Sonntag, 28. März 2010

Gedichte die einer schrieb...



Autor: Charles Bukowski
Original: Poems written bevore... (1974)
meine Bewertung: 3 von 5

Der Titel dieses Gedichtbandes von Charles Bukowski lautet eigentlich „Gedichte die einer schrieb bevor er im 8. Stockwerk aus dem Fenster sprang“. Es handelt sich dabei um eine Auswahl an Gedichten aus den Bänden „Poems written before jumping out of 8 storey window“, „The days run away like wild horses over the hills“ und „At terrory street and agony way“.

In gewohnter Art und Weise unterhält Bukowski. Seine Gedicht sind wie seine Geschichten von Alkohol, Sex und Drogen geprägt, doch erstaunlich klarsichtig und dabei gewollt nicht schön. Wer Bukowski mag, wird auch seine Gedichte mögen, allerdings gefallen mir persönlich seine etwas längeren Oevres besser.
Taschenbuch: 113 Seiten
Verlag: Maro-Verlag (1990)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3875120973
ISBN-13: 978-3875120974

The Mummy Diaries



Autorin: Rachel Johnson
Original: The Mummy Diaries (2004)
meine Bewertung: FLOP!

„The Mummy Diaries“ ist im Wesentlichen die tagebuchförmige Aufzeichnung einer Mutter, die drei Kinder großzieht, in London lebt und teilweise von ihrem Mann im Stich gelassen wird, weil dieser weit weg einen Job annimmt und immer nur begrenzte Zeit zuhause in London ist.

Über den Inhalt kann man gar nicht so besonders viel sagen, denn im Laufe eines Jahres passieren kleinere Episoden, die die Autorin aneinander gereiht hat, beispielsweise Geburtstage, Urlaube, Schulanfang, sonstige Festivitäten. Das geschieht sehr unstrukturiert und episodenhaft, weshalb man oft Probleme damit hat, die gerade wieder neu eingeführten Figuren zuzuordnen. Denn davon gibt es eine Unmenge und keine von ihnen wird ausreichend beschrieben, als dass man sich ein Bild von ihr machen könnte. Das gilt übrigens auch für die Ich-Erzählerin und ihre Kinder.

Das Buch ist einfach nur lächerlich. Die Problemchen der „Mummy“ sind weltfern, denn Mummy ist reich und muss sich ärgern, dass die Schuluniform in der exklusiven Privatschule so teuer ist, über Kindermädchen, Au Pairs, Hausfrauen, Hundetrainer, etc. Kann man sich getrost sparen. Nicht ein einziges Mal musste ich während der Lektüre lachen, eingeschlafen bin ich hingegen mehrmals.
Taschenbuch: 272 Seiten
Verlag: Penguin (1. September 2005)
Sprache: Englisch
ISBN-10: 0141020598
ISBN-13: 978-0141020594

Gut gegen Nordwind



Autor: Daniel Glattauer
Original: Gut gegen Nordwind (2008)
meine Bewertung: 5 von 5

Die quirlige Emmi Rothner möchte unbedingt ihr Abonnement eines Magazins kündigen, doch ihre E-Mail landet versehentlich in der Mailbox von Leo, einem Sprachpsychologen. Dieser weist Emmi auf das Versehen hin, womit die Angelegenheit erledigt sein könnte. Dann kommt jedoch Weihnachten und Emmi verschickt an ihren E-Mail Verteiler eine Massenmail. Darunter auch an Leo.

Sie erwischt Leo am falschen Fuß, denn dieser befindet sich gerade auf der Suche nach seinem Humor, der ihm irgendwie abhanden gekommen ist. Emmi erweist sich dafür als umso humorvoller und aufgeschlossener und irgendwie kommt es schließlich, dass sich zwischen den beiden eine E-Mail Bekanntschaft entwickelt.

Es dauert, allerdings nicht besonders lang, bis sich die beiden sehr vertraut sind und auch treffen möchten. Ein wesentliches Problem dabei ist Emmis Familie. Emmi ist nämlich glücklich verheiratet mit ihrem Bernd und hat zwei Kinder aus dessen erster Ehe geerbt. Dennoch ist da Leo, der eine Faszination auf sie ausübt und den sie gerne kennen lernen möchte…

„Gut gegen Nordwind“ ist ein eher ungewöhnlicher Liebesroman. Er lebt, ohne dass sich die Protagonisten körperlich nahe kommen – und dennoch sind sie sich so nahe. Der Schreibstil ist flott und sehr humorvoll, ein paar witzige Stunden sind damit garantiert. Über den Schluss könnte man ein wenig unzufrieden sein, allerdings kann man ja immer noch auf ein happieres Ende in der Fortsetzung „Alle sieben Wellen“ hoffen.

Glattauer hat den Liebesbrief ins Zeitalter der digitalen Medien gehievt und kommt mit der natürlichen Beschleunigung durch das E-Mail Medium wunderbar zurecht. Eine Geschichte, wie sie auch das Leben schreiben hätte können. Das einzige, was ich nicht besonders toll fand, war die Aufmachung. Dafür ist aber wahrscheinlich eher der Verlag verantwortlich. Als Leser verliert man nämlich schon mal den Überblick, wer jetzt welches E-Mail geschrieben hat. Denn „Gute Nacht, Emmi“ könnte Leo genauso gut wie Emmi selbst geschrieben haben. Vielleicht könnte man in einer weiteren Auflage darüber nachdenken, ob man nicht optisch übersichtlicher gestalten könnte, wer gerade am Zug ist.

Schöne Lesestunden sind garantiert, auf die Fortsetzung bin ich schon mehr als gespannt. Aber solange es die nicht als Taschenbuch gibt, weigere ich mich standhaft. Leicht fällt’s mir nicht.
Taschenbuch: 224 Seiten
Verlag: Goldmann Verlag; Auflage: dritte auflage (Juli 2008)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3442465869
ISBN-13: 978-3442465866

Samstag, 27. März 2010

Wintersonne



Autorin: Rosamunde Pilcher
Original: Winter Solstice (2000)
meine Bewertung: 5 von 5

Nachdem die ehemalige Schauspielerin Elfrida Phipps ihren geliebten Mann verloren hat, verlässt der bunte Paradiesvogel London, um in das kleine Dörfchen Dibton zu ziehen. Am Weg dorthin holt sie sich in Form von Horace, einem süßen Mischlingshund, Gesellschaft. Die beiden beziehen ein kleines Häuschen in der Nähe des Pfarrhauses und schließen schnell mit den Menschen in Dibton Freundschaft. Besonders die Familie Oscar und Gloria Blundell nehmen sich besonders um den Neuankömmling an. Sie verlebt eine schöne Zeit in Dibton, doch als dann ihr Urlaub herannaht, verlässt sie das Dorf, um ihre Verwandten in Cornwall zu besuchen.

Als Elfrida nach Dibton zurück kehrt, hat sich die Welt dort schlagartig verändert. Aufgrund der Ereignisse lässt sie sich dazu überreden, das Dorf zu verlassen und in ein noch weiter entferntes und kleineres Dörfchen zu ziehen. Was sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnen kann: Ihr Leben dort wird anders, aufregend und sogar letztlich sehr schön.

Zu tun hat dies nicht nur mit den Ereignissen, die sie aus Dibton vertrieben haben, sondern auch mit ihrer Nichte Carrie, die sich mit deren Nichte Lucy für die Winterferien angekündigt hat. Außerdem taucht kurz vor Weihnachten während eines grässlichen Schneesturms ein jüngerer Mann auf, der Ansprüche auf das Haus erhebt, in dem die bunt zusammen gewürfelte Weihnachtsgesellschaft haust. Ob das gut geht?

Natürlich geht es gut, wir sprechen hier schließlich über ein Buch von Rosamunde Pilcher. Ich muss gestehen, dass ich bisher immer die Finger von ihren Büchern gelassen habe, einfach, weil ich immer dachte, es handle sich um dumpfe Liebesschnulzerei. Weit gefehlt. Ich muss ja direkt dankbar sein, dass mir mein Wichtel das für den SLW10 ausgesucht hat. Es handelt sich nämlich um ein Buch, das natürlich ein Happy End hat, in dem es natürlich um Liebe geht und das natürlich in einem Postkarten-Dorf spielt. Doch anders als erwartet, erwies sich die Geschichte als durchaus spannend und die Charaktere entpuppten sich als sehr sympathisch und dreidimensional dargestellte Menschen.

