) ignorieren und einfach fesseln lassen.

Natürlich kommt man um ein wenig Action nicht herum, um einige Klischees auch nicht. Wirklich schade ist ,dass aus einem eigentlich moralischen Konflikt, der in Wahrheit ja auch die Todesstrafe in Frage stellt, am Ende nicht mehr herausgeholt wurde. Die persönlichen Gefühle und Schicksale der Protagonisten wären da vielleicht noch ein, zwei Seiten wert gewesen. Alles in allem aber ein durchaus lesbares Buch.
Taschenbuch
Verlag: Bastei Lübbe
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3404119215
ISBN-13: 978-3404119219

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen