Montag, 15. März 2010

Puls



Autor: Stephen King
Original: Cell (2006)
meine Bewertung: 5 von 5

Eigentlich hätte dieser 1. Oktober der glücklichste Tag im Leben des Künstlers Clayton Riddell werden sollen, schließlich hat er es geschafft, eine graphic novel für eine nicht ganz so kleine Summe Geld zu verkaufen. Doch gerade als er mit seiner Mappe auf dem Rückweg ist, bricht der schiere Wahnsinn aus. Clayton beobachtet, wie ein Hund überfahren wird, sich Menschen plötzlich an die Gurgel gehen und völlig irrationale Dinge tun, sich selbst und andere schwer verletzen und sogar töten. Die Stadt versinkt im Chaos, Clayton steht zuerst fasziniert und hilflos herum, doch dann wird er von einem kleinen Mann mit Schnurrbart aus seinen Gedanken gerissen.

Tom McCourt und Clayton haben schnell herausgefunden, dass vom akut ausbrechenden und grassierenden Wahnsinn nur jene Menschen betroffen sind, die mit einem Handy telefoniert haben. Gemeinsam fliehen die Männer in ein verrammeltes Hotel. Auch dort haben diese seltsamen Zombies, die früher mal Menschen waren, gewütet. Die beiden schmieden einen Plan doch noch bevor sie damit fertig sind, stoßen zwei neue Mitglieder zu ihrer kleinen Zweckgemeinschaft – von denen eines aber nicht besonders lange bleibt.

Die verbliebenen drei Machen sich in der Nacht auf den Weg aus der Stadt hinaus, Clayton hat vor, den relativ weiten Weg zu sich nach Hause zu Fuß zurück zu legen. Er macht sich schreckliche Sorgen um seinen kleinen Sohn, der erst seit kurzem sein eigenes Handy besitzt. Er wird von quälenden Gedanken heimgesucht. Was, wenn sein kleiner Junge telefoniert hat und jetzt selbst einer dieser Zombies ist? Was, wenn er jetzt ganz alleine herumirrt?

Die drei machen Halt in Tom McCourts Haus, wo sie sich bewaffnen, essen und herausfinden, wie die Handyzombies ticken. Sie scheinen sich zu Schwärmen zusammen zu rotten und gegen Abend in eine Art Versteck zu wandern. Also machen die verbliebenen Normies – die normalen Menschen – sich nachts auf den Weg. Sie alle sind von unglaublicher Angst getrieben, doch schnell entwickelt sich doch eine Art von nebeneinander, das die Freunde von Clayton, zu denen sich bald zwei neue gesellen, empfindlich durcheinander bringen. Und die Handy-Zombies werden sich rächen…

Wahrscheinlich zählt meine Meinung nicht so sehr, da ich ja bekennender Stephen-King-Fan bin, aber was soll’s: Ich war trotzdem hellauf begeistert. Natürlich ist das Buch spannend, natürlich lebt es von Horror-Elementen, von einem tiefgründigen Humor und menschlicher Verzweiflung – die Zutaten, aus denen fast jedes King-Buch besteht. Dieses ist den früheren Büchern ähnlicher als beispielsweise „Love“, dennoch aber wieder etwas Neus. King gibt dem Grauen erneut ein Gesicht. Die hypothetische Annahme, Handystrahlen als eine Art Waffe einzusetzen, ist interessant.

Die Charaktere haben genug Zeit und Platz im Roman, sich zu entwickeln und einen ans Herz zu wachsen, man geht im wahrsten Sinne des Wortes ein Stück Weg mit ihnen. Man drückt die Daumen und fiebert mit, und genau das macht ein gutes, unterhaltsames Buch aus. King hat mich wieder einmal mühelos überzeugt, ich nehme es ihm einfach ab. Lediglich das Ende ist ein wenig unbefriedigend, aber hey – es ist Stephen King und nicht Rosamunde Pilcher!
Taschenbuch: 576 Seiten
Verlag: Heyne Verlag (1. Oktober 2007)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3453565096
ISBN-13: 978-3453565098

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