Wie ein lauer Sommerregen nach einem fönigen und heißen August-Tag, wie Bepanthen auf eine frische Tätowierung, wie eine Insel im hektischen und oft gar nicht so schönen Alltag – so präsentierte sich für mich „Wintersonne“. Eins ist für mich auf jeden Fall klar: Der große Bogen, den ich früher um Pilchers Bücher gemacht habe, hat sich deutlich verringert, und sollten mir noch weitere Bücher in die Hände fallen, werde ich sie auch lesen – halt dann, wenn mir nach guter, schöner und ein wenig schnulziger Lektüre ist.
Taschenbuch: 768 Seiten
Verlag: rororo; Auflage: 6 (2. April 2002)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 349923212X
ISBN-13: 978-3499232121

Bücher suchen ein neues Zuhause!

Wieder einmal wurde es Zeit, hier ein wenig Ordnung zu machen. Einige meiner Schätzchen suchen nun ein Zuhause und sind in liebevolle Hände abzugeben. Teilweise findet ihr Rezensionen Büchern hier am Blog, bei Fragen oder Interesse bitte einfach posten oder per Mail melden: chilmbauer@gmail.com

DIE LISTE (klickst du!)

Donnerstag, 25. März 2010

Der Ruf des Grusel-Kuckucks



Autor: Thomas Brezina
Original: Der Ruf des Grusel-Kuckucks (1991)
meine Bewertung: 3 von 5

Die vier Mitglieder der Knickerbocker Bande, Axel, Lilo, Poppi und Dominik, sind auf Urlaub im Schwarzwald. Weil in dem netten Häuschen am Land, in dem sie gemeinsam mit Mika, einer Freundin der Eltern der Kinder, wohnen, nicht besonders viel los ist, schleicht sich Dominik eines Nachts in die Villa Fürchterlich. Die alte Villa steht schon seit Ewigkeiten leer, es wird erzählt, dass es darin spukt. Dominik will seinen Knickerbocker-Freunden beweisen, dass er besonders viel Mut hat.

Doch kaum hat der Junge die Villa betreten, ertönt ein gellender Schrei. Dominik flieht in Panik aus der Villa. Er macht sich auf den Heimweg und wird dabei fast von der Gastgeberin der Bande überfahren. Im Haus von Mika angekommen, erklärt Dominik, was er erlebt hat. Es dauert nicht lang, da läutet es an der Tür.

Draußen steht Diana Watanabe, sie war zur selben Zeit wie Dominik in der Villa und auch sie hat den schrecklichen Schrei gehört. Doch anders als Dominik weiß sie, wo der Schrei herkam: aus einer Kuckucksuhr. Diese Kuckucksuhr soll nun den Weg zu Dianas Erbe zeigen, denn die alte Villa gehörte ihrem Onkel. Die Knickerbocker Bande ist sofort mit von der Partie. Gemeinsam mit Diana machen sie sich auf, um ihr Erbe zu suchen. Doch nicht nur die Knickerbocker haben es darauf abgesehen. Sie werden verfolgt und geraten schon bald in Lebensgefahr.

Wieder einmal ein nettes Detektiv-Abenteuer für die jüngeren Leser. Dieses Mal steht wenigstens Dominik nicht so sehr im Abseits, wie das normalerweise bei den Büchern und den jüngeren Mitgliedern der Bande der Fall ist. Poppi ist weiterhin eher weinerlich und feige, aber hier hält sich ihr Geheule in Grenzen. Einfacher Lesespaß für ca. achtjährige Kinder. Was Klischees etc. betrifft, kann man diese Bücher auch ganz ohne Nachbesprechung empfehlen.
Gebundene Ausgabe: 139 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag (1992)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3473470139
ISBN-13: 978-3473470136

Donnerstag, 18. März 2010

Das blaue Zimmer



Autor: Ursel Scheffler
Original: Das blaue Zimmer (1986)
meine Bewertung: 4 von 5

Kommissar Kugelblitz macht sich wieder auf die Jagd nach Verbrechern und benötigt dabei die Hilfe der Nachwuchsdetektive vor den Bücherseiten. Nach jedem der kleinen Krimis ist es am Leser und an der Leserin, das Rätsel zu lösen und mit Hilfe der roten Geheimfolie zu entschlüsseln.

Ratekrimis für Erstleser, sehr nett und einfach zu lesen, die Einstiegsdroge für Ratefüchse – und nebenher ein kleiner Ausflug in meine Kindheit.
Gebundene Ausgabe: 125 Seiten
Verlag: Schneiderbuch; Auflage: Veränd. Aufl. (Januar 2001)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3505115169
ISBN-13: 978-3505115165

Mittwoch, 17. März 2010

Himmel, Polt und Hölle



Autor: Alfred Komarek
Original: Himmel, Polt und Hölle (2001)
meine Bewertung: 4 von 5

Ein drückend heißer Sommer hat sich über das beschauliche Wiesbachtal hergemacht. Es regt sich nicht viel, dennoch reicht es, um den gemütlichen Gendarmerie-Inspektor Simon Polt halbwegs beschäftigt zu halten. In jüngster Vergangenheit scheinen sich ein paar Lausbuben zu langweilen, denn nur so kann sich Polt anfangs erklären, wieso vor dem Gemeindeamt ein Haufen menschlicher Exkremente gefunden wird, in der Feuerwehrzentrale ein kleiner Brand ausbricht und es in der Schule bestialisch nach Buttersäure stinkt.

Doch dann entdeckt Polt ein geheimnisvolles Zeichen an jedem der Tatorte. Es handelt sich um die Zeichnung eines Huts mit Feder. Es dauert nicht lang, bis ihn seine Hinweise zum mittlerweile gekündigten Lehrer Franz Fürst führen. Dieser gibt sich dem Müßiggang hin, seit dem der Suff und sein nicht gerade einnehmender Charakter dazu geführt haben, dass er die Schule verlassen muss – obwohl er einer der besten Pädagogen des Landes war.

Die Karin Walter, selbst Lehrerin und auch noch die Angebetete vom Simon Polt, setzt sich für den lustigen Gesellen ein, ganz zur Unlust des Gendarmerie-Inspektors. Doch lang kann sich dieser sowieso nicht mit den eher halblustigen Streichen abgeben, denn etwas viel Schlimmeres passiert im beschaulichen Örtchen: Die Pfarrersköchin wird tot aufgefunden, vergiftet durch eine Flasche Wein, der Tollkirschsaft beigemengt war.

Obwohl die Köchin, Amalie Pröstler, immer sehr ruhig und zurückgezogen gelebt hat, sieht sich Polt dennoch bald einer Flut von Verdächtigen gegenüber. Da waren einerseits die vielen Herrenbekannt-schaften, die die Amalie – als besonders hübsches Mädel, das sie war – hatte und andererseits eine Schar weniger wohlgesonnener Ehefrauen, die der Ermordeten keine Träne nachweinen. Ausgerechnet der Mesner, der Dorf-Säufer, der ehemalige Lehrer, ein Restaurant-Kritiker und der Pfarrer selbst gehören schon bald zu den Verdächtigen…

Mit seiner ruhigen und sympathischen Art, die so richtig in die kleine Gemeinde im nördlichen Waldviertel passt, gelingt es Simon Polt immer wieder, Missetaten seiner Pappenheimer aufzuklären. Zwar geschieht das meist als Folge von glücklichen Umständen oder zu entlastenden Gewissen und eher selten, weil der Ermittler so geistesgegenwärtig und begabt wäre, aber das ist egal. So ist es sowieso viel echter. Nicht nur Polt wird zu einer richtig dreidimensionalen Figur, sondern auch Karin Walter, die tratschige Frau Habesam, der Pfarrer – sie alle werden zu lebhaften Charakteren auf der Bühne des Waldviertler Weinbauernortes, den Komarek so gekonnt mit all seinen Farben, Stimmungen, Gerüchen und Eigenheiten zu schildern vermag.

Was die Österreichischen Regionalkrimis betrifft, ist Komarek wirklich ein guter Tipp. Man darf sich keine actionreiche Verfolgungsjagd oder nervenzerfetzende Verhöre erwarten, man muss sich auf den Ausflug in eine etwas andere, langsamere Welt mit all ihren eigenen Widrigkeiten und Eigenheiten einstellen, dann kann man Komarek genießen. Dazu empfiehlt sich ein hochwertiger Grüner Veltliner oder Blauer Portugieser.


Taschenbuch: 206 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 3., Aufl. (April 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257233582
ISBN-13: 978-3257233582

Matilda



Autor: Roald Dahl
Original: Matilda (1988)
meine Bewertung: 5 von 5

Die kleine Matilda ist ein sehr aufgewecktes Mädchen. Sie ist zwar sehr klein, aber weit intelligenter als ihre Altersgenossinnen. Während ihre Eltern sich nicht besonders viel aus ihr machen, entdeckt das Mädchen die Welt der Bücher für sich. Sie liest zuerst heimlich alle Bücher, die der elterliche Haushalt so hergibt, doch da dieser aus nicht recht viel mehr als einem Telefonbuch besteht, ist sie damit schnell durch.

Matilda beschließt also, die öffentliche Bibliothek aufzusuchen. Ihren Eltern ist es sowieso egal, was sie macht, so lange sie sich dabei still verhält. Ihr ältere Bruder wird verhätschelt und verzogen, ihr Vater ist ein eher kriminell geratener Gebrauchtwarenhändler und auch ihre Mutter versteht nicht so recht, wie man Spaß daran haben kann, Bücher zu lesen. Der Bibliothekarin fällt jedoch das kleine, stille Mädchen sofort auf. Nachdem sich Matilda durch die Kinderbuchabteilung gearbeitet hat, wagt sie sich an die Lektüre von Dickens, Bronte und dergleichen.

Die Bibliothekarin setzt sich für Matilda ein, diese kommt schließlich in die Schule. Die Lehrerin dort, Fräulein Honig, erkennt sofort ihr Potential und versucht, Matilda zu fördern. Als Matilda sich zu langweilen beginnt, entdeckt sie, dass sie mit der Kraft ihrer Gedanken ziemlich viel bewegen kann. Die erste, die diese Kraft am eigenen Leib zu spüren bekommt, ist die bösartige Direktorin, Fräulein Knüppelkuh.

Fräulein Honig und Matilda freunden sich schnell an, Matilda erfährt schließlich einiges aus dem Leben der sanftmütigen und klugen Lehrerin, was sie dazu veranlasst, einen genialen Plan auszuhecken, in dessen Folge nicht nur Fräulein Honig viel zu lachen hat, sondern sich Matilda auch endlich ihrer verhassten Familie entledigen kann…

„Matilda“ ist ein umwerfend nettes Buch. Die kleine Matilda erinnert wahrscheinlich so manchen leidenschaftlichen Leser an seine „Anfangsjahre“, das Mädchen beeindruckt außerdem durch seine Höflichkeit und Bescheidenheit, nicht zu verachten sind auch ihre kreativen Fähigkeiten und ihr Sinn für wirkungsvolle Pläne.

Zwar ist Matildas Welt relativ einfach gezeichnet, wenn auf der einen Seite für das Gute die hübsche, blonde und junge Lehrerin steht und auf der anderen Seite, als Gegengewicht gleichsam, die ältliche, hässliche, sehr dicke und dunkelhaarige Direktorin. Nicht nur omen est nomen. Dennoch ist es ein spannendes Buch für junge Leser und ein rührender Einblick in die oft gar nicht so einfache und unschuldige Welt von Kindern für die erwachsenen Leser. Mit seinem makaberen Humor hat Dahl sich hier wirklich zurück gehalten, aber ansonsten: volle Punktzahl!
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
Verlag: rororo; Auflage: 2 (1. Dezember 2001)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3499211823
ISBN-13: 978-3499211829

Montag, 15. März 2010

Puls



Autor: Stephen King
Original: Cell (2006)
meine Bewertung: 5 von 5

Eigentlich hätte dieser 1. Oktober der glücklichste Tag im Leben des Künstlers Clayton Riddell werden sollen, schließlich hat er es geschafft, eine graphic novel für eine nicht ganz so kleine Summe Geld zu verkaufen. Doch gerade als er mit seiner Mappe auf dem Rückweg ist, bricht der schiere Wahnsinn aus. Clayton beobachtet, wie ein Hund überfahren wird, sich Menschen plötzlich an die Gurgel gehen und völlig irrationale Dinge tun, sich selbst und andere schwer verletzen und sogar töten. Die Stadt versinkt im Chaos, Clayton steht zuerst fasziniert und hilflos herum, doch dann wird er von einem kleinen Mann mit Schnurrbart aus seinen Gedanken gerissen.

Tom McCourt und Clayton haben schnell herausgefunden, dass vom akut ausbrechenden und grassierenden Wahnsinn nur jene Menschen betroffen sind, die mit einem Handy telefoniert haben. Gemeinsam fliehen die Männer in ein verrammeltes Hotel. Auch dort haben diese seltsamen Zombies, die früher mal Menschen waren, gewütet. Die beiden schmieden einen Plan doch noch bevor sie damit fertig sind, stoßen zwei neue Mitglieder zu ihrer kleinen Zweckgemeinschaft – von denen eines aber nicht besonders lange bleibt.

