Samstag, 17. April 2010

American Psycho



Autor: Bret Easton Ellis
Original: American Psycho (1991)
meine Bewertung: 4 von 5

Patrick Bateman hat alles, was man braucht, um ein tolles Leben in New York zu führen. Er hat eine Menge Geld, für das er nicht wirklich arbeiten muss, einen Job, der ihn wenig einnimmt und eine Freundin, die wenigstens hübsch ist. Außerdem umgibt er sich ausschließlich mit luxuriösen Markenartikeln und ebenso kostspieligen Freunden.

Die weitere Handlung des Buches ist schnell geklärt. Patrick und seine Freunde gehen in exklusive Restaurants, konsumieren Drogen, gehen auf Partys, unterhalten sich über Kleidung und wie man sie richtig kombiniert, nie jedoch über tiefgreifendes, Gefühle oder Tagesgeschehen. Die Welt ist ebenso oberflächlich geworden, wie der Erzähler der Geschichte, Bateman. Was seine Freunde nicht über ihn wissen, ist, dass Bateman ein geheimes Doppelleben als Serienmörder führt. Er stellt grausame Dinge mit seinen Opfern an und beschreibt diese bis aufs kleinste Detail. Als er immer wieder im Gespräch einfließen lässt, wie sehr er doch sein Gegenüber quälen möchte, wird er einfach ignoriert. Was nicht in die Welt passt, wird ausgeklammert, kann nicht sein.

Tatsächlich ist nicht die Geschichte an sich das Faszinierende dieses Buches, sondern die Form. Ellis wird nicht müde, haarklein auszuführen, wie die Garderobe der Figuren aussieht, welche Marken sie tragen, welche Zahnpasta sie verwenden – man wird ein wenig eingelullt, beginnt während des Lesens, mit der Aufmerksamkeit ökonomischer umzugehen und lässt sich einlullen. Dann auf einmal der Schock: Der Ton des Erzählers geht unvermindert monoton weiter, doch die Dinge, die er schildert, sind umso schockierender. Der Leser wird immer wieder aus seiner Lethargie gerissen, die Oberflächlichkeit, mit der man liest, wird durch die Grausamkeit des Inhalts immer wieder unterbrochen.

Zugegeben, das Buch ist harter Tobak und strapaziert die Nerven, allerdings nur, wenn man es schafft, sich auf den Schreibstil Ellis‘ anzupassen. Anfangs ist man doch eher genervt von der ständigen Aufzählung von Markenartikeln und beinahe Echtzeit-Beschreibung von Batemans Badezimmerritual. Doch wenn man es geschafft hat, sich auf die wellenförmige Bewegung im Buch einzulassen und wenn man einen guten Magen hat, kann man dem Buch einiges an Spannung abgewinnen. Bis zum Schluss bleibt nicht klar, ob Bateman gefasst wird und ob er ein tatsächliches Problem hat, oder sich seine Gewalttaten lediglich in seiner Phantasie stattgefunden haben.
Broschiert: 548 Seiten
Verlag: Kiepenheuer & Witsch; Auflage: 1 (16. Januar 2006)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3462036998
ISBN-13: 978-3462036992

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen