Mittwoch, 17. März 2010

Himmel, Polt und Hölle



Autor: Alfred Komarek
Original: Himmel, Polt und Hölle (2001)
meine Bewertung: 4 von 5

Ein drückend heißer Sommer hat sich über das beschauliche Wiesbachtal hergemacht. Es regt sich nicht viel, dennoch reicht es, um den gemütlichen Gendarmerie-Inspektor Simon Polt halbwegs beschäftigt zu halten. In jüngster Vergangenheit scheinen sich ein paar Lausbuben zu langweilen, denn nur so kann sich Polt anfangs erklären, wieso vor dem Gemeindeamt ein Haufen menschlicher Exkremente gefunden wird, in der Feuerwehrzentrale ein kleiner Brand ausbricht und es in der Schule bestialisch nach Buttersäure stinkt.

Doch dann entdeckt Polt ein geheimnisvolles Zeichen an jedem der Tatorte. Es handelt sich um die Zeichnung eines Huts mit Feder. Es dauert nicht lang, bis ihn seine Hinweise zum mittlerweile gekündigten Lehrer Franz Fürst führen. Dieser gibt sich dem Müßiggang hin, seit dem der Suff und sein nicht gerade einnehmender Charakter dazu geführt haben, dass er die Schule verlassen muss – obwohl er einer der besten Pädagogen des Landes war.

Die Karin Walter, selbst Lehrerin und auch noch die Angebetete vom Simon Polt, setzt sich für den lustigen Gesellen ein, ganz zur Unlust des Gendarmerie-Inspektors. Doch lang kann sich dieser sowieso nicht mit den eher halblustigen Streichen abgeben, denn etwas viel Schlimmeres passiert im beschaulichen Örtchen: Die Pfarrersköchin wird tot aufgefunden, vergiftet durch eine Flasche Wein, der Tollkirschsaft beigemengt war.

Obwohl die Köchin, Amalie Pröstler, immer sehr ruhig und zurückgezogen gelebt hat, sieht sich Polt dennoch bald einer Flut von Verdächtigen gegenüber. Da waren einerseits die vielen Herrenbekannt-schaften, die die Amalie – als besonders hübsches Mädel, das sie war – hatte und andererseits eine Schar weniger wohlgesonnener Ehefrauen, die der Ermordeten keine Träne nachweinen. Ausgerechnet der Mesner, der Dorf-Säufer, der ehemalige Lehrer, ein Restaurant-Kritiker und der Pfarrer selbst gehören schon bald zu den Verdächtigen…

Mit seiner ruhigen und sympathischen Art, die so richtig in die kleine Gemeinde im nördlichen Waldviertel passt, gelingt es Simon Polt immer wieder, Missetaten seiner Pappenheimer aufzuklären. Zwar geschieht das meist als Folge von glücklichen Umständen oder zu entlastenden Gewissen und eher selten, weil der Ermittler so geistesgegenwärtig und begabt wäre, aber das ist egal. So ist es sowieso viel echter. Nicht nur Polt wird zu einer richtig dreidimensionalen Figur, sondern auch Karin Walter, die tratschige Frau Habesam, der Pfarrer – sie alle werden zu lebhaften Charakteren auf der Bühne des Waldviertler Weinbauernortes, den Komarek so gekonnt mit all seinen Farben, Stimmungen, Gerüchen und Eigenheiten zu schildern vermag.

Was die Österreichischen Regionalkrimis betrifft, ist Komarek wirklich ein guter Tipp. Man darf sich keine actionreiche Verfolgungsjagd oder nervenzerfetzende Verhöre erwarten, man muss sich auf den Ausflug in eine etwas andere, langsamere Welt mit all ihren eigenen Widrigkeiten und Eigenheiten einstellen, dann kann man Komarek genießen. Dazu empfiehlt sich ein hochwertiger Grüner Veltliner oder Blauer Portugieser.


Taschenbuch: 206 Seiten
Verlag: Diogenes; Auflage: 3., Aufl. (April 2003)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257233582
ISBN-13: 978-3257233582

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