Die verbliebenen drei Machen sich in der Nacht auf den Weg aus der Stadt hinaus, Clayton hat vor, den relativ weiten Weg zu sich nach Hause zu Fuß zurück zu legen. Er macht sich schreckliche Sorgen um seinen kleinen Sohn, der erst seit kurzem sein eigenes Handy besitzt. Er wird von quälenden Gedanken heimgesucht. Was, wenn sein kleiner Junge telefoniert hat und jetzt selbst einer dieser Zombies ist? Was, wenn er jetzt ganz alleine herumirrt?

Die drei machen Halt in Tom McCourts Haus, wo sie sich bewaffnen, essen und herausfinden, wie die Handyzombies ticken. Sie scheinen sich zu Schwärmen zusammen zu rotten und gegen Abend in eine Art Versteck zu wandern. Also machen die verbliebenen Normies – die normalen Menschen – sich nachts auf den Weg. Sie alle sind von unglaublicher Angst getrieben, doch schnell entwickelt sich doch eine Art von nebeneinander, das die Freunde von Clayton, zu denen sich bald zwei neue gesellen, empfindlich durcheinander bringen. Und die Handy-Zombies werden sich rächen…

Wahrscheinlich zählt meine Meinung nicht so sehr, da ich ja bekennender Stephen-King-Fan bin, aber was soll’s: Ich war trotzdem hellauf begeistert. Natürlich ist das Buch spannend, natürlich lebt es von Horror-Elementen, von einem tiefgründigen Humor und menschlicher Verzweiflung – die Zutaten, aus denen fast jedes King-Buch besteht. Dieses ist den früheren Büchern ähnlicher als beispielsweise „Love“, dennoch aber wieder etwas Neus. King gibt dem Grauen erneut ein Gesicht. Die hypothetische Annahme, Handystrahlen als eine Art Waffe einzusetzen, ist interessant.

Die Charaktere haben genug Zeit und Platz im Roman, sich zu entwickeln und einen ans Herz zu wachsen, man geht im wahrsten Sinne des Wortes ein Stück Weg mit ihnen. Man drückt die Daumen und fiebert mit, und genau das macht ein gutes, unterhaltsames Buch aus. King hat mich wieder einmal mühelos überzeugt, ich nehme es ihm einfach ab. Lediglich das Ende ist ein wenig unbefriedigend, aber hey – es ist Stephen King und nicht Rosamunde Pilcher!
Taschenbuch: 576 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (1. Oktober 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453565096
ISBN-13: 978-3453565098

Mittwoch, 3. März 2010

Jagd auf den Hafenhai



Autor: Thomas Brezina
Original: Jagd auf den Hafenhai (1991)
meine Bewertung: 3 von 5

Die Knickerbocker Bande hält sich aktuell in Deutschland – genauer gesagt, in Hamburg – auf. Dominik wurde eingeladen, für ein Hörspiel Aufnahmen zu machen und da er immer nur einen halben Tag beschäftigt ist, durfte er seine drei Freunde Axel, Lilo und Poppi mitbringen.

Als sie gerade einen geruhsamen Bootsausflug im Hafen unternehmen, taucht aus dem Wasser ein schreckliches Monster auf: ein grüner Hai! Hilflos muss die Knickerbocker Bande zusehen, wie etwas abseits das Boot einer Frau von der Bestie gerammt wird und das Tier mit der Frau in den Fluten des Hamburger Hafens verschwindet.

Die Knickerbocker Bande alarmiert Polizei und vertraut sich Erwachsenen an, doch die lachen sie anfangs nur aus. Die Knickerbocker Bande wäre natürlich nicht die Knickerbocker Bande, wenn sie sich nicht auf eigene Faust auf machen würde, um das Geheimnis hinter dem grünen Hai zu lüften. Und das gelingt ihnen – natürlich mal wieder ohne Hilfe von Erwachsenen, aber dafür mit viel Spannung und Action.

Die Bücher von Thomas Brezina gehören zu den Klassikern meiner Kindheit. Und bis auf ein paar Ungenauigkeiten (so taucht beispielsweise Dominik auf Seite 114 plötzlich aus dem Nichts auf, obwohl er doch eigentlich gerade dabei ist, Aufnahmen für sein Hörspiel zu machen. Spannende, harmlose Unterhaltung mit den immer gleichen Kritikpunkten (die beiden Jüngeren sind meistens non-existent) auch immer wieder dieselbe Erzählung: Super für Erst-Krimi-Leser.
Taschenbuch: 140 Seiten
Verlag: Ravensburger Buchverlag; Auflage: 1 (1. August 2000)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3473562181
ISBN-13: 978-3473562183