Donnerstag, 1. April 2010

Blumen für Polt



Autor: Alfred Komarek
Original: Blumen für Polt (2000)
meine Bewertung: 3 von 5

Im Waldviertler Wiesbachtal ist Frühling geworden. Der Gendarm Simon Polt hat nicht nur Frühlingsgefühle der hübschen Dorflehrerin Karin Walter gegenüber, sondern auch alle Hände voll zu tun. Eben ist ein Unfall mit tödlicher Folge passiert. Ein Motorradfahrer, der dafür bekannt war, Unfälle zu provozieren, um die Versicherungsprämien und Schmerzensgeld zu kassieren, hat sich verrechnet. Bei einem seiner selbst herbei geführten Unfälle ist er zu Tode gekommen, der alte und tatterige Fahrer des Unfallwagens muss sich nun vor Gericht verantworten. Für Polt, dessen Gerechtigkeitssinn weit ausgeprägter ist, als es das Gesetz vermag, für Gerechtigkeit zu sorgen, setzt einiges daran, um dem Alten das Leben leichter zu machen.

Außerdem gibt es im Wiesbachtal noch den geistig behinderten Willi, der niemandem etwas zu Leide tut und in seiner Welt der König ist. Er liegt im frischen Frühlingsgras in der Sonne, hat sich eben noch mit Simon Polt unterhalten, der ihn vor dem Lössabsturz gewarnt und ihm eingeschärft hat, diesem nicht zu nahe zu kommen und ist schon im nächsten Moment tot. Für Simon Polt, der mit Willi irgendwie befreundet war, ein tragischer Tod, der ihn auch persönlich berührt. Was wie ein Unfall aussieht, ist keiner, da ist sich Polt sicher.

Als er seltsame Vorgänge unter den Schulkindern Karin Walters bemerkt und sich vier der Jungs besonders auffällig zeigen, setzt er seine Ermittlungen im Fall Willi auch in diese Richtung fort. Doch was können Volksschulkinder mit dem sinnlosen Tod eines harmlosen Menschen zu tun haben? Simon Polt begibt sich einerseits auf eine Reise in die Vergangenheit, als er versucht, Willis leibliche Eltern aufzustöbern, dennoch verschließt er seine Augen auch nicht vor der Gegenwart.

Wie immer ist der Fall Polts nicht besonders actionreich oder nervenzerfetzend, dafür aber so voll von Lokalkolorit und Stimmungen, dass man Komareks Serie dennoch gerne liest, vorausgesetzt, man legt mehr Wert auf die Details als auf einen Pageturner. Bereits wenn man den ersten Band der Serie gelesen hat, fühlt man sich in den Wiesbachtaler Kellergassen wohl und willkommen und kehrt immer wieder gerne dorthin zurück. Wie der jährliche Weihnachtsbesuch bei Verwandten. Er geht einen das ganze Jahr über nicht ab, man hat anfangs nicht die größte Lust darauf, aber wenn man schon einmal da ist, kann man auch ein wenig die Augen offen halten und wird überrascht sein, welche Details man auf eine ruhige, unaufregende Art aus seinen Mitmenschen herausbekommt. Nette Unterhaltung für warme Frühlingstage.
Taschenbuch: 185 Seiten
Verlag: Diogenes Verlag; Auflage: 7., Aufl. (Oktober 2001)
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3257232950
ISBN-13: 978-3257232950